GreifBar plus am 25.10.2009
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Raus aus den ollen Klamotten !
- 17 So sage ich nun und bezeuge in dem Herrn, dass ihr nicht mehr leben dürft, wie die Heiden leben in der Nichtigkeit ihres Sinnes. 18 Ihr Verstand ist verfinstert, und sie sind entfremdet dem Leben, das aus Gott ist, durch die Unwissenheit, die in ihnen ist, und durch die Verstockung ihres Herzens. 19 Sie sind abgestumpft und haben sich der Ausschweifung ergeben, um allerlei unreine Dinge zu treiben in Habgier. 20 Ihr aber habt Christus nicht so kennen gelernt; 21 ihr habt doch von ihm gehört und seid in ihm unterwiesen, wie es Wahrheit in Jesus ist. 22 Legt von euch ab den alten Menschen mit seinem früheren Wandel, der sich durch trügerische Begierden zugrunde richtet. 23 Erneuert euch aber in eurem Geist und Sinn 24 und zieht den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit. 25 Darum legt die Lüge ab und redet die Wahrheit, ein jeder mit seinem Nächsten, weil wir untereinander Glieder sind. 26 Zürnt ihr, so sündigt nicht; lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen 27 und gebt nicht Raum dem Teufel. 28 Wer gestohlen hat, der stehle nicht mehr, sondern arbeite und schaffe mit eigenen Händen das nötige Gut, damit er dem Bedürftigen abgeben kann. 29 Lasst kein faules Geschwätz aus eurem Mund gehen, sondern redet, was gut ist, was erbaut und was notwendig ist, damit es Segen bringe denen, die es hören. 30 Und betrübt nicht den Heiligen Geist Gottes, mit dem ihr versiegelt seid für den Tag der Erlösung. 31 Alle Bitterkeit und Grimm und Zorn und Geschrei und Lästerung seien fern von euch samt aller Bosheit. 32 Seid aber untereinander freundlich und herzlich und vergebt einer dem andern, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus. (Eph4,17-32)
Liebe GreifBar-Gemeinde,
Wart Ihr jemals irgendwo eingeladen und völlig falsch angezogen? Also, so richtig daneben gehauen, dass es peinlich war. In meinen ersten Tagen hier in Greifswald an der Uni ist es mir passiert, dass ich bei einem offiziellen Termin beim Rektor war, und der sah mich nur an und meinte: „Beim nächsten Mal, Herr Kollege, bitte mit der Uni-Krawatte!“
O.k., das war nur mäßig schlimm, aber es gibt ja Verkleidungen, bei denen man sich fragt: Wie konnte er oder sie nur so daneben greifen! Das geht ja gar nicht! So darf man doch niemanden aus dem Haus lassen!
Wenn ich in alten Alben herumblättere, schlimmer noch: wenn ich in Gegenwart meiner Kinder in alten Alben aus den 70er Jahren herumblättere, dann kommt bei uns regelmäßig so ein Kommentar: Unglaublich, wie hast Du Dich damit auch nur auf die Straße gewagt: Hosen mit so viel Schlag, dass die Schuhe darunter verschwanden, eng taillierte Jackets, Hemden mit monströsen Kragen und Krawatten, breit wie Lätzchen und so bunt wie Lätzchen nach Spagetti Bolognese. Papa, das geht ja überhaupt nicht!
O.k., das war damals, aber wie ist es, wenn jemand heute daneben greift? Im Internet habe ich eine Umfrage dazu gefunden:
Frage: Ihr geht zu einer Party und stellt fest, dass ihr komplett falsch angezogen seid! Was tut ihr?
1. Ich habe immer einen Scherz auf Lager und spiele die Situation runter.
2. Unter einem Vorwand verabschiede ich mich ganz schnell wieder.
3. Ich bleibe, genieße einen Wein und mache das Beste daraus.
4. So etwas würde mir weder auffallen noch würde es mich stören.
Und hier sind die Antworten: Paulus hatte offenbar auch Sinn für Mode, denn er benutzt das Bild vom Ankleiden und Umkleiden gleich mehrmals. Auch er weiß etwas von angemessener und peinlicher Kleidung. Aber er sagt es drastisch und nicht so locker wie die Leute im Internet: Mit den ollen Klamotten aus eurer Zeit vor Christus könnt ihr euch nicht mehr sehen lassen. Damit darf man euch nicht mehr vor die Tür lassen. Weg damit, raus aus den ollen Klamotten des Unglaubens. Diesen alten Menschen müsst ihr nun wirklich ausziehen und das neue Gewand anziehen, das Gewand eines Menschen, den Jesus verwandelt, den „new look“ eines Jüngers.
Das ist der zentrale Gedanke in dem Abschnitt aus dem Epheserbrief, den wir heute lesen. Darum geht es. Und das ist zunächst ein recht einfacher Gedanke:
Paulus sagt: Früher lebtet ihr ein heidnisches Leben. Ihr wart von Gott so entfremdet, ihr wart völlig abgeschnitten von der Gemeinschaft mit Gott, dass ihr aus Gottes Sicht schlicht ... tot wart. Und das hatte Folgen: Euer Sinn war verfinstert, ihr wart verstockt, unerreichbar für Gottes Werben um euer Herz. Ihr wart mit euch selbst völlig allein. In euch selbst verkrümmt. Völlig losgelöst von eurer Bestimmung. Und das hatte auch wieder Folgen: Euer Lebenswandel war ziemlich problematisch. Gottes Wille kümmerte euch nicht besonders, und das Wohl eures Nächsten war euch egal. Nur so richtig froh wurdet ihr eures Lebens dabei auch nicht.
Aber dann hat sich ja alles geändert, als Jesus in euer Leben trat. Ihr seid nun getauft. Ihr gehört zu Jesus und ihr gehört zu seiner Gemeinde. Das Alte liegt hinter euch. Aber jetzt geht es erst richtig los. Jetzt soll das Neue auch auf euren Wandel abfärben. Weg mit den ollen Klamotten! Ein neuer Lebensstil ist angesagt.
Den Ephesern schreibt er es so: nie mehr lügen, sondern: die Wahrheit sagen. Nie mehr stehlen, sondern: eigenes Geld verdienen und anderen helfen. Nie mehr unversöhnt auseinander gehen, sondern: immer vor Sonnenuntergang den Zorn begraben. Nie mehr dummes Zeug schwätzen, sondern: reden, was anderen gut tut und sie stärkt. Nie mehr von dunklen Gefühlen getrieben werden, sondern: Bitterkeit und Bosheit aus dem Herzen aussperren. Nie mehr die Gemeinschaft preisgeben, sondern: von Herzen vergeben, wie es Jesus uns immer wieder gewährt. Das sind die neuen Kleider, das ist der „new look“ des Jüngers.
Die Gemeinde von Jesus wird zur Modenschau des Reiches Gottes. Auf dem Catwalk des Glaubens kommen die neuesten Kleider zur Aufführung. Von Grund auf veränderte Menschen sind zu sehen, an deren Leben man sehen kann, was Jesus vermag. Sie tragen Freude und Frieden am Leibe, Großzügigkeit und Geduld, Mitgefühl und Menschenfreundlichkeit, Weite und Warmherzigkeit. Solch einer Gemeinde würden sich doch die Menschen gerne anschließen. Die Gemeinde würde zum modischen Trendsetter des neuen Lebens.
Das ist das Herzstück der heutigen Botschaft. Ich übersetze es für uns als Einzelne: Wer sich so umzieht, der sagt: Ich lasse mich stören. Ich lasse mich locken. Ich lasse mir sagen, dass ich noch nicht bin, der ich sein soll. Ich lasse mir zusagen, dass ich noch nicht bin, der ich sein könnte. Es gibt noch ein besseres „Ich“ als das, das ich zurzeit bin. In seinem grenzenlosen Erbarmen mit mir gefällt Gott nicht alles, was er sieht, wenn er mich sieht. Ach, sagt er, da macht er sich so schwer. Ach, sagt er, da ist bleibt sie noch hinter ihren Möglichkeiten zurück. Kurzum: Ich registriere mit Neugier, auch mit Unruhe, wach und vielleicht etwas beklommen: Mein Herr, dem ich mich verdanke, möchte, dass ich anders werde.
Und damit wären wir eigentlich auch schon durch: Das erklärt sich doch fast von selbst. Hier das alte Leben, abgeschnitten von Gott. Dort das neue Leben, in der Gemeinschaft mit Jesus. Hier die ollen Klamotten, die wir ausziehen (lügen, stehlen, dummes Zeug reden), dort die neuen Kleider, die wir anziehen (wahrhaftig sein, für andere sorgen, einander vergeben). Wer zum Glauben fand, soll sich auch ändern.
Eigentlich alles klar. Klären muss ich nur, ob ich das an mich heranlasse oder diese 25 Minuten Rede sanft verdöse. Oder aber mich daran abarbeite, weil es da doch harte Fragen gibt. Zwei will ich heute anpacken:
Einer steht traurig da und sagt: Schöne Worte, lieber Prediger, aber da ist einerseits das Ich, das Gott neu erschaffen will, und da ist andererseits das Ich, das ich tatsächlich bin, immer noch, immer noch bin. Und dazwischen klafft ein Abgrund. Anders gesagt: die ollen Klamotten scheinen mir am Leib zu kleben, als wären sie festgewachsen. Was soll ich denn tun? Soll ich es noch härter versuchen, noch mehr beten, mir noch mehr Mühe geben?
Und ein anderer steht da und sagt: Fremde Worte, lieber Prediger, denn wieso sollte ich mich ändern? Ich glaube gerne, aber ich bin ehrlich gesagt noch nicht auf die Idee gekommen, dass ich nun mein Leben grundlegend ändern müsste. Ist das nicht eine unerlaubte Einmischung in die inneren Angelegenheiten meines souveränen Selbst? Wenn ich mal so in mich reinhorche: Wirklich ändern will ich mich eigentlich nicht!
Der eine möchte sich ändern und kann es nicht. Der andere will sich gar nicht erst ändern. Also ist es doch nicht so leicht mit dem „Umkleiden“?
Also müssen wir noch einen zweiten Durchgang durch diesen Abschnitt aus dem Epheserbrief machen. Also zwei kurze Vertiefungen zum Wechsel der geistlichen Kleidung:
Die erste Vertiefung: Ich schaffe es nicht – Oder: Hier wirkt der dreieinige Gott
Ich beginne mit zwei ganz fundamentalen Glaubensausagen: Die erste lautet: Es gibt einen lebendigen Gott. Und die zweite: Du bist es nicht. Es gibt einen lebendigen Gott. Und du bist es nicht. Alles, was wir hier lesen – über das Umkleiden und den neuen Lebensstil, ist nicht Produkt unserer Anstrengungen. So meint das Paulus nicht. Gott reißt uns nicht aus der Gottesferne heraus und sagt dann: So, ab hier müsst ihr schon alleine klar kommen. Das neue Leben ist anstrengend, dann legt mal los! So ist es nicht. Du bist nicht dein eigenes Projekt. Es ist Gott, der die beste Version von dir im Sinn hat. Es ist Gott, der sich vorstellt, was noch alles aus dir werden kann. Es ist Gott, der alles bereit stellt, damit das „Ich 2.0“ auch wirklich zustande kommt. Er ist hochgradig daran interessiert, dass dir die neuen Kleider passen. Er hat alles, was zum Umziehen nötig ist, für dich bereit. Er verliert dabei nicht die Geduld. Er wird dich niemals aufgeben. Er nimmt sich genug Zeit, um mit dir zum Ziel zu kommen.
Wir lesen ja in diesen Wochen den ganzen Epheserbrief. Und da ist wichtig, gerade heute sogar entscheidend, den roten Faden im Blick zu behalten.
Epheser 2: Ihr wart tot in euren Sünden. Aber Gott hat euch mit Christus lebendig gemacht. Aus Gnade seid ihr gerettet. Aus Gnade Gottes Kinder. Das ist Gottes Gabe und nicht euer Verdienst. Und jetzt: Sein Werk seid ihr, geschaffen in Jesus Christus, zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen. Das ist Schwarzbrot, ich weiß, aber im Grunde ganz klar: Aus purer Gnade hat uns Gott zu sich gezogen, zum Volk von Jesus in Greifswald. Und auch das gute Neue, der neue Lebensstil, ist sein Werk, von ihm „zuvor bereitet“. Er stellt uns in einen Raum, den er geschaffen hat, und wir brauchen darin nur herumzulaufen.
Epheser 3: Paulus beugt seine Knie und betet für die Epheser, dass sie stark werden am inwendigen Menschen, das ist der neue Mensch, das neue Kleid. Wodurch: indem sie sich mehr anstrengen? Nein, indem Jesus durch den Glauben in ihren Herzen wohnt, und indem sie so in der Liebe verwurzelt sind. Das Neue hat damit zu tun, dass jemand in unserem Herzen wohnt, der uns formt und prägt, in uns das Regiment übernimmt und Gutes bewirkt. Jesus in uns – das heißt: lass ihn machen! Lass ihn doch bloß machen!
Und darum jetzt Epheser 4: Legt ab den alten Menschen, zieht an den neuen Menschen. Die guten Werke sind schon geschaffen, Christus wohnt in euren Herzen. Jetzt geht es los.
Aber wie geht es los?
Gott hat uns dafür Hilfsmittel zur Verfügung gestellt: Es ist z.B. eine gute Übung, einmal zu aufzuschreiben, an welcher Stelle z.B. hier in Epheser 4 unser Herz wach wird, weil wir spüren: Da bin ich gemeint. Hier trage ich immer noch die ollen Klamotten. Und so weiter: Wenn ich Bibel lese und bete und über meinen Tag nachdenke, dann soll ich auch fragen: Herr, wo willst du heute etwas ändern? Ist es mein Umgang mit fremdem Eigentum? Oder ist es die unkontrollierte Wut in mir? Kann ich jemandem nicht vergeben? Oder darf Jesus in meiner Beziehung zu einem Partner nicht mitreden? Vielleicht habe ich auch einen Begleiter, dem ich erlaube, mit mir von Zeit zu Zeit mein Leben zu besprechen und die nächsten Schritte zu planen. Ich wünschte mir, dass unter uns auch die Beichte mehr in Übung wäre: in der Beichte sprechen wir vor Gott und in Gegenwart eines anderen Christen aus, wo es in unserem Leben hakt. Und in der Beichte hören von Gott, dass seine Geduld mit uns nicht erschöpft ist: Dir sind deine Sünden vergeben. Aber die Beichte ist auch der Ort, an dem das Ablegen der ollen Klamotten sehr wirkungsvoll geschehen kann.
Oder nehmen wir das konkrete Beten. Paulus redet z.B. vom Zorn. Und er sagt nicht: Ihr dürft keinen Zorn empfinden. Es gibt ja so superfromme Christen, die meinen, man dürfe niemals einen dicken Hals kriegen überhaupt: Konflikte sind etwas gaaaanz Schlimmes. Das sagt Paulus nicht. Auch Luther nicht: „Wenn man miteinander in einem Haus in einer Stadt zusammenwohnt, da geht’s ohne Stoß nicht ab. ... Du kannst es nicht wehren, dass dich die Laus oder der Floh beißt, dass mir ein bös Wort an den Kopf stößt.“ Das ist so. Aber: wenn ihr zürnt, dann sündigt nicht. Das ist ein Eintrittstor für den Feind. Lasst Jesus euren Ärger managen. Schüttet euer Herz bei ihm aus, und dann lasst euch von ihm helfen, dass der Zorn nicht das Regiment in euch übernimmt.
Jesus in uns nutzt genau diese Werkzeuge, damit wir in den guten Werken wandeln können, die er zuvor bereitet hat. Nutzen wir diese Werkzeuge, dann sprechen wir im Grunde nur Einladungen aus: Herr, jetzt wünsche ich mir, dass du zum Zuge kommst. Und da ich es sicher wieder nicht packe, brauche ich dein Wirken in meinem Leben. Und dann geht es Stück für Stück, Schritt für Schritt. Und wenn ich wieder hingefallen bin, sagt er nur: Komm, gib mir die Hand, ich helf Dir auf, und wir gehen den nächsten Schritt.
Schöne Worte, sagst du trauriger Christ? Weil du so oft schon gescheitert bist. Ja, es sind schöne Worte, aber sie sind auch gedeckt, weil der Herr selbst bei dir ist. Nicht in deiner Anstrengung, aber in seiner Kraft fängt Veränderung an. Er verliert nicht die Geduld. Er gibt dich nicht auf. Erlaube ihm, den nächsten Schritt zu tun. Das ist es, worauf es ankommt.
Die zweite Vertiefung: Ich will es nicht. Oder: Es soll nicht so bleiben, wie es ist!
Das ist die andere Seite. Wenn Gott uns zu seinem Projekt macht, dann soll es auch nicht so bleiben, wie es ist. Vielleicht ist das nun für manchen ein ebenso ungewohnter wie unbequemer Gedanke: Glaube bedeutet Kleiderwechsel, Glaube bedeutet Veränderung. Altes wird abgelegt, Neues übergezogen. Die heidnische Existenz soll eben nicht herübergerettet werden in ein Leben im Glauben. Dann wäre der Glaube nur ein schmückendes Accessoire, ein Beiwerk in einem unveränderten Leben.
Es kann nun sein, dass sich jetzt Widerstand meldet. Wir sind sehr empfindlich, wenn wir den Eindruck haben, auf uns wird irgendein Druck ausgeübt. Wir lassen uns ungern hineinreden in die eigenen Geschäfte. Und vielleicht ist mancher noch gar nicht auf die Idee gekommen, dass er sich ändern sollte, und zwar grundlegend, in der Tiefe des eigenen Lebensstils, weil Jesus dort wohnt und das Leben von innen heraus tüchtig umgestalten will.
Aber was wäre das für eine Geschichte, wenn der verlorene Sohn nach Hause käme, ein tolles Fest mit dem Vater feierte und sich sonst nichts täte, nichts änderte. Wird er nicht alles daran setzen, sich wieder wie ein Sohn im Haus des Vaters zu verhalten?
Aber was wäre das für eine Geschichte, wenn der Zöllner Zachäus gerne mit Jesus am Tisch säße und wüsste: Nun habe ich wieder eine Heimat bei Gott. Aber sein Leben änderte sich nicht, er würde weiter dem Geld nachjagen und Leute übers Ohr hauen?
Aber was wären das für Geschichten, wenn wir bei GreifBar zum Glauben fänden und Taufen feiern, aber dann bliebe alles beim Alten! Wir würden lügen und nicht die Wahrheit sagen. Wir würden es mit fremdem Eigentum nicht so genau nehmen. Wir würden entzweit und zerstritten nebeneinander leben. Wir würden genauso hinter dem Rücken Böses reden und einander kein gutes, offenes Wort gönnen. Wir würden einander Vorwürfe hinterhertragen bis zum jüngsten Tag. Wir würden beten und zum Gottesdienst kommen, wenn uns gerade danach ist. Wir würden Jesus nicht erlauben, unsere Ehen und Freundschaften heilsam zu formen. Wir würden unsere Gaben nicht bereit stellen. Wir würden uns nicht darum scheren, ob es den anderen gut geht oder nicht. Wir blieben unverbindlich und unverbunden. Wir würden Jesus Grenzen setzen und unser Leben würde sagen: Jesus, bis hierher und nicht weiter. In diesem Bereich habe nur ich das Sagen, aber du hast hier nichts verloren.
Ich lese parallel zu den Predigten als Vorbereitung Martin Luthers Auslegungen zum Epheserbrief: Er wird an dieser Stelle sehr deutlich.„Unmöglich ist’s, dass einer wirklich Christus erkennt und an ihn glaubt – und dann doch ein Dieb bleibt, ein Ehebrecher, ein falscher, untreuer Mensch.“ Dabei sieht er uns ganz nüchtern an. Auch die schon lange im Glauben stehen, sind nicht dagegen gefeit, irgendwann gar nicht mehr daran zu denken, dass Jesus ihr Leben noch verändern und erneuern will. Auch wir nicht! Ja, von sich selbst sagt Luther: Wenn ich einmal drei Tage nicht bete, wird mein Herz kalt und ich es geht nicht ohne Schaden ab. Wörtlich schreibt er: „Unser Herz ist gegen das Wort wie eine Eisscholle. Wenn’s nicht wieder schmilzt, wird ein Stein daraus. Darum soll man gern auf das Wort hören.“ Ihr Lieben, wisst ihr noch, dass ihr ein Leben in der Umkleidekabine Gottes führt? Und was ist es, was Jesus als nächstes gerne bei dir in Angriff nähme? Oder ist es einfach an der Zeit, überhaupt den Glauben mit Veränderung des Lebens zusammenzudenken?
Luther vertieft das Ganze und macht es noch dringlicher. Paulus versteckt ja in diesem Abschnitt zwei mögliche Tendenzen: Wir können leben, wie uns Jesus unterweist. Das ist die eine Tendenz. Oder wir können den heiligen Geist betrüben. Es ist Gottes Geist nicht egal, wie wir leben. Er geht traurig oder fröhlich aus unseren Gottesdiensten. Er fühlt sich heiter oder beschwert nach unseren Gesprächen. Er geht froh oder mit Kummer weiter, wenn er unseren Wandel gesehen hat. Gott ist lebendig und kein Klotz! Luther beobachtet, dass daneben noch etwas steht: Wir können den Geist betrüben – und damit dem Teufel Raum geben. Das ist das Spannungsfeld, in dem wir leben, unser Lebtag bis zum Ende. Luther noch einmal wörtlich: „Weil wir also auf der einen Seite den haben, der zum Bösen reizt, darum hetzt Paulus auf der anderen Seite, dass sich die Leute vor Irrtum und ihren eigenen bösen Lüsten hüten.“ Denn: Der Teufel „hetzt ... Tag und Nacht, dass er sein Bild in uns drücke und Gottes Bild zerbreche, innerlich und äußerlich.“
Fremde Worte, sagst du? Zu viel Druck, zu viel Hereinreden in das eigene, freie Leben? Aber es geht genau darum: Wer darf dein Leben prägen? Was soll herauskommen? Gott hat das Beste mit dir im Sinn, der Teufel das Böseste. Nicht ob du dich kleiden lässt, ist die Frage, sondern nur: von wem?
Die Pointe heute Abend war ganz einfach: Ich möchte jeden hier im Raum für den Gedanken gewinnen, dass er oder sie neue Kleider braucht, und dass diese Kleider schon bereit liegen. Ohne Bild: dass wir uns auf das Abenteuer einlassen, uns verändern zu lassen. Und wenn Gottes Volk einstimmt, ruft es: AMEN.
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