Greifbar

GreifBar am 01.11.2009

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                          Mauerfall - ich bin so frei


Markus

Freiheit ist wie ein Jahr umsonst tanken; die goldene Tankkarte der BP. Freiheit ist: einmal ein Sechser im Lotto. Den Jackpott geknackt und das ganze Geld in der Hand halten. Freiheit ist: einmal bei Günther Jauch die Millionenfrage richtig beantworten. Was ich dann machen würde? Ich würde nach Schweden fahren und mir aus den zum Verkauf stehenden Häusern das schönste aussuchen und bar bezahlen. Dann würde ich bei Scandlines anrufen und für die nächsten 30 Jahre je 3 Fährfahrten hin und zurück im Voraus bezahlen. Freiheit.

Torsten

Ich fühle mich mal so frei ein Schluck Wasser zu trinken. Ansonsten bin ich gerade total fremdbestimmt. Ich muss das Mikrophon tragen, muss mich anleuchten lassen und wenn ich jetzt weglaufe bekomme ich Ärger. Aber im Ernst: Wenn ich an den Mauerfall denke, dann fühle ich mich heute sehr frei.

Was hast Du eigentlich am 9. November 1989 gemacht?

Markus

Ich war damals 16 und ging in die 10. Klasse in Münster, Nordrheinwestfalen - habe das Ganze also quasi als Zaungast erlebt. Ich kann mich daran erinnern, dass das alles für mich völlig unvorstellbar war. Noch im Frühjahr ´89 hatten wir unsere Verwandten in Wittengerge besucht und ich war erstaunt, wie normal es für meinen Großvetter war, in der FDJ die Trommel zu spielen. Seine zwei älteren Brüder haben dann noch im Herbst/Winter ´89 „rübergemacht“ und sind in Friedrichshafen am Bodensee gelandet.

Und ich kann mich noch gut an die Diskussionen erinnern, die dann in der Schule schon am Tag danach losgingen. Unser Geschichtslehrer war sofort für eine Wiedervereinigung und begeistert von der Vorstellung, dass die stärkste Volkswirtschaft des Westens die stärkste Volkswirtschaft des Ostblocks „heiratet“ – auch wenn es dann doch ein wenig anders lief ...

Und wie hast Du den 9. November 1989 verbracht?

Torsten

Ich war bei den Bausoldaten. Einer der Letzten, die in diesen Genuss kamen. Das war eine verrückte Zeit. Ich war im Oktober 89 in Dresden bei den Demos mitgelaufen. Es war viel in Bewegung gekommen. Aber ich habe es Anfang November noch nicht geglaubt, dass die Mauer fallen würde. Ende Oktober hatte ich eine Eingabe an die Dienststelle geschrieben, dass ich für die Einführung von Zivildienst sei und in diesem Falle nicht bereit wäre Soldat zu werden. Daraufhin kam ein hoher Offizier zu uns nach Hause und mahnte meine Mutter, dass ich bitte zur Einberufung zu erscheinen hätte. Das habe ich dann auch gemacht.

Draußen demonstrierten die Leute und wir saßen in Prora in der Kaserne und hatten Ausgangssperre. Wir sollten exzerzieren üben und ein Gelöbnis ablegen, dass wir treu der DDR als Bausoldaten dienen. Das wollte ich nicht. Zusammen mit sechs anderen habe beschlossen den Befehl zu verweigern. Man hat uns mit drei Jahren Militärhaft gedroht. Im November 1989! Wir haben also einen Brief an den Staatsratsvorsitzenden geschrieben und den bei unseren Kameraden hinterlegt für den Fall, dass wir inhaftiert würden. Aber die Sache ging gut aus, man hat uns einfach abtreten lassen. Kurz um: Ich saß am 9. November in der Kaserne vor dem Fernseher und habe die Aktuelle Kamera gesehen. Wir konnten es nicht fassen. Und um mich herum sagten alle: Wenn ich hier rauskomme, bin ich sofort weg! Wir sind erst drei Wochen später rausgekommen.

Markus

Das ist Torsten Kiefer, Pastor der Johannesgemeinde und Stadtjugendpastor, also einer der Vordenker von Greifiti. Torsten ist verheiratet und versucht sich mit seiner Frau Susanne in der Erziehung von drei Kindern.

Torsten

Markus Heide ist auch verheiratet und hat drei Kinder. Du bist Gehörlosenpastor und Referent des Bischofs.

Dass wir heute hier zu zweit stehen, hat Gründe. Markus kommt aus Münster, ich aus Stralsund. Und das ist für ein Thema wie heute Abend von Vorteil, weil wir unterschiedliche Perspektiven einbringen können.

Außerdem kann man noch so ein paar Wortspiele machen. Also: Mauerfall, ich bin so… (Antwort: frei). Das kann man alleine nicht.

Das kennen Sie vielleicht noch aus der Schule. Manche Lehrer hatten die Eigenart so merkwürdige  Fragen zu formulieren. Wer ist der größte deutsche Philosoph? Karl…?

Solche Fragestellung engt die Möglichkeit zu antworten sehr ein. Das hat mit Freiheit wenig zu tun. Freiheit ist, wenn ich sagen kann, was ich will. Freiheit ist: Ich kann tun und lassen, was ich will. Mein etymologisches Wörterbuch schreibt: „unabhängig, unbeschränkt“.

Und frei sein ist schön. Ich erinnere mich, wie ich als Kind manchmal den Kopf aus dem Eisenbahnfenster gehalten habe. Wenn der Wind mir dann um die Ohren geblasen ist und die Haare zerzaust hat, dann habe ich vergessen, dass ich nur in der Deutschen Reichsbahn saß. Dieser Fahrtwind ist für mich ein Sinnbild für Freiheit. Noch stärker muss es sein, wenn man Fallschirm springt. So erzählen es Leute. Sie fliegen durch die Luft. Einfach Freiheit. Unabhängig. Unbeschränkt.

Aber diese Art Freiheit hält man nicht lange durch. Das will auch keiner. Spätestens wenn man die schwarzen Flecken auf den Kühen erkennt, wird man dankbar an der Reißleine ziehen und sich freuen, am Fallschirm zu hängen. Ganz und gar frei sein, hält man nur eine zeitlang durch. Freiheit kann ich nur genießen, wenn ich weiß, dass ich am Ende doch einen Halt habe.

Einfache Beispiele: Wer wünscht sich nicht, mal für drei Monate frei zu haben? Nichts tun müssen. Das wäre schön. Aber wenn aus den drei Monate drei Jahre werden, dann wird es problematisch. Drei Jahre nichts tun - will ich das?

Oder einfach mal auf niemanden Rücksicht nehmen müssen. Das wäre doch mal schön. Einfach die Sau raus lassen. (Darf man das in einem Gottesdienst sagen?) In Reinform könnte ich das nur auf einer einsamen Insel haben. Einsame Insel? Das will ich nicht.

Am Ende ist es wie im Sport. Um den Ball schießen zu können, brauche ich ein Spielbein und ein Standbein. Wenn mir beide Beine gebunden sind, fühle ich mich unfrei. Und mein Versuch, nach dem Ball zu treten, wird in einer akrobatischen Höchstleistung oder im Zusammenbruch enden. Wenn beide Beine frei in der Luft schweben, dann lande ich auch bald auf der Nase. Um das Spiel zu meistern, brauche ich ein Bein zum Stehen und ein Bein zum Spielen.

Manche Leute sagen: Ich will endlich frei sein! Gut. Die Frage ist dann aber: Wovon willst Du frei sein? Ich will den Stress nicht mehr! Ich will die Frau nicht mehr. Ich will den Staat nicht mehr. Wirklich? Was ist es genau? Wovon willst du frei sein? Es lohnt sich, darüber ernsthaft nachzudenken.

Und worauf willst Du dann stehen bleiben? Was wird Dich halten?

Und wenn ich dann Freiheit habe, dann ist die Frage: Wozu? Es nutzt ja nichts, wenn ich das Spielbein frei bekommen und es von da an in der Luft behalte. Das macht einen Moment Spaß. Dann wird es anstrengend. Beim Fußball kommt es drauf an, dass ich die Freiheit nutze und den Ball schieße.

Die drei gehören zusammen: Wovon willst du frei sein? Was gibt dir Halt? Und wozu willst du frei sein?

Ich erinnere mich, dass ich damals in Prora meine Offiziere zur Weißglut getrieben habe. Ich bin beim Exzerzieren immer so gehüpft. Sie haben geschrieen. Ich musste ich Strafschichten sitzen. Aber ich habe mir die Freiheit nicht nehmen lassen, wollte mich von dem Militärgetue frei machen.

Nach 14 Tagen wurde meine Kompanie verlegt. Nur ich und noch jemand durften nicht mit. Ich blieb in Prora und kam in ein neues Zimmer. Da wohnten schon drei Christenmenschen. Ganz fromme Leute. Abends habe ich, der Rebell, meine Sachen absichtlich unordentlich auf meinen Stuhl gelegt. Und die drei haben gesagt: „Bei uns werden die Sachen zusammengelegt.“ „Bitte?!“ „Ja, wir tun, was unsere Vorgesetzten sagen, weil wir ihnen von Jesus Christus erzählen wollen.“

Ich wollte Freiheit von diesem sinnlosen Militärgehabe.

Die drei hatten die Freiheit, sich dem Militär anzupassen. Wozu? Um den NVA-Offizieren von Jesus zu erzählen.

Ich habe damals mitgemacht, weil ich wissen wollte, was passiert.

Markus

Da war dieser junge Mann. Eigentlich hatte er alles, was er brauchte – sogar mehr als das. Ihm ging es gut. Und trotzdem spürte er in seinem Inneren eine Sehnsucht. Es muss doch mehr geben. Diese innere Unruhe ließ ihn nicht mehr los. Von Jesus hatte der Mann schon manches gehört, so von Ferne: von den Wundern, die über ihn berichtet wurden, von seinen Weisheiten. Und er redete so anders von Gott als alles, was er bisher kannte.

Als er dann hörte, dass Jesus im Nachbardorf unterwegs war, hielt ihn nichts mehr. Er rannte den ganzen Weg, fiel vor Jesus auf die Knie, schnappte nach Luft und stellte seine Frage: „weiser Mann, guter Lehrer, was muss ich tun, damit ich ein Leben in Freiheit und mit Zukunft bekomme – ein Leben so gut, dass jeder Tag eine Ewigkeit dauern soll? Was muss ich tun, damit ich ewiges Leben bekomme?“

Die Leute, die mit Jesus unterwegs waren, blieben erstaunt stehen und waren gespannt, was Jesus jetzt antworten würde. Und Jesus sagte: „Warum nennst du mich gut? Keiner ist gut, außer Gott. Du kennst doch die Gebote“, und zählt einige auf: “Du sollst nicht töten. Du sollst nicht die Ehe brechen. Du sollst nicht stehlen. Du sollst keine falschen Aussagen machen. Du sollst nicht betrügen. Ehre Vater und Mutter.“

„Aber“, fällt ihm der Mann ins Wort, „ das tue ich alles von klein auf.“

Jesus guckt ihm in die Augen und gewinnt ihn lieb. Er mag ihn und seine Sehnsucht nach Mehr, nach Freiheit, nach Zukunft. „Eins fehlt dir noch“, sagt er ihm, „verkaufe, was du hast und was dich festhält, und gib das Geld denen, die es brauchen. Mach dich frei. Dann wirst du unvergängliche Werte bei Gott haben. Und dann komm und folge mir!“

Ein Weg in die Freiheit, schießt es dem Mann durch den Kopf. Alles hinter mir lassen, was mich festhält und was doch nichts wert ist: Trügerische Sicherheiten, schlechte Bindungen. Eine faszinierende Option. Aber – er brachte es nicht übers Herz. Er, den die Sehnsucht nach Mehr, nach Freiheit, nach Leben getrieben hatte, der zu Jesus gelaufen ist und vor ihm auf die Knie gefallen ist, um seine Frage loszuwerden, ist unglücklich über diese klare Antwort. Und so geht er traurig und mit gesenktem Kopf weg. Ohne sich zu verabschieden. Jesus sieht ihm lange nach. Er mochte ihn.

Torsten

Es ist erstaunlich. Bis heute ist Reichtum, Bildung oder moralisch hochwertiges Leben kein Kriterium dafür, ob ich mich frei fühle oder nicht. „Was muss ich tun?“ Wie bekomme ich einen sicheren Stand? Und was nimmt mir die Freiheit mich ins Spiel des Lebens zu wagen?

Wenn Sie heute Abend mit dem jungen Mann, von dem Markus erzählt hat, von ganzem Herzen fragen: Was muss ich tun? Ich ergänze: …um frei zu sein? Dann nehmen Sie es als Zeichen, dass Sie etwas tun sollten.

Auf jeden Fall sollten Sie ernsthaft über diese drei Fragen nachdenken.

1.      Worauf will ich mich in meinem Leben verlassen? Was soll mein Standbein sein?

2.      Und dann: Wozu will ich frei sein? In welchem Spiel will ich spielen?

3.      Und schließlich: Wovon will ich frei werden? Oder wovon muss ich frei werden? Was bindet mich? Es gibt Dinge, die uns einfach binden. Angst. Bequemlichkeit. Geld. Süchte. Rachegedanken. Innere Schwüre: „Das vergesse ich dir nie.“ Wenn ich anderen nicht vergeben will. Schuld.

Darüber redet man nicht öffentlich. Aber wenn es um Freiheit geht, sind wir gezwungen, davon zu reden.

Markus

Eigentlich ist es erstaunlich: Wo Freiheit unser Thema ist, reden wir von Bindung. Den Satz „ich bin so frei“, ergänzen wir um die Frage: wo mache ich mich fest?

Wir Menschen sind nicht frei schwebende Teilchen im Universum der Welt um uns herum. Da ist es dem einen mehr gegeben als der anderen, selbstbewusst und in Freimut seine Meinung zu vertreten. Und doch sind wir immer abhängig auch davon, dass es Menschen gibt, die auf unserer Seite sind. Jemand, an dem wir uns festmachen können.

Und ich glaube, wenn diese Frage geklärt ist, dass wir wissen, wo wir uns festmachen können, dass wir uns dann voll entfalten können. Unser ganzes Potential entwickeln können.

Das ist wie beim Bergsteigen: Mein Bruder hat einmal in seinem Leben einen 3.000er erklommen, einen Gletscher in den Schweizer Alpen. Sie waren zu zweit, mein Bruder Martin und Ernst, ein erfahrener Bergwanderer aus dem Dorf, und sind mit Helm, Sicherungsleine und Eispickeln losgezogen, mit dem Seil aneinander gesichert. Und mein Bruder hat mir erzählt, dass er manche Wand und manches steile Schneefeld nur deswegen gewagt hat zu erklimmen, weil Ernst dabei war und er sich auf ihn verlassen konnte. Oben auf dem Kamm mussten sie für die letzten 5km über manche Gletscherspalte springen: Pickel in den Boden, anseilen und sichern – dann sprang Ernst über diese 1-Meter breite Spalte, die ungefähr 15 Meter in die Tiefe ging. Dann mein Bruder: er war angeseilt an Ernst, der stand bereit, ihn im Notfall zu halten und hatte zusätzlich den Pickel in das Eis gerammt und das Seil daran befestigt. Aber der Blick in die Tiefe hatte es in sich. Es war nur 1 Meter, das schafft schon unser 5-jähriger Paul. Und ohne diesen einen kleinen Sprung kamen sie nicht ans Ziel. Dieses Seil hat meinem Bruder die Freiheit im Kopf gegeben, zu springen und am Gipfelkreuz anzukommen, um eine atemberaubende Aussicht zu genießen. Durch die Seilschaft mit Ernst hat mein Bruder Dinge gewagt, die er sich sonst aus gutem Grund nicht zugetraut hätte.
Es wäre gerade kein Ausdruck von Freiheit gewesen, leichtfertig erst Rucksack und Eispickel, dann Helm und Seil über die Gletscherspalte zu werfen und dann – ohne Ballast – mit ein wenig Anlauf locker über die 15-Meter tiefe Spalte zu hüpfen.

Woher nahmen die Menschen im Herbst ´89 den Mut, auf die Strasse zu gehen, obwohl sie wussten, dass dort die „bewaffneten Organe“ bereitstehen und nicht erst eine Demonstration gewaltsam beendet hatten? Man kannte doch Menschen, die sich durch ihre oppositionelle Haltung ihre Zukunft in dieser Republik verbaut hatten.

Von einer Studentin, bei der ich weiß, was ihre Motivation ausmacht, möchte ich erzählen. Es war in Rumänien vor ein paar Jahren. Eine Studentin, nennen wir sie Nikola, war bereits zum dritten Mal vor ihren Abschlussprüfungen. Die Prüfungsordnung besagte: nach dem dritten Mal ist Schluss. Das hieße: 5 Jahre umsonst studiert. 5 Jahre, die ihre Eltern umsonst investiert hätten in ihre Ausbildung. Geld, dass sie sich regelrecht vom Mund abgespart haben, damit ihre Tochter in der neuen Zeit eine gute Zukunft haben kann.
Dritter Anlauf. Letzte Chance. Was sollte sie tun? Warum sollte es diesmal anders sein als die letzten beiden Male? Sollte sie standhaft bleiben? Würde sie die Kraft dazu haben? Ihr ganzes Leben, ihre ganze Zukunft hing von dieser dummen Entscheidung ab. Würden ihre Eltern das verstehen? Alle hielten sie für begabt, auch ihr Professor. Das darf man doch nicht einfach wegschmeißen, nur wegen einer ausgeschlagenen Gefälligkeit, oder?
Und: war es denn wirklich so schlimm? Ja, das war es. Und allein bei dem Gedanken daran wurde ihr klar: sie will das nicht! Nicht um den Preis! Wenn sie ihr Diplom nur bekommen konnte, indem sie dem Professor für sexuelle Gefälligkeiten zur Verfügung steht, dann war sie bereit, auf das Diplom zu verzichten und das alles aufzugeben.
An diesem Abend hat sie zusammen mit anderen Studenten gebetet und gesagt:

„Gott, für Dich ist es ein Leichtes, für eine faire Prüfung zu sorgen und diese Ungerechtigkeit zu beenden. Und für Dich ist es ein Leichtes, mir eine Zukunft zu geben. Ich möchte meine Zukunft nicht ohne Dich leben. Wenn ich jetzt auf die Forderung meines Professors einginge, dann würde ich mein Vertrauen auf Dich verraten. Hilf mir, standhaft zu sein.“

Und so hatte sie „nein“ gesagt zu ihrem Professor und ist nicht mit ihm ins Bett gegangen. Die Prüfung kam – und sie fiel durch. Studium ohne Abschluss beendet.

Torsten

Indem sie sich an Jesus und seine Maßstäbe gebunden hat, konnte sie in großer Freiheit ihren Weg gehen. Diese Bindung hat sie frei gemacht, nicht vor den „Sachzwängen“ einzuknicken.

Die Kosten sind enorm. Das ist wahr. Aber ihr Spielplan war auch irgendwie nicht von den Sachzwängen begrenzt.

Der junge Mann im Evangelium fragt: Was muss ich tun, damit ich das ewige Leben ererbe. Ewig ist unbegrenzt. Mein Wörterbuch sagt mir: Das hat etwas mit Freiheit zu tun. Der junge Mann fragt also nach Leben, das frei ist. Und zwar so frei, dass selbst der Tod es nicht eingrenzt. Wie bekomme ich einen erweiterten Spielplan?

Als Kind war Bus fahren immer auch ein Abenteuer. Besonders wenn es sehr eng war. Dann standen um mich herum lauter große Leute, die Platz beanspruchten. Und die drängelten. Und ich zog natürlich immer den Kürzeren. Bis zu dem Tag an dem ich endlich oben an der Stange ankam. Wer da oben Halt fand, der spielte auf einem anderen Level. Da konnte mich auch mal jemand wegdrängeln, ich habe festgehalten, musste nicht gleich fallen. Ich habe es genossen, endlich oben anzukommen.

Die junge Frau aus Rumänien erinnert mich an diese etwas rauhen Fahrten im Bus. Sie hatten oben den Griff fest.

Wenn Gott ins Spiel kommt, dann bekomme ich einen Halt im Leben, der meinen Spielplan erweitert. Dann endet meine Freiheit nicht mehr da, wo ich keinen Vorteil mehr habe. Dann muss meine Freiheit nicht mehr an meiner Angst zu kurz zu kommen enden. Dann muss nicht einmal mehr der Tod das Ende meiner Freiheit bedeuten.

Wir feiern solche Gottesdienste wie GreifBar, weil wir Greifswalder darauf hinweisen wollen, dass es diesen Halt da oben gibt. Vielleicht ist das für Sie ein ganz sonderbarer Gedanke. So wie für meine NVA-Offiziere damals, für die wir gebetet haben und für die ich meine Unterwäsche brav zusammengelegt habe.

Es hat damals eine Woche gedauert, da kam tatsächlich einer unserer Unteroffiziere. Setzte sich in unser Zimmer und begann sein Herz auszuschütten. Er erzählte von seiner Angst. Alles, worauf er sich verlassen hatte brach gerade zusammen. Die DDR. Die NVA. Alles in der Auflösung. Seine Frau war totkrank. Er saß wirklich in unserem Zimmer und begann zu weinen. Und wir haben für ihn gebetet. Das war das allererste Gebet, das er erlebte. Das war bewegend. Eine Woche später kam ein zweiter Offizier. Und auch mit dem haben wir gebetet.

Ich weiß nicht, was aus den Beiden geworden ist. Vielleicht war es ein Anfang in ein Leben voll Freiheit. Vielleicht haben sie den Halt da oben gegriffen. Ich weiß es nicht. Sind sie Christen begegnet, die überzeugend gelebt haben? Die etwas von dem Mut und der Freiheit der Wendezeit mit ins vereinigte Deutschland genommen haben? Oder sind sie von Kirche enttäuscht worden?

20 Jahre nach der Wende posieren alle gern als Helden. Ich frage mich trotzdem, ob ich, ob wir nicht zu wenig geglaubt, geliebt, gewagt haben. Damals und heute. Ob wir nicht zu sehr gefangen sind in dem, was üblich ist.

Ich sehe mich selber an der Seite dieses jungen Mannes und frage mit ihm immer wieder Jesus, was muss ich tun, damit ich das ewige Leben habe? Leben voll Freiheit.

Markus

Aber so leicht ist das ja gar nicht, die Freiheit zu leben. So schnell werden die Zweifel groß, so schnell wird der Umgebungsdruck stark. Diese eine Gefälligkeit, und dann habe ich meine Prüfungen, und in 20 Jahre fragt sowieso keiner mehr danach.

Freiheit ist anfällig – und sie muss mühsam erkämpft werden. Das kann ich nicht allein. Da brauche ich Unterstützung. Gemeinschaft. Leute, die mir helfen, klar zu bleiben – oder auch helfen, erst klar zu werden. Leute, die mir helfen, mich fest zu machen. Wenn Sie auf der Suche nach Freiheit sind, dann empfehle ich Ihnen: suchen Sie sich Gleichgesinnte, suchen Sie sich Gemeinschaft. Wenn Sie in der Freiheit leben wollen, die Gott schenkt, dann suchen Sie sich Christen, mit denen Sie sich auf den Weg machen. Suchen Sie eine Gemeinde. Feiern Sie mit Gottesdienste als Feste der Freiheit. Sprechen Sie andere Christen an.

Freiheit hat Kraft. Kraft, mein Leben zu verändern. Freiheit hat Kraft, die Welt zu verändern.

Und diese Kraft der Freiheit, die Gott schenkt, hat einen Namen: Jesus. Der, der von Gott kam, um Menschen Gottes Liebe zu geben. Der seinen Weg in Freiheit gegangen ist, auch wenn er ihn den Tod gekostet hat. Der, von dem ungläubige Augenzeugen berichten: „er lebt. Wir haben ihn gesehen!“ Der, von dem heute Christen auf der ganzen Welt behaupten: „ich bin ihm begegnet.“ Der, der selbst als Auferstandener sagt: „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf der Erde. […] Ich bin bei euch alle Tage, bis zur Vollendung der Welt.“

Jeder große Weg beginnt mit einem kleinen Schritt. Und so kann das Abenteuer der Freiheit mit einem kleinen Schritt beginnen. Wenn das stimmt, dass Jesus lebt und alle Tage bei uns ist, dann ist er heute auch hier. Und dann reicht ein kleines Gebet, um im Herzen Gottes zu sein. Und wenn sie diesen ersten Schritt – oder einen erneuten Schritt - wagen wollen, dann verabreden Sie sich mit dem Christ Ihres Vertrauens und beten Sie gemeinsam, das ist leichter. Oder kommen Sie nach Programmende auf einen der GreifBar-Mitarbeiter zu. Oder, sprechen Sie in Ihrem Herzen mit, wenn ich jetzt zum Schluss bete:

Jesus, Du hast versprochen, dass Du bei uns bist und uns hörst, wenn wir mit Dir reden. Du bist Gott, der uns entgegen kommt. Du bist die Kraft, die uns Freiheit schenkt, weil Du selbst den Tod besiegt hast. Du schenkst uns Freiheit von schlechten Bindungen. Du schenkst uns Freiheit, wo wir uns selbst im Weg stehen. Du schenkst uns Freiheit von Abhängigkeiten, die uns kaputt machen. Du schenkst uns Freiheit, zu uns selbst zu finden; Freiheit, in Gemeinschaft mit Dir zu leben, und so zu denen zu werden, als die wir gedacht sind: als Menschen, die mit sich und anderen Menschen in Frieden und Gemeinschaft leben.
Ich bitte Dich für die von uns heute Abend, die sich nach Freiheit sehnen: schenke ihnen Mut für den ersten Schritt. Begegne ihnen und gib ihnen ein Zeichen Deiner Existenz; lass sie Deine Kraft der Freiheit spüren. Lass sie Gemeinschaft mit Gleichgesinnten suchen und finden.
Danke, Jesus Christus, dass Du da bist. Amen.