GreifBar plus am 01.02.2009
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Salz der Erde - Licht der Welt
- Ihr seid das Salz der Erde. Wenn nun das Salz nicht mehr salzt, womit soll man salzen? Es ist zu nichts mehr nütze, als dass man es wegschüttet und lässt es von den Leuten zertreten. Ihr seid das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein. Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter; so leuchtet es allen, die im Hause sind. So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.
Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen. Denn wahrlich, ich sage euch: Bis Himmel und Erde vergehen, wird nicht vergehen der kleinste Buchstabe noch ein Tüpfelchen vom Gesetz, bis es alles geschieht. Wer nun eines von diesen kleinsten Geboten auflöst und lehrt die Leute so, der wird der Kleinste heißen im Himmelreich; wer es aber tut und lehrt, der wird groß heißen im Himmelreich. Denn ich sage euch: Wenn eure Gerechtigkeit nicht besser ist als die der Schriftgelehrten und Pharisäer, so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen. (Matthäus 5,13-20)
Liebe Brüder und Schwestern,
wer am letzten Sonntag hier war, hat gute Voraussetzungen für die Predigt heute. Für alle anderen will ich nur noch ein paar Blitzlichter aufleuchten lassen. Wie schon die Seligpreisungen vom letzten Sonntag gehört der Text heute zur sogenannten Bergpredigt. Hier steht also Jesus auf dem Berg um ihn herum gesellen sich seine Jünger und dann kommt eine große Menschenmenge, die auch Jesus hören wollen. Sie hängen im regelrecht an den Lippen. Sie wollen ihn hören. Denn so sagen sie: Der hat was zu sagen! Das geht zu Herzen! Seine Worte müssen wir unbedingt hören. Und wie schon am letzten Sonntag geht es mit Aussagen und Zusagen weiter. Selig sind …, hieß es vor sieben Tagen. Und heute wird es noch direkter: Ihr seid das Salz der Erde. Ihr seid das Licht der Welt! Im Griechischen ist das ganz direkt und pointiert formuliert: Ihr seid! Jesus redet direkt und deutlich: Ihr, meine Jünger, seid das Salz der Erde! Ihr, meine Jünger, seid das Licht der Welt! Jesus redet hier mit Nachdruck!
Darum komme ich zu meiner ersten Feststellung:
1. Jesu Jünger haben keine Wahl – sie sind Salz. Ich sage es ganz konkret: Wir haben keine Wahl – wir sind Salz.
Ich habe lang mit mir gerungen, ob das nun ein Zuspruch oder ein Anspruch ist, was hier so indikativisch von Jesus festgehalten wird. Schnell wird mir klar, dass es keine analytische Feststellungen ist. Denn wenn ich mir so den Haufen der Jünger um Jesus herum anschaue, dann weiß ich nicht so recht. Die bieten nicht viel. Da würde man doch eher zu dem Ergebnis kommen müssen: Die bringen nichts zustande. Und die Erzählungen der Evangelien geben mir Recht: Die blicken es nicht, die haben falsche Wünsche und Vorstellungen, einer verrät ihn und ein anderer verleugnet ihn. Ihr seid No-Checker, wäre wohl hier die bessere Feststellung. Jesus hat also nicht auf seine Jünger geschaut, um dann nach einer Evaluation festzustellen: Nach meinen Untersuchungen seid ihr das Salz der Erde.
Und was ist, wenn uns Jesus evaluieren würde? Müssen wir da nicht schon selbst zugestehen, dass so ein Ergebnis wohl doch zu euphorisch wäre. Für eine wirksame Durchsalzung der Erde sind wir einfach zu wenige und manchmal auch ohne Mut oder auch unbeholfen.
Gewiss fällt es schwer, aber irgendwie müssen wir Friedrich Nietzsche Recht geben: „Die Christen überreden die Ausgestoßenen und Schlechtweggekommenen aller Art; sie versprechen ihnen die Seligkeit … sie fanatisieren die armen kleinen törichten Köpfe zu einem unsinnigen Dünkel, als ob sie der Sinn und das Salz der Erde wären.“ Oh gewiss, wir können sehr viel dagegen sagen, aber ganz entkräften können wir seine bissige Kritik nicht.
Jesus stellt also nicht einfach fest, als ob seine Jünger das alles schon bringen. Bleibt uns der Zuspruch. Und nach dem tollen Zuspruch der Seligpreisungen würde ich ja gern diesen Zuspruch auch hier gelten lassen. Jesus spricht hier zu! Das kann ich mir schon eher vorstellen! Ihr seid das Salz der Erde, Ihr seid das Licht der Welt, weil Jesus Euch das zusagt! Das gilt, das muss nicht erst erreicht werden! Das dürfen wir festhalten: Jesus hat es uns zugesagt: Ihr seid es! Und doch unterscheidet sich dieser Zuspruch vom Zuspruch der Seligpreisungen. Dieser Zuspruch enthält einen deutlich Anspruch.
David ist für die U16, U18 und U20 Spiele seiner Basketballmannschaft ein wichtiger Spieler. Er hört: Du bist ein guter Basketballspieler! Das mag mit Blick auf seine Leistung eine richtige Feststellung sein. Doch es verbindet sich damit auch eine Erwartung, eine Hoffnung: Er soll auch zukünftig so gut spielen oder gar noch besser werden.
Zweifelsohne sagt uns Jesus zu: Ihr seid es! Doch er verbindet damit auch konkrete Hoffnungen und Erwartungen! Das wird auch gleich in seinen folgenden Aussagen deutlich: Was ist mit Salz, das dumm wird, also seine Kraft verliert?
Die Frage lautet daher: Wie geben wir uns als Salz der Erde?
Bleiben wir daher beim Bild vom Salz. Ganze Städte wurden durch den Salzhandel reich, weil das „weiße Gold“ in der Antike und bis ins Mittelalter hinein höher geschätzt wurde als das wertvolle Edelmetall. Salz gab dem Essen nicht nur seine Würze, es war zur Haltbarmachung von Wasser und Fleisch unentbehrlich. In der Medizin ist Salz bis auf den heutigen Tag ein unverzichtbares Mittel. Lungenkranke kommen auch noch heute in Salzstöcke – auch Allergiker. So manches Märchen nimmt das Thema auf: Salz oder Gold? Und das Ergebnis geht stets zugunsten des Salzes aus.
Die 0,9 Prozent Salz in unserem Körper sind lebensnotwendig. Ohne Salz wären die Zellen nicht lebensfähig, die Organe würden nicht funktionieren und der Wasserhaushalt geriete aus dem Lot.
Was Salz so kostbar macht
Naturbelassenes Salz enthält zahlreiche Mineralstoffe und Spurenelemente, die unser Körper zum Leben braucht, darunter:
• Magnesium – für Muskelentspannung, Nervenfunktion, Knochenbildung und Energiestoffwechsel
• Calcium – für starke Knochen
• Kalium – für Nervenfunktionen und Muskeltätigkeit
• Natrium – zur Regulierung des Wasserhaushaltes und für Nervenfunktionen
• Phosphor – Energieträger für den Zellstoffwechsel
• Jod – zur Gesunderhaltung der Schilddrüse sowie zur Herstellung verschiedener Hormone
• Eisen – für Blutbildung, Sauerstofftransport und Sauerstoffspeicherung
• Zink – für Stoffwechsel, Immunsystem und ein gesundes Hautbild
Auch im Alten Testament kommt dem Salz eine besondere Bedeutun zu: So gehört Salz zu jeder Opfergabe (Lev 2,13 LUT) und reinigt das Wasser (2 Kön 2,20 LUT). Und in der jüdischen Tradition wurde das Gesetz und die Gesetzeslehrer als Salz bezeichnet.
Man kann also durchaus von einem Ehrentitel sprechen, den Jesus hier vergibt: Ihr sei das Salz der Erde!
Doch wie verhält sich nun der Genitiv Erde zum Nominativ Salz? Geht es um eine Herkunft oder eine Bestimmung? Aus dem Zusammenhang bleibt uns eigentlich nur eine Möglichkeit: Der Genitiv bezeichnet eine Bestimmung: Als Salz der Erde sind wir auf die Erde verwiesen!
2. Wir sind das Salz der Erde. Und als Salz sind wir in einer besonderen Beziehung zur Welt um uns herum.
Gerade eben habe ich noch von einem Ehrentitel gesprochen. Wer als Salz bezeichnet wird, kann nur kostbar sein. Ihr seid das Salz der Erde, heißt daher: Ihr seid wertvoll, ihr seid kostbar. Und doch beinhaltet das Wort Jesu vom Salz der Erde ein doppeltes Ärgernis. Es ist zunächst ärgerlich für Christen. Denn es besagt zunächst, dass wir nicht für uns bleiben sollen und können. Jesus gibt den Christen eine klare Bestimmung, stellt sie in eine konkrete Beziehung. Ihr Christen seid auf die Welt, auf die Menschen um Euch herum, bezogen. Das ist eure Bestimmung. Wie das Salz Nahrungsmittel konserviert, Wasser reinigt, so seid ihr Christen für die Welt da. Und dumm seid Ihr Christen da, wo ihr meint, aus der Welt zu fliehen, euch abzukapseln, wo eure Kirchen zu Befriedigungsanstalten frommer Bedürfnisse werden. Dummheit macht sich breit, wo Christus euer Christus ist, aber Christus nicht der Christus der anderen werden darf. Das ist ärgerlich, denn das Salz soll die Sicherheit des Salzstreuers verlassen und dem Streuer alle Ehre machen.
Das Salzwort von Jesus ist aber auch für die Menschen um uns herum und für die Welt ärgerlich, denn es sagt auch: Ihr braucht die Christen! Ihr seid zweifelsohne tolle und gute Menschen, ihr seid kreativ und intelligent, ihr seid besonders, aber auf Dauer seid ihr auf die Christen angewiesen. Um deren Willen werdet ihr erhalten. Oder sagen wir es konkreter: Die Welt wird erhalten, weil die Christen ihr den Christus bringt. Das ist besonders ärgerlich in einer Zeit, wo niemand auf den anderen angewiesen sein will. Wo jeder selbst seines Glückes Schmied ist, wo Abhängigkeiten unter Generalverdacht stehen. Auf einen einfachen Nenner gebracht, lautet das Ärgernis: Ihr braucht um eurer selbst willen Christus.
3. Salz ist nutzlos, wenn es dumm, also salzlos wird. Als Salz sind wir nutzlos, wenn wir nicht in eine Beziehung zur Welt treten.
Nun wird jeder Chemiker widersprechen. Salz kann gar nicht seine Kraft verlieren. Salz bleibt stets Salz. Es gibt kein salzloses Salz. Das wäre Unsinn. Genau, sagt Jesus, es ist vollkommener Unsinn für Euch Christen, wenn ihr euch abschottet, für euch bleibt, der Welt nicht mehr das bringt, was sie so dringend braucht. Ihr seid nicht dafür da, für euch zu bleiben. Wie Salz nur seine Wirkkraft in Verbindung Nahrungsmitteln entfalten kann, so könnt ihr Christen nur dort Eure Dynamik entfalten, wo Ihr bei den Menschen seid.
Hier will ich einen kurzen Exkurs in die Missionstheologie wagen. Andrew Walls ist einer der bedeutendsten Missionsgeschichtler unserer Zeit und seine interessante These lautet: Wo das Christentum mit Nicht-Christen in einer missionarischen Beziehung steht, ist es am dynamischsten und stärksten. Doch dort, wo es sich etabliert, wo es den Kontakt zu anderen verliert, schwächelt es und kann sogar untergehen. Er hat nette Beispiele aus der Geschichte der Kirche, die das schön aufzeigen. Wer ein paar Beispiele aus der Geschichte hören will, kann mich ja nachher ansprechen. Wo die Salzkörner den Salzstreuer verlassen, entfalten sie ihre Wirkung. Wo sie es nicht tun, bleiben sie dumm und nutzlos.
4. Chemisch kann Salz seine Kraft gar nicht verlieren. Dies kann dennoch geschehen, wenn Salz durch andere Substanzen verschmutzt wird.
Bei allem gibt es eine Gefahr: Salz kann auch dann nutzlos werden, wenn es zu sehr mit anderen Substanzen verschmutzt wird. Dann verliert es seine Würz- und Konservierungskraft. Es gibt anscheinend für Christen nur zwei Alternativen: Entweder bleiben sie im Salzstreuer, bleiben damit Salz, und doch bleiben sie salzlos. Oder sie verbinden sich so sehr mit der Welt, dass sie salzlos werden. In beiden Fällen verlieren sie ihre Kraft. Oder es gibt noch eine dritte Alternative: Die Gemeinde Jesu Christi klebt an seinen Lippen, hört auf sein Wort, und wendet sich doch ganz den Menschen zu. Doch was heißt es, dass Christen sich den Menschen zuwenden?
5. Wenn Salz Essen zugefügt wird, kommt der Geschmack des Essens besonders hervor. Salz hat keinen eigenen Geschmack, aber bringt den Geschmack anderer Nahrungsmittel deutlich zum Ausdruck. Die Gemeinde als Salz der Erde bringt der Welt ihre Bestimmung zurück, indem sie ihr Jesus bringt.
Damit es sich einprägt, holt Jesus erneut aus: „Ihr seid das Licht der Welt!“ Wiederum geht es um Zuwendung, Richtungsweisung. Das Licht ist für die Welt da. Es hat keinen Wert in sich selbst. Das Licht erhellt die Finsternis.
Jesus nimmt das Bild von der Öllampe auf. Normalerweise steht die Öllampe im Haus an einer weit sichtbaren Stelle. Man stellt die Öllampe nicht in einen Scheffel, eine Art Maßeimer. Denn so bringt die Öllampe nichts, sie erhellt den Raum nicht mehr. Wer stellt schon ein Licht an einen Ort, wo es nur für sich scheint.
Einige Ausleger meinen, dass die Öllampe durchaus in den Maßeimer gestellt wurde. Meistens dann, wenn Gefahr bestand, dass sie vor lauter Windzug ausgehen konnte. Der Maßeimer diente dann als Schutz vor dem Wind. Wenn diese Ausleger Recht haben, dann sagt Jesus noch ein Weiteres: Setzt Euch dem Wind der Welt aus und sorgt euch nicht, dass euer glimmender Docht ausgehen könnte. Ihr seid das Licht der Welt, auch im Gegenwind der Zeit.
Die Worte Jesu sind missionarische Worte, die die Grundfesten seiner Gemeinde betreffen. Nur in ihrem Bezug zur Welt kann also Gemeinde Gemeinde Jesu sein, können wir uns als Christen auch Christen nennen. Der Zuspruch hat einen deutlichen Anspruch! Ich bleibe dabei: Es ist und bleibt ein Ärgernis! Und wo sich die Gemeinde auf die Grenzerfahrung einlässt, wird sie dies als Stärke erleben, und wo sie bei sich selbst bleibt, werden Rost und Motten ihren Schatz zerfressen. Sie wird untergehen. Kein Wunder gilt, dass nur wer sich selbst gibt, bleibt, und wer meint, sich selbst erhalten zu müssen, vergeht. Das sind auch Worte von Jesus, nur an anderer Stelle.
Amen.
