GreifBar plus am 31.05.2009
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Wer kommt, wenn Jesus geht?
Liebe GreifBar-Plus-Gemeinde,
in der Schriftlesung haben wir vorhin die Geschichte des Pfingsfests gehört. Da ist einiges los! Der Heilige Geist ist am Wirken, das bleibt auch für Außenstehende nicht verborgen. Schwer zu verstehen, was da geschieht. Ist es dem Geist des Weins zuzuschreiben? Der kann ja auch allerhand Wundersames bewirken. Was Gottes Geist tut, ist nicht ohne Weiteres verständlich.
Für die Predigt ist uns heute ein Text vorgegeben, der sich zunächst gar nicht wie ein Pfingsttext anhört. Er beleuchtet das, was an Pfingsten geschehen ist und seitdem geschieht von einer ganz anderen Seite.
23 Jesus antwortete und sprach: Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen.
24 Wer aber mich nicht liebt, der hält meine Worte nicht. Und das Wort, das ihr hört, ist nicht mein Wort, sondern das des Vaters, der mich gesandt hat.
25 Das habe ich zu euch geredet, solange ich bei euch gewesen bin.
26 Aber der Tröster, der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.
27 Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht (Johannes 14,23-27).
Liebe GreifBar-Plus-Gemeinde,
ihr werdet es bemerkt haben: Die Brücke zu Pfingsten stellen die Worte über den Heiligen Geist dar. Und doch ist dieser Text viel nüchterner als der Bericht vom ersten Pfingstfest, man könnte fast sagen: norddeutscher. Der Pfingstbericht aus der Apostelgeschichte mit dem Brausen des Heiligen Geistes und besonderen Phänomenen scheint eher etwas für die Pfingstkirchen zu sein, die sich ja auch nach dem Pfingstereignis ihren Namen geben. Hier hätten wir dann eher einen Pfingsttext für evangelisch-lutherische Kirchen. Letztlich kommt es aber darauf an, beides nicht gegeneinander auszuspielen, sondern zusammenzuhalten.
Hier werden uns also ganz andere Wirkungen des Heiligen Geistes genannt. Sie sind weniger spektakulär, aber nicht weniger wichtig und genauso Wunder Gottes. Wir tun gut daran, Wunder nicht nur am Außergewöhnlichen festzumachen. Wir haben hier den Kern dessen, was das Wirken des Heiligen Geistes dauerhaft ausmacht.
Jesus steht vor seiner Rückkehr zu seinem Vater. Da stellt sich für die Jünger die Frage: Wie geht es danach weiter? Was oder wer kommt, wenn Jesus geht?
Verabschiedet er sich dann aus der Geschichte? Will sagen: Das Ganze war eine schöne Zeit, aber wenn Jesus weg ist, ist sie unwiederbringlich vorüber? Dann wäre Trauerarbeit angesagt.
Eine andere Möglichkeit wäre, dass Jesus zwar äußerlich geht, dass aber seine Ideen und Ideale weiterleben. Der Gedanke der Gottes- und Nächstenliebe, die schönen Gleichnisse und die Bergpredigt. Das scheint bis heute nicht ganz ohne Erfolg zu sein, denn viele unserer Zeitgenossen halten Jesus nach wie vor für ein großes Vorbild, der bleibend gültige Werte und Ideale verkörpert.
Oder geht das Ganze innerlich weiter? Wenn Jesu Reich ein Reich der Innerlichkeit wäre, dann wäre – wie auch im vorigen Fall – die ganze Kirche ein einziger großer Irrtum. Dann käme es nicht auf Gottesdienste und Kirchen an, sondern auf Mystik, Meditation und Innerlichkeit.
Was bleibt, wenn Jesus geht? Er bereitet seine Jünger auf die Situation nach seinem Weggang vor. Er verspricht ihnen: Ich lasse von mir hören. Ich lasse euch nicht allein zurück. Ihr werdet nicht als Waisen euer Dasein fristen müssen. Ich komme zu euch!
Die Bibelworte sind aus den sog. „Abschiedsreden“ Jesu. Abschiedsreden haben in der Antike eine feste Funktion. Wir finden sie mehrfach im Alten Testament. Da geht es nicht nur um ein bisschen Lebewohl, sondern um mehr. Ein alter König oder Feldherr dankt ab, blickt auf sein Lebenswerk zurück, sagt nochmals, was ihm wichtig ist, blickt nach vorne auf die anstehenden Aufgaben und übergibt das Amt an seinen Nachfolger.
Ähnlich ist das hier bei Jesus. Sein Abschied steht bevor – und es stellt sich die Frage, wer das von ihm begonnene Werk weiterführt. Die Jünger, die ihn drei Jahre lang begleitet haben – will er ihnen das allein zumuten? Sind sie dazu überhaupt in der Lage? Wer kann die Stelle von Jesus einnehmen?
Jesus denkt in der Tat an einen Nachfolger – aber nicht an Petrus oder einen der Jünger, sondern an seinen Geist, den er senden wird und der sein Werk weiterführen wird.
Damit beginnt etwas Neues. Eine neue Epoche in der Geschichte Gottes, in der Heilsgeschichte. Aber nicht eine Zeit ohne Jesus, sondern eine neue Zeit mit ihm. Sie ist anders als vorher, als er sichtbar bei seinen Jüngern war. Aber er ist auf andere Weise gegenwärtig.
„Ich komme zu euch!“ Mein Vater wird euch in meinem Namen den Heiligen Geist senden. Er wird bei euch sein, er wird das Werk weiterführen, das ich begonnen habe.
Der Heilige Geist wird in manchen Übersetzungen „Tröster“ genannt. Das ist eine mögliche, aber nicht die einzig mögliche Übersetzung. „Paraklet“ steht hier und an drei anderen Stellen imJohannes-Evangelium im Griechischen. Das bedeutet mehr: Fürsprecher, Beistand, Anwalt, Advokat. Es ist ein Fachausdruck aus der Gerichtssprache. Es bedeutet: Einer, der vor Gericht für mich spricht, meine Sache vertritt.
Un das erinnert an ein anderes Wort von Jesus. Es geht auch um eine Rede vor den Jüngern, in der er in die Zukunft blickt. Er malt sie keineswegs rosig. Er sagt seinen Jüngern: Ihr müsst damit rechnen, dass man euch vor Machthaber, vor Könige und vor Gerichte führen wird, weil ihr euch zu mir bekennt. Wenn das so kommt, dann sorgt euch nicht, wie oder womit ihr euch verantworten oder was ihr sagen sollt; denn der heilige Geist wird euch in dieser Stunde lehren, was ihr sagen sollt (Lk 12,11-12). Das ist der Heilige Geist als Beistand, als Fürsprecher. Er wird denen, die sich zu Jesus bekennen, zu rechten Zeit das rechte Wort geben. Auch und gerade dann, wenn sie in Bedrängnis kommen, wenn sie von den Mächtigen dieser Welt zur Rede gestellt werden, wenn sie angeklagt werden, weil sie sich zu Jesus bekennen. Dann ist Jesus durch seinen Geist bei ihnen. Er gibt ihnen Kraft, Durchhaltevermögen – Geistesgegenwart eben.
Der Heilige Geist als Beistand, Fürsprecher, Anwalt. Er tritt für mich ein. Auch vor Gott, Wenn mir im Gebet die richtigen Worte fehlen, wenn ich nicht weiß, wie ich mein Anliegen vor Gott formulieren soll. Er weiß es und er vertritt mich vor Gott – manchmal auch ohne Worte. Mit „unaussprechlichem Seufzen“, wie es Paulus einmal formuliert. Für Gott genügt das. Er versteht mich auch ohne kluge Worte und durchdachte Argumente.
Der Heilige Geist als Beistand: Er steht mir bei in Situationen, in den ich Orientierung brauche, in denen wir nicht weiter weiß, in denen ich keinen Durchblick habe.
Der Heilige Geist als Beistand – das kann durchaus auch „Tröster“ bedeuten: Der, der mich tröstet, wenn ich in Trauer und Verzweiflung bin, wenn ich nicht mehr aus und ein weiß. Also: Tröster ist nicht falsch, aber es geht nicht nur um ein paar Trostpflästerchen für die Wehwehchen des Lebens. Das erwarten ja viele von der Kirche und vom Pfarrer: Dass sie trösten. Sie bedanken sich für die tröstlichen Worte nach einer Beerdigung.
Trost ist weit mehr. Wenn ich einmal vor Gott stehe und mich für mein Leben verantworten muss, dann habe ich einen kräftigen Trost und Beistand. Der wird schlicht sagen: Dieser Johannes Zimmermann hat auch zu Jesus gehört. Das genügt. Für mich und für jeden und jede von uns.
Man kann „Paraklet“ mit „Tröster“ übersetzen. Das Wort dahiner hat aber auch noch eine andere Bedeutung. Es kann auch „Ermahnung“ bedeuten. Es gibt Christen, die brauchen eher Ermahnung als Trost. Auch das macht der Heilige Geist. Er will uns davor bewahren, dass wir selbstsicher werden. Er weckt uns auf: Passt auf, dass euer Christsein nicht einschläft! Passt auf, dass ihr euch nicht von Jesus entfernt!
Der Heilige Geist ist als Beistand ein Lebensbegleiter. So wie Jesus mit seinen Jüngern war und sein Leben mit ihnen teilte, so ist der Heilige Geist da. An jedem Tag, in jeder Stunde, hier in diesem Gottesdienst.
Einiges mehr von dem, was der Heilige Geist in uns wirkt, wird in den wenigen Versen hier genannt. Es ist längst nicht alles, was über den Heiligen Geist zu sagen ist, aber es sind zentrale und wichtige Aufgaben, die hier genannt werden. Genug jedenfalls für eine Predigt am Pfingstfest. In drei Punkten und gehe ich dem Predigttext entlang.
1. Wohnung nehmen
Jesus sagt: Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen.
Da ist auf den ersten Blick gar nicht vom Heiligen Geist die Rede. Was wir hier haben, ist eine deutliche Aufforderung, Gott zu lieben und sein Wort zu halten. Das klingt ganz anders als die Worte vom Beistand und vom Tröster. Da tut nicht der Heilige Geist etwas für mich, sondern da soll ich zuerst etwas tun und dann wird Gott darauf reagieren.
Keine Frage, zum Christsein gehört es, dass ich Jesus liebe. Daher frage ich tiefer: Wie kommt es überhaupt, dass ich Jesus liebe? Das passiert ja nicht von selbst. Das steht auch nicht am Anfang. Am Anfang steht, dass Jesus mich lieb hat. Mich, so wie ich bin, mit allen meinen Fehlern und Schwächen. Er gibt sein Leben für mich ohne jede Vorleistung. Und irgendwann fällt bei mir der Groschen. Ich lasse mir diese Liebe gefallen und beginne, auch Jesus lieb zu haben. Und wenn es so bei mir funkt, dass ist es der Heilige Geist, der das bewirkt. Er ist es, der die Liebe zu Jesus in mir weckt.
Wenn ich Jesus lieb habe, dann will ich seine Liebe erwiedern und so leben, dass er sich darüber freut. Nicht als religiöser Hochleistungssport, sondern aus Dankbarkeit für alles, was er für mich getan hat. Manchmal muss mir das deutlich gesagt werden, damit ich es nicht vergesse: Denk daran, du hast Jesus lieb! Lebe nun auch so, wie er es haben will!
Denen, die so in enger Verbindung mit Jesus leben, wird nun zugesagt: wir – gemeint sind Jesus und Gott - werden kommen und Wohnung nehmen. Jesus kommt zu mir und will bei mir Wohnung nehmen. Hier redet Jesus vom Heiligen Geist. Der Heilige Geist, das ist Gott in mir, der mir nicht von außen gegenübertritt, sondern in mir bleibt und Wohnung nimmt. Er ist in mir da, weckt in mir die Liebe zu Jesus, verändert mein Leben von innen her. Wo ich an meine Grenzen stoße, befähigt er mich, Jesus zu lieben und seine Worte zu halten. Das ist dann nicht mehr die Forderung, die mir von außen entgegenkommt. Es ist die verändernde Kraft des Heiligen Geistes. Er ist in mir und macht mich trotz meiner Schwachheit zu einem Menschen, der nach Gottes Willen leben kann – und der das gerne tut. Letztlich ist es ein Kreislauf: Gott kommt zu denen, die ihn lieben und sein Wort halten – und gerade das bewirkt er in ihnen. Woran merke ich, dass der Heilige Geist in mir ist? Daran, dass ich an Jesus Glaube, ihn liebe habe, mit ihm leben will.
Das war das erste: Der Heilige Geist – Gott in mir, er nimmt in mir Wohnung, er ist bei mir.
2. Lehren und erinnern
Aber der Tröster, der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe (26). Das ist eine Schlüsselaufgabe des Heiligen Geistes.
Ich sage das bewusst so. Um ein Haus zu öffnen, braucht man einen Schlüssel. Mit einem Schlüssel kann ich die Tür öffnen, eintreten und die Räume ansehen und bewohnen. So ist es auch mit dem Wort Gottes, mit der Bibel. Das steht da wie ein schönes, altes, beeindruckendes Gebäude. Es ist von außen ganz interessant anzusehen. Es hat allerhand aus vergangener Zeit zu erzählen. Aber wie kann ich hineingehen, es von innen ansehen, es bewohnen? Ich brauche einen Schlüssel, einen Zugang. Für viele Menschen ist die Bibel wie ein verschlossenes Haus. Sie stehen davon, sie hören die Worte und die Geschichten, sie sind manchmal befremdet und oft beeindruckt. Aber sie stehen draußen, was sie hören, ist weit weg von ihnen. Sie kommen nicht drin vor. Der Heilige Geist ist ein Türöffner zu Gottes Wort und Welt. Er nimmt mich hinein in Gottes Welt. Ich sehe die Geschichte von Jesus nicht nur von außen an, sondern ich komme drin vor. Ich bin mittendrin. Ich entdecke: So wie die Jünger damals, so bin auch ich: verzagt und furchtsam. Und vor allem: Die Worte Jesu gelten auch mir: In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden. Das spricht mich 2000 Jahre später noch an. Das Bibelhaus wird bewohnbar. Es hat Lebensräume für mich. Es ist der Heilige Geist, der das bewirkt und der mich gewiss macht. Der Heilige Geist als Schlüssel, als Türöffner.
„Lehren“ und „erinnern“ werden hier als Aufgaben des Heiligen Geistes genannt. Der Heilige Geist erinnert an das, was Jesus gesagt hat. Er will nichts Eigenes bringen, sondern auf Jesus verweisen. Er erinnert und vergegenwärtigt das, was Jesus gesagt hat. Er erschließt uns das Verständnis der Wort Jesu.
Das könnte man nun so verstehen, als ob dadurch die Theologen arbeitslos werden. Wenn uns der Heilige Geist die Worte Jesu erschließt und verstehen lehrt, wozu sollen sich dann noch die Theologen den Kopf darüber zerbrechen? Wir schließen die Theologische Fakultät, weil wir ja den Heiligen Geist haben?
Wer so denkt, verwechselt zwei Dinge, die beide wichtig sind. Um die Bibel zu verstehen, braucht es fleißige Theologen, die Sprachen lernen, Geschichte studieren und uns so mit hineinnehmen können in die Welt, in der Jesus lebte. Das ist nötig. Aber es ist der Blick von außen. Eines kann historische und sprachliche Arbeit nicht: Mir zeigen und mich gewiss machen, dass in diesen Worten Gott zu mir redet. Dass es nicht nur Worte der Vergangenheit sind, sondern dass sie mich in meinem Leben treffen. Und vor allem: Der Heilige Geist macht mich gewiss, dass Gott mein Gott sein und für mich da sein will. Gewissheit schenken kann nur der Heilige Geist.
Also: Wir brauchen beides: Theologen, die uns die Außenseite der Bibel erhellen, ein geschichtliches Verständnis. Und den Heiligen Geist, der uns innere Klarheit schenkt. Der mich gewiss macht: Das ist für mich geschrieben, es gilt mir!
Mit dem „lehren und erinnern“ ist daher weniger Schule und büffeln gemeint. „Erinnern“ hieß für die Juden damals keineswegs nur Rückblick auf vergangene Tage und ach wie war es damals doch so schön. Erinnern heißt vielmehr: vergegenwärtigen, Vergangenes in die Gegenwart holen. Verstehen lehren, was es für uns heute bedeutet.
Genau das ist die Aufgabe des Heiligen Geistes: Die Worte Jesu, die Bibelworte immer neu für die Gegenwart erschließen.
Das ist übrigens auch die Aufgabe einer Predigt. Die Bibelworte in die Gegenwart holen, dass sie zur Anrede für Menschen wie du und mich werden. Aber gerade deshalb bitten wir ja auch den Heiligen Geist, dass er im Gottesdienst und durch die Worte einer Predigt wirkt, Menschen gewiss macht: Was Jesus getan hat, gilt auch mir!
Noch etwas ist beim „Lehramt“ des Heiligen Geistes wichtig. Der Heilige Geist will auf Jesus verweisen. Das ist zugleich das Kriterium für das Wirken des Heiligen Geistes: Steht es in Übereinstimmung mit dem, was Jesus gesagt ha? Da verweisen manche auf den Zusammenhang von Geist und Begeisterung. Aber nicht alles, wovon Menschen begeistert sind, ist von Jesus.
Stellt euch vor, einer tritt bei uns auf und sagt: Wo Menschen auftreten und sagen: Der Heilige Geist hat mir gesagt, dass GreifBar nach Australien auswandern soll, da beansprucht jemand eine Autorität, die schwer angreifbar ist. Wer maßt sich schon an, über dem Heiligen Geist zu stehen und zu widersprechen? Es ist aber nicht nur einer, der den Heiligen Geist bekommen hat und für sich in Anspruch nehmen kann. Alle Christenmenschen haben den Heiligen Geist. Alle sind aufgerufen, zu prüfen. Am Bibelwort zu prüfen, ob es in Übereinstimmung damit steht. Das führt oft schon weiter.
Nun steht in der Bibel nichts von einer Auswanderung nach Australien. Hier gilt es zu prüfen mit Kopf und Verstand, mit der Bitte an den Heiligen Geist um Klarheit. Oft ist auch die Gabe der Geisterunterscheidung nötig: Ist es wirklich der Heilige Geist? Geht es um einen mutigen Glaubensschritt – oder will da nur einer Macht über uns ausüben und nimmt dafür den Heiligen Geist in Anspruch?
Eine weitere Frage: Wie bekommen wir den Heiligen Geist? Durch die Worte Jesu, die Worte der Bibel. Es ist wieder ein Kreislauf: Es sind die Worte Jesu, durch die Gott uns seinen Heiligen Geist gibt. Der Heilige Geist wiederum erinnert und lehrt uns die Worte Jesu, die Worte der Bibel. Eins gehört zum anderen. Ich komme in diesen Kreislauf, indem ich das Bibelwort höre – offen dafür, dass Gott dadurch zu mir ganz persönlich spricht. Ich komme in diesen Kreislauf, indem ich Gott bitte, dass er mir seinen guten Heiligen Geist gibt. Deshalb bitten wir Gott auch vor einem Gottesdienst und am Beginn des Gottesdienstes um seinen Geist. Und wenn dann Gott zu mir spricht, dann ist Pfingsten – Pfingsten für mich.
In einem alten Lied ist das so formuliert.
„Seinen Geist, den edlen Führer,
gibt er mir in seinem Wort,
dass er werde mein Regierer
durch die Welt zur Himmelspfort.
So viel zum „Lehramt“ des Heiligen Geistes. Er führt und zu Jesus und hält uns bei Jesus.
3. „Frieden lasse ich euch“
Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.
Wie der Heilige Geist, so ist auch der Frieden, den Jesus uns zurücklässt, eine Abschiedsgabe, ein Vermächtnis. Mehr noch: Auch der Friede, den Jesus gibt, ist ein Werk des Heiligen Geistes. Ich kann mir diesen Frieden nicht selbst machen oder geben. Er ist keine menschliche Möglichkeit.
Zunächst ist Friede, Schalom im Orient der übliche Gruß, auch der Abschiedsgruß. Wenn Jesus sagt „Meinen Frieden gebe ich euch“, dann will er damit aber mehr sagen als nur „tschüssi mach’s gut“. Es ist Gottes Friede, den er uns vermacht. Friede im umfassenden Sinn. Mehr als nur die Abwesenheit von Krieg und ein Schweigen der Waffen. Ein Friede, den die Welt nicht geben kann. Er kommt nur von Gott. Die Welt kann keine Gewissheit geben. Sie kann Gottes Wahrheit nicht begreifen, sie kann Gottes Frieden nicht geben. Gott Friede – das ist zuallererst Friede mit Gott. Ich bin gewiss: Durch Jesus ist alles, was mich von Gott trennen kann, weggeräumt. Er hat mir alles vergeben. Gott ist und bleibt mir gut. Ich bin gewiss, dass nichts und niemand mich von Gottes Liebe trennen kann.
Der Friede Gottes beginnt von innen, durch das Wirken des Heiligen Geistes. Er bleibt nicht innen, er zieht Kreise, breitet sich aus. Wo er einkehrt, ist jetzt schon etwas erfahrbar von der guten Herrschaft Gottes. An Pfingsten kommt Gottes Welt zu uns. Etwas Neues beginnt inmitten dieser alten Welt.
Der Friede Jesu trägt in allen Erschütterungen und Turbulenzen des Lebens. Da macht er ruhig, gelassen und gewiss. Es gibt vieles, was unser Leben aus der gewohnten Bahn werfen kann: Eine schwere Krankheit oder ein Unfall kommen unerwartet. Die Wirtsschaftskrise, der Verlust des Arbeitsplatzes oder die Insolvenz der Firma. Eine Beziehung scheitert. Mobbing am Arbeitsplatz oder in der Schule. Andere behandeln mich ungerecht und ich kann mich nicht wehren.
Und mitten in alledem Frieden. Ein ruhiges und gelassenes Herz. Friede. Kein unangefochtener und weltfremder Friede, sondern ein Friede mitten im Schmerz und im Leiden. Friede für verzagte und furchtsame Herzen.
Friede, der auch in den Stürmen des Lebens trägt. Ich kenne diesen Vers von Beerdigungen. Mit ihm beginnt das Bestattungswort. Nach diesem Friedenswort geht es weiter: „nachdem der allmächtige Gott Frieda Müller aus diesem Leben abgerufen hat …“.
Der Friede Gottes ist kein Kuschel-Friede. Es ist ein Friede, der in allen Erschütterungen durchträgt, auch in der letzten, schweren Erschütterung, im Tod. Da ist das Herz verzagt und furchtsam. Da helfen billige Vertröstungen und Kopf-hoch-Parolen nicht weiter. Da zeigt sich, ob dieser Friede Bestand hat. Und er hat Bestand, weil es Jesu Friede ist, der Friede des lebendigen, auferstandenen Jesus.
Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.
Amen.
Lied: EG 136,1-4 O komm, du Geist der Wahrheit
Pfr. Dr. Johannes Zimmermann, Greifswald
