Greifbar

GreifBar plus am 20.11.2011

GreifBar_plus_Mt_25_1-13.mp3
GreifBar_plus_Mt_25_1-13.pdf

 

                                                          Geistliche Ölkrisen


    1 »Wenn der Menschensohn kommt, wird es mit dem Himmelreich wie mit zehn Brautjungfern sein, die ihre Fackeln nahmen und dem Bräutigam entgegengingen. 2 Fünf von ihnen waren töricht, und fünf waren klug. 3 Die Törichten nahmen zwar ihre Fackeln mit, aber keinen Ölvorrat. 4 Die Klugen dagegen hatten außer ihren Fackeln auch Gefäße mit Öl dabei. 5 Als sich nun die Ankunft des Bräutigams verzögerte, wurden sie alle müde und schliefen ein. 6 Mitten in der Nacht ertönte plötzlich der Ruf: ›Der Bräutigam kommt! Geht ihm entgegen!‹ 7 Die Brautjungfern wachten alle auf und machten sich daran, ihre Fackeln in Ordnung zu bringen. 8 Die Törichten sagten zu den Klugen: ›Gebt uns etwas von eurem Öl; unsere Fackeln gehen aus.‹ 9 Aber die Klugen erwiderten: ›Das können wir nicht, es reicht sonst weder für uns noch für euch. Geht doch zu einem Kaufmann und holt euch selbst, was ihr braucht!‹ 10 Während die Törichten weg waren, um Öl zu kaufen, kam der Bräutigam. Die fünf, die bereit waren, gingen mit ihm in den Hochzeitssaal. Dann wurde die Tür geschlossen. 11 Später kamen auch die anderen Brautjungfern und riefen: ›Herr, Herr, mach uns auf!‹ 12 Doch der Bräutigam antwortete: ›Ich kann euch nur das eine sagen: Ich kenne euch nicht!‹« 13 »Seid also wachsam!«, ´schloss Jesus.` »Denn ihr wisst weder den Tag noch die Stunde im Voraus.« (Mt 25,1-13)

 

Liebe Gemeinde,

von der heiligen Teresa von Avila wird erzählt, dass sie Ende des 16. Jahrhunderts rastlos unterwegs war, um Klöster in Spanien zu gründen und dann auch zu betreuen.  Eines Nachts auf einer Reise brach ein Rad der Kutsche mitten in der Wildnis entzwei und Teresa müsste auf Stock und Stein übernachten. Da soll sie die Stimme Jesu gehört haben: „So tue ich mit allen meinen Freunden.“ Und sie, schlagfertig wie sie war, soll entgegnet haben: „Deshalb hast du ja auch so wenige!“

Liebe Gemeinde, ich weiß nicht, ob die Geschichte von den zehn Jungfrauen, die Jesus hier erzählt, dazu angetan ist, den Kreis seiner Freunde zu vergrößern. Sie wirkt doch recht bedrohlich: fünf fromme Frauen verfehlen die Feier.

Aber, liebe Gemeinde, diese Geschichte ist eine rechte Ewigkeitssonntags-Geschichte. Ich schicke es gleich vorweg: Jesus erzählt sie aus Sorge. Er erzählt sie, weil es sein muss, denn er sorgt sich um unser Los, und weil er der beste Freund ist, den ein Mensch überhaupt haben kann, schont er uns nicht. Er sorgt sich, wir könnten am Ende zu den fünf törichten gehören, und er sehnt sich, wir möchten am Ende zu den fünf klugen gehören und mit ihm am Tisch sitzen und ewig feiern. Dazu erzählt er diese Geschichte, und die müssen wir uns zuerst anschauen, das ist das erste, und dann werden wir drei Entdeckungen machen.

Also zuerst: Die Geschichte von zehn Jungfrauen, die dem Bräutigam entgegengehen wollen.

An dieser Geschichte ist vieles ganz alltäglich. So wurde in Israel Hochzeit gefeiert. Da  war es üblich, dass die Braut, von der wir nichts hören, mit den Brautjungfern, von denen wir viel hören, im Haus der Braut wartet. Der Bräutigam kommt, und dann gehen ihm die Brautjungfern entgegen, um ihn in Empfang zu nehmen. Da möchte man glatt noch einmal heiraten! Dann aber geleiten die Brautjungfern den Bräutigam und die Braut ins Haus des Bräutigams, dort nämlich wird gefeiert. Sie begleiten das Brautpaar mit einem Lichterzug. Und dazu haben sie Fackeln, nicht Öllampen, die würden im Wind gleich ausgehen, nein Fackeln, Stangen mit einem Feuergefäß, und in dem Feuergefäß waren Lappen, die man in Öl tränkte und dann anzündete.

Unsere Jungfern warten also im Haus der Braut, der Bräutigam aber verspätet sich tüchtig, die Jungfern schlafen ein. Dann aber – Mitternacht heißt diese Stunde – rufen und wecken die Wächter alle auf: Wohlauf, der Bräutgam kommt, steht auf, die Lampen nehmt. Alle zehn reiben sich die Augen, und jetzt kommt es drauf an: Die einen haben Öl für die Fackeln, die anderen nicht. Die mit Öl können dem Bräutigam entgegeneilen. Die mit Öl können ihn später mit der Braut zum Haus des Bräutigams begleiten. Die anderen nutzen das freundliche jüdische Ladenöffnungs-Gesetz und kaufen erst einmal Öl ein – nur, den Zug des Brautpaares verpassen sie und als sie endlich ankommen, will der Bräutigam nichts mehr von ihnen wissen und schon gar nichts mehr mit ihnen zu schaffen haben. Zu spät! Torschlusspanik der besonderen Art.

Also, diese Geschichte ist eigentlich über weite Strecken ganz logisch und einfach, aber an einer Stelle nicht. Und genau so hat Jesus Geschichten erzählt: Die Leute hörten zu und nickten, und dachten: So ist es, er kennt sich aus im Leben. Aber dann kam die eine Stelle, an der die Geschichte aus den Fugen geriet: das ist diese strenge, geradezu unmögliche Schärfe, mit der sich die Zahl der Jungfern halbiert.

Zehn laufen los, zehn freuen sich auf die Hochzeit, zehn lieben das Brautpaar, zehn haben Fackeln dabei, zehn schlafen ein, auch das, zehn schlafen ein.

Aber am Ende sitzen nur fünf mit am Tisch und feiern, fünf stehen draußen vor der Tür, fünf sind dabei, fünf müssen sich sagen lassen, sie seien dem Bräutigam nicht mal namentlich bekannt! Fünf haben Öl, fünf nicht, und die fünf mit dem Öl rechnen den fünf ohne Öl kühl vor: Das reicht nicht für uns alle.

Das ist der Clou: Zehn laufen los, aber nur fünf sind am Ende drinnen, fünf sind draußen. Und nur eines unterscheidet die fünf drinnen von den fünf draußen, und dies eine lässt die fünf draußen dumm aussehen, während die fünf drinnen auch noch akademische Würden bekommen, sie heißen seither die „fünf klugen Jungfrauen“. Was ist der Unterschied: Das Öl ist der Unterschied, nicht der gute Wille, nicht der Schlaf, nicht der Wunsch, am Fest teilzunehmen, nur das Öl macht den Unterschied.

Und wir müssen alles vergessen, was wir jetzt gerne erörtert hätten: hätten sie nicht wirklich das Öl schwesterlich teilen können? Was wäre das für eine wahrhaft christliche Geschichte gewesen: Teile das Öl, geteiltes Öl ist doppeltes Feuer! Nichts davon! Und hätte nicht ein etwas großzügigerer Bräutigam auch noch die fünf hereinholen können? Was ist das eigentlich für einer, der seine Gäste, die eh schon büßen mussten, so vor den Kopf stößt! Wir kriegen keine Antwort, denn Jesus hat nur eines sagen wollen: Das Öl macht den Unterschied. Klug oder dumm, drinnen oder draußen – das Öl macht den Unterschied.

Jesus, unser bester Freund, macht sich Sorgen um uns und darum schont er uns nicht. Aber was aber wird uns da gesagt? Dreierlei:

Erstens: Unser Ziel ist das Fest aller Feste.

Schon Matthäus sah ringsumher Terror und Gewalt, Armut und Verfall, Sucht und Krankheit, er nennt es „Kriegs und Kriegsgeschrei“, er weiß, dass Himmel und Erde vergehen. Terror bedeckt das Erdreich, Mord und Totschlag – und nicht mehr irgendwo weit weg! Inmitten dieser Katastrophen sagt er: Ihr geht auf ein gutes Ende zu. Am Ende wartet nicht das Chaos, sondern die himmlische Hochzeit. Am Ende steht nicht der übermächtige Tod, sondern da ist ein Tisch gedeckt und es gibt schon einen Platz und an diesem Platz steht ein Namensschild, und auf diesem Namensschild ist dein Name: Ehrengast bei der Hochzeit. So ist das, wir müssen es uns sagen lassen, weil wir es nicht fassen und immer wieder vergessen: Ist dieses Leben schön, umso besser, aber das Schönste kommt noch! Ist dieses Leben hart, und wem würde es nicht dann und wann sehr hart – schau aus, am Ende sitzt du am Tisch und prostest dem Bräutigam zu und hörst die himmlische Musik und feierst das himmlische Fest. Adolf Schlatter schreibt zu dieser Stelle: Die Verheißung Jesu macht unser Leben zum Vorabend des Festtages. Das, so geht die Logik, werdet Ihr doch nicht verpassen wollen. Da wird man sich doch entsprechend einstellen. 

Heiner Lauterbach irrte an einer Stelle, als er sich einmal bei Sandra Maischberger über die Zehn Gebote unterhielt. Sie fragte ihn, ob er denn hoffe, in den Himmel zu kommen. Ja, sagte er, obwohl in der Hölle mehr los sein soll. Aber er irrt: Die Welt hat solch ein Fest noch nie gesehen, wie dieses Hochzeitsfest.

Sagt mir, worauf gehen wir zu am Ende? Auf Untergang und Tod, als Madenfraß und Aschenrest? Auf das Fest aller Feste, heißt die Antwort am Ewigkeitssonntag! Und Ihr habt die Einladungskarte Jesu in der Tasche, ausgestellt auf Euren Namen!

Zweitens: Auf dem Weg sind wir auf uns gestellt.

Das scheint keine christliche Auskunft zu sein! Haben wir nicht gerade in dieser Gemeinde immer dick unterstrichen: Christsein ist immer in Gemeinschaft zu leben! Ich bin Christ, weil ich Glied am Leib Jesu bin, und der Leib Jesu ist die verbindliche Gemeinschaft mit anderen Christen. Ich bin Christ, weil und solange ich ein lebendiger Stein im Haus der lebendigen Steine bin, und das ist das Gotteshaus der Gemeinde, nicht in Backsteingotik oder Barockschmuck, sondern in lebendigen Menschen, zu denen ich mich halte. Ist das denn falsch?

Nein, es ist nicht falsch, auch die Jungfrauen kommen ja als Schar daher, aber es gibt etwas, das ich nicht an andere delegieren kann. Zu deutsch: Vor Gott bin ich nicht vertretbar. Ich kann nicht sagen: Da fehlt mir zwar Entscheidendes, aber andere haben es ja. Für vieles gilt das in der Gemeinde, aber nicht für alles. Fehlt es mir an Gaben, haben andere das Nötige. Fehlt es mir einmal an Trost, so trösten mich andere. Aber: Wenn es denn am Ende darauf ankommt, kann ich mich nicht vertreten lassen. Aber wo bin ich denn so unvertretbar?

Im Letzten und Ersten bin ich nicht vertretbar: Ich muss selbst ein Verhältnis zu Christus haben, das von Liebe und Vertrauen, von Gehorsam und Treue bestimmt ist. Da bin ich unvertretbar. Das ist übrigens etwas Ur-Protestantisches: Unser Verhältnis zu Gott ist reichsunmittelbar, nicht vermittelt durch die Kirche, Maria oder die Heiligen, aber auch nicht vermittelt durch die Gemeinde. Dann kann ich mich nicht herausreden: „Ich gehörte doch zu GreifBar.“ Da stehe ich allein vor Gott. Da kann ich nicht sagen: „Gib mir von deinem Öl!“ Da muss ich selbst für Öl in der Lampe sorgen.

Es ist eine letzte Einsamkeit des Menschen. Sind wir auch herzlich verbunden mit anderen, hier sind wir allein.

Martin Luther sagte es so: „Keiner wird für den anderen sterben, sondern ein jeglicher in eigener Person für sich mit dem Tod kämpfen. In die Ohren können wir wohl schreien, aber ein jeglicher muss für sich selbst geschickt sein in der Zeit des Todes. Ich werde dann nicht bei dir sein noch du bei mir. Hierin so muss ein jedermann selbst die Hauptstücke, so einen Christen belangen, wohl wissen und gerüstet sein.“

Im Bild des Todes macht Luther diese letzte Einsamkeit deutlich: Wer einmal einen Sterbenden begleitet hat, kennt das. Es gibt ein letztes Einsamsein, das wir auch von außen spüren. Es ist ein leises Sich-Zurückziehen am Ende, ein Nicht-Mehr-Berührtwerden-Wollen. Ein sterbendes Kind sagte zur Mutter: Umarm mich nicht, du bist mir zu warm. Keiner von uns weiß, wie es wirklich ist, da muss jeder für sich durch, und ist er durch, steht er allein da,  wo keiner von uns schon war. Der Tod zeigt uns etwas von unserer letzten Einsamkeit. Es ist wie ein Gehen in nächtlichem Nebel, und dann werden wir gefragt, wie die Losung heißt, und dann müssen wir selbst es wissen, müssen uns selbst gegründet haben in Jesus. Dann hebt sich der Nebel und wir stehen vor der Tür, und sie wird geöffnet zum großen Fest. Und dann gehen wir an unseren Platz, wieder umgeben von denen, die uns vorangingen.

Ist das eigentlich klar bei Dir? Hast Du die Besitzverhältnisse mal geklärt oder bist Du immer so mitgelaufen? Hast Du einmal Deine Schuld bekannt? Hast Du einmal gesagt: Jesus, Dein will ich sein. Wenn nicht, ist heute ein guter Tag. Wenn nicht, dann geh doch zum Abendmahl mit der Bitte: Heute will ich nicht nur ein Stück Brot, heute will ich Dich, Jesus, meinen Herrn und Retter, in mein Leben aufnehmen. Oder wenn Du zum Segnen gehst, dann sag doch einfach: Ich möchte Jesus gerne als meinen Herrn annehmen.

Aber das ist diese letzte Einsamkeit. Sagt mir, wer ist verantwortlich für das Öl in meiner Lampe? Der Pastor? Die Gemeinde? Die Eltern? Der Hauskreisleiter? ICH bin verantwortlich!

Drittens: Heute geht es um kluge Einfalt.

Ich bereite Euch jetzt mal schonend auf eine große Predigtenttäuschung vor. Ich weiß, die Spannung steigt jetzt tüchtig: Was ist denn nun das Öl? Das müssen wir doch wissen, wenn das Öl den alles entscheidenden Unterschied macht! Was ist das Öl? Antwort: Was das Öl ist, das den alles entscheidenden Unterschied macht, verrate ich Euch nicht! Warum nicht? Weil: Was das Öl ist, das den alles entscheidenden Unterschied macht, weiß ich auch nicht! Und das mit Sinn: Was nämlich das Öl ist, das den alles entscheidenden Unterschied macht, sollen wir gar nicht wissen.

Es gibt aus 2000 Jahren Predigtgeschichte natürlich Hunderte von Versuchen, das Öl zu bestimmen: Es ist der Gehorsam! Es ist die Liebe! Es ist der wahre, lebendige Glaube! Es ist die Hingabe! Es ist der Lobpreis! Es ist der Heilige Geist! Es sind die guten Werke!

Alles nett! Man kann das auch an vielen gotischen Kirchen sehen. Unsere Geschichte ist eine der beliebtesten. Kommt man z.B. nach Straßburg, sieht man über einem Portal die fünf klugen, züchtig, streng wie Nonnen, und die fünf törichten Jungfrauen. Da ist dann auch ein modisch gekleideter junger Mann, der eine Jungfrau umgarnt, und sie fängt schon an, sich auszuziehen. Nur auf dem Rücken des jungen Mannes sieht man Kröten und Schlangen, der Verführer ist der Böse schlechthin. Öl ist Tugend, Öl ist Zucht. Öl ist ein Leben in Gehorsam und guten Werken.

Aber ich muss bei meinem enttäuschenden Predigtende bleiben: Ich sage es Euch nicht, was das Öl ist, das die Lampen zum Brennen bringt.

Warum nicht? Weil Öl immer wieder für etwas anderes stehen kann. Es ist das, was uns fehlt, das ist der Clou der Geschichte, aber nicht fehlen darf. Es ist je etwas anderes. Klug ist der, der darauf schaut, dass ihm das Wichtigste auch wirklich das Wichtigste bleibt. Klug ist also der, der ganz einfältig auf eines hin ausgerichtet ist, auf das Ziel seines Lebens, auf das Zusammensein mit Christus. Klug ist, wer sich davon nicht ablenken lässt und das Ziel nicht aus den Augen verliert.

Verkehrt, ja dumm ist ein Glaube, der sich in falscher Sicherheit wiegt. Es gibt eine falsche Sicherheit des Glaubens. Sie tut nicht, was gerade nötig ist.

Ich mache es also etwas konkreter, zum Trost für unzufriedene Predigthörer, und sage, wo ich meine Ölkrisen habe. Da ringe ich mit meinem alten Adam Herbst immer wieder. Also: Mir sagen viele, was wichtig ist, und wofür ich Zeit haben soll. Die europäische Rahmenrichtlinie für Forschungsprojekte und die Rahmenprüfungsordnung sind ungeheuer wichtig. Und die Verteilung der Hochschuldidaktik ist unaufschiebbar. Und die forschungsorientierten Gleichstellungsstandards der DFG für die Studenten. Und die Tagesordnung des Institutsteams. Und dann will Adam Herbst ja auch noch selbst so vieles: Ein Stapel Bücher aus den USA, der Biathlon-Weltcup und das Training für den Marathon. Alles ist wichtig, und die Zeit fliegt nur so dahin. Stress ist immer da, und manchmal ist er bedrohlich. Und dann geht es um eine simple Ölbeschaffungsmaßnahme, merkt es wohl, bloß um meine! Es geht darum, auf Christus ausgerichtet zu bleiben. Es geht darum, das der Erste auch das Erste ist, und das heißt, dass die innere Welt in Ordnung bleibt, die die äußere regiert, dass die innere Kommandozentrale bestimmt bleibt von Gott und seinem Willen. Wenn es heißt, der Bräutgam kommt, die Lampen nehmt, will ich bereit sein. Das aber heißt: Es ist egal, wie viele Senatssitzungen und Marathon-Läufe, wieviele Vorlesungen und kirchliche Gremien, wieviele Kollegen, Studenten und kirchliche Veranstalter an mir zerren, das Erste muss der Erste bleiben: Ich will doch zur Hochzeit. Ich will doch zuerst ihm gehören. Und das heißt: zuerst Zeit für Gott, für das Hören auf die Bibel, für den Austausch mit meiner Frau und das Gebet. Und darum kämpft es in mir, eine kluge gegen eine dumme Jungfrau, der neue Mensch gegen Adam Herbst. Das ist meine Ölkrise.

Wo ist deine Ölkrise: ist es die aufgeschobene Versöhnung, für die es eines Tages zu spät sein kann? Ist es die allen Augen verborgene Sünde, der du immer noch erlaubst, dein Leben mit Gott zu zersetzen? Ist es das, dass du eigentlich noch wirklich ja gesagt hast zu Gottes Weg mit dir? Ist die Dickköpfigkeit, die sich dem Zeugnis und Dienst in der Gemeinde entzieht? Ist die Verweigerung des Gehorsams beim Thema Sex? Ist es die Weigerung, sich Jesus an irgendeiner Stelle wirklich unterzuordnen und auszuliefern? Fehlendes Öl ist immer das eine, das dich gerade wegzieht von Jesus, es ist das eine, an das du dich nicht gewöhnen darfst. Kaufe Öl, das heißt: Kehre um, und zwar genau an der Stelle, von der du weißt: Das müsste ich schon lange in Ordnung bringen.

Heute, wenn du Gottes Klopfen hörst, das Anklopfen eines besorgten Freundes, der dich doch an seinem Tisch haben will, höre, denn denke daran:

Du sollst am Festtisch Platz haben. Du bist unvertretbar in deinem Ja zu Gott. Das Öl macht den Unterschied, den einen Unterschied, der wirklich zählt. Und Gottes Volk ruft: Amen.