Greifbar

GreifBarplus am 17.02.2008

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  • 8 Durch den Glauben wurde Abraham gehorsam, als er berufen wurde, in ein Land zu ziehen, das er erben sollte; und er zog aus und wusste nicht, wo er hinkäme.
  • 9 Durch den Glauben ist er ein Fremdling gewesen in dem verheißenen Lande wie in einem fremden und wohnte in Zelten mit Isaak und Jakob, den Miterben derselben Verheißung.
  • 10 Denn er wartete auf die Stadt, die einen festen Grund hat, deren Baumeister und Schöpfer Gott ist. (Hebr 11,8-10)

Liebe Gemeinde, zuerst ist heute eine Antwort zu geben auf eine freche Be-hauptung, die am letzten Sonntag von dieser Kanzel aus in die Welt gesetzt wurde. Laufen, so hörten wir voller Staunen, sei Sünde. Das ist natürlich Un-sinn! Darum sage ich es für alle anstrengungsallergischen Wellness-Schleicher deutlich und biblisch:

Hebräerbrief, Kapitel 12, Vers 2: Lasst uns laufen, ja lasst uns laufen, in dem Wettkampf, der uns verordnet ist. So, das hätten wir geklärt!

Aber was ist, wenn man nicht mehr weiter laufen mag? Jeder Läufer kennt das-nach x Kilometern, je nach Trainingsstand: Man stellt erst die Sinnfrage, beant-wortet sie negativ, erklärt sich selbst zum Idioten und möchte sich am liebsten in den Graben schmeißen und heulen. Der Gemeinde der Hebräer ging es so mit dem Glauben: Sie stellten sich die Sinnfrage, beantworteten sie negativ, erklärten sich zu Idioten und wollten sich nur noch hinlegen und heulen.

Was tut der Apostel in seiner Briefpredigt? Er tut zweierlei: Zum einen nimmt er die Christen an der Hand und zeigt ihnen die ganz Großen der Glaubensge-schichte zum Trost und als Vorbild. Und zum anderen ermahnt er sie, doch ihr Vertrauen nicht wegzuwerfen, sondern durchzuhalten und weiterzulaufen.

Einen kleinen Ausschnitt dieser langen Predigt haben wir eben gehört. Am Bei-spiel Abrahams wird uns vor Augen geführt, was es heißt zu glauben, und zwar auf der langen Strecke, über die erste Begeisterung hinaus. Was heißt es denn zu glauben, auf der langen Strecke, über die erste Begeisterung hinaus? Und wie geht das? Darüber möchte ich mit Euch heute sprechen.

Drei Etappen des langen, langen Glaubensweges, den Abraham durchlief, be-kommen wir vor Augen gemalt. Und es kann sein, dass manche von Euch sich eher bei der ersten Etappe festmachen, andere eher bei der zweiten und wie-der andere bei der dritten, und einige bei keiner einzigen. Die bitte ich wenn möglich nicht einzuschlafen und durch lautes Schnarchen zu stören. Denn für einige von uns könnte es wichtig sein zu verstehen, wo sie gerade sind im Lauf des Glaubens, und wie es weitergehen kann.

Also drei Etappen:

  •  Aufbrechen – fremd sein – warten.

ERSTE ETAPPE: AUFBRECHEN – VERS 8

Glauben bedeutet: aufbrechen. Bei Abraham war das sonnenklar: Seine Ge-schichte mit Gott begann, als ihm Gott sagte: Geh los! Geh los aus deinem Va-terland. Kündige die Wohnung, verkauf die Möbel, pack zusammen, was du brauchst, sage lebewohl, denn du kommst nicht zurück. Und wohin geht’s? Sag ich nicht! Wie bitte? Sag ich nicht, aber es wird gut, das verspreche ich dir. Du wirst schon merken, wohin die Reise geht. Cool, denkt sich Abraham im jugend-lichen Alter von 75 Jahren. Mit 75 werde ich ein Mensch mit Migrationshinter-grund. Wer hätte das gedacht! Und er geht, bricht auf. Er wagt es, und er hat nicht mehr in der Hand als das Versprechen eines Gottes, dem er bis zu jenem Tag noch nie begegnet war. Das ist Abraham!

Im Hebräerbrief lernen wir: Das ist nicht nur Abraham. Das ist Glauben. Anders gesagt: So funktioniert Glauben. Denn durch den Glauben tat Abraham, was er tat. Martin Luther hat das 1517/18 so ausgelegt: „Das ist die Herrlichkeit des Glaubens: nicht wissen, wohin du gehst, was du tust, was du leidest, und indem alles an Sinn und Verstand, Tüchtigkeit und Willen gefangengenommen ist, der Stimme Gottes folgen und mehr geführt und gehandelt werden denn selbst handeln.“ Das, sagt Luther, ist die Herrlichkeit des Glaubens. Hören und folgen, auf Vertrauen, nur mit Gottes Zusagen.

Das ist – so würde ich es heute sagen, 500 Jahre nach Luther – die Risikobereit-schaft des Glaubens, fast schon die Abenteuerlust des Glaubens. Etwas wagen, weil Gott es will, ohne Sicherheiten, aber mit ihm selbst im Rücken. Wer wagt, erlebt. Wer nichts wagt, hat schon auf jedes Erleben verzichtet. Glauben be-deutet nicht zuerst, etwas glauben, sondern ihm glauben, ihm vertrauen, also etwas wagen, wenn er ruft. Wie fühlt Ihr Euch übrigens gerade bei diesem Bild? Was macht Euch gerade Angst? Wo fühlt Ihr Euch unbehaglich?

Vor kurzem hörte ich von einem bayrischen Fleischermeister, Josef Pointner, dessen Geschäfte nicht mehr gingen. Der Laden ging den Bach runter. Da hatte er eine Idee: eine richtig gute, leckere Wurst, aber fast ohne Fett. Also, nicht so eine Wurstimitation aus dem Reformhaus, bei der man denkt: du darfst, aber du musst nicht unbedingt. Richtig leckere Wurst, nur dass nicht mehr das Fett der Geschmacksträger sein sollte. Er bastelte Jahre daran herum. Nächtelange Experimente! Und es klappte nicht. Er hat dann alles auf eine Karte gesetzt und seine ganze Altersversorgung eingesetzt. Jetzt ging es um die Wurst! Und er hat es geschafft; heute reißen sich die Supermarktketten um Pointners Wurst.

Ich mag solche Leute, die sich etwas trauen und ein Risiko in Kauf nehmen. Weltliche Abrahams – und dabei haben sie nicht einmal die Gewissheit, von Gott gerufen und umgeben zu sein.

Vielleicht ist das der Punkt, an dem manche von uns gerade stehen: etwas wa-gen, weil Gott ruft. Einen neuen Schritt, eine mutige Tat, die aus dem Komfort-bereich herausführt, sozusagen ins Freie, auf Vertrauen hin. Ich weiß, dass eini-ge das schon erlebt haben: Gott vertrauen und darum aufbrechen, etwas tun, bei dem der Erfolg nicht vorhersehbar ist. Ich weiß es von einer Mitarbeiterin, die gesagt hat: Ich riskiere es, nicht in den Beruf zurück zu gehen, sondern mei-ne Kraft in die Gemeinde zu stecken, auch wenn das Geld knapp ist. Ich riskiere es, weil Gott sich nicht lumpen lässt. Ein Schritt ins Freie. Ich weiß es von eini-gen, die sich trauten, auf der Straße für GreifBar einzuladen oder mit dem Chef über Gott zu reden, nachdem sie schon länger mit Gott über den Chef geredet hatten und Gott sie sachte anstupste. Ein Schritt ins Freie. Vielleicht ist das auch der Punkt, an dem wir als Gemeinde stehen: einen nächsten mutigen Schritt in Neuland, ins Unübliche, Riskante, Neue, weil Gott uns ruft und sein Volk in Greifswald sammelt. Einen Schritt, bei dem wir es nicht mit noch etwas mehr Einsatz selbst schaffen, sondern sagen müssen: Herr, ohne dich geht das hier furchtbar in die Hose! Das ist eine schöne Nebenwirkung: Wenn wir etwas wagen im Glauben, dann bindet uns das enger an Gott, dann wird Gottes Reali-tät plötzlich überlebenswichtig.

Ich baue eine kleine Absicherung ein: Mut ist von Dummheit zu unterscheiden. Mut ist von Dummheit zu unterscheiden. Steht ein Mann vor der Himmelspfor-te und will rein.Petrus fragt ihn: Kannst Du mir irgendetwas Besonderes nen-nen, das du in deinem Leben getan hast. Ja, sagt er, das kann ich: Ich bin einmal so einer Bande Testosteron-Junkies begegnet, die eine junge Frau belästigten. Ich habe ihnen gesagt, sie sollen das lassen. Und als das nichts half, bin ich dazwischen. Ich gab dem Größten aus dieser Bande eins auf die Nase, warf sein Motorrad um, riss an seinem Nasenring und schrie: Lass sie in Ruhe, oder du kriegst es mit mir zu tun! Wow, sagt Petrus, sichtlich beeindruckt, und wann war das? Antwort: Vor einer Minute.

Mut des Glaubens ist von schierer Dummheit zu unterscheiden. Es geht darum, Gottes Ruf zu hören, was er von mir als Nächstes will, es geht nicht darum, nur etwas Durchgeknalltes zu tun, weil es so schön durchgeknallt ist.

Was aber ist der Ruf Gottes für dich? Wo lockt er dich heraus? Welchen riskan-ten Schritt sollst du tun? Tja, Ihr Lieben, das hätte ich doch allzu gerne gewusst, ich habe Gott auch gefragt, sag mir doch mal, was du von Corrie und Lissy und was von Raik und Steffen als nächstes willst, das kommt bestimmt prima, wenn ich das dann in der Predigt bekannt gebe. Aber war nichts! Ne, hat er gesagt, verrat ich dir nicht! Warum nicht? Nein, hat er gesagt, das müssen die schon selber hören. Schade aber auch!

Dann kann ich diese erste Etappe nur mit zwei allgemeinen Hinweisen be-schließen. Der erste: Der Ruf Gottes hat oft damit zu, dass wir es tun, etwas wagen, wo unsere tiefste Freude auf die größte Not unserer Welt trifft. Das hat Frederik Buechner gesagt. Der Ruf Gottes hat oft damit zu tun etwas zu wagen, wo das, was wir mit größter Freude tun, Menschen zu Gute kommt in ihrer größten Not. Und der zweite: Bei den Quäkern gibt es eine nette Sitte. Wenn jemand meint, einen Ruf von Gott gehört zu haben, dann ruft er ein Klarheits-komitee ein, das diesen Ruf prüft, indem es jede Menge kritische Fragen stellt. Die Quäker sind nüchterne Leute; sie wissen, wie oft wir unsere Wünsche oder unsere Zwänge, beides, unsere Wünsche oder unsere Zwänge mit dem Willen Gottes verwechseln.

Weiter komme ich an dieser Stelle leider nicht, darum die zweite Etappe:

 

ZWEITE ETAPPE: FREMDSEIN – VERS 9

Nun ist Abraham also losgezogen, und wenn die Geschichte aus Hollywood kä-me, würde er einige Rückschläge erleiden, aber dann nach ein paar tiefen Kri-sen am Ende im Schaukelstuhl über seine tolle Ranch hinweg der Sonne beim Untergehen zugucken. So war es aber nicht. Gott mutet dem Abraham nicht nur den Aufbruch zu, sondern auch die Fremdheit. Er kommt tatsächlich in ein Land, von dem er erfährt: Das ist es! Er kommt also an. Aber es gehört ihm nicht. Er ist, und er bleibt: ein Fremder!

Alles wird gut? Nichts wird gut, könnte man meinen. Nach hinten sind die Brü-cken abgebrochen, seine Herkunftsfamilie schüttelt den Kopf über so viel Un-verstand. Denen ist er ein Fremder geworden. Und nach vorne ist er auch ein Fremder, ein Ausländer, ein Migrant. Die Leute reden anders, essen anders, riechen anders, handeln anders. Die kleinen Spielchen der Kommunikation funktionieren anders. Alle wissen, wie die Spiele gespielt werden - nur der Fremde nicht. Er wird niemals ganz dazu gehören, bei den Schwaben wird man noch nach 100 Jahren sagen, er sei „nei’gschmeckt“. Nichts ist wie daheim, alles am neuen Zuhause ist fremd. So ist das. Kinder kennen das, die wegen des Berufs der Eltern häufig die Schule wechseln müssen und immer von vorne an-fangen. Ich empfinde es noch heute so, dass ich manchmal unsicher bin, ob ich gerade kapiere, was da kommunikativ abläuft, wenn ich mit Eingeborenen zu-sammen bin. Zwischen Westfalen und dem Himmel liegt für mich Pommern, und das fühlt sich häufig recht fremd an.

Nun ist das alles noch sehr menschlich geredet: Im Hebräerbrief geht es darum, dass das Fremdsein zum Glauben gehört. Gott mutet uns das Fremdsein zu. Fremdsein ist dann wiederum genau dieser Zwischenzustand: nicht mehr dort und noch nicht da. Nicht mehr im alten Leben mit seinen „Sicherheiten“, aber auch noch nicht da, wo es alles ganz einfach und glatt geht mit dem Glauben. Nicht mehr im alten Lebensstil bei den alten Freunden, aber noch nicht durch den Kampf durch. Fremd durch das, was wir glauben und wie wir mit unserem Leben umgehen, fremd und belächelt für unsere Überzeugungen. Fremd und angegriffen für das, wovon wir als Gemeinde zu träumen wagen. Fremd unse-ren nächsten Mitmenschen, die uns nicht mehr verstehen. Mit einem Zipfel des Verheißenen in der Hand, aber eben auch nur mit einem Zipfel. Noch immer nicht ganz da, nicht ganz angekommen. Im Werden, nicht im Sein. Angefoch-ten, nicht sicher. Umkämpft, nicht gelöst. In der Fremde – noch nicht zu Hause. Im Hoffen, noch nicht im Schauen. Das ist Glauben, und darum lasst doch nicht den Mut sinken, wenn es Euch so geht, sagt der Apostel. Das ist ganz normal, Euch geschieht nichts Abstruses. Glauben heißt auch: fremd sein.

Ist das der nächste Schritt: ein tapferes Ja zum Fremdsein? Nicht mehr so viel jammern, weil genau das passiert, wovon Jesus immer wieder redete, dass wir anderen fremd werden, ehemals Nahe ferne rücken und dafür ehemals Ferne uns Schwestern und Brüder und Mütter und Väter werden?

Nur ist auch hier ein Sicherheitshinweis nötig. Es geht um Fremdheit durch Glauben. Nicht um Fremdheit durch unsere kleine Marotten, schlechten Ange-wohnheiten und charakterlichen Merkwürdigkeiten. Das sollten wir unter-scheiden.

 

SCHLIEßLICH DRITTE ETAPPE: WARTEN – VERS 10

So kann man es schließlich auch sagen: Abraham musste warten. Lange warten. Warten auf das versprochende Kind, lange, lange warten. Warten darauf, dass Gott wieder etwas zu sagen würde. Warten auf das versprochene Land. Ein Le-ben im Wartestand.

Der Schreiber des Hebräerbriefs deutet es noch etwas anders, sicher anders, als es der Nomade Abraham gesehen hätte: Er sagt, eigentlich wartete Abraham auf etwas ganz anderes, eigentlich wartete er auf das, was die Zeit nie geben kann, eigentlich wartete er auf die Ewigkeit. Eigentlich wartete er auch nicht auf das Land Kanaan, sondern auf eine himmlische Stadt, die Gott baut und in der wir Wohnung und Heimat finden sollen. Ach, hätte Abraham vielleicht entgegnet, interessant! Eigentlich, sagt dieser Apostel unverdrossen, müssen wir uns darauf einrichten, dass unser Fremdsein und unser Warten in diesem Leben nie aufhören. Nie! Das Warten und das Fremdsein hören erst auf, wenn wir das Einwohnermeldeamt der Stadt Gottes betreten und dort unsere ewige Wohnung mit Blick auf Gottes Thron zugewiesen bekommen.

Etwas weniger steil sagt der Apostel damit aber auch: Warten gehört zum We-sen des Glaubens. Und es kann sein, dass auch im Vorläufigen Gott Dir und Deiner Gemeinde Zeiten des Wartens zumutet. Zeiten, in denen Dinge nicht klar sind. Und du hast nur sein Wort und sollst glauben. Zeiten, in denen heiß Ersehntes nicht eintrifft. Zeiten, in denen es nicht weitergeht, ja sogar rück-wärts zu laufen scheint. In schwierigen Beziehungen – warten! Auf Gesundheit, auf Heilung – warten. Auf das Ende der Einsamkeit – warten. Dass der Knoten bei den Kindern platzt – warten. Dass Freude die Anfechtung vertreibt – war-ten. Es kann sein, sagt der Apostel, dass Du gerade in einer solchen Phase steckst, und dass Gott Dich heute bittet: Guck Dir den Abraham an, und dann vertrau mir wieder, sage ja zum Warten.

Als Christiane und ich heirateten, hat unser Trauzeuge eine kleine Rede gehal-ten mit Blick auf die 5 Jahre, die wir bis zur Hochzeit gewartet haben. Und er hat gesagt: Warten ist eine große Tat. Warten ist eine große Tat. Er hat nicht gesagt, Warten macht Spaß. Oder Warten ist schön. Aber es ist eine große Tat. Lewis Smedes meint es ähnlich: Warten ist die härteste Arbeit der Hoffnung. Die härteste Arbeit der Hoffnung. Warum ist das so? Ich glaube, besser, ich ah-ne, dass es dafür zwei Gründe gibt:

Der erste: Im Warten sind wir dem Glauben treu. Wir halten es aus, dass wir noch nicht weiter wissen. Zum Beispiel als Gemeinde, wohin der Kurs geht. Zum Beispiel, was Gott mit meinem Leben vorhat, beruflich und auch sonst. Wir halten es aus, dass er uns noch immer nicht gibt, wonach wir uns sehnen. Wir finden es nicht lustig, aber wir sagen: Herr, wir werden warten, bis Du sprichst, eingreifst, gibst. Wir bleiben unserem Glauben treu.

Der zweite: Im Warten arbeitet Gott an uns. Auch das macht nicht unbedingt Spaß, aber es ist nötig. Denn Warten formt. Kinder, die nicht warten gelernt haben, werden unausstehlich. Warten, weil ich nicht alles bekomme. Wirklich bis zum Geburtstag warten. Warten, bis ich genug gespart habe. Warten, bis alle gegessen haben und nicht rumrennen. Warten formt. Amerikanische Wis-senschaftler haben den Marshmellow-Test gemacht. O.k., mir wäre auch ein Ritter-Sport-Test lieber, war es aber nicht. Kinder wurden in einem Raum mit einem Teller mit einem Marshmellow allein gelassen. Aßen sie während dieser Zeit nichts, bekamen sie später zwei Marshmellows; aßen sie den einen Mars-hmellow, o.k., dann war es das. Unter dem Strich sagen sie, dass Kinder, die warten können, belastbarer sind, Frustrationen besser wegstecken können, besser genießen können, sozial kompetenter sind und sich leichter entscheiden können. Warten formt, ja Warten bildet. Wenn Gott uns warten lässt, formt und bildet er uns, auch unseren Glauben. Darum ist Warten eine Etappe auf der Reise des Glaubens. John Ortberg sagt es so: „Auf Gott warten ist die täglich neue Entscheidung: Ich will dir vertrauen, und ich werde dir gehorchen. Ich setze alles auf dich, ich habe keinen Plan B. Das, was Gott in uns tut, während wir warten, scheint mindestens so wichtig wie das, worauf wir warten.“

Nur ist Warten nie das letzte Wort. Warten ist auch nicht alles! Abrahams Leben war nicht Hiobs Leben. Zwischendrin ging es ihm gut. Und eines Tages hielt Abraham seinen Isaak im Arm. Und er besaß ein Stückchen Land in Kanaan, ge-nug für eine Grabstätte. Immerhin. Und was er nicht wusste, er bekommt sei-nen Platz in der Stadt, die Gott in die Ewigkeit gebaut hat. Warten ist nicht das letzte, was wir von Gott hören. Aber im Vorletzten ist es oft genug das, was wir hören: Vertraust Du mir, mein Kind, auch wenn Du warten musst?

Aufbrechen, fremd sein und warten – auch das gehört zum Glauben. Amen.