GreifBar plus am 28.08.2011
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Zwischen Zusage und Bestimmung
- 1 Am ersten Tag des dritten Monats nach dem Auszug der Israeliten aus Ägyptenland, genau auf den Tag, kamen sie in die Wüste Sinai. 2 Denn sie waren ausgezogen von Refidim und kamen in die Wüste Sinai und lagerten sich dort in der Wüste gegenüber dem Berge. 3 Und Mose stieg hinauf zu Gott. Und der HERR rief ihm vom Berge zu und sprach: So sollst du sagen zu dem Hause Jakob und den Israeliten verkündigen: 4 Ihr habt gesehen, was ich mit den Ägyptern getan habe und wie ich euch getragen habe auf Adlerflügeln und euch zu mir gebracht. 5 Werdet ihr nun meiner Stimme gehorchen und meinen Bund halten, so sollt ihr mein Eigentum sein vor allen Völkern; denn die ganze Erde ist mein. 6 Und ihr sollt mir ein Königreich von Priestern und ein heiliges Volk sein. Das sind die Worte, die du den Israeliten sagen sollst. (2.Mose 19,1-6)
Liebe Brüder und Schwestern,
jede Nation hat so ihre Urdaten, an die man sich stets erinnert. An diesen Urdaten macht das Besondere fest, auf sie verweist man in politischen und gesellschaftlichen Gesprächen. Sie prägen eine ganze Nation. Für die USA ist es gewiss die Unabhängigkeit und 9/11, also jener Tag vor knapp 10 Jahren, als die Zwillingstürme des World-Trade-Centers in New York aufgrund eines Terroranschlags einstürzten. Für Frankreich ist es die Revolution von 1799, für die Schweiz der Rüttlischwur und Wilhelm Tell, für England ist es die Unterzeichnung der Magna Charta von 1215, mit der die demokratische Tradition in England eingeleitet wurde. Darauf ist man stolz! Solche Daten können ganze Nationen und Gesellschaften prägen und bestimmen.
Für Deutschland fallen mir drei Urdaten ein: Die Stunde Null als Ende des 2. Weltkriegs, das Wunder von Bern 1954 und die Wiedervereinigung von 1990, der wir uns am 3. Oktober erinnern. In unterschiedlicher Weise haben diese Urdaten die deutsche Seele geprägt und bestimmt. Dabei ist es mir durchaus schwer gefallen, ausgerechnet ein Fußballereignis aufzuzählen. Doch mit dem Sieg der Fußball-WM in Bern wurde eine ganze Nation aus der kriegsbedingten Depression gerissen, 1955 kehrten die letzten Kriegsgefangenen aus Russland zurück und das deutsche Wirtschaftswunder begann. Seitdem dürfen gerade bei sportlichen Ereignissen die deutsche Fahne geschwenkt werden. Ist man ansonsten eher zurückhaltend mit der eigenen Fahne. Hier ist es erlaubt, hier geschieht es!
Man könnte gewiss noch mehr Urdaten aufzählen, doch zu viele entleeren den Begriff und die Bedeutung.
Für das Volk Israel gab es auch zwei Urdaten, auf die man sich immer wieder bezog und berief. Zum einen ist dies der Auszug aus Ägypten, die Befreiung von der Unterdrückung und Sklaverei. Der Auszug wurde dann im Laufe der Geschichte zum Bild für Erlösung schlechthin. Nach 430 Jahren in Ägypten zog das Volk Gottes aus. Diese Geschichte erzählt man sich bis auf den heutigen Tagen in den Familien, Häusern und Synagogen. Damals hat Gott Großes getan! Dazu gibt es einen ganzen Festkalender mit dem größten Fest, dem Passahfest. Ganze sieben Tage wird gefeiert. Wichtig ist dabei, dass man so feiert, als ob man selbst dabei gewesen war. Da schrumpfen kurzerhand einfach tausende von Jahre auf ein Fest zusammen: Jeder, der hier mitfeiert, war beim Auszug aus Ägypten dabei! Das prägt die Seele einer Nation! Wir sind auch heute die, die Gott befreit und erlöst hat.
Ein weiteres Urdatum des Volkes Israel ereignete sich am Berg Sinai. Hier auf dem Berg gab Gott dem Mose und seinem Volk die 10 Gebote. Hier legte Gott mit seinem Gesetz den Bund mit seinem Volk erneut fest: Bund und Bundesgesetz gehören zusammen! Diese 10 Gebote haben eine besondere Wirkungsgeschichte. So meinte selbst Wilhelm Pieck, dass es wichtig sei, die 10 Gebote einzuhalten. Und die Jungpioniere hatten gar auch 10 Gebote. Ein weiteres Urdatum des Volkes Israel zieht weltweit Kreise und prägt.
Doch noch sind die 10 Gebote nicht vergeben, noch stehen wir mit dem Volk Israel am Fuß des Berges. Unsere Verse sind aber so eine Art Präambel zum eigentlichen Gesetzes- oder Verfassungstext. Gut zwei Monate sind seit dem großen Auszug aus Ägypten vergangen. Was war da nicht alles passiert: nach dem Auszug aus Ägypten folgte der Durchzug durchs Schilfmeer. Mose und Mirjam dichteten Lieder. Neue Gerichte kamen auf die Speisekarten wie Wachteln. Und da sie für eine andere Speise noch keinen Namen hatten, nannten sie diese einfach „Was ist das?“ – Man hu oder Manna. Dabei weiß man nicht so genau, ob es sich dabei um Honigtau oder um essbare Flechten gehandelt hat. Da passt es ganz gut, dass diese Speise bis heute „Was ist das?“ heißt. Solche Sprachschöpfungen gibt es übrigens auch in anderen Sprachen: Im Französischen begegnet uns das Wort „le vasistas“. Wer hier „Was ist das?“ hört, hört richtig. Hinter diesem französischen Wort steckt eine deutsche Frage und es bezeichnet die runde Lichtöffnung über der Eingangstür in Frankreich. Es ist eine Kuriosität aus dem deutsch-französischen Krieg von 1870/71, in dem deutsche Soldaten zum ersten Mal solche Fenster bzw. Öffnungen sahen und tatsächlich fragten: „Was ist das?“.
Nach diesem Ausflug in die Sprachgeschichte doch wieder zurück zur Bibel. Nach einigem Hin- und Her samt dem Einreichen von Protestnoten wegen der angeblich schlechten Reiseplanung durch Mose landeten sie am Berg Sinai: „Denn sie waren ausgezogen von Refidim und kamen in die Wüste Sinai und lagerten sich dort in der Wüste gegenüber dem Berge.“
Dabei frage ich mich, was denn so zwischen den großen Ereignissen auf dem Weg geschehen ist. Was haben sie sich erzählt? Was haben sie so zwischen Schilfmeer und Manna gemacht? Wie war ihre Gefühlslage? Waren sie stets auf dem Höhepunkt des Glaubens und griff der Alltag nach ihnen? Oder könnte es sein, dass die Höhepunkte des Glaubens und die Niederungen des Alltags gar keine Widersprüche sind? Falls nicht, wären sie einfach verschiedene Bestandteile des Lebens. Ich muss ja gestehen, dass es Phasen in meinem Glaubensleben gab, wie ich der Meinung war, dass der Glaube und die Gottesnähe stets auf einem entsprechend hohen Level sein müssten. Bei Gott sitzt man stets in der ersten Reihe. Das ging auch eine Weile ganz gut, bis ich auch merken musste, dass die erste Reihe auf Dauer auch sehr anstrengend sein kann. Das hält man ja selbst gar nicht durch.
Wer nun meint, dass ich einem laschen Christsein das Wort rede, versteht mich falsch. Ich rede von einem alltagstauglichen Glauben, der seine Zeiten und Orte hat, der die Höhepunkte wahrnimmt und auch die Tiefpunkte sieht. Bereits in den ersten beiden Monaten hatte das Volk Israel Höhe- und Tiefpunkte. Beides wird erzählt, beides gehört zur Glaubensgeschichte dieses Volkes hinzu. Bei aller großartigen Erfahrung mit Gott tun sich auch menschliche Abgründe und menschliches Versagen auf. Die Befreiung aus Ägypten führte auch in die Wüste menschlicher Grenzen, Fehler und Sünde. Doch Gott bleibt bei diesen glaubensstarken, glaubensschwachen, mürrischen, nervenden, sündigen, beratungsresistenten Menschen. Man glaubt es ja kaum, wenn nach 40 Jahren von Aufbrüchen und Abbrüchen, Höhepunkten des Glaubens und sündigen Abgründen es am Ende heißt: Es war nichts dahingefallen von all dem guten Wort, das der HERR dem Hause Israel verkündigt hatte. Es war alles gekommen. (Jos 21,45) Was war da nicht alles seit dem Auszug aus Ägypten falsch gelaufen. Da kann man wahrlich das Grausen bekommen. Doch am Ziel heißt es: Es war nichts dahingefallen von all dem guten Wort.
Doch soweit sind wir noch nicht, auch wir Christen sind noch nicht soweit. Wir sind noch nicht am Ziel. Noch sind wir auf dem Weg und sehen es selbst: Wie wir besondere Erfahrungen mit Gott machen, wie wir im Glauben und in der Liebe versagen. Wir sind stark im Glauben und im nächsten Augenblick stark der Sünde verfallen. Die Geschichte Israels hat was Archetypisches. Was sie als Volk erlebten, machen wir im eigenen Leben und Glaubensleben durch. Doch wie bei Israel bleibt Gott an und bei uns, er lässt nicht los.
„Und Mose stieg hinauf zu Gott.“ Hier habe ich ein wenig recherchiert. Heute dauert der Aufstieg auf den 2.285m hohen Berg drei bis vier Stunden. Vom Basislager in 1.585m Höhe geht ein 2,5km langer Weg mit 4000 Stufen nach oben. Wenn man nun bedenkt, dass der Mose weder gute Bergstiefel noch 4000 Treppen zur Verfügung hatte, wird er es gewiss nicht in drei Stunden geschafft haben. Ob er geschwitzt hat und Blasen an den Füßen hatte? Außerdem musste er noch den geeigneten Weg nach oben finden. Doch andererseits war ihm der Berg auch nicht ganz unbekannt, war ihm doch hier schon mal Gott im brennenden Dornbusch erschienen. Es war also durchaus bekanntes Terrain, auf dem er sich bewegte.
Persönlich muss ich ja sagen, dass sich bei mir Charlton Heston ganz tief eingegraben hat als Mose im Hollywood-Filmen „Die 10 Gebote“. Yul Brynner spielte 1956 den Pharao. Echt klassisch! Nur nebenbei: Ich bin erst einige Jahre später geboren! Nur damit hier keine falschen Vorstellungen aufkommen! Wie dem auch sei: Wie Charlton Heston auf den Berg ging, so war es. Jedenfalls in meiner Vorstellung!
Dass Mose und Gott sich gut verstanden, war schon zuvor klar. Jedenfalls gab es bereits viele Dialoge zwischen Gott und Mose. Und auch hier kommt es zum Gespräch. Wobei man wohl genauer sagen müsste: Gott redet mit Mose! Und dabei ist ganz schön viel Bewegung im Spiel!
Auch die Zeiten finde ich immer wieder spannend. Nach heutigen Maßstäben hat alles ganz schön lange gedauert. Da mache ich mir schon sorgenhafte oder gar schlimme Gedanken, wenn ich nach einem halben Tag keine Antwort auf meine E-Mail erhalte. Wenn ich was bestelle, dann muss dies am nächsten Tag bereits bei mir sein. Amazon hat da einfach Maßstäbe gesetzt, die ich mittlerweile von allen verlange. E-Mail und SMS sei Dank, geht heute alles ein wenig schneller. Selbst Gott scheint heute per SMS zu kommunizieren: www.smsgott.de gibt es bereits! Oder www.smsvongott.de, na also!
Doch hier am Berg hat alles seine Zeit und bekommt auch irgendwie alles seine Zeit. Da kann sich Mose auf die Begegnung mit Gott innerlich vorbereiten und später hat er Zeit die Begegnung mit Gott zu verdauen und sich auf das Volk vorzubereiten. Das finde ich eigentlich gar nicht schlecht! Der Faktor Zeit geht mir manchmal gern verloren, da wir ja nie Zeit haben. Aber das ist ein anderes Problem!
Dabei ist angesichts des Auf- und Abstiegs die Rede Gottes relativ knapp und angesichts von drei Versen in zwei Punkten zu fassen:
1. Erinnerung ist wichtig! Ausgangspunkt ist Gottes Handeln!
2. Vom Erinnern zum Ermahnen: Gottes Stimme hören und seinen Bund halten!
Zwei Punkte, die kann man sich leicht merken:
1. Erinnerung ist wichtig! Ausgangspunkt ist stets Gottes heilvolles Handeln!
Erinnern ist immer gut und wichtig, könnte man sagen. Doch hier geht es um mehr: Gott erinnert sein Volk daran, dass sie sich nicht selbst geschaffen haben. Beinahe wird man an den guten Böckenförde erinnert: „Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann.“ Das gilt auch für das Volk Israel. Ihre Geburtsstunde, ihr Urdatum, wurde ihnen von Gott geschenkt und sie können sich nur beschenken lassen und sich daran erinnern. Gott hat uns auf den Weg gebracht, er hat uns befreit und erlöst. Der Grund unseres Lebens und Daseins liegt bei Gott. Das können wir uns selbst nicht geben. Das können wir uns nicht garantieren! Das müssen wir auch nicht tun! Es ist bereits getan!
Mit einem Bildwort drückt Gott dies aus: „... wie ich euch getragen habe auf Adlersflügeln und euch zu mir gebracht.“ Das gilt! Das ist der Existenzgrund, den das Volk sich nicht selbst geben kann und auch nicht muss. Christen sagen das von sich auch: Der Grund meines Lebens und Glaubens ist bereits gelegt! Das gilt! Wir leben von Voraussetzungen, die wir selbst nicht garantieren können und es auch nicht brauchen. Aber freuen können wir uns darüber: Gott hat gehandelt! Auch die christliche Gemeinde hat ein Urdatum in Jesus Christus. Auch sie ist ein Zeichen dafür, wie Gott zu seinen Zusagen steht. Oder persönlich gesprochen: In meinem Leben kann ich diese Spuren und diese Zeichen erkennen, dass Gott auch mir gegenüber zu seinen Zusagen steht.
2. Vom Erinnern zur Bestimmung: Königreich von Priestern und heiliges Volk!
Dass zuerst gesagt wird, was Gott getan hat, ist unbedingt wichtig. Doch es kann nicht ohne das Nächste bleiben. Die Sonderstellung Israels ist nicht einfach Privileg und Besitz, sondern ebenso Verpflichtung und Herausforderung. Der Erlösung folgt eine Bestimmung! So gewiss Gott an ihnen gehandelt hat und ihnen Gutes getan hat, ebenso sicher ist sein Anspruch an sein Volk, auf seine Stimme zu hören und seinen Bund zu halten. Ja gewiss, das Volk Israel hat eine Sonderstellung vor allen anderen Völkern. Keine Frage! Damit ist aber eine besondere Bestimmung verbunden.
Die Sonderstellung fordert heraus, sie verpflichtet. Die Erlösung ist kein Ziel in sich selbst! Die Bibel gehrt hier einen Schritt weiter und fragt: Wozu? Was ist die Bestimmung der neuen Freiheit? Vielleicht tun wir moderne Menschen uns hier auch schwer, denn Freiheit ist für uns zu einem eigenen Gut geworden. Freiheit ist an sich ein Ziel! Befreiung bei Gott führt zu einer neuen Bestimmung!
Als Christen begegnet uns bei Paulus eine ähnliche Herausforderung: Ihr, die Ihr Euch auf Christus beruft, lebt so wie es Christus auch getan hätte. So ähnlich steht es jedenfalls im Philipperbrief: „Seid so unter euch gesinnt, wie es auch der Gemeinschaft in Christus Jesus entspricht.“ (Phil 2,5). „What would Jesus do?“ (WWJD) nimmt genau das auf.
Das Ganze wird dann nur nochmals unterstrichen mit dem „Königreich von Priestern und ein heiliges Volk“. Das ist die Bestimmung Israels, das ist unsere Bestimmung als Christen.
Fast am Ende der Bibel bekommt das Ganze für Christen sogar noch eine missionarische Wendung. Da nimmt Petrus genau diesen Sprachgebrauch auf und schreibt an die Christen, die es gerade nicht sehr einfach haben: „Ihr aber seid das auserwählte Geschlecht, die königliche Priesterschaft, das heilige Volk des Eigentums, dass ihr verkündigt die Wohltaten dessen, der such berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht.“ (1. Petrus 2,9). Das sind schon gewichtige Worte! Doch wen Gott befreit, wem Gott Gutes tut, den sendet er auch, damit dies andere auch erfahren!
So hoffe ich, dass in meiner Predigt vor allem deutlich wurde: Gott tut Gutes an uns! Und wenn dann auch zu hören war: und gebt das an andere weiter, dann habt ihr das Wichtigste gehört! Jedenfalls meinte ich, beides in diesen Versen lesen zu können.
Amen!
Liebe Brüder und Schwestern,
jede Nation hat so ihre Urdaten, an die man sich stets erinnert. An diesen Urdaten macht das Besondere fest, auf sie verweist man in politischen und gesellschaftlichen Gesprächen. Sie prägen eine ganze Nation. Für die USA ist es gewiss die Unabhängigkeit und 9/11, also jener Tag vor knapp 10 Jahren, als die Zwillingstürme des World-Trade-Centers in New York aufgrund eines Terroranschlags einstürzten. Für Frankreich ist es die Revolution von 1799, für die Schweiz der Rüttlischwur und Wilhelm Tell, für England ist es die Unterzeichnung der Magna Charta von 1215, mit der die demokratische Tradition in England eingeleitet wurde. Darauf ist man stolz! Solche Daten können ganze Nationen und Gesellschaften prägen und bestimmen.
Für Deutschland fallen mir drei Urdaten ein: Die Stunde Null als Ende des 2. Weltkriegs, das Wunder von Bern 1954 und die Wiedervereinigung von 1990, der wir uns am 3. Oktober erinnern. In unterschiedlicher Weise haben diese Urdaten die deutsche Seele geprägt und bestimmt. Dabei ist es mir durchaus schwer gefallen, ausgerechnet ein Fußballereignis aufzuzählen. Doch mit dem Sieg der Fußball-WM in Bern wurde eine ganze Nation aus der kriegsbedingten Depression gerissen, 1955 kehrten die letzten Kriegsgefangenen aus Russland zurück und das deutsche Wirtschaftswunder begann. Seitdem dürfen gerade bei sportlichen Ereignissen die deutsche Fahne geschwenkt werden. Ist man ansonsten eher zurückhaltend mit der eigenen Fahne. Hier ist es erlaubt, hier geschieht es!
Man könnte gewiss noch mehr Urdaten aufzählen, doch zu viele entleeren den Begriff und die Bedeutung.
Für das Volk Israel gab es auch zwei Urdaten, auf die man sich immer wieder bezog und berief. Zum einen ist dies der Auszug aus Ägypten, die Befreiung von der Unterdrückung und Sklaverei. Der Auszug wurde dann im Laufe der Geschichte zum Bild für Erlösung schlechthin. Nach 430 Jahren in Ägypten zog das Volk Gottes aus. Diese Geschichte erzählt man sich bis auf den heutigen Tagen in den Familien, Häusern und Synagogen. Damals hat Gott Großes getan! Dazu gibt es einen ganzen Festkalender mit dem größten Fest, dem Passahfest. Ganze sieben Tage wird gefeiert. Wichtig ist dabei, dass man so feiert, als ob man selbst dabei gewesen war. Da schrumpfen kurzerhand einfach tausende von Jahre auf ein Fest zusammen: Jeder, der hier mitfeiert, war beim Auszug aus Ägypten dabei! Das prägt die Seele einer Nation! Wir sind auch heute die, die Gott befreit und erlöst hat.
Ein weiteres Urdatum des Volkes Israel ereignete sich am Berg Sinai. Hier auf dem Berg gab Gott dem Mose und seinem Volk die 10 Gebote. Hier legte Gott mit seinem Gesetz den Bund mit seinem Volk erneut fest: Bund und Bundesgesetz gehören zusammen! Diese 10 Gebote haben eine besondere Wirkungsgeschichte. So meinte selbst Wilhelm Pieck, dass es wichtig sei, die 10 Gebote einzuhalten. Und die Jungpioniere hatten gar auch 10 Gebote. Ein weiteres Urdatum des Volkes Israel zieht weltweit Kreise und prägt.
Doch noch sind die 10 Gebote nicht vergeben, noch stehen wir mit dem Volk Israel am Fuß des Berges. Unsere Verse sind aber so eine Art Präambel zum eigentlichen Gesetzes- oder Verfassungstext. Gut zwei Monate sind seit dem großen Auszug aus Ägypten vergangen. Was war da nicht alles passiert: nach dem Auszug aus Ägypten folgte der Durchzug durchs Schilfmeer. Mose und Mirjam dichteten Lieder. Neue Gerichte kamen auf die Speisekarten wie Wachteln. Und da sie für eine andere Speise noch keinen Namen hatten, nannten sie diese einfach „Was ist das?“ – Man hu oder Manna. Dabei weiß man nicht so genau, ob es sich dabei um Honigtau oder um essbare Flechten gehandelt hat. Da passt es ganz gut, dass diese Speise bis heute „Was ist das?“ heißt. Solche Sprachschöpfungen gibt es übrigens auch in anderen Sprachen: Im Französischen begegnet uns das Wort „le vasistas“. Wer hier „Was ist das?“ hört, hört richtig. Hinter diesem französischen Wort steckt eine deutsche Frage und es bezeichnet die runde Lichtöffnung über der Eingangstür in Frankreich. Es ist eine Kuriosität aus dem deutsch-französischen Krieg von 1870/71, in dem deutsche Soldaten zum ersten Mal solche Fenster bzw. Öffnungen sahen und tatsächlich fragten: „Was ist das?“.
Nach diesem Ausflug in die Sprachgeschichte doch wieder zurück zur Bibel. Nach einigem Hin- und Her samt dem Einreichen von Protestnoten wegen der angeblich schlechten Reiseplanung durch Mose landeten sie am Berg Sinai: „Denn sie waren ausgezogen von Refidim und kamen in die Wüste Sinai und lagerten sich dort in der Wüste gegenüber dem Berge.“
Dabei frage ich mich, was denn so zwischen den großen Ereignissen auf dem Weg geschehen ist. Was haben sie sich erzählt? Was haben sie so zwischen Schilfmeer und Manna gemacht? Wie war ihre Gefühlslage? Waren sie stets auf dem Höhepunkt des Glaubens und griff der Alltag nach ihnen? Oder könnte es sein, dass die Höhepunkte des Glaubens und die Niederungen des Alltags gar keine Widersprüche sind? Falls nicht, wären sie einfach verschiedene Bestandteile des Lebens. Ich muss ja gestehen, dass es Phasen in meinem Glaubensleben gab, wie ich der Meinung war, dass der Glaube und die Gottesnähe stets auf einem entsprechend hohen Level sein müssten. Bei Gott sitzt man stets in der ersten Reihe. Das ging auch eine Weile ganz gut, bis ich auch merken musste, dass die erste Reihe auf Dauer auch sehr anstrengend sein kann. Das hält man ja selbst gar nicht durch.
Wer nun meint, dass ich einem laschen Christsein das Wort rede, versteht mich falsch. Ich rede von einem alltagstauglichen Glauben, der seine Zeiten und Orte hat, der die Höhepunkte wahrnimmt und auch die Tiefpunkte sieht. Bereits in den ersten beiden Monaten hatte das Volk Israel Höhe- und Tiefpunkte. Beides wird erzählt, beides gehört zur Glaubensgeschichte dieses Volkes hinzu. Bei aller großartigen Erfahrung mit Gott tun sich auch menschliche Abgründe und menschliches Versagen auf. Die Befreiung aus Ägypten führte auch in die Wüste menschlicher Grenzen, Fehler und Sünde. Doch Gott bleibt bei diesen glaubensstarken, glaubensschwachen, mürrischen, nervenden, sündigen, beratungsresistenten Menschen. Man glaubt es ja kaum, wenn nach 40 Jahren von Aufbrüchen und Abbrüchen, Höhepunkten des Glaubens und sündigen Abgründen es am Ende heißt: Es war nichts dahingefallen von all dem guten Wort, das der HERR dem Hause Israel verkündigt hatte. Es war alles gekommen. (Jos 21,45) Was war da nicht alles seit dem Auszug aus Ägypten falsch gelaufen. Da kann man wahrlich das Grausen bekommen. Doch am Ziel heißt es: Es war nichts dahingefallen von all dem guten Wort.
Doch soweit sind wir noch nicht, auch wir Christen sind noch nicht soweit. Wir sind noch nicht am Ziel. Noch sind wir auf dem Weg und sehen es selbst: Wie wir besondere Erfahrungen mit Gott machen, wie wir im Glauben und in der Liebe versagen. Wir sind stark im Glauben und im nächsten Augenblick stark der Sünde verfallen. Die Geschichte Israels hat was Archetypisches. Was sie als Volk erlebten, machen wir im eigenen Leben und Glaubensleben durch. Doch wie bei Israel bleibt Gott an und bei uns, er lässt nicht los.
„Und Mose stieg hinauf zu Gott.“ Hier habe ich ein wenig recherchiert. Heute dauert der Aufstieg auf den 2.285m hohen Berg drei bis vier Stunden. Vom Basislager in 1.585m Höhe geht ein 2,5km langer Weg mit 4000 Stufen nach oben. Wenn man nun bedenkt, dass der Mose weder gute Bergstiefel noch 4000 Treppen zur Verfügung hatte, wird er es gewiss nicht in drei Stunden geschafft haben. Ob er geschwitzt hat und Blasen an den Füßen hatte? Außerdem musste er noch den geeigneten Weg nach oben finden. Doch andererseits war ihm der Berg auch nicht ganz unbekannt, war ihm doch hier schon mal Gott im brennenden Dornbusch erschienen. Es war also durchaus bekanntes Terrain, auf dem er sich bewegte.
Persönlich muss ich ja sagen, dass sich bei mir Charlton Heston ganz tief eingegraben hat als Mose im Hollywood-Filmen „Die 10 Gebote“. Yul Brynner spielte 1956 den Pharao. Echt klassisch! Nur nebenbei: Ich bin erst einige Jahre später geboren! Nur damit hier keine falschen Vorstellungen aufkommen! Wie dem auch sei: Wie Charlton Heston auf den Berg ging, so war es. Jedenfalls in meiner Vorstellung!
Dass Mose und Gott sich gut verstanden, war schon zuvor klar. Jedenfalls gab es bereits viele Dialoge zwischen Gott und Mose. Und auch hier kommt es zum Gespräch. Wobei man wohl genauer sagen müsste: Gott redet mit Mose! Und dabei ist ganz schön viel Bewegung im Spiel!
Auch die Zeiten finde ich immer wieder spannend. Nach heutigen Maßstäben hat alles ganz schön lange gedauert. Da mache ich mir schon sorgenhafte oder gar schlimme Gedanken, wenn ich nach einem halben Tag keine Antwort auf meine E-Mail erhalte. Wenn ich was bestelle, dann muss dies am nächsten Tag bereits bei mir sein. Amazon hat da einfach Maßstäbe gesetzt, die ich mittlerweile von allen verlange. E-Mail und SMS sei Dank, geht heute alles ein wenig schneller. Selbst Gott scheint heute per SMS zu kommunizieren: www.smsgott.de gibt es bereits! Oder www.smsvongott.de, na also!
Doch hier am Berg hat alles seine Zeit und bekommt auch irgendwie alles seine Zeit. Da kann sich Mose auf die Begegnung mit Gott innerlich vorbereiten und später hat er Zeit die Begegnung mit Gott zu verdauen und sich auf das Volk vorzubereiten. Das finde ich eigentlich gar nicht schlecht! Der Faktor Zeit geht mir manchmal gern verloren, da wir ja nie Zeit haben. Aber das ist ein anderes Problem!
Dabei ist angesichts des Auf- und Abstiegs die Rede Gottes relativ knapp und angesichts von drei Versen in zwei Punkten zu fassen:
1. Erinnerung ist wichtig! Ausgangspunkt ist Gottes Handeln!
2. Vom Erinnern zum Ermahnen: Gottes Stimme hören und seinen Bund halten!
Zwei Punkte, die kann man sich leicht merken:
1. Erinnerung ist wichtig! Ausgangspunkt ist stets Gottes heilvolles Handeln!
Erinnern ist immer gut und wichtig, könnte man sagen. Doch hier geht es um mehr: Gott erinnert sein Volk daran, dass sie sich nicht selbst geschaffen haben. Beinahe wird man an den guten Böckenförde erinnert: „Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann.“ Das gilt auch für das Volk Israel. Ihre Geburtsstunde, ihr Urdatum, wurde ihnen von Gott geschenkt und sie können sich nur beschenken lassen und sich daran erinnern. Gott hat uns auf den Weg gebracht, er hat uns befreit und erlöst. Der Grund unseres Lebens und Daseins liegt bei Gott. Das können wir uns selbst nicht geben. Das können wir uns nicht garantieren! Das müssen wir auch nicht tun! Es ist bereits getan!
Mit einem Bildwort drückt Gott dies aus: „... wie ich euch getragen habe auf Adlersflügeln und euch zu mir gebracht.“ Das gilt! Das ist der Existenzgrund, den das Volk sich nicht selbst geben kann und auch nicht muss. Christen sagen das von sich auch: Der Grund meines Lebens und Glaubens ist bereits gelegt! Das gilt! Wir leben von Voraussetzungen, die wir selbst nicht garantieren können und es auch nicht brauchen. Aber freuen können wir uns darüber: Gott hat gehandelt! Auch die christliche Gemeinde hat ein Urdatum in Jesus Christus. Auch sie ist ein Zeichen dafür, wie Gott zu seinen Zusagen steht. Oder persönlich gesprochen: In meinem Leben kann ich diese Spuren und diese Zeichen erkennen, dass Gott auch mir gegenüber zu seinen Zusagen steht.
2. Vom Erinnern zur Bestimmung: Königreich von Priestern und heiliges Volk!
Dass zuerst gesagt wird, was Gott getan hat, ist unbedingt wichtig. Doch es kann nicht ohne das Nächste bleiben. Die Sonderstellung Israels ist nicht einfach Privileg und Besitz, sondern ebenso Verpflichtung und Herausforderung. Der Erlösung folgt eine Bestimmung! So gewiss Gott an ihnen gehandelt hat und ihnen Gutes getan hat, ebenso sicher ist sein Anspruch an sein Volk, auf seine Stimme zu hören und seinen Bund zu halten. Ja gewiss, das Volk Israel hat eine Sonderstellung vor allen anderen Völkern. Keine Frage! Damit ist aber eine besondere Bestimmung verbunden.
Die Sonderstellung fordert heraus, sie verpflichtet. Die Erlösung ist kein Ziel in sich selbst! Die Bibel gehrt hier einen Schritt weiter und fragt: Wozu? Was ist die Bestimmung der neuen Freiheit? Vielleicht tun wir moderne Menschen uns hier auch schwer, denn Freiheit ist für uns zu einem eigenen Gut geworden. Freiheit ist an sich ein Ziel! Befreiung bei Gott führt zu einer neuen Bestimmung!
Als Christen begegnet uns bei Paulus eine ähnliche Herausforderung: Ihr, die Ihr Euch auf Christus beruft, lebt so wie es Christus auch getan hätte. So ähnlich steht es jedenfalls im Philipperbrief: „Seid so unter euch gesinnt, wie es auch der Gemeinschaft in Christus Jesus entspricht.“ (Phil 2,5). „What would Jesus do?“ (WWJD) nimmt genau das auf.
Das Ganze wird dann nur nochmals unterstrichen mit dem „Königreich von Priestern und ein heiliges Volk“. Das ist die Bestimmung Israels, das ist unsere Bestimmung als Christen.
Fast am Ende der Bibel bekommt das Ganze für Christen sogar noch eine missionarische Wendung. Da nimmt Petrus genau diesen Sprachgebrauch auf und schreibt an die Christen, die es gerade nicht sehr einfach haben: „Ihr aber seid das auserwählte Geschlecht, die königliche Priesterschaft, das heilige Volk des Eigentums, dass ihr verkündigt die Wohltaten dessen, der such berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht.“ (1. Petrus 2,9). Das sind schon gewichtige Worte! Doch wen Gott befreit, wem Gott Gutes tut, den sendet er auch, damit dies andere auch erfahren!
So hoffe ich, dass in meiner Predigt vor allem deutlich wurde: Gott tut Gutes an uns! Und wenn dann auch zu hören war: und gebt das an andere weiter, dann habt ihr das Wichtigste gehört! Jedenfalls meinte ich, beides in diesen Versen lesen zu können.
Amen!
Liebe Brüder und Schwestern,
jede Nation hat so ihre Urdaten, an die man sich stets erinnert. An diesen Urdaten macht das Besondere fest, auf sie verweist man in politischen und gesellschaftlichen Gesprächen. Sie prägen eine ganze Nation. Für die USA ist es gewiss die Unabhängigkeit und 9/11, also jener Tag vor knapp 10 Jahren, als die Zwillingstürme des World-Trade-Centers in New York aufgrund eines Terroranschlags einstürzten. Für Frankreich ist es die Revolution von 1799, für die Schweiz der Rüttlischwur und Wilhelm Tell, für England ist es die Unterzeichnung der Magna Charta von 1215, mit der die demokratische Tradition in England eingeleitet wurde. Darauf ist man stolz! Solche Daten können ganze Nationen und Gesellschaften prägen und bestimmen.
Für Deutschland fallen mir drei Urdaten ein: Die Stunde Null als Ende des 2. Weltkriegs, das Wunder von Bern 1954 und die Wiedervereinigung von 1990, der wir uns am 3. Oktober erinnern. In unterschiedlicher Weise haben diese Urdaten die deutsche Seele geprägt und bestimmt. Dabei ist es mir durchaus schwer gefallen, ausgerechnet ein Fußballereignis aufzuzählen. Doch mit dem Sieg der Fußball-WM in Bern wurde eine ganze Nation aus der kriegsbedingten Depression gerissen, 1955 kehrten die letzten Kriegsgefangenen aus Russland zurück und das deutsche Wirtschaftswunder begann. Seitdem dürfen gerade bei sportlichen Ereignissen die deutsche Fahne geschwenkt werden. Ist man ansonsten eher zurückhaltend mit der eigenen Fahne. Hier ist es erlaubt, hier geschieht es!
Man könnte gewiss noch mehr Urdaten aufzählen, doch zu viele entleeren den Begriff und die Bedeutung.
Für das Volk Israel gab es auch zwei Urdaten, auf die man sich immer wieder bezog und berief. Zum einen ist dies der Auszug aus Ägypten, die Befreiung von der Unterdrückung und Sklaverei. Der Auszug wurde dann im Laufe der Geschichte zum Bild für Erlösung schlechthin. Nach 430 Jahren in Ägypten zog das Volk Gottes aus. Diese Geschichte erzählt man sich bis auf den heutigen Tagen in den Familien, Häusern und Synagogen. Damals hat Gott Großes getan! Dazu gibt es einen ganzen Festkalender mit dem größten Fest, dem Passahfest. Ganze sieben Tage wird gefeiert. Wichtig ist dabei, dass man so feiert, als ob man selbst dabei gewesen war. Da schrumpfen kurzerhand einfach tausende von Jahre auf ein Fest zusammen: Jeder, der hier mitfeiert, war beim Auszug aus Ägypten dabei! Das prägt die Seele einer Nation! Wir sind auch heute die, die Gott befreit und erlöst hat.
Ein weiteres Urdatum des Volkes Israel ereignete sich am Berg Sinai. Hier auf dem Berg gab Gott dem Mose und seinem Volk die 10 Gebote. Hier legte Gott mit seinem Gesetz den Bund mit seinem Volk erneut fest: Bund und Bundesgesetz gehören zusammen! Diese 10 Gebote haben eine besondere Wirkungsgeschichte. So meinte selbst Wilhelm Pieck, dass es wichtig sei, die 10 Gebote einzuhalten. Und die Jungpioniere hatten gar auch 10 Gebote. Ein weiteres Urdatum des Volkes Israel zieht weltweit Kreise und prägt.
Doch noch sind die 10 Gebote nicht vergeben, noch stehen wir mit dem Volk Israel am Fuß des Berges. Unsere Verse sind aber so eine Art Präambel zum eigentlichen Gesetzes- oder Verfassungstext. Gut zwei Monate sind seit dem großen Auszug aus Ägypten vergangen. Was war da nicht alles passiert: nach dem Auszug aus Ägypten folgte der Durchzug durchs Schilfmeer. Mose und Mirjam dichteten Lieder. Neue Gerichte kamen auf die Speisekarten wie Wachteln. Und da sie für eine andere Speise noch keinen Namen hatten, nannten sie diese einfach „Was ist das?“ – Man hu oder Manna. Dabei weiß man nicht so genau, ob es sich dabei um Honigtau oder um essbare Flechten gehandelt hat. Da passt es ganz gut, dass diese Speise bis heute „Was ist das?“ heißt. Solche Sprachschöpfungen gibt es übrigens auch in anderen Sprachen: Im Französischen begegnet uns das Wort „le vasistas“. Wer hier „Was ist das?“ hört, hört richtig. Hinter diesem französischen Wort steckt eine deutsche Frage und es bezeichnet die runde Lichtöffnung über der Eingangstür in Frankreich. Es ist eine Kuriosität aus dem deutsch-französischen Krieg von 1870/71, in dem deutsche Soldaten zum ersten Mal solche Fenster bzw. Öffnungen sahen und tatsächlich fragten: „Was ist das?“.
Nach diesem Ausflug in die Sprachgeschichte doch wieder zurück zur Bibel. Nach einigem Hin- und Her samt dem Einreichen von Protestnoten wegen der angeblich schlechten Reiseplanung durch Mose landeten sie am Berg Sinai: „Denn sie waren ausgezogen von Refidim und kamen in die Wüste Sinai und lagerten sich dort in der Wüste gegenüber dem Berge.“
Dabei frage ich mich, was denn so zwischen den großen Ereignissen auf dem Weg geschehen ist. Was haben sie sich erzählt? Was haben sie so zwischen Schilfmeer und Manna gemacht? Wie war ihre Gefühlslage? Waren sie stets auf dem Höhepunkt des Glaubens und griff der Alltag nach ihnen? Oder könnte es sein, dass die Höhepunkte des Glaubens und die Niederungen des Alltags gar keine Widersprüche sind? Falls nicht, wären sie einfach verschiedene Bestandteile des Lebens. Ich muss ja gestehen, dass es Phasen in meinem Glaubensleben gab, wie ich der Meinung war, dass der Glaube und die Gottesnähe stets auf einem entsprechend hohen Level sein müssten. Bei Gott sitzt man stets in der ersten Reihe. Das ging auch eine Weile ganz gut, bis ich auch merken musste, dass die erste Reihe auf Dauer auch sehr anstrengend sein kann. Das hält man ja selbst gar nicht durch.
Wer nun meint, dass ich einem laschen Christsein das Wort rede, versteht mich falsch. Ich rede von einem alltagstauglichen Glauben, der seine Zeiten und Orte hat, der die Höhepunkte wahrnimmt und auch die Tiefpunkte sieht. Bereits in den ersten beiden Monaten hatte das Volk Israel Höhe- und Tiefpunkte. Beides wird erzählt, beides gehört zur Glaubensgeschichte dieses Volkes hinzu. Bei aller großartigen Erfahrung mit Gott tun sich auch menschliche Abgründe und menschliches Versagen auf. Die Befreiung aus Ägypten führte auch in die Wüste menschlicher Grenzen, Fehler und Sünde. Doch Gott bleibt bei diesen glaubensstarken, glaubensschwachen, mürrischen, nervenden, sündigen, beratungsresistenten Menschen. Man glaubt es ja kaum, wenn nach 40 Jahren von Aufbrüchen und Abbrüchen, Höhepunkten des Glaubens und sündigen Abgründen es am Ende heißt: Es war nichts dahingefallen von all dem guten Wort, das der HERR dem Hause Israel verkündigt hatte. Es war alles gekommen. (Jos 21,45) Was war da nicht alles seit dem Auszug aus Ägypten falsch gelaufen. Da kann man wahrlich das Grausen bekommen. Doch am Ziel heißt es: Es war nichts dahingefallen von all dem guten Wort.
Doch soweit sind wir noch nicht, auch wir Christen sind noch nicht soweit. Wir sind noch nicht am Ziel. Noch sind wir auf dem Weg und sehen es selbst: Wie wir besondere Erfahrungen mit Gott machen, wie wir im Glauben und in der Liebe versagen. Wir sind stark im Glauben und im nächsten Augenblick stark der Sünde verfallen. Die Geschichte Israels hat was Archetypisches. Was sie als Volk erlebten, machen wir im eigenen Leben und Glaubensleben durch. Doch wie bei Israel bleibt Gott an und bei uns, er lässt nicht los.
„Und Mose stieg hinauf zu Gott.“ Hier habe ich ein wenig recherchiert. Heute dauert der Aufstieg auf den 2.285m hohen Berg drei bis vier Stunden. Vom Basislager in 1.585m Höhe geht ein 2,5km langer Weg mit 4000 Stufen nach oben. Wenn man nun bedenkt, dass der Mose weder gute Bergstiefel noch 4000 Treppen zur Verfügung hatte, wird er es gewiss nicht in drei Stunden geschafft haben. Ob er geschwitzt hat und Blasen an den Füßen hatte? Außerdem musste er noch den geeigneten Weg nach oben finden. Doch andererseits war ihm der Berg auch nicht ganz unbekannt, war ihm doch hier schon mal Gott im brennenden Dornbusch erschienen. Es war also durchaus bekanntes Terrain, auf dem er sich bewegte.
Persönlich muss ich ja sagen, dass sich bei mir Charlton Heston ganz tief eingegraben hat als Mose im Hollywood-Filmen „Die 10 Gebote“. Yul Brynner spielte 1956 den Pharao. Echt klassisch! Nur nebenbei: Ich bin erst einige Jahre später geboren! Nur damit hier keine falschen Vorstellungen aufkommen! Wie dem auch sei: Wie Charlton Heston auf den Berg ging, so war es. Jedenfalls in meiner Vorstellung!
Dass Mose und Gott sich gut verstanden, war schon zuvor klar. Jedenfalls gab es bereits viele Dialoge zwischen Gott und Mose. Und auch hier kommt es zum Gespräch. Wobei man wohl genauer sagen müsste: Gott redet mit Mose! Und dabei ist ganz schön viel Bewegung im Spiel!
Auch die Zeiten finde ich immer wieder spannend. Nach heutigen Maßstäben hat alles ganz schön lange gedauert. Da mache ich mir schon sorgenhafte oder gar schlimme Gedanken, wenn ich nach einem halben Tag keine Antwort auf meine E-Mail erhalte. Wenn ich was bestelle, dann muss dies am nächsten Tag bereits bei mir sein. Amazon hat da einfach Maßstäbe gesetzt, die ich mittlerweile von allen verlange. E-Mail und SMS sei Dank, geht heute alles ein wenig schneller. Selbst Gott scheint heute per SMS zu kommunizieren: www.smsgott.de gibt es bereits! Oder www.smsvongott.de, na also!
Doch hier am Berg hat alles seine Zeit und bekommt auch irgendwie alles seine Zeit. Da kann sich Mose auf die Begegnung mit Gott innerlich vorbereiten und später hat er Zeit die Begegnung mit Gott zu verdauen und sich auf das Volk vorzubereiten. Das finde ich eigentlich gar nicht schlecht! Der Faktor Zeit geht mir manchmal gern verloren, da wir ja nie Zeit haben. Aber das ist ein anderes Problem!
Dabei ist angesichts des Auf- und Abstiegs die Rede Gottes relativ knapp und angesichts von drei Versen in zwei Punkten zu fassen:
1. Erinnerung ist wichtig! Ausgangspunkt ist Gottes Handeln!
2. Vom Erinnern zum Ermahnen: Gottes Stimme hören und seinen Bund halten!
Zwei Punkte, die kann man sich leicht merken:
1. Erinnerung ist wichtig! Ausgangspunkt ist stets Gottes heilvolles Handeln!
Erinnern ist immer gut und wichtig, könnte man sagen. Doch hier geht es um mehr: Gott erinnert sein Volk daran, dass sie sich nicht selbst geschaffen haben. Beinahe wird man an den guten Böckenförde erinnert: „Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann.“ Das gilt auch für das Volk Israel. Ihre Geburtsstunde, ihr Urdatum, wurde ihnen von Gott geschenkt und sie können sich nur beschenken lassen und sich daran erinnern. Gott hat uns auf den Weg gebracht, er hat uns befreit und erlöst. Der Grund unseres Lebens und Daseins liegt bei Gott. Das können wir uns selbst nicht geben. Das können wir uns nicht garantieren! Das müssen wir auch nicht tun! Es ist bereits getan!
Mit einem Bildwort drückt Gott dies aus: „... wie ich euch getragen habe auf Adlersflügeln und euch zu mir gebracht.“ Das gilt! Das ist der Existenzgrund, den das Volk sich nicht selbst geben kann und auch nicht muss. Christen sagen das von sich auch: Der Grund meines Lebens und Glaubens ist bereits gelegt! Das gilt! Wir leben von Voraussetzungen, die wir selbst nicht garantieren können und es auch nicht brauchen. Aber freuen können wir uns darüber: Gott hat gehandelt! Auch die christliche Gemeinde hat ein Urdatum in Jesus Christus. Auch sie ist ein Zeichen dafür, wie Gott zu seinen Zusagen steht. Oder persönlich gesprochen: In meinem Leben kann ich diese Spuren und diese Zeichen erkennen, dass Gott auch mir gegenüber zu seinen Zusagen steht.
2. Vom Erinnern zur Bestimmung: Königreich von Priestern und heiliges Volk!
Dass zuerst gesagt wird, was Gott getan hat, ist unbedingt wichtig. Doch es kann nicht ohne das Nächste bleiben. Die Sonderstellung Israels ist nicht einfach Privileg und Besitz, sondern ebenso Verpflichtung und Herausforderung. Der Erlösung folgt eine Bestimmung! So gewiss Gott an ihnen gehandelt hat und ihnen Gutes getan hat, ebenso sicher ist sein Anspruch an sein Volk, auf seine Stimme zu hören und seinen Bund zu halten. Ja gewiss, das Volk Israel hat eine Sonderstellung vor allen anderen Völkern. Keine Frage! Damit ist aber eine besondere Bestimmung verbunden.
Die Sonderstellung fordert heraus, sie verpflichtet. Die Erlösung ist kein Ziel in sich selbst! Die Bibel gehrt hier einen Schritt weiter und fragt: Wozu? Was ist die Bestimmung der neuen Freiheit? Vielleicht tun wir moderne Menschen uns hier auch schwer, denn Freiheit ist für uns zu einem eigenen Gut geworden. Freiheit ist an sich ein Ziel! Befreiung bei Gott führt zu einer neuen Bestimmung!
Als Christen begegnet uns bei Paulus eine ähnliche Herausforderung: Ihr, die Ihr Euch auf Christus beruft, lebt so wie es Christus auch getan hätte. So ähnlich steht es jedenfalls im Philipperbrief: „Seid so unter euch gesinnt, wie es auch der Gemeinschaft in Christus Jesus entspricht.“ (Phil 2,5). „What would Jesus do?“ (WWJD) nimmt genau das auf.
Das Ganze wird dann nur nochmals unterstrichen mit dem „Königreich von Priestern und ein heiliges Volk“. Das ist die Bestimmung Israels, das ist unsere Bestimmung als Christen.
Fast am Ende der Bibel bekommt das Ganze für Christen sogar noch eine missionarische Wendung. Da nimmt Petrus genau diesen Sprachgebrauch auf und schreibt an die Christen, die es gerade nicht sehr einfach haben: „Ihr aber seid das auserwählte Geschlecht, die königliche Priesterschaft, das heilige Volk des Eigentums, dass ihr verkündigt die Wohltaten dessen, der such berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht.“ (1. Petrus 2,9). Das sind schon gewichtige Worte! Doch wen Gott befreit, wem Gott Gutes tut, den sendet er auch, damit dies andere auch erfahren!
So hoffe ich, dass in meiner Predigt vor allem deutlich wurde: Gott tut Gutes an uns! Und wenn dann auch zu hören war: und gebt das an andere weiter, dann habt ihr das Wichtigste gehört! Jedenfalls meinte ich, beides in diesen Versen lesen zu können.
Amen!
Liebe Brüder und Schwestern,
jede Nation hat so ihre Urdaten, an die man sich stets erinnert. An diesen Urdaten macht das Besondere fest, auf sie verweist man in politischen und gesellschaftlichen Gesprächen. Sie prägen eine ganze Nation. Für die USA ist es gewiss die Unabhängigkeit und 9/11, also jener Tag vor knapp 10 Jahren, als die Zwillingstürme des World-Trade-Centers in New York aufgrund eines Terroranschlags einstürzten. Für Frankreich ist es die Revolution von 1799, für die Schweiz der Rüttlischwur und Wilhelm Tell, für England ist es die Unterzeichnung der Magna Charta von 1215, mit der die demokratische Tradition in England eingeleitet wurde. Darauf ist man stolz! Solche Daten können ganze Nationen und Gesellschaften prägen und bestimmen.
Für Deutschland fallen mir drei Urdaten ein: Die Stunde Null als Ende des 2. Weltkriegs, das Wunder von Bern 1954 und die Wiedervereinigung von 1990, der wir uns am 3. Oktober erinnern. In unterschiedlicher Weise haben diese Urdaten die deutsche Seele geprägt und bestimmt. Dabei ist es mir durchaus schwer gefallen, ausgerechnet ein Fußballereignis aufzuzählen. Doch mit dem Sieg der Fußball-WM in Bern wurde eine ganze Nation aus der kriegsbedingten Depression gerissen, 1955 kehrten die letzten Kriegsgefangenen aus Russland zurück und das deutsche Wirtschaftswunder begann. Seitdem dürfen gerade bei sportlichen Ereignissen die deutsche Fahne geschwenkt werden. Ist man ansonsten eher zurückhaltend mit der eigenen Fahne. Hier ist es erlaubt, hier geschieht es!
Man könnte gewiss noch mehr Urdaten aufzählen, doch zu viele entleeren den Begriff und die Bedeutung.
Für das Volk Israel gab es auch zwei Urdaten, auf die man sich immer wieder bezog und berief. Zum einen ist dies der Auszug aus Ägypten, die Befreiung von der Unterdrückung und Sklaverei. Der Auszug wurde dann im Laufe der Geschichte zum Bild für Erlösung schlechthin. Nach 430 Jahren in Ägypten zog das Volk Gottes aus. Diese Geschichte erzählt man sich bis auf den heutigen Tagen in den Familien, Häusern und Synagogen. Damals hat Gott Großes getan! Dazu gibt es einen ganzen Festkalender mit dem größten Fest, dem Passahfest. Ganze sieben Tage wird gefeiert. Wichtig ist dabei, dass man so feiert, als ob man selbst dabei gewesen war. Da schrumpfen kurzerhand einfach tausende von Jahre auf ein Fest zusammen: Jeder, der hier mitfeiert, war beim Auszug aus Ägypten dabei! Das prägt die Seele einer Nation! Wir sind auch heute die, die Gott befreit und erlöst hat.
Ein weiteres Urdatum des Volkes Israel ereignete sich am Berg Sinai. Hier auf dem Berg gab Gott dem Mose und seinem Volk die 10 Gebote. Hier legte Gott mit seinem Gesetz den Bund mit seinem Volk erneut fest: Bund und Bundesgesetz gehören zusammen! Diese 10 Gebote haben eine besondere Wirkungsgeschichte. So meinte selbst Wilhelm Pieck, dass es wichtig sei, die 10 Gebote einzuhalten. Und die Jungpioniere hatten gar auch 10 Gebote. Ein weiteres Urdatum des Volkes Israel zieht weltweit Kreise und prägt.
Doch noch sind die 10 Gebote nicht vergeben, noch stehen wir mit dem Volk Israel am Fuß des Berges. Unsere Verse sind aber so eine Art Präambel zum eigentlichen Gesetzes- oder Verfassungstext. Gut zwei Monate sind seit dem großen Auszug aus Ägypten vergangen. Was war da nicht alles passiert: nach dem Auszug aus Ägypten folgte der Durchzug durchs Schilfmeer. Mose und Mirjam dichteten Lieder. Neue Gerichte kamen auf die Speisekarten wie Wachteln. Und da sie für eine andere Speise noch keinen Namen hatten, nannten sie diese einfach „Was ist das?“ – Man hu oder Manna. Dabei weiß man nicht so genau, ob es sich dabei um Honigtau oder um essbare Flechten gehandelt hat. Da passt es ganz gut, dass diese Speise bis heute „Was ist das?“ heißt. Solche Sprachschöpfungen gibt es übrigens auch in anderen Sprachen: Im Französischen begegnet uns das Wort „le vasistas“. Wer hier „Was ist das?“ hört, hört richtig. Hinter diesem französischen Wort steckt eine deutsche Frage und es bezeichnet die runde Lichtöffnung über der Eingangstür in Frankreich. Es ist eine Kuriosität aus dem deutsch-französischen Krieg von 1870/71, in dem deutsche Soldaten zum ersten Mal solche Fenster bzw. Öffnungen sahen und tatsächlich fragten: „Was ist das?“.
Nach diesem Ausflug in die Sprachgeschichte doch wieder zurück zur Bibel. Nach einigem Hin- und Her samt dem Einreichen von Protestnoten wegen der angeblich schlechten Reiseplanung durch Mose landeten sie am Berg Sinai: „Denn sie waren ausgezogen von Refidim und kamen in die Wüste Sinai und lagerten sich dort in der Wüste gegenüber dem Berge.“
Dabei frage ich mich, was denn so zwischen den großen Ereignissen auf dem Weg geschehen ist. Was haben sie sich erzählt? Was haben sie so zwischen Schilfmeer und Manna gemacht? Wie war ihre Gefühlslage? Waren sie stets auf dem Höhepunkt des Glaubens und griff der Alltag nach ihnen? Oder könnte es sein, dass die Höhepunkte des Glaubens und die Niederungen des Alltags gar keine Widersprüche sind? Falls nicht, wären sie einfach verschiedene Bestandteile des Lebens. Ich muss ja gestehen, dass es Phasen in meinem Glaubensleben gab, wie ich der Meinung war, dass der Glaube und die Gottesnähe stets auf einem entsprechend hohen Level sein müssten. Bei Gott sitzt man stets in der ersten Reihe. Das ging auch eine Weile ganz gut, bis ich auch merken musste, dass die erste Reihe auf Dauer auch sehr anstrengend sein kann. Das hält man ja selbst gar nicht durch.
Wer nun meint, dass ich einem laschen Christsein das Wort rede, versteht mich falsch. Ich rede von einem alltagstauglichen Glauben, der seine Zeiten und Orte hat, der die Höhepunkte wahrnimmt und auch die Tiefpunkte sieht. Bereits in den ersten beiden Monaten hatte das Volk Israel Höhe- und Tiefpunkte. Beides wird erzählt, beides gehört zur Glaubensgeschichte dieses Volkes hinzu. Bei aller großartigen Erfahrung mit Gott tun sich auch menschliche Abgründe und menschliches Versagen auf. Die Befreiung aus Ägypten führte auch in die Wüste menschlicher Grenzen, Fehler und Sünde. Doch Gott bleibt bei diesen glaubensstarken, glaubensschwachen, mürrischen, nervenden, sündigen, beratungsresistenten Menschen. Man glaubt es ja kaum, wenn nach 40 Jahren von Aufbrüchen und Abbrüchen, Höhepunkten des Glaubens und sündigen Abgründen es am Ende heißt: Es war nichts dahingefallen von all dem guten Wort, das der HERR dem Hause Israel verkündigt hatte. Es war alles gekommen. (Jos 21,45) Was war da nicht alles seit dem Auszug aus Ägypten falsch gelaufen. Da kann man wahrlich das Grausen bekommen. Doch am Ziel heißt es: Es war nichts dahingefallen von all dem guten Wort.
Doch soweit sind wir noch nicht, auch wir Christen sind noch nicht soweit. Wir sind noch nicht am Ziel. Noch sind wir auf dem Weg und sehen es selbst: Wie wir besondere Erfahrungen mit Gott machen, wie wir im Glauben und in der Liebe versagen. Wir sind stark im Glauben und im nächsten Augenblick stark der Sünde verfallen. Die Geschichte Israels hat was Archetypisches. Was sie als Volk erlebten, machen wir im eigenen Leben und Glaubensleben durch. Doch wie bei Israel bleibt Gott an und bei uns, er lässt nicht los.
„Und Mose stieg hinauf zu Gott.“ Hier habe ich ein wenig recherchiert. Heute dauert der Aufstieg auf den 2.285m hohen Berg drei bis vier Stunden. Vom Basislager in 1.585m Höhe geht ein 2,5km langer Weg mit 4000 Stufen nach oben. Wenn man nun bedenkt, dass der Mose weder gute Bergstiefel noch 4000 Treppen zur Verfügung hatte, wird er es gewiss nicht in drei Stunden geschafft haben. Ob er geschwitzt hat und Blasen an den Füßen hatte? Außerdem musste er noch den geeigneten Weg nach oben finden. Doch andererseits war ihm der Berg auch nicht ganz unbekannt, war ihm doch hier schon mal Gott im brennenden Dornbusch erschienen. Es war also durchaus bekanntes Terrain, auf dem er sich bewegte.
Persönlich muss ich ja sagen, dass sich bei mir Charlton Heston ganz tief eingegraben hat als Mose im Hollywood-Filmen „Die 10 Gebote“. Yul Brynner spielte 1956 den Pharao. Echt klassisch! Nur nebenbei: Ich bin erst einige Jahre später geboren! Nur damit hier keine falschen Vorstellungen aufkommen! Wie dem auch sei: Wie Charlton Heston auf den Berg ging, so war es. Jedenfalls in meiner Vorstellung!
Dass Mose und Gott sich gut verstanden, war schon zuvor klar. Jedenfalls gab es bereits viele Dialoge zwischen Gott und Mose. Und auch hier kommt es zum Gespräch. Wobei man wohl genauer sagen müsste: Gott redet mit Mose! Und dabei ist ganz schön viel Bewegung im Spiel!
Auch die Zeiten finde ich immer wieder spannend. Nach heutigen Maßstäben hat alles ganz schön lange gedauert. Da mache ich mir schon sorgenhafte oder gar schlimme Gedanken, wenn ich nach einem halben Tag keine Antwort auf meine E-Mail erhalte. Wenn ich was bestelle, dann muss dies am nächsten Tag bereits bei mir sein. Amazon hat da einfach Maßstäbe gesetzt, die ich mittlerweile von allen verlange. E-Mail und SMS sei Dank, geht heute alles ein wenig schneller. Selbst Gott scheint heute per SMS zu kommunizieren: www.smsgott.de gibt es bereits! Oder www.smsvongott.de, na also!
Doch hier am Berg hat alles seine Zeit und bekommt auch irgendwie alles seine Zeit. Da kann sich Mose auf die Begegnung mit Gott innerlich vorbereiten und später hat er Zeit die Begegnung mit Gott zu verdauen und sich auf das Volk vorzubereiten. Das finde ich eigentlich gar nicht schlecht! Der Faktor Zeit geht mir manchmal gern verloren, da wir ja nie Zeit haben. Aber das ist ein anderes Problem!
Dabei ist angesichts des Auf- und Abstiegs die Rede Gottes relativ knapp und angesichts von drei Versen in zwei Punkten zu fassen:
1. Erinnerung ist wichtig! Ausgangspunkt ist Gottes Handeln!
2. Vom Erinnern zum Ermahnen: Gottes Stimme hören und seinen Bund halten!
Zwei Punkte, die kann man sich leicht merken:
1. Erinnerung ist wichtig! Ausgangspunkt ist stets Gottes heilvolles Handeln!
Erinnern ist immer gut und wichtig, könnte man sagen. Doch hier geht es um mehr: Gott erinnert sein Volk daran, dass sie sich nicht selbst geschaffen haben. Beinahe wird man an den guten Böckenförde erinnert: „Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann.“ Das gilt auch für das Volk Israel. Ihre Geburtsstunde, ihr Urdatum, wurde ihnen von Gott geschenkt und sie können sich nur beschenken lassen und sich daran erinnern. Gott hat uns auf den Weg gebracht, er hat uns befreit und erlöst. Der Grund unseres Lebens und Daseins liegt bei Gott. Das können wir uns selbst nicht geben. Das können wir uns nicht garantieren! Das müssen wir auch nicht tun! Es ist bereits getan!
Mit einem Bildwort drückt Gott dies aus: „... wie ich euch getragen habe auf Adlersflügeln und euch zu mir gebracht.“ Das gilt! Das ist der Existenzgrund, den das Volk sich nicht selbst geben kann und auch nicht muss. Christen sagen das von sich auch: Der Grund meines Lebens und Glaubens ist bereits gelegt! Das gilt! Wir leben von Voraussetzungen, die wir selbst nicht garantieren können und es auch nicht brauchen. Aber freuen können wir uns darüber: Gott hat gehandelt! Auch die christliche Gemeinde hat ein Urdatum in Jesus Christus. Auch sie ist ein Zeichen dafür, wie Gott zu seinen Zusagen steht. Oder persönlich gesprochen: In meinem Leben kann ich diese Spuren und diese Zeichen erkennen, dass Gott auch mir gegenüber zu seinen Zusagen steht.
2. Vom Erinnern zur Bestimmung: Königreich von Priestern und heiliges Volk!
Dass zuerst gesagt wird, was Gott getan hat, ist unbedingt wichtig. Doch es kann nicht ohne das Nächste bleiben. Die Sonderstellung Israels ist nicht einfach Privileg und Besitz, sondern ebenso Verpflichtung und Herausforderung. Der Erlösung folgt eine Bestimmung! So gewiss Gott an ihnen gehandelt hat und ihnen Gutes getan hat, ebenso sicher ist sein Anspruch an sein Volk, auf seine Stimme zu hören und seinen Bund zu halten. Ja gewiss, das Volk Israel hat eine Sonderstellung vor allen anderen Völkern. Keine Frage! Damit ist aber eine besondere Bestimmung verbunden.
Die Sonderstellung fordert heraus, sie verpflichtet. Die Erlösung ist kein Ziel in sich selbst! Die Bibel gehrt hier einen Schritt weiter und fragt: Wozu? Was ist die Bestimmung der neuen Freiheit? Vielleicht tun wir moderne Menschen uns hier auch schwer, denn Freiheit ist für uns zu einem eigenen Gut geworden. Freiheit ist an sich ein Ziel! Befreiung bei Gott führt zu einer neuen Bestimmung!
Als Christen begegnet uns bei Paulus eine ähnliche Herausforderung: Ihr, die Ihr Euch auf Christus beruft, lebt so wie es Christus auch getan hätte. So ähnlich steht es jedenfalls im Philipperbrief: „Seid so unter euch gesinnt, wie es auch der Gemeinschaft in Christus Jesus entspricht.“ (Phil 2,5). „What would Jesus do?“ (WWJD) nimmt genau das auf.
Das Ganze wird dann nur nochmals unterstrichen mit dem „Königreich von Priestern und ein heiliges Volk“. Das ist die Bestimmung Israels, das ist unsere Bestimmung als Christen.
Fast am Ende der Bibel bekommt das Ganze für Christen sogar noch eine missionarische Wendung. Da nimmt Petrus genau diesen Sprachgebrauch auf und schreibt an die Christen, die es gerade nicht sehr einfach haben: „Ihr aber seid das auserwählte Geschlecht, die königliche Priesterschaft, das heilige Volk des Eigentums, dass ihr verkündigt die Wohltaten dessen, der such berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht.“ (1. Petrus 2,9). Das sind schon gewichtige Worte! Doch wen Gott befreit, wem Gott Gutes tut, den sendet er auch, damit dies andere auch erfahren!
So hoffe ich, dass in meiner Predigt vor allem deutlich wurde: Gott tut Gutes an uns! Und wenn dann auch zu hören war: und gebt das an andere weiter, dann habt ihr das Wichtigste gehört! Jedenfalls meinte ich, beides in diesen Versen lesen zu können.
Amen!
Liebe Brüder und Schwestern,
jede Nation hat so ihre Urdaten, an die man sich stets erinnert. An diesen Urdaten macht das Besondere fest, auf sie verweist man in politischen und gesellschaftlichen Gesprächen. Sie prägen eine ganze Nation. Für die USA ist es gewiss die Unabhängigkeit und 9/11, also jener Tag vor knapp 10 Jahren, als die Zwillingstürme des World-Trade-Centers in New York aufgrund eines Terroranschlags einstürzten. Für Frankreich ist es die Revolution von 1799, für die Schweiz der Rüttlischwur und Wilhelm Tell, für England ist es die Unterzeichnung der Magna Charta von 1215, mit der die demokratische Tradition in England eingeleitet wurde. Darauf ist man stolz! Solche Daten können ganze Nationen und Gesellschaften prägen und bestimmen.
Für Deutschland fallen mir drei Urdaten ein: Die Stunde Null als Ende des 2. Weltkriegs, das Wunder von Bern 1954 und die Wiedervereinigung von 1990, der wir uns am 3. Oktober erinnern. In unterschiedlicher Weise haben diese Urdaten die deutsche Seele geprägt und bestimmt. Dabei ist es mir durchaus schwer gefallen, ausgerechnet ein Fußballereignis aufzuzählen. Doch mit dem Sieg der Fußball-WM in Bern wurde eine ganze Nation aus der kriegsbedingten Depression gerissen, 1955 kehrten die letzten Kriegsgefangenen aus Russland zurück und das deutsche Wirtschaftswunder begann. Seitdem dürfen gerade bei sportlichen Ereignissen die deutsche Fahne geschwenkt werden. Ist man ansonsten eher zurückhaltend mit der eigenen Fahne. Hier ist es erlaubt, hier geschieht es!
Man könnte gewiss noch mehr Urdaten aufzählen, doch zu viele entleeren den Begriff und die Bedeutung.
Für das Volk Israel gab es auch zwei Urdaten, auf die man sich immer wieder bezog und berief. Zum einen ist dies der Auszug aus Ägypten, die Befreiung von der Unterdrückung und Sklaverei. Der Auszug wurde dann im Laufe der Geschichte zum Bild für Erlösung schlechthin. Nach 430 Jahren in Ägypten zog das Volk Gottes aus. Diese Geschichte erzählt man sich bis auf den heutigen Tagen in den Familien, Häusern und Synagogen. Damals hat Gott Großes getan! Dazu gibt es einen ganzen Festkalender mit dem größten Fest, dem Passahfest. Ganze sieben Tage wird gefeiert. Wichtig ist dabei, dass man so feiert, als ob man selbst dabei gewesen war. Da schrumpfen kurzerhand einfach tausende von Jahre auf ein Fest zusammen: Jeder, der hier mitfeiert, war beim Auszug aus Ägypten dabei! Das prägt die Seele einer Nation! Wir sind auch heute die, die Gott befreit und erlöst hat.
Ein weiteres Urdatum des Volkes Israel ereignete sich am Berg Sinai. Hier auf dem Berg gab Gott dem Mose und seinem Volk die 10 Gebote. Hier legte Gott mit seinem Gesetz den Bund mit seinem Volk erneut fest: Bund und Bundesgesetz gehören zusammen! Diese 10 Gebote haben eine besondere Wirkungsgeschichte. So meinte selbst Wilhelm Pieck, dass es wichtig sei, die 10 Gebote einzuhalten. Und die Jungpioniere hatten gar auch 10 Gebote. Ein weiteres Urdatum des Volkes Israel zieht weltweit Kreise und prägt.
Doch noch sind die 10 Gebote nicht vergeben, noch stehen wir mit dem Volk Israel am Fuß des Berges. Unsere Verse sind aber so eine Art Präambel zum eigentlichen Gesetzes- oder Verfassungstext. Gut zwei Monate sind seit dem großen Auszug aus Ägypten vergangen. Was war da nicht alles passiert: nach dem Auszug aus Ägypten folgte der Durchzug durchs Schilfmeer. Mose und Mirjam dichteten Lieder. Neue Gerichte kamen auf die Speisekarten wie Wachteln. Und da sie für eine andere Speise noch keinen Namen hatten, nannten sie diese einfach „Was ist das?“ – Man hu oder Manna. Dabei weiß man nicht so genau, ob es sich dabei um Honigtau oder um essbare Flechten gehandelt hat. Da passt es ganz gut, dass diese Speise bis heute „Was ist das?“ heißt. Solche Sprachschöpfungen gibt es übrigens auch in anderen Sprachen: Im Französischen begegnet uns das Wort „le vasistas“. Wer hier „Was ist das?“ hört, hört richtig. Hinter diesem französischen Wort steckt eine deutsche Frage und es bezeichnet die runde Lichtöffnung über der Eingangstür in Frankreich. Es ist eine Kuriosität aus dem deutsch-französischen Krieg von 1870/71, in dem deutsche Soldaten zum ersten Mal solche Fenster bzw. Öffnungen sahen und tatsächlich fragten: „Was ist das?“.
Nach diesem Ausflug in die Sprachgeschichte doch wieder zurück zur Bibel. Nach einigem Hin- und Her samt dem Einreichen von Protestnoten wegen der angeblich schlechten Reiseplanung durch Mose landeten sie am Berg Sinai: „Denn sie waren ausgezogen von Refidim und kamen in die Wüste Sinai und lagerten sich dort in der Wüste gegenüber dem Berge.“
Dabei frage ich mich, was denn so zwischen den großen Ereignissen auf dem Weg geschehen ist. Was haben sie sich erzählt? Was haben sie so zwischen Schilfmeer und Manna gemacht? Wie war ihre Gefühlslage? Waren sie stets auf dem Höhepunkt des Glaubens und griff der Alltag nach ihnen? Oder könnte es sein, dass die Höhepunkte des Glaubens und die Niederungen des Alltags gar keine Widersprüche sind? Falls nicht, wären sie einfach verschiedene Bestandteile des Lebens. Ich muss ja gestehen, dass es Phasen in meinem Glaubensleben gab, wie ich der Meinung war, dass der Glaube und die Gottesnähe stets auf einem entsprechend hohen Level sein müssten. Bei Gott sitzt man stets in der ersten Reihe. Das ging auch eine Weile ganz gut, bis ich auch merken musste, dass die erste Reihe auf Dauer auch sehr anstrengend sein kann. Das hält man ja selbst gar nicht durch.
Wer nun meint, dass ich einem laschen Christsein das Wort rede, versteht mich falsch. Ich rede von einem alltagstauglichen Glauben, der seine Zeiten und Orte hat, der die Höhepunkte wahrnimmt und auch die Tiefpunkte sieht. Bereits in den ersten beiden Monaten hatte das Volk Israel Höhe- und Tiefpunkte. Beides wird erzählt, beides gehört zur Glaubensgeschichte dieses Volkes hinzu. Bei aller großartigen Erfahrung mit Gott tun sich auch menschliche Abgründe und menschliches Versagen auf. Die Befreiung aus Ägypten führte auch in die Wüste menschlicher Grenzen, Fehler und Sünde. Doch Gott bleibt bei diesen glaubensstarken, glaubensschwachen, mürrischen, nervenden, sündigen, beratungsresistenten Menschen. Man glaubt es ja kaum, wenn nach 40 Jahren von Aufbrüchen und Abbrüchen, Höhepunkten des Glaubens und sündigen Abgründen es am Ende heißt: Es war nichts dahingefallen von all dem guten Wort, das der HERR dem Hause Israel verkündigt hatte. Es war alles gekommen. (Jos 21,45) Was war da nicht alles seit dem Auszug aus Ägypten falsch gelaufen. Da kann man wahrlich das Grausen bekommen. Doch am Ziel heißt es: Es war nichts dahingefallen von all dem guten Wort.
Doch soweit sind wir noch nicht, auch wir Christen sind noch nicht soweit. Wir sind noch nicht am Ziel. Noch sind wir auf dem Weg und sehen es selbst: Wie wir besondere Erfahrungen mit Gott machen, wie wir im Glauben und in der Liebe versagen. Wir sind stark im Glauben und im nächsten Augenblick stark der Sünde verfallen. Die Geschichte Israels hat was Archetypisches. Was sie als Volk erlebten, machen wir im eigenen Leben und Glaubensleben durch. Doch wie bei Israel bleibt Gott an und bei uns, er lässt nicht los.
„Und Mose stieg hinauf zu Gott.“ Hier habe ich ein wenig recherchiert. Heute dauert der Aufstieg auf den 2.285m hohen Berg drei bis vier Stunden. Vom Basislager in 1.585m Höhe geht ein 2,5km langer Weg mit 4000 Stufen nach oben. Wenn man nun bedenkt, dass der Mose weder gute Bergstiefel noch 4000 Treppen zur Verfügung hatte, wird er es gewiss nicht in drei Stunden geschafft haben. Ob er geschwitzt hat und Blasen an den Füßen hatte? Außerdem musste er noch den geeigneten Weg nach oben finden. Doch andererseits war ihm der Berg auch nicht ganz unbekannt, war ihm doch hier schon mal Gott im brennenden Dornbusch erschienen. Es war also durchaus bekanntes Terrain, auf dem er sich bewegte.
Persönlich muss ich ja sagen, dass sich bei mir Charlton Heston ganz tief eingegraben hat als Mose im Hollywood-Filmen „Die 10 Gebote“. Yul Brynner spielte 1956 den Pharao. Echt klassisch! Nur nebenbei: Ich bin erst einige Jahre später geboren! Nur damit hier keine falschen Vorstellungen aufkommen! Wie dem auch sei: Wie Charlton Heston auf den Berg ging, so war es. Jedenfalls in meiner Vorstellung!
Dass Mose und Gott sich gut verstanden, war schon zuvor klar. Jedenfalls gab es bereits viele Dialoge zwischen Gott und Mose. Und auch hier kommt es zum Gespräch. Wobei man wohl genauer sagen müsste: Gott redet mit Mose! Und dabei ist ganz schön viel Bewegung im Spiel!
Auch die Zeiten finde ich immer wieder spannend. Nach heutigen Maßstäben hat alles ganz schön lange gedauert. Da mache ich mir schon sorgenhafte oder gar schlimme Gedanken, wenn ich nach einem halben Tag keine Antwort auf meine E-Mail erhalte. Wenn ich was bestelle, dann muss dies am nächsten Tag bereits bei mir sein. Amazon hat da einfach Maßstäbe gesetzt, die ich mittlerweile von allen verlange. E-Mail und SMS sei Dank, geht heute alles ein wenig schneller. Selbst Gott scheint heute per SMS zu kommunizieren: www.smsgott.de gibt es bereits! Oder www.smsvongott.de, na also!
Doch hier am Berg hat alles seine Zeit und bekommt auch irgendwie alles seine Zeit. Da kann sich Mose auf die Begegnung mit Gott innerlich vorbereiten und später hat er Zeit die Begegnung mit Gott zu verdauen und sich auf das Volk vorzubereiten. Das finde ich eigentlich gar nicht schlecht! Der Faktor Zeit geht mir manchmal gern verloren, da wir ja nie Zeit haben. Aber das ist ein anderes Problem!
Dabei ist angesichts des Auf- und Abstiegs die Rede Gottes relativ knapp und angesichts von drei Versen in zwei Punkten zu fassen:
1. Erinnerung ist wichtig! Ausgangspunkt ist Gottes Handeln!
2. Vom Erinnern zum Ermahnen: Gottes Stimme hören und seinen Bund halten!
Zwei Punkte, die kann man sich leicht merken:
1. Erinnerung ist wichtig! Ausgangspunkt ist stets Gottes heilvolles Handeln!
Erinnern ist immer gut und wichtig, könnte man sagen. Doch hier geht es um mehr: Gott erinnert sein Volk daran, dass sie sich nicht selbst geschaffen haben. Beinahe wird man an den guten Böckenförde erinnert: „Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann.“ Das gilt auch für das Volk Israel. Ihre Geburtsstunde, ihr Urdatum, wurde ihnen von Gott geschenkt und sie können sich nur beschenken lassen und sich daran erinnern. Gott hat uns auf den Weg gebracht, er hat uns befreit und erlöst. Der Grund unseres Lebens und Daseins liegt bei Gott. Das können wir uns selbst nicht geben. Das können wir uns nicht garantieren! Das müssen wir auch nicht tun! Es ist bereits getan!
Mit einem Bildwort drückt Gott dies aus: „... wie ich euch getragen habe auf Adlersflügeln und euch zu mir gebracht.“ Das gilt! Das ist der Existenzgrund, den das Volk sich nicht selbst geben kann und auch nicht muss. Christen sagen das von sich auch: Der Grund meines Lebens und Glaubens ist bereits gelegt! Das gilt! Wir leben von Voraussetzungen, die wir selbst nicht garantieren können und es auch nicht brauchen. Aber freuen können wir uns darüber: Gott hat gehandelt! Auch die christliche Gemeinde hat ein Urdatum in Jesus Christus. Auch sie ist ein Zeichen dafür, wie Gott zu seinen Zusagen steht. Oder persönlich gesprochen: In meinem Leben kann ich diese Spuren und diese Zeichen erkennen, dass Gott auch mir gegenüber zu seinen Zusagen steht.
2. Vom Erinnern zur Bestimmung: Königreich von Priestern und heiliges Volk!
Dass zuerst gesagt wird, was Gott getan hat, ist unbedingt wichtig. Doch es kann nicht ohne das Nächste bleiben. Die Sonderstellung Israels ist nicht einfach Privileg und Besitz, sondern ebenso Verpflichtung und Herausforderung. Der Erlösung folgt eine Bestimmung! So gewiss Gott an ihnen gehandelt hat und ihnen Gutes getan hat, ebenso sicher ist sein Anspruch an sein Volk, auf seine Stimme zu hören und seinen Bund zu halten. Ja gewiss, das Volk Israel hat eine Sonderstellung vor allen anderen Völkern. Keine Frage! Damit ist aber eine besondere Bestimmung verbunden.
Die Sonderstellung fordert heraus, sie verpflichtet. Die Erlösung ist kein Ziel in sich selbst! Die Bibel gehrt hier einen Schritt weiter und fragt: Wozu? Was ist die Bestimmung der neuen Freiheit? Vielleicht tun wir moderne Menschen uns hier auch schwer, denn Freiheit ist für uns zu einem eigenen Gut geworden. Freiheit ist an sich ein Ziel! Befreiung bei Gott führt zu einer neuen Bestimmung!
Als Christen begegnet uns bei Paulus eine ähnliche Herausforderung: Ihr, die Ihr Euch auf Christus beruft, lebt so wie es Christus auch getan hätte. So ähnlich steht es jedenfalls im Philipperbrief: „Seid so unter euch gesinnt, wie es auch der Gemeinschaft in Christus Jesus entspricht.“ (Phil 2,5). „What would Jesus do?“ (WWJD) nimmt genau das auf.
Das Ganze wird dann nur nochmals unterstrichen mit dem „Königreich von Priestern und ein heiliges Volk“. Das ist die Bestimmung Israels, das ist unsere Bestimmung als Christen.
Fast am Ende der Bibel bekommt das Ganze für Christen sogar noch eine missionarische Wendung. Da nimmt Petrus genau diesen Sprachgebrauch auf und schreibt an die Christen, die es gerade nicht sehr einfach haben: „Ihr aber seid das auserwählte Geschlecht, die königliche Priesterschaft, das heilige Volk des Eigentums, dass ihr verkündigt die Wohltaten dessen, der such berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht.“ (1. Petrus 2,9). Das sind schon gewichtige Worte! Doch wen Gott befreit, wem Gott Gutes tut, den sendet er auch, damit dies andere auch erfahren!
So hoffe ich, dass in meiner Predigt vor allem deutlich wurde: Gott tut Gutes an uns! Und wenn dann auch zu hören war: und gebt das an andere weiter, dann habt ihr das Wichtigste gehört! Jedenfalls meinte ich, beides in diesen Versen lesen zu können.
Amen!
Mose
