Greifbar

GreifBar plus am 17.05.2009

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                                             Nicht sorglos, aber gesichert


    Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr den Vater um etwas bitten werdet in meinem Namen, wird er's euch geben.24 Bisher habt ihr um nichts gebeten in meinem Namen. Bittet, so werdet ihr nehmen, dass eure Freude vollkommen sei. 25 Das habe ich euch in Bildern gesagt. Es kommt die Zeit, dass ich nicht mehr in Bildern mit euch reden werde, sondern euch frei heraus verkündigen von meinem Vater. 26 An jenem Tage werdet ihr bitten in meinem Namen. Und ich sage euch nicht, dass ich den Vater für euch bitten will; 27 denn er selbst, der Vater, hat euch lieb, weil ihr mich liebt und glaubt, dass ich von Gott ausgegangen bin. 28 Ich bin vom Vater ausgegangen und in die Welt gekommen; ich verlasse die Welt wieder und gehe zum Vater. 29 Sprechen zu ihm seine Jünger: Siehe, nun redest du frei heraus und nicht mehr in Bildern. 30 Nun wissen wir, dass du alle Dinge weißt und bedarfst dessen nicht, dass dich jemand fragt. Darum glauben wir, dass du von Gott ausgegangen bist. 31 Jesus antwortete ihnen: Jetzt glaubt ihr? 32 Siehe, es kommt die Stunde und ist schon gekommen, dass ihr zerstreut werdet, ein jeder in das Seine, und mich allein lasst. Aber ich bin nicht allein, denn der Vater ist bei mir. 33 Das habe ich mit euch geredet, damit ihr in mir Frieden habt. In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden. (Joh 16,23b-33)

 

 

Die meisten Menschen wissen ja, dass jemand nicht einfach aufhört zu existieren, wenn er aus dem eigenen Gesichtsfeld verschwindet. Auch wenn man ihn nicht sieht, ist er trotzdem noch da, das wissen die meisten Menschen. Es gibt allerdings ein paar Ausnahmen, und eine Ausnahme bildet eine Person, die seit einer Weile eine zentrale Rolle in meinem Leben spielt, nämlich meine Tochter Selma. die heute sechs Wochen alt wird. Selma ist in einem Alter, in dem sie zumindest nicht ganz sicher ist, ob Menschen, die aus dem unmittelbaren Gesichtsfeld verschwinden, wirklich noch existieren. Mit sechs Wochen weiß man das nicht so genau, das hat zur Folge, dass wir sie ziemlich viel miteinander herumtragen, und wenn wir sie hinlegen, dass ich dann zumindest weiter rede, damit sie merkt dass ich noch da bin. So habe ich ihr schon vieles erzählt, ich habe sie unter anderem aufgeklärt über die kulturellen Unterschiede zwischen Pommern und Rheinländern, ich komme aus dem Rheinland. Ich werde sie noch aufklären über die Vor- und Nachteile verschiedener Computer-Betriebssysteme. Und ich habe ihr hin und wieder gesagt, dass ein regelmäßiges Nickerchen von führenden Babys empfohlen wird. Manchmal schläft sie dann auch wirklich ein, wobei ich vermute, weniger aus Beruhigung als mehr aus Selbstschutz, damit ich aufhöre zu reden.

 

Mit uns Menschen in Bezug auf Gott ist das genauso. Die Kunst des Glaubens besteht darin, Gottes Wirklichkeit ernstzunehmen, auch dann wenn er nicht unmittelbar bemerkbar ist, wenn wir ihn nicht sehen, auch dann, wenn wir nicht unmittelbar etwas von ihm spüren. Glaube heißt, auch dann noch ernstzunehmen, dass Gott da ist, auch wenn wir nicht unmittelbar etwas von ihm spüren, wenn er unsichtbar ist.

 

Das ist auch das Thema der sogenannten Abschiedsreden von Jesus im Johannesevangelium. Sie stehen in den Kapitel 13- 17 des Johannesevangeliums. Da stellt Jesus seine Jünger darauf ein, wie es sein wird, wenn er nicht mehr leiblich sichtbar unter ihnen ist. Er sagt: „Ich gehe in das Leiden, ich gehe auf Kreuz und Auferstehung zu und dann fahre ich auf zum Vater, ich werde noch da sein, ich werde real sein. Aber ich werde nicht mehr leiblich sichtbar unter euch sein. Ich bin bald nicht mehr sichtbar unter euch, ich bin aber immer noch da, das werdet ihr an verschiedenen Dingen merken, ihr werdet es merken am wirken des Heiligen Geistes,“ den beschreibt Jesus als den Tröster und „Ihr werdet es anderen Wirkungen Gottes erkennen, dass ich immer noch da bin.“ In diesen Zusammenhang gehört auch unser Predigttext heute, den wir gerade gehört haben aus Johannes 16:

 

3 Gedanken zu diesem Text

 

1. Nicht sichtbar aber aktiv

 

Ich lese noch einmal die ersten beiden Verse unseres Textes: Jesus sagt: „Wahrlich, wahrlich ich sage euch, wenn ihr den Vater um etwas bitten werdet in meinen Namen, wird er es euch geben. Bisher habt ihr um nichts gebeten in meinem Namen, bittet so werdet ihr nehmen, dass eure Freude vollkommen sei.“ Das heißt in unserem Zusammenhang, Jesus sagt: „Ihr werdet merken, dass ich noch aktiv bin, daran dass eure Gebete erhört werden. Daran werdet ihr merken, dass ich immer noch da bin, auch wenn ihr mich nicht seht.“ Nun ist das mit der Gebetserhörung nicht so leicht, ich nehme da so eine bestimmte Grundstimmung wahr, zu mindestens in der deutschen christlichen Szene, nämlich beim Thema Gebetserhörung gewissermaßen eine vornehme Zurückhaltung an den Tag zu legen. Die meisten sagen dann: ‚Ja, ja, Gebete werden erhört, aber benennen wir das mal lieber nicht zu konkret, denn dann sonst könnten wir ja enttäuscht werden.’ Solche vornehme Zurückhaltung habe ich hin und wieder erlebt, während meines Studiums habe ich einige Semester in der schönen Stadt Heidelberg studiert, dort war ich Mitarbeiter einer missionarischen Studentengruppe, Studentenmission, gibt es auch hier in Greifswald. Und wir haben dort mit dieser Studentenmissionsgruppe unter anderem eine missionarische Grillparty geplant auf den Neckarwiesen. Auf den Wiesen an dem schönen Fluss Neckar mitten im Sommer, der Heidelberger Sommer ist berühmt dafür, wie sonnig und wie warm und wie verlässlich regenfrei er ist. Diesen Termin hatten wir also festgelegt, wir wollten unter dem Mondenschein eine missionarische Grillparty veranstalten, zu der wir all unsere Freunde einladen. Wir haben den Termin festgelegt, Einladungszettel gedruckt usw. Und es begann zu regnen, wie aus Eimern. Wochenlang regnete es. Am Dienstag vor dem Samstag, an dem diese missionarische Party stattfinden sollte, hatten wir ein Mitarbeitertreffen und es regnete wie aus Eimern, es schüttete auf das Dach des Gebäudes, in dem wir uns befanden. Wir waren ja alle Studenten, und als Student ist man ja ein bisschen seriös, versucht es jedenfalls zu sein, und wir haben gesagt: ‚Naja, wir könnten uns nach einem Ausweichraum für unsere Party umsehen, aber wir können ja auch dafür beten, dass es gar keinen Regen gibt.’ – ‚Ok.’ Ich erinnere mich noch bis heute an dieses Gebet, an die Gebetsgemeinschaft, die wir damals hatten, da haben einige Leute sehr diplomatisch gebetet. Ungefähr so: „Gott, wir danken dir für den Regen, dass du die Erde befeuchtest. Auch die Landwirtschaft freut sich... Aber am Samstag hätten wir gerne gutes Wetter.“ Als Antwort hörten wir Donnern und Blitze um uns.

 

Am nächsten Tag, am Mittwoch, regnete es. Am Donnerstag regnete es. Am Freitag regnete es. Am Samstag regnete es immer noch, bis gegen Mittag, dann hörte der Regen auf, die Sonne kam heraus, der Wasserdampf stieg in Wolken aus den Neckarwiesen hoch, und abends war es trocken und schön. Wir feierten eine wunderbare missionarische Grillparty unter dem Sternenhimmel. Am nächsten Tag setzte der Regen wieder ein.

 

Warum nicht Gebetserhörungen ernstnehmen? Wir haben da eine so vornehme Zurückhaltung. Manchmal ist die allerdings auch sehr verständlich, dann nämlich, wenn es um wesentlich weniger harmlose Anliegen geht, als ob es regnet oder nicht. Wenn es um Krankheit geht, um Schicksalsschläge, um schwere Nöte, dann kann ich verstehen, wenn man es bisschen vorsichtig ist, zuviel Zuversicht in Gebete zu stecken, weil man nicht enttäuscht werden möchte. Und trotzdem, sagt Jesus mehrfach im Neuen Testament, geradezu un - verschämt, sagt er: „Bittet, so werdet ihr empfangen, bittet so wird euch gegeben.“ Er sagt es auch in unserem Predigttext. Er sagt: „Bittet so werdet ihr nehmen, dass eure Freude vollkommen sei.“ Das Interessante an dieser Aufforderung, finde ich, ist der zweiten Teil der Aufforderung: Bittet so werdet ihr nehmen – und dann kommen keine Zusatzklauseln, da kommt nicht: Bittet so werdet ihr nehmen, falls ihr ordentlich gebetet habt, falls ihr die richtige religiöse Temperatur in euch erzeugt habt, als ihr gebetet habt; falls ihr regelmäßig Stille Zeit im zweistelligen Minutenbereich macht, falls ihr ordentlich und aktiv an den richtigen Stellen mitarbeitet, dann eventuell lasse ich mit mir reden.’ Nein, ‚bittet so werdet ihr nehmen, dass eure Freude vollkommen sei’. Das heißt, unsere Verantwortung im Umgang mit Situationen, in denen  Gebete allem Augenschein nach nicht erhört werden, und solche Situationen gibt es, unsere Verantwortung im Umgang mit solchen Situationen ist nicht, herumzurätseln und zu überlegen: ‚Warum hat das jetzt nicht geklappt, vielleicht war ich nicht fromm genug oder habe ich die falschen Worte verwendet?’ Unsere Verantwortung ist, Gott auf seine Versprechen anzusprechen, Gott auf seine Verheißungen anzusprechen, und zu Gott zu sagen: ‚Gott, du hast es gesagt, ich hab mir das nicht selber überlegt, ich hab mir das nicht aus den Fingern gesogen. Du, Gott, hast es gesagt, in deinem Wort: Bittet so wird euch gegeben, daran erinnere ich dich.’ Unsere Verantwortung ist nicht, herum zu spekulieren, warum es manchmal allem Augenschein nach nicht funktioniert, sondern unsere Verantwortung ist es, Gott an seine Verheißungen, an seine Versprechen zu erinnern.

 

Gottes Verheißungen sind Gottes Zuständigkeit, nicht unsere. Beten wir doch mal so, bei GreifBar, für die Menschen unter uns, die krank sind, für die Belange, die uns beschäftigen, für die vielen, vielen tausenden von Menschen in Greifswald, die von Jesus noch nichts wissen und die wir erreichen wollen. Beten wir doch mal so, rennen wir Gott die Türen ein und erinnern ihn an seine eigenen Versprechen. Ihr werdet merken, dass ich aktiv bin, sagt Jesus, daran, dass eure Gebete erhört werden und damit werdet ihr auch merken, wohin ich, Jesus, gehöre. Deswegen: 

 

2. Nicht unumstritten, aber entscheidend

 

Ich lese Vers 25. Jesus sagt: „Das habe ich euch in Bildern gesagt, es kommt die Zeit, dass ich nicht mehr in Bildern mit euch reden werde, sondern euch frei heraus verkündigen von meinem Vater.“ Und Vers 28 „Ich bin vom Vater ausgegangen und in die Welt gekommen, ich verlasse die Welt wieder und gehe zum Vater.“ Machen wir uns mal klar, die Jünger, zu denen Jesus das alles sagt, für die war das alles neu. Die konnten im Johannesevangelium nicht weiter blättern zum letzten Kapitel und nachlesen, was alles passiert, für die ist das alles zum ersten Mal. Und sie haben Jesus kennen gelernt. Sie haben erlebt, was er tut, sie haben gehört, was er sagt, sie haben mitbekommen, wie er mit Menschen umgeht, und sie haben so eine Ahnung: Das ist es. Er ist der, den wir suchen, er ist der Heilige Gottes, sie versteigen sich manchmal zu großen Bekenntnissen, aber dann knicken sie auch schon wieder ein und man hat den Eindruck, sie haben überhaupt nichts begriffen. Da macht Jesus fünftausend Menschen satt, mit ein paar Broten, ein paar Fischen und kurz danach kommen sie in einen Sturm auf dem See und haben Angst, als ob Jesus noch nie irgendetwas Ungewöhnliches getan hätte. Oder Jesus stellt sie darauf ein: Mein Weg geht ins Leiden, aber ich werde nicht im Leiden bleiben, sondern ich werde nach drei Tagen auferstehen. Am Kreuz zieht einer nach dem anderen die Reißleine und verschwindet. Oder Jesus stellt seine Jünger darauf ein: Ich werde am Ende auferstehen, und dann werde ich zu Gott meinem Vater wieder auffahren. Und noch angesichts des auferstandenen Jesus heißt es: Einige aber zweifelten. Thomas fragt sich: Kann ich das wirklich glauben?

 

Vielleicht sind wir selber davon gar nicht so weit weg, wenn wir uns mit dem Glauben beschäftigen, das gilt vielleicht auch wenn wir noch nicht so lange uns mit dem Glauben beschäftigen. Wir haben den Eindruck: ‚Ja, Jesus ist wichtig, Glaube ist hilfreich. Aber ist das wirklich so entscheidend, wie die Christen immer behaupten, ist das nicht einfach nur eine schöne Idee? Was ist wenn das einfach nur ein schöner Gedanke ist, über den man so schön philosophieren kann, am Sonntagnachmittag. Wer sagt mir denn, dass das wirklich stimmt?’ Jesus sagt: „Ich bin vom Vater ausgegangen und in die Welt gekommen, ich verlasse die Welt wieder und gehe zum Vater.“ Mit anderen Worten: ‚Dahin gehöre ich, zu Gott dem Vater, das ist mein Ausgangspunkt, das ist mein Zielpunkt. In mir begegnet euch genau dieser Gott, der das erste und das letzte Wort über dieser Welt hat. Der diese Welt geschaffen hat und der sie verwandeln wird. Dieser Gott begegnet euch in mir, auf diesen Gott kommt alles an und deswegen kommt auch die Begegnung mit mir, Jesus, auch alles an.’ Und deswegen geht es beim Glauben an Jesus nicht nur um ein gutes Gefühl, wobei ich überhaupt nichts gegen gute Gefühle habe, aber es geht um wesentlich mehr. Es geht um die letzte Autorität über unserem Leben, es geht um den der das erste und das letzte Wort über unserem Leben hat. „Dahin,“ sagt Jesus, „zum Vater gehöre ich, und deswegen gehört auch ihr dorthin. Wenn ihr eine Beziehung mit mir habt, habt ihr eine Beziehung mit Gott selbst.“ Deswegen lasst euch nichts anderes einreden. Glaube ist nicht nur ein schönes Gefühl oder eine angenehme Idee, sondern wenn es Glaube an Jesus Christus ist, dann ist das Glaube an den, in dem uns Gott selbst begegnet. Lasst euch nicht anderes einreden von den Stimmungsschwankungen, die euch hin und wieder hin und her werfen. Wenn man schlecht geschlafen hat, kommt einem Gott schon sehr viel weniger real vor, aber das hat mit Gott nichts zu tun. Lasst euch nichts einreden von den Menschen um euch herum, die euch vielleicht milde belächeln und sagen: „Ja, schön, dass du das glauben kannst, aber man sollte es nicht übertreiben.“ Lasst euch es nicht einreden, dass irgendetwas wichtiger wäre als Gott, der uns in Jesus begegnet.

 

„Aha“, sagen die Jünger als Jesus so spricht, „endlich, Jesus, redest du mal Klartext, sonst redest du häufig in Bildern und Vergleichen. Jetzt redest du endlich mal deutliche Worte.“ 

 

3. Gedanke: Nicht sorglos, aber gesichert

 

Ich lese die Verse 29 und 30 unseres Textes. „Sprechen zu ihm seine Jünger, siehe nun redest du frei heraus und nicht mehr in Bildern. Nun wissen wir, dass du alle Dinge weißt und bedarfst dessen nicht, dass dich jemand fragt, darum glauben wir dass du von Gott ausgegangen bist.“ Jetzt könnte man meinen, jetzt haben sie es wirklich endlich begriffen. Lange genug haben sie darüber nachgedacht, jetzt haben sie endlich begriffen, dass Jesus von Gott kommt. Jetzt haben sie so ein Aha Erlebnis, ein Aha Erlebnis das manchmal Leute haben, die sich lange Zeit mit dem Glauben beschäftigen und dann macht es auf einmal klick, so wie bei dem Mann von dem ich mal gehört habe, der sagt: „Wenn ich früher in die Kirche gegangen bin, hatte ich immer den Eindruck, hier wird der zweite Teil eines Films gezeigt, von dem ich den ersten Teil nicht kenne und es wird ständig etwas vorausgesetzt, von dem ich keine Ahnung habe. Es wird immer gesagt, als Christ sollte man, als Christ müsste man, aber was das überhaupt heißt Christ zu sein, wie man Christ wird, das hat mir niemals jemand erklärt. Warum Jesus so wichtig ist, hat mir niemand erklärt.“ Und dann hat er irgendwann ein Aha Erlebnis, weil sich jemand mal dazu herab lässt ihm das zu erklären, worum es wirklich geht. So ein Aha Erlebnis haben die Jünger hier auch, jetzt glauben wir dir, sagen sie zu Jesus, aber Jesus weiß, das die Beziehung, die die Jünger zu ihm haben trotzdem nicht problemlos sein wird.

Vers 31 und Vers 32 Jesus antwortete ihnen, jetzt glaubt ihr? Siehe es kommt die Stunde und ist schon gekommen, dass ihr zerstreut werdet, ein jeder in das Seine und mich allein lasst, aber ich bin nicht allein, denn der Vater ist bei mir. Es kommt die Stunde sagt Jesus, in der ihr mich allein lasst und jetzt könnte man erwarten, dass darauf gleich ein Tadel folgt, nach dem Motto, wie könnt ihr mich allein lassen, ihr habt doch versprochen bei mir zu bleiben, ich bin doch auch für euch da, warum seid ihr denn nicht für mich da? Jetzt würde man erwarten, dass ein Tadel kommt, stattdessen kommt als nächstes eine der tröstlichsten und wichtigsten Sätze des Neuen Testaments: Jesus sagt: „Das habe ich mit euch geredet, damit ihr in mir Frieden habt. In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“ In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden, das ist einer der tröstlichsten und der wichtigsten Sätze des Neuen Testamentes und deswegen ist meine Bitte ganz praktisch, wenn ihr diesen Satz noch nicht auswendig könnt, lernt ihn auswendig. Engländer nennen das: learning bei heart- mit dem Herzen lernen. dann kann man das hervorholen, wenn das mal braucht. In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden. Dieser Satz ist so wichtig, dass ich ihn mir mit euch zusammen mal auf der Zunge zergehen lassen möchte und ich leihe mir dabei ein paar Gedanken von dem großen Theologen Karl Barth. In der Welt habt ihr Angst, sagt Jesus, das ist so, das ist auch nicht verboten, ihr dürft Angst haben, das ist normal, das gehört dazu, wenn ihr Angst  habt, willkommen im Club. In der Welt habt ihr Angst, ihr braucht nicht so tun, als ob das nicht so wäre und ihr braucht nicht, wenn euch Leute fragen: Wie geht's dir? Ihr braucht dann nicht immer zu sagen: Super! ihr könnt sagen, wie es euch wirklich geht, „In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden,“  ich, sagt Jesus, ich Jesus selbst, nicht irgendwer, nicht irgendein ferner Gott über den wir ein bisschen herum spekulieren, aber niemand weiß nichts genaues, irgendeine Kraft oder eine Wolke über die man nur rätseln kann, sondern dieser Jesus von dem wir die ganze Zeit reden, der Jesus der die Kinder segnet, der Jesus der den Aussätzigen heilt, der Jesus der Menschen gesund macht mit seinem Blick, der Menschen heil macht mit seinen Worten, dieser Jesus sagt: Ich habe die Welt überwunden, ich bin es. Ich habe die Welt überwunden, das heißt, das ist schon beschlossene Sache. Es ist aus Gottes Sicht ein abgeschlossener Vorgang, es ist nicht mehr offen wie das Ergebnis sein wird. Das wird so sein. „Ich habe die Welt überwunden“ oder in den Worten des großen Philosophen Giovanni Trapattoni: „Ich habe fertig!“. Das ist schon geschehen, das ist schon entschieden. Natürlich merken wir in dieser Welt immer noch die Auswirkungen der alten Welt. Wir merken wie, dass was uns von Gott wegziehen will, immer noch an uns zerrt, wir merken wie Ungerechtigkeit und Neid und Streit immer noch zugange sind natürlich, aber aus Gottes Sicht ist das Ergebnis jetzt schon klar, eines Tages wird er diese Welt verwandeln und nichts und niemand kann ihn davon abhalten. „Ich habe diese Welt überwunden.“ „Ich habe die Welt überwunden,“ das heißt, die Welt, alles das was uns wirklich tagein, tagaus beschäftigt, alles das was uns morgen früh, wenn der Wecker piept oder wenn wir aufwachen als allererstes an Sorgen begegnen wird, genau das hat Jesus im Blick. Es gibt nichts was für ihn zu banal, zu seltsam, zu komisch, zu schrecklich oder zu abwegig wäre, nichts was ihn überfordern würde. „Ich habe die Welt überwunden,“ inklusive all dessen was euch Montagmorgen um 7.30 Uhr beschäftigt. „Ich habe die Welt überwunden,“ überwinden, heißt das war anstrengend, das war nicht leicht, das war nicht mit einem Fingerschnipsen, das hat ihn gekostet, er hing am Kreuz, er hing am Kreuz um die ganze Kaputtheit, die Dunkelheit und die Finsternis der Welt auf sich drauf zu laden. Das hat er gemacht um uns Frieden zu geben, das hat er gemacht um uns ne Sicherheit zu geben, dass nichts und niemand uns von seiner Liebe entfernen kann. Das war anstrengend, aber es ist geschehen, deswegen sind wir als Christen nicht sorglos, wir sind nicht Leute die sagen: och kein Problem, Streit, Krankheit, Prüfungen, man reiche mir ein Problem ich bin voller Kraft. Das sind wir nicht, wir sind nicht sorglos, aber wir stehen auf dem sichersten Fundament das es gibt. Entscheidend ist nicht, was es wir sehen können, was wir denken können, oder was wir empfinden können, sondern entscheidend ist wer und was Jesus für uns ist. Entscheidend ist, dass er wirklich für uns da ist. Amen