GreifBar plus am 06.09.2009
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Was ist das Geheimnis
- 15 Darum auch ich, nachdem ich gehört habe von dem Glauben bei euch an den Herrn Jesus und von eurer Liebe zu allen Heiligen,16 höre ich nicht auf, zu danken für euch, und gedenke euer in meinem Gebet, 17 dass der Gott unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Herrlichkeit, euch gebe den Geist der Weisheit und der Offenbarung, ihn zu erkennen. 18 Und er gebe euch erleuchtete Augen des Herzens, damit ihr erkennt, zu welcher Hoffnung ihr von ihm berufen seid, wie reich die Herrlichkeit seines Erbes für die Heiligen ist 19 und wie überschwänglich groß seine Kraft an uns, die wir glauben, weil die Macht seiner Stärke bei uns wirksam wurde, 20 mit der er in Christus gewirkt hat. Durch sie hat er ihn von den Toten auferweckt und eingesetzt zu seiner Rechten im Himmel 21 über alle Reiche, Gewalt, Macht, Herrschaft und alles, was sonst einen Namen hat, nicht allein in dieser Welt, sondern auch in der zukünftigen. 22 Und alles hat er unter seine Füße getan und hat ihn gesetzt der Gemeinde zum Haupt über alles, 23 welche sein Leib ist, nämlich die Fülle dessen, der alles in allem erfüllt. (Eph1, 15-23)
Wenn etwas ein Geheimnis ist, ist das entweder etwas Unangenehmes, das man nicht gerne aussprechen möchte. Oder es ist geradetwas Angenehmes, das eine Überraschung bleiben soll.
Es ist entweder etwas Unangenehmes. Zum Beispiel etwas, das einem peinlich ist, und deswegen sagt man es nicht. Solche Dinge kann man im Internet finden, auf den sogenannten Beichtseiten. Im Internet gibt es Seiten, auf denen Menschen eigene Beichtgeheimnisse ausplaudern, natürlich anonym, aber sie plaudern aus, was sie schon alles falsch gemacht haben. Manche von diesen Dingen sind erschreckend, andere sind eher seltsam. Ich bin zum Beispiel einmal auf eine Internetbeichte gestoßen, da hat jemand gesagt: „Ich bin Busfahrer, und ich sage absichtlich die Namen der Haltestellen undeutlich an.“ Ich dachte mir: In dem Bus habe ich schon mal gesessen.
Wenn etwas ein Geheimnis ist, kann es aber auch daran liegen, dass es besonders angenehm ist. Es soll eine Überraschung bleiben, und erst im Rückblick erkennt man, warum der Andere so geheimnistuerisch war, und man sagt sich: ‚Ach so, jetzt verstehe ich, immer dieses Getuschel und Getue, du wolltest mir einen riesengroßen fruchtigen Eisbecher schenken!’ Klammer auf: Kleiner Hinweis, Klammer zu. Es wird also erst im Rückblick verständlich, und deswegen bleibt es ein Geheimnis, gerade weil es etwas besonders Angenehmes ist.
So ähnlich funktioniert auch unser heutiger Predigttext: Epheser 1, Vers 15-23, die Predigt ist überschrieben mit dem Titel: Was für ein Geheimnis.
Wir sind weitergekommen in der Predigtreihe über den Epheserbrief. Letzte Woche hat sie begonnen, diese Woche sind wir bei Teil 2. Heute geht es um das Geheimnis der Gemeinde. Welches Geheimnis steckt von Gott her in der Gemeinde Jesu Christi?
Paulus fängt an mit einem Dankeschön. Paulus hat in den ersten paar Versen von Kapitel 1 einen großen Bogen hinter sich, er hat davon erzählt, dass Gott schon seit Ewigkeit den Entschluss gefasst hat, in Jesus Christus auf die Welt zu kommen und Menschen für sich zu gewinnen. Er hat davon erzählt, dass wenn Menschen Christen werden, dass das seit Ewigkeit schon Gottes Idee war, etwas, das er seit Ewigkeit schon verfolgt hat. Und er hat davon erzählt, dass auch wir in dieser Linie stehen. Dass also auch wir davon ausgehen können, Gott hat schon seit Ewigkeit beschlossen, dass er uns mal haben möchte und um uns werben möchte. Jetzt ist Paulus bei sich selbst und bei der Gemeinde in Ephesus angekommen.
Vers 15 und Vers 16: „Darum auch ich, nachdem ich gehört habe von dem Glauben bei euch an den Herrn Jesus und von eurer Liebe zu allen Heiligen, höre ich nicht auf zu danken für euch und gedenke euer in meinem Gebet.“ Nachdem er also vom großen Geheimnis des Ratschlusses Gottes geredet hat, fängt er an, für die Gemeinde zu danken. Theologen würden an dieser Stelle wahrscheinlich sagen: „Das ist eine typische Briefgliederung, so wird typischerweise ein Brief im Neuen Testament gegliedert.“ Für alle unter uns, die mit Theologie zu tun haben: Das ist einer der Sätze, mit denen man super durchs Theologiestudium kommt. Man braucht eigentlich nur ein paar Sätze, um gut durchs Theologiestudium zu kommen. Einer dieser Sätze lautet: „Das ist eine typische Briefgliederung“, damit kann man sich in jedem Seminar relativ gut durchschlagen. Ein anderer Satz, den man als Theologe gut brauchen kann, ist der Satz: „Hier besteht eine fruchtbare Spannung“, auch damit kommt man relativ weit, das kann ich aus eigener Erfahrung sagen.
Es scheint also eine typische Briefgliederung zu sein: Erst einmal Dank für die Gemeinde. Sehen wir aber mal genau hin, was Paulus hier sagt, er sagt nämlich: „Ich höre nicht auf zu danken für euch.“ Ich habe mir das mal durch den Kopf gehen lassen und habe gedacht: Naja, wir hören schon hin und wieder auf zu danken. Vielleicht ist das typisch deutsch, dass wir relativ schnell damit anfangen zu bemängeln und zu kriteln, was man alles besser machen könnte. Irgendjemand hat mal gesagt: „Typisch deutsch ist zu sagen: Nicht gemeckert ist genug gelobt.“ Und deswegen sagen wir: „Ja, es war schon gut, aber man hätte doch folgendes noch besser machen können, hier noch ein bisschen und da noch ein Fitzelchen.“ Und mal ganz im Ernst und bei aller berechtigten Kritik – ich bin sehr dafür, dass man Dinge besser macht und sich nicht mit Mittelmaß zufrieden gibt –, aber bei aller berechtigten Kritik: Was würde sich ändern, wenn wir tatsächlich nicht aufhörten zu danken.
Zunächst einmal DANKE sagen für die Gemeinde, dafür das es sie gibt, dafür dass Gott Menschen in diese Gemeinde geschickt hat und dass sie begabt sind und begeistert usw. Was würde sich ändern, wenn wir tatsächlich nicht aufhörten zu danken? Und deswegen habe ich schon an dieser Stelle einen höchst praktischen Vorschlag, das ist natürlich nur ein Vorschlag zur Güte: Wie wäre es wenn wir's mal versuchten: Eine Woche lang jeden Tag, jeweils eine Minute lang unaufhörlich für die Gemeinde zu danken?
Fangen wir am besten jetzt damit an. Und danken Gott dafür, was für Menschen in dieser Gemeinde sind, wie unterschiedlich sie sind, wie einzigartig, wie witzig, wieviel Resepkt sie verdienen. Danken wir Gott dafür, was in dieser Gemeinde alles möglich ist, was für Geschichten wir mitbekommen, was wir erleben können vom Wirken Gottes an einzelnen Menschen. Was wir selber für uns mitnehmen können, durch die Begegnung mit Gottes Leuten und Gottes Wort. Sagen wir also Danke dafür – und nehmen uns dafür wenigstens eine Minute Zeit... Gar nicht so einfach, jetzt ist eine Minute um, aber irgendwie macht es Spaß, machen wir also weiter damit.
Wenn man so für die Gemeinde dankt, dann – so denke ich – bekommt man umso mehr Motivation auch für die Gemeinde zu bitten. Weil man merkt: Es ist schon so viel Gutes passiert, jetzt bitten wir mal darum, dass es weiter geht. Genau das macht Paulus auch, er sagt: „Bitte – damit ihr erkennt.“ Er bittet Gott, darum dass die Gemeinde mehr von Gott und seiner Herrlichkeit erkennt.
Manche Lieder die man in Gottesdiensten singt, entwickeln ja so unfreiwillige Assoziationen. Ich weiß nicht ob nur mir das so geht, aber zum Beispiel ist mir das mal so gegangen bei dem Lied: ‚Mit Ernst, o Menschenkinder’. Ich habe nämlich einen Bekannten, der heißt: Ernst. Das ist sein Spitzname, er heißt eigentlich Christian, aber alle nennen in Ernst, weil er öfter so ernst guckt, und irgendwie bin ich auf ihn gekommen, als ich das Lied zuletzt gehört habe: Mit Ernst o Menschenkinder. Und ich habe gedacht: Warum wird in diesem Lied eigentlich immer angesprochen? Das habe ich nicht verstanden. Ich habe auch mal den Satz gehört: Die Pietisten, das sind die, die mit Ernst Christen sein wollen – warum ist eigentlich hier wieder vom Ernst die Rede... schon gut.
Warum erzähle ich das? Weil es manchen Menschen so geht, wenn sie das Lied hören, das wir gerade gesungen haben: ‚Herr, öffne du mir die Augen.’ Auf englisch heißt das: ‚Open the eyes of my heart, Lord’ – öffne die Augen meines Herzens. Manche Menschen finden dieses Lied wunderschön, ich auch, andere dagegen sagen: „Das ist ja ein schönes Lied, aber ist das nicht ein bisschen dick aufgetragen: ‚Öffne die Augen meines Herzens’? Es könnte doch einfach heißen: ‚Lass mich erkennen’.“ Das Interessante ist nur, dieser Text: ‚Öffne die Augen meines Herzens’, der kommt aus der Bibel. Das hat sich nicht irgendein neuzeitlicher gefühliger Songwriter einfallen lassen, sondern das stammt aus dem Epheserbrief.
Vers16 - 18: „Ich höre nicht auf zu danken für euch und gedenke euer in meinem Gebet, dass der Gott unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Herrlichkeit, euch gebe den Geist der Weisheit und der Offenbarung, ihn zu erkennen“ – und jetzt kommt's – „und er gebe euch erleuchte Augen des Herzens, damit ihr erkennt.“ Gott gebe euch erleuchtete Augen des Herzens, damit ihr erkennt – das heißt: Manches muss Gott zeigen. Manches muss Gott zeigen, weil es für unsere Augen nicht sichtbar ist. Wir können es mit unseren Augen nicht sehen, aber es ist dennoch real, und dazu gehört wahrscheinlich auch Gottes Wirken in der Gemeinde.
Das muss Gott zeigen, weil der Augenschein manchmal anderes sagt. Wenn man in eine normale Gemeinde hineinkommt, sagt der Augenschein manchmal: Das ist doch ein ganz schön menschlicher Verein, wo bitteschön soll ich hier Gott entdecken?
Der englische Autor C.S.Lewis hat ein hervorragendes Buch geschrieben mit dem Titel „Dienstanweisung für einen Unterteufel“. Dieses Buch ist ein fiktiver Briefwechsel zwischen einem Oberteufel und einem Unterteufel. Der Oberteufel gibt dem Unterteufel Tipps, wie er den Menschen, den er zu betreuen hat, vom rechten Weg abbringen kann. Der Mensch wird „dein Patient“ genannt. In diesem Briefwechsel heißt es nun relativ zu Beginn folgendermaßen – natürlich muss man immer mitdenken, dass das Ganze aus der Perspektive des Teufels gedacht ist: „Einer unser besten Bundesgenossen ist gegenwärtig die Kirche selbst. Aber bitte verstehe mich richtig, ich meine natürlich nicht die Kirche, wie wir sie sehen, sich über Raum und Zeit erstreckend und verwurzelt in der Ewigkeit, schrecklich wie ein Kriegsheer im Aufmarsch. Ich gestehe, vor diesem Schauspiel, wird es auch unseren kühnsten Versuchern unbehaglich,“ sagt der Teufel. „Glücklicherweise aber ist es dem Menschen verborgen. Alles, was dein Patient sehen kann, ist ein halb vollendetes Gebäude in falscher Gotik auf einem Neubaugrundstück. Wenn er da eintritt, so begegnet ihm als erster der Metzger aus dem Eckladen seiner Nachbarschaft, der ihm mit salbungsvoller geschäftiger Miene ein kleines abgegriffenes Büchlein mit der Liturgie anbietet, die keiner von beiden versteht, dazu noch ein kleines schäbiges Bändlein mit verderbten Texten meist schlechter religiöser Verse im kleinsten Druck. Wenn er dann seinen Platz in der Kirchenbank einnimmt und sich ein wenig umsieht, so entdeckt er gerade jene Auswahl seiner Nachbarn, denen er bis dahin geflissentlich aus dem Wege gegangen ist.“ Soweit die Dienstanweisung an einen Unterteufel.
Es kann also sein, dass der Augenschein sehr alltäglich ist, und man denkt sich: Ist ja eine nette Runde hier, aber Gott soll hier am Wirken sein? Es ist umso wichtiger, dann so zu bitten und zu Gott zu sagen: „Bitte, Gott, wenn ich in der Gemeinde bin, sei du mir vor Augen. Mach du mir klar, dass du am Wirken bist in diesen Menschen und auch in mir, hilf mir durch die Oberfläche hindurch zu sehen, öffne mir meine geistlichen Augen, dass ich endlich sehe, was die Wirklichkeit ist, und nicht immer nur das, was ich für die Wirklichkeit halte. Sei du mir vor Augen, damit wir erkennen können, welche Hoffnung wir haben.“
Wir Menschen sehen Dinge nämlich oft im falschen Maßstab. Das merkt man immer dann, wenn an einer Supermarktkasse eine Familie mit einem Kind in der Trotzphase auftaucht. Und das Kind hat die verräterischerweise so betitelte Impulsware entdeckt, mit Schokoriegeln und Überraschungseiern, und findet, dass es unbedingt dieses Überraschungsei haben muss, sonst stirbt es und die Welt geht zu Ende, und es schreit, als ob es gegrillt wird, und als Unbeteiligter steht man daneben und denkt sich: ‚Ach, wie gut, dass das nicht mein Kind ist.’ Alle Eltern kennen das aber aus eigener Erfahrung.
Als Erwachsener denkt man sich nun: ‚Meine Güte, ist ja ein bisschen albern, jetzt zu denken: Nur wenn ich das jetzt nicht habe, dann ist mein Leben zu Ende – ich als Erwachsener käme auf diese Idee nie!’ Natürlich kommen wir doch auf die gleiche Idee, und aus Gottes Sicht stellt sich das Ganze eventuell genauso dar, dass Gott sich sagt; Meine Güte, dieser Mensch sieht gar nicht, was ich alles an Gutem für ihn bereit halte, gleich um die nächste Ecke, und deswegen klammert er sich an dieses Eine, das er gerade hat. Wenn er mir einfach mal vertraute, dass ich es wirklich gut mit ihm meine, dann wäre sein Leben wesentlich entspannter.
Deswegen ist es wichtig, was hier in Vers 18 steht. Paulus schreibt: „Gott gebe euch erleuchtete Augen des Herzens, damit ihr erkennt, zu welcher Hoffnung ihr von ihm berufen seid, wie reich die Herrlichkeit seines Erbes für die Heiligen ist.“
Das heißt: Wir bitten Gott darum, dass er uns hilft zu erkennen welche Hoffnung wir als Christen haben, dass er uns hilft zu erkennen, so unklar und so schwer alles hier sein kann, im Vergleich zu dem was auf uns wartet ist es relativ überschaubar, so unklar und so schwer alles das hier ist, was uns beschäftigen und belasten kann. Im Vergleich zu dem, was auf uns wartet, ist es relativ überschaubar. Wenn wir mit Jesus leben, wissen wir, dass wir in Ewigkeit bei Gott sein werden, das heißt: In Ewigkeit aufs innigste verbunden mit der Quelle allen Lebens, der Quelle aller Schönheit, der Quelle aller Kreativität, das steht uns bevor und das ist alles andere als langweilig. Um noch einmal C.S.Lewis zu zitieren – der hat gesagt: Er stellt sich den Himmel so vor wie ein unglaublich spannendes Buch, bei dem jedes Kapitel spannender ist als das vorige und das nie aufhört. Das liegt vor uns. Welche Hoffnung haben wir? Darum muss man Gott bitten, dass wir das erkennen.
Und: Wir bitten Gott darum, zu erkennen welche Kraft uns von ihm geschenkt ist und welche Kraft von ihm her wirkt. Manches muss man nämlich erst einmal in Aktion gesehen haben um zu glauben, dass es wirklich so funktioniert. Ein Bekannter von mir ist Pastor, ein ganz netter Mensch. Das einzige, was äußerlich auffällig an ihm ist, ist dass seine Arme ungefähr hier aufhören, oberhalb des Ellbogens. Das mag ein Geburtsfehler sein, man weiß es nicht genau. Er arbeitet ganz normal als Pastor. Und in seiner Freizeit, nebenberuflich, spielt er Tischtennis. Das sagt er, und wenn man ganz ehrlich ist und man ihn sieht und ihn hört, wenn er sagt: Er spielt Tischtennis, dann denkt man sich: Wie soll das denn gehen? Und dann sieht man ihn, wie er seinen Tischtennisschläger mit einem Lederband an seinen kurzen Arm schnallt und dann spielt, dass einem Hören und Sehen vergeht. Er ist Europameister geworden im Behindertensport, nimmt regelmäßig an den Paralympics teil. Manches muss man gesehen haben, um zu verstehen, welche Kraft in ihm steckt. Mit der Kraft Gottes ist es ganz genauso, man muss sie in Aktion gesehen haben, um zu glauben, was sie bewirken kann.
Vers 19 und Vers 20: „Er gebe euch erleuchtete Augen des Herzens, damit ihr erkennt, wie überschwänglich groß seine Kraft an uns ist, die wir glauben, weil die Macht seiner Stärke bei uns wirksam wurde, mit der er in Christus gewirkt hat. Durch sie hat er ihn von den Toten auferweckt und eingesetzt zu seiner Rechten im Himmel.“ Das heißt:
Der Gott an den wir glauben, der wirkt nicht nur in der Zukunft, der ist nicht nur der der uns Hoffnung gibt, auf die wunderbare Zukunft in der Ewigkeit, sondern der wirkt auch jetzt. Das ist der Gott der Menschen dazu bringt Dinge zu tun, die andere nicht verstehen oder der in Menschen Veränderung bewirkt, die andere nicht für möglich halten. Das ist der Gott, der einen Bekannten von mir dazu bringt, eine relativ aussichtsreiche Kariere als Ingenieur in Deutschland sausen zu lassen und mit seiner Frau und seinen drei kleinen Kindern in ein ostasiatisches Land zu gehen um dort als Deutschlehrer und als Undercover-Missionar zu arbeiten, unter großer Gefahr. Das ist der Gott, der Menschen verändert und sie in einer Weise zum Blühen und zum Strahlen bringt, dass andere nur staunen. Wer mehr darüber wissen möchte, kann mal die Angela fragen, die heute hier moderiert, über die Geschichte, die sie hinter sich hat.
Das ist der Gott, der Kraft hat unser Leben schon hier und jetzt zu verändern. Er wirkt mit der gleichen Kraft mit der er Jesus von den Toten auferweckt hat, das heißt mit der Auferstehungskraft. Was immer uns bremst in unserem Leben, ob es Schmerzen sind, Verletzungen, Enttäuschungen oder dumme Angewohnheiten, die immer an uns kleben bleiben – was immer uns bremst, Gott beginnt schon jetzt damit uns zu verändern, egal wie schwierig oder schmerzhaft das für uns wirkt, Gott fängt schon jetzt an uns zu verändern, Hans-Joachim Eckstein hat einmal gesagt: „Für die Auferstehung kannst du niemals zu tot sein.“
Gott beginnt schon jetzt damit, uns zu verändern und er macht weiter und gibt einen Vorgeschmack auf das, was auf uns zu kommt. Er sagt nämlich: „Schauen wir auf Christus.“ Schauen wir auf Christus gerade deswegen, weil wir manchmal unseren Augen nicht trauen dürfen. Manchmal, das wissen wir, dürfen wir unseren Augen nicht trauen. Das kennen wir von den sogenannten optischen Täuschungen, den Bildern mit einer vermeintlich unendlichen Treppe und wenn man näher hinsieht, dann merkt man, es ist nur ein Trick, eine Täuschung, die Treppe ist gar nicht wirklich unendlich. Es gibt auch optische Täuschungen im Alltag. Da sieht zum Beispiel etwas aus wie ein Hamburger, aber wenn man näher hinsieht, merkt man, das sind in Wirklichkeit nur zwei Styroporscheiben mit einer unerfindlichen Masse dazwischen und roter Soße, es nennt sich ein Hamburger, aber in Wirklichkeit ist es etwas anderes. Manchmal darf man seinen Augen nicht trauen, und an Jesus Christus zu glauben heißt auch, manchmal bewusst seinen Augen nicht zu trauen und nicht allein von dem auszugehen, was man in der alltäglichen Welt so wahrnimmt. Wenn man in die alltägliche Welt schaut, bekommt man nämlich den Eindruck: ‚Christen, überzeugte Christen sind eine Minderheit, eine vielleicht respektierte, aber auch belächelte Minderheit, aber wirklich wichtig kann ihr Glaube eigentlich nicht sein.’ Mir geht das immer so, wenn Leute mich fragen: „Was machen sie denn so beruflich?“, dann sage ich immer: „Ich bin Theologe“, und dann sagen sie: „Ah Geologe, interessant“. So abseitig das, was wir glauben, für manche Menschen wirken mag, von Gott her ergibt sich ein völlig anderes Bild.
Ich lese weiter: Vers 20 - 22: „Durch sie, also durch die Kraft Gottes hat er Jesus von den Toten auferweckt und eingesetzt zu seiner Rechten im Himmel über alle Reiche, Gewalt, Macht, Herrschaft und alles was sonst einen Namen hat. Nicht allein in dieser Welt, sondern auch in der Zukünftigen und alles hat er unter seine Füße getan und hat ihn gesetzt der Gemeinde zum Haupt über alles.“ Das heißt: Dieser Christus, sagt Paulus dieser Christus, den ihre Leute in Ephesus angenommen haben, das ist nicht nur euer persönlicher Heiland und Retter, sondern er ist auch das Zentrum des Universums. Dieser Jesus Christus ist stärker als alles, er hat mehr Autorität als alles, mehr sogar als eure Nachbarn mit ihrer Meinung, mehr als die Menschen, die euch verletzen, mehr als die öffentliche Meinung und mehr auch als die sogenannten Sachzwänge.
Jesus Christus hat das letzte Wort über alles. Und jetzt sind wir ganz dicht dran am Geheimnis der Gemeinde – und weil dies eine Predigtreihe ist höre ich an dieser Stelle auf und sage: Fortsetzung folgt.
Nein, war nur Spaß. Ein letzter Gedanke, das Gemeindegeheimnis: Paulus schreibt hier im Google Earth-Stil. Google Earth kennen wir, oder? Das ist das Computer-Programm, mit dem man sich an bestimmte Stellen auf dem ganzen Planet Erde heranzoomen kann, das sind Satellitenbilder, die von verschiedenen Stellen auf der ganzen Welt aufgenommen worden sind. Man kann sich also die Häuser seiner Nachbarn angucken, die Bilder sind meist so drei, vier Jahre alt. Man kann also gucken. ob der Nachbar vor drei Jahren die Wäsche rausgehängt hat oder nicht. Und wenn man sich stärker heran zoomt, dann sieht man erst Europa und dann Deutschland und dann Mecklenburg- Vorpommern und dann Greifswald, die nördliche Mühlenvorstadt und dann ist man da.
Paulus schreibt hier ganz genauso. Er schaut auf das ganze Universum und hält fest: Jesus Christus ist der Herr des ganzen Universums – dann zoomt er heran, auf dem Planeten Erde, auf das Gebiet seiner Mission, auf die Stadt Ephesus und in der Stadt Ephesus auf die kleine Hausgemeinde der Epheser, an die er gerade schreibt. Und zu denen sagt er: Vers 22 und 23 – Paulus sagt: „Und alles hat er unter seine Füße getan und hat ihn gesetzt der Gemeinde zum Haupt über alles, welche sein Leib ist, nämlich die Fülle dessen der alles in allem erfüllt.“ Auf Deutsch: Dieser Jesus Christus, dieser Herr über die ganze Welt, der ist auch das Haupt der Gemeinde, die Gemeinde ist seine Fülle. Die Gemeinde ist die Fülle von Jesus Christus. Ich übersetze das mal in unsere Sprache: „Wenn ihr euch fragt: Wo kann ich eigentlich Gott erleben? Wie mache ich das eigentlich Gott zu erleben?, dann gibt Paulus im Epheserbrief eine ganz schlichte Antwort. Er sagt: ‚Geh in die Gemeinde, da kannst du Gott erleben. Den Herrn des Universums kannst du in der Gemeinde erleben. Natürlich ist die Gemeinde voller fehlbarer Menschen, ich, Paulus, bin selbst einer’, Paulus weiß, wovon er spricht. ‚Die Gemeinde ist voller fehlbarer Menschen, aber unter diesen fehlbaren Menschen hat sich Jesus in den Kopf gesetzt, anwesend zu sein. Wenn du Jesus erleben willst, geh in die Gemeinde, da siehst du ihn bei der Arbeit, indem er ganz normale fehlbare Menschen verändert und er wird auch dich verändern.’ Ich weiß nicht ob ihr Lieblingsorte habt in Greifswald oder in eurer Heimatstadt, Orte, an denen ihr euch ganz besonders gerne aufhaltet? Für mich war das in den letzten Wochen, wenn ich ganz ehrlich bin, das Eiscafé gegenüber vom Rathaus, da war ich sehr gerne, mitten in diesen heißen Tagen. Einer der Lieblingsorte von Jesus in Greifswald ist seine Gemeinde, diese Gemeinde und auch alle anderen Gemeinden in Greifswald. Das sind Orte, an denen sich Jesus ganz besonders gerne aufhält – nicht weil die Menschen hier besser wären als andere Menschen, überhaupt nicht, sondern weil er sich in den Kopf gesetzt hat, sichtbare Gemeinschaften zu nehmen und sie behutsam zu verändern, damit sie immer mehr ihn widerspiegeln. Und deswegen macht es Sinn, Menschen in die Gemeinde einzuladen, damit sie Jesus erleben, nicht weil wir diesen Menschen irgendetwas voraushätten, sondern weil Jesus sich in den Kopf gesetzt hat, in der Gemeinde erfahrbar zu werden. Das ist das Geheimnis der Gemeinde: dass Jesus in ihr erfahrbar ist. Und das heißt: Das ihr die Predigt verstanden habt, wird man daran merken, dass ihr im Laufe der nächsten Woche mit einem geheimnisvollem Lächeln durch den Alltag geht – so geheimnisvoll, dass andere zu euch sagen werden: „Was ist denn mit dir los, irgendetwas verschweigst du uns doch?“ Und dann könnt ihr sagen: „Das würdet ihr wohl gerne wissen? Das ist das Geheimnis der Gemeinde.“ Amen.
