GreifBar plus am 08.11.2009
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Lebt als Kinder des Lichts
- 1 Nehmt euch daher Gott selbst zum Vorbild; ihr seid doch seine geliebten Kinder! 2 Konkret heißt das: Alles, was ihr tut, soll von der Liebe bestimmt sein. Denn auch Christus hat uns seine Liebe erwiesen und hat sein Leben für uns hingegeben wie eine Opfergabe, deren Duft vom Altar zu Gott aufsteigt und an der er Freude hat. 3 Auf sexuelle Unmoral und Schamlosigkeit jeder Art, aber auch auf Habgier sollt ihr euch nicht einmal mit Worten einlassen, denn es gehört sich nicht für Gottes heiliges Volk, sich mit solchen Dingen zu beschäftigen. 4 Genauso wenig haben Obszönitäten, gottloses Geschwätz und anzügliche Witze etwas bei euch zu suchen. Bringt vielmehr bei allem, was ihr sagt, eure Dankbarkeit gegenüber Gott zum Ausdruck. 5 Denn über eins müsst ihr euch im Klaren sein: Keiner, der ein unmoralisches Leben führt, sich schamlos verhält oder von Habgier getrieben ist (wer habgierig ist, ist ein Götzenanbeter!), hat ein Erbe im Reich von Christus und von Gott zu erwarten. 6 Lasst euch von niemand mit leeren Behauptungen täuschen! Denn gerade wegen der eben genannten Dinge bricht Gottes Zorn über die herein, die nicht bereit sind, ihm zu gehorchen. 7 Darum hütet euch, mit solchen Leuten gemeinsame Sache zu machen! 8 Früher gehörtet ihr selbst zur Finsternis, doch jetzt gehört ihr zum Licht, weil ihr mit dem Herrn verbunden seid. Verhaltet euch so, wie Menschen des Lichts sich verhalten. 9 Ihr wisst doch: Die Frucht, die vom Licht hervorgebracht wird, besteht in allem, was gut, gerecht und wahr ist. 10 Deshalb überlegt ´bei dem, was ihr tut,` ob es dem Herrn gefällt. 11 Und beteiligt euch unter keinen Umständen an irgendeinem Tun, das der Finsternis entstammt und daher keine guten Früchte hervorbringt. Deckt solches Tun vielmehr auf! 12 Denn was manche im Verborgenen treiben, ist so abscheulich, dass man sich schämt, es auch nur zu erwähnen. 13 Doch alles, was aufgedeckt wird, ist dann im Licht ´als das` sichtbar, ´was es wirklich ist`. 14 Mehr noch: Alles, was sichtbar geworden ist, gehört damit zum Licht. Deshalb heißt es auch:»Wach auf, du Schläfer,und steh auf von den Toten!Dann wird Christus sein Licht über dir leuchten lassen.« 15 Gebt also sorgfältig darauf Acht, wie ihr lebt! Verhaltet euch nicht wie unverständige Leute, sondern verhaltet euch klug. 16 Macht den bestmöglichen Gebrauch von eurer Zeit, gerade weil wir in einer schlimmen Zeit leben. 17 Lasst es daher nicht an der nötigen Einsicht fehlen, sondern lernt zu verstehen, was der Herr von euch möchte. 18 Und trinkt euch keinen Rausch an, denn übermäßiger Weingenuss führt zu zügellosem Verhalten. Lasst euch vielmehr vom Geist ´Gottes` erfüllen. 19 Ermutigt einander mit Psalmen, Lobgesängen und von Gottes Geist eingegebenen Liedern; singt und jubelt aus tiefstem Herzen zur Ehre des Herrn 20 und dankt Gott, dem Vater, immer und für alles im Namen von Jesus Christus, unserem Herrn. (Eph5,1-20)
Liebe Gemeinde,
die Wirkung eines Satzes hängt sehr von der Situation ab. Nehmen wir zum Beispiel die Herrnhuter Losungen. Das sind ja aus dem Alten Testament geloste Bibelworte für jeden Tag, die Jahre im Voraus aus der Lostrommel gezogen werden, und zum Beispiel stand in den Herrnhuter Losungen für den 26. Jahrestag des Mauerbaus am 13.August 1987 ein Wort aus Psalm 24 Vers 7: „Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch.“ Ein linientreuer Universitätstheologe und Mitarbeiter der DDR Zensur notierte: „Assoziation: Macht das Tor auf.“ Aber trotz Widerstand, die Losungen, jedenfalls die gelosten Worte des Alten Testaments wurden nie geändert, höchstens die Gebete die dazu ausgewählt wurden. Die mussten gelegentlich mal ausgetauscht werden.
Ein anderes Beispiel: Ich kann mich erinnern an einen Jugendtag Ende der achtziger Jahre. Ich denke das war in Berlin. Der Moderator kommt nach vorn und sagt: „Liebe Freunde habt ihr heute schon die Losung gelesen? Im Psalm 18 Vers 30 steht: Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen. Ich begrüße unsere Gäste von drüben aus Westdeutschland.“ Wir haben natürlich alle gefeixt und uns um die umgekehrte Richtung vorgestellt, von Ost nach West.
Und zum 40. Jahrestag der „Deutsch’n Demokrat’schen Rebublik“, am 7.Oktober 1989 haben wir – ich weiß gar nicht, wer auf die Idee gekommen ist – Erich Honecker ein Bibelwort aus Psalm 95 Vers 10 in den Mund gelegt. Dort steht: „40 Jahre war dies Volk mir zuwider, dass ich sprach: Es sind Leute, deren Herz immer den Irrweg will und die meine Wege nicht lernen wollen.“ Ich hab selten so viel Spaß mit einem Bibelvers gehabt.
Das war mein Beitrag zum 20.Jahrestag des Mauerfalls, morgen am 9.November.
Zum Predigttext: Natürlich hängen auch Ziel und Wirkung vom Paulusbrief an die Epheser von der historischen Situation ab, aus der heraus er geschrieben wurde und die hinein er geschickt wurde. Und auch wie diese Sätze auf uns wirken, hängt natürlich davon ab, in welcher Situation wir uns befinden. Es ist also durchaus hilfreich, sich eine Vorstellung davon zu machen, was wohl damals los war in Ephesus. Ich möchte dazu gerne den Text selbst zitieren, und mit den Worten der Neuen Genfer Übersetzung schließe ich, dass das Umfeld der Gemeinde damals geprägt war von sexueller Unmoral, Schamlosigkeit jeder Art, Habgier, Obszönitäten, gottlosem Geschwätz, anzüglichen Witzen, sowie übermäßigem Weingenuss mit anschließendem Rauschzustand und zügellosem Verhalten. Das scheint ein Stück weit die Normalität damals ausgezeichnet zu haben. Es wird sogar auf noch schlimmere Dinge angespielt, die gar nicht erst beim Namen genannt werden. In dieser Situation ist offensichtlich Orientierung für die Gemeinde notwendig.
Ich setze damit heute das Thema von vor zwei Wochen fort. Dort hieß es: Raus aus den alten Klamotten, rein in die neuen Klamotten. Heute heißt es: Raus aus der Finsternis, hinein ins Licht. Michael Herbst hat ja sehr behutsam Brücken gebaut. Ich gehe heute einfach hinüber und falle mit der Tür ins Haus. Dabei möchte gern in zwei Schritten durch den Text gehen.
Die ethischen Konsequenzen der Gnade
Das Leben im Licht.
1. Die ethischen Konsequenzen der Gnade. Unsere Entscheidung
Paulus redet Klartext. Wie schon im Kapitel zuvor spricht er aus, was geht und was nicht geht im Leben von Christen.
Nun ist es evangelische Tradition, dass wir zuerst von der Gnade als Geschenk reden, von der Vergebung ohne Vorleistung, von Gottes Liebe mit lebenslanger Garantie. „Denn Gott ist es, der in euch wirkt beides, das Wollen und das Vollbringen, nach seinem Wohlgefallen.“ (Phil. 2, 13) Ähnlich hat Paulus das auch am Anfang des Epheserbriefes formuliert. Und das ist ja auch richtig und wichtig.
Trotzdem gibt es ethische Konsequenzen der Gnade, und es gibt Dinge, die können wir entscheiden. Ob ich zum Beispiel einen anzüglichen Witz, weit unterhalb der Gürtellinie erzähle oder nicht, das kann ich entscheiden. Ob ich über einen lache, ist manchmal schon schwieriger zu kontrollieren. Ich weiß nicht, ob ihr an euch dieses gequälte Gesicht kennt, während ihr darüber nachdenkt, ob ihr über diesen Witz noch lachen könnt oder ihn einfach nur geschmacklos findet. Und ob ich im Konsum einen Schokoriegel mitgehen lasse oder nicht, das kann ich entscheiden. Natürlich gibt es Ausnahmen. Es gibt Zwangsverhalten, Zwanghaftigkeit, fehlendes Urteilsvermögen oder mangelndes Unrechtsbewusstsein. Aber Hand aufs Herz: In der Regel zählt das nicht als Entschuldigung, oder?
Wozu Paulus hier ansetzt, das wird jetzt keine seelsorgliche Ansprache an jemanden, der nicht von pornografischem Material lassen kann. Sondern hier geht es um klare Orientierung in einem herausfordernden gesellschaftlichen Umfeld. Da muss jemand den Kopf klar bekommen und das Herz mitnehmen. Denn der Entscheidung geht zunächst einmal die Einsicht voraus: Was ist denn nun eigentlich richtig? Was ist falsch? Solche Maßstäbe können sich ja ändern. Sie können mein Denken ändern. Sie können mein Reden ändern. Sie können letztlich meine Entscheidungen ändern. So etwas geschieht natürlich nicht von heute auf morgen. Es gibt auch nicht diesen Automatismus: Kaum bin ich Christ, fallen alle Laster von mir ab. Denn Christsein ist ein Wachstumsprozess, an dem ich aktiv beteiligt bin. Ich möchte es gerne einmal so ausdrücken:
Ich lasse mich von Jesus prägen, mein Leben, meine Werte, mein Weltbild.
Ich lasse Gott im Hören auf sein Wort mein Gewissen formen.
Ich lasse Gottes Heiligen Geist Veränderung in mir wirken und gehe los. Denn „Nach dem Hören, folgt das Handeln.“ (Arno & Andreas)
Doch am Anfang steht die Entscheidung für ein aktives an sich geschehen lassen. Aber ich bin beteiligt, ich entscheide mit. Ich hatte nun - nicht so ganz beabsichtigt - diese Woche eine praktische Übung darin. Ich bin nämlich in mich gegangen und habe eine Magenspiegelung über mich ergehen lassen. Das war ein sehr zweifelhaftes Vergnügen. Ich habe mir auch nicht die Komaspritze verabreichen lassen, insofern war der Arzt auf meine Unterstützung angewiesen, dass ich ihm nicht eine wische, weil es mir dann doch nicht mehr passt. Es war nicht angenehm, aber notwendig.
Selbsterfüllende Prophetie zum Beispiel funktioniert ja auch in zwei Richtungen. Ich kann sagen: „Das schaffe ich sowieso nicht. Gleich mache ich einen großen Fehler und fahre mit dem Auto gegen das Garagentor“, und manch einer hat es mit dieser Einstellung tatsächlich an das Garagentor geschafft. Ich kann aber auch sagen: „Mit Gottes Hilfe wird mir dies oder das gelingen.“ Was ich damit sagen will? Manch eine Veränderung geschieht im Tun und nicht im Warten darauf. Wenn Jesus zum Beispiel sagt: „Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen.“ (Mt. 5, 44), dann kann ich natürlich darauf warten, dass mich ein unbändiger Strom der Liebe überkommt für die Menschen, die mir am meisten zu schaffen machen. Aber das habe ich noch nicht so häufig erlebt. Was ich aber tun kann ist: Ich kann anfangen zu beten. Ich kann für die Menschen beten, die mir zu schaffen machen. Ich kann anfangen, im Namen Gottes die Menschen zu segnen und ihnen alles erdenklich Gute zu wünschen. Und dann habe ich schon erlebt, dass Gott meine Einstellung ändert, dass er mein Verhältnis auch meine Empfindungen diesen Menschen gegenüber ändert.
Ein anderes Beispiel: Einen Gottesdienst oder Hauskreis zu besuchen ist ja eine sinnvolle Sache und natürlich sind jetzt gerade nicht die Leute hier, die solche Sätze sagen wie: „Der Herr hat mir noch nicht gezeigt, dass dies mein Weg ist. Ich suche Gott in der Natur.“ Und so funktioniert das ja auch nicht, sondern ich brauche die Gemeinschaft der Christen und das Hören auf Gottes Wort. Und indem ich hingehe, werde ich merken, wie wichtig es ist, die Gemeinschaft der Christen zu haben und auf Gottes Wort zu hören.
Es reicht eben nicht, schlechte Gewohnheiten abzuschaffen. Wir müssen ihnen auch gute Gewohnheiten entgegensetzen. Ein Beispiel aus unserem Text, Vers 4: „Auch schandbare und närrische oder lose Reden stehen euch nicht an, sondern viel mehr Danksagung.“ Das gilt auch, wenn zum Beispiel im Kollegenkreis über den Chef gelästert wird. Da kann man sich zum Beispiel darin üben, etwas Vorteilhaftes über den Chef zu sagen. Es soll ja Chefs geben, die nicht nur falsche Entscheidungen treffen. Es kann durchaus helfen, einfach mal zu sagen, was am Chef gar nicht so schlecht war oder wo man denkt: „Das war eine durchaus gute Entscheidung.“
Paulus gibt den Ephesern auf diesem Weg zwei Dinge mit (Verse 1 und 2):
Denk daran: ihr seid Gottes geliebte Kinder.
Werdet zu Nachahmern seiner Liebe.
Es geht also viel weniger um das Befolgen von Regeln, als vielmehr darum, in der Liebe Gottes zu leben und ihn nachzuahmen, um Jesus ähnlicher zu werden. Das ist doch nun wie in einer Familie. Wir überschütten unsere Kinder mit Liebe und mit gut gemeinten Lebensregeln: „Tut dies und tu das nicht.“ Aber die Erfahrung zeigt, wir können unseren Kindern sagen, was wir wollen, am Ende machen sie uns doch alles nach. Also lasst uns doch gleich Jesus anschauen und es ihm nachmachen.
Konkret am Beispiel Unzucht. Im Vers 3 heißt es in der Lutherbibel „Unzucht“. Ich hab mal im griechischen Urtext nachgeschaut. Dort steht „Porneia“ als Inbegriff sexueller Unmoral, insbesondere Prostitution und Ehebruch. Porneia, das ist die Perversion der Liebe, die Gott meint, wo sich ein Mann und eine Frau in lebenslanger Treue einander hingeben. Porneia steht im Widerspruch zu der Liebe und Treue mit der Gott zu uns hält. Das ist Liebe auf Sex reduziert. Aber über Prostitution hinaus geht es auch darum, wie wir voneinander reden, um den Umgang der Geschlechter, über obszönes, geschmackloses Reden oder ob wir im Gegensatz dazu, respektvoll voneinander reden und einen liebevollen Umgang pflegen. „So folgt nun Gottes Beispiel als die geliebten Kinder und lebt in der Liebe.“
Und dann kommt in Vers 5 der Satz: „Denn das sollt ihr wissen, dass kein Unzüchtiger oder Unreiner oder Habsüchtiger, das sind Götzendiener, ein Erbteil hat im Reich Christi und Gottes.“ Ich denke, das ist nun nicht die Einführung des Leistungsprinzips durch die Hintertür, nach dem Motto: Ein anzüglicher Witz und ich stehe mit einem Bein in der Hölle. Beim zweiten anzüglichen Witz ist der Lohn dahin und der Himmel ade. Nein, es geht vielmehr um eine Zustandsbeschreibung. Das passt einfach nicht zusammen und wer das Gegenteil behauptet, der lügt. Hier gibt es nur ein entweder oder. Trotzdem, natürlich kann jeder versagen, aber auch Schuld erkennen und bekennen, Vergebung erfahren und einen Neuanfang wagen. Das muss an dieser Stelle auch gesagt werden. Aber ein Leben im Ehebruch und Christsein das passt einfach nicht zusammen. Da besteht Handlungsbedarf.
Bei Adrian Plass gibt es eine schöne Geschichte: Ein junger Mann fährt jeden Morgen mit einem Bus zur Arbeit und trifft dort jeden Morgen eine attraktive Frau. Mit der Zeit kommen sie sich näher und er merkt, wie seine Zuneigung zu dieser Frau wächst und ist etwas ratlos, denn er möchte gerne seiner Frau treu bleiben. Deshalb tut er 2 Dinge: Erstens, er nimmt morgens einen anderen Bus zur Arbeit und zweitens, er spricht mit seiner Frau darüber.
Ich habe mir schon länger vorgenommen und dieses Mal habe ich es gewagt: Immer wenn ich auf Dienstreise gehe, dann sehe ich etwas zu viel fern und das ist schlecht. Erstens bin ich am nächsten Morgen unausgeruht und zweitens gibt es in manchen Hotels Sender, die hätte ich besser nicht einmal beim durchzappen gesehen. Dieses Mal habe ich das Hotel angerufen und gefragt, ob sie denn den Fernseher aus meinem Zimmer herausnehmen könnten. Er würde mir irgendwie nicht gut tun. Ich hatte nicht das Gefühl, dass die Dame spontan nachempfinden konnte, was mich da geritten hat und bin sehr gespannt, ob es funktioniert.
Die ethischen Konsequenzen der Gnade. Diese Formulierung habe ich bei Lindsay Brown aufgeschnappt. Er war in den neunziger Jahren Generalsekretär der internationalen Studentenbewegung IFES, und ich erinnere mich noch, wie er Geschichten erzählt hat, von Studenten, in Afrika zum Beispiel, die konsequent die ethischen Konsequenzen der Gnade gelebt haben, und die dadurch ihre Gesellschaft geändert haben, im Kleinen oder auch im Großen.
Dabei geht eben auch um den respektvollen Umgang der Geschlechter miteinander und um den Umgang mit Sexualität. Das soll aber nicht bedeuten, dass wir uns zwingen müssen, moralisch einwandfrei zu leben, sondern dass wir uns von Gottes Wesen prägen lassen und von seinen Werten getrieben sind, eine Ethik zu leben, die sich an Gott orientiert, auch wenn sie im Widerspruch zu den Werten unserer Gesellschaft steht. Wir entscheiden uns dem Vorbild Jesu zu folgen, freiwillig und aus Überzeugung weil es unsere Bestimmung ist. Damit komme ich zum zweiten Teil:
2. Das Leben im Licht. Unsere Bestimmung
Im Vers 8 und Folgende heißt es: „Denn ihr wart früher Finsternis, nun aber seid ihr Licht in dem Herrn. Lebt als Kinder des Lichts. Die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.“
So, das ist natürlich jetzt mein Thema. Ich bin ja von Hause aus Lampenphysiker. Mein Job ist es sozusagen, die verschiedenen Spielarten des Lichtes zu verstehen. Ich würde heute gern einmal versuchen, euch zu veranschaulichen, was das bedeuten könnte: Leben im Licht.
Ich habe hier zum Beispiel eine Glühlampe, denn ich finde, manche Christen sind wie eine Glühlampe. Die Glühlampe erinnert mich an Christen, die sich zwingen moralisch einwandfrei zu leben. Paulus würde vielleicht von den Juden, die unter dem Gesetz sind, sprechen. Sie quälen sich, um ein wenig Licht aus sich heraus zu quetschen. Die Glühlampe funktioniert ja so, dass durch einen hauchdünnen Draht ein fürchterlich großer Strom gequält wird und der Draht dadurch fürchterlich heiß wird. Aber im Grunde ist alles nur heiße Luft, was dabei herauskommt. 7-8 % der gesamten Energie, die man in eine Glühlampe hineinsteckt, kommen überhaupt nur als sichtbare Strahlung wieder heraus. Eigentlich ist das ein Jammer. Dagegen gibt es natürlich noch die Energiesparlampe. Die schafft locker das Vierfache an Energieeffizienz. Das heißt: 30 % der Energie werden direkt in sichtbare Strahlung umgewandelt. Aber die Leute lieben die Glühlampe, und sagen den Energiesparlampen alles mögliche Schlechte nach. Sie wäre nicht so hell, wie man behauptet. Sie würde flackern und schädliches blaues Licht verbreiten. Außerdem geht sie viel schneller kaputt, als alle behaupten und so weiter. Ganz allgemein kann ich euch sagen: Das ist falsch. Ich kenne natürlich auch die Nachteile von Energiesparlampen und die Vorteile von Glühlampen, und ich bin mir sehr sicher, dass es die Glühlampe noch lange, lange geben wird – also keine Sorge. Aber vieles von dem, was in der letzten Zeit durch die Medien ging war Humbug. Jedenfalls, verglichen mit der Glühlampe sind Energiesparlampen wie dazu geschaffen Licht zu verbreiten. Die können gar nicht anders. Das liegt in ihrem Wesen. Die Glühlampe ist ja im Gegensatz dazu ein zweckentfremdeter Draht – etwas überspitzt ausgedrückt. Doch das Licht, das in den Energiesparlampen aufleuchtet, ist zunächst gar nicht sichtbar. Es ist nämlich ultraviolettes Licht, und das muss erst durch den Leuchtstoff in sichtbares Licht transformiert werden. Mit anderen Worten: Wir sind die Energiesparlampen unserer Welt, geschaffen um Licht zu verbreiten, und das Licht das in uns entfacht wurde für andere sichtbar zu machen.
Nun sind das gar nicht die Lampen, mit denen ich mich hauptsächlich beschäftige, denn ich forsche vor allem an Hochdruckentladungslampen. Ich zeige euch jetzt einmal eine Hochdrucklampe im Betrieb. (Sehr, sehr helles Licht.) Das ist jetzt eine 150 Watt Hochdrucklampe, da kann man nicht wirklich hineinschauen. Wenn ich etwas von dieser Lampe lernen will, muss ich mir ein Bild anschauen und im Anschauen dieses Bildes, kann ich erkennen, was hier eigentlich passiert. Mein Job ist es, mir das Bild anzuschauen um zu verstehen, was in dieser Lampe vor sich geht. Also, verglichen mit den Energiesparlampen sind die Hochdrucklampen das Licht in Person, das Licht selbst. Da wird auch nicht erst unsichtbare Strahlung in sichtbare Strahlung umgewandelt. Verglichen mit den Hochdrucklampen, sind die Energiesparlampen, sozusagen Babylampen – Kinder des Lichts. Tja, ich würde euch jetzt gerne noch viel mehr erzählen über die Lampen, aber das würde hier sicherlich den Rahmen sprengen. Was ich gerne festhalten möchte ist: Es ist unsere Bestimmung als Kinder des Lichts zu leben, auszustrahlen in unsere Gesellschaft und zwar nicht, indem wir uns ein Funken Licht aus der Rippe quälen, sondern indem wir das Licht raus lassen und unsere Bestimmung leben. „Ihr seid, also seid auch.“ Ihr seid Licht in dem Herrn, also lebt als Kinder des Lichts. Legt los, wartet nicht länger. Seid erkennbar als Kinder Gottes.
Die Epheser haben übrigens erlebt, was es heißt, Ausstrahlung zu haben auf eine ganze Metropole. Ephesus war ja eine der bedeutendsten und mit über vielleicht 200.000 Tausend Menschen auch eine der größten und reichsten Städte des römischen Reiches. (Wikipedia) Das missionarische Zeugnis dieser Gemeinde hat eine ganze Großstadt erschüttert, oder doch zumindest einen Wirtschaftszweig. Es gab in Ephesus nämlich einen Tempel der Artemis und um diesen rankte sich der Wirtschaftszweig der Silberschmiede. Die Silberschmiede lebten davon, kleine Nachbildungen der Artemis zu verticken. In Apostelgeschichte 19 steht beschrieben, wie der Silberschmied Demetrius einen Aufruhr anzettelte. Er hat die anderen Silberschmiede, die er noch kriegen konnte, um sich geschart hat und wollte Paulus an den Kragen, weil ihm das zu viel wurde. Offensichtlich war er in eine Wirtschaftskrise geraten und hatte einen Umsatzeinbruch zu verzeichnen, weil die Leute Christen geworden sind und er seine kleinen Artemisfigürchen nicht mehr losgeworden ist.
In der Offenbarung lesen wir dagegen im Sendschreiben an die Epheser: „Aber ich habe gegen dich, daß du die erste Liebe verlässt. So denke nun daran, wovon du abgefallen bist, und tue Buße und tue die ersten Werke!“ (Offb. 2,4+5a) Ich denke, das ist jetzt genau die Herausforderung, zu der auch Paulus wieder aufruft. Die Klarheit und Strahlkraft zu behalten, wenn alle um uns herum etwas anderes leben, das ist die eigentliche Herausforderung. Wenn unser gesellschaftliches Umfeld uns weismachen will, es wäre doch in Ordnung so. Und darum heißt es schon in Vers 7 „Darum seid nicht ihre Mitgenossen“ und in Vers 10 und 11 „Prüft, was dem Herrn wohlgefällig ist, und habt nicht Gemeinschaft mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis; deckt sie vielmehr auf.“ Lasst euch nicht irritieren, seid klar in euren Entscheidungen, seid erkennbar, unterscheidbar.
Die Frage ist doch: Wo steht die christliche Gemeinde heute in der Gefahr, ihre Ethik nicht an der Wirklichkeit Gottes, sondern an der gesellschaftlichen Realität auszurichten?
Ich finde, diese Frage war in der DDR leichter zu beantworten. Das System hat quasi den Widerstand herausgefordert. Christen haben sich oft verweigert. Das fing an mit der Mitgliedschaft in verschiedenen Kinder- und Jugendorganisationen, wie den Pionieren oder der FDJ. Es ging weiter mit der Jugendweihe oder der Mitgliedschaft in dem Verein für Deutsch Sowjetische Freundschaft oder der Gesellschaft für Sport und Technik – untere deren Dach eine paramilitärischen Ausbildung durchgeführt wurde, bis hin zu dem Eid des unbedingten Gehorsams oder der Ausbildung an der Waffe beim Wehrdienst. Die Alternative dazu war, als Bausoldat zu „dienen“. Nicht jeder Christ ist den Weg der Verweigerung gegangen, aber die meisten, die diesen Weg gegangen sind waren Christen, und das hat sie als Christen erkennbar gemacht.
Natürlich bin ich heute dankbar, für Demokratie, für Meinungsfreiheit und für Rechtsstaatlichkeit. Ich bin dankbar, in einem Staat zu leben, wo schon in der Präambel des Grundgesetzes Gott vorkommt. Trotzdem habe ich mich gefragt: Was sind Punkte, wo wir erkennbar und unterscheidbar bleiben? Ich denke, da gehört unter anderem dazu, dass Christen dafür einstehen, dass Sex in die Ehe gehört, also auch nicht vor die Ehe, sondern in die Ehe. Es gehört auch dazu ehrlich und gerecht zu handeln, selbst wenn es zum eigenen Nachteil ist. Und es gehört auch der Schutz des ungeborenen Lebens dazu. Für mich und meine Frau bedeutete das zum Beispiel, dass wir uns einem Teil der vorgeburtlichen Diagnostik verweigert haben, die lediglich dazu diente, eine Erbkrankheit festzustellen, die eine Abtreibung gerechtfertigt hätte. Weil das für uns aber von vorn herein nicht in Frage kam, haben wir uns dem verweigert und sind damit bei der Frauenärztin durchaus auf Unverständnis gestoßen. Darüber hinaus vermisse ich manchmal ein klares Bekenntnis zum christlichen Glauben in den Medien. Ich habe den Eindruck, das Thema wird in bestimmte Ecken gedrängt. Politiker dürfen gern auf dem Kirchentag von ihrem Glauben sprechen, aber in den Medien ist das politisch nicht korrekt. Besonders deutlich wird das beim Bekenntnis zum Schöpfergott. Da gibt es so negative Beispiele wie Joachim Bublath, der lange die Sendung „Abenteuer Forschung“ moderiert, wo er sich bestenfalls lustig gemacht hat, über Kreationisten und Leute, die an einen Schöpfergott glauben. Ich bedaure auch sehr, dass in der Sendung „Die große Show der Naturwunder“ mit Frank Elstner nach meinem Eindruck die Worte Schöpfung und Wunder hartnäckig vermieden werden. Ein eher positives Beispiel ist Harald Lesch, der jetzt die Sendung „Abenteuer Forschung“ moderiert. Harald Lesch ist ja Prof. für Astrophysik in München und bekennender Protestant. Er wagt gelegentlich, ganz vorsichtig, sich auch mal zu seinem christlichen Glauben zu bekennen.
Vers 13 und 14: „Das alles aber wird offenbar wenn es vom Licht aufgedeckt wird und alles was offenbar wird, das ist Licht.“ Wenn Gott mein Leben anschaut, mich anleuchtet, wird vieles klar und offenbar und es wird selbst im Licht verwandelt. Es kann einfach nicht dunkel bleiben. Mein Leben wird sich ändern. Das ist keine Möglichkeit, das ist eine Zwangsläufigkeit. „Ich bin das Licht der Welt, wer mir nachfolgt der wird nicht wandeln in der Finsternis sondern wird das Licht des Lebens haben.“ (Joh. 8, 12) Aber es ist unsere Entscheidung, in dieses Licht zu treten, auf den Prüfstand zu stellen, was wir an Gewohnheiten, Ansichten, Schwächen im Gepäck haben und an der Liebe Gottes zu messen. „Darum werdet nicht unverständig, sondern versteht, was der Wille des Herrn ist.“ (Vers 17)
4. Zusammenfassung
Ich komme zum Ende und möchte das Gesagte gern so zusammenfassen: Als Christen folgen wir dem Beispiel von Jesus. Seine Liebe ist Vorbild für unseren Lebenswandel. So leben wir als Kinder des Lichts.
Ich meine, klare Positionen in ethischen Fragen machen uns erkennbar, gerade wenn sie im Widerspruch zur gesellschaftlichen Realität stehen.
Nun finde ich es schön, dass nach einem so anspruchsvollem Text auch Paulus einen humorvollen Abschluss findet, indem er schreibt„Sauft euch nicht voll Wein, ..., sondern lasst euch vom Geist abfüllen, äh ... erfüllen...“ Gebt die Kontrolle nicht an den Alkohol ab, sondern an den heiligen Geist. Ihr seid keine fremdgesteuerten Marionetten, wenn ihr die Kontrolle an den Heiligen Geist abgebt. Nein, ihr dürft mitdenken und mitentscheiden.
Und ganz am Ende soll der Dank stehen: „Sagt Dank Gott, dem Vater, allezeit für alles, im Namen unseres Herrn Jesus Christus.“ Wie heißt es so schön bei unseren Alten: Danken schützt vor Wanken. Denn es hilft uns, den Blick darauf zu richten, dass die Grenzen, die Gott uns setzt und die Richtung, die er uns gibt, dem Leben dienen.
So soll es sein. Amen.
DER SPIEGEL 3/1996.
Diese Formulierung ist nicht von mir. Ich weiß aber auch nicht mehr, bei wem ich sie aufgeschnappt habe. Vielleicht bei Hans Bürki oder Siegfried Kettling.
Im Laden zählt natürlich die Lichtausbeute in Lumen pro Watt. Da ist es dann am Ende der Faktor 5 Unterschied zwischen Glühlampe und Energiesparlampe.
Formulierung gehört als Auslegung von Gal. 5,1 auf SMD-Mitarbeiterfreizeit Baltrum 92
