Greifbar

GreifBar plus am 30.08.2009

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                                                             Was für ein Gott


    Paulus, ein Apostel Christi Jesu durch den Willen Gottes, an die Heiligen in Ephesus,1 die Gläubigen in Christus Jesus: 2 Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus!
    3 Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns gesegnet hat mit allem geistlichen Segen im Himmel durch Christus. 4 Denn in ihm hat er uns erwählt, ehe der Welt Grund gelegt war, dass wir heilig und untadelig vor ihm sein sollten; in seiner Liebe 5 hat er uns dazu vorherbestimmt, seine Kinder zu sein durch Jesus Christus nach dem Wohlgefallen seines Willens, 6 zum Lob seiner herrlichen Gnade, mit der er uns begnadet hat in dem Geliebten. 7 In ihm haben wir die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Sünden, nach dem Reichtum seiner Gnade, 8 die er uns reichlich hat widerfahren lassen in aller Weisheit und Klugheit. 9 Denn Gott hat uns wissen lassen das Geheimnis seines Willens nach seinem Ratschluss, den er zuvor in Christus gefasst hatte, 10 um ihn auszuführen, wenn die Zeit erfüllt wäre, dass alles zusammengefasst würde in Christus, was im Himmel und auf Erden ist. 11 In ihm sind wir auch zu Erben eingesetzt worden, die wir dazu vorherbestimmt sind nach dem Vorsatz dessen, der alles wirkt nach dem Ratschluss seines Willens; 12 damit wir etwas seien zum Lob seiner Herrlichkeit, die wir zuvor auf Christus gehofft haben. 13 In ihm seid auch ihr, die ihr das Wort der Wahrheit gehört habt, nämlich das Evangelium von eurer Seligkeit - in ihm seid auch ihr, als ihr gläubig wurdet, versiegelt worden mit dem Heiligen Geist, der verheißen ist, 14 welcher ist das Unterpfand unsres Erbes, zu unsrer Erlösung, dass wir sein Eigentum würden zum Lob seiner Herrlichkeit. (Eph 1,1-14)

Es gibt kaum etwas Witzigeres, als Inhalte aus dem Zusammenhang gegriffen zu hören. Wenn man einen Satz hört und nicht weiß wo er hingehört, dann kann man auf die komischsten Ideen kommen. Ich habe mal von einem Mann gehört, der hat in einem Café vom Nebentisch den Satz gehört: „Abends kommt er in den Keller.“ Und er hat sich gefragt, wer jetzt genau mit diesem Satz gemeint ist. Das hat er leider aus dem Gespräch nicht mitbekommen. Ich selber habe vor einigen Wochen mal einen Satz gesehen, an einem öffentlichen Platz, an dem wir alle häufig sind, nämlich im Ikea-Kaufhaus in Rostock. Ich habe diesen Satz an einer Wand prangen sehen auf einem großen Plakat, und ich musste so lachen, dass ich mir sofort eine Notiz von diesem Satz machen musste. Weil ich dachte: Außerhalb seines Kontextes macht der Satz keinen Sinn. Der Satz lautete: „Wähle hier deine Beine aus“. Großes Plakat in der Ikea Küchenabteilung: „Wähle hier deine Beine aus“. Und an anderer Stelle stand: „Wähle hier deine Fronten aus“, das würde ich auch nicht wollen.

 

Aus diesem Grund haben wir eine Predigtreihe ins Auge gefasst, von GreifBar aus, wir wollen uns ein biblisches Buch im Ganzen anschauen. Nicht nur häppchenweise, sondern einmal in einem großen Zusammenhang ein ganzes Buch, Woche für Woche einen Abschnitt lang anschauen.

 

Nicht nur deswegen, weil man gut schlafen kann, wenn man biblische Bücher im Ganzen kennt. Ein Mitbewohner aus meiner Studienzeit, aus der WG, in der ich während meines Studiums gewohnt habe, hat mir mal erzählt: „Letzte Nacht konnte ich leider nur sehr schlecht schlafen. Ich bin mitten in der Nacht aufgewacht und habe im Alten Testament gelesen.“ Und wir fragten ihn: „Wieso hast du im Alten Testament gelesen?“ Er sagte: „Ja, also, ich habe geträumt: Ich bin im Himmel, und da treffe ich jemanden, den ich nicht kenne und frage ihn: ‚Wer bist denn du?’ Und derjenige sagt: ‚Ich bin Habakuk, und ich wollte dich fragen, wie dir mein Buch gefallen hat?’“ Das hat er wirklich erzählt – er hat also tatsächlich mitten in der Nacht Habakuk gelesen, schweißgebadet.

 

Das ist aber nicht der einzige Grund weswegen man biblische Bücher im Ganzen kennen sollte. Sondern auch und vor allem deswegen, weil man davon einen enormen inhaltlichen Gewinn hat. Der Epheserbrief nämlich ist das Gemeindeaufbaubuch schlechthin im Neuen Testament. Das ist das Buch, in dem ganz besonders von der Schönheit und von dem Geheimnis der Gemeinde Jesu Christi geschwärmt und erzählt wird. Das Gemeindeaufbaubuch schlechthin – wenn man sich den Epheserbrief genau anguckt, kriegt man ein Gespür dafür, wie Gott sich Gemeinde gedacht hat. Fangen wir also an:

 

„Paulus ein Apostel Christi Jesu durch den Willen Gottes an die Heiligen in Ephesus, die Gläubigen in Christus Jesus, Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus.“

 

Ob ihr es glaubt oder nicht, manche Theologen haben schon mit dem allerersten Wort dieses Satzes ein Problem, nämlich: Paulus. Eine große Gruppe von Forschern vor allem in Deutschland sagt: Nein, der Epheserbrief  stammt natürlich nicht von Paulus, sondern wahrscheinlich von einem Schüler von Paulus, der sich nur auf Paulus berufen hat. Das ist eine Diskussion, die wir hier nicht führen können, ich sage nur eins: Selbst wenn das stimmt, dass also nicht Paulus selbst, sondern ein Schüler von Paulus, der sich auf Paulus beruft, diesen Brief geschrieben hat – es gibt ein paar Argumente dafür und dagegen -, selbst dann ist dieser Brief immer noch Wort Gottes. Wort Gottes an uns, dass wir ernst zu nehmen haben und das uns gilt.

 

Klammer auf: Ich selbst gehöre in Deutschland zu einer Minderheit von Leuten, die sagt: Ich glaube der Epheserbrief ist doch von Paulus. Es gibt gute Gründe dafür. Wer sich dafür interessiert, kann mich nachher ansprechen, das wäre aber ein eigener Vortrag. Ich habe mal mit einem sehr guten Freund zusammen den Epheserbrief bei einem wöchentlichen Gebetstreffen durchgelesen, und wir haben immer gewitzelt: ‚Ich stelle mir vor, ich komme in den Himmel und treffe jemanden, den ich nicht kenne und frage ihn wer bist du denn und derjenige sagt: ‚Ich bin der Autor des Epheserbriefes’, und wir fragen ihn: ‚Und wer bist du?’ – ‚Naja Paulus, steht ja auch drin!’ ... Klammer zu. Wer sich dafür interessiert, kann mich nachher fragen, so oder so ist das Teil der Bibel Wort Gottes an uns.

 

Ich gehe also von Paulus aus. Er schreibt an die Gemeinde in Ephesus. Ephesus ist eine Stadt in Kleinasien, an der Westküste Kleinasiens, also heutzutage an der türkischen Westküste, ein bisschen nördlich oberhalb beliebter Ferienorte wie Antalya. Ephesus kann man heute noch besuchen, also habe ich das auch einmal gemacht, es ist heute eine geniale, grandiose Ruinenstadt, in der man sich gut vorstellen kann, wie es damals ablief. Als ich dort vor einigen Jahren zu Besuch war, setzte ich mich also in die Ruinen des Amphitheaters und las den Epheserbrief. Das kann ich nur empfehlen. Ein politisches und ein wirtschaftliches Zentrum war Ephesus, und ungefähr ab dem 2. Jahrhundert, spätestens ab dem 2.Jahrhundert nach Christus, war Ephesus und die Umgebung auch so etwas wie christliches Kernland. Hier waren die Städte, in denen starke Gemeinde aktiv waren, auf die man so geblickt hat, wenn man sich gefragt hat: Wie soll eigentlich Gemeinde aussehen.

 

Wenn das geschichtlich so geblieben wäre, dann wäre auch heute das christliche Kernland auf dem Gebiet der heutigen Türkei. Ich finde das einen reizvollen Gedanken. Dann würden wir nicht zu Willow Kongressen fahren, sondern zu Izmir-Kongressen. Und die Vorzeigepastoren, die wir zitieren würden, würden nicht Bill Hybels heißen, sondern vielleicht Üzgür Ögütmen, könnte sein. Ich finde das einen reizvollen Gedanken. Es zeigt, der christliche Glaube ist nicht westlich, er ist international – ursprünglich orientalisch und seitdem international.

 

Wenn man sich über die Anfänge in der Gemeinde in Ephesus informieren möchte, wird man in der Apostelgeschichte fündig: Apostelgeschichte 19, da wird berichtet, was Paulus als allererstes in Ephesus gemacht hat. Er hat hat dort einen regelmäßigen missionarischen Gesprächskreis abgehalten, für den er sich ein öffentliches Schulgebäude angemietet hat, nämlich die Schule des Tyrannus. Man weiß nicht, ob der wirklich so hieß oder ob das sein Spitzname war. Diese öffentliche Schule hat Paulus also angemietet, einen säkularen  Raum (das kennen wir ja). Dort also hat er eine Art missionarisches Sit-in veranstaltet. Drei Monate lang jeden Tag, wenn das keine Ausdauer in Glaubenskursarbeit ist.

 

Seine missionarische Arbeit war so erfolgreich, dass sie schädlich wurde für die Verkäufer lokaler Götzenbilder. In Ephesus gab es einen besonderen Kult für die Gottheit Artemis, lateinisch Diana, und die christliche Mission in Ephesus war so erfolgreich, dass die Handwerker, die diese Götterbilder verkauften, weniger Absatz machten als vorher. Also gab es einen großen Aufruhr, kann man in Apostelgeschichte 19 nachlesen, viele viele hundert, vielleicht tausend Menschen versammeln sich im Amphitheater und schreien stundenlang: „Hoch lebe die Diana der Epheser!“ Und in Apostelgeschichte 19 heißt es: Einige von denen sind da und schreien mit und wissen gar nicht genau, woaum sie schreien, sie haben einfach nur mit gekriegt: ‚Hier ist was los, lass uns da mal hingehen’, und dann schreien sie: „Hoch lebe die Diana der Epheser!“

 

Paulus ist also einigermaßen erfolgreich mit seiner Mission, zieht dann weiter; und in den folgenden Kapiteln der Apostelgeschichte finden sich zahlreiche Hinweise darauf, dass die beginnende Gemeinde in Ephesus ziemlich florierend ist, so tauchen z.B. die Ältesten von Ephesus auf. Es muss eine ziemlich spannende Zeit gewesen sein in dieser Gemeinde. Was also schreibt Paulus an diese Gemeinde?

 

Vers 3: „Gelobt sein Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus der uns gesegnet hat mit allem geistlichen Segen im Himmel durch Christus.“

 

Das klingt vielleicht nicht erstaunlich. Das Erstaunliche ist nur: Paulus schwelgt nicht in Nostalgie. Er sagt nicht zu den Ephesern, was er ja sagen könnte: ‚War das nicht schön damals? Erinnert ihr euch noch: Damals, in der Schule des Tyrannos, dieser Aufruhr im Amphitheater, und habt ihr mitbekommen, wie damals einer nach dem anderen zum Glauben kam, war das nicht eine spannende Zeit?’ Er schwelgt nicht in Nostalgie, sondern er stellt das Lob Gottes an die erste Stelle, er sagt: ‚Gelobt sei Gott – hinter all dem Spannenden und Interessantem und Abenteuerlichem, das wir erlebt haben, stand ganz alleine Gottes Segen.’

 

Natürlich ist es erlaubt, Rückblick zu halten und sich zu freuen über das, was gut funktioniert hat, und zu sagen: ‚Wisst ihr noch, damals der erste GreifBar, wie toll das war? Wisst ihr noch, als wir zum ersten Mal im Theater waren und Hunderte von Menschen kamen? Erinnert ihr euch noch an den ersten Gottesdienst, in dem kein Mikrofon ausfiel, wisst ihr das noch?’ Es ist gut, Rückblick zu halten und sich zu freuen. Nur muss man sich dabei dessen bewusst sein, dass ohne Gott alles nichts ist. Ohne Gott ist alles nichts. Und was das für ein Gott ist, an den wir glauben und von dem Paulus schwärmt – manchmal muss man einfach über ihn staunen. Davon zeugen die nächsten Verse von Kapitel 1. Und ich möchte mit euch zusammen, wie könnte es anders sein, in drei Schritten durch diesen Text gehen.

 

Erstens: Was er mit uns vor hat

 

Manchmal ist jemand ja so begeistert, dass er schier atemlos ist in seiner Begeisterung. Falls ihr nicht vor Ohren habt wie das klingt: ein kleines Zeugnis aus der jüngeren Zeitgeschichte: „Boszik, immer wieder Boszik, der rechte Läufer der Ungarn am Ball, er hat den Ball verloren diesmal gegen Schäfer, Schäfer nach innen geflankt, Kopfball, abgewehrt, aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen, Rahn schießt – Tor! Tor! Tor! Tor! ... Tor für Deutschland!“ Wer weiß worum es geht? Wissen wir alle, das Endspiel  der Fußbalweltmeisterschaft 1954. Warum habe ich das vorgelesen? Weil so ähnlich die Verse 4-6  von Epheser 1 funktionieren – so ähnlich. Was hier nämlich steht, ist schon im Deutschen ein Satz, der nicht zu Ende zu gehen scheint.

 

Vers 4-6: „Denn in ihm, in Christus, hat er, Gott, uns erwählt, ehe der Welt Grund gelegt war, dass wir heilig und untadelig vor ihm sein sollten; in seiner Liebe hat er uns dazu vorherbestimmt, seine Kinder zu sein durch Jesus Christus nach dem Wohlgefallen seines Willens, zum Lob seiner herrlichen Gnade, mit der er uns begnadet hat in dem Geliebten.“ Der Satz geht im Griechischen auch noch weiter. Aber ich bleibe erst einmal bei diesen paar Versen. Ein Satz darüber, was Gott alles mit uns vorhat. Er hat uns erwählt, ehe der Welt Grund gelegt war: Bevor Gott das erste Atom ins Leben gepustet hat, hat er schon an uns namentlich gedacht, und das heißt: Gott war nicht überrascht, als du zum Glauben kamst. Gott hat nicht gesagt: ‚Was, du?? Mit dir hab ich jetzt nicht gerechnet.’ Nein, sondern Gott hat schon seit Anbeginn der Ewigkeit an dich gedacht und hat gesagt: ‚Den oder die will ich mal haben – die Christiane, den Torben, den Raik usw.’

 

Und das heißt: Wenn du unsicher bist: ‚Will Gott mich wirklich haben? Ich weiß, wir erzählen davon immer bei GreifBarPlus, in den Glaubenskursen, und in den großen GreifBar-Gottesdiensten erzählen wir davon, aber so ganz sicher bin ich mir nicht.’ Wenn du unsicher bist: ‚Will Gott mich wirklich haben?’, dann schau nicht auf dich, sondern schau auf Jesus. Schau nicht auf dich, sondern schau auf Jesus, auf das was Gott in Jesus für dich getan hat und womit er zeigt, dass er dich will. Vers 5: „In seiner Liebe hat Gott uns dazu vorher bestimmt seine Kinder zu sein durch Jesus Christus nach dem Wohlgefallen seines Willens.“ Das steht von Gott her fest: Gott will uns, das ist so. Erstens: Was er mit uns vor hat.  

 

Zweitens: Was wir davon haben 

 

Ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber von meiner Prägung her bin ich gewohnt die Frage: Was bringt mir das? ein bisschen zu bemängeln und zu sagen: So fragt man doch nicht: Was bringt dir das?, sondern man fragt: Was ist mein Auftrag, was sollte ich tun, was wäre gut und richtig zu tun? Ich finde auch wirklich, dass das so ist, man sollte nicht zuerst die Frage stellen: Was bringt’s?, sondern: Was ist eigentlich gut und was ist richtig zu tun? Ich muss allerdings feststellen, dass das Neue Testament an dieser Stelle relativ unbekümmert ist. Das Neue Testament sagt schon sehr deutlich: Wenn du Christ wirst, dann ist das sehr herausfordernd, sehr anstrengend, manchmal sehr unbequem und es kann große Opfer von dir fordern. Zugleich allerdings bringt es dir eine ganze Menge.

 

Vers 7 und 8: „In ihm haben wir die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Sünden nach dem Reichtum seiner Gnade, die er uns reichlich hat widerfahren lassen in aller Weisheit und Klugheit.“ Ich habe mir vorgestellt, ein typischer Greifswalder Stadtbewohner aus dem Jahr 2009 kommt mit Paulus ins Gespräch und stellt Paulus genau diese Frage. Er sagt also zu Paulus: ‚Sag mal, Paulus, ich merke, ich verstehe nicht alles, was du da in Epheser 1 sagst, nicht alles – aber ich spüre, dass dir dein Glaube ungeheuer wichtig ist und dass du ungeheuer viel aufwendest dafür, deinen Glauben zu leben. Was hast du eigentlich davon?’ Paulus würde wahrscheinlich sagen: ‚Ich habe davon die Erlösung und Vergebung in Jesus Christus.’ Unser Greifswalder Freund würde daraufhin vielleicht die Stirn runzeln und sagen: ‚Und was bedeutet das?’ Und Paulus würde vielleicht sinngemäß folgendes sagen. Er würde sagen: ‚Ich habe in Christus das, was jeder Mensch, was du selbst am dringendsten brauchst und was dir niemand anders geben kann als Jesus Christus. Ich habe nämlich in Jesus Christus, in dem was er am Kreuz für mich getan hat, die Erlösung und die Vergebung. Ich bin durch Jesus Christus mit Gott ins Reine gekommen. Dass Gott das in Jesus tut, ist ein unverdientes Geschenk. Ich habe dafür nichts getan, ich kann nur in Dankbarkeit annehmen was er für mich gemacht hat. Aber das ist das, was ich dringend brauche, was auch du dringend brauchst und was dir niemand anders geben kann, nicht einmal du selbst.’

 

Diese Botschaft ist der Kern des Neuen Testaments. Und Epheser 1 sagt ganz deutlich: Diese Botschaft ist nicht eine neue Erfindung von ein paar jesusbewegten Leuten, sondern diese Botschaft ist von Gott seit Ewigkeiten geplant. Es ist von Gott her seit Ewigkeiten geplant, dass diese Botschaft in aller Welt verkündigt wird und deswegen ist diese Botschaft kein Randthema. Wenn wir hier bei GreifBar diese Botschaft in den Mittelpunkt stellen, dann ist das nicht ein Sonderanliegen, das netterweise auch toleriert werden kann, sondern dann ist das das Zentrum neutestamentlicher Verkündigung. Zweitens: Was wir davon haben

 

Drittens: Was wir vor uns haben

 

Manchmal fragen ja Leute: ‚Und wenn das jetzt stimmt, was ihr Christen da alles erzählt, von dem, was Gott gemacht hat – dass Gott Mensch geworden ist, dass er am Kreuz für uns unsere Schuld auf sich genommen hat usw. – ich kann das noch nicht so ganz glauben, aber gesetzt den Fall es stimmt: Was hat Gott denn eigentlich davon? Warum tut er sich das an? Warum macht er das?’ Wenn Menschen mir diese Frage stellen, sage ich normalerweise ungefähr folgendes. Ich sage: ‚Gott tut, das weil die Liebe sein Wesenskern ist. Liebe macht ihn aus, und Liebe hat keine weiteren Erklärung. Liebe ist ihre eigene Erklärung. Das ist das, was Gott davon hat.’ Ich würde das immer noch sagen, ich würde von Epheser 1 her allerdings hinzufügen: ‚Gott tut das – alles das was er in Jesus tut und was er mit Menschen tut, die zu Jesus gehören – er tut das, weil er damit seine Herrlichkeit zeigt:  Vers 11 und Vers 12: „In ihm sind wir auch zu Erben eingesetzt worden, die wir dazu vorher bestimmt sind nach dem Vorsatz dessen der alles wirkt nach dem Ratschluss seines Willens, damit wir etwas seien zum Lob seiner Herrlichkeit, die wir zuvor auf  Christus gehofft haben.“

 

Zwei Begriffe bzw. Formulierungen möchte ich erklären. Das eine: „Erben“, wir sind eingesetzt zu Erben – das heißt, wir sind dazu bestimmt, das zu erleben und daran Anteil zu haben, was Jesus in die Welt bringt, nämlich die Wirklichkeit Gottes. Jesus bringt das Reich Gottes in die Welt, die Wirklichkeit Gottes, und wenn es gesagt wird, dass wir eingesetzt sind zu Erben, heißt das, wir sind dazu bestimmt, das auch zu erleben, ganz nah an Gott heran zu kommen und seine Wirklichkeit in Reinform zu erleben.

 

Das Zweite: Es heißt ja im Text: „...damit wir etwas seien zum Lob seiner Herrlichkeit“. Hier haben wir den Knackpunkt. An Menschen nämlich zeigt Gott, wie herrlich er ist. Das heißt, wenn man Gott fragt: ‚Gott, zeig mir doch bitte deine Herrlichkeit’, dann zeigt er nicht nur oder nicht so sehr auf die Spiralnebel, oder den Pazifischen Ozean, oder den Kilimandscharo oder so. Sondern er zeigt vielleicht vor allem auf Menschen. Auf ganz normale Menschen, die ganz normale Fehler machen, die sich aus eigenem Verschulden von Gott entfernen, die in Misstrauen Gott gegenüber gefangen sind und die Gott dann auf seine behutsame und individuelle Weise zurück gewinnt. Die anfangen, Jesus zu vertrauen, stolpern, zaghaft Schritte mit Jesus gehen, hinfallen, aufstehen, hinfallen, aufstehen. Ganz normale Christen, die ganz normale Fehler machen und die ganz am Ende bei Gott ankommen. Auf solche Menschen zeigt Gott und sagt: ‚Wenn du wissen willst, was meine Herrlichkeit ist, schau dir die Geschichte dieser Menschen an. Schau dir an, was ich mit ganz normalen Menschen tue.’ So zeigt er auf Christen, zeigt er am Ende der Zeiten auch auf uns, wenn wir mit Jesus leben. Und er zeigt auf die Menschen, die vielleicht durch uns zum Glauben an Jesus gekommen sind. Und er sagt: ‚Das ist meine Herrlichkeit, wie ich mit ganz normalen Menschen einen Weg gehe, der bis in meine Ewigkeit reicht.’

 

Darum geht’s im Epheserbrief, darum geht’s bei GreifBar, und darum geht’s im Leben insgesamt. Amen