GreifBar plus am 19.07.2009
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Warum die Mission zum Nächsten uns schwerer fällt als die zum Mond
- Es begab sich aber, als sich die Menge zu ihm drängte, um das Wort Gottes zu hören, da stand er am See Genezareth2 und sah zwei Boote am Ufer liegen; die Fischer aber waren ausgestiegen und wuschen ihre Netze. 3 Da stieg er in eines der Boote, das Simon gehörte, und bat ihn, ein wenig vom Land wegzufahren. Und er setzte sich und lehrte die Menge vom Boot aus. 4 Und als er aufgehört hatte zu reden, sprach er zu Simon: Fahre hinaus, wo es tief ist, und werft eure Netze zum Fang aus! 5 Und Simon antwortete und sprach: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein Wort will ich die Netze auswerfen. 6 Und als sie das taten, fingen sie eine große Menge Fische und ihre Netze begannen zu reißen. 7 Und sie winkten ihren Gefährten, die im andern Boot waren, sie sollten kommen und mit ihnen ziehen. Und sie kamen und füllten beide Boote voll, sodass sie fast sanken. 8 Als das Simon Petrus sah, fiel er Jesus zu Füßen und sprach: Herr, geh weg von mir! Ich bin ein sündiger Mensch. 9 Denn ein Schrecken hatte ihn erfasst und alle, die bei ihm waren, über diesen Fang, den sie miteinander getan hatten, 10 ebenso auch Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, Simons Gefährten. Und Jesus sprach zu Simon: Fürchte dich nicht! Von nun an wirst du Menschen fangen. 11 Und sie brachten die Boote ans Land und verließen alles und folgten ihm nach. (Lk5,1-11)
Was für eine Mission!
Eine Mission ist gerade wieder in aller Munde: 40 Jahre ist es morgen her, dass zum ersten Mal Menschen auf dem Mond landeten. Schon 1865 träumte aber Jules Verne vom Flug zum Mond. Seit den frühen 50er Jahren schrieb Wernher von Braun Artikel über diese Mission: Es ist möglich, wir können es schaffen. John F. Kennedy machte 1961 Ernst und gab den Startschuss: binnen eines Jahrzehntes sollte ein Mensch auf dem Mond landen. 25 Milliarden Dollar kostete der Spaß. Ungeheure Schwierigkeiten waren zu bewältigen. Die Astronauten Armstrong, Aldrin und Collins bereiteten sich Jahre lang vor. Und als Apollo 11 von der Erde abhob, wusste man nicht, ob sie heil zurückkehren würden. Es war der 21. Juli 1969, um 3:56 Uhr MEZ, als diese Mission ihr Ziel erreichte und Neil Armstrong sich mit den Worten verewigte, es sei „ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein großer Schritt für die Menschheit“.
Wir reden auch von einer Mission, eben haben wir gehört, wie Jesus die Jünger auf ihre Mission sendet. Nicht das All, aber alle Völker der Welt sind das Ziel. Nicht mit 25 Milliarden, aber mit seiner Gegenwart rüstet sie aus. Nicht der Mond, sondern nur die vielen einzelnen Menschen sind das Ziel, Menschen, die Jünger werden sollen. Nicht Mission „Mond“, sondern Mission „alle Völker auf Erden“. Dummerweise bestehen alle Völker auf Erden aus vielen einzelnen Menschen. Dummerweise ist es einfacher, der Mondmission und der Weltmission zuzustimmen als der Mission zu unserem Nachbarn, zu unserem Kollegen, zu unserer Sekretärin, zu unserem alten Freund. Das ist meine Frage heute: Wie kommt es, dass es uns offenbar schwerer fällt, zu unserem Nächsten zu reisen als zum Mond?
Vielleicht liegt es daran, dass uns die ganz elementaren Fragen dieser Mission nicht klar sind: Mission zum Nächsten – was, warum, wie? Vielleicht liegt es daran, dass wir bei GreifBar immer zuviel voraussetzen, wenn wir von unserer großen Vision sprechen: das große Volk von Jesus in Greifswald, und wenn wir von unserer Mission sprechen: eine Gemeinde, die kirchenfernen Menschen hilft, Anschluss an Jesus zu finden. Vielleicht setzen wir immer zuviel voraus, weil wir denken: Es ist doch klar, was wir tun, es ist doch selbstverständlich, warum wir es tun, und jeder weiß doch, wie wir es tun. Vielleicht ist die Mission zum Nächsten deshalb schwerer als die Mission zum Mond, weil wir es nicht wissen: was, warum und wie?
Überleitung
Ich hatte es am letzten Sonntag schon angekündigt: Es soll noch einmal um die Geschichte vom großen Fischfang des Petrus gehen. Heute geht es um den Fischfang des Petrus als Missionsgeschichte. Und diese Mission zeigt uns das „was“, das „warum“ und das „wie“.
Also zuerst: Was, warum und wie - die Mission, von der Jesus spricht
Wir schauen uns noch einmal an, wie es zum großen Fischfang kommt: Jesus lebt in jener Zeit in der Nähe von Kapernaum am See Genezareth. Und man kann es ganz einfach zusammenfassen, was er tut: Er ist der erste Missionar, ausgesandt aus der himmlischen Dreifaltigkeit von Vater, Sohn und Geist. Die Mission zum Mond jagte die Menschen nach oben, Gottes Richtungssinn ist genau umgekehrt: Er sendet den Sohn hinab ins irdische Gewimmel.
Und was tut er da? Er heilt kranke Menschen, zum Beispiel die Schwiegermutter des Fischers Simon. Er setzt sich mit Außenseitern an einen Tisch und macht so Außenseiter zu Insidern, z.B. Zollbeamte der verhassten römischen Besatzer. Er predigt ziemlich viel. Ach ja, und gelegentlich streitet er sich ein bisschen mit der religiösen Elite, wenn es darum geht, wie Gott sich die Dinge so vorstellt. Heilen, essen und trinken, predigen und ein bisschen streiten. Das ist es, was Jesus tut. Was treibt Jesus an, warum macht er das? Ganz einfach: Alle, alle sollen es hören, dass Gott auf der Suche nach seinen verlorenen Menschenkindern ist, und dass er sie heimlieben will. Da kann er sich nicht gemütlich in Kapernaum niederlassen, er muss weiter. Er hat eine Mission.
So kommt Jesus auch an den See und eine Menge Leute kommen: Vielleicht ist das heute die letzte Vorstellung, bevor er weiterzieht. Das will keiner verpassen. Massen wälzen sich zum Seeufer. Und jetzt kommt es: Wie macht Jesus das? Er lässt sich nicht in religiöse Gebäude einsperren. Wo er Menschen erreicht, da predigt er, und wo er predigt, dahin strömen die Menschen. Und je länger er predigt, desto mehr Menschen hören ihm zu. Warum ist es bei uns eigentlich umgekehrt? Und es ist ihm egal, ob das eine Synagoge, ein Berg, ein geräumiges Wohnhaus oder ein Seeufer ist. Wo er Menschen erreicht, da predigt er, und wo er predigt, dahin strömen die Menschen. Was? Seine Sendung zu allen! Warum? Weil keiner ohne Gott, also verloren leben muss! Wie? Wo immer er Menschen erreicht. Ob Kirche oder Theater oder Mensa – nicht der heilige Raum entscheidet, ob es ein Gottesdienst ist, sondern nur der Jesus, dem wir folgen, zusammen mit den Menschen, die wir lieben und suchen. So werden Seeufer und Theater zu heiligen Räumen. So einfach ist das, liebe Gemeinde.
Und dann sieht er die Boote. Du hast etwas, sagt Jesus zu Simon, und das kann ich gut brauchen für meine Mission. Du hast ein Boot, und Dein Boot kann meine Kanzel werden. Du hast etwas, ein bisschen Zeit, einen Garten, ein Auto, etwas Geld, das kann meine Kanzel werden. Du, mit Dir zusammen kann ich meine Mission noch besser ausüben. Du hast etwas, Dein Garten – ein Treffpunkt für Menschen. Dein Haus – ein gastfreundlicher Ort für Suchende. Deine Zeit – eine offene Tür für die, für die keiner Zeit hat. Dein Beruf – ein Kontakt zu Menschen, die mich noch nicht kennen. Deine Musik – ein Medium, das das Herz von Suchenden berührt. Deine Füße und Hände – Freudenboten, die Einladungen in Briefkästen stecken. Wie macht Jesus Mission? Er sucht Kanzeln.
Und dann kümmert er sich um Simon. Nun zählt nicht mehr die Masse der Menschen. Nun kümmert sich Jesus um einen einzelnen Mann. So ist das mit der Mission von Jesus: Da zählen Einzelne! Fahr raus, Simon, wirf die Netze aus. Herr, wir haben die ganze Nacht nichts gefangen, aber o.k., wenn Du es sagst, nein, weil Du es sagst, o.k., versuchen wir es. Und er fährt hinaus, und Jesus lüftet einmal kurz den himmlischen Vorhang. Einmal lässt er ahnen, über welche Kräfte er verfügt, nur einmal, ganz kurz, aber da drohen die Netze zu reißen. Den Simon haut es um. Und Simon erkennt: Ich bin ein Sünder. Missionare müssen wissen, dass sie Sünder sind, sonst geht alles schief, sonst werden sie hochmütig, arrogant und lieblos. Ein entscheidender Moment: Simon geht vor Jesus auf die Knie. Geh weg, sagt er, Du und ich, wir passen nicht zusammen. Er geht vor Jesus auf die Knie, das brauchen Missionare, damit sie nicht in Versuchung geraten, in die Versuchung, dass sie andere auf die Knie zwingen. Simon geht vor Jesus auf die Knie: Geh lieber, Jesus, mit einem wie mir hat es keinen Sinn. Es hat keinen Sinn: ich tauge nicht, siehst Du denn nicht, mit wem Du Dich da einlässt? Doch, das sieht Jesus. Er sieht tief hinab in Simons Herz. Er sieht, dass Simon oft den Mund zu voll nehmen wird. Er sieht, dass Simon ihn im Stich lassen wird. Er sieht, dass Simon Fehler machen wird, bis an sein Ende. Und er geht nicht. Das ist das Wie der Mission von Jesus: Er sucht sich Leute wie Simon. Er schaut ihnen ins Herz. Er ruft sie. Und wenn sie dann sagen: Geh lieber weg, das passt nicht, dann geht er nicht. Verstehst Du? Du kannst Jesus nicht wegschicken. Er bleibt einfach bei Dir. Er weiß ganz genau, was mit Dir los ist. Und er geht nicht. Er geht nicht. Niemals.
Stattdessen stellt er Simon eine Frage: Willst Du weiter die kleinen Fische fangen, oder willst Du die großen Fische fangen? Willst Du Deinen Enkeln erzählen, dass Du einmal ein paar kleine Fische mehr als sonst im Netz hattest? Oder willst Du, dass am Ende Deines Lebens mehr herauskam? Die großen Fische, Simon! Menschen! Menschen für Gott! Menschen, die heil werden. Menschen, die nicht länger Außenseiter sind. Menschen, die um Gottes Liebe wissen. Menschen, die zum Vater heimfinden. Große Fische, Simon – willst Du das? Ich brauche Dich, in meiner Mission, nicht rauf zum Mond, sondern runter in jeden Winkel dieser Erde, in jede Hütte und jeden Palast, jedes Büro und jedes Labor. Mit Dir komme ich wieder ein Stückchen weiter. Jetzt brauche ich nicht Dein Boot, jetzt brauche ich Dich. Komm, Petrus, nie mehr kleine Fische, sondern große Fische. Wie sieht die Mission von Jesus aus? Er sucht sich Leute wie Simon, um die Reichweite seiner Mission zu vergrößern.
Nun zurück zur Frage: Warum ist es für uns schwerer, zu unserem Nächsten zu reisen als zum Mond? Zwei Anläufe möchte ich gerne machen: Ich gucke noch einmal nach dem „Warum“ und nach dem „Wie“.
Das Warum unserer Mission
Wir könnten dieses Warum von uns aus betrachten. Dann geht es in etwa in die Richtung, die ich gerade andeutete: die großen Fische, nicht die kleinen. Anders gesagt: Was soll bei unserem Leben eigentlich herauskommen? Große oder kleine Fische? Ein Prediger soll einmal kleine rote Aufkleber im Gottesdienst verteilt haben, auf denen nur ein Wort stand: „vergänglich“. Und er sagte der Gemeinde: das klebt doch mal auf alles drauf, was vergänglich ist. Das schöne Haus – vergänglich. Die Doktorurkunde – vergänglich! Der neue Fernseher – vergänglich! Ich saß an dieser Stelle meiner Vorbereitung vor meiner Bücherwand und dachte: Schluck! Vergänglich! Jesus, könnten wir darüber noch einmal verhandeln? Vergänglich! Unsere schönen Reisen – vergänglich. Nichts davon werden wir mit den Himmel nehmen. Nichts. Oder es geht uns, wie dem Mann, der verzweifelt an der Himmelspforte bittet und bettelt und am Ende wirklich einen Goldbarren mit in den Himmel nehmen darf. Dort aber schütteln die Engel nur verwundert den Kopf und sagen: „Einen Pflasterstein hat er mitgebracht?“ Vergänglich, nicht von himmlischem Wert. Was können wir denn mitnehmen? Antwort: Menschen. Beziehungen. Beziehungen zu Menschen, die auch durch uns zum Leben fanden. Menschen, deren Leben sich erneuerte. Menschen, die wir hier taufen und die uns erzählen, wie Gott sie aus dem Sumpf zog. Menschen, die wir vielleicht mit Zittern und Zagen ansprachen und die wir umworben haben. Menschen können wir mitnehmen. Auf ihnen klebt kein rotes Etikett: Vergänglich! Auf ihnen klebt höchstens ein goldenes Etikett: Für eine ganze Ewigkeit bestimmt. Und sie sagen vielleicht: Ich bin hier, weil es da diesen offenen Garten im Sommer bei den Nachbarn gab. Ich bin hier, weil jemand einen Zettel mit einer Einladung in meinen Briefkasten warf. Ich bin hier, weil jemand da war, als ich ganz unten war. Ich bin hier, weil diese verrückten Christen einen Tontechniker suchten. Das sind große Fische. So könnten wir es von uns her betrachten.
Aber vielleicht haben wir ja Hemmungen. Vielleicht müsst Ihr auch schlucken und denken: Menschen fangen, Menschenfischer sein – das klingt furchtbar. Völker zu Jüngern machen – das klingt nach Überwältigung. Was ist denn das Schicksal des Fisches, der ins Netz geht? Er stirbt, und wenn es nicht schnell genug geht, hilft der Hammer nach, er wird geschuppt und gehäutet und entgrätet und gesalzen und gepfeffert und gebraten und verspeist. Menschenfischer? Sorry, aber das ist politisch nicht korrekt!
Ist das nicht genau die Art von Mission, vor der uns alle warnen? Die Mission, vor der gerade kirchenferne Menschen sich fürchten? Ist der Menschenfischer nicht der Nachbar vom Rattenfänger und der Rattenfänger der Nachbar vom Fundamentalisten und der wohnt neben dem Taliban und der neben der armen Socke, die immer mit dem Wachturm vor dem Kaufhaus steht? Ist das nicht alles höchst missverständlich – sorry, lieber Jesus, aber ist das vielleicht ein Bild, das ein bisschen unglücklich ist?
Es erinnert an den Elephanten, der einem Klavierspieler in einer rauchigen Bar zuhört und dem beim Zuhören die Tränen in die Augen treten. Hemmungslos fängt er an zu weinen, so dass der Pianist sich unterbricht und fragt: Was ist los? Erkennst Du das Lieder wieder? Hast Du es schon einmal gehört? Nein, schluchzt der Elephant. Ich erkenne die Klaviertasten wieder.
Ist das nicht Mission? Menschen fangen und dann benutzen, verbrauchen, in Listen eintragen, abkassieren, sich gut fühlen, weil die eigene Schar wieder größer wurde. Ja, wir müssen es zugeben: Auch das war zuweilen Mission.
Und zugleich müssen wir sagen: Nichts wäre weiter weg von dem, was Jesus wollte. Und unsere Mission zu unserem Nächsten ist nur dann auch gerechtfertigt, wenn wir an Jesus selbst Maß nehmen. Dabei helfen übrigens in diesem Fall ein paar Griechischkenntnisse. Jesus gebraucht hier ein ungewöhnliches Wort, wenn er davon spricht, dass wir Menschen fangen sollen. Die englische Übersetzung macht es sich leicht: catch, sagt sie, catch men. Im Griechischen aber steht ein Wort, das heißt soviel wie: fang lebendig, bewahre lebendig, belebe, belebe aufs Neue. Und Adolf Schlatter, ein Greifswalder Professor für Neues Testament vor 130 Jahren, sagte: Petrus „wird Jesus bei seiner Arbeit helfen, Menschen zu sammeln, denen dadurch, dass Jesus sie an sich bindet, die höchste Wohltat widerfährt“ Wenn Menschen das bei unserer Mission auch spüren und bezeugen, dann ist es o.k., sonst nicht.
Allerdings steckt im Fangen auch ein ernster Kern: Es geht nicht um nette Kontakte, es ist nicht unser Ziel, nur mit nicht-christlichen Freunden abzuhängen. Es ist nicht genug, dass sie am Ende eine Ahnung von Jesus haben. Jesus ist nicht am Ziel, wenn sie uns cool, einen Glaubenskurs anregend oder eine Meditation anrührend oder ein Theaterstück witzig fanden. Jesus ist am Ziel, wenn Menschen umkehren, die falsche Lebensrichtung aufgeben und zum Vater heimkehren. Darauf müssen wir alles überprüfen: Verfolgt das, was wir tun, dieses Ziel, oder nicht?
Darum zielt nun alles auf die zweite Frage, die Frage nach dem Wie:
Das Wie unserer Mission
Diese Frage ist entscheidend. Denn das ist die Frage, bei der wir so unsicher sind. Wie macht man das? Wie soll ich mich daran beteiligen? Könnt Ihr nicht einmal ein Seminar anbieten, wie das gehen soll, Leute auf der Straße für den Greifbar-Gottesdienst im Theater einzuladen. Wie geht das?
Ich möchte Euch eine kleine Reihe von Antworten anbieten:
Die erste: Es gibt persönliche Voraussetzungen: Echtheit, Nähe und Auskunftsfähigkeit. Echtheit – ich bin authentisch in meinem eigenen Glauben. Ich habe wie Petrus in meine Abgründe geschaut und staune, dass Jesus nicht weggegangen ist. Ich trage kein christliches Dauergrinsen mit mir herum. Ich stehe zu meiner Freude, aber auch zu meinen Zweifeln. Menschen spüren, ob wir echt sind. Nähe – ich bin aufrichtig am anderen interessiert und will ihn lieben, wie er ist. An ihm ist mir gelegen und nicht an meinem Missionserfolg. Menschen spüren, ob uns wir wirklich an ihnen gelegen ist. Und Auskunftsfähigkeit – ich weiß, was ich glaube. Ich habe mein Credo, meine Kernsätze, meine einfache Überzeugung und kann sie auch formulieren, ich kann meine Geschichte mit Jesus erzählen. Menschen sind an echten Geschichten interessiert. Echtheit, Nähe und Auskunftsfähigkeit. Wieder ein Thema für unsere Hauskreise: Wir könnten über Echtheit und Nähe nachdenken, und dann könnten wir uns gegenseitig erzählen, wie unsere „story“ des Glaubens aussieht.
Eine zweite Antwort: Alle Völker und die vollen Netze bestehen aus einzelnen Menschen. Wer ist es, den mir Jesus aufs Herz legt? Zu wem will er durch mich kommen? Gibt es die zwei, drei Menschen, für die ich treu bete? Gibt es den einen, zu dem ich echte, tiefe Freundschaft aufbaue? Wer ist das?
Eine dritte Antwort – und an der ist mir besonders gelegen: Finde Deinen Stil. Manche lieben es, wildfremde Menschen im Zug anzusprechen und ganz natürlich auf Glaubensthemen zu sprechen zu kommen – andere sterben schon innere Tode bei der bloßen Vorstellung. Ich muss nicht Missionar sein wie die anderen, sondern ich soll Missionar sein, wie ich es kann. Was ist mein Stil? Ich nenne ein paar Stile: Mancher ist ein dienender Missionar, der einfach Menschen so lange Gutes tut und still für sie betet, bis sie nachfragen. Mancher ist ein gastfreundlicher Missionar, der die Menschen, die er liebt, mit anderen Christen, die Jesus folgen, zusammen bringt und innerlich seufzt: Versaut es nicht, Kumpels. Mancher ist ein diskutierender Missionar, der gerne mit Nicht-Gläubigen nächtelang um die Wahrheit ringt. Mancher ist ein erzählender Missionar, der einfach seine Geschichte erzählt und davon berichtet, wie Jesus und seine Gemeinde dem Ganzen eine neue Richtung gaben. Mancher ist ein kochender Missionar, weil zuweilen auch der Glaube durch den Magen geht. Mancher ist ein heilender Missionar, der gezielt leidenden Menschen Gebet und Segen anbietet. Mancher ist ein einladender Missionar, der nicht viele Worte macht, aber geduldig zum Gottesdienst oder Grundkurs einlädt, bis einer dieser Einladung folgt. Und... und ... und...
Letzte Antwort: noch praktischer? Wie, wie, wie kann es denn gehen. Ein paar Vorschläge, manches davon gibt es schon. Das meiste ist für Menschen, die nicht die großen Redner und Prediger sind:
Du kannst für Menschen beten und es ihnen auch sagen und anbieten. Wir haben in unserem Institut herausgefunden, dass für viele Menschen der Anfang im Glauben damit zusammenhing, dass sie auf das Angebot von Fürbitte trafen.
Du kannst Handzettel in Briefkästen werfen. Wir dachten anfangs: O.k., lass sie machen. Es schadet nichts, bringt auch vermutlich nicht viel. Aber beim letzten Greifbar waren 8 Gäste, die zum ersten Mal da waren und durch den Handzettel im Briefkasten auf uns aufmerksam wurden.
Du kannst Deinen Garten öffnen und Nachbarn, Kollegen und Freunde einladen, vielleicht auch ein paar verträgliche Christen.
Du kannst ein gutes Buch verschenken und damit beim anderen ein Nachdenken in Gang bringen, vielleicht sogar Gespräche in Gang bringen. Du könntest einem halbwegs interessierten Freund z.B. das Buch „Die Hütte“ schenken.
Du kannst von Deiner Gemeinde erzählen, und dass Dir der Gottesdienst etwas bedeutet.
Du kannst still einem anderen dienen, der Hilfe braucht.
Du kannst für einen Menschen immer wieder in der Stille beten und ihn segnen und dann abwarten, was passiert.
Du kannst Dir ein Herz fassen und Deinen Autohändler, Deine Sekretärin, Deinen Chef, Deine Hausärztin, Deine Nachbarin, einen alten Freund oder den Kaffeeverkäufer beim Coffee to go zum nächsten Greifbar einladen.
Du kannst es einfach mal versuchen, bei der Einladeaktion: Entschuldigen Sie, haben Sie schon einmal von Greifbar gehört? Dürfen wir Sie zu Greifbar ins Theater Vorpommern einladen?
Du kannst eine schöne Karte mit einem Naturmotiv und einem Bibelwort verschenken – aber bitte halte den Kitschfaktor niedrig.
Du kannst Musik spielen, im Auto laufen lassen, verschenken, die christliche Inhalte vermittelt, z.B. „Amazing grace“ mit Neil Diamond.
Du kannst Dich für das interessieren, was der andere glaubt, und was ihm wichtig ist. Erzähl mir von Deinem Glauben, das ist oft einfacher, als mit meinem Glauben anzufangen.
Usw. usw.
Was? Die Liebe Gottes! Warum? Damit Menschen gefunden und gerettet werden? Wie? Auf unsere persönliche Weise, aber immer mit Liebe und Phantasie. Und wenn Ihr so mutig seid zuzustimmen, dann ruft Gottes Volk: AMEN.
