GreifBar am 24.01.2010
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Steine, Sterne & Schamanen
Bea Papendiek
Und gezz soll ich Ihnen wat erzähln von meine Freundin Bea, Bea Papendiek. Die is immer auffe Suche nach wat anderem. Vielleicht ham Se die auch schomma getroffen, weil, die Bea hat schon so viel gemacht, da ist dat unwahrscheinlich, das Sie der noch nich begegnet sind.
Ja, und mit dem Suchen und Machen verbringt die Bea unheimlich viel Zeit. Eigentlich ihre ganze. Wie ich das hier so erzähl, frag ich mich, wovon die eigentlich existiert? Ob sowas vom Staat gesponsert wird? Na ja, egal.
Angefangen hat dat alles mim Sport: Paddeln natürlich aber auch dies Pilatus, das ist wenn du so ne Übung tausendmal machst und dann überall Muskelkater hast, wo du dachtest, dass es da gar keine Muskeln gibt und zuletzt dies ‚walken’. Das is Englisch für ‚spazierengehen’, und ein Sport wird da draus, wenn man die ganze Zeit so geht, als müsste man den Bus noch mitkriegen. Aber das war wohl alles nich das Richtige, weil, die Bea hat dat alles nich länger als wie vier Wochen durchgehalten.
Als nächstes hat die über Jahre so ausländische Kurse belegt gehabt. Wat war dat noch alles: ‚Südamerikanischer Tanz’, ‚Afrikanisches Trommeln’, ‚Schwedische Folkloretänze`. Und, und, und. Sie war dann wie beim Sport erst immer am Schwärmen gewesen, aber dann das alles auch nich lang vorgealten, dann hatses wieder drangegeben.
Ich sachte seinerzeit, Bea, sach ich, so geht das nich. Du musst auch mal was durchhalten, sonst ist das doch alles fürn, na du weißt schon. Aber meine Ansprache war auch voll für die Katz. Sie meinte dann nämlich, was ihr fehlen würd im Leben, dat hättse gezz erkannt, dat wär die tiefere Sinngebung. Das hätte sie jetzt rausgefunden. Ja, dann hat die die gesucht, egal wo.
Die Bea hat wild Yoga gemacht, dann dies Bogenschießen mit dem Zen und ne Zeit auch ma Atmen, wo ich schon gedacht hatte, sie hätte Asthma. Jetzt zuletzt war sie auf dem Feng-Shui-Trip. Dat is sonne chinesische Kunst, wo einem die Möbel helfen, sein Leben in Griff zu kriegen. Da hat sie erst mal rausgekricht, das ihre Wohnung komplett inner falschen Windrichtung stand und ist umgezogen. Die Möbel waren auch die falschen. Da tauchte aber auch nich ein Teil in ihrem Feng-Shui-Leitfaden auf. Wahrscheinlich, weil die alle von Ikea waren, und der Elch is weit gekommen, aber bis ins Alte China wohl nich. Deswegen hat sie alle aufm Flohmarkt verkloppt. Da war die neue Wohnung leer und strahlte wirklich son bissken sonne buddhistische Ruhe aus.
Ja, neulich besuch ich sie, da liegt da bei ihr aufm Boden ein unheimlicher Wälzer von Heimwerker Ratgeber mit dem Titel: ‚Wie schreiner ich mir meine Möbel nach Feng-Shui.’ Oder so ähnlich. Da wusste ich, da wird die Bea sich jetz drauf stürzen ... die nächsten Wochen.
Ich glaub ja, das auch ein paar Umwege wichtig sind, um sein Ziel zu erreichen, aber bei der Bea bin ich gezz ins Grübeln gekommen. Das is ja ein beständiger Umweg. Oder is bei der, der Umweg das Ziel. Ich weiß et nich. Weiß du dat, Matthias???
