GreifBar plus am 12.06.2011
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Das andere Pfingsten- der tröstende Beistand
- 4b Bisher habe ich nicht mit euch darüber gesprochen, weil ich ja bei euch war. 5 Aber jetzt gehe ich zu dem, der mich gesandt hat. Und keiner von euch fragt mich: ›Wohin gehst du?‹ 6 Denn ihr seid erfüllt von tiefer Traurigkeit über das, was ich euch sage. 7 Doch glaubt mir4: Es ist gut für euch, dass ich weggehe. Denn wenn ich nicht von euch wegginge, käme der Helfer nicht zu euch; wenn ich aber gehe, werde ich ihn zu euch senden. 8 Und wenn er kommt, wird er der Welt zeigen, dass sie im Unrecht ist; er wird den Menschen die Augen öffnen für die Sünde, für die Gerechtigkeit und für das Gericht5. 9 Er wird ihnen zeigen, worin ihre Sünde besteht: darin, dass sie nicht an mich glauben. 10 Er wird ihnen zeigen, worin sich ´Gottes` Gerechtigkeit erweist: darin, dass ich zum Vater gehe, wenn ´ich euch verlasse und` ihr mich nicht mehr seht. 11 Und was das Gericht betrifft, wird er ihnen zeigen, dass der Herrscher dieser Welt verurteilt ist. 12 Ich hätte euch noch viel zu sagen, aber ihr wärt jetzt überfordert. 13 Doch wenn der ´Helfer ` kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch zum vollen Verständnis der Wahrheit6 führen. Denn was er sagen wird, wird er nicht aus sich selbst heraus sagen; er wird das sagen, was er hört. Und er wird euch die zukünftigen Dinge verkünden. 14 Er wird meine Herrlichkeit offenbaren; denn was er euch verkünden wird, empfängt er von mir7. 15 Alles, was der Vater hat, gehört auch mir. Aus diesem Grund sage ich: Was er euch verkünden wird, empfängt er von mir.« (Joh)
Das andere Pfingsten – Der Geist als Tröster [Text einblenden 1] Eine Sache, die sehr typisch ist für großen GreifBar – auch im Gegensatz zu anderen GästeGD, die mir mindestens bekannt sind Begeisterung für Filme – Sequenzen, die eindrucksvoll die thematische Ausrichtung des GD untermauern; Szene vom letzten mit den Schattenseiten und diesem Jungen, der mit seinem gekränkten Jähzorn seinen Kumpel ersticht – fast, wie ich mit einem tiefen Aufatmen feststellte Gern hätte ich zum heutigen Predigttext auch eine Filmszene eingespielt Selbst gedreht; Denn der Stoff ist der, aus dem die Heldengeschichten sind; Die Szene, die wir heute im Predigttext nur ausschnittsweise finden, ähnelt den Abschnitten manch großer Sagas, historischer Dramen oder die Fantasyfilme. Ich kann sie nun nur sprachlich etwas entführen (Phantasiereise) Schließen Sie die Augen: Stellen Sie sich vor Ihrem inneren Auge vor: ------- Eine heiße Stadt; Staub; Trubel den ganzen Tag; Nun dämmert es; Die Mauern glühen nach; Grillen zirpen; Langsam kehrt Ruhe ein; die Stadt geht schlafen; Wir sind Abseits. In einem Hinterhof: Ein kühles Obergemach mit offenen Fenstern, eine sanfte Brise, Drinnen: Ein großer Tisch: Gestalten in Gewändern. In der Mitte, der heilige Gral – Wein Brot; Es wird gegessen; 13 Männer… Noch; einer entflieht entschlossen in die Nacht. 12 bleiben; Auch sie sind ernst. Einer redet, der Meister. Die anderen hören. Auf bedeutungsschwere Worte. Die Zeichen stehen auf Abschied. „Herr, wir wissen nicht, wo Du hingehst.“ sagt einer. „Du kannst mir jetzt nicht folgen,“ sagt der Herr. „Dort gibt es viele Wohnungen.“ „Bleibt an mir.“ Und dann bereitet Jesus sie vor, auf die Zeit nach seinem Abschied. Er erklärt ihnen ihre Mission: „Wenn ich gehe, müsst Ihr meine Sache weitertragen. Bis an die Enden der Erde. Und macht es nach meiner Regel. Nach der Regel der Liebe.“ Die Jünger sind willig und motiviert. Sie brennen ja für die Sache ihres Meisters. Nur, daß er geht, paßt nicht in ihr Bild. Doch Jesus bleibt dabei: Er muss gehen, auch wenn sie das nicht verstehen. Und er macht es noch schlimmer: „Ihr werdet geschmäht werden. Sie werden Euch verfolgen und töten.“ Doch: „Wenn die Welt euch hasst, dann denkt daran, dass sie mich schon vor Euch gehasst hat.“ Der große Feind – der Herr dieser Welt steckt dahinter. „Dieser Weg wird kein leichter sein.“ Die Jünger sind geschockt. „Wo Jesus hingeht?“ – danach fragen sie nicht mehr. Sie sind ganz mit sich beschäftigt: „Verfolgung, Leid und dann ohne Jesu? Mit so einer Mission?“ Der Meister geht – das allein reicht schon; doch dann noch Hass von allen Seiten. Ihr Herz ist voll Trauer. Sie sind betrübt. Doch dann: Jesus geht nicht mit leeren Händen. Er hinterlässt seinen Jüngern etwas. Einen Wind, einen Hauch, Eine geheimnisvolle Macht. Die wird sie lehren, erinnern, trösten und in die Wahrheit führen. „Er wird Euch beistehen, wenn ihr am Ende seid.“ --------
Das ist die Story, liebe Gemeinde. Wirklich, wie in einem Film: Der Held tritt ab – sein Vermächtnis steht an; Er schwört die Seinen ein; macht ihnen klar, was auf dem Spiel steht im kosmischen Kampf; Gut und Böse: Himmel und Erde im Widerstreit. Aber er gibt Ihnen etwas; etwas, was ihnen die Furcht nimmt und Kraft gibt – durchzuhalten: Kein Medaillon, kein Zauberschwert. Nein, einen unsichtbaren Schutzpanzer; Den nehmen die Seinen in Anspruch – erst zögerlich, dann mit zunehmendem Vertrauen. Liebe Gemeinde, bloß dies ist kein Film, keine Saga, ein Fantasy, kein Mythos: Es war wahr, es ist wahr. Damals diese Versammlung ist Teil der Weltgeschichte. Ja, der großen Geschichte Gottes mit den Menschen: der weite Bogen, der von der Schöpfung bis zur Vollendung reicht. Mit dem Heiligen Geist bricht eine neue Zeit an; ein neues Kapitel wird aufgeschlagen. Das Heil ist nicht mehr nur auf Israel beschränkt. Damals in der Dachkammer in Jerusalem an jenem Abend, und dann 50 Tage später – bei dem brausenden Fest mit geteilten Zungen und einer flammenden Predigt: Da hat sich der Gang dieser Welt verändert. Eine weltbewegende Story, damals. Und heute? Pfingsten zählt wohl zu den Festen mit dem geringsten Rückhalt bei Christen und in der Bevölkerung. Es ist kaum verankert, durch irgendwelche Riten – auch innerfamiliär. Deswegen wissen laut Statistik wenig, was es damit auf sich hat. Wenn ich Sie nun befrage würde, was Ihnen zu Pfingsten einfällt: Werfen Sie Stichworte in den Raum – … Ich habe im Netz eine interessante Umfrage gefunden – Im Pfingsten 2006 haben Carlos Joao und Markus Kusterer in Königsbach und Ersingen verschiedene Leute über ihr Wissen zu „Pfingste“ befragt. Wir spielen einmal 2 Minuten dieser Umfrage ein. [einspielen]
Übersetzungshilfe gebe ich nicht: Soviel habe ich verstanden: „Mit HG kann man nicht so viel anfangen als mit Jesus.“ „Wir sind nicht dahoaim, ich weiß es nicht – was Pfingsten ist.“ Taube kommt oft, dann das Pfingsterlebnis: Auch ich muß gestehen, daß ich beim Heiligen Geist zuerst an Power und Begeisterung denke. An Ekstase, 3.000 Jünger, Begeisterung für Gott, Urgemeinde, Vielfalt in Einheit, Halleluja, himmlische Verhältnisse. (Geburstag der Kirche) Bild der Apostelgeschichte, das sich hier bei mir festgegraben hat. Pfingsten Vielleicht auch durch manche Berührung, Kontakt mit der Pfingstkirche, mit Charismatikern hier oder in anderen Ländern: Heiliger Geist ist für mich das Kraftvolle; Dynamische: Pfingstler beten laut; sie gebieten, sie befinden sich in Geistlicher Kampfführung, sie wehren mit bedrohender Stimme das Böse in die Schranken. Sie sind begeistert, heben die Hände, singen, rufen und fallen auch manchmal in der Kraft des Geistes um.
Liebe GreifBar-gemeinde, unser heutiger Text zeigt uns eine etwas andere Seite von Pfingsten. Vielleicht eine vergessenere. Jedenfalls eine stillere, eine zarte; Der Heilige Geist ist der liebevolle Unterstützer. Der Tröster. Jemand, der da ist, wenn es brenzlig wird. Die ganze Szene atmet so etwas von Barmherzigkeit. Jesus ist hier unglaublich – heute würden wir sagen: seelsorglich oder empathisch: Den Jüngern hat es die Sprache verschlagen – angesichts der Prognosen, die Jesus Ihnen gibt: Sie lassen den Kopf sinken, drohen den Mut zu verlieren: Jesus läßt sie nicht allein. Daß er uns den Heiligen Geist schickt, ist ein Akt der Barmherzigkeit. Er sendet uns den Parakleten. Eine schöne Übersetzung: „Der zur Unterstützung Herbeigerufene.“ Der, dessen Wesen es ist, einzuspringen; Dessen Name sein Wesen ausdrückt. Fast so, wie beim Gottesnamen: Der, der ist, der er ist. Der Heilige Geist ist der zur Unterstützung Herbeigerufene: Gerade, wenn es eng wird. Gerade, wenn uns Wasser bis zum Halse steht. Wenn Jesus so weit weg scheint. Wenn es vergeblich aussieht, was wir tun – wenn wir uns gegenseitig aufreiben. Wenn wir uns verlassen und einsam; allein auf weiter Front. Dann ist da dieser zarte Hauch Gottes, ein Trost – der uns tröstet, wie einen seine Mutter tröstet. Der uns in den Arm nimmt und mit seinem Atem streichelt. So ist Gott zu uns. Und wisst ihr, das ist eben eine andere Seite, die wir hier von Pfingsten und vom Heiligen Geist erfahren: Nicht so das Powervolle, Laute, dass darauf setzt, dass spektakuläre Wunder geschehen. Nein, hier ist der Heilige Geist eher der Beistand für die bedrängte Gemeinde. Jesus verheißt mit dem Geist nicht die Wundergarantie und die „Super-tolle-Immer-gute Laune-Stimmung“, sondern macht klar, dass in seiner Gemeinde auch harte Zeiten anbrechen werden. Gerade für die ruft er den Unterstützer, der uns sanft hebt und hilft. Der Heilige Geist ist weiblich, zumindest im Hebräischen und Griechischen. [8-11 einblenden] Aber das soll nun nicht heißen, dass dieser Geist so ein harmloser, netter Geselle ist.
Bei Trost fällt einem landläufig eher jemand ein, der höflich und vielleicht auch ein bisschen manipulierbar sind. Nein, dieser Geist ist nicht harmlos: Und auch nicht oberflächlich. Er entlarvt: Und überführt. Die, die ihn bekommen, erkennen – wie Schuppen fällt es von ihren Augen. Sie begreifen, wie es um sie und die Welt herum steht. Plötzlich sehen sie tiefer. Sie sehen dasselbe, aber darunter eine andere Dimension: Etwas von Zusammenhang dieser Welt. Zunächst erkennen sie, wie schuldig sie sind. Komisch, daß das am Anfang steht. Ich wünsche mir bei Geistbegabung eher Jubel: Endlich schaue ich das, was ich immer wollte. Aber die Beispiele aus Geschichte: Jesaja – „Weh mir, ich vergehe: Ich bin unreiner Lippen und lebe in einem Volk aus unreinen Lippen.“ Petrus – „Geh von mir, ich bin ein sündiger Mensch.“ Geht ihnen wie Stich durch das Herz. Wen der Heilige Geist packt, der überführt er seiner Schuld: nämlich seines Unglaubens; seiner mangelnden Gottesfurcht: Diese beiden Dinge hat die lutherische Tradition im Anschluß an Augustin als Sünde definiert. Als Wurzelhaltungen (sine metu die, sine fiducia, concupisencia) Aber es bleibt, wie auch bei Petrus nicht dabei: Er erkennt auch das Heilswerk. Dass Jesus gestorben ist für die Sünde, dass er auferstanden ist, damit wir leben und zum Vater gehen muss, damit er verherrlicht wird. Wer den Heiligen Geist bekommt, erkennt das Heilswerk, dessen innere Notwendigkeit; eben auch, wenn es bedeutet, dass die Jünger auf Jesus verzichten müssen. Schließlich erkennen die Jünger dann auch: daß der Fürst dieser Welt schon gerichtet ist. Daß die Schlacht schon gewonnen ist. Daß der Sieg hinter uns liegt und wir nur noch mit einem Heer auf dem Rückzug zu tun haben. Der Heilige Geist öffnet den Jüngern die Augen. Aber ach, was sag ich? Es ist der Kosmos, die Welt, der die Augen aufgehen sollen. Ja, aber das geschieht durch da Zeugnis der Jünger, die den Geist haben. Sie werden mit ihrer Botschaft der Welt die Augen öffnen, denn – wie es in 14,17 heißt: „Die Welt kann den Geist nicht bekommen.“ -------- Wahrheit, Erkenntnis: was hat das mit Trost zu tun? Ich hatte ja gesagt, daß unser Text eine andere, die tröstliche Seite an Pfingsten offenbart. Ist das nicht widersprüchlich? Ich glaube nicht. Denn: Nichts kann so unbarmherzig sein wie die Täuschung. Es ist ein Akt von Liebe und Wertschätzung, ehrlich und offen zu sein. In Zeiten der political correctness haben wir uns daran gewöhnt, den anderen lieber nicht so fest anzupacken – mit Handschuhen; durch die Blume die Wahrheit zu sagen – oder gar nicht. Ist auch unangenehm. Wer weiß, wie der andere reagiert? Man will ihm nicht wehtun. Also sind wir höflich; verschweigen Dinge, die wir von ihm erkennen; aber auch Dinge, die Gott über ihn/sie erkannt hat. Gottes Heilsplan: Wer weiß, wie der andere den aufnimmt – was der dann denkt?! Aber wenn wir die Wahrheit nicht sagen, ist das ein Akt der Unbarmherzigkeit [12-15 einblenden]
Aber klar: Die Wahrheit kann einen schön überfordern. Sie kann manchmal zuviel sein für diesen Moment. Also wenn wir anderen Wahrheit sagen wollen und damit mit Ihnen barmherzig sein wollen, müssen wir uns Mühe geben: das braucht Geduld – auch mal 2,3,4 oder 10 Gespräche; und die richtige Art – denn der Grat zwischen Wahrheit und Urteil ist sehr schmal. Wahrheit dem anderen zumuten, ohne ihn zu verurteilen: Das ist die Kunst. Also Unwahres aufdecken, aber den anderen nicht dabei zu behaften. Sondern ihm eine Chance zu geben. -------
Nur wenige haben das Wechselspiel von Wahrheit und Barmherzigkeit so treffend umschrieben wie Max Frisch: Zitieren S. 53. "Man sollte dem Anderen die Wahrheit wie einen Mantel hinhalten, daß er hineinschlüpfen kann, und sie ihm nicht wie einen nassen Lappen um die Ohren schlagen." Jesus ist hier auch barmherzig: Ihr könnt es jetzt nicht ertragen. Aber er verschweigt es ihnen nicht; er paßt seine Art und Weise der Kundgabe nur daran an, was die Jünger tragen können. Er hat sie bei der Wahrheit im Blick; Es ist eine tröstliche – eine göttliche Wahrheit. Wahrheit – ich frage mich, warum wir sie oft verschweigen. Aus falschverstandener Höflichkeit – das hatten wir. Ein anderer Grund: Wir glauben nicht daran, daß wir sie erkannt haben. Jesus sagt hier: HG wird euch zur ganzen Wahrheit führen. Schrittweise – aber die ganze Wahrheit. Nehmen wir das als Christen heute noch in Anspruch? In Zeiten, wo man aufgegeben hat, von Wahrheit zu sprechen? Weil man auch aufgegeben hat, zu glauben, daß es eine gibt. Jeder hat so seine Erkenntnis. Dem redet man lieber nicht rein. Will ich mir anmaßen, was erkannt zu haben? Wahrheit ist doch auch eine Sache im Plural. Jeder hat ein Stück und wenn ich dem anderen von meiner Wahrheit zeuge, muß ich ihm doch seine Wahrheit lassen. Jesus sagt hier eindeutig: Hört auf den Geist, der wird Euch wirklich in die Wahrheit führt, schrittweise klärt er Euch über mich auf. Wahrheit im Singular. Nehmt das ernst! Für Euch und andere. Die Wahrheit hat Euch ergriffen – ihr dürft sie weitergeben. Es gibt nicht viele Wahrheiten. Wahrheit ist kein Plural. Wahrheit ist Singular, und zwar eine Person: Jesus selbst. Geist wird ihn verherrlichen. Er wird uns zu Jesus führen. Weil der alles mit dem Vater teilt. Kein Plural mehr. Auch in Gott nicht – Heiliger Geist ist ein Geist der Einheit. Pfingsten: ein Fest des Trostes, nicht nur der Kraft; ein Fest der Wahrheit, nicht nur der Höflichkeit.
