Greifbar

GreifBar am 18.12.2011 in der Stadthalle

GreifBar_18.12.11.mp3
GreifBar_18.12.11.pdf
Theaterstueck-_Die_UEberraschung.doc

 

                                           „Weihnachten wird unter’m Baum entschieden“


(I) „Weihnachten wird unter’m Baum entschieden.“ Das ist die Botschaft, mit der der Media-Markt alles auf den Punkt bringt: „Weihnachten wird unter’m Baum entschieden!“ Man muss da nur genau hinhören: Unter dem Baum, nicht mit dem Baum. Das haben doch glatt einige wieder falsch verstanden, z.B. die Teilnehmer an der  Weihnachtsbaumweitwurfmeisterschaft. Die fand gerade im brandenburgischen Gadow in der Prignitz statt. Es gewann übrigens Frank Pubanz aus Wittenberge mit einer Weite von 10,90 Metern. Dennoch konnte er sich nicht recht freuen, denn er lag deutlich unter dem Weltrekord aus dem Jahr 2008, der bei 17,50 Metern liegt. Durch den feuchten Sommer haben die Tannen zu viele Nadeln angesetzt und flogen darum nicht so windschnittig wie erhofft. Aber es ist ja sowieso nicht so wichtig: Weihnachten wird nicht mit dem Baum, sondern unter dem Baum entschieden. Was da liegt, ist entscheidend. Darum wurde ich auch am Donnerstag beim Friseur gefragt, ob ich denn schon alle Geschenke beisammen hätte. Man sorgte sich da wohl, ich könnte wertvolle Zeit verplempern und dann bei den zahlreichen Männern enden, die gehetzt und mit starrem, etwas irrem Blick am 24. Dezember kurz vor 14 Uhr noch als Letzte durch die Stadt geistern. Aber ich konnte meine Friseurin beruhigen: Ich weiß ja, dass Weihnachten unter dem Baum entschieden wird – und habe vorgesorgt. Es ist ja jedes Jahr dasselbe, nicht wahr: Erst stöhnen und schimpfen wir über den Geschenkewahnsinn und dann tauchen wir in den Rummel ein und kaufen, was das Zeug hält bzw. das Portemonnaie hergibt. Das ist so ein richtiger Weihnachts-Biathlon mit den Disziplinen (erstens) ausdauernd meckern und dann (zweitens) treffsicher kaufen. Und wenn ich den anwesenden Männern einen Tipp geben darf: Glauben Sie es nicht, wenn die Liebste sagt, es käme doch an Weihnachten wirklich nicht auf die Geschenke an. Glauben Sie es nicht! Da sitzen also zwei im Oktober am Abendbrottisch. Und dann sagt er - nachdenklich: Tja, bald ist wieder Weihnachten. All der Stress. Wenn man das man einfach lassen könnte. Darauf sie: Du, dann schenken wir uns dieses Jahr einfach mal nichts. Nichts! Einfach mal Weihnachten ohne dieses Schenkerei. Ende November fragt er vorsichtshalber noch mal nach: Also, das war doch ernst gemeint, oder? Dieses Jahr – keine Geschenke, nichts, oder? Ja, ja, genau, sagt sie, das wird richtig schön, so richtig entspannt, ohne all den Stress vorher. Und dann kommt der 23.12., sie sitzen wieder zusammen, und er (versonnen): Ach, das ist richtig gut, so entspannt war das seit Jahren nicht mehr. Schatz, das war eine tolle Idee, mal ganz auf diese Schenkerei zu verzichten. Da merkt er, wie auf der anderen Seite des Tisches dunkle Wolken aufziehen. Ein Schluchzen wird unterdrückt. Sie wird ganz still. Er daraufhin: Was ist los? Was hast Du denn? Wir hatten das doch besprochen: Nichts zu Weihnachten, keine Geschenke! Und dann sagt sie einen Satz, wie ihn ein Mann nicht formulieren könnte, das würde keiner von uns hinkriegen, was sie nun entgegnet, unter Tränen: Aber nichts heißt doch nicht gar nichts! Am 24. kann man ihn dann mit zig Leidensgenossen bei Douglass sehen oder im Media-Markt, schnell noch einen Gutschein kaufen, denn jetzt ist auch hier klar: Weihnachten wird unter’m Baum entschieden. Aber ich muss sagen: Ich schenke gerne, und ich lasse mich auch gerne beschenken. Ich freue mich, wenn meine Lieben ihre Pakete auspacken und ich hoffe, dass es dieses Jahr mal klappt, ich erwähne das mal gerade, falls anwesende Familienangehörige noch unsicher sind, also so ein Volvo V70 wäre schon klasse, auch eine Jahreskarte für Werder Bremen oder Tickets zur Biathlon-WM (einmal noch Lena Neuner live sehen), das wär’ schon prima. Dann brauch ich auch nicht die neue Telekom-Website www.Schreckliche-Geschenke-so-werden-Sie-sie-nach-Weihnachten-los.de - da landen nur solche Geschenke wie die Krawatte (Krawattte an sich ist schon krass!) mit dem Elch drauf, der anfängt zu singen, wenn ihm auf den Bauch drückt. Ne, das wär’  nix!

(II) Weihnachten wird also unter’m Baum entschieden. Das ist nicht nur der Slogan vom Media-Markt. Ich finde die Botschaft gar nicht so schlecht. Manche Kirchen haben sich ja furchtbar aufgeregt: „Da wird wieder die Weihnachtsbotschaft in Konsum aufgelöst!“ Ich finde das eigentlich ganz witzig. Wenn man nämlich in Greifswald über den Weihnachtsmarkt geht, dann findet man dort diesen riesigen Weihnachtsbaum. Und was ist unter dem Baum? Unter dem Baum ist ein Stall aufgebaut, und in diesem Stall sieht man die Hauptdarsteller der schönsten Geschichte, die sich die Menschen je erzählt haben: Man sieht Maria und Josef, ein blutjunges Pärchen, das in kalter Nacht Quartier suchte und hier im Stall auch fand. Man sieht Hirten vom Feld, man sieht den Ochsen und den Esel und man sieht vor allem eine Krippe, also einen Futtertrog, in dem Jesus liegt, das erste Kind von Maria und Josef. Es haben sich auch ein paar Astrologen eingefunden, weitgereiste Magier, die einem seltsamen Stern folgten und das neugeborene Kind beschenken. Unter’m Baum steht die Krippe, und an der Krippe entscheidet sich Weihnachten. Eigentlich gut, diese Media-Markt-Kampagne. Ich weiß nicht, ob die das so meinten, denn dann würden sie ja sich selbst und ihre ganzen Elektronikspielzeuge nicht mehr ganz so ernst nehmen. Sie würden verstehen: Das größte Geschenk, das je verpackt wurde, liegt da – in Windeln gewickelt. Das größte Geschenk: ein Kind! Und jeder müsste sagen: Ich bin doch nicht blöd – da muss ich hin, da lass ich mir doch nicht entgehen! Aber so leicht ist das nicht zu verstehen! Es geht ja nicht darum, Jesus als irgendein Kind zu verehren. Pro Minute werden auf der Welt 153 Babys geboren, an jedem beliebigen Tag sind das gut 220.000, das entspricht etwa der Größe von Rostock mit ein paar Vororten. Warum sollte man da ein einzelnes Baby dermaßen verehren, dass man noch Jahrhunderte seinen Geburtstag feiert? Ich weiß schon, dass einzelne Babys besonders verehrt werden. Mir fallen zwei ein: Halb Schweden ist schon ganz verrückt, weil Prinzessin Viktoria den Thronfolger erwartet. Aber das legt sich wieder, spätestens wenn die Kate, die Herzogin von Cambridge endlich schwanger ist. Und das andere Kind höchster Verehrung heißt Jonte und ist die einflussreichste Persönlichkeit in unserer Familie, das erste Enkelkind. Seit seiner Geburt vor einem Jahr dominiert er spielend den Rest der Großfamilie, jedenfalls was seine westfälische Omma angeht, die zugleich meine Liebste ist. Alle anderen sind in der Hierarchie der Bedeutungen tief abgesackt, ein seliges Lächeln schleicht sich in Ommas Gesicht, wenn sie nur ein Foto von Jonte sieht. Tage- und nächtelang werden Kaufhäuser durchstreift, um das passende Besteck aus Löffel, Gabel und Messer für seine Hoheit zu finden. Ich weiß nicht, ob sich das auch irgendwann legt, aber immerhin ist diese Verehrung auf wenige Menschen beschränkt. Merken wir, wie ungewöhnlich es ist, dass wir das größte Fest im Jahreslauf feiern, nahezu weltweit, nur weil eine 15jährige, wahrscheinlich ungebildete, nicht einmal ordentlich verheiratete junge Maria aus der Unterschicht in einem Kuhdorf am Rand der Weltgeschichte mit ihrem pommersch-schweigsamen Josef ein Kind bekam? Dieses Kind hatte denkbar schlechte Startbedingungen! Aber seither wird ohne Unterbrechung, also seit 2011 Jahren ein Geburtstagsfest für Jesus gefeiert, pünktlich zum 24. Dezember? Was ist das für ein Kind? Welches Versprechen liegt über der Krippe? Ich möchte zwei Anläufe machen, um ein wenig davon zu erzählen, warum über dieser Krippe solch ein großes Versprechen liegt, warum also dieses Kind das größte Geschenk ist, das uns Menschen je gewährt wurde.

(III) Für den ersten Anlauf wähle ich eine andere Blickrichtung: Der Historiker Jaroslaw Pelikan aus Yale in den USA war der Meinung, Jesus sei die bedeutendste Figur der Weltgeschichte. Um das zu belegen, schlug er ein Experiment vor: Nehmen wir an, sagte er, wir hätten einen Supermagneten, und wir könnten alles aus der Welt herausziehen, worauf sich auch nur eine Spur von Jesus findet, was bliebe dann übrig? Was hätten wir noch

(1) Man kann das durchspielen: z.B. ist uns wichtig, dass es so etwas wie Mitgefühl gibt, Empfindsamkeit für die, die nicht recht mitkommen und Hilfe brauchen. Wir bauen Krankenhäuser. Wir pflegen alte Menschen in Seniorenresidenzen und setzen sie nicht einfach aus. Wir kümmern uns um unsere Kinder. Selbstverständlich ist das nicht. Als Jesus geboren wurde, war etwas anderes normal. Die kleinen Leute und die klugen Philosophen fanden es normal, schwache und behinderte Kinder einfach zu ertränken. Man fand es normal, Witwen dafür zu bestrafen, dass sie ihren Mann überlebt hatten und nun anderen auf der Tasche lagen. Und man fand es in Zeiten der großen Pandemien normal, infizierte Mitmenschen einfach zu den Leichen auf die Straße hinaus zu befördern. Aber dann kam dieses Kind, und man hörte die erstaunliche Botschaft: Gott hat uns besucht und ist als Kind in unsere Mitte getreten. Und die, die Jesus glaubten und vertrauten, sagten: Er hat die Kinder zu sich gerufen. Wir sollten uns um alle Kinder kümmern, auch um die schwachen. Er hat Kranke geheilt. Wir sollten die Kranken pflegen und für sie beten. Er hat in jedem Menschen Gottes Antlitz erblickt, wir sollten auch die Schwachen und Alten ehren und uns um sie kümmern. Kämen wir mit Pelikans Magnet, so würden wir z.B. unsere Krankenhäuser und Altenheime aus der Stadt herausziehen. Wer ist dieses Kind? Wer ist dieser Jesus?

(2) Oder: Uns ist es wichtig, dass das Wissen der Menschheit gesammelt, bewahrt und vermehrt wird. Wir errichten Schulen und Universitäten. Wir sammeln Bücher in Bibliotheken. Wir achten die Schätze, die uns aus der Geschichte anvertraut sind. Aber als das römische Reich zerbrach und von kriegerischen Horden überwunden wurde, verschwand eine ganze Kultur vom Erdboden. Es waren die Klöster, in denen Menschen, die an Jesus glaubten, die alten Handschriften sammelten, das Wissen der Griechen und Römer aufbewahrten. Und dann gründeten sie Universitäten, im 12. Jahrhundert in Paris, später in Oxford und Cambridge, noch etwas später 1456 in Greifswald. Sie hatten bei Jesus gelernt, dass der Schöpfer das Universum vernünftig errichtet hat, und das unsere Vernunft dieses Universum erforschen soll. Kämen wir mit Pelikans Magnet, so müssten wir die Bibliotheken, Schulen und die Universität aus unserer Stadt entfernen. Wer ist dieses Kind? Wer ist dieser Jesus?

(3) Schließlich: Uns ist es wichtig, dass Menschen unterschiedslos geachtet werden. Wir möchten nicht, dass Geschlecht, Hautfarbe oder Herkunft über die Würde und den Wert des Lebens entscheiden. Wir schreiben das auf in Verfassungen und Gesetzen. Wir möchten, dass Politik, Wirtschaft und Justiz sich daran orientieren. Und wir wissen, dass das alles andere als selbstverständlich ist. Aber da war eben dieses Kind, das heranwuchs und als Erwachsener durch die Lande zog, und er ließ sie alle erfahren, wie wertvoll ihr Leben bei Gott ist, und er schien geradezu die zu bevorzugen, die am wenigsten galten: Frauen, Kinder, Migranten, aber auch gescheiterte Existenzen. Seine Schüler formulierten unerhörte Sätze. Ein Mann namens Paulus sagte, dass in der Gemeinschaft derer, die an Jesus glauben, die Herkunft nicht mehr zählt. Hier ist es gleichgültig, ob jemand Mann ist oder Frau, Jude oder Grieche, ja selbst ob er ein freier Bürger oder aber ein abhängiger Sklave ist, entscheidet nicht länger über seinen Rang und seine Würde. Kämen wir mit Pelikans Magnet, so müssten wir die Gerichte und das Rathaus aus der Stadt entfernen. Wer ist dieses Kind? Wer ist dieser Jesus?  Wir sehen heute oft nur den zweiten Teil einer Geschichte, wie in unserem Theaterstück. Wir sehen die Folgen, wir sehen wie wichtig uns Mitgefühl, Bildung und der Respekt vor den Menschenrechten sind, aber wir sehen nicht, wo das alles herkommt. Es nimmt seinen Anfang in der Krippe, sozusagen unter’m Baum, wo sich Weihnachten entscheidet.

MODERATOREN: Einspruch, Einspruch! Das ist ja alles ganz schön, mit dem Mitgefühl, der Bildung und den Menschenrechten. Und dieser Jesus mag da ja wirklich ein toller Hecht gewesen sein! Aber Sie können doch nicht wirklich behaupten, dass die Kirche aufs Ganze gesehen ein Hort des Mitgefühls, der Bildung und der Menschenrechte gewesen ist? Ich meine, das kann doch nicht ihr Ernst sein? Da haben Sie natürlich – leider!! – Recht. Diese Ideen, die Jesus in die Welt gesetzt oder mindestens gefördert hat, diese Ideen waren oft außerhalb der Kirche besser aufgehoben als in der Kirche. Die Christenheit hat sicher keinen Anlass, an dieser Stelle die Nase besonders hoch zu tragen. Manchmal hatte sie Sternstunden, dann aber wieder ist sie weit vom Weg abgekommen. Die Christen haben sich oft geirrt und verirrt. Oft geirrt und oft verirrt! Das stimmt. Deshalb können wir Christen auch nicht sagen: Wir sind die Guten, wir haben Jesus selbst auf unserer Seite. Jesus ruft Christen und Nicht-Christen vom falschen Weg. Das ist so. Es ist beschämend, dass Christen das Bild von Jesus so oft beschmutzen und verdunkeln. Das macht andere so wütend. Ich las einmal in Marburg ein Plakat an einem Uni-Gebäude: Maria, hättest du doch bloß abgetrieben, was wäre uns da alles erspart geblieben!!! Das ist sozusagen Pelikans Magnet im Extrem! Aber wir müssen unterscheiden zwischen Jesus und uns: Auf ihn kann sich nicht berufen, wer von seinem Weg abirrt. Christen und Nicht-Christen brauchen es, dass sie sich zur Krippe aufmachen und beim Kind im Stall wieder lernen, worauf es ankommt.

(IV) Ich möchte aber noch einen zweiten Anlauf wagen: Was ist das für ein Kind? Was ist das für ein Versprechen über der Krippe?

(1) What if God was one of us, sang Joan Osborne und fragte sich, was für ein Gesicht er wohl haben würde. Die Antwort gibt es an der Krippe: Es ist das durchschnittliche Gesicht eines Mittelmeerbewohners, eines kleinen jüdischen Jungen aus einfachen Verhältnissen, höchstwahrscheinlich kein holder Knabe in blond-lockigem Haar, ein Menschenantlitz trägt er. Ich will Sie das mal fragen: Wenn Sie Gott wären und wollten Ihren Geschöpfe so nah kommen wie es geht, ohne dass die in Schreckstarre fallen, also in ein richtiges Angstkoma: Was würden Sie tun? Gottes Strategie war genau die: Er machte sich so klein wie das kleinste Wesen. Er wurde zu einem Embryo, er kam zur Welt, musste durch einen Geburtskanal und fand sich in den Armen Marias vor. Das ist das Gegenteil von furchterregend: Wir müssen Gott füttern, sonst schafft er es nicht. Wir müssen Gott die Windeln wechseln. Gott nimmt die Menschheit an. Und dann beginnt er, Mensch unter Menschen, ohne Gewalt, nur mit den Mitteln brennender göttlicher Liebe und göttlichen Erbarmens, Menschen zu berühren, anzusprechen, zu heilen, zu verändern, aus dem Sumpf zu ziehen. Gott nimmt die Menschheit an.

(2) Und das führt zu der anderen Bedeutung von Bonhoeffers Satz: Gott nimmt die Menschheit an. Er kommt und sagt: Ich bin Euch nicht fern. Ich bin Euch auch nicht feind. Ihr seid mir nicht egal. Im Gegenteil: Ich komme, um bei Euch zu sein. Paulus fand später die einfachsten Worte, den schlichtesten Ausdruck für dieses Geheimnis und Wunder.1 Er schrieb einen Brief an eine Gemeinde und rang um die richtigen Worte. Und dann fand er sie: Jesus ist nicht Ja und Nein. Jesus ist reines, klares Ja. Das ist die Verheißung über der Krippe. Jesus ist nicht Ja und Nein, da ist kein Schwanken, kein Zögern, keine Unberechenbarkeit, kein Zweifel. Er ist das Ja schlechthin. Wir haben so viele Gründe, nein zu uns zu sagen. Unser Leben lief nicht so glatt, wie wir uns das wünschten: Nein. Unser Versagen, die gebrochenen Versprechen, die verratenen Ideale, die zerstörte Liebe: Nein. Die liegen gebliebenen Träume, die Folgen unserer Entscheidungen, die wir nicht mehr ändern können: Nein. Unser Leib, der uns bestenfalls mittelprächtig gefällt, und der mit der Zeit nicht mehr so will, wie wir wollen: Nein. Andere fügen ohne Zögern weitere Gründe hinzu, warum zu uns nur ein Nein gesprochen werden kann: Du hast mich enttäuscht. Du hast mich verletzt: Nein! Du hast meine Erwartungen nicht erfüllt! Nein. Wenn es denn einen Gott gibt, müssen wir denken, dann wird er doch nicht anders urteilen. Er muss doch geradezu eine kosmisch vergrößerte Version all der Neins sein, die wir uns selbst und andere uns sagen. Ein gigantisches Nein zu unserem armen, kleinen Leben! Aber das ist das Wunder und Geheimnis: Gott nimmt die Menschheit an. Jesus ist Ja. Jesus ist unbedingtes, uneingeschränktes, unverdientes, unverlierbares Ja. Ich bin Dir nicht fern. Ich bin Dir nicht fremd. Ich bin Dir nicht feind. Das Kind in der Krippe sagt: Ja. Du bist nicht verlassen. Du bist nicht vergessen. Du bist nicht verloren. Das ist mein Weihnachtsgeschenk. Und wenn Du zur Krippe kommst, strahlt Dir das Ja entgegen. Dir ist heute der Heiland geboren. Und dann soll dieses Ja Dir in Kopf und Herz wandern. Und es soll Dich stark machen, dieses Leben zu bestehen. Und Du sollst wissen: Ich bin an Deiner Seite und stehe das alles mit Dir durch, stets bereit, Dir zur Hand zu gehen. Ich bin das Ja zu Dir.

(3) Aber was ist mit all den guten Gründen, nein zu sagen? Die kann man doch nicht einfach beiseite wischen? Die sind doch höchst real! Ist das nicht nur etwas weihnachtliche Zuckerwatte über all meinen Neins? Aber noch einmal: Gott nimmt die Menschheit an. Er kommt und wird ein Kind. Er geht über die Straßen und in die Häuser. Wer ihm begegnet, dem gibt er das Ja, und unterwegs sammelt er all die Neins ein. Er redet sie nicht weg, er nimmt sie weg. Er sammelt die Neins ein und trägt sie mit sich. Jedes einzelne Nein. Das Nein, weil ich versagt habe. Das Nein, weil ich bitter enttäuscht habe. Das Nein, weil ich bitter enttäuscht wurde. Das Nein, weil mich andere ablehnen. Das Nein, weil ich keine Kraft mehr habe. Er sammelt auf seinem Weg all die Neins ein, und dann trägt er sie an das Ziel seines Weges, er trägt sie an ein Kreuz vor den Toren der Stadt. Und da plötzlich wird klar, wozu er kam: Er kam, um die Neins zu tragen und uns das Ja zu geben. Das ist Weihnachten. Das ist das Versprechen über der Krippe. Das ist das große Geschenk. Darum entscheidet sich Weihnachten unter’m Baum – in der Krippe, bei dem Kind, das die Menschheit annahm.