Greifbar

GreifBar plus am 08.Febraur 2009

GreifBar_plus_Mt_5_21-30.pdf

 

                                                                 Sex and Crime

    Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt ist (2. Mose 20,13; 21,12): »Du sollst nicht töten«; wer aber tötet, der soll des Gerichts schuldig sein. Ich aber sage euch: Wer mit seinem Bruder zürnt, der ist des Gerichts schuldig; wer aber zu seinem Bruder sagt: Du Nichtsnutz!, der ist des Hohen Rats schuldig; wer aber sagt: Du Narr!, der ist des höllischen Feuers schuldig. Darum: wenn du deine Gabe auf dem Altar opferst und dort kommt dir in den Sinn, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, so lass dort vor dem Altar deine Gabe und geh zuerst hin und versöhne dich mit deinem Bruder und dann komm und opfere deine Gabe. Vertrage dich mit deinem Gegner sogleich, solange du noch mit ihm auf dem Weg bist, damit dich der Gegner nicht dem Richter überantworte und der Richter dem Gerichtsdiener und du ins Gefängnis geworfen werdest. Wahrlich, ich sage dir: Du wirst nicht von dort herauskommen, bis du auch den letzten Pfennig bezahlt hast. Ihr habt gehört, dass gesagt ist (2. Mose 20,14): »Du sollst nicht ehebrechen.« Ich aber sage euch: Wer eine Frau ansieht, sie zu begehren, der hat schon mit ihr die Ehe gebrochen in seinem Herzen. Wenn dich aber dein rechtes Auge zum Abfall verführt, so reiß es aus und wirf's von dir. Es ist besser für dich, dass eins deiner Glieder verderbe und nicht der ganze Leib in die Hölle geworfen werde. Wenn dich deine rechte Hand zum Abfall verführt, so hau sie ab und wirf sie von dir. Es ist besser für dich, dass eins deiner Glieder verderbe und nicht der ganze Leib in die Hölle fahre. (Mt 5,21-30)

 

Theaterstück Willow Creek Kongress Stuttgart

 

Liebe GreifBar Gemeinde,

was bedeutet es, in der Nachfolge Jesu zu leben? Was macht den Unterschied aus, wenn wir sagen, wir möchten Jünger, Schüler, Nachfolger des Jesus von Nazareth sein, des Mannes, der auf dem Berg wie ein König seine Regierungserklärung abgibt? Macht es einen Unterschied, ob ein Mensch Jesus folgt oder ob er es nicht tut?

Es gibt dazu ein paar relativ frische Umfragen aus den Vereinigten Staaten. Man hat dort Menschen befragt, die sich selbst als bekennende, praktizierende Christen bezeichnen. Und man wollte wissen, was sie unterscheidet. 2007 hat man Menschen befragt, was sie in den letzten 30 Tagen getan haben.# Und das Erstaunliche war: Christen haben genauso oft wie alle anderen angegeben, sie hätten gewettet, an Glücksspielen teilgenommen oder pornographische Internetseiten aufgesucht. Oder sie hätten etwas mitgehen lassen, was ihnen nicht gehört, reichlich Alkohol konsumiert, jemanden belogen, sich gerächt oder hinter dem Rücken eines anderen Böses gesagt. Kein Unterschied. 30% der Christen gaben an, während der letzten 30 Tage entweder Online-Pornographie betrachtet zu haben, sexuell eindeutige Filme oder Zeitschriften konsumiert zu haben oder einen außerehelichen sexuellen Kontakt gehabt zu haben. 30% der Christen, 35% der Amerikaner insgesamt. Packen wir die beiden Gruppen in zwei Räume: am Verhalten werden wir sie kaum unterscheiden, allenfalls am Gottesdienstbesuch oder am privaten Gebet. Nur marginale Differenzen werden deutlich: die Christen tun zwei Dinge seltener: sie fluchen seltener und sie trennen den Müll nicht so konsequent. Toll!

Auch wenn wir zu den Einstellungen übergehen, werden wir nicht fündig: Hier ist es spannend, dass jüngere Christen offenbar toleranter sind als ältere. Haben wir also liberaler Junge und alte Tugendwächter? 35% der unter 40jährigen Christen halten es für akzeptabel sich zu betrinken. 57% finden sexuelle Phantasien über andere in Ordnung. 44% haben nichts einzuwenden gegen außereheliche sexuelle Beziehungen und 59% finden nichts dabei, unverheiratet zusammenzuleben. Bei den Älteren sind die Zahlen deutlich niedriger.#

Also, was macht den Unterschied aus zwischen denen, die Jesus folgen, und denen, die es nicht tun? Die Antwort ist komplizierter, als wir vielleicht denken.

Wir versuchen jedenfalls in diesen Wochen, der Frage auf die Spur zu kommen: Was predigt uns der Bergprediger? Was hören wir da? Und wird es dazu führen, dass unser Leben sich verändert, so dass uns nicht nur ein paar religiöse Übungen von anderen unterscheiden? Aber was soll uns unterscheiden?

Jesus predigt auf dem Berg, und es ist so etwas wie seine Antrittspredigt, seine Regierungserklärung. Ein großer Theologe, der in Greifswald studiert hat, Wilhelm Lütgert, hat es so gesagt: „Es ist die Thronrede eines Königs, der seine Regierung antritt.“# Er zeigt uns seinen tiefsten Willen und sein höchstes Ziel. Er will, dass auf Erden geschieht, was im Himmel schon selbstverständlich ist: Gottes Wille. Gottes Reich soll kommen, sein Wille geschehen: wo das geschieht, da ist Jesus am Werk, da regiert der König. Es geht in der Bergpredigt darum zu zeigen, was passiert, wenn Jesus regiert, und wenn das was oben schon gilt, bei uns anfängt, Wirklichkeit zu werden. Es geht darum, auf Jesus zu hören, das ist Kern und Herz dessen, was ein Jünger tut.

Jesus predigt auf dem Berg, und er hält sich nicht bei allgemeinen Fragen auf. Er wird sofort ungemein konkret. Er redet über unser alltägliches Leben. Er fragt, wie Gott sich das vorstellt, z.B. mit unserem Miteinander. Du sollst nicht töten! O.k., ich habe noch niemanden umgebracht. Moment, sagt Jesus, das ist noch nicht alles. Das Töten beginnt in deinem Herzen, mit deinem Ärger, deiner Wut, deinen Hasstiraden, bis es dir aus dem Mund heraustropft, mit bösen Worten, abfälligen Bemerkungen und verletzenden Kommentaren. Da beginnt das Töten. Und dann: Du sollst nicht ehebrechen! O.k., ich habe noch nie mit einer anderen Frau im Bett gelegen. Moment, sagt Jesus, das ist noch nicht alles. Das Ehebrechen beginnt bei deinen Augen, die eine Frau verschlingen, und es wandert in dein Herz, wo du dir Dinge vorstellst, die du, bei Licht betrachtet, niemandem erzählen würdest. Da beginnt das Ehebrechen.

Jesus predigt auf dem Berg, und er hält sich nicht bei allgemeinen Fragen auf. Er redet über unser Leben, unseren Alltag, unsere Gedanken, das, was uns antreibt, was in uns arbeitet, unser Herz. Und er beginnt mit dem Töten und mit dem Ehebrechen, und jeder in Israel wusste, an wen der König damit erinnert, an jenen, der auch ein König war in Israel, an den größten, der am tiefsten fiel, an David nämlich. Wie war das bei David?# Auf dem Höhepunkt seiner Karriere, als ihm mehr von Gott geschenkt worden war, als er sich als kleiner Hirtenjunge je hätte träumen lassen, sieht er des Mittags vom Dach seines Hauses eine Frau im Nachbargarten, und sie badet, und sie ist schön, und sie ist nackt. Es beginnt mit den Augen, sagt Jesus. Und David ist wie festgeklebt mit seinen Augen, die Hormone melden sich zu Wort, und in seinem Herzen stellt er sich vor, wie es denn wäre. Und es wandert in dein Herz, sagt Jesus, wo du dir Dinge vorstellst… Nur ist dummerweise David verheiratet. Und auch die schöne Frau ist verheiratet. Aber das hält David jetzt nicht mehr auf. Er nimmt sie sich und sie lässt sich von ihm nehmen. Da denkt David an den Ehemann der Frau, er ist Soldat im Dienst des Königs. Warum darf er diese Frau haben und ich nicht? Das Töten beginnt in deinem Herzen, sagt Jesus. Er schmiedet einen Plan, er lässt den Ehemann im Krieg an die vorderste Front stellen, er sorgt dafür, dass er dorthin kommt, wo es am gefährlichsten ist. Da beginnt das Töten, sagt Jesus. Und tatsächlich, der Mann kommt um, David holt die schöne Frau in seinen Palast. Und er hofft, dass es niemand merkt, aber es kommt ans Licht, und als David endlich erwacht, ist er auf dem Tiefpunkt seines Lebens angekommen. Töten und ehebrechen, das ist David, der beste und größte von uns. Das wusste, wer Jesus auf dem Berg zuhörte.

Um unsere zwischenmenschlichen Beziehungen geht es also, um Töten und Ehebrechen. Heute bleibe ich beim Ehebrechen, nächste Woche geht es um die schwierigen Beziehungskisten.

Jesus predigt über das Reich Gottes: dass das was oben gilt, auch hier unten wirklich wird. Und er zeigt seinen Jüngern, was Nachfolge heißt. Ich möchte das nun im Blick auf das Ehebrechen in vier Schritten mit Euch durchgehen:

ERSTER SCHRITT: JESUS OFFENBART, WAS GOTT WIRKLICH WILL

Was ist denn das Reich Gottes? Unser misstrauisches Herz sagt, naja klar, das ist da, wo der Spaß aufhört. Das ist da, wo die Verbotsschilder beginnen. Das ist da, wo mir verwehrt wird, was alle anderen mit gutem Gewissen tun. Ich erinnere uns nur daran, denn natürlich sagen wir das nicht so, aber wir fühlen mindestens manchmal so. Und es ist dann gut, sich zu erinnern: Haben wir Jesus so kennen gelernt? Ist er uns so begegnet?

Ich mache Euch einen anderen Vorschlag und präzisiere ihn sofort im Blick auf das Thema Sexualität, Beziehungen, Lust, Körperlichkeit:

- Wo Jesus regiert, entwickeln Männer Phantasie, wie sie ihre Frauen ehren und erfreuen können. Blumenläden haben Konjunktur in Gottes Reich.

- Wo Gottes Reich ist, muss kein Kind sich fürchten, dass ihm nachts Grauenhaftes geschieht. Jedes Kind sieht an seinen Eltern, wie Liebe in Treue gelingt.

- Frauen und Männer vergeben einander und arbeiten an ihrer Beziehung. Teufelskreise brechen auf. Das sture Schweigen hört auf. Harte Herzen tauen wieder auf.

- Wo Gottes Wille geachtet wird, gehen Ehepartner mit der ruhigen Gewisseit durch das Leben, dass sie aneinander einen festen Halt haben. Treue regiert die Beziehungen.

- Eine im Ehebruch ergriffene Frau wird nicht gesteinigt, sondern fängt ganz neu an.

- Es gibt eine neue Form von Klatsch: „Du, sag es keinem weiter, aber ich glaube, dein Mann ist dir treu.“

- Auf Dienstreisen schreiben Männer abends noch Postkarten an ihre Kinder anstatt sich Filme und Whiskey reinzuziehen.

- Scheidungswunden heilen aus.

- Frauen vertrauen ihren Männern. Männer sprechen tatsächlich mit ihren Frauen, mal ernsthaft, mal zärtlich, mal im Ringen um einen guten Weg.

- Junge Menschen freuen sich auf die Ehe und darauf, mit ihrem Partner das Abenteuerland zu entdecken. Und sie können darum warten, bis die Ehe den Schutzraum bietet, in dem Sex erst richtig schön wird.

- Alte sitzen händchenhaltend auf der Bank in der Sonne – und er sieht hinter ihren Runzeln die bildschöne Frau, die er seit 50 Jahren liebt. Und beide wissen: Ich kann mich darauf verlassen, geliebt zu werden, auch wenn ich alt und klapprig werde, bis der Tod uns scheidet.

Und alle haben ziemlich viel Spaß miteinander. Das ist das Reich Gottes. Das will Jesus.

ZWEITER SCHRITT: WARUM ES NICHT KLAPPT – EIN BLICK HINTER UNSERE KULISSEN

Du sollst nicht ehebrechen. O.k., das hatten wir. Wir könnten jetzt nach draußen schauen, in eine durch und durch sexualisierte Gesellschaft. Da kommt jetzt die neue Verfilmung von Fontanes Effie Briest ins Kino, und eine Kritikerin sagt, Effie Briest stehe für ein selbstbestimmtes Leben, weil sie den Mut hat, die Ehe zu brechen. Oder Schlinks Vorleser führt uns die Liebesgeschichte eines 15jährigen vor, in allen Details. Eine ganze Kultur brüllt: Begehre! Nimm es Dir. Es steht Dir zu. Aber ich will nicht nach draußen gucken. Zu den Predigern, die Wasser predigen und Wein trinken, zu den gefallenen Politstars und den kleinen Politikern, die ihren Laptop bei einer Prostituierten vergessen, zu den Männern, die ein geheimes zweites Leben leben, zu den Frauen, die lange in einer drögen Ehe aushalten und dann plötzlich einen finden, der sie versteht. Dann könnten wir nämlich sagen: Oh, Mann, haben die ein Problem! Und ich könnte sagen: Seid Ihr nicht auch froh, dass wir nicht so sind, sondern gesunde, normale Leute?

Wir können nämlich bei diesem Thema doppelt abstürzen: zum einen können wir unsere Maßstäbe und dann unser Leben an das anpassen, was uns die Kultur zubrüllt. Zum anderen können wir aber auch unerträglich arrogante, von Vorurteilen zerfressene, unbarmherzig richtende, Steine werfende Saubermänner und Sauberfrauen werden. Selbstgerecht bis zum Anschlag, weil: Wir lagen noch nie im Bett einer Fremden. Alles paletti?

Jesus guckt tiefer. Und er fragt tiefer: Wie sieht es in deinem Herzen aus? Was ist mit deinen Blicken?

Du sitzt in einem Café, mit deinem Partner, und die Bedienung kommt und du denkst, wow, sieht die gut aus, und dann guckst du ein bisschen länger und betrachtest die Kurven ein bisschen genauer. Und du denkst, es merkt ja keiner.

Du fährst mit dem Zug, und da sitzt dieser attraktive Mensch in der Bank gegenüber, und du kriegst die Augen nicht mehr von ihm weg. Und irgendwann fangen die Gedanken an mit den Wünschen zu tanzen: Wie wäre es, wenn du mit ihm jetzt, hier, oder an deiner nächsten Station, einfach ein Abenteuer, keiner muss es je erfahren. Du tust es nicht, aber du denkst es.

Du arbeitest an deinem Rechner, und da kommen diese lästigen Mails, die dir Atemberaubendes versprechen, mit Worten, die du dich nie zu sagen trautest. Erst klickst du sie weg, aber irgendwann öffnest du so eine Seite und schaust dir mit großen Augen und klopfendem Herzen die Bilder an.

Du sitzt in deiner Firma, und da ist dieser Kollege, deutlich jünger, aber immer so aufmerksam, und mittags beim Kaffee redest du mit ihm, bald täglich, und du vertraust dich ihm an, und du fühlst dich so zu ihm hingezogen, führst mit ihm bald tiefere Gespräche als mit deinem Ehepartner.

Jesus sagt: der Bruch in deiner Beziehung fängt da an, da entsteht die Bruchstelle, die eines Tages aufreißen wird. Der Bruch der Treue und Liebe fängt da an, bei den Blicken und den Wünschen und den Gedanken und den Träumen und dem Nachgeben. Da fängt es an.

Damit wir uns recht verstehen: Jesus ist kein Vertreter von Prüderie und kein Verächter des Sex. Es ist auch nicht jeder bewundernde Blick und jede Freude an Schönheit unter Strafe gestellt. Im Übrigen, wann meint ihr, hört das auf, dass wir Schönheit bewundern und den Grace Kellys oder Jennifer Lopez dieser Welt hinterherschauen? Wenn wir tot sind. Und noch im Altersheim guckt der 90jährige nach der flotten 88jährigen. Glaubt’s mir! Das ist o.k.! Nicht o.k. ist das begehrende, Besitz ergreifende, Phantasien erregende Schauen, das Jesus hier anspricht. Darum geht es. Aber daran wird deutlich, wie sehr wir alle Hilfe brauchen, wie wenig ein einziger von uns sich seiner selbst sicher sein kann. Kein einzger! Es geht Jesus um die Zerstörung von Beziehung, die im Unsichtbaren anfängt. Die kleinen inneren und äußeren Akte der Untreue. Die irgendwann da enden, wo Michael und Lynn in unserem Theaterstück landeten: in zerstörtem Vertrauen, enttäuschter Liebe, verweigertem Respekt, dumpfem Schweigen, Ende. Und das ohne dass Lynn mit einem anderen im Bett gelegen hätte! Jesus deckt unsere Not auf: nicht die bürgerliche Anständigkeit, nicht das vordergründig Aufgeräumte unseres Leben, sondern die Untiefen, die dunklen Ecken unseres Herzens, die verschwiegenen Winkel, in die wir niemanden schauen lässt.

DRITTER SCHRITT: WARUM DAS ALLES SO SCHLIMM IST

Jesus gibt seinen Zuhörern seltsame Ratschläge: Er sagt, es sei unter Umständen besser, sich das Auge auszureißen oder die Hand abzuhacken, als gesunden Leibes in der Hölle zu enden. Ich könnte jetzt aus der Kirchengeschichte erzählen, wer das alles wörtlich genommen hat, aber ich erspare es euch. Also, ist das nicht ein bisschen extrem? Muss man wieder Sex und Hölle zusammenbauen?

Mir ist dabei etwas Neues aufgegangen. Und ich glaube, das hilft uns verstehen, was Jesus hier sagt. Er redet vom Himmel und von der Hölle.Und er meint, der Himmel, das Reich Gottes, sei kein ferner Ort am Ende der Galaxie. Der Himmel fängt an, wenn hier schon geschieht, was Gott will und was sich am Ende durchsetzen wird. Wenn sein Reich kommt und sein Wille auf Erden geschieht. Aber so wie eine Sphäre gibt, in der sein Wille geschieht und Jesus als König regiert, so gibt es eine Sphäre, in der Gott der Gehorsam verweigert, sein Name verachtet und sein Reich verneint wird. Und das, genau das ist die Hölle, und auch die ist nicht ein dunkles Reich am anderen Ende der Galaxie, auch die Hölle kann in unser Leben hineinreichen. Es gibt auch eine Invasion der Dunkelheit auf die Erde. Wo Gottes Wille mit Füßen getreten und Menschen missbraucht, emotional, sozial und sexuell misshandelt werden, da greift die Hölle nach der Erde. Und Ehe, das ist vorne ein e und hinten ein e und in der Mitte ein h und das kann ein Himmelsgärtchen sein oder ein Vorhof der Hölle.

Und Jesus redet so ernst, weil er nicht möchte, dass die Hölle nach uns greift, sondern dass der Himmel zu uns kommt. Und er regt uns nicht dazu an, uns zu verstümmeln. Er weiß ja zu genau, dass das Problem nicht in unseren Gliedern, sondern in unserem Herzen wohnt. Aber er sagt auch: Es wird ein Kampf sein, auch wenn es um Eheglück und Ehenot geht, es wird ein Kampf sein. Und du wirst diesen Kampf nicht gewinnen, wenn du weich und mild zu dir selber bist, dir zu schnell erlaubst, was nicht gut ist, dich gehen lässt und den Gedanken, Phantasien und Wünschen freien Lauf lässt.

Und er redet so ernst, weil er möchte, dass wir Jünger werden, an denen etwas von der Schönheit des Reiches Gottes abzulesen ist. Dass wir im anderen Menschen das Ebenbild Gottes ehren, dass wir verlässlich und treu füreinander werden, dass unsere Beziehungen uns durchtragen in guten und in schweren Zeiten, dass wir uns aneinander freuen und uns mehr und mehr entdecken. Und dass gerade so Sex etwas ungemein Menschliches, Frohes, Erfüllendes wird.

Aber wie? Denn so sind wir nicht. Die Bergpredigt ist ja wie ein Spiegel, in dem wir uns selbst erkennen und wahrhaftig werden müssen. Da wird uns jede Arroganz gegen andere ausgetrieben. Und da erkennen wir, wie tief der Schaden unseres Lebens ist. Wenn wir jetzt in der Passionszeit an den Kreuzestod Jesu erinnert werden, dann können wir das heute so hören: Das alles trug er ans Kreuz. So steht es um uns. So schlimm, dass Jesus dafür starb. So sehr aber sehnt sich der Himmel danach, uns der Hölle zu entreißen, dass er diesen Preis bezahlt hat. Und das führt uns zum letzten Schritt:

VIERTER SCHRITT: DIE RICHTUNG UNSERER VERÄNDERUNG

Wenn wir sehen, was Gott will und wie gut es wäre, wenn genau das geschähe, und wenn wir sehen, wo wir sind und wie sehr wir der Hilfe bedürfen, dann ist auch klar, in welche Richtung uns der Geist Gottes ziehen wird. Das ist Nachfolge: wir haben es noch nicht ergriffen, aber wir jagen ihm nach. Wir strecken uns nach dem aus, was im Himmel gilt. Wir lassen das Alte mehr und mehr hinter uns. Wir setzen darauf, dass Gottes Geist unser Leben erneuert. Und dazu möchte ich am Ende noch drei kurze Hinweise geben:

ERSTER HINWEIS: UNSER JA ZU GOTTES MAßSTÄBEN FÜR UNSERE SEXUALITÄT

Von Hiob heißt es an prominenter Stelle, er habe einen Bund geschlossen. Und sein Bundespartner waren – seine Augen! Er hat mit seinen Augen einen Bund geschlossen, keine fremde Frau begehrlich anzusehen.# Das ist ein schönes Bild. Der Geist Gottes wird uns darin unterstützen, solche Entschlüsse zu fassen: Gottes Maßstäbe für unseren Umgangen mit der Sexualität anzuerkennen. Treue zu halten. Kompromittierende Situation meiden. Bilder nicht anschauen. Ich habe für mich eine ganz einfache Testfrage. Das ist die „könnte NN dabei sein?“-Frage. Wer NN ist? Oh, ich wähle dann immer die härteste Variante! Ihr denkt jetzt sicher ehrfurchtsvoll, ihr seid ja eine christliche Gemeinde, es ist die „könnte-Jesus-dabei-sein?“-Frage. Aber es ist viel härter! Es ist die „Könnte-Christiane-dabei-sein?-Frage. Könnte ich das jetzt denken, mir vorstellen, anschauen, sagen oder tun – und sie säße bei mir? Ein sehr guter Filter!

Und ich merke eines: Es ist wie bei gutem Training. Ein bestimmter Muskel wird gestärkt, und zwar durch Belastung. Der Geist Gottes stärkt mich genau an dieser Stelle, und ich spüre, ich bin stärker, als ich dachte. Begierde verspricht Freiheit, aber sie bringt Schmerz, wie es unser Theaterstück so eindringlich gezeigt hat. Der Geist Gottes macht frei.

ZWEITER HINWEIS: EIN ERFÜLLTES LEBEN LEBEN

Dies ist nun ein Hinweis, den ich mal wieder John Ortberg verdanke.# Warum, so fragt er, sind wir an dieser Stelle so verletzlich? Wir sind es, wenn unsere Seele nicht im Frieden mit sich ist. Wir suchen tiefe Befriedigung. Und wenn wir sie nicht bei Gott haben, dann suchen wir sie an anderer Stelle. Und darum ist die Frage des Ehebruchs eine tief geistliche Frage. Dallas Willard sagt: Wenn wir kein zutiefst befriedigendes Leben finden, hat das immer den Effekt, sündiges Handeln attraktiv zu machen und als gut scheinen zu lassen. Wir haben einen Hunger, der größer ist, als ihn ein anderer Mensch, gar ein anderer menschlicher Leib je stillen könnte. Es ist der Hunger danach, bedingungslos und grenzenlos geliebt zu werden. Darum fängt die Bergpredigt so an, dass sie uns der grenzenlosen Liebe Gottes versichert. Selig seid ihr, sagt Jesus. Selig, nicht die Gewinner, nicht die Supermodels, nicht die Reichen und Mächtigen, nicht die mit der weißen Weste. Selig seid ihr, die mit den Falten, die ihr euch nicht attraktiv findet, ihr die ihr so viel bedauert, euch schämt, so schuldig wurdet, selig seid Ihr, die ihr gefallen seid. Nicht weil das alles so toll war. Aber weil für Euch die Tür zum Himmel weit offen steht. Selig seid ihr, weil Vater euch so liebt, die ihr euch das nicht zu denken wagt. Selig ihr Prostituierten, selig ihr Süchtigen, selig ihr Misshandelten und Missbrauchten. Selig, selig, selig, ihr Gescheiterten, ihr, deren Versagen offenkundig ist, und deren Versagen niemand je zu Gesicht bekam. Selig, kommt her zu mir, die Tür zum Himmel steht offen. So beginnt alle Erneuerung.

LETZTER HINWEIS:

Erinnert Euch bei allem, was Euch vielleicht heute deutlich wurde. Es gibt keine Wunde, die Jesus nicht heilen könnte. Es gibt keine Schuld, die er nicht vergeben könnte. Gott ist der große Fachmann, wenn es darum geht, Tränen abzuputzen. Und er ist der, dessen Geduld nicht endet, wenn es um einen neuen Anfang geht, und wieder und wieder und wieder. Lauf heute zu ihm und sag es ihm, wo du deinen Bund gebrochen und eine dumme Wahl getroffen hast. Er schickt Dich nicht weg. Er schließt dich in die Arme, er speist dich mit Brot des Vergebens und Wein der Freude. Egal wie sehr du dich schämst, egal wieviel du bedauerst. Denke daran: Es gibt keine Wunde, die Jesus nicht heilen könnte, und es gibt keine Schuld, die er nicht vergeben könnte. Wenn GreifBar zu einem Hort der Selbstgerechten wird, verrät es Vaters heiligsten Willen. Wenn wir uns nicht mehr unterscheiden von allem, was unsere Kultur um uns herum vorlebt, verraten wir den Wunsch des Herrn, dass das, was oben schon gilt, auch hier bei uns wirklich wird. Dazwischen stehen wir. Aber das Entscheidende ist, dass er nicht so mit uns redet, um uns davon zu jagen, sondern dass er so mit uns redet, um uns zu sich zu ziehen, und zwar hier und heute.

Und Gottes Volk stimmt ein und ruft: AMEN.