Greifbar

GreifBar plus am 29.05.2011

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                                                            Wie können wir beten?        


 

    „1 Und es begab sich, dass er an einem Ort war und betete. Als er aufgehört hatte, sprach einer seiner Jünger zu ihm: Herr, lehre uns beten, wie auch Johannes seine Jünger lehrte. 2 Er aber sprach zu ihnen: Wenn ihr betet, so sprecht: Vater! Dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme. 3 Unser tägliches Brot gib uns Tag für Tag 4 und vergib uns unsre Sünden; denn auch wir vergeben allen, die an uns schuldig werden. Und führe uns nicht in Versuchung. 5 Und er sprach zu ihnen: Wenn jemand unter euch einen Freund hat und ginge zu ihm um Mitternacht und spräche zu ihm: Lieber Freund, leih mir drei Brote; 6 denn mein Freund ist zu mir gekommen auf der Reise, und ich habe nichts, was ich ihm vorsetzen kann, 7 und der drinnen würde antworten und sprechen: Mach mir keine Unruhe! Die Tür ist schon zugeschlossen und meine Kinder und ich liegen schon zu Bett; ich kann nicht aufstehen und dir etwas geben. 8 Ich sage euch: Und wenn er schon nicht aufsteht und ihm etwas gibt, weil er sein Freund ist, dann wird er doch wegen seines unverschämten Drängens aufstehen und ihm geben, soviel er bedarf. 9 Und ich sage euch auch: Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan.10 Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan. 11 Wo ist unter euch ein Vater, der seinem Sohn, wenn der ihn um einen Fisch bittet, eine Schlange für den Fisch biete? 12 Oder der ihm, wenn er um ein Ei bittet, einen Skorpion dafür biete? 13 Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben geben könnt, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist geben denen, die ihn bitten!“(Lk 11,1-13)

 

                                                              Predigtnotizen

 

0. Einleitung

 

·        Ein Benediktiner, ein Franziskaner und ein Jesuit treffen sich zum Abendgebet in einer Kirche. Plötzlich geht das Licht aus. Der Benediktiner betet: „O Herr, beschenke uns mit dem Reichtum deiner Gnade, lass ein Wunder geschehen, damit es hell werde, denn es ist dunkel um uns herum.“ Der Franziskaner betet: „Her Jesus Christus, vergib uns unsere Schuld und zeig uns, was wir tun sollen.“ Der Jesuit aber steht auf und dreht die Sicherung wieder hinein.

 

·        Diese Anekdote hat mein Bild von den Jesuiten geprägt, als ein Orden der handelt, während andere noch beten.

 

·        Luther soll gesagt haben: „Bete, als ob alles Arbeiten nichts nützt und arbeite, als ob alles Beten nichts nützt.“

 

·        Aber es heute geht es ja nicht um Mönche und Orden, sondern darum, wie wir beten können.

 

·        Offensichtlich waren die Jünger Jesu, seine Begleiter, sich auch nicht sicher, wie man am besten betet. Haben Jesus gefragt: „Herr, lehre uns beten.“

 

·        … und Jesus hat keine anderthalbstündige Vorlesung gehalten über die Kunst des Betens im Allgemeinen unter besonderer Berücksichtigung der Fürbitte.

 

·        Nein, er gibt zwei Beispiele.

 

·        1. Das Vaterunser

 

·        2. Das Beispiel vom bittenden Freund (unseren Predigttext)

 

 

 

1. Jesus gibt Beispiele für das Gebet

 

 ·        Die erste Antwort auf die Frage „Wie lernen wir beten?“ heißt: Durch Vorbilder und Beispiele.

 

·        Ich kann mich noch gut an meine ersten Semester mit Vorlesungen in Mathematik erinnern. Wie oft habe ich gedacht: „Das klingt alles sehr einleuchtend, aber gibt mir doch endlich ein Beispiel, damit ich es auch verstehe.“ Zum Beispiel das „Cauchy’sche Konvergenzkriterium“. Mathematiker können ja anderthalb Stunden damit verbringen einen einzigen Beweis zu führen, bei dem jeder einzelne Schritt einleuchtend ist, und man am Ende trotzdem nicht weiß, worum es eigentlich geht.

 

·        Warum kann man nicht einfach sagen: „Ein unendliche Zahlenfolge konvergiert, wenn es eine schneller wachsende Zahlenfolge gibt, deren Konvergenz man beweisen kann.“ So einfach kann Mathematik sein, nicht wahr? ;-)

 

·        [Exakt: Wenn die die Differenzen aufeinanderfolgender Glieder einer Folge kleiner sind als die Summanden einer konvergenten Reihe, so ist die Folge eine Cauchyfolge.]

 

·        Beispiele können extrem hilfreich sein. Weitere Beispiele aus der Mathematik spare ich mir aber an dieser Stelle.

 

·        Die Situation von der unser Predigttext erzählt stelle ich mir wie folgt vor:

 

·        Jesus hat mal wieder gebetet. Wahrscheinlich lange gebetet. Wahrscheinlich in der Nähe seiner Jünger, höchstens einen Steinwurf weit. Wahrscheinlich hat er halblaut vor sich hin gebetet, wie Juden es noch heute tun.

 

·        Das ist das erste Beispiel das Jesus den Jüngern gibt. Sich selbst und wie ernst er das Gebet nimmt, wie wichtig und wertvoll es ihm ist.

 

·        Und die Jünger wollen sein „Geheimnis“ erfahren. Sie ahnen: Seine Ausstrahlung, seine Vollmacht, sein ganzes Wesen müssen etwas mit dem Gebet zu tun haben, mit dieser innigen Beziehung zu Gott im Gebet. Sie wollen wissen, was da eigentlich passiert.

 

·        „Lehre uns beten!“

 

·        Und Jesus lehrt sie das Vaterunser!

 

·        In meiner Bibel anderthalb Verse auf sechs Zeilen!

 

·        1. Lobpreis Gottes. 2. Bitte um Befriedigung der Grundbedürfnisse - Brot zum Leben, Gottes Vergebung für meine Schuld. 3. Meine Vergebung für die Anderen.

 

·        Wenn jemand jetzt sagt: „Ich kann die Jünger verstehen. Mir fällt es auch schwer ein Gebet zu formulieren.“ Dann möchte ich gern fragen: „Von wem hast du beten gelernt? Wer waren deine Vorbilder?“

 

·        Auch wir brauchen Vorbilder. Die Eltern vielleicht, oder andere Christen.

 

·        Das ist ein Grund, weshalb ich Gebetsgemeinschaften wichtig finde, Zeiten, wo wir gemeinsam – zu zweit, zu dritt oder mehr – laut und deutlich in freier Rede mit Gott sprechen.

 

·        Das ist nicht frömmer oder besser als das stille Gebet in der Kammer. Aber es übt. Wir lernen: „Ach, so kann man auch beten.“

 

·        Beispiel von Gebetsstunde bei meinem Großvater …

 

·        Manchmal lerne ich dabei auch, wie ich lieber nicht beten möchte.

 

·        Jesus hat seinen Jüngern Beispiele gegeben. Wir können uns gegenseitig Beispiele geben.

 

·        Jesus gibt den Jüngern das Vaterunser als Beispiel.

 

·        Doch damit ist nicht Schluss. Beispiele sind gut und schön, aber sie sollen nicht einfach nachgeplappert, sondern mit Leben erfüllt werden.

 

·        Darum gibt Jesus ein weiteres Beispiel, um zu veranschaulichen, womit wir Gott belästigen dürfen und wie wir das am besten anstellen.

 

 

 

2. Wie weit kann ein Freund gehen?

 

·        Stell dir vor, du hast einen Freund. Und nun stell dir vor, du bekommst unerwartet, mitten in der Nacht Besuch von einem weitgereisten Bekannten und hast nichts, was du ihm zu Essen anbieten könntest.

 

·        Was wirst du tun? Das ist eine Katastrophe für orientalische Gastfreundschaft!

 

·        Dir bleibt nichts anderes übrig, als zu deinen Freund zu gehen, ihn aus dem Schlaf zu klingeln und so lange zu drängen und anzubetteln, bis er dir drei Scheiben Brot herausrückt.

 

·        Das ist zwar außerordentlich peinlich und eigentlich eine Unverschämtheit. Schließlich reißt du eine ganze Familie aus dem Schlaf, nur weil dir das Brot ausgegangen ist. Aber was bleibt dir übrig?

 

·        Es gibt zwei gute Gründe, weshalb du am Ende bekommen wirst, was du willst.

 

·        1. Er ist dein Freund. Er wird es verstehen – irgendwann und dir vergeben, vielleicht etwas später.

 

·        2. Wer kann einem so unverschämten Drängen schon widerstehen? Noch sind die Kinder nur halb wach. Wenn sie erst einmal ganz wach sind, ist die Nacht komplett hin.

 

·        Im Original (Vers 8): „Und wenn er (der Freund) schon nicht aufsteht und ihm etwas gibt, weil er sein Freund ist, dann wird er doch wegen seines unverschämten Drängens aufstehen und ihm geben, soviel er bedarf.“

 

·        So sollt ihr vor Gott treten und beten!!!

 

·        „9 Und ich sage euch auch: Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. „

 

·        Das erste, was ich aus diesem Beispiel von Jesus lerne ist, dass wir nicht warten sollen, bis wir in der Lage sind wohl formulierte Gebete hervorzubringen.

 

·        Kleines ABC des Betens:

 

 

 

·        A) Beten geht auch ohne Vorkenntnisse

 

·        Fang jetzt sofort an Gott zu bitten, für das was dir unter den Nägeln brennt.

 

·        Der Freund von dem Jesus erzählt, hatte keine Zeit eine Rede vorzubereiten, um mit diplomatischem Geschick seinen Freund von den Vorteilen der nächtlichen Hilfe zu überzeugen.

 

·        Er brauchte Brot, ist zu seinem Freund gegangen und hat ihn um Brot gebeten bis er welches bekommen hat. Fertig!

 

·        Er hat seinen Freund unverschämt bedrängt. Das war nicht die hohe Schule der höflich vorgetragenen Bitte.

 

·        Die Gebete mit geschliffenen Formulierungen sind ganz nett, zeigen sicher, wie viel Mühe sich jemand gegeben hat.

 

·        Aber direkt aus dem Herzen kommen die gestotterten Gebete, wenn einem noch die Worte fehlen, weil man so betroffen ist, von der Situation für die man gerade betet.

 

·        Und wer das allererste Mal ein Gebet formuliert, wird vielleicht Formulierungen treffen, die den routinierten Beter erstaunen wie jener Mann, dessen erstes Gebet lautete: „Sehr geehrter Herr-Gott, ich möchte Sie gern bitten, dass Sie sich mal um meine kranke Frau kümmern  …!“ Und das ist o.k.!

 

·        Wer mich jetzt beim Wort nehmen will und mal ein ernstes Wort mit Gott wechseln möchte, der darf das gern leise(!) tun und ist hiermit offiziell für den Rest der Predigt vom Zuhören befreit.

 

·        Ich finde es sehr entlastend, dass es für das Erste genügt, vor Gott sein Herz auszuschütten, Gott einen Blick werfen lassen in das Chaos meiner Gedanken, meiner Sorgen.

 

·        Schonungslos meine Hilflosigkeit, meine Ohnmacht, meine Verzweiflung und meine Hoffnung zu bekennen.

 

·        Da sind keine großen Worte notwendig. Dafür braucht man keine Vorkenntnisse.

 

·        Jeder, der schon einmal erschrocken einer seiner Schattenseiten begegnet ist, weiß: Das ist nicht der Augenblick wohlfeiler Reden. Da bleibt nur noch ein „O mein Gott, bin ich das wirklich? Mein Gott, mach doch bitte das Beste daraus, was dir einfällt! Mir fällt gerade nichts ein.“

 

·        Ich begegne ja jeden Tag wenigsten ein bis zweimal einer meiner Schattenseiten und bin froh, wenn ich mich rechtzeitig wieder von ihnen verabschieden kann, bevor sie Unheil anrichten.

 

·        Aber das gelingt mir nicht immer und dann werfe ich Gott alles hin: „Hier siehst du, ich habe schon wieder voll daneben gegriffen. Das tut mir leid. Aber schließlich hast du mich erschaffen, dann hilf mir jetzt auch mit meinen Schwächen zu leben.“

 

·        So kann Beten beginnen.

 

·       

 

·        B) Beten heißt: Mit Gott reden, nicht nur so zu tun als ob man mit Gott reden würde.

 

·        Da sitzt jemand am anderen Ende der Leitung! Gott ist nicht schwerhörig.

 

·        Nicht so wie bei Mattes:

 

·        Mattes hat bald Geburtstag. Doch vorher ist er mit seinen Eltern bei der Oma zu Besuch und jeden Abend beten die drei gemeinsam an seinem Bett. Als Mattes an der Reihe ist, fängt er an zu schreien: „Lieber Gott schenke mir ein neues Fahrrad und ein ferngesteuertes Auto.“ Sein Mama sagt: „Du Mattes, Gott ist nicht schwerhörig.“ Am nächsten Abend beten die drei wieder gemeinsam, und wieder schreit Mattes: „Lieber Gott, ich wünsche mir so sehr ein neues Fahrrad und eine ferngesteuertes Auto.“ „Mattes“, sagt seine Mama, „Gott ist nicht schwerhörig.“ „Ich weiß“ sagt Mattes, „Gott nicht, aber die Oma.“

 

·        Und was noch faszinierender ist. Gott lässt mit sich handeln. Er lässt sich überzeugen. Eine merkwürdige Vorstellung nicht wahr?

 

·        Wenn Gott doch allwissend und allmächtig ist, dann weiß er doch vorher, was ich bitten werde und was er daraufhin tun wird. Oder?

 

·        Das ist eine sehr spannende Frage von der Sorte, wo man nur sagen kann: „Das ist gut beobachtet aber nicht hilfreich.“

 

·        Gott will, dass wir ihn bitten, als wollten wir ihn überzeugen wie einen Freund.

 

·        Tu nicht so als hätte es keinen Zweck, den zu bitten, der doch sowieso weiß, was geschieht. Es hat sehr wohl einen Zweck.

 

·        Wenn mein Sohn etwas zu trinken haben will, dann werde ich es ihm in aller Regel geben. Wenn er aber, um seinem Wunsch Nachdruck zu verleihen, das Wort „Wasser!“ in den Raum stellt, könnte das jedoch nicht den gewünschten Effekt haben.

 

·        Ich möchte gern angesprochen werden. Ich möchte gern ernst genommen werden, als jemand von dem er etwas haben möchte. Ich bin doch keine vollautomatische Service-Hotline, in die man nur einzelne Worte hineinrufen darf, um sie nicht mit zuviel Information zu überfordern. Ich verstehe auch vollständige Sätze und bin bereit sie zu beantworten.

 

·        Gott will ernst genommen werden als Gegenüber mit dem man echte Gespräche führen kann. Der sich über die Begegnung freut, der sich überzeugen lässt, der reagiert.

 

·        Von meinen Kindern wünsche ich mir drei Dinge, wenn sie etwas von mir wollen:

 

·        1. Kommt zu mir, wenn ihr etwas wollt. Brüllt nicht durch das halbe Haus. Kommt zu mir.

 

·        2. Sprecht mich an. Mein Name ist Papa, nicht „Alter“ und auch nicht „Ich will.“. Ich würde gern wissen, dass ihr mich meint und meine Aufmerksamkeit haben wollt. Plappert also nicht einfach drauf los.

 

·        3. Schaut mir in die Augen und dann sagt mir, was ihr wollt.

 

·        O.k. das ist schon der Anfang zu einem ziemlich gepflegten Gespräch und deckt die andere Hälfte der realen Situationen nicht ab, wie „Papa, ich bin fertig. Po abputzen!“ oder „Papa, ich hänge im Baum fest.“.

 

·        Ich muss zugeben, dass ich in meinem Ehrgeiz auch in solchen Situation schon reflexartig geantwortet habe: „Komm gefälligst her, wenn du etwas von mir willst.“

 

·        Gute Idee: Sich Gott zuwenden, Ihn ansprechen, ihm in die Augen schauen.

 

·        Das geht auch am Computer. Ich nehme kurz Abstand von meiner Arbeit, richte meine Gedanken auf Gott und erzähle ihm, was mich gerade beschäftigt.

 

·        Ich rede hier mit einer Person, nicht mit einer Idee.

 

·        So wie Jesus es getan hat.

 

·        Es kann eine Hilfe sein, sich vorzustellen: Ich stehe vor Jesus, so wie die Jünger damals vor Jesus standen und ihre Anliegen vorgetragen und ausdiskutiert haben.

 

·        Das Dritte, was ich aus diesem Beispiel lerne.

 

·        Geh zu Gott wie zu einem Freund, denn er ist dein Freund!

 

·       

 

·        C) Gott ist dein Freund, nicht das Finanzamt.

 

·        Er ist kein Krümelkacker und kein Erbsenzähler.

 

·        Wie sagte meine Matheprof immer: „Diesen Satz muss man mit gutem Willen lesen.“

 

·        Wir dürfen davon ausgehen, dass Gott uns mit gutem Willen zuhört. Er liest unsere Gebete mit gutem Willen und hat Zeit für uns.

 

·        Wann bist du das letzte Mal zu deinen Chef gegangen und hast ihn gefragt: „Kannst du mir mal dein Fahrrad leihen?“

 

·        Chef ist Chef. Die Häuptlinge der modernen Marktwirtschaft sind in der Regel sehr beschäftigt – viel mehr als einfache Indianer wie ich. Bevor ich denen auf die Nerven gehe, überlege ich mir, ob mein Anliegen wichtig genug ist.

 

·        Der große Chef, mein Schöpfer hat alle Zeit der Welt für mich und er will mir Gutes tun!

 

·        Wir wenden uns im Gebet an Gott, im Wissen, dass er Zeit hat für uns, dass er sich freut, wenn wir zu ihm kommen, dass er uns gern etwas Gutes tun möchte.

 

·        Gott ist eben kein griesgrämiger alter Opa, und hat auch keine Ähnlichkeit mit einem gelangweilten Beamten beim Finanzamt. Er ist persönlich engagiert.

 

·        Deshalb dürfen wir engagiert bei Gott für unsere Anliegen eintreten. Soweit darf ein Freund gehen.

 

·        Wir dürfen Gott mit ungehobelten Worten bedrängen. Wir sollen ihn dabei als Gegenüber ernst nehmen. Wir können zu ihm kommen wie zu einem guten Freund.

 

·        Dazu möchte ich am Ende noch ein paar Worte verlieren.

 

 

 

3. Was Gott uns schenken möchte

 

·        Jesus sagt: „10 Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan. 11 Wo ist unter euch ein Vater, der seinem Sohn, wenn der ihn um einen Fisch bittet, eine Schlange für den Fisch biete? 12 Oder der ihm, wenn er um ein Ei bittet, einen Skorpion dafür biete?“

 

·        Welcher Vater wird seinem Sohn das Notwendige verweigern? Es scheint Gebete mit Erfolgsgarantie zu geben.

 

·        Das ist ja ein wunder Punkt beim Thema Gebet.

 

·        Auf der einen Seite sollten wir damit rechnen, dass Gott unsere Bitte erfüllt und deshalb vorher überlegen, was wir wollen

 

·        Ein frommer Mann geht auf Safari und sieht sich plötzlich von einem Rudel Löwen umzingelt. In seiner Not fällt er auf die Knie und fängt an zu beten: „Herr, du hast damals Daniel in der Löwengrube geholfen, nun errette auch mich. Lass ein Wunder geschehen und mach’ diese Löwen zu Christen.“ Als er wieder aufschaut sieht er die Löwen friedlich sitzen und beten: „Komm Herr Jesus, sei du unser Gast und segne, was du uns bescheret hast.“

 

·        Auf der anderen Seite steht die Beobachtung, dass Gott nicht alle Bitten erfüllt.

 

·        Das kann zwar ein Vorteil sein.

 

·        Irgendjemand hat einmal gesagt: „Es ist ein großer Segen, dass Gott alle Gebete erhört aber nicht alle Bitten erfüllt!“

 

·        Aber es wurmt mich trotzdem, wenn ich mit den besten Absichten Gott anflehe und dennoch nicht geschieht, was ich erwarte.

 

·        Jesus gibt uns zwei Hinweise auf Bitten, die Gott nicht unbillig abweisen wird.

 

·        Das Eine sind Bitten um das Lebensnotwendige, das täglich Brot zum Leben. Das ist nicht so selbstverständlich wie es klingt. Denn wer muss denn noch um sein tägliches Brot fürchten?

 

·        Wer heute noch Gott um den notwendigen Lebensunterhalt bittet, gesteht sich doch ein, dass meine komfortable Situation sich ganz schnell ändern kann und gesteht Gott zu, dass er die Mittel hat, mich mit allem Lebensnotwendigen zu versorgen.

 

·        Dann ist da die Bitte um Vergebung für unsere Schuld und einen neuen Anfang. Das hat er definitiv zugesagt. Darauf können wir uns verlassen.

 

·        Zuletzt nennt Jesus die Bitte um den heiligen Geist, um den Geist Gottes in uns.

 

·        „13 Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben geben könnt, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist geben denen, die ihn bitten!“

 

·        Das ist ein Versprechen, eine Zusage Gottes!

 

·        Ich weiß ja nicht, ob gerade jemand ein ernsthaftes Problem damit hat, daran zu glauben, dass es Gott überhaupt gibt. Aber eine Möglichkeit, das zu ändern liegt auf der Hand und die heißt Beten.

 

·        „Gott, wenn es dich gibt, dann zeig dich mir. Ich will es in meinem Herzen spüren und in meinem Kopf wissen, dass du da bist. Du hast deinen heiligen Geist allen versprochen, die dich darum bitten. Komm zu mir mit deinem heiligen Geist. Zeig dich mir. Hilf mir, dich zu erkennen.“

 

·        Ich kann mir nicht vorstellen, dass Gott diese Bitte nicht erfüllt und das Gebet nicht beantwortet.

 

·        Übrigens, steht die Bitte um Gottes heiligen Geist auch jedem gestandenen Christen gut zu Gesicht, denn es ist der Wunsch sich mit Gott eins zu machen.

 

·        Der heilige Geist versetzt uns in die Lage, die Welt mit Gottes Augen zu sehen. Von Gott zu erbitten, was wir uns wünschen, weil Gott es sich von Herzen wünscht.

 

·        Es ist nichts Schlimmes dabei, Gott zu bitten, dass meine Lieblingsfußballmannschaft das nächste Spiel gewinnt. Mit den Augen Gottes betrachtet, würde ich sagen: „Beim nächsten Mal sind aber die anderen dran.“ – um es mal ganz platt zu sagen.

 

·        Mit diesem Kapitel des Gebetes wird man nicht fertig.

 

·        Mit den Augen Gottes zu schauen hilft nicht nur das richtige zu bitten, sondern auch Gottes Antwort zu hören.

 

·        Dazu eine letzte Beispielgeschichte:

 

·        Ein Rabbi rudert in einem Boot über einen See. Als er mitten auf dem See ist, bemerkt er wie seine Füße nass werden. Das Boot hat ein Loch. „Nun“, denkt er sich, „das ist die richtige Gelegenheit für Gott seine Größe und Macht zu zeigen.“ Also schließt die Augen und betet: „Lieber Gott, errette mich vor dem Ertrinken. Lass dass Wasser zurückweichen. Du kannst die Gesetze der Physik umkehren.“ Als er die Augen öffnet, sieht er einen kleinen Eimer in einer Ecke des Bootes liegen. „Das ist eine Prüfung meines Glaubens.“, denkt er. „Wahrer Glaube zeigt sich daran, Gott ein Wunder zuzutrauen.“ und betet weiter. „Und wenn du schon das Wasser nicht zurückweichen lassen willst, so verstopfe doch das Loch, damit das Wasser nicht weiter steigt und ich ertrinke.“ Da hört er eine Stimme. Ein anderes Ruderboot kommt vorbei und der Mann im Boot fragt ihn, ob er Hilfe braucht. „Nein, nein.“, sagt der Rabbi „Kein Problem, Gott wird mir helfen.“ Kurz darauf versinkt sein Boot und der Rabbi ertrinkt. Als er wieder erwacht, findet er sich im Himmel bei Gott wieder. „Warum hast du mir nicht geholfen?“ „Ich habe dir den Eimer gezeigt und ich habe einen Engel im Boot vorbeigeschickt, dir zu helfen. Aber du hast meine Hilfe nicht angenommen.“

 

·        Es ist großartig, wenn wir Gott bitten.

 

·        Es ist besonders erfreulich, wenn wir Gott bitten, was aus seiner Sicht notwendig ist.

 

·        Es ist außerordentlich hilfreich, wenn wir am Ende verstehen, was Gott antwortet.

 

·        Aber das ist ein neues Thema.

 

 

 

4. Wie lernen wir beten?

 

·        Durch die Beispiele, die Jesus uns gibt – auch durch andere Christen.

 

·        Indem wir anfangen zu beten, auch ohne Vorkenntnisse und wenn uns noch die Worte fehlen.

 

·        Indem wir Gott als Gegenüber ernst nehmen und nicht nur so tun, als würden mir mit Gott reden.

 

·        Indem wir mit Gott reden, wie mit einem guten Freund.

 

·        Dazu gehört, dass wir ihn um seinen Geist bitten dürfen, und Gott wird ihn uns schenken.

 

 

 

Amen.