GreifBar plus am 05.04.2009
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Vom Hausbauen
- Darum, wer diese meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute. Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, fiel es doch nicht ein; denn es war auf Fels gegründet. Und wer diese meine Rede hört und tut sie nicht, der gleicht einem törichten Mann, der sein Haus auf Sand baute. Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, da fiel es ein, und sein Fall war groß. Und es begab sich, als Jesus diese Rede vollendet hatte, dass sich das Volk entsetzte über seine Lehre; denn er lehrte sie mit Vollmacht und nicht wie ihre Schriftgelehrten. (Mt7,24-28)
Liebe GreifBar-Gemeinde,
heute geht es um Mut. Ein kleiner Junge fürchtet sich, weil draußen ein heftiges Gewitter tobt. Die Mutter will den Kleinen ins Bett bringen. Mit bebender Stimme fragt der Junge: „Mami, kannst Du nicht heute Nacht bei mir im Bett schlafen?“ Die Mutter lächelt und nimmt ihn in den Arm, um ihn zu beruhigen. „Kannst Du, Mami?“ „Nein, mein Liebling“, sagt die Mutter, „das geht nicht, ich muss doch neben Papa schlafen.“ Schweigen. Langes Schweigen. Dann sagt der Kleine mit zitternder Stimme: „So ein jämmerlicher Waschlappen!“
Mut ist also das Thema. Mut, das Richtige zu tun. Mut, das Richtige nicht nur zu wissen, sondern es tatsächlich zu tun. Und da scheint es ein Problem zu geben. Jesus redet darüber am Ende seiner langen Predigt, so als müsste er dafür sorgen, dass sich gerade jetzt kein Irrtum einschleicht. Es geht wirklich um ein Tun, nicht nur um ein Wissen, sagt er. Es geht wirklich darum, im Alltag umzusetzen, was Ihr wisst, nicht nur darum, davon überzeugt zu sein, dass das eigentlich gut wäre. Aber da liegt das Problem.
Hätte Jesus schon Sepp Herberger gekannt, hätte er vielleicht gesagt: Entscheidend ist auf’m Platz! Entscheidend ist auf’m Platz! Nicht das Training, nicht die Stunden an der Tafel, nicht die taktischen Absprachen in der Mannschaftsbesprechung – auf’m Platz, das allein zählt am Ende, da fallen Tore, da werden Spiele entschieden, gewonnen oder verloren. Unsere Jungs wussten sicher, wie sie gegen Wales hätten spielen sollen, steile Pässe in die Spitze, forechecking von der ersten Minute an, den einsamen Mittelstürmer in Position bringen. Aber sie haben es nicht getan. Wissen ohne Tun führt zu grausamen Fußballspielen. Wissen ohne Tun ist „müsstisch“ – wir müssten, sagen wir dann dauernd, wir müssten es eigentlich besser hinkriegen. 8
Hier geht es nur um Fußballspielen, bei Jesus geht es um das ganze Leben, um wirkliche Nachfolge und echte Jüngerschaft oder eben um müsstische Nachfolge und verweigerte Jüngerschaft.
Darum erzählt Jesus eine ganz einfache Geschichte. Wie so oft ist es eine Geschichte von zwei Menschen, die sich sehr unterschiedlich entscheiden. Hier sind es zwei Bauherren, die ein Haus errichten. Und Jesus erzählt dieses Geschichte ganz einfach und genial – eben genial einfach: 8
Es sind nur nämlich nur minimale Unterschiede zwischen den beiden Hauptdarstellern: zwei hören, der eine hört und tut, der andere hört und tut nicht. Der eine gleicht einem Bauherrn und der andere gleicht einem Bauherrn. Der eine ist freilich klug, der andere ist dumm. Und dann geht es völlig wortgleich weiter. Bei dem einen kommt der Platzregen und die Wasser und die Winde, und sie stoßen an das Haus.Und bei dem anderen kommt der Platzregen und die Wasser und Winde, und sie stoßen an das Haus. Aber jetzt trennen sich die beiden Geschichten, denn bei dem Klugen, der sein Haus auf Fels baute, geschieht nichts weiter, aber bei dem, der sein Haus auf Sand baute, geht alles den Bach runter. Ja, so sagt Jesus, der Fall war groß. Der eine, der auf Fels baute, das ist der, der hört, was Jesus sagt, und es in die Tat umsetzt. Der andere, der zwar dasselbe hört, aber nichts davon tut, ist ein Mensch, der sein Leben in den Sand setzt.
Jesus erzählt meisterlich, und es gibt ein paar Entdeckungen zu machen:
· Erste Entdeckung: Ein Haus bauen wir alle. Wir sind alle Häuslebauer. Wir bauen an unserem Leben. Wir bauen an unserer Gemeinde. Wir bauen an unseren Beziehungen. Wir bauen an unserer Seele. Offenbar kommt es im Bauen auf die Entscheidungen an, die wir treffen. Die Entscheidungen betreffen den Baugrund: Sand oder Fels, das ist hier die Frage. Immer wieder. Tagtäglich. In jeder Lebenslage neu. Jesu Wort hören und tun oder aber sein Wort hören und nicht tun.
· Zweite Entdeckung: Dem Sturm müssen beide ins Auge schauen. Das ist Spannend: Die Lebensumstände sind identisch. Stürme durchleben beide. Der kluge Mann, der auf Fels baut, lebt also kein frommes Sonderleben, in dem es nur Sonnenschein und Glück gibt. Jesu Wort zu hören und ihm zu folgen entzieht den Menschen nicht den allgemeinen Wetterbedingungen des Lebens. Die Lebensumstände des einen Häuslebauers gleichen denen des anderen wie ein Ei dem anderen. Wer also fromm wird, um ein einfacheres Leben zu leben, wird schon hier enttäuscht. Es gibt Stürme: Krankheit kehrt wieder zurück, Beziehungen bleiben schwierig, Arbeitssituationen überfordern, die Vergangenheit drückt sich schmerzend in unser Fleisch, ein Mensch enttäuscht uns. Stürme eben.
· Aber das sind auch schon die Gemeinsamkeiten: Beide bauen ein Haus. Beide treffen Entscheidungen. Beide werden nass. Aber dritte Entdeckung: das Fundament ist verschieden, und das wird im Sturm deutlich. Dann kommt es auf etwas an, das sonst ganz unsichtbar und unscheinbar da liegt: das Fundament. Ich meine: Niemand zeigt einem Gast das schöne Eigenheim und beginnt mit einer detaillierten Beschreibung des Fundamentes. Kein Gast lobt das Haus überschwänglich: „Sie haben aber wirklich ein tolles Fundament!“ Nein, man bemerkt es nicht, bis der Sturm kommt. Ohne Bild: Jede Entscheidung, die wir treffen, geht in die Konstruktion unseres Lebens ein. Hören und tun – oder eben hören und nicht tun. Wahrhaftig reden oder eben nicht! Die eheliche Treue bewahren – oder eben nicht! Auch den Feind mit Respekt behandeln und für ihn beten – oder eben nicht! Mich und meine Gaben treu in die Gemeinde einbringen – oder eben nicht! Alle Bedürftigkeit Gott im Gebet anvertrauen – oder eben nicht! Auf das Schätzesammeln verzichten – oder eben nicht! Jede dieser Entscheidungen folgt der Logik: hören und tun – oder eben nicht! Und jede dieser Entscheidungen baut am Fundament unseres Lebens.
· Letzte Entdeckung: Der Sturm, an den Jesus hier denkt, ist wohl die letzte große Prüfung, wenn unser Leben mit allen seinen Entscheidungen von Gott geprüft, erwogen und beurteilt wird. Eines Tages wird Gott unser Leben genau prüfen. Freilich, so vor 100 Jahren der Greifswalder Bibelforscher Adolf Schlatter, kann uns schon vorher, im Lauf des Lebens, mancher Sturz zeigen, dass es nichts nützt, Jesu Wort bloß zu wissen.
· Dann aber, so Jesus selbst, wird es nicht Fromme und ein bisschen weniger Fromme geben, sondern nur Kluge und Dumme. Kein dritter Weg! So oder so! Solche Klugheit oder Dummheit wird sich wiederum nicht daran messen lassen, wieviele Diplome ich erworben und ob ich eine Doktorurkunde erhalten habe. Auf Jesus hören, ihm vertrauen und anfangen, das Gehörte zu tun, das ist wichtig. Klugheit oder Dummheit entscheidet sich daran, ob ich auf Jesus gehört und ihm gehorcht habe oder eben nicht.
Und das alles erzählt Jesus, weil wir offenbar nicht ein Problem mit dem Wissen haben, wohl aber ein Problem mit dem Mut zu tun, was wir wissen. Manche wissen nicht, was sie tun, manche Christenmenschen aber tun nicht, was sie wissen. Und Jesus ist der Meinung: das ist ein Problem!
Noch drei Schritte müssen wir jetzt mit der Bergpredigt gehen, denn dieses kleine Gleichnis am Ende versteht sich ja fast von selbst, aber ich muss Euch noch drei Einsichten mitgeben:8
1. Worum geht es bei dem, was wir hören und tun? Antwort: naja, um die Bergpredigt! O.k., aber worum geht es in der Bergpredigt? Nun, um eine lange Liste mit ziemlich schwierigen Regeln. Um einen Katalog anspruchsvoller moralischer Anweisungen. Oder etwa nicht? Nein, darum geht es eben nicht. Das hätte auch die Leute nicht so erregt und schockiert. Lange Reden, wie man sich anständig verhält, kannten sie auch von ihren Predigern.
Was war das Neue? Blättern wir zurück: Matthäus 4,17! Da heißt es, dass Jesus anfing zu predigen. Und was sagt er? „Tut Buße, kehrt um, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen.“ Ein paar Verse weiter (4,23): Jesus zieht umher und predigt. Was predigt er? Das Evangelium vom Reich Gottes. Und dann die Bergpredigt. Wem gratuliert er? Wer ist aus Gottes Sicht ein glücklicher Mensch? Antwort: Selig ihr geistlich Armen! Warum? Weil Armut gut ist? Nein! Selig, ihr geistlich Armen, weil euch das Himmelreich gehört. Immer wieder: Gottes Reich. Es steht jetzt offen, den Armen, den Traurigen, den Entrechteten, den Hungernden. Was aber ist das? Ist das der ferne Ort über’m Sternenzelt, wo wir – vielleicht! - hinkommen, wenn wir tot sind? Nicht nur, meint Jesus. Das Reich Gottes ist die Einflusssphäre seines Willens, ist überall, wo geschieht, was er will, was er sich in seiner grenzenlosen Liebe zu uns ausgedacht hat. Jetzt – und dann auch über unseren Tod hinaus.
Ein Reich ist die Sphäre, in der jemand regiert. Das ist bei uns nicht anders. Ich steige in mein Auto: keine Krümel, keine Fettspuren von Big Mäcs, keine alten Zeitungen, mein Lieblingssender d-radio voreingestellt – warum? Es ist mein Reich. Ich komme in mein Büro, zu meinem Schreibtisch – die Bleistifte wie Elitesoldaten in Reih und Glied, kein Blatt Papier zuviel – warum: Es ist mein Reich. Ich komme in ein Haus, es riecht nach Steaks, ein trockener Rotwein steht bereit, es spielt leise Musik von Eric Clapton, frische Blumen stehen auf dem Tisch. Warum? Ich bin ins falsche Haus gelaufen! Mein Reich, das ist, wo zählt, was ich sage. Und wie läuft es so in unseren Reichen? Unter dem Strich nicht so gut. Nicht wirklich! Wir bräuchten jemanden, der das in Ordnung bringt. Zuviel Schmerz, zuviel zerstörte Beziehungen, zuviel Abhängigkeiten, zuviel Gier, zuviel Sorge, zuviel Hass, zuviel Schweigen in unseren Reichen.
Jesus sagt: Gottes Reich ist nah. Es steht euch offen. Es ist nur ein Gebet von Euch entfernt: Dein Reich komme. Dein Wille geschehe. Was im Himmel gilt, soll hier auch gelten. Du kannst dabei sein. Es kann beginnen, klein, bescheiden, aber echt. Gottes Reich – da, wo wieder zählt, was er sich für uns ausgedacht hat, damit es klappt, damit es gut geht. Du kannst mit Gottes Hilfe anfangen, ein anderes Leben zu leben, ein Leben unter Gottes königlicher Führung. Ein Leben im Kraftfeld seiner Liebe. Damit alles neu wird. Das kann bei Dir beginnen.
Und die Bergpredigt? Ein Gesetzbuch? Ein Regelwerk? Ein Paragraphendschungel? Nein, ein Bilderbuch, eine Beispielsammlung. So kann es sein: Du kannst anders reagieren, wenn Dir jemand wehtut. Du kannst anders mit deinen Bedürfnissen umgehen. Du musst kein Knecht des Geldes mehr sein. Fang einfach an: Dein Reich komme, dein Wille geschehe, auch bei mir, in meinen schwierigen Verhältnissen, in meiner Not, in meiner Schwäche. Aber bitte: hab Mut und tu, was Dir deutlich wird. Lass dir aus den Gedanken ins Leben hineinhelfen. Bleib nicht „müsstisch“. Gottes Reich ist Leben, nicht Theorie, Nachfolge ist eine Praxis, keine Weltanschauung.8
2. Zweite Anmerkung: Was fällt uns so schwer? Wo liegt das Problem? Jetzt geht es um den Abstand zwischen unserem Wissen und unserem Leben. Ich könnte auch sagen: zwischen unserem Glauben in der Theorie und dem, was unser Leben darüber erzählt, was wir tatsächlich glauben. Haben wir ein Problem, dass wir nicht hören können? Mangelt es an Gelegenheit? Nein! Sicher nicht. Oder sind wir so unwissend? Nein, auch das nicht. Wir haben uns ziemlich kundig gemacht, auch in der Bergpredigt. Und da gab es auch nicht so ganz große Überraschungen, oder?
Jesus sprach mit uns über unseren Ärger. Entzieh dich nicht dem anderen, sagt er, tu ihm Gutes und suche eine Brücke zu ihm? Sind wir davon nun völlig überrascht? Hätten wir etwas anderes von Jesus erwartet, dass er uns etwa Mut macht, so richtig zuzuschlagen? Nein, sicher nicht! Er lädt uns ein, unser Leben auf eine neue, heilsame Art zu führen. Auch wenn es schwer wird. Aber was passiert? Ich weiß es und tue es nicht. Wenn mir einer quer kommt, koche ich und manchmal koche ich über. Ich höre und ich weiß, aber ich tue nicht. Jesus findet das nicht banal. Bau nicht auf Sand, sei nicht dumm, bete: Lass doch bei mir anfangen, was bei Dir schon gilt, dein Reich komme, dein Wille geschehe. Jesus, mach uns doch bitte zu Tätern und nicht nur zu Hörern, lass uns nicht in der Theorie verharren, sondern anfangen zu tun, was so gut für uns und andere wäre!
Oder er sprach mit uns über unsere Sorge und unsere Gier. Hat uns das überrascht? Hätten wir gedacht, Jesus fände das toll, wenn wir uns Sorgen machen? Oder er hielte Gier für eine gesunde Strategie für unser Leben? Kaum! Ich weiß das, aber dann wache ich um 4 Uhr auf und sorge mich, um meine Kinder, um unsere Gemeinde, um den Kontostand, um die Drittmittel, um den Erfolg unserer Projekte. Oder ich sehe, was andere sich leisten können und laufe innerlich grün an vor Neid und Begehren. Und es dreht sich und dreht sich und dreht sich. Und Jesus findet das nicht banal. Ich höre und ich weiß, aber ich tue nicht. Ich habe kein Wissensproblem, aber ein Hören-Tun-Problem. Jesus sagt nicht: Sorge und Gier sind moralisch peinlich. Du musst Dir mehr Mühe geben. Er sagt: Das macht dich kaputt. Das hält den Stürmen nicht Stand. Das ist auf Sand gebaut. Es tut nicht gut. Trachte nach Gottes Reich. Sei in meiner Nähe. Da sterben Sorge und Gier. Da kriegen die Dinge ihren angemessenen Platz. Ein einfaches Leben, Geborgenheit bei Gott. Es gibt keine finanzielle Sicherheit, das lernen wir gerade. Aber er sorgt für uns, das ist Reich Gottes. Dein Reich komme, dein Wille geschehen: hilf mir doch, voller Vertrauen zu leben, zufrieden mit dem, was du gibst, zuversichtlich, dass es reicht, großzügig, wenn andere leiden.
Darum geht es, und Jesus sagt: Da entscheidet sich, wer mein Jünger ist, wer mir nachfolgt. Im Leben, nicht in der Theorie.8
3. Letzte Anmerkung: Worum geht es denn jetzt für uns? Offenbar darum: Hilf aus den Gedanken ins Leben hinein, ganz ohne Wanken dein eigen zu sein. Darum geht es. Oder um das Gelübde, das Mutter Theresa abgelegt hat, und von dem sie in ihren Tagebüchern erzählt: niemals, so versprach sie, niemals wolle sie zu Jesus „nein“ sagen, wenn Jesus sie zu etwas rufe und auffordere. Sondern: Dein Reich komme, dein Wille geschehe. Aber offenbar sind wir gefährdet, verführbar und nicht immer sonderlich klug. Kein kluger Mensch käme doch auf die Idee zu sagen: „Och, hier ist ein schöner sandiger Fleck. Ein richtiger Sturm würde jedes Haus an diesem Ort sofort wegfegen. Lasst uns hier bauen!“ Niemand käme auf diese Idee, oder? Warum hast Du dann bloß dein Lebenshaus auf Sand gebaut? Niemand fängt etwas mit der Absicht an, so furchtbar baden zu gehen und alles in den Sand zu setzen. Aber es passiert. Und es kann auch uns passieren. Bloß weil wir viel gehört haben und viel wissen, sind wir nicht gefeit. Keineswegs. Vielleicht fehlt uns gerade der Mut. Vielleicht haben wir es noch nie darauf angelegt, es einmal zu wagen, genau das zu tun, was Jesus uns gezeigt hat. Vielleicht haben wir uns verfranst. Vielleicht siegt das Misstrauen oder die Sorge. Vielleicht fürchten wir uns vor dem, was wohl die Leute sagen. Und dann: dann rechtfertigen wir uns dafür, warum es gerade jetzt nicht geht, warum wir nicht tun können, was Jesus uns sagt. Wir verschieben und ermäßigen, wir verdrängen und interpretieren, oder wir gehen einfach zum Abendessen und sind froh, dass der Gottesdienst vorüber ist und wir uns über anderes unterhalten können. In seinen Dienstanweisungen an einen Unterteufel lässt C.S. Lewis übrigens seinen Oberteufel genau dies als Strategie empfehlen: Wenn es ernst wird und ein Mensch in Gefahr gerät, wirklich jetzt Ernst zu machen mit irgendetwas, was ihm von Jesus deutlich wurde, dann sag ihm einfach: Komm, wir gehen jetzt erst einmal zum Essen. Danach sieht die Welt schon wieder ganz anders aus. Und das scheint zu funktionieren, vielleicht ja auch bei uns. Wir hören Predigten und gehen zum Essen.Wir lesen Bibel und gehen an unser Tagwerk. Wir sprechen im Hauskreis über das, was eigentlich gut wäre, aber es ändert sich nichts. Manchmal beruhigen wir uns sogar gegenseitig, dass das zwar schade, aber eben unvermeidlich sei, so schwierig, wie das Leben nun einmal ist.
An dieser Stelle erzählte ich übrigens zu Hause, ich wüsste noch nicht, wie ich diese Predigt heil zu Ende bringen würde, mit etwas Neid, wie Jesus seine Predigt zu Ende gebracht hat. Einer unserer Söhne meinte dann etwas ironisch: Du, am Ende gewinnt Jesus. Gar nicht so schlecht, dachte ich. Was müsste denn passieren, damit Jesus gewinnt und wir vielleicht mit ihm? Reich Gottes als win/win-Situation: Jesus gewinnt und wir mit ihm! Was soll denn passieren, damit wir nicht aus diesem Gottesdienst gehen und zwar gehört haben, aber wieder nicht tun, sondern verschieben, ermäßigen, uns rechtfertigen oder gar vergessen?
Worin bestünde die Gnade an diesem Sonntag? Oder, um zum Anfang zurückzukommen: wozu brauchen wir heute Mut? Vielleicht ginge es um so etwas wie Inventur und Bilanz: Wie war das in letzter Zeit mit mir? Habe ich gehört und habe ich umgesetzt, was ich als richtig erkannt habe? Vielleicht ist ja unser Angebot zur Beichte am Karfreitag eine Hilfe, an diesem Tag vor Jesus einzugestehen: Herr, da habe ich gehört und nicht getan. Da habe ich auf Sand gebaut. Und was passiert dann? Dann wird Jesus sagen: Wie gut, dass Du kommst. Komm, fang noch einmal von vorne an. Komm, hier ist der feste Grund, auf dem Du bauen kannst. Ich bin so froh, dass Du von diesem Sandgrundstück ablässt.
Und dann geht es darum, nicht große Programme zu machen für das ganze Leben und alle seine Bereiche. Ein Bau entsteht ja Stein um Stein. Jetzt geht es nur darum, den nächsten Stein einzufügen, das eine und dann das Nächste, das Jesus Dir und mir sagt. Hören und tun, den Stein auf Felsengrund legen und dann den nächsten. Und Jesus wird sagen: Ich bin so froh, dass Du das tust. Denn sieh mal, es kommt dir vielleicht streng vor, aber was nützte es Dir, wenn ich mild und weich wäre, Du aber Dein Haus auf Sand bautest und es dann einstürzte? Meine Strenge ist barmherzig, die Milde der Sünde ist gnadenlos. Bleib bei mir, das ist Gnade.
Das ist es, was ich heute zu sagen hatte; damit geht in diesen Abend und in die Osterwoche. Bitte zieht Bilanz, wie es war mit dem Hören und Tun. Bitte sprecht es aus vor Jesus und hört, wie er Euch aufs Neue an sich bindet. Und dann bitte tut den einen nächsten Schritt, den er Euch zeigt. Wollt Ihr das? Dann ruft Gottes Volk – Amen.
