Greifbar

GreifBar plus am 15.11.2009

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                                     Vom Gegen- und Nebeneinander zum Miteinander

    21 Ordnet euch einander unter; tut es aus Ehrfurcht vor Christus! 22 Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter! Ihr zeigt damit, dass ihr euch dem Herrn unterordnet. 23 Denn der Mann ist das Haupt der Frau, genauso wie Christus das Haupt der Gemeinde ist – er, der sie errettet und zu seinem Leib gemacht hat. 24 Und wie die Gemeinde sich Christus unterordnet, so sollen sich auch die Frauen ihren Männern in allem unterordnen. 25 Und ihr Männer, liebt eure Frauen! Liebt sie so, wie Christus die Gemeinde geliebt hat: Er hat sein Leben für sie hingegeben, 26 um sie zu seinem heiligen Volk zu machen. Durch sein Wort hat er den Schmutz ihrer Verfehlungen wie in einem reinigenden Bad von ihr abgewaschen. 27 Denn er möchte sie ´zu einer Braut` von makelloser Schönheit machen, die heilig und untadelig und ohne Flecken und Runzeln oder irgendeine andere Unvollkommenheit vor ihn treten kann. 28 Genauso sind nun auch die Männer verpflichtet, ihre Frauen zu lieben und ihnen Gutes zu tun, so wie sie ihrem eigenen Körper Gutes tun. Ein Mann, der seine Frau liebt und ihr Gutes tut, tut sich damit selbst etwas Gutes. 29 Schließlich hat noch nie jemand seinen eigenen Körper gehasst; vielmehr versorgen wir unseren Körper mit Nahrung und pflegen ihn, genau wie Christus es mit der Gemeinde macht – 30 mit seinem Leib, dessen Glieder wir sind. 31 »Deshalb«, ´so heißt es in der Schrift,` »wird ein Mann Vater und Mutter verlassen und sich mit seiner Frau verbinden, und die zwei werden ein Leib sein.« 32 Hinter diesen Worten verbirgt sich ein tiefes Geheimnis. Ich bin überzeugt, dass hier von Christus und der Gemeinde die Rede ist. 33 Doch ´die Aussage betrifft` auch jeden von euch ganz persönlich: Jeder soll seine Frau so lieben, wie er sich selbst liebt, und die Frau soll ihrem Mann mit Ehrerbietung begegnen. (Eph 5,21-33)

 

Vor der Predigt: Loriot, Das Frühstücksei

 

Liebe GreifBar-Gemeinde,

sollte man heiraten, wurden Kinder gefragt. Anita, 9 Jahre, antwortete: „Für Mädchen ist es besser, wenn sie Single bleiben, aber nicht für Jungs. Jungs brauchen jemanden, der hinter ihnen herräumt.“ Was kann man denn tun, damit Ehen gut werden, war eine weitere Frage. Der 8jährige Aaron meinte, man solle besser nicht den Namen seiner Frau vergessen, sonst ginge es bergab mit der Ehe. Und David, ebenfalls 8, rät: „Männer müssen gut küssen können, dann werden die Frauen schon vergessen, dass die Männer nie den Müll raustragen.“

Jetzt haben wir schon einige Experten gehört, Loriot, Anita, Aaron und David, sie alle haben etwas beizutragen zu unserem heutigen Thema: Wie gelingen gute Beziehungen, und zwar am Beispiel der ehelichen Beziehungen.

Natürlich ist uns allen sofort klar, dass das ein – vorsichtig gesagt – anspruchsvolles Thema ist. Ich könnte mir vorstellen, dass mancher unter uns den nächsten Minuten auch etwas besorgt entgegensieht: „Die Weiber seien untertan ihren Männern als dem HERRN.“ So stand es 1912 in der Luther-Bibel. Ich könnte mir vorstellen, dass mancher auch ein bisschen feixt: „Na, wollen wir doch mal sehen, wie er sich heute schlägt!“ Denn: eigentlich ist das ein Thema, mit dem man nur baden gehen kann. Ich selbst denke seit etwa 3 Wochen an dieser Predigt herum und machte meiner besseren Hälfte dann auch den Vorschlag: „Lass uns das doch zusammen machen, du eine halbe Predigt, ich eine halbe Predigt.“ Aber demütig, wie sie ist, meinte sie nur: „Nein, du bist der Mann, ich das schwache Weib! Predige du lieber.“ Pause. „Aber du könntest Folgendes sagen...“ Seither bekam ich im Minutentakt Tipps und Vorschläge, was hier zu sagen und lieber nicht zu sagen wäre.

Ich möchte die nächsten 20 Minuten dazu nutzen, Euch einen Gedanken nahezubringen. Was ich gehört habe, will ich weitersagen: Jesus fragt uns, ob wir unser Verhältnis als Männer und Frauen zueinander, besonders in der Ehe, von ihm formen und gestalten lassen. Er bittet also um Zutritt zu diesem Raum unseres Lebens. Und wenn er Zutritt bekommt, will er jedem von uns, Mann und Frau, helfen, das Nötige zu tun, damit aus einem Neben- oder Gegeneinander wieder ein Miteinander werden kann. Dazu wird er unsere besonderen Aufgaben und Gefährdungen ansprechen, wiederum jeweils für uns als Männer und Frauen.

Nicht jeden von uns betrifft das alles in gleicher Weise: Meine Gedanken waren gerade bei denen, denen dieses Thema weh tun könnte, weil sie allein geblieben oder verwitwet sind, oder weil sie mit ihrem Ringen um eine gute Ehe Schiffbruch erlitten haben. Gott hat Euch nicht vergessen. Und sein Erbarmen gilt Euch ebenso wie sein entschiedener Wille, etwas Gutes und Erfülltes aus Eurem Leben zu machen. Für die nächsten Minuten brauche ich Eure Geduld, wenn es um die unter uns geht, die verheiratet sind.

Also, gehen wir es an; ein erster Gedanke:

Wir führen unsere Ehen allesamt jenseits von Eden.

Jenseits von Eden, das heißt: Wir sind nicht mehr im Paradies und noch nicht im Himmel. Wir leben unter den schwierigen Verhältnissen, die nun einmal dieses irdische Getümmel ausmachen. Und da sind Christen stocknüchterne Menschen: Sie wissen um so etwas wie Härte des Herzens, sie rechnen mit Bosheit, sowohl beim anderen, als auch bei sich selbst. Sie wissen um beziehungsfeindliche Lebensumstände, die Sünde ist ja nicht nur hier drinnen, sie ist auch da draußen. Diese Welt ist kein Paradiesgärtchen für Liebende. Sie wissen um Unversöhnlichkeiten, schuldhafte Verstrickungen, um Verblendung und Verführung, die Menschen aus ehelicher Treue ausbrechen lassen. Christen sind stocknüchterne Menschen.

Man kann das an einem einfachen Test überprüfen. Vielleicht denkt man ja, in der Bibel, da geht es besser zu. Fragen wir also mal ganz schlicht, welche Ehe denn in der Bibel wohl als die glücklichste bezeichnet werden kann. Denn: das sind doch die Helden des Glaubens, da muss es doch wohl klappen. Und im Märchen ist es doch so: Erst ist ganz schwierig, aber dann finden sie sich und es heißt: Sie lebten glücklich bis an das Ende ihrer Tage. Ja, nur dass die Bibel kein Märchenbuch ist! Schaunmermal: Adam und Eva verbrachten ihren „honeymoon in paradise“, aber dann ging es bald bergab mit ihrer Liebe. Abraham und Sara, o.k., Abraham hat zweimal seine Frau verleugnet und sie als seine Schwester ausgegeben, und als es mit dem Nachwuchs nicht klappte, hat er die Magd Hagar geschwängert. Isaak und Rebecca – nun von ihnen hören wir vor allem, dass Isaak das eine Kind (Esau) und Rebecca das andere Kind (Jakob) bevorzugte. Jakob wiederum zeugte Kinder mit zwei Ehefrauen und deren Dienerinnen. Gehen wir weiter: Von Zipporas Ehe mit Mose hören wir nur, dass sie sich wegen der Beschneidung ihres Sohnes in die Haare kriegten, Zippora nannte ihren Mose zärtlich einen Blutbräutigam. David war als Ehemann eine einzige Katastrophe, und Salomo? Salomo war noch schlimmer. Bleibt Hiob mit seiner Frau. Nun, als es Hiob schlecht ging, hatte seine Frau keinen besseren Rat als diesen: Er solle Gott kündigen und sterben. Sehr tröstlich. Ein törichtes Weib nannte Hiob seine bessere Hälfte. So, ihr Lieben, erzählt die Bibel von der Wirklichkeit ehelichen Lebens. Stocknüchtern, eben: jenseits von Eden.

Warum ist das für unser Hören hier und heute wichtig? Nun, alles, was Paulus hier schreibt, gilt für eine Welt jenseits von Eden. Unterordnung und Überordnung, Macht und Konflikt, das sind Szenen einer Ehe, die aus dem Paradies vertrieben wurde. Das war nicht Gottes ursprüngliche Idee. Die ursprüngliche Idee Gottes war es, dass Mann und Frau miteinander Gottes Ebenbild sein sollten, einander als Gehilfen ergänzen sollten sie sich. Wann aber kam der Kampf der Geschlechter auf die Tagesordnung? Als Menschen anfingen, sich in jeder Beziehung aus der Nähe Gottes fortzustehlen. Da sagt Gott zu Eva: „Ich will dir viel Mühsal schaffen... Und dein Verlangen soll nach dem Mann sein, aber er soll dein Herr sein";

Der Kampf der Geschlechter ist weder Gottes ursprüngliche Idee noch seine letzte Idee: Da leuchtet bei Paulus etwas davon auf, wohin die Reise geht. In Christus getauft seid Ihr, und in Christus fängt etwas Neues an, etwas, das über den bedauernswerten Zustand dieser alten Welt hinausweist: „Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft worden seid, habt ein neues Gewand angezogen – Christus selbst. Hier gibt es keinen Unterschied mehr zwischen Juden und Griechen, zwischen Sklaven und freien Menschen, zwischen Mann und Frau. Denn durch eure Verbindung mit Jesus Christus seid ihr alle zusammen ein neuer Mensch geworden.“ Irgendwo dazwischen liegen die Worte aus Eph 5!

Wir halten fest: Die Bibel redet stocknüchtern von der Ehe. Und nun ein zweiter Gedanke:

Worum es nicht geht! Und worum es tatsächlich geht: Jesus möchte der dritte im Bund unserer Ehen sein!

Es liegt leider ein bisschen in der Natur der Sache, dass ich noch eine Art Absicherung oder Abgrenzung machen muss, bevor ich auf den Punkt kommen kann. In manchen frommen Kreisen schließt man aus Bibelworten wie unserem: Die Frau soll dem Mann gehorchen, der Mann soll der Frau sagen, wo es lang geht und alle wichtigen Entscheidungen treffen. Die Frau folge dann ergeben der höheren Weisheit des Mannes.

Ich habe damit zwei Probleme: Zum einen staune ich über manches fromme Männlein, das sich da tapfer aufpustet und aufbaut und so tut, als ob das klappen würde. Ehrlich gesagt empfand ich es häufig entweder als lächerlich oder als peinlich, lächerlich bei kleinen Napoleons und peinlich bei tumben Paschas. Übrigens passt das auch gar nicht zum Epheserbrief. Paulus geht hier einen ganz anderen, für seine Zeit revolutionären Weg. Schaut einmal hin:

Er sagt allen: „Ordnet euch einander unter; tut es aus Ehrfurcht vor Christus.“ Das gilt allen, also Männern und Frauen. Und dann geht er ins Detail: Was allen galt, gilt nun auch den Frauen: „Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter! Ihr zeigt damit, dass ihr euch dem Herrn unterordnet.“ Unter derselben Überschrift („ordnet euch einander unter“) sagt er dann aber auch den Männern: „Ihr Männer, liebt eure Frauen! Liebt sie so, wie Christus die Gemeinde geliebt hat.“ Und offenbar, liebe Geschlechtsgenossen, sind wir hier der größere Brocken: Für die Frauen reichen an dieser Stelle genau 60 Worte, für uns Männer braucht Paulus 149 Worte, um klar zu machen, wie unsere Variante der Unterordnung aussehen soll. Ich habe das nachgerechnet und bin schon etwas pikiert. Ein plattes Verhältnis von Befehl und Gehorsam sieht anders aus.

Zum anderen staune ich darüber, wie weit vom wirklichen Leben entfernt solche Ehebilder sind. Christiane und ich sind nun 30 Jahre verheiratet, und es fällt mir extrem schwer, eine einzige Situation aufzurufen, in der es um Befehl und Gehorsam gegangen wäre. Das Thema stellte sich uns schlicht und ergreifend nicht. Wo Vertrauen herrscht, wird nicht befohlen. Wo gemeinsam um den richtigen Weg gerungen wird, wird nicht kommandiert. Wir hatten schwere Entscheidungen zu treffen: Lassen wir unsere Kinder taufen? Wie erziehen wir sie richtig? Gehen wir nach Greifswald? Bleiben wir in Greifswald? Ich kann mir absolut nicht vorstellen, in diesen Fragen nach dem Schema von Befehl und Gehorsam vorzugehen. Wir brauchten Weisheit und Weltsicht des anderen, Rat von Dritten, Gebet, Mut zu einem nächsten Schritt, ein gemeinsames Ja am Ende. Vielleicht geht es Euch ja anders, aber uns stellte sich nie, niemals die Frage von Befehl und Gehorsam. Die Konflikte und Probleme, um die es ging, lagen ganz woanders, ganz woanders.

Aha, also Bibelkritik jetzt auch bei GreifBar. Von nun an geht’s bergab. Oder?

Worum könnte es denn dann gehen? Nun, es geht darum, dass Jesus sich einmischen möchte in die Art und Weise, wie wir als Eheleute miteinander umgehen. Und wie immer zu unseren Gunsten! Es soll besser werden mit uns. Ein bisschen weniger 1. Mose 3 und ein bisschen mehr Galater 3. Ein bisschen weniger Sündenfall, ein bisschen mehr von der neuen Schöpfung. Ein bisschen weniger Adam, ein bisschen mehr Jesus.

Ich bin eigentlich schon am Ziel, wenn Ihr hier mitgeht:

Zum einen: Meine Ehe ist ein Glaubensthema. Hier soll ich auf Jesus hören und ihm folgen. Und wenn ich es lange nicht mehr getan habe, soll ich es heute wieder beginnen. Meine Ehe ist ein Glaubensthema. Die Ehe ist kein Paradiesgärtchen, sondern ein Übungsfeld der Nachfolge von Jesus. Und er will mich gerade in dieser Hinsicht heilen, weiterbringen, aus meinen Verkrümmungen und Verbiegungen herausretten. Gerade hier.

Zum anderen: Meine Ehe ist ein Thema ersten Ranges. Das ist mir sehr deutlich geworden. Es ist ein tiefes Geheimnis: Jesus gibt sich für seine Gemeinde hin. Er opfert sein Leben. Er steht treu zu uns. Er müht sich um uns und er müht sich für uns. Und das wird hier im Epheserbrief wechselseitig zum Gleichnis und Bild: die Ehe für Jesus und seine Gemeinde, und Jesus und seine Gemeinde für die Ehe. Das ist der tiefste Grund, warum wir die Ehe so hoch halten: Sie ist ein Bild und Gleichnis für Jesus. So wie er sich ohne Vorbehalt hingibt und mit grenzenloser Treue für uns da ist, so soll es auch zwischen Mann und Frau sein. Nicht bürgerliche Moral, sondern unsere Bindung an Jesus prägt unser Ja und Nein in dieser Sache, auch unser Nein zu halbherziger Hingabe, zu Sexualität ohne Treueversprechen, zu Zusammenleben ohne eheliche Bindung, aber auch zum allmählichen Auseinanderfallen der Partner inmitten der Ehe.

Das steht quer zu allem, was wir erleben: Da hat die Ehe gefälligst zurückzustehen. Wenn es berufliche Beweglichkeit erfolgt, dann lebt man eben an zwei Orten und trifft sich nur dann und wann. Klar, der Beruf hat Vorfahrt. Manchmal denke ich aber auch: Auch wo wir beieinander wohnen, kann es durch Gewöhnung so weit kommen: Wir nehmen das Miteinander für selbstverständlich, wir pflegen es nicht mehr, wir suchen den anderen nicht mehr zu gewinnen, denn wir „haben“ ihn ja. Unsere Ehe steht auf der inneren Wichtigkeitsliste ganz unten. Jesus erklärt die Ehe zu einem Thema ersten Ranges. Paulus sagt: Eure Ehe ist ein Bild für das Liebesverhältnis von Jesus und seiner Gemeinde. Unsere Ehe steht auf der inneren Wichtigkeitsliste Gottes ganz oben.

Nun aber Butter bei die Fische: Worum geht es denn hier konkret, im 5. Kapitel des Epheserbriefes? Seid Ihr noch bei mir? Also:

Jesus in unserer Ehe: Als Mann und als Frau unsere Aufgabe erfüllen, an unserer Gefährdung arbeiten!

Ich will mich gar nicht um das heiße Eisen herummogeln: Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter. Ihr Männer, liebt eure Frauen.

Worum geht es?

Zunächst geht es schlicht darum, dass wir gerade im Blick auf unsere Ehen Jesus folgen: der Respekt und die Ehrerbietung dem anderen gegenüber ist Ausdruck unseres Respekts und unserer Ehrerbietung Jesus gegenüber. Was Jesus den Jüngern sagt, gilt auch für Eheleute: In der Welt herrscht Unterwerfung. So soll es bei euch nicht sein. Wer unter euch groß sein will, der sei ein Diener. Wir unterwerfen uns nicht dem Pascha-Ehemann oder der Matronen-Ehefrau, wir folgen und dienen Jesus, der selbst zum Diener wurde, uns zu Gute.

Dann geht es darum, dass an jedem von uns etwas von der Art unseres Herrn ablesbar werden soll. Darum heißt es auch: Wie er die Gemeinde liebte und sich für sie opferte, so sollen auch wir Männer unsere Frauen lieben und unser Leben für sie einsetzen. Wie könnte man das mit autoritärem Gebaren verwechseln.

Aber das ist immer noch nicht die Spitze, das ist vor allem noch nicht konkret!

Den Frauen wird gesagt, sie sollen sich unterordnen. Später wird das so erklärt: Frauen lieben, indem sie ihre Männer achten. Den Männern wird gesagt, sie sollen ihre Frauen lieben und das wird so erklärt: sie sollen für sie sorgen und sich für sie hingeben.

Wie löst sich der Knoten? So: Jeder von uns wird bei seiner Aufgabe und bei seiner Gefährdung angesprochen. Die Ehe ist ein Ort, an dem ich die Wahrheit über mich lerne. Halte ich das aus? Ein Ehemann sagte einmal: „Die größte Überraschung war für mich die Entdeckung, wie selbstsüchtig ich bin.“ Jeder von uns soll für sich hören und nicht für den anderen, nach dem Motto: „siehste, da hastes, nun hör mal gut zu!!“ Aber das ist der Tod im Topf: zu meinen, der andere solle sich mal hübsch ändern. Es geht stets um mich.

Also, die Frauen hören jetzt mal weg:

Du, lieber Ehemann, ich möchte, dass du deine Frau liebst. Und das bedeutet, dass du dich um sie mühst. Ich möchte, dass du sie nicht als deine Putzfrau und Liebesdienerin behandelst. Oder wie ein praktisches Möbelstück, das selbstverständlich da ist, ohne Beachtung zu verdienen. Ich möchte, dass sie sich in der Nähe entfalten kann, mit ihren Gaben. Ich möchte, dass du Interesse zeigst und zuhörst, wenn sie erzählt. Gib dir Mühe, auch von dir zu erzählen. Ich möchte, dass du sie wieder fragst, wie ihr Tag war. Ich möchte, dass du sie mit überraschenden Geschenken erfreust. Sorge du dafür, dass ihr gemeinsam gute Dinge unternehmt. Ich möchte, dass du dich in Acht nimmst, nicht laut wirst und übermächtig. Ich möchte aber auch, dass du dich nicht zurückziehst und innerlich verweigerst. Ich möchte, dass du deiner Frau gerne Schwächen nachsiehst und Versagen verzeihst. Lass sie spüren, wie wertvoll und bedeutend sie ist. Tritt zurück, wenn immer sie vorne stehen und groß herauskommen kann. Kein Opfer ist zu groß, wenn es darum geht, deine Frau zu ehren. So ehrst du mich und so dienst du mir. Und zugleich wirst du genau so heil und die Wunde von Eden kann anfangen sich zu schließen.

Und nun dürfen die Männer ein bisschen darüber nachsinnen und die Frauen allein hören zu, was Jesus ihnen wohl sagen möchte: Du, liebe Ehefrau, ich möchte, dass du deinem Mann mit tiefem Respekt begegnest. Du kennst ihn auch mit seiner Armseligkeit. Fang nicht an, auf ihn herabzuschauen. Lass nicht zu, dass es bei euren Treffen spöttisch und spitz zugeht, wenn ihr über die Männer redet. Schau nicht auf ihn als das schwächere und schlechtere Geschlecht herab, schau auf ihn hinauf, weil auch er ein Ebenbild Gottes ist wie du. Suche nicht die beherrschende Kontrolle über eurer gemeinsames Leben. Unterordnen heißt: nicht dominieren, kontrollieren, manipulieren, dirigieren. Ich möchte, dass dein Mann deine Achtung und Wärme spürt. Hilf ihm, aus seiner Sprachlosigkeit herauszufinden. Wenn du innerlich schon resigniert und gekündigt hast, dann widerrufe deine Kündigung und gib eurer Ehe eine neue Chance. Ich möchte, dass du ihm gerne Schwächen nachsiehst und Versagen verzeihst. Erspar deinem Mann aber nicht dein ehrliches Urteil, er braucht es. So dienst du ihm, andere werden es nicht tun. So ehrst du mich und so dienst du mir. Und zugleich wirst du genau so heil und die Wunde von Eden kann anfangen sich zu schließen.

Jetzt dürfen wieder beide zuhören. Im Grunde ist es einfach: Jeder von uns soll wieder dem anderen „ein Gehilfe sein, der zu ihm passt“, wie es sich Gott am Anfang so wunderbar ausgedacht hatte. Und jeder von uns soll um seine Gefahr wissen. Ich fand einen treffenden Satz bei dem Psychologen Ulrich Giesekus:

„Frauen sollen nicht in moralischer Überlegenheit schwelgen und ihre Männer schlecht machen, belächeln oder verachten – und Männer sollen ihre Frauen als eigenständige Persönlichkeiten, als gleichberechtigte Partnerinnen und zur Entfaltung der eigenen Persönlichkeit berechtigt sehen und ihnen den Weg zur Selbstverwirklichung nicht verbauen.“

Unser Thema ist immer: Jesus in unserem Leben – Jesus, der sein Volk in Greifswald sammelt. Wenn Ihr nun spürt, wie sehr die Dinge gerade an diesem Punkt aus dem Lot geraten sind, wie wund ihr seid, dann lauft nicht vor Jesus weg, sondern zu ihm hin. Lasst uns beten:

Herr, mancher von uns konnte das alles nur mit Schmerzen hören: bitte tröste die unter uns, deren Sehnsucht nach einem liebenden Gegenüber unerfüllt blieb. Tröste die, deren Liebe zerbrach. Tröste die, die ihren Partner verloren haben. Manchen von uns ist die Liebe abhanden gekommen, die Beziehung zum Partner an den Rand des Lebens gerutscht, die Mühe um ihn erstorben, die Zuneigung ermüdet, des anderen fast schon überdrüssig. Herr, erbarme dich über uns, und hilf uns zu neuen Anfängen. Manche von uns sind schuldig geworden, haben Grenzen überschritten, innerlich oder äußerlich. Herr, erbarme dich über uns, vergib und erneuere uns. Manche von uns leiden darunter, wie mühsam es ist, Zeit und Raum zu finden für das eheliche Miteinander, da hilf du uns. Und manche spüren, wie ein Geist der Missachtung, Gleichgültigkeit, des Hochmuts und der geheimen Verachtung in unsere Beziehungen eingezogen ist. Da erneuere uns und lass uns wieder ein Abbild deiner Liebe und Opferbereitschaft werden. Und Gottes Volk stimmt ein und ruft: Amen.