Greifbar

GreifBar plus am 24.12.09 Christmette

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                              Von langer Hand vorbereitet


    1 Paulus, ein Knecht Christi Jesu, berufen zum Apostel, ausgesondert zu predigen das Evangelium Gottes, 2 das er zuvor verheißen hat durch seine Propheten in der Heiligen Schrift, 3 von seinem Sohn Jesus Christus, unserm Herrn, der geboren ist aus dem Geschlecht Davids nach dem Fleisch, 4 und nach dem Geist, der heiligt, eingesetzt ist als Sohn Gottes in Kraft durch die Auferstehung von den Toten. 5 Durch ihn haben wir empfangen Gnade und Apostelamt, in seinem Namen den Gehorsam des Glaubens aufzurichten unter allen Heiden, 6 zu denen auch ihr gehört, die ihr berufen seid von Jesus Christus. 7 An alle Geliebten Gottes und berufenen Heiligen in Rom: Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus! (Röm1,1-7)

Liebe Gemeinde,

gegen Ende des Jahres werden immer die besonderen Menschen des Jahres geehrt. Personen, die einen besonderen Eindruck hinterlassen haben, deren Taten oder deren Schicksal uns in diesen letzten 12 Monaten berührt haben.

Zum Beispiel: die Wahl zum „Sportler des Jahres“, und es war eine junge Frau von der Insel Rügen, Steffi Nerius, die Sportlerin des Jahres, die sich in einer langen Karriere als Speerwerferin immer wieder durchgebissen hat und trotz schwerer Verletzungen besondere Leistungen brachte, zuletzt als Weltmeisterin in Berlin.

Kurz davor haben wir erlebt, wie die Schriftstellerin Herta Müller in Stockholm geehrt wurde: Literatur-Nobelpreisträgerin, nicht zuletzt geehrt für die Kraft ihrer Sprache, mit der sie das Leben und Leiden von Menschen unter der kommunistischen Diktatur beschrieb und dafür sorgte, dass solche Schicksale nicht vergessen werden.

Oder in den TV-Jahresrückblicken zwei am Leben zerbrochene Menschen: Michael Jackson, das tragische Genie, der King of Pop, der im wirklichen Leben ein armes Schwein war, und Robert Enke, der Torhüter, von dessen Krankheit niemand wissen durfte, bis er das Leben nicht mehr ertrug.

Oder in besonderen Feierstunden wie vor ein paar Tagen in München, wo an Dominik Brunner erinnert wurde, jenen 50jährigen Münchener, der in der U-Bahn einigen Schlägern entgegentrat, um vier Kinder zu beschützen, und der daraufhin selbst zu Tode getrampelt wurde.

Gegen Ende des Jahres werden die besonderen Personen geehrt, und das ist gut so, besonders dann, wenn es nicht nur die großen Stars sind, sondern auch die besonderen kleinen Leute. Wir erfahren, wer sie sind und was sie geleistet haben. Sie werden öffentlich herausgestellt, ihnen zu Ehren werden Feiern veranstaltet, über ihr Leben werden Reden gehalten, und das Besondere wird erzählt, auf dass wir es nicht vergessen. Solche Menschen werden geehrt: dieses Jahr diese, nächstes Jahr werden es andere sein.

Umso auffälliger ist es doch, dass wir jedes  Jahr an einen, an denselben, an Jesus erinnern. Wir feiern seinen Geburtstag, auch wenn es gerade kein runder ist. Wir feiern ihn Jahr um Jahr, immer am Ende des Jahres, wenn all die anderen Feiern zu Ende sind.  Dann steht alles für einen Moment still. Diese Erinnerung scheint sich nicht zu erledigen, aber sie versteht sich auch nicht von selbst. In einem Internet-Forum des Spiegel über Weihnachten fragte eine Frau:  „Bin Atheistin und für eine Aufklärung dankbar: Was ist der ‘eigentlich tiefere Sinn des Festes’?“

Wir können es sehr schlicht sagen: Wir feiern hier den Geburtstag dieses besonderen Kindes, Jesus, geboren in Bethlehem, Sohn eines Zimmermanns, selbst gelernter Zimmermann, unverheiratet, drei Jahre Wanderprediger auf den Straßen Judäas und Galiläas, dem Gerücht nach mit ärztlichen Fähigkeiten, um das Jahr 30 hingerichtet in Jerusalem. Ihn zu feiern, ist der tiefere Sinn dieses Festes.

Es bleibt aber schon erstaunlich, dass wir gerade diesen Geburtstag feiern. Jesus wurde geboren als das Kind ärmlicher Eltern, unter sehr unhygienischen Bedingungen, in einem ganz entlegenen Winkel unserer Welt. Ihm sind in seinem ganzen Leben vielleicht ein paar Hundert Menschen begegnet, vielleicht haben ein paar Tausend zugehört, wenn er auf seinem Weg nach Jerusalem Reden hielt. Er hat seine Heimat nie verlassen. Er hat kein Buch geschrieben. Er besaß nie eine Firma, er führte keine Armee, er hatte nie ein hohes politisches Amt. Er hatte nie einen Tempel, er hatte ja nicht einmal ein eigenes Haus. Er starb an einem Schandmal und nicht hochgeehrt im Kreis seiner Lieben. Das ist ein Leben, das bestenfalls zur Fußnote in Spezialwerken zur frühjüdischen Geschichte taugt, bestenfalls einmal erinnert beim Jahresrückblick in Kapernaum um das Jahr 30, dann gerne und bald vergessen. Wer ist er? Was hat er getan?

Und doch sollte in den nächsten beiden Jahrtausenden sein Name mehr Menschen berühren, inspirieren, aufwühlen, trösten, bewegen, ermutigen, verändern, heilen, auf die Beine bringen, irritieren und orientieren als irgendein anderer Name. Während die Namen der Großen, die wir feiern, schnell wechseln, bleibt er, seit 2000 Jahren und mit ihm Weihnachten. Nahezu überall auf der Erde bilden sich seit jenem ersten Geburtstag Gemeinschaften von Menschen, die ihr Vertrauen auf ihn setzen. Bis heute. Und bis heute halten wir inne, am 24. Dezember, treffen uns, feiern, singen Lieder, hören eine Festrede und denken an ihn, Jesus, geboren in Bethlehem. Es muss eine story hinter der story geben – und die erzählt Paulus: „Jesus Christus, unser Herrn, der geboren ist aus dem Geschlecht Davids nach dem Fleisch, und nach dem Geist, der heiligt, eingesetzt ist als Sohn Gottes in Kraft durch die Auferstehung von den Toten.“

Paulus sagt: das ist eine gute Nachricht, Jesus ist eine gute Nachricht. Und wenn er von Jesus reden will, muss er es immer in zwei Sätzen tun, zwei Sätze, die Himmel und Erde zusammenhalten, zwei Sätze, die zunächst so weit auseinanderstreben, dass es einen fast zerreißt, wie ein viel zu gewagter Spagat, der kaum zu ertragen ist.

Erster Satz: Jesus ist ein Kind, geboren, auf die Welt geworfen, aus jüdischem  Samen, aus der Familie Davids, ein kleiner Mensch aus Fleisch und Blut. Das ist der Weihnachtssatz.

Zweiter Satz: Jesus ist der Herr, Gottes Sohn, seine Heimat ist die Ewigkeit, er gehört rechtmäßig in die Machtzentrale des Universums, dorthin ist er auferweckt und erhöht und mit höchster Autorität ausgestattet, Friedensfürst und Welterlöser. Das ist der Ostersatz.

Und beide Sätze müssen wir hören, um Weihnachten zu verstehen: kleines Baby, schutzlos, wehrlos, ausgeliefert, angewiesen auf Nahrung und Hilfe, von jedem Virus, von jeder Gewalttat bedroht, nicht in der Lage, sich selbst zu helfen. Und Herr der Welt, der am Ende die Knoten der Weltgeschichte auflöst, dem Elend und der Not ein Ende bereitet und den Tod in die Schranken weist. Nicht das eine oder das andere, sondern das eine und das andere, ja das eine nie ohne das andere. Es geht um Hoheit und Niedrigkeit, um höchste Macht und tiefste Ohnmacht, um oben und unten, ein oben, das nach unten kommt, und ein unten, das nach oben erhöht wird. Die erste Christenheit hat sich ein paar Jahrhunderte gemüht und gequält, beides beieinander zu halten, beides von Jesus zu bekennen: ganz Mensch und ganz Gott, und beides immer ganz beieinander, ungetrennt und doch unvermischt. Der Herr als Knecht und der Knecht als Herr. Der von oben ganz unten, aber auch der ganz unten war, nun ganz oben. Ganz bei uns und zugleich ganz der Herr. Der Geist hat den Sohn zum Vater erhöht und ihn so zum Herrn über alles gemacht. Die Pointe aber ist: jetzt ganz oben ist er immer noch der, der er ganz unten war, voller Erbarmen in aller seiner Vollmacht. Heute Nacht, zumal in einer Festrede für das Geburtstagskind, kann ich nur weniges davon beleuchten:

Das Wichtigste zuerst: Gott wird also Mensch. Wir buchstabieren es immer wieder nach: Gott kommt zur Welt. Gott kommt in unsere Lebenswirklichkeit. Der Regisseur des Titanic-Films David Cameron ließ Leonardo di Caprio stundenlang in eiskaltem Wasser stehen, davon es später auf der Leinwand echt aussehen sollte, die Kälte, das Entsetzen, der nahe Tod ganz realistisch! Aber natürlich ging di Caprio danach warm duschen, bekam einen heißen Tee und freute sich am Erfolg des Films. Jesus tat nicht nur so als ob. Er stieg hinein in das wirkliche Leben, wo es am härtesten war. Und er blieb, kostete es aus bis zum Letzten, auch die Freuden, mehr noch die Leiden. Er kannte die Dunkelheit der Seele, er wusste, was Unterdrückung ist, er kannte Hunger und Kälte, er erfuhr, wie es Menschen geht, die sich schützend vor andere stellen. Er ließ sich zu Tode treten. Er lebte ein menschliches Leben von der Gefahr der Geburt bis zum letzten Atemzug am Kreuz. Gott wird Mensch, Gott kommt zur Welt.

Wenn wir in dieser Nacht das göttliche Geburtstagskind feiern, dann feiern wir Jesus, weil er voller Mitgefühl mit uns ist. Nichts ist ihm fremd, was uns widerfährt. Nie ist er fern, wenn wir das Menschsein in den schönsten Momenten genießen. Nie ist er fern, wenn wir durch die dunkle Täler müssen. Wir feiern heute Nacht Jesus und wir feiern den Abschied von jedem Gottesbild, das Gott als entrückt denkt, als fern, distanziert, kühl, uninteressiert, unbewegt, das ihn als unfähig betrachtet, unfähig der Freude, unfähig des Schmerzes, unfähig der inneren Teilnahme, unfähig des Zornes über alles, was uns kaputt macht. Das verabschieden wir. Und das ist gute Nachricht, denn das Ganze ist ja kein göttlicher Selbsterfahrungstripp, keine himmlische Expedition, die sozusagen der Weiterbildung Gottes dient, nach dem Motto: aha, so ist fühlt sich das also an. Wenn Gott so nah kommt, dann doch nur aus einem Grunde: Er nimmt unser Schicksal auf seine Schulter, er trägt unser Leben und macht uns deutlich: das müssen wir nicht mehr allein hinkriegen. Fortan ist Gott in unserem Leben, an unserer Seite, nicht dass sich damit alles schon auflöste, aber nichts, nichts kann uns ereilen, das wir nun allein schaffen müssten.

Und das ist nicht bloß eine fromme Theorie. Paulus sieht sich als Knecht und Apostel, so stellt er sich den römischen Gemeinden vor. Er sagt von sich: Der als Kind geboren wurde, und der am Ostermorgen den Tod bezwang, ist mir persönlich begegnet. Ich habe es selbst erlebt, wie er mein verkorkstes Leben in Ordnung gebracht hat. Wenn wir heute Nacht feiern, dann sind wir zusammen als Menschen, von denen mindestens einige sagen können: Er hat verstanden. Er hatte Mitgefühl. Er hatte Kraft. Er hat mein Leben in Ordnung gebracht. Ich lag am Boden, als meine Ehe zerbrach. Er hat mich aufgerichtet und mir gezeigt, dass es weitergeht. Ich musste durch das Sterben des liebsten Menschen hindurch und verstehe es immer noch nicht, aber ich weiß diesen Menschen in Ewigkeit geborgen. Ich war mir selbst nichts wert, so gedemütigt und misshandelt von Männern, wieder und wieder, aber dieser Mann am Kreuz hat mir meine Würde gegeben. Ich bin irgendwann im Leben falsch abgebogen, aber ist mir nachgegangen, still und beharrlich, bis ich wieder offen für ihn war. Ich musste ganz allein in der fremden Stadt klarkommen und er hat mir geholfen, mich spüren lassen, dass er bei mir ist. Ich habe Mutter und Vater verloren, da kam er mir nah und wurde mein fürsorglicher Vater. Ich konnte mir nicht verzeihen, dass ich mein Leben schon wegwerfen wollte, da schenkte er mir einen neuen Anfang. Das ist das Ergebnis dieser steilen Abfahrt Gottes aus dem himmlischen Gipfel ins irdische Tal. Das ist er, das hat er geleistet.

Ein Zweites noch: Wie sollten wir sonst wissen, wie Gott ist. Müssten wir nicht zugeben, dass wir kleinen, endlichen Menschen über Gott nichts sagen können, nicht, ob es ihn gibt, nicht wer und wie er ist. Glaube und Unglaube müssten uns doch gleichermaßen überheblich erscheinen. Der Glaube, weil er zu wissen behauptet, was Menschen nun einmal nicht wissen können, weil das Kleine und Endliche eben das Große und Unendliche nicht fassen oder greifen kann. Der Unglaube gleichermaßen, weil er frech zu bestreiten wagt, was auch er nicht fassen oder greifen kann. Ehrlich wäre doch noch am ehesten der, der sagt: Ich weiß es nicht und kann es auch nicht wissen. Das Verhältnis des Menschen zu Gott sei etwa das der Waldameise zum Förster, sagte vor kurzem der Kabarettist Dieter Nuhr. Natürlich gibt es den Förster, aber wenn die Waldameise behauptet, ihn zu kennen, seine Worte zu hören und mit ihm zu reden, dann ist sie reif für die Waldameisenpsychiatrie. So ist es doch mit uns endlichen Wesen, wenn Gott Gott ist und nicht nur ein Götze, den wir uns ausdachten. Es sei denn, es sei denn Gott erniedrigte sich selbst, stiege hinab und hinein in unser Leben und stellte sich uns glaubhaft vor, es sei denn, er wählte eine Weise uns zu begegnen, die wir fassen könnten, und in der zugleich in uns das Vertrauen wächst: Hier ist mehr als ein Mensch, hier begegnet mir der Herr des Universums, hier ist eine Liebe und Kraft, die nicht mehr irdisch ist. Das aber genau feiern wir in dieser Nacht, wenn wir sagen: Gott wurde Mensch.

Paulus sieht sich darum als Knecht und Apostel für die Heiden. Er sagt: Diese Botschaft muss raus, sie ist von globaler Bedeutung. Und er sagt es frech und akzentuiert: sie ist nicht nur für die geburtsmäßig Frommen, sie ist für die Heiden, und wir, die Gemeinde, wir sind zuständig, sie zu den Heiden zu bringen, damit immer mehr Menschen Jesus vertrauen. Unsere Gemeinde steht wieder einmal vor der Frage, wohin es für uns geht. Mir geht ein Satz nicht aus dem Kopf, den einer der Studenten sagte, die im Ostseeviertel mit Kindern und Eltern arbeiten, in deren Leben der Glaube gewiss noch nicht vorkam, und die mit manchen Nöten belastet sind. Er sagte etwas resigniert: Wer geht denn schon ins Ostseeviertel? Mit dieser Frage las ich die Worte, die Paulus an die Römer schrieb: Wer geht denn schon ins Ostseeviertel? Bethlehem steht eher für das Ostseeviertel als für die Professorenvillen, und Jesus wählt offenkundig den Weg nach unten, zu denen, zu denen keiner sonst will. Da will er hin. Wenn wir mitgehen, ist er bei uns. Wenn wir nicht hingehen, wo er hingeht, können wir nicht vollmundig behaupten, er sei ja immer bei uns. Seine Zusage gilt, wenn wir aufbrechen, nicht wenn wir sitzen bleiben. Er sammelt sein Volk, und wir sollen dabei sein. Wie das im Ostseeviertel geht, muss uns im neuen Jahr beschäftigen. Einfach ist das nicht, aber der Stall von Bethlehem war auch nicht einfach.

Zum Schluss geht es immer um die Geschenke. Wer zu einem Fest geladen wird, bringt doch Geschenke mit, oder? Man traut sich doch nicht zu einem Fest ohne Geschenke. Ein Jubilar lädt ein und beschreibt dem Gast den Weg. Du musst an der Hauptstraße links abbiegen, dann geht es eine Weile geradeaus bis zu dem kleinen gelben Haus an der Ecke, da biegst du rechts ab und am Ende des Weges ist es das rote Häuschen, und dann trittst Du einfach kräftig gegen die Tür. Wieso sollte ich denn gegen die Tür treten? Na, Du wirst doch wohl nicht mit leeren Händen kommen! Was aber sind die Geschenke, die wir Jesus mitbringen sollen? Ich las in einem Kalenderblatt die Geschichte eines kleinen Jungen, der an der Krippe mit dem Jesuskind redet und ihm so gerne etwas schenken möchte. Und Jesus sagt: Ja, ich möchte wohl ein Geschenk von Dir haben. Genau genommen möchte ich drei Geschenke von Dir haben. Der Kleine wird blass: Meinen neuen Mantel, mein schönes Buch und meine elektrische Eisenbahn? Nein, sagt Jesus, die behalte mal und freu Dich dran. Deinen letzten Aufsatz möchte ich haben! Aber der war ungenügend, 6, völlig verhauen. Genau, sagt Jesus, das möchte ich als Dein Geschenk, alles, was ungenügend ist in deinem Leben. Und dann möchte ich noch etwas, nämlich deinen Milchbecher. Aber der ist doch zerbrochen. Genau sagt Jesus, und wenn wir schon mal dabei sind: Ich möchte gerne alles von Dir haben, was zerbrochen ist, damit ich es heilen kann. Bist Du einverstanden? Ja, stottert der Junge. Und als letztes, sagt Jesus, als letztes Geschenk möchte ich die Antwort haben, die du deiner Mutter gegeben hast, als sie fragte, wie denn der Milchbecher kaputtgegangen ist. Da weinte der Kleine bitterlich: Ich, ich, ich … ich habe gesagt, ich hätte den Becher umgestoßen; in Wahrheit habe ich ihn absichtlich auf die Erde geworfen. Ja, du sollst mir all deine Lügen, dein Böses, was du getan hast, bringen", sagt Jesus. Und wenn du zu mir kommst, will ich dir helfen; ich will dich annehmen in deiner Schwäche; ich will dir immer neu vergeben; ich will dich an deiner Hand nehmen und dir den Weg zeigen. Das ist der weihnachtliche Geschenkeaustausch: dass wir dem Jesus geben, was unheil und falsch in unserem Leben ist, und dass er uns beschenkt, mit neuen Anfängen. Darum geht es ihm am meisten, wenn wir heute ihm zu Ehren feiern. Ich weiß nicht, wo jeder einzelne von uns heute Nacht steht im Blick auf sein Verhältnis zu dem Kind in der Krippe, dem Herrn als Knecht, aber jetzt, wo wir hier seinen Geburtstag feiern, spricht er auch uns zu Herzen. Und wenn wir jetzt weiter singen und beten, ist auch der Raum gegeben, ihm zu sagen, wie es um uns steht, und wo wir ihn brauchen und uns ihm schenken, erstmals oder nach langer Zeit wieder, oder aber aufs Neue, wenn unser Verhältnis zu ihm etwas lau und flach geworden ist. So ehren wir am Ende des Jahres nicht den Sportler des Jahres oder unsere persönlichen Helden und Nobelpreisträger, so ehren wir Jesus, unseren Herrn, Mensch geboren und erhöht. Und beginnen können wir, indem Gottes Volk einstimmt und ruft: Amen.