Greifbar

GreifBar plus am 13.09.2009

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                                      Genug Liebe und Stärke


    1 Auch ihr wart tot durch eure Übertretungen und Sünden, 2 in denen ihr früher gelebt habt nach der Art dieser Welt, unter dem Mächtigen, der in der Luft herrscht, nämlich dem Geist, der zu dieser Zeit am Werk ist in den Kindern des Ungehorsams. 3 Unter ihnen haben auch wir alle einst unser Leben geführt in den Begierden unsres Fleisches und taten den Willen des Fleisches und der Sinne und waren Kinder des Zorns von Natur wie auch die andern. 4 Aber Gott, der reich ist an Barmherzigkeit, hat in seiner großen Liebe, mit der er uns geliebt hat, 5 auch uns, die wir tot waren in den Sünden, mit Christus lebendig gemacht – aus Gnade seid ihr selig geworden –; 6 und er hat uns mit auferweckt und mit eingesetzt im Himmel in Christus Jesus, 7 damit er in den kommenden Zeiten erzeige den überschwänglichen Reichtum seiner Gnade durch seine Güte gegen uns in Christus Jesus. 8 Denn aus Gnade seid ihr selig geworden durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es, 9 nicht aus Werken, damit sich nicht jemand rühme. 10 Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen. (Eph2,1-10)

Liebe Gemeinde,

kennt ihr das „vorher-nachher-Spiel“? Es wird immer wieder gerne gespielt.

Ich habe ein bisschen recherchiert und herausgefunden: Das „vorher-nachher-Spiel“ hat am häufigsten entweder mit dem Gewicht oder mit der Frisur zu tun. Bestimmte Männer- und Frauenmagazine, die ihr natürlich nur beim Friseur oder im Wartezimmer beim Zahnarzt liest, werden nicht müde, Menschen auszustellen, die erst recht geräumig waren, also wie Gott sie geschaffen und McDonalds sie geformt hat -  und die dann, später plötzlich wie Models und Modellathleten daher kommen.  Das verstärkt die Sehnsucht, man möchte das doch auch schaffen! Nur klappt das nicht immer.  Oder wir sehen Menschen, die eine ganz schreckliche Frisur hatten und nach entsprechender Behandlung total chic aussehen. Je nach Geschmack fragt man sich,  ob das Ergebnis wirklich so beeindruckend ist. Politiker eignen sich auch immer wieder für „vorher-nachher-Spiele“, wobei ich diese Karikatur,  die es in ein Museum geschafft hat, nicht als prophetischen Beitrag zum Wahlkampf verstanden sehen möchte. 

Manchmal aber werden uns auch Bilder vom vorher und nachher gezeigt, damit wir uns erinnern, damit wir also nicht vergessen, sondern uns an dem freuen, was anders wurde, weil es besser wurde:  Die Ostseezeitung zeigt uns gerade Bilder, wie es in Greifswald vor 20 Jahren aussah und wie es heute aussieht. Hier die Fleischerstraße - vorher ein Ruine und seither eine attraktive Zeile in der Innenstadt.  Kurz vor dem 9. November kann man das auch an nationalen Symbolen deutlich machen, wie hier am Brandenburger Tor: vorher ein Symbol der gewaltsamen Trennung, heute kann man hindurchspazieren oder beim Berlin-Marathon hindurch laufen, das Tor verbindet und trennt nicht mehr den Osten und den Westen.

1. Worum geht es eigentlich im zweiten Kapitel des Epheserbriefs?

Noch ernster, noch grundsätzlicher und tiefer ist der Vergleich von vorher und nachher, der uns in unserem  heutigen Abschnitt aus dem Brief an die Epheser begegnet. Die Gemeinde in Ephesus wird daran erinnert, wo sie herkommt, und ihr wird gesagt, was sich seither geändert hat. Erinnert euch und freut euch, könnte darüber stehen!  Es ist eine ziemlich radikale kleine Rede von vorher und nachher: Was für ein vorher: „Ihr wart tot“, schreibt Paulus. Was für ein nachher: „Aber Gott hat euch lebendig gemacht!“

Das „vorher“ wird in den dunkelsten Farben gemalt:

Euer Leben jenseits von Gott kann man kein Leben nennen: Ihr wart in „hell’s kitchen“, in Teufels Küche, im Vorhof zur Hölle. Paulus sagt es noch drastischer: Ihr wurdet von einer dunklen Macht besessen und geritten, die euch immer tiefer ins Schlamassel zog. Jenseits von einem Leben mit Gott, bedeutet das, jenseits von einem Leben mit Gott ist kein neutraler Raum, in dem man sich einrichten könnte, zwar nicht fromm, aber vielleicht doch anständig. Jenseits vom Leben mit Gott ist „hell’s kitchen“, und wenn ich mich noch so bemühe, ein anständiger Mensch zu sein. Martin Luther hat uns darum einmal mit einem Reittier verglichen: Entweder Gott oder aber sein Widersacher reiten, besitzen, führen und leiten uns, ein Drittes gibt es nicht. Das sind keine moralischen Kategorien, das fragt nicht nach guten und schlechten Menschen, da geht es um Besitzverhältnisse, da geht es darum, ob mein Leben bei Gott beheimatet ist oder ob ich mich ihm verweigert habe, und das kann man ja hochanständig tun. Oder ganz unanständig, was Paulus hier wohl eher vor Augen hat. Paulus meint: Da kommen wir alle her. Alle. Das ist unser Ausgangspunkt. Das ist eine spannende Beobachtung: dann ist Verlorenheit, „hell’s kitchen“ nicht das Ende, sozusagen als Strafe für ein verfehltes Leben, sondern der Ausgangspunkt. Und wenn dieser Zustand von Paulus als Tod bezeichnet wird, dann bedeutet das auch: Wir können nichts daran ändern. Was sollen Tote auch tun? Ihre ganze Freiheit besteht darin, eben tot zu sein und im Grab zu liegen. Das ist das „vorher“. Unser „vorher“, nicht das „vorher“ von irgendwelchen schlimmen Leuten da draußen.

Umso leuchtender malt Paulus das „nachher“: Gott selbst hat es nicht dabei belassen. Gott ist hier nicht der, der Menschen am Ende in die Hölle verdammt, er ist hier der, der Menschen aus der Hölle herausholt. Aus Toten macht er Lebende. Hier wird die Ostergeschichte als unsere Geschichte erzählt: vorher tot, nachher auferweckt. Vorher ohne Gott, jetzt mit Jesus. Vorher Kinder des Zorns, jetzt von meiner großen Liebe beschenkt. Vorher in hell’s kitchen, jetzt Ehrengäste am Tisch des Herrn. Vorher wirklich arme Schweine, jetzt reich beschenkt. Selig nennt Paulus das: gerettet, nach Hause gebracht, zutiefst ins Lot gekommen, den inneren Nordpol wiedergefunden, aus der Hölle befreit.

Paulus erzählt unsere Geschichte als paradoxe Friedhofsgeschichte, als filme man eine Beerdigung und lasse dann den Film rückwärts laufen. Da geht einer zum Grab und schaufelt den Sarg frei und dann öffnet er den Deckel und ruft mit einem Machtwort den armen Toten heraus, und der schlägt die Augen auf und erhebt sich aus der kühlen Gruft und steigt aus dem Grab und dann versammeln sich Menschen und singen österliche Lieder voller Freude.

Wenn wir im Evangelium vom verlorenen Sohn hören, ist es der gleiche Gedanke: Als der Vater das verlorene Kind im Arm hält und das Fest beginnt, da ruft er aus: Dieser mein Sohn war – was? Ein bisschen in Schwierigkeiten? Leider nicht religiös? Hinter den Erwartungen zurückgeblieben? Eben nicht perfekt, aber wer ist schon perfekt? Nein, dieser mein Sohn war tot, mausetot, weil er nicht beim Vater war, aber jetzt ist er wieder lebendig geworden.

Ostern – tausendfach und abertausendfach wiederholt, wo ein Mensch glaubt und getauft wird. Wie sagt es der Auferstandene: Wer glaubt und getauft wird, der wird selig werden. Paulus geht hier einen Schritt weiter: der ist schon selig. Mit Jesus. Denn Jesus kommt zum Fest und er bringt alle seine Kumpane mit, nicht die feinste Gesellschaft, aber weil er es ist, dürfen sie alle rein, alle dabei sein. Nur rein mit euch, Jesus hat die Tickets gelöst, für jeden, ja auch für dich, nur reinspaziert! Mit Jesus lebendig gemacht. Wegen Jesus Vergebung. Durch Jesus Gnade. Mit Jesus eingesetzt im Himmel. Und in Zukunft: noch reicher will er uns beschenken. Überschwänglich. Und auch das muss wieder mit Jesus zu tun haben: in Christus Jesus. Was haben wir an Jesus? Alles haben wir mit ihm. Was sind wir ohne ihn? Wandelnde Leichen in hell’s kitchen! So sieht Paulus das hier: vorher – nachher!

Eines ist noch zu sagen, eines ist Paulus ungeheuer wichtig: Er redet nicht nur von „vorher“ und „nachher“, er redet auch von „nicht“ und „sondern“: Nicht aus uns heraus wurde dieses persönliche Ostern möglich. Nicht durch Werke. Nicht durch mehr Frömmigkeit. Nicht durch den tapferen Entschluss, ein besserer Mensch zu werden. Nicht durch mehr Beten. Nicht durch weniger Sündigen. Nicht aus uns. Sein Werk. Seine Tat. Ausschließlich. Nicht wir, sondern er. Darum auch: Gewiss und belastbar, unzerstörbar und unkaputtbar. Nicht nach der Logik der Religionen: Tu das, tu mehr, gib dir Mühe! Opfere! Verzichte! Tu gute Werke! Sei fromm! Rauf die Leiter, immer höher, lass uns schauen, ob es reicht, am Ende, vielleicht, vielleicht auch nicht. Nicht die Logik der Religionen: sondern das Erbarmen, die Liebe, die Güte, die österliche Kraft Gottes. Soweit dieser Abschnitt aus dem Epheserbrief, ziemlich klar, wenn auch harter Tobak.

Und nun, was machen wir damit?

2. Meine Verlegenheit beim Lesen dieser Worte!

Ich bin an dieser Stelle stecken geblieben, weil ich mich gefragt habe, wie diese extreme Rede eines Apostels sich zu meinem Leben verhält? Das Problem besteht doch darin, dass für die meisten von uns das „vorher“ nicht so düster und das „nachher“ nicht so glänzend aussieht. Dabei setze ich der Einfachheit halber schon voraus, dass es ein „vorher“ und ein „nachher“ gibt, dass uns Jesus erweckt hat zu einem neuen Leben, und dass uns nichts, auch wirklich nichts zurückzieht in das „vorher“.

Aber war dieses „vorher“ so düster? Es erschließt sich doch nicht so leicht zu glauben, dass das Leben ein Vorhof zur Hölle war, oder? Uns erscheinen persönliche Berichte immer ein bisschen skurril, in denen Menschen ihr altes Leben als die pure Katastrophe bezeichnen und das neue, seit sie glauben, als Vorgärtchen des Himmels.  Kürzlich las ich eine nette Variante: Im Laufe eines Gottesdienstes gab einer der Chorsänger, ein junger Mann von etwa 20 Jahren, sein Zeugnis: „Ich versank tief, tief in der Sünde. ... Immer weiter entfernte ich mich von Gott. Es gab keine Versuchung, der ich mich nicht ausgesetzt sah, keine schlechte Tat, zu der ich mich nicht hingezogen fühlte (!). Ich war rebellisch, aufsässig und destruktiv. Und dann, preist den Herrn, fand ich mit vier Jahren zu Jesus, und er veränderte mein Leben.“

Und das nachher nicht so glänzend: Ich habe einfach darüber nachgedacht, wie es tatsächlich ist. Und an drei Stellen bin ich hängen geblieben, bei denen ich dann dachte: Es wird nicht nur mir so gehen. Man sieht es doch unserem Alltag nicht unbedingt an, dass unser Leben aus einem „vorher“ in ein „nachher“ gehoben wurde, oder?

Erstens: „Nicht aus Werken, damit sich nicht jemand rühme!“ Pustekuchen, ich lebe in einer Welt, in der es nur nach Werken zählt, was jemand ist, und in der das Rühmen zum Grundinventar jeder Unterhaltung zählt. Wie geht es denn zu in meiner Welt: „Durch Anstrengung und Mühsal über alles Maß hinaus seid ihr anerkannt durch Leistung, und das nur aus euch! Euer Verdienst ist es, aus euren Werken, damit ihr gut dasteht, gerühmt und anerkannt werdet und ein gutes Gefühl haben könnt.“ Das ist die Logik, nach der ich lebe, im Beruf, in einer Hochleistungsgesellschaft, bis zur Erschöpfung. Ändert mein Glaube an den gütigen Gott daran etwas? Ist das im „nachher“ anders als im „vorher“? Sagt nun irgendjemand: Oh, dieses Doktorgrad bekommst du aus Gnade, damit du dich nicht rühmen kannst? Nein, der Doktorgrad muss mit Blut, Schweiß und Tränen errungen werden, jedenfalls wenn man nicht das nötige Kleingeld und zweifelhafte Kontakte hat. Und so ist es doch fast überall, oder nicht? Und in einem gewissen Maß ist es doch auch nötig und gut so: Wer von uns wollte schon von einem Chirurgen operiert werden, der seinen Doktor nicht mit Schweiß, Blut und Tränen erworben hat? Aber, aber: Was soll mir dann die Rede von der Gnade?

Zweitens: „tot in den Sünden und Übertretungen, jetzt aber mit Christus lebendig gemacht.“ O.k., aber wie ist es denn mit dem „vorher“ und „nachher“ in dieser Hinsicht? Wer ein bisschen achtsam mit sich umgeht, merkt doch, wie unzureichend er immer noch und immer wieder ist. Wie es hapert an allen Ecken und Enden. Auch im „nachher“. Wie die Liebe auf der Strecke bleibt. Wie uns die Weisheit fehlt. Wie uns Ungeduld, Angst, Sorge, Gier, Geiz, Verbitterung treiben. Unzulänglichkeit eben. Beispiel: Kindererziehung: Charlie Shedd ist ein bekannter Redner in den USA. Er sagte einmal: Als wir noch keine Kinder hatten, fuhr ich durch die Gegend und hielt Vorträge: „10 Gebote, wie man Kinder zu perfekten Erwachsenen erzieht.“ Als unser erster Kind geboren war, änderte ich den Titel: „10 Hinweise, wie es vielleicht klappen könnte“. Als das zweite Kind da war, änderte ich den Titel noch einmal: „Ein paar vorsichtige Empfehlungen für Leidensgenossen“. Und heute – halte ich keine Vorträge mehr. Ich finde, unsere Versuche, Kindern in dieses Welt und in ihr Leben hineinzuhelfen, offenbaren nur zu gut, wie es um uns steht, wie viel wir schuldig bleiben und wie wenig uns oftmals gelingt. Aber: was soll mir dann die Rede vom neuen Leben?

Und drittens: „selig, auferweckt und eingesetzt im Himmel“. O.k., wie es da mit dem „vorher“ und „nachher“? Ist es himmlisch, wie wir leben? Offenbar in vielerlei Hinsicht nicht? Krankheit schlägt zu und will nicht weichen. Die Kräfte reichen oft vorne und hinten nicht. Die Seele will sich nicht freuen und versackt in herbstlichem Nebel. Sorgen machen sich breit, in was für eine Welt wir unsere Kinder da entlassen, was wohl auf sie noch alles zukommt. Den Himmel stelle ich mir schon noch etwas anders vor?

3. Ein zweiter Versuch, Paulus zu verstehen

 Nun muss das alles nicht an Paulus liegen, vielleicht habe ich ja nur noch nicht verstanden, was er uns sagen will. Denn offenbar weiß Paulus das alles auch: Er kennt die Mühsal des beruflichen Lebens, ihm ist Versagen vertraut, er schreibt den Ephesern in Kapitel 5, dass sie sich noch tüchtig ändern sollen und in Kapitel 6, dass dies noch nicht der Himmel ist, weil wir immer noch zu kämpfen haben, sogar gegen sehr dunkle Mächte. Was ist es aber dann mit dem „vorher“ und „nachher“?

Kurzum: Jesus macht den Unterschied, nicht unsere Lebensumstände. Jesus macht den Unterschied. Er ist bei uns, in uns und um uns herum, und das hebt uns aus jeder Hölle. Das müssen wir noch durchbuchstabieren, dann singen wir und dann feiern wir Abendmahl – also eine letzte Runde:

Nicht unsere Lebensumstände haben sich geändert, als uns Gott zum neuen Leben erweckte. Nicht die Mühsal der Arbeit in einer Leistungsgesellschaft. Nicht die Fähigkeit zu versagen und in den großen Aufgaben des Lebens nicht zu genügen. Nicht die Nöte, die in uns und um uns herum toben.

Verändert hat sich eines: Wir sind mit alledem nicht mehr Kinder des Ungehorsams und Kinder des Zorns, nicht mehr geritten vom dunklen Herrscher. Wir sind mit alledem bei Jesus. Und er geht mit uns durch alles hindurch. Wovon Paulus schreibt, das ist ganz einfach: Bei Gott ist genug Liebe und genug Stärke. Er hatte genug Liebe und genug Stärke, dich aus der Verlorenheit herauszuretten, nun wird er auch mit dem Rest noch fertig. Genug Liebe und genug Stärke. So ist das: Er macht Menschen zu seinem Volk, und dann geht er mit diesen Menschen durch dick und dünn. Durch unsere Mühsal, mit der wir uns vom Acker ernähren, der immer noch Dornen und Disteln trägt. Durch unser Ungenügen, das sich wieder und wieder zeigt, wenn wir es  mal wieder ohne Gott und gegen unseren Nächsten versuchen. Durch unsere Not, wenn uns Seele und Leib verschmachten und den Boden unter den Füßen wegziehen. Er nimmt uns noch nicht aus alledem heraus, aber er geht mit uns hindurch. Er hat genug Liebe und Stärke. Den größten Schritt hat er doch schon getan und uns mit Jesus österlich zu neuem Leben erweckt, den Rest wird er noch tun. Das heißt: wir haben Grund stocknüchtern auf diese Welt und unser Leben zu sehen und doch nicht zu verzagen, im Gegenteil: voller Hoffnung weiterzumachen! Denn:

Er hat genug Liebe und Stärke. Er hatte genug Liebe und Stärke für Mose und sein ewig motzendes Volk. Er hatte genug Liebe und Stärke für Josua, dem die Aufgabe über den Kopf zu wachsen drohte. Er hatte genug Liebe und Stärke für Jona, der ihm einfach davonlaufen wollte. Er hatte genug Liebe und Stärke für Petrus, das Großmaul, das ihn kleinlaut verriet. Er hatte genug Liebe und Stärke für Hiob, der sein Leiden nicht mehr verstand. Er hatte genug Liebe und Stärke für Salomo, dem Reichtum und Frauen den Verstand raubten. Er hatte genug Liebe und Stärke für einen Verbrecher am Kreuz, der in letzter Minute um Erbarmen flehte. Er hatte genug Liebe und Stärke für Zachäus, einen korrupten Finanzhai. Er hatte genug Liebe und Stärke für eine verachtete Frau am Jakobsbrunnen, deren Leben in Scherben lag. Er hatte genug Liebe und Stärke für die Gemeinde in Korinth, in der es drunter und drüber ging. Er hatte genug Liebe und Stärke für die Gemeinde in Rom, die für ihn ins Leiden ging. Er hatte genug Liebe und Stärke für David, der so viele Fehler machte, dass man ihn als König kaum brauchen konnte.

Er hat genug Liebe und Stärke, Liebe und Stärke Gottes haben einen Namen, und das ist Jesus. Jesus, Gottes Liebe und Stärke, geht mit durch alle Tiefen, geht mit durch den Stress, geht mit durch die Krankheit, geht mit durch das Versagen, geht mit durch die Traurigkeit, geht mit durch das Altern, geht mit durch den Abschiedsschmerz, geht mit, wenn uns alles zu viel wird, geht mit, wenn niemand uns braucht, geht mit durch die Einsamkeit. Er geht mit und bringt uns durch. Jesus, Gottes Liebe und Stärke – das reicht auch für uns, das reicht auch für Finja, das reicht auch für Eltern und Paten, das reicht für die, die es schwer haben, das reicht auch für die, die krank sind. Wie kommst du nur darauf, es könnte für dich nicht reichen?

Ein Satz zum Schluss:

Gott hat mit uns einen Anfang gemacht. Er hat uns mit Jesus aus dem Grab gerufen und in ein neues Dasein versetzt. Noch sind unsere Lebensumstände nicht so, dass man das Neue an ihnen ablesen könnte. Der amerikanische Theologe Gerry Hawthorne hat dazu aber einen schönen Satz gesagt: „When God is involved, whatever he begins, already has the end inside.“ Wenn Gott beteiligt ist, hat alles, was er anfängt, sein gutes Ende schon in sich. So ist es, seit wir aus „hell’s kitchen“ heraus und in die Gemeinschaft mit Jesus hinein versetzt wurden: Er hat angefangen, und dieser Anfang hat sein gutes Ende schon in sich. Er kommt zum Ziel mit uns. Und wenn Gottes Volk einstimmt, so rufen alle: Amen.

 


Gordon MacDonald: Sich verändern heißt leben. Von der schöpferischen Kraft des Neubeginns. Wuppertal 2005, 56f.