Greifbar

GreifBar am 28.06.2009

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                 Was heißt hier Gott? Bei mir hat der sich noch nicht vorgestellt

 

Man kann die Dinge sehr verschieden wahrnehmen, je nachdem, welche Erfahrungen man mit ihnen gemacht hat.

 

Das gilt zum Beispiel für das Thema Computer. Der amerikanische Computerhersteller Bill Gates, der Chef der Firma Microsoft, ein milliardenschwerer Mann, soll einmal gesagt haben, vor einigen Jahren: „Wenn die amerikanische Autoindustrie, mit dem technologischen Fortschritt Schritt gehalten hätte so wie die Computerindustrie, dann würden wir heute alle Autos fahren, die nur 25 Dollar kosten und 1 Liter Benzin auf 100 Kilometer verbrauchen.“

 

Der amerikanische Autokonzern General Motors soll daraufhin eine Pressekonferenz einberufen haben und gesagt haben: „Wenn Autos sich so entwickelt hätten, wie Computer, dann würden wir heute alle Autos mit den folgenden Merkmalen fahren:

- Zweimal pro Tag, ohne erkennbaren Grund, würde das Auto einen Unfall bauen.

- Jedesmal wenn auf den Straßen neue Markierungen aufgemalt würden, müsste man sich ein neues Auto kaufen.

- Hin und wieder würde es vorkommen, dass das Auto spontan ausgeht, ausrollt und nachdem der Fahrer ausgestiegen ist, würde es den Fahrer ausschließen und sich weigern ihn wieder reinzulassen, bis er gleichzeitig den Türgriff anfasst, den Zündschlüssel dreht und die Dachantenne berührt.

- Und: Der Airbag würde kurz bevor er sich öffnet, die Frage stellen: Sind sie sicher?“

 

So ist das mit dem Thema Computer – wie ist das nun mit dem Thema Gott? Wenn Menschen das Wort „Gott“ hören, löst das auch unterschiedliche Eindrücke aus.

 

Für manche Menschen ist das Wort „Gott“ ungeheuer positiv besetzt. Wenn sie das Wort „Gott“ hören, dann denken sie: ‚Jawohl, das ist genau das, was mich beglückt. Mein Herz hüpft, wenn ich Gott höre, Gott ist nämlich der von dem ich alles Gute, allen Sinn und alle Hoffnung erwarte, und ich freue mich, dass ich mit Gott leben darf.’

 

Andere Menschen, wenn sie das Wort „Gott“ hören, empfinden vielleicht eher eine Leerstelle, irgendeine nebulöse Wolke und sie sagen sich: ‚Gott, ach Gott. Ach Gott – wenn es den gibt... Jedenfalls, nichts genaues weiß man nicht, ob es den überhaupt gibt, ist sehr, sehr fraglich, und wenn es ihn gibt, ist noch fraglicher, was das dann für ein Gott sein soll. Ich jedenfalls’, sagen manche Menschen, ‚ich jedenfalls habe Gott noch nie gesehen, erlebt habe ich ihn auch nicht, und vieles was in meinem Leben passiert ist, legt es nicht gerade nahe, dass es so jemanden wie Gott  wirklich geben könnte’, das sagen manche Menschen. Und vielleicht fahren sie fort und sagen: ‚Und sowieso, ist das nicht alles einfach Einbildung, Unsinn, das, was glaubende Menschen erzählen, wenn sie von Gott reden, ist das nicht alles Einbildung?’

 

Genau das hat auch eine junge Frau einmal gesagt, der ich vor einigen Jahren begegnet bin, eine junge Studentin, die zu den Treffen eines christlichen Gesprächskreises kam. Sie wusste genau, dass sie dort vom christlichen Glauben überzeugt werden sollte, und sagte mit gleichbleibender Fröhlichkeit: „Das ist alles Einbildung, was ihr glaubt! Das ist alles Unsinn, das redet ihr euch ein, ihr wünscht euch das, aber das gibt es gar nicht!“ Das sagte sie mit gleichbleibender Fröhlichkeit, kam trotzdem immer wieder zu den Treffen von diesem christlichen Gesprächskreis. Ich muss sagen, ich fand, das hatte irgendwie Format, dass sie dabei blieb. Sie ist jetzt, nach mehreren Jahren, nicht dabei geblieben, aber das ist eine andere Geschichte.

 

Ist das nicht alles Einbildung? Eine ganze Reihe von schlauen Menschen haben das schon vor längerer Zeit mal gesagt, und sie haben gesagt: ‚Naja, wenn Glaubende von Gott reden, dann ist das in Wirklichkeit nur die Projektion ihrer Wünsche.’ Deswegen nennt man das Ganze auch Projektionstheorie, und das bedeutet folgendes: Diese Menschen sagen: Wenn Glaubende von Gott reden, dann sind das in Wirklichkeit Leute, die in diesem Leben irgendwie nicht zurechtkommen, die Schwierigkeiten haben in diesem Leben, die unter Schicksalsschlägen leiden. Und weil sie damit nicht alleine klar kommen, malen sie sich einen Gott an den Himmel, sie projizieren sich einen Gott an den Himmel, der ihnen irgendwie das Gefühl gibt: Da ist jemand, der sie tröstet und festhält – ‚aber in Wirklichkeit’, sagen diese Kritiker, ‚ist dieser Gott eben nur das Produkt, von unserem Wunschdenken, den gibt es gar nicht.’

 

Nun bin ich selber Christ, ich glaube an Gott, und ich habe zu dieser Projektionstheorie so meine Einwände. Es gibt einiges was man dagegen sagen könnte. Das Erste, was ich dagegen sagen würde ist: So schön diese Theorie ist, sie sagt nichts darüber aus, ob es Gott wirklich gibt. Sondern sie sagt nur: Glaubende Menschen kommen mit ihrem Leben nicht klar und wünschen sich, dass es einen Gott gibt.

 

Es ist aber noch offen, ob man daraus schließen darf, dass es Gott wirklich nicht gibt. Das eine hat mit dem anderen zunächst einmal nichts zutun. Dass ich mir etwas wünsche, heißt noch lange nicht, dass es dieses etwas nicht gibt. Es mag ja sein, dass ich mir etwas wünsche. Wenn man es also schon voraussetzt, dass es Gott nicht gibt, wenn man sagt: ‚Nee, Gott gibt’s nicht, okay? Gott gibt s nicht! Davon gehen wir mal aus, und jetzt gucken wir mal, warum trotzdem so viele Menschen an ihn glauben.’ Wenn man das voraussetzt, ist diese Geschichte mit dem Wunschdenken eine gute Erklärung. Nur: Das Wunschdenken erklärt nicht, ob es Gott gibt oder nicht.

 

Denn – und das ist mein zweiter Einwand – dass ich mir etwas wünsche, kann genauso gut ein Hinweis daraufhin sein, dass es dieses etwas gibt. Ich meine, das ist ja normalerweise bei meinen Wünschen und bei meinen Bedürfnissen auch so, oder? Ich habe das Bedürfnis nach Nahrung, ich bin auf Nahrung angelegt –  es gibt Essen. Ich habe das Bedürfnis nach Gemeinschaft, nach Beziehung, ich bin auf Beziehung angelegt – es gibt andere Menschen. Normalerweise geben mir meine Bedürfnisse Aufschluss darüber, was die Wirklichkeit ist. Warum soll das jetzt bei dem Bedürfnis nach Gott anders sein? Verstehen Sie, ich würde das ja zugeben, dass ich ein bedürftiger Mensch bin und dass ich Gott brauche. Ich gebe das zu: Ich brauche Gott, um zu leben. Ich bin heilfroh, dass ich Gott glauben darf, das gebe ich zu. Ich sage nur nicht, dass das beweist oder irgendwie zeigt, dass der Glaube an Gott unwahrscheinlich ist. Das Gegenteil könnte genauso stimmen. Es könnte doch sein, dass Gott diesen Wunsch in mich hineingelegt hat, und dann ist es logisch, dass ich nach ihm suche.

 

Normalerweise sagen wir doch auch nicht: Weil du ein Bedürfnis nach etwas hast, gibt es dieses etwas nicht. Das wäre so, als wenn man zu jemandem sagt, der gerade unglaublichen Kohldampf hat: ‚Du hast Hunger, also gibt es kein Essen!’ Das wäre jedenfalls nicht besonders nett, wenn wir das sagen würden, es ist auf jeden Fall nicht logisch.

 

Mein dritter Einwand gegen diese Theorie von der Projektion lautet: Der christliche Glaube ist jedenfalls so anders als alles, was wir Menschen uns so gerne mal ausdenken, wenn wir einen Gott denken – dass ich denke, das kann man sich nicht ausdenken. Was Christen glauben, wenn sie von Gott reden, ist so brisant, so völlig anders als vieles, was uns in der Welt der Religionen begegnet, dass ich denke, eigentlich kann man sich das nicht ausdenken.

 

Denn der christliche Glaube kreist genau um diese Frage, er konzentriert sich genau um diese Frage: Was heißt denn hier eigentlich Gott, was soll das heißen? Woher wissen wir überhaupt von Gott, wer soll das sein? Der christliche Glaube sagt: Das ist eine sehr gute Frage.

 

Und ich stelle jetzt eine Behauptung auf, die Sie eventuell überraschen wird die Behauptung lautet: Wenn es wirklich so etwas geben soll wie Gott, dann können wir von uns aus nichts darüber sagen. Ich finde das logisch: Wenn es wirklich so et was gibt wie Gott – also Jemanden, der dafür zuständig ist, dass es diese Wirklichkeit gibt, diese Welt, Europa, Deutschland, Greifswald, das Theater Vorpommern, wir, die wir hier drin sitzen mit unseren grauen Gehirnzellen – wie sollen dann wir, mit unseren grauen Gehirnzellen von innerhalb dieses Theaters in Greifswald, in Deutschland, in Europa – irgend etwas über diesen Jemand sagen? Wir können eigentlich gar nichts über diesen Jemand sagen. Wir können noch nicht mal etwas ausschließen, wir können eigentlich nur das Nachdenken beenden. ‚Gut,’ könnte man sagen, ‚dann könnte man die Greifbar-Veranstaltung jetzt schon beenden und zum Bistro strömen. Und auch die Universität, der theologische Fachbereich der Universität, wäre arbeitslos.’

 

Es sei denn –  es sei denn, Gott sagt etwas über sich selbst. Verstehen Sie, Sie könnten kaum etwas über mich sagen, wenn ich mich Ihnen nicht mitteilte. Sie könnten zwar spekulieren, ich bin immerhin ein Mensch, ich sehe zumindest so aus. Sie könnten sagen: ‚Das ist ein Mann, mh, Mitte-Ende  Dreißig, könnte vielleicht mal mehr Sport treiben’, usw. Aber Sie könnten zum Beispiel nicht sagen, was ich denke, wenn ich Ihnen nicht mitteilte. Sie können das ja mal probieren ... Woran habe ich gerade gedacht? An Homer Simpson, das ist eine zentrale Figur aus der Fernsehserie Die Simpsons. Was hat Homer Simpson mal gesagt? Er hat mal gesagt: „Mit Statistik kann man alles beweisen, 14 % aller Menschen wissen das.“ Das hat jetzt hier keine tiefere Bedeutung, das war nur etwas, von dem ich dachte, darauf kommen Sie nicht, dass ich jetzt gerade daran denke.

 

Also, wir können über Gott nichts sagen, wenn er uns sich nicht mitteilt. Bei mir kann man immerhin spekulieren, ich bin ein Mensch, ich sehe so aus, man kann mich angucken – bei Gott, wenn es ihn gibt, ist das völlig anders. Er ist, wenn es ihn gibt, auf einer völlig anderen Wirklichkeitsebene. Wir sind darauf angewiesen, dass er etwas von sich sagt. Und der christliche Glaube sag: Genau das hat Gott getan. Und zwar nicht in einem Denksystem, übrigens auch nicht in einer Institution, und auch nicht in erster Linie in einem Buch, sondern in erster Linie in einer Person, in Jesus Christus. In diesem jüdischen Wanderprediger aus dem ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung. Wir glauben: Gott hat an einer zentralen Stelle in der Geschichte der Menschheit gesagt: ‚Hiermit beende ich alle Spekulationen darüber, wer ich bin und wie ich bin: So bin ich, wie dieser Jesus von Nazareth. Wenn ihr wissen wollt, was das heißt, die Liebe Gottes, die Gerechtigkeit Gottes, wenn ihr wissen wollt, wie ich zu euch Menschen stehe, schaut euch diesen Jesus an. Schaut euch an, was er tut, hört, was er sagt. Ich bin wirklich ganz genau so,’ sagt Gott, ‚wenn ihr diesen Jesus anschaut, dann schaut ihr mir, Gott, direkt ins Herz.’ Deswegen reden wir Christen immer von Jesus, nicht weil wir ein Jesus-Fanclub wären, sondern weil wir glauben, an dieser einen Stelle hat sich Gott gezeigt. Gott ist wirklich ganz genau so, deswegen ist jedes Detail, jedes Wort, jeder Blick, jede Geste von Jesus, ungeheuer wichtig, weil er uns Aufschluss gibt darüber, wer und wie Gott ist.

 

Lassen wir uns das nur mal kurz auf der Zunge zergehen, was das für mich heißt, wenn Gott das gemacht hat. Dann heißt das doch, der große Gott ist wirklich ‚one of us’ geworden, einer von uns. Der große Gott, der dafür zuständig ist, dass es Milchstraßen gibt, Planeten, Meere, Berge, schwarze Löcher, Menschen – dieser Gott wird selbst ein Mensch. Gott lacht, Gott weint, Gott hat Hunger, Gott hat Durst, Gott schläft, Gott hat Freunde, Gott hat Feinde, Gott hat Spaß. Gott erlernt einen Beruf, Gott macht Erfahrungen, Gott ist enttäuscht. Das glauben wir, dass Gott in Jesus kennenlernt, wie es ist, ein Mensch zu sein.

 

Und deswegen, wenn Sie denken: ‚Meine Güte, ja, es ist ja schön und gut, wenn man an Gott glauben kann, aber mit mir hat das nichts zu tun’, wenn Sie das denken, dann möchte ich Ihnen sagen: Gott, wenn er so ist, wie wir Christen glauben, und davon bin ich überzeugt, dieser Gott kennt Sie viel besser, als Sie es sich ausmalen können in ihren kühnsten Träumen. Es gibt nichts, aber auch gar nichts was Sie denken, fühlen, erleben oder sagen können, bei dem Gott sagen müsste: ‚Entschuldigung, das kann ich mir jetzt nicht vorstellen. Kannst du das vielleicht noch mal erläutern?’ Gott weiß, wie es ist, ein Mensch zu sein, denn er kennt Menschsein von innen.

 

‚Woher weiß ich nun das’, sagen eventuell nun einige von Ihnen, ‚woher soll ich nun das wissen, dass Gott, wenn es ihn gibt, sich in Jesus zeigt? Ich meine, auch Jesus hat sich ja bei mir persönlich noch nicht vorgestellt. Ich hab zwar schon einiges von ihm gehört, aber gesehen habe ich ihn noch nicht. Woher soll ich das nun wissen, dass Gott sich in Jesus zeigt?’ Meine Antwort ist: Weil Jesus genau das von sich sagt und ich ihm glaube.  Das klingt ganz schlicht, aber das ist die Antwort. Weil Jesus genau das von sich sagt. Er sagt in Worten und in Taten: ‚In mir begegnet euch der große, ewige Gott, einzigartig begegnet er euch in mir.’ Und ich glaube Jesus, wenn er das sagt.

 

Das heißt, die Kernfrage bei der ganzen Frage nach Gott, die erste Frage ist gar nicht: ‚Spüre ich das? Fühlt sich das gut an oder passt das zu dem was ich anders wo schon erlebt habe?’ Sondern die Kernfrage ist: Glaube ich diesem Jesus? Glaube ich ihm, wenn er das von sich behauptet, glaube ich ihm? Und deswegen ist meine Empfehlung, mein Vorschlag, es ist natürlich nur ein Vorschlag zur Güte, mein Vorschlag an Sie: Lesen Sie selber nach in der Bibel, im Neuen Testament, das ist der zweite Teil der Bibel, da wird von Jesus berichtet. Im Neuen Testament gibt es vier Lebensbeschreibungen von Jesus, die nennen wir die Evangelien. Das kürzeste Evangelium ist das Evangelium nach Markus. Wenn man das von vorne bis hinten durchliest, dauert das ungefähr eine Stunde. Wenn Sie keine Bibel haben, am Infotisch kriegen Sie eine geschenkt, nehmen Sie sich eine mit. Lesen Sie mal eine von diesen Lebensbeschreibungen und stellen Sie sich nur diese eine Frage. Da wird vieles drin sein, was Sie nicht verstehen, aber stellen, Sie sich, das wäre mein Wunsch, doch mal diese eine Frage: ‚Was ist denn, wenn Jesus Recht hat mit dem was er sagt – glaube ich ihm?’

 

Ich glaube, er erhebt diesen Anspruch: ‚In mir begegnet euch Gott’ vor allem an einer Stelle, nämlich immer da, wo er zu wildfremden Menschen sagt: ‚Ich vergebe dir deine Schuld.’ ‚Ich vergebe dir deine Schuld’, sagt er als gläubiger Jude, zu wildfremden Menschen, die überhaupt nichts mit ihm zu tun haben. Das darf nach jüdischer Überzeugung nur Gott. Nur Gott ist nämlich von der Schuld und von der Dunkelheit jedes Menschen mit betroffen, weil er sich wünscht dass menschliches Leben gelingt. Wenn also Jesus zu irgendeinem Menschen, den er  gar nicht kennt sagt: ‚Ich vergebe dir deine Schuld’, sagt er damit von sich selber: ‚Ich darf das auch, ich stehe an der Stelle Gottes, ich darf Schuld vergeben.’ Und genau das hat ihm den Vorwurf eingebracht: ‚Ähm, entschuldige mal, kann es sein, dass du deine Kompetenzen überschreitest?’ Was ist wenn er Recht hat?

 

Ein Mann sieht nach oben und er sieht über sich den offenen Himmel. Es ist mitten am Tag, es ist heiß und staubig. Ein Mann sieht nach oben und er sieht über sich den offenen Himmel und die verschwitzten Oberkörper von vier Männern die ihn tragen. ‚Versuch’s doch mal,’ hatten sie gesagt, ‚du hast nichts zu verlieren.’ Der Mann bewegt ein bisschen den Kopf hin und her, er kann nicht mehr bewegen als den Kopf, er ist gelähmt. ‚Versuch’s doch mal, du hast nichts zu verlieren,’ hatten sie gesagt und er denkt sich: Als ob er das nicht schon oft genug getan hätte, es versucht, sich  hat hintragen lassen zu irgendwelchen Scharlatanen, Quacksalbern die ihn geködert haben mit windigen Versprechungen.

 

Vielleicht ist Ihnen das auch schon mal so gegangen, dass jemand gesagt hat: ‚Versuch‘s doch mal, komm doch mal, guck's dir an. Komm mal zu GreifBar, guck’s dir an.’ Und Sie haben gesagt: ‚Naja, ich habe wirklich nichts zu verlieren, aber ich bin mir nicht sicher, ob da irgendetwas Spannendes passieren wird.’

 

Die Träger bleiben auf einmal stehen. Der Mann spürt, dass eine große Menschenmenge um ihn ist. Eine große Menschenmenge kann man spüren, auch wenn niemand etwas sagt. Und diese Menschen sind stumm. Sie drängeln sich und schieben sich um die Fenster- und Türöffnungen eines Hauses. In dem Haus steht ein Mann und spricht. Der Gelähmte hört ein paar Worte und er denkt sich: Das stimmt ja wirklich, was die Leute von Jesus sagen. Dass der von Gott redet – das machen eine ganze Reihe von Leuten, die reden alle von Gott – aber wenn Jesus von Gott redet, dann ist das irgendwie anders. Er scheint ganz genau zu wissen, wovon er spricht. Er klingt so selbstverständlich in dem, was er sagt.

 

Die Träger beratschlagen, durch diese Menschenmenge kommen sie nicht hindurch, also gehen sie hinten herum um die Menschenmenge, auf die Rückseite des Hauses. Und so ein Landhaus im Palästina des ersten Jahrhunderts ist in aller Regel aus Holz und Lehm und Stroh gebaut, ungefähr ein Stockwerk hoch und hat ein Flachdach. Sie hieven die Trage oben auf dieses Flachdach, klettern hinterher und dann fangen sie an, diese Dachbalken, Heu-, Stroh -und Lehmballen, abzutragen, so dass Licht auf die Versammlung im Haus fällt. Die Leute gucken nach oben, es rieselt so runter und sie gucken: Was ist denn da los? Und dann nehmen sie zwei Taue und befestigen sie an den Enden der Trage und lassen die Trage ganz langsam runter. Alle gucken, Jesus hat aufgehört zu sprechen, der Gelähmte denkt: ‚Ist schon okay, guckt mich nur alle an. Peinlicher als jetzt kann's ja nicht mehr werden, kein Problem.’ Und Jesus schmunzelt und sagt zu dem Gelähmten: „Mensch, deine Schuld ist dir vergeben.“ Und der Gelähmte denkt: ‚Äh, äh wieso denn meine Schuld, darum geht’s doch überhaupt nicht! Also entschuldige mal Jesus, ich bin gelähmt, das ist dir vielleicht nicht aufgefallen, aber ich habe ganz andere Probleme.“

 

Schon meldet sich die religiös korrekte Fraktion, die auch in dem Haus anwesend ist, und sie sagen: „Entschuldige mal, was soll das denn  heißen, hier Schuld vergeben, Jesus, das kannst du nicht, nur Gott kann Schuld vergeben. Du machst dich selbst zu Gott, du lästerst Gott, wenn du das beanspruchst.“ Jesus schmunzelt wieder, wendet sich zu der religiös korrekten Fraktion und sagt: „In Ordnung. Was ist denn leichter – zu diesem Menschen zu sagen: ‚Deine Schuld ist dir vergeben, zwischen dir und Gott steht nichts mehr’? Oder,zu ihm zu sagen: ‚Steh auf, nimm deine Trage und geh nach Hause’? Alle schweigen. Jesus sagt zu dem Gelähmten: „Steh auf, nimm deine Trage und geh nach Hause. Und der Gelähmte hebt den Kopf, hebt den Oberkörper, zum ersten Mal in seinem Leben, bewegt seine Arme, seine Hände, seine Beine, erhebt sich, steht auf, guckt um sich, wie in Trance, sieht die Gesichter der Menschen, sieht Jesus, nimmt seine Trage und geht nach Hause.

 

Wenn Sie an dieser Stelle der Geschichte aushaken, weil sie sagen: ‚Wunder, schön und gut, habe ich aber noch nicht erlebt’ – ich glaube, dass solche Wunder immer noch passieren, aber aus meiner Sicht ist das gar nicht mal das Entscheidende an der Geschichte. Sondern das Entscheidende an der Geschichte ist das, was Jesus zu sein behauptet. Wenn er zu einem wildfremden Menschen sagt: ‚Weißt du was: Von jetzt an steht nichts mehr zwischen dir und Gott, weil ich es dir zuspreche.’ Was wäre, wenn Gott wirklich genauso ist? Was wäre wenn er wirklich genau so ist?

 

Ich glaube, er ist so, noch heute. Und ich glaube dass er sich heute noch bemerkbar macht. Manchmal, in seltenen Fällen durch Ereignisse, die wirklich unsere Vorstellungskraft übersteigen, aber in aller Regel behutsamer und vorsichtiger. Weil Gott ganz individuell mit uns umgeht und genau weiß, wir brauchen manchmal Zeit um uns an ihn zu gewöhnen. Deswegen macht er sich manchmal bemerkbar durch Fingerzeige, durch kleine Begebenheiten, die man auch anders interpretieren könnte, aber bei denen wir nachher merken: ‚Meine Güte, das war nicht nur Zufall, sondern Gott hat sich da gezeigt.’ Vielleicht macht er sich in Ihrem Leben bemerkbar, durch einen Menschen, der immer von Gott redet und der ganz begeistert davon ist, und der wie alle Menschen Fehler hat, aber dem sie abspüren, da ist irgendwie mehr, der hat irgendwie mehr erlebt, der hat einen sicheren Halt, als ich. Vielleicht macht sich Gott Ihnen gegenüber so bemerkbar.

 

Ich bin der Überzeugung, Gott macht sich allerdings vor allem auf einem ganz bestimmten Königsweg bemerkbar, nämlich durch sein Wort. Ich glaube dass wir in der Bibel Gottes Wort an uns haben. Wir können den Text der Bibel lesen wie einen Text, den Menschen aufgeschrieben haben, ich glaube aber zugleich, dass Gott durch jedes einzelne Wort zu uns spricht und deswegen war das nicht von ungefähr, dass ich Ihnen empfohlen habe mal in der Bibel zu lesen. Ich glaube nämlich, dass man dann die Erfahrung macht, die Worte, die da stehen, sindauf einmal mehr als nur Worte, sondern durch diese Worte spricht jemand zu mir. Er spricht mich an, auf einmal merke ich, das ist ja an mich gerichtet, dass ist gar nicht nur vor zweitausend Jahren, sondern das geht mich an.

 

Ich glaube dass Gott durch sein Wort zu uns spricht, und ich glaube das Gott auch dann zu uns spricht , wenn wir von ihm erzählen, deswegen glaube ich, dass Gott auch jetzt, genau jetzt zu Ihnen sprechen kann. Weil er genau das versprochen hat: Wenn wir von ihm erzählen, dann gebraucht er unsere Worte, um uns im Herzen anzusprechen. Ich, wir, die wir von Gott reden, haben das nicht in der Hand, aber er hat es versprochen. Und deswegen, wenn Sie sagen: Also Gott hat sich bei noch nicht vorgestellt, was ist dann, wenn er das gerade jetzt, genau jetzt tut, sich Ihnen vorstellt? Könnte doch sein – und das einzige, was von Ihnen erwünscht ist, ist, dass Sie mal hinhören und nicht zulassen, dass das was Gott zu Ihnen sagt, vielleicht ganz leise, ganz behutsam, übertönt wird von irgendwelchen Ablenkungen.

 

Jesus sagt in der Bibel den Satz: ‚Schaut her, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Und wenn jemand meine Stimme hört und die Tür öffnet, dann werde ich zu ihm hineinkommen und wir werden Gemeinschaft haben und miteinander ein Fest feiern.“ „Ich stehe vor der Tür und klopfe an“, mit anderen Worten: Jesus sagt: ‚Ich stehe vor der Tür jedes Lebens, und ich klopfe an.’ Ich glaube dass er das tut, er klopft an die Tür von jedem Leben. Er klopft behutsam, leise, unaufdringlich und beharrlich, und er hört nicht auf zu klopfen. Vielleicht hören Sie sein Klopfen, vielleicht haben Sie es schon gehört, vielleicht hören Sie es gerade jetzt.

 

Und wenn Sie aufmachen möchten, wenn Sie eventuell die Tür nur mal so einen Spalt aufmachen möchten und mal gucken, vielleicht ist da ja wirklich jemand, dann können Sie das tun, indem Sie beten. Beten heißt mit Gott reden. Zum Beispiel, indem man zu Gott sagt: ‚Ich höre jetzt zum ersten Mal von all dem, es klingt für mich aber merkwürdig wichtig, und ich würde gerne mehr von dir erfahren. Gott wenn du wirklich genau so bist wie Jesus, dann würde ich gerne mehr davon erleben.’ Ich glaube, dass man auch testweise mit Gott reden kann. Man braucht dazu keine besondere Stimmung, keine besonderen Worte, man braucht nur diesen Entschluss: ‚Ich möchte anfangen, mit Gott zu reden.’ Wenn Sie anfangen, so mit Gott zu reden, kann ich Ihnen leider nicht garantieren, dass sich daraufhin irgendwelche wunderhaften Ereignisse einstellen. Das kann sein, ist aber in den meisten Fällen nicht so. Worin ich aber sicher bin, was ich so sicher weiß wie ich meinen Namen weiß, ist: Wenn Sie anfangen, so mit Gott zu reden, und wenn Sie meinen, was Sie sagen, dann sind Sie mit dem ersten Satz, mit dem ersten Wort mitten im Herzen Gottes. Und dann ist überhaupt nicht auszudenken, was dann passieren kann. Danke fürs Zuhören.