Greifbar

GreifBar plus am 11.01.2009

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                                              Ein Teil sein von Gottes Mission


    16 Aber die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, wohin Jesus sie beschieden hatte.17 Und als sie ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder; einige aber zweifelten. 18 Und Jesus trat herzu und sprach zu ihnen: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. 19 Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes 20 und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. (Mt 28,16-20)

Wenn man vor einer schwierigen Aufgabe steht, dann sind manche Menschen mehr und manche weniger ermutigend. Ein Mann bereitet sich auf ein wichtiges berufliches Gespräch vor und redet mit seinem besten Freund darüber und sagt: „Ich bin so nervös, mein Mund ist ganz trocken.“ Ein paar Minuten später sagt er: „Ich bin so nervös, meine Hände sind ganz feucht.“ Sein Freund sagt: „Ach weißt du was: Dann leck doch deine Hände ab!“ Jesus ist da ganz anders. Wenn er uns vor eine große Aufgabe stellt, dann verbindet er das immer mit einer großen Ermutigung. Ich lese aus Matthäus 28 : „Aber die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, wohin Jesus sie beschieden hatte. Und als sie ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder. Einige aber zweifelten. Und Jesus trat herzu und sprach zu ihnen: ‚Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker. Tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“

 

Jetzt könnte ich mir vorstellen, dass der eine oder andere von euch sagt: „Moment, dieser Text kommt mir bekannt vor, den habe ich schon mal irgendwo gehört. Ich weiß nicht mehr wo, ist ja auch eher exotisch...“ Ich kann euch nur ermutigen, euch diesen Text dennoch genau anzuschauen. Manche Bibeltexte, die einem seltsam vertraut erscheinen, sind wie ein Bild, das man jahrelang an der Wand hängen hat und dann nach Jahren erst versteht und sagt: „Ach, da in der Ecke ist ja eine Blume auf dem Bild.“ Oder manche Bibeltexte sind wie ein Mensch, den man jahrelang kennt und nach Jahren erst versteht: „Ach, so hast du das immer gemeint.“

 

Da stehen sie dicht beieinander, elf Jünger, zwölf Jünger weniger Judas, elf Jünger stehen da auf einem Hügel mitten in Galiläa, sie sind ziemlich verhuschte und erschöpfte Gestalten. Sie haben einen langen Fußmarsch hinter sich aus Jerusalem und Umgebung nach Galiläa, und sie haben eine emotionale Achterbahn hinter sich. Erst der Schock über die Kreuzigung von Jesus – jetzt, haben sie geglaubt, jetzt ist alles zu Ende. Und dann der unglaubliche Jubel über die Auferstehung von Jesus. Und sie sind sich noch gar nicht ganz sicher, nicht alle sind sich ganz sicher, ob sie das wirklich glauben dürfen. Da stehen sie vor Jesus, erschöpft, halb freudig, halb auch ein bisschen abwartend. Da steht ihnen gegenüber jemand, den sie zu kennen meinen, er sieht so aus wie Jesus, er redet genauso wie Jesus, und trotzdem wirkt er seltsam verwandelt.

 

Und er sagt: „Gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker“ zu diesen Elfen. Wenn es jemals eine wahnwitzige Aufforderung in der Geschichte der Menschheit gegeben hat, dann diese. „Gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker,“ zu diesen elf erschöpften Leuten sagt Jesus das. Alle Völker, das schließt ein: Argentinien und Alaska, Südafrika und Skandinavien, Paramaribu und Pasewalk. Ich finde, im Vergleich dazu sind die rund 55.000 Einwohner von Greifswald, die mit zu unserer Gemeindevision gehören, vergleichsweise überschaubar. Finde ich! Wir haben eine Vision für, eine Mission an diese ungefähr 55.000 Menschen, und im Vergleich zu „allen Völkern“ ist das zumindest einigermaßen überschaubar.

 

Wie kommt Jesus zu dieser Aufforderung? Schauen wir uns diese Aufforderung einmal Stück für Stück an. Sollte jemand eine Bibel dabei haben, wäre jetzt der Zeitpunkt gekommen, sie zu zücken: Matthäus 28. Ich lese Abschnitt für Abschnitt vor. „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden“. Habt ihr euch das schon mal vorgestellt: Wie wäre es, wenn ich das Sagen hätte. Wie wäre das zum Beispiel, wenn ich Bürgermeister von Greifswald wäre... Dann würde ich per bürgermeisterlicher Verordnung – ich weiß nicht ob es sowas gibt, aber ich würde das dann erfinden – verordnen, dass sich in Greifswald mehrere Programmkinos anzusiedeln haben. Oder wie wäre es, wenn ich Bundeskanzler von Deutschland wäre? Dann würde ich den Bahnchef vorzeitig pensionieren – er kann ja auch ruhig ein gutes Auskommen haben, aber jemand anders soll das jetzt machen – und ich würde dafür sorgen, dass eine ICE Trasse von Berlin über Greifswald nach Hamburg gebaut wird und stündlich ICE's fahren. Schöne Vorstellung, oder? Jesus sagt: „Mir ist gegeben alle Gewalt, alle Gewalt im Himmel und auf Erden“. Das griechische Wort was hier steht lautet exousia und das heißt Vollmacht. Ich habe, sagt Jesus, alle Vollmacht. Vollmacht kennen wir aus dem Bankenwesen. Eine Bankvollmacht ist ein Zettel, auf den jemand darauf schreibt: ‚Hiermit berechtige ich X Y dazu, auf mein Konto zu zugreifen. Hiermit erteile ich diesem Menschen die Vollmacht dazu auf mein Konto zu zugreifen.’ Genau eine solche Vollmacht hat Jesus von Gott von seinem Vater, d.h. auch er hat gewissermaßen einen Zettel, auf dem steht: ‚Hiermit berechtige, bevollmächtige ich, Gott der Vater, meinen Sohn Jesus Christus dazu, alle göttliche Macht auszuüben, im Himmel und auf Erden.’

 

Das heißt, das erste und das letzte Wort in dieser Welt und in der unsichtbaren Welt hat nicht irgendwer und hat auch nicht der blinde Zufall oder das Schicksal, sondern das letzte und das erste Wort hat Jesus allein. „Darum geht hin und macht zu Jüngern alle Völker“, das heißt: Es gibt einen Grund dafür, und der Grund hat damit zu tun, dass Jesus das erste und das letzte Wort hat. Der Grund dafür, dass wir mitmachen bei diesem Weg Gottes, alle Völker zu Jüngern zu machen, der Grund dafür ist nicht, dass wir nichts Besseres vorhätten. Oder der Grund ist auch nicht, dass es halt eben dazu gehört. Das hören wir doch immer: ‚Das ist halt Teil des Programms, ordentliche Christen machen so was.’ Der Grund ist auch nicht die Frage: ‚Wie stehen wir denn sonst da beim nächsten Willow Kongress in Oberhausen, wenn wir nicht missionarisch waren? Dann haben wir überhaupt nichts zu erzählen.’ Das ist nicht der Grund, sondern der Grund ist, dass Jesus alle Vollmacht im Himmel und auf Erden hat.

 

Anders gesagt, der Grund ist, dass Jesus unschlagbar ist. Jesus ist unschlagbar, damit unterscheidet er sich von der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in den neunziger Jahren. Vielleicht erinnert sich der eine oder andere noch daran. 1990 war das letzte Mal, das Deutschland Fußball-Weltmeister wurde, und der Bundestrainer Franz Beckenbauer hat damals gesagt: „Wir sind jetzt auf Jahre hinaus nicht mehr zu schlagen, das tut mir leid für den Rest der Welt“ – das hat er damals gesagt, das hat sich natürlich nicht bewahrheitet. Jesus dagegen ist tatsächlich auf Ewigkeit nicht zu schlagen. Das heißt für uns und die Menschen, mit denen wir im Gespräch sind: Jesus ist bei jedem Menschen, mit dem wir reden, schon lange vor uns. Jesus weiß jetzt schon, mit wem wir alles im Laufe der Lebensjahre ins Gespräch kommen, wer alles zu GreifBar kommen wird, zu Glaubenskursen, mit welchen Nachbarn wir plötzlich zufällig ins Gespräch kommen werden oder mit welchen Arbeitskollegen. Er kennt all diese Leute, er hat sie gemacht, er liebt sie heiß und innig, und er ist jetzt schon dabei, auf seine unnachahmliche Weise, sie behutsam auf solche Begegnungen vorzubereiten. Jesus ist unschlagbar und deswegen: „Geht hin“ – ‚ weil ich hinter euch stehe und weil ich vor euch stehe und auf euch warte’. „Geht hin“ kann man dabei ruhig wörtlich verstehen: Wir müssen hingehen, zu Leuten hingehen, das Gespräch selber eröffnen. Von selbst kommen sie in aller Regel nicht; es gibt ein paar Ausnahmen, aber die meisten Menschen kommen nicht von selbst darauf, sich mit dem christlichen Glauben zu beschäftigen. Ich kann das aus meiner eigenen Lebensgeschichte bestätigen: Nachdem ich konfirmiert war, wäre ich wahrscheinlich dem christlichen Glauben abhanden gekommen. Wie das so war, habe ich mich dafür nicht allzu sehr interessiert. Ich bin zwar in meiner Heimatgemeinde in eine Jugendgruppe gegan. In dieser Jugendgruppe dachte der Jugendleiter, es sei eine schlaue Idee uns Jugendliche zu fragen, was wir denn machen wollen. Und er hat niemals irgendein eigenes Angebot gemacht. Er hat immer nur gesagt: „Was wollt denn ihr?“ Wir haben das gesagt, was uns so in den Sinn kam – das war nichts anderes als das, was wir schon kannten. Und dann kam ich irgendwann in eine andere Jugendgruppe in einem anderen Ort. Da haben die Jugendleiterin und die Mitarbeiter gesagt: „Wir erzählen euch jetzt mal was von Jesus, wir gucken mal in die Bibel.“ Und es gab Spiele und Trubel und Freizeiten und Albernheiten usw., aber es gab genau auch diesen einen Impuls. „Wir gucken uns das jetzt mal an, das ist spannend und das ist wichtig.“ Davon war ich fasziniert, dass es Menschen gibt, die von Gott so reden, als ob es ihn wirklich gäbe.

 

Darauf sind Menschen angewiesen, dass wir ihnen das sagen, darauf kommen sie nicht von selbst. Und deswegen bitte ich euch mal, die kommende Woche – so weit wie ihr sie jetzt schon absehen könnt – vor eurem inneren Auge Revue passieren zu lassen und euch zu überlegen: Welchen Menschen werdet ihr begegnen, und welchem einen Menschen wollt ihr etwas vom Glauben sagen? Bzw. welchen einen Menschen wollt ihr zum Beispiel zum nächsten GreifBar einladen? Gibt es einen Menschen, den ihr zum nächsten GreifBar einladen möchtet?

 

„Gehet hin tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ Wisst ihr, was aus meiner Sicht das Tolle an der Dreieinigkeit ist? Ich finde an der Dreieinigkeit ziemlich vieles sehr toll, kann ich auch gerne bei Gelegenheit mal mehr dazu erzählen, aber ich fasse mich kurz. Das Tolle an der Dreieinigkeit ist, dass sie besagt, dass Gott in sich Gemeinschaft ist. Gott ist in sich die liebevolle, faszinierende Beziehung von Gott dem Vater zu Gott dem Sohn zu Gott dem Heiligen Geist. Der Heilige Geist ehrt den Sohn, der Sohn ehrt den Vater, der Vater stellt sich zum Sohn und sendet den Heiligen Geist aus usw. Die ganze Zeit ist das Ganze in Bewegung. Gott ist in sich Gespräch, Gott ist in sich Beziehung, Gott ist in sich Liebe. Das heißt, wenn wir sagen: „Gott ist Liebe“, dann ist das nicht nur ein Kompliment und irgendwie nett gemeint und nur eine Umschreibung dafür, dass Gott liebevoll ist. Sondern wenn wir sagen: „Gott ist Liebe“, dann ist das wörtlich gemeint. Gott ist in sich liebevolle Beziehung. Das heißt, schon lange bevor es uns gab, war es Gott auch ohne uns nicht langweilig. Gott ist seit Ewigkeit und in Ewigkeit Spezialist in Sachen Beziehung. Gott weiß ganz genau, wie Beziehungen funktionieren. Und deswegen, wenn wir andere Menschen zu einer Beziehung mit diesem Gott einladen und sie auf die Beziehung mit diesem Gott taufen – dann treten wir ihnen nicht zu nahe, dann drücken wir ihnen nicht etwas auf, was ihnen eigentlich gar nicht gut tut, sondern dann vermitteln wir ihnen das Beste, was es gibt.

 

Deswegen brauchen wir uns nicht zu verstecken. Wir neigen ja manchmal dazu uns zu verstecken und sagen so Sachen, wie: „Ach weißt du, ähm, ich bin schon auch Christ, aber ich bin ganz normal...“ Da kann ein anderer schon die Frage stellen: ‚Ja, wenn du selber ein Problem damit hast, warum redest du dann mit mir darüber?’ Gott ist Spezialist in Sachen Beziehung, und deswegen, wenn wir Menschen zu diesem Gott einladen und auf das Leben mit diesem Gott taufen, dann treten wir ihm nicht zu nahe, sondern dann geben wir ihnen das Beste was es gibt.

 

„Und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe“. Vielleicht habt ihr das schon mal mit erlebt, dass jemand im Restaurant sitzt und eine große Bestellung aufgibt, am besten bei so Speisekarten, bei denen die Gerichte mit Nummern versehen sind, das finde ich immer wunderbar. „Ich hätte gerne ein bisschen 32 und 14, aber nicht zu viel 87, und das Ei hätte ich gerne zweieinhalb Minuten und dann das Steak“, usw. Und man bewundert immer den Kellner, der das Ganze aufnimmt, wie er sich das alles merken kann. Ein ähnliches Gefühl kann man bekommen, wenn man sich vor Augen führt: „Lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe“ – ist das nicht ein riesiges Programm? Wie sollen wir ganz normale Menschen das denn anderen Menschen vermitteln?

 

Ich glaube, ein Wort an diesem Satz ist das entscheidende Wort. Das entscheidende Wort lautet: Ich. Jesus sagt: „Lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe“. Das heißt: Wenn wir Menschen zum Glauben an Jesus einladen, dann sagen wir nicht zu ihnen: ‚Werdet in allem so wie wir. Hört die gleiche Musik, verwendet die gleichen Worte, tragt die gleiche Kleidung, habt die gleiche Freizeitbeschäftigung, lacht über die gleichen Witze und lacht über bestimmte Witze nicht.’ Sondern wir sagen: ‚Folge Jesus nach, lass dich von Jesus umgestalten in jedem Bereich deines Lebens. Das ist kostspielig und anstrengend und herausfordernd. Aber dieser Jesus, mit dem du dann lebst, das ist der, der besser auf dich aufpassen kann als du selbst es kannst. Und du wirst mit diesem Jesus eine einzigartige Beziehung eingehen, und das ist das Beste was dir passieren kann.’ Darum geht’s.

 

„Und siehe ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ Ich habe jetzt eine Bitte: Schließt für einen Moment die Augen und geht in Gedanken durch Greifswald. Geht mal in Gedanken die Lange Straße entlang, den Markt, durch das Einkaufszentrum Elisenpark, durch das Schönwalde-Center. Geht mal in Gedanken durch Greifswald und guckt auf die Gesichter der Menschen. Überlegt euch, was für Geschichten hinter diesen Gesichtern stecken. Und dann stellt euch vor, was mit diesen Menschen passiert, wenn sie die Ahnung bekommen: ‚Das Leben ist gar nicht so. Das Leben ist eigentlich ganz anders. Es ist gar nicht nur zufällig; es ist gar nicht etwas, was ich selber irgendwie hinkriegen muss, und niemand hilft mir dabei. Sondern es gibt einen Gott, der mich liebt und mich kennt. Es gibt einen Gott, der in Jesus zu mir gekommen ist und der eröffnet mir Sinn und Hoffnung, mehr, als ich mir vorstellen kann.’ Was passiert mit den Gesichtern der Menschen, wenn sie das zu ahnen beginnen?

 

Vielleicht merkt ihr, die Frage ist gar nicht: Will ich Mission zu einem Teil meines Lebens machen? Will ich so ein bisschen missionarisch sein, vielleicht so 10% oder 30%, das ist nicht die Frage. Die Frage ist nicht, will ich Mission zu einem Teil meines Lebens machen, sondern die Frage ist: Will ich mit meinem Leben Teil der Mission Gottes sein? Will ich mit meinem ganzen Leben Teil der Mission Gottes sein; will ich mich einklinken, will ich mich mitreißen lassen von dieser Mission Gottes zu seinen Menschen? Das ist die nobelste und vornehmste Mission, die es für ein Leben gibt. Amen.