Greifbar

GreifBar plus am 9.November 2014

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                   Das Abenteuer der Ehe (1)

    Denn das ist der Wille Gottes, eure Heiligung, dass ihr meidet die Unzucht und ein jeder von euch seine eigene Frau zu gewinnen suche in Heiligkeit und Ehrerbietung, nicht in gieriger Lust wie die Heiden, die von Gott nichts wissen. (Thess 4,3-5)

Liebe GreifBar-Gemeinde,

was bedeutet es eigentlich, wenn „zwei unter einer Decke stecken“? Was soll eigentlich diese Redensart sagen? Ich werde es Euch verraten, und zugleich ein pikantes Detail aus der Ehe von Martin und Käthe Luther dazu. (2) Es geschah in der Nacht vom 13. auf den 14. Juni 1525. Es geschah in der Hochzeitsnacht im ehelichen Schlafzimmer der Luthers. Anwesend waren Käthe und Martin, aber auch der Pfarrer Johannes Bugenhagen und der Jurist Justus Jonas. In der Hochzeitsnacht hatten Käthe und Martin also: Zuschauer beim Sex. So verlangte es altes Recht, der Sachsenspiegel aus dem Jahr 1220. Die Rechte und Pflichten der Eheleute begannen nämlich mit Sex, dem ersten Mal Sex. Und weil das rechtlich relevant war, brauchte es Zeugen. Also ganz praktisch: Die Zeugen geleiten das Paar ins Schlafzimmer, entkleiden es (Beide! Vollständig!) und - Achtung, jetzt kommt es – stecken die beiden unter ihre erste gemeinsame Decke. Man nannte dies „das Beilager“. 8 Übrigens, nur zur Beruhigung, sobald die beiden unter einer Decke steckten, vertraute man auf das Normale und zog sich züchtig zurück. Ich habe hier einen Holzschnitt gefunden aus dem Werk „Schöne Melusine“ (15. Jh.), auf dem man das auch sieht: Reymont und Melusine werden hier zu ihrem Lager geleitet. (3) Darum also geht es, wenn zwei unter einer Decke stecken. Man möchte sagen: Wie gut, dass sich die Sitten ändern.

Was sich nicht ändert, ist aber dies: Zwei möchten unter einer Decke stecken. Allen Änderungen zum Trotz heiraten in Deutschland jedes Jahr zwischen 370.000 und 400.000 Paare. (4) 45,7% der Deutschen sind verheiratet, und bei den übrigen zählen ja Säuglinge und Verwitwete ebenso mit wie Unverheiratete, Geschiedene und ohne Trauschein Zusammenlebende. (5) Allen Änderungen zum Trotz: Es lockt immer noch die meisten, man möchte gerne unter einer Decke stecken.

Wir fragen heute: Wie kann das gelingen? Wie kann es gut gehen, wo wir doch auch sehen, dass allein 2013 etwa 170.000 Ehen geschieden wurden. (6) Wir fragen: Wie kann das gelingen, wenn diese zwei unter einer Decke stecken und sich einig sind, dass sie in ihrer Ehe, als Mann und Frau Jesus nachfolgen möchten? Was bedeutet es, im Alltag einer Ehe Jesus nachzufolgen?

Darüber möchten wir sprechen. Und wir möchten Euch zu diesem Abenteuer ermutigen. Die, die verheiratet sind, die, die es sein werden, die, die darüber nachdenken, ob sie es sein werden, und die, die Eheleute in ihrer Umgebung ermutigen wollen. Wir tun das und ahnen dabei den Schmerz, wo es zweien nicht gut erging und ein Haufen Scherben im Leben liegt. 8

Es geht ja um einen Bund, um das Abenteuer, immer wieder Neues mit immer demselben Menschen zu erleben, nicht aber immer dasselbe mit immer neuen Menschen zu erleben. Es ist ein Bund, kein Vertrag, den ich löse, wenn ich nicht mehr mag. Es ist ein Bund, keine Stimmung, nichts, was man nur lebt, solange die Flugzeuge im Bauch kreisen. Es ist ein Bund, und es geht um das, was Paulus so ausdrückt: Jeder suche immer wieder, immer wieder seinen Partner zu gewinnen, in Heiligkeit und Ehrerbietung, also mit Blick auf Jesus und im Respekt vor dem anderen. Es ist ein Bund und ein Abenteuer: Man beginnt im Honeymoon und stürzt in den Alltag, fährt zu IKEA, geht über Höhen und durch dunkle Tiefen, lebt allein, dann mit Säuglingen, mit Schulkindern, fährt wieder zu IKEA, lebt mit Jugendlichen im Umbau, gerade noch als Familie, plötzlich aber wieder allein, im leeren Nest, zwei müssen wieder lernen, nur zwei zu sein, dann wieder als Großeltern, dazu noch erst geschäftig, dann plötzlich im Ruhestand, bringt IKEA zum Sperrmüll, wird dann irgendwann sicher schwächer, vielleicht krank, vielleicht kommt für einen der Nebel des Vergessens, steht irgendwann gewiss an jener Grenze, an der eins das andere zurückgibt an Jesus. Wie kann dieses Abenteuer bestanden werden: immer derselbe, immer das Neue? 8

Wir können ja nur weniges beleuchten in einer knappen halben Stunde. Es gäbe Dutzende von Themen, wir müssen uns beschränken. Darum schauen wir miteinander drei Themen an: Als erstes:Gemeinsames und Verschiedenes. Als zweites: Sexualität und Pornografie. Als letztes: Konflikt und Vergebung.

Gemeinsames und Verschiedenes

Dass Eheleute vieles gemeinsam lieben und in vielem so völlig verschieden sind, das ist das Salz in der Suppe einer Ehe. Das finden übrigens auch Ballauf und Schenk:Filmclip aus dem WDR-Tatort „Wahre Liebe“ vom 28.9.2014

Man 8Und jetzt kommen die Dinge zusammen: Es ist eine ganz wichtige Arbeit, wenn man plant zu heiraten: Was haben wir gemeinsam und wo sind wir verschieden? Und es gibt Unterschiede, die zu schweren Konflikten führen: wenn einer Kinder will und der andere nicht, wenn der Umgang mit Geld grundlegend gegensätzlich ist, oder wenn kein gemeinsamer Glaube die Partnerschaft trägt. Es gibt aber Unterschiede, die unvermeidbar sind: Unterschiede im Charakter, in der Prägung, in den Erfahrungen, die man vorher gemacht hat. Sie ziehen uns erst an, und dann werden sie zur schweren Aufgabe. Je eher ich lerne, dass der andere so ist wie er ist, und zwar weil er tatsächlich so ist, und nicht aus purer Bosheit, desto besser. Und je eher ich aufhöre, den anderen erziehen und verändern zu wollen, desto besser. Versteht mich nicht falsch: Natürlich muss man ansprechen, was stört und ärgert. Aber grundlegend zerstört es die Ehe, wenn eins das andere nach dem eigenen Bild formen will. Wenn zwei darüber Frieden finden, so verschieden zu sein, geschieht etwas Seltsames: Sie gewinnen Sicherheit, nicht Objekt von Erziehung zu sein. Ich darf so sein. Sie gewinnen Gelassenheit: Es lohnt sich einfach nicht, darüber zu streiten, ob eine Staubbelastung von 0,1% auf dem Schreibtisch eine maximale Katastrophe darstellt. Und sie gewinnen Humor dabei zuzuschauen, wie der andere mal wieder so ist, wie er ist. Das gewinnt Oberhand, auch wenn Differenzen immer mal wieder schmerzen. Und irgendwann merken die zwei, wie sie sich doch ein wenig, ganz behutsam, aneinander angenähert haben.

Sexualität und Pornografie

Wir haben uns entschieden, dieses zweite Thema anzusprechen, weil es wiederholt in der Gemeinde als Frage aufkam. Vielleicht ist es am wichtigsten zu erkennen, dass mit der Ehe nicht alle Probleme aufhören. Ich weiß, dass Euch das jetzt total überrascht: Mit der Eheschließung hören nicht alle Probleme auf. Auch nicht beim Thema Sexualität. Da gäbe es viel zu sagen, was aber nach unserer Überzeugung eher in die Seelsorge als in eine Predigt gehört.

Pornografie ist aber ein Thema, das Eheleute und Unverheiratete betrifft. Eheleute betrifft es, wenn es mit der Sexualität schwierig wird. Mit das ist so: Wenn eine Ehe schwierig wird, dann leidet als erstes die gemeinsame Zärtlichkeit. Der Körper spürt, was in der Seele los ist, und geht auf Abstand. Und das letzte, was geheilt wird, wenn eine Ehe sich erneuert, ist wiederum die gemeinsame Zärtlichkeit. Es dauert, bis der Leib wieder in die Seele schreibt: Wir sind eins, ganz und gar, auf immer. Und dann kann es sein, und zwar fast ausschließlich bei Männern, dass sie ausweichen, unter anderem in den Konsum von Pornografie. Und natürlich spreche ich damit ein Thema an, das ebenso stark die betrifft, die nicht verheiratet sind und nicht in einer festen Beziehung leben. Sie alle würden vielleicht sagen: Was bleibt mir denn anderes übrig? Und: Was ist denn so schlimm daran, mir mal ein Video reinzuziehen oder ein paar Bilder anzuschauen. Das ist doch besser als ein Gang zur Prostituierten oder ein One-Night-Stand.

Ihr Lieben, hier geht es auch nicht darum, vom hohen Ross der glücklichen Ehe herab zu urteilen. Hier geht es auch nicht darum gering zu schätzen, wie stark dieses Gemisch aus Sehnsucht, Drang, innerer Leere, Frust sein kann, wie stark und wie notvoll. Es geht auch nicht darum, sich für einen Ausrutscher lebenslang zu schämen. Es geht aber darum, Jesus im Alltag zu folgen und zu vertrauen. Und darum möchte ich ein paar Anmerkungen zur Pornografie machen:

Die erste: Wir sind beim Konsum mit Pornografie nur scheinbar mit uns allein. Wir sind nur scheinbar mit uns allein. Wir sind nämlich hier mit Frauen zusammen, wenn auch nur virtuell, die sich für uns und Tausende ausziehen, ihren Körper zur Ware machen, oft unter unsagbaren Bedingungen leben, Frauen, die das nicht aus Lust, sondern oft aus Not, manche unter Zwang tun. Frauen, die so tun, als wäre es ihre größte Begierde, unsere männlichen Bedürfnisse zu befriedigen. Bloß weil es für uns nur virtuell ist, nur Bild, Film, Internet, ist es das für diese Frauen nicht. Sie verkaufen uns ihren Leib. Sie prostituieren sich. Sie führen ein Leben, das sie in aller Regel hassen, für das sie sich schämen.

Das zweite: Wir können hier ganz neu verstehen, was Jesus meint, wenn er den Ehebruch neu definiert. Er sagt ja in der Bergpredigt: Nicht nur wer mit einer anderen in die Kiste steigt, bricht die Ehe, es ist das schon ein Bruch der Ehe, wenn ich eine andere begehre, mit den Augen ausziehe, zum Objekt der Triebbefriedigung mache. (9) An kaum einer Stelle wird der Unterschied von Sex als Konsumgut und Sex als Bundeszeichen deutlicher. Ich bin mit meinem Leib ausschließlich auf meine Befriedigung aus und gebrauche dazu den Blick auf andere, ohne persönliche Nähe, ohne Zuneigung, ohne Verpflichtung, ohne Verantwortung für das Geschick der Frauen, die sich dafür hingeben. Ich bin überzeugt, dass Pornografie Ehebruch bedeutet.

Und das letzte: Wer immer wieder Pornografie konsumiert, der verändert sich. Mancher hört das nicht gerne, aber es ist ziemlich gut erforscht: Wer regelmäßig Pornografie konsumiert, braucht es auf Dauer immer schriller und härter, immer öfter und länger. Und das hat eine Kehrseite: Man kann hier von einer „Lovemap“ sprechen, einer Liebeslandkarte. (10) In gesunden Beziehungen, etwa in einer halbwegs glücklichen Ehe, spielen Tausend Dinge beim Sex eine Rolle: die Atmosphäre, der Geruch, ein Lächeln, Worte, leichte Berührungen an Hand, Ohr, Rücken und vieles mehr. Wer regelmäßig Entlastung in der Pornografie sucht, reduziert diese Landkarte immer mehr. Am Ende geht es nur noch um das roh Genitale. Fertig. Die eigene Fähigkeit zu empfinden, zu genießen, zu geben und zu empfangen und darin froh zu werden, leidet. Wer sich selbst nur bei sich selbst sucht, wird sich selbst verlieren.

Pornografie ist also Sünde. Und darum gilt für sie für jede Sünde: Nichts, was Jesus nicht reparieren könnte. Nichts was so schlimm wäre, dass er es nicht vergibt. Kein Bereich, indem er uns nicht helfen kann, stark zu werden: und das bedeutet, Freiheit zu haben. Freiheit ist auch die Kraft des Erwachsenen, etwas zu lassen und dem eigenen Trieb nicht ausgeliefert zu sein. Freiheit ist die Kraft, diese starken Energien anders einzusetzen: also dem Trieb nicht nachzugeben, Orte und Situationen, Sender und Internetquellen gar nicht erst aufzusuchen, sondern zu fliehen, „nicht in gieriger Lust“ zu leben, sagt Paulus. D.h.: Meiden! Beenden! Gar nicht erst anfangen! Schließlich:

Konflikt und Vergebung

Wer unter einer Decke steckt, hat auch Konflikte. Unter buchstäblich einer Bettdecke würde ich es gar nicht aushalten, das gäbe Mord und Totschlag! Aber auch das gehört dazu, wenn wir Jesus als Eheleute nachfolgen: Es ist naiv zu denken, wir könnten Konflikte aus unserer Ehe verbannen. Die größte Kunst ist es mit Differenz klarzukommen. Das bedeutet: Es gibt immer wieder auch Differenzen. Venus und Mars kommen nicht nur friedlich miteinander aus. Der erste Ehekrach geschieht im Paradies: Adam schiebt alles auf Eva, und ich frage mich, wie sich wohl Eva da gefühlt hat. Übrigens fängt auch hier erst der Kampf der Geschlechter an. Dass eins über das andere herrschen will, das ist etwas, was jenseits von Eden beginnt. Es ist nicht Gottes guter, ursprünglicher Wille, dass einer herrscht und der andere gehorcht, einer Karriere macht und der andere nur den Dreck wegräumt, einer sich verwirklicht und der andere das Familienleben in Gang halten muss. Da ist viel auszuhandeln, in der Offenheit der Rollen von Mann und Frau heute noch mehr als früher.

Also Konflikte! Und auch das gehört hierher: Sie können tief einschneiden in das gemeinsame Leben, tief ins Fleisch, sie können zermürben und auseinanderziehen, das Band belasten und bedrücken, bis es reißt. Und so kann man auch hier nicht von Ehe sprechen, ohne von der Möglichkeit zu sprechen, dass Ehe scheitern kann. Es kann so viel Entfremdung eintreten, dass es miteinander nicht mehr geht. Es kann so viel Verschuldung aufgehäuft werden, dass die Liebe darunter erstickt. Das Miteinander kann so schlimm werden, dass ein Ohneeinander erträglicher erscheint und oft auch ist. Der Schmerz ist immer groß. Das Gefühl, es nicht gepackt zu haben. Enttäuschung. Scham. Verlorene Jahre. Verlorene Zukunft. Zerrissene Familien. Ihr kennt das, selbst, aus Eurem Umfeld, bei Eltern, Verwandten. Und wir haben keinen Grund hochnäsig zu sein: In jeder Beziehung steckt auch diese Möglichkeit. Es ist immer ein Gemisch aus günstigen Umständen, harter Arbeit und sehr viel Gnade, wenn eine Ehe gut gelingt.  Wir haben allen Grund, dann umso näher zu Jesus zu rücken. Jesus lässt sich nicht scheiden. Wenn der Partner geht, geht er nicht. Wenn ich versagt habe, versagt er sich mir nicht. Er ist der Fixpunkt, der Treue, der Heiland, der Herr der neuen Anfänge, der da ist, wenn ich allein bin und keinen mehr habe, der Bräutigam der Gemeinde und jedes seiner Jünger. Und darum erkennt man eine Jesus-Gemeinde nicht nur an vielen guten Ehen, sondern auch an der Liebe, der Achtung, dem Verständnis, das hier für die herrscht, die nicht Erfüllung, sondern Zerbruch erlebt haben.

Konflikt ist also unvermeidlich. Aber lange, lange, lange ist auch Reparatur möglich. Und das soll unser letzter Gedanke heute sein. Wenn es also kracht, dann hilft vielleicht 8 KRAFT. Das ist ein Wort, dessen einzelne Buchstaben für Schritte im Umgang mit Konflikten in der Partnerschaft stehen.(11)

K steht für Konversation, zu deutsch: Gespräch. Wir meinen damit, dass es erst Sinn macht, einen Konflikt zu klären, wenn beide wieder im Konversationsmodus funktionieren. Anders gesagt: Wenn die Emotionen überkochen, dann wird ein klärendes Gespräch wohl kaum klappen. Dann ist es besser, wenn erst einmal jeder seiner Wege geht und beide sich für später verabreden. Unser Gehirn schaltet nämlich von Vernunft und Gespräch um auf so etwas wie „Fight or flight“, es hat gelernt, in Gefahr musst du wegrennen oder kämpfen. Rückzug oder Angriff. Bei den einen gibt es (es sollen öfter die Männer sein) kühlen Rückzug, unzugängliches Schweigen, bei den anderen hitzige Attacken. 8 Man könnte es auch mit so sagen: Unser Gehirn macht dann den Jürgen Klopp, wenn er ausrastet. Konversation ist abgeschaltet, Kampfmodus ist eingeschaltet. Schlechte Voraussetzung für ein klärendes Wort mit dem vierten Unparteiischen. Im Klopp-Modus kann unser Gehirn keinen Schaden reparieren. Also: man muss erst runterkommen, zurück zum Konversationsmodus. 8

R steht für Rückblick. Und beim Rückblick geht es nicht darum, was wirklich war. Das werdet Ihr nie herausfinden. Oder: Darauf werdet Ihr Euch nie einigen. Nicht was wirklich war, ist wichtig, sondern wie der eine, wie die andere das erlebt hat, empfunden und gefühlt, was war. Jakobus sagt: Seid schnell zum Hören und langsam zu Reden und langsam zum Zorn.(12)Jetzt gilt es: schnell zum Hören, langsam zu Reden. Wie war das für mich, wie war das für dich. Da geht es  z.B. ums Zuspätkommen. Ich kann dann sagen: Du bist wieder einmal viel zu spät gekommen. Immer kommst Du zu spät. Oder ich kann sagen: Ich hatte mich auf Dich gefreut und auf die gemeinsame Zeit. Und dann war ich traurig, als Du nicht kamst. Rückblick: Wie war das alles – für Dich und für mich! 8

A steht für Aussprechen. Und zwar spreche ich aus, dass ich die Verantwortung übernehme für meinen Teil des Problems. Ich spreche aus, dass ich dem anderen weh tat und bitte ihn um Verzeihung. Wenn Jesus doch alle Schuld verzeiht, dann ist es nicht mehr der Untergang meiner Seele, wenn ich zugebe, ein schuldiger Mensch zu sein. Das qualifiziert mich ja geradezu für die Nähe zu Jesus. Ich muss meine Festung nicht verteidigen. Ich habe gehört, was es für den anderen bedeutete, und dass ich ihn verletzt habe. Darum sage ich: Es tut mir Leid, ich habe Dir weggetan. Ich möchte das nicht. Bitte verzeih mir. Das ist das Wundermittel einer guten Ehe: Dieses Eingeständnis öffnet alle Türen. Ich weiß, wovon ich rede: Männern fällt das erfahrungsgemäß schwerer, aber es ist ein echter Wachstumsbereich für männlichen Mut. 8

F steht für Freisprechen. Das ist nun ebenso wichtig: Dass der andere nun auch verzeiht. Ich will nicht länger, dass er bestraft wird. Ich will nicht länger ihm sein Versagen mühevoll hinterhertragen. Ich weiß doch, wie sehr ich das selbst brauche. Und so wichtig es ist, wirklich auszusprechen: Ich bitte Dich um Verzeihung. So wichtig ist es auch zu sagen und zu hören: Ich verzeihe Dir. Es ist in Ordnung, es ist wieder gut. Frauen fällt es manchmal schwerer, den Partner, der sich als schwach und fehlbar gezeigt hat, zu achten, wirklich zu respektieren. Das auch gehört zum Verzeihen: Ich verzeihe Dir. Und ich achte Dich! 8

T steht schließlich für Transformation, das bedeutet: Veränderung. Jetzt sind beide im Konversationsmodus. Und das heißt: Jetzt können sie beraten, wie sie ihr Miteinander besser gestalten können. Es sind die vielen, vielen kleinen Schrauben im Alltag, an denen man drehen kann und muss, immer wieder, aber sie führen auch dazu, dass die Ehe wieder läuft, gut läuft, vielleicht sogar immer besser läuft. Und dann kann eine Ehe auch jenseits des Paradieses ein kleiner Paradiesgarten sein. 8

Was bleibt am Ende: Die Ehe ist ein Bund und ein Abenteuer. Zwei Menschen Hand in Hand und zusammen in der Nähe von Jesus. Zwei Menschen, die unter einer Decke stecken. Ein Abenteuer, darum auch harte Arbeit. Aber: Jesus ist gewillt, alles Nötige zu tun, dass die zwei beieinander und miteinander bei ihm bleiben. Und am Ende werden die zwei sagen: Dass es so wurde, das verdanken wir Jesus. Ehe braucht Jesus. Eheleute brauchen Jesus. Der Dritte im Bund ist ihr Geheimnis. Ihn ehren, lieben und loben wir als Gemeinde und rufen darum am Ende: AMEN.

 


(1) Blau eingerückt: C. Herbst, schwarz ausgerückt: M. Herbst

(2) Diese schöne Geschichte verdanke ich einem Gespräch im Zug mit Andreas Malessa, der sie ausführlich dokumentiert in seinem neuen Buch: „Hier stehe ich, es war ganz anders. Kleines Lexikon der Irrtümer über Luther“, das im Frühjahr 2015 erscheinen wird. Das Kapitel wird lauten: Luther und seine Frau hatten Zuschauer beim Sex.

(3) Fundort: http://de.wikipedia.org/wiki/Ehe - aufgesucht am 8.11.2014.

(7) Martin Koschorke in: Keine Angst vor Partnern.

(8) Rick Blackman im Gespräch mit John Ortberg am 15.4.2013 in MPPC San Francisco: I want my life back. Reclaim your marriage.

(9) Vgl. Mt 5,27f.

(10) So Ulrich Giesekus: Liebe, die gelingt und den Alltag besteht. Gießen 2004, 101-107.

(11) In Anlehnung an die Predigt in MPPC s.o. Anm. 8.

(12) Jak 1,19.