Greifbar

GreifBar plus am 27.12.2009

GreifBar_plus_1.Joh_1_1-4.mp3
GreifBar_plus_1.Joh_1_1-4.pdf

 

                                      Jesus wahrer Mensch


    1 Was von Anfang an war, was wir gehört haben, was wir gesehen haben mit unsern Augen, was wir betrachtet haben und unsre Hände betastet haben, vom Wort des Lebens 2 und das Leben ist erschienen, und wir haben gesehen und bezeugen und verkündigen euch das Leben, das ewig ist, das beim Vater war und uns erschienen ist 3 was wir gesehen und gehört haben, das verkündigen wir auch euch, damit auch ihr mit uns Gemeinschaft habt; und unsere Gemeinschaft ist mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus. Und das schreiben wir, damit unsere Freude vollkommen sei. (1.Joh 1,1-4)

 

Das da von Anfang war, das wir gehört haben, das wir gesehen haben mit unsern Augen, das wir beschaut haben und unsre Hände betastet haben, vom Wort des Lebens – und das Leben ist erschienen, und wir haben gesehen und bezeugen und verkündigen euch das Leben, das ewig ist, welches war bei dem Vater und ist uns erschienen – was wir gesehen und gehört haben, das verkündigen wir euch, auf dass ihr mit uns Gemeinschaft habt; und unsre Gemeinschaft ist mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus. Und solches schreiben wir euch, auf dass eure Freude völlig sei.

 

Die drei großen Fragen

 

Warum musste Jesus als Mensch geboren werden?

Warum stiftet die gemeinsame Erlösung Gemeinschaft?

Unsere Aufgabe?

 

Erster Brief des Johannes

Entstehung: Ende des 1. Jahrhunderts lebte Johannes als sehr alter Mann wahrscheinlich in Ephesus. Wie wir aus unserer Predigtreihe wissen, war Ephesus eine schwierige Stadt mit moralischen Auswüchsen, aber auch mit vielen falschen Lehren. Ein besonders falscher Lehrer war ein Mann namens Cerinthus, der wahrscheinlich von frühen Formen der Gnostik beeinflusst war. Die Gnostiker gingen davon aus, dass die physische Welt grundverschieden von der geistigen sei, so dass es völlig unmöglich wäre, dass Jesus wahrer Mensch und wahrer Gott sein könnte.

Die falsche Lehre bezüglich der Beziehung von Geist und Materie führten auch dazu, dass manche Gnostiker annahmen, dass Glaube etwas rein Geistiges sei und nichts mit dem Lebensstil zu tun hätte. Cerinthus lehrte, dass das Verhalten des Körpers den Geist nicht beeinflussen könnte, so dass Christen jede Sünde begehen könnten, ohne an ihrer Seele Schaden zu nehmen. Vor allem aber wäre es völlig egal, ob man Gemeinschaft mit dem Glaubensgeschwistern hält, denn dass alles hätte mit der Seele ja nichts zu tun.

Zielsetzung: Für Johannes war es deshalb sehr wichtig zu betonen, dass Jesus wahrer Mensch war und dass alle, die an Jesus glauben, einander lieben sollten. In drei Briefen legt er ausführlich dar, dass er selbst Jesus als wahren Menschen erlebt und als Sohn des lebendigen Gottes erfahren hat.

Der erste Abschnitt des 1. Johannesbriefes ist die Einleitung und stellt bereits dieses zentrale Thema in den Mittelpunkt.

 

Der Text, etwas andere Darstellung:

Wir verkündigen Euch nicht,

was andere uns erzählt haben.

was wir uns ausgedacht haben.

was unsere große Philosophie in der Gelehrtenstube uns eingegeben hat.

Wir verkündigen Euch,

was wir selbst gesehen, gehört, erlebt, gespürt haben.

Ich, Johannes, saß zu den Füßen Jesu, hörte seine Worte, war sein Jünger. Ich habe alle dieses Worte, diese Lehre, selbst von ihm vernommen. Ich habe mir das nicht ausgedacht, sondern der, der selbst das Leben ist, hat es mir offenbart.

WAS verkündigen wir?

und das Leben ist erschienen, und wir haben gesehen und bezeugen und verkündigen euch das Leben, das ewig ist, welches war bei dem Vater und ist uns erschienen –

Und solches schreiben wir euch, auf dass eure Freude völlig sei.

WAS verkündigen wir?

Wir verkündigen Euch Gott – der von Anfang an dar war!

was wir gehört haben! von ihm persönlich!

was wir gesehen haben – mit jungen, gesunden Augen

was wir beschaut haben – nicht nur einmal, sondern mehrere Jahre lang

was unsere Hände betastet haben – seinen Körper, seine Wärme, seine Wunden.

Mit anderen Worten:

dieses Zeugnis ist wahr!

es ist vor jedem Gericht gültig, denn ich bin Augen-, Ohren-, und Nasenzeuge.

 

WAS verkündigen wir?

was wir gesehen und gehört haben, das verkündigen wir euch, auf dass ihr mit uns Gemeinschaft habt; und unsre Gemeinschaft ist mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus.

Und solches schreiben wir euch, auf dass eure Freude völlig sei.

WAS verkündigen wir?

Das Leben! Und damit nicht nur eine tote Philosophie oder ein geistige Lehre.

Leben, das ist:

Blut, das durch Adern fließt,

Schweiß, der an heißen Tagen aus den Poren dringt

Urin und Stuhlgang, Speichel und Gerüche

Jesus lebte wahrhaftig! Er war keine fromme Idee, kein Geist, kein Engel oder völlig unnahbarer Gesandter aus der fernen Götterwelt der Griechen

Jesus war ganz Mensch! in jeder Beziehung!

Wir erinnern uns daran, wie Johannes sein Evangelium beginnt:

Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dasselbe war im Anfang bei Gott. - nichts gemacht, was gemacht In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.

Auch hier dasselbe, große Thema:

Jesus ist auf die Welt gekommen als wahrhaftiger Mensch. Mit allem, was dazu gehört: Mit Schreien, Schmerzen, Freude, vollen Windeln, Kinderkrankheiten, Schweiß, Blut. Er war ganzer Gott und ganzer Mensch.

Mit anderen Worten: Die Gnostiker und Cerinthus haben Unrecht. Und das verkündige ich Euch.

 

Konsequenz:

Das da von Anfang war, das wir gehört haben, das wir gesehen haben mit unsern Augen, das wir beschaut haben und unsre Hände betastet haben, vom Wort des Lebens

– und das Leben ist erschienen, und wir haben gesehen und bezeugen und verkündigen euch das Leben, das ewig ist, welches war bei dem Vater und ist uns erschienen –

was wir gesehen und gehört haben, das verkündigen wir euch, auf dass ihr mit uns Gemeinschaft habt; und unsre Gemeinschaft ist mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus.

4 Und solches schreiben wir euch, auf dass eure Freude völlig sei.

Konsequenz: Die Botschaft, dass Jesus ganzer Mensch war und für uns geboren wurde,

führt zur Gemeinschaft

unter den Christen

mit Gott

führt zur Freude!

 

Für mich stellen sich aus diesem Text drei große Fragen:

Warum musste Jesus als Mensch geboren werden?

Warum verkündigt Johannes diese Botschaft?

Warum stiftet die gemeinsame Erlösung Gemeinschaft?

 

Hierzu soll uns ein Beispiel dienen, das sogenannte Wunder von Lengede.

Lebendig begraben: Das Unglück von Lengede

24. Oktober 1963, 20 Uhr.

Eisenerzgrube Lengede-Broistedt (zwischen Braunschweig und Hannover)

Einsturz des Klärteiches 12, eine halbe Million Kubikmeter Schlammwasser drang in die Grube ein und überflutete die Stollen zwischen den 100- und 60- Meter-Sohlen.

Schlamm: wer nicht mitgerissen wird, ersäuft gnadenlose im Dreck.

129 Bergleute befanden sich zu jener Zeit unter Tage

79 konnten sich selbst befreien über Wetterschächte

50 blieben ohne Hoffnung unten

19 Bergleute retten sich in den alten Mann, einem nicht mehr gesicherten, aufgegebenen Schachtteil und kauern sich in eine Höhle.

dunkel

von der Außenwelt abgeschlossen

ständiger Steinschlag

dem Tode nahe.

14 Tage ohne Essen und Trinken

nach einigen Tagen trinken sie das Wasser, obwohl bereits Verwesung der darin liegenden Leichen eingetreten ist.

Lebendig begraben.

 

Große Rettungsaktion

Aber: nach 10 Tagen wurde das schwere Rettungsgerät wieder abgefahren. Hatte keinen Sinn<//a>

teilweise suchen sie auf eigene Faust nach den Bergleuten!

plötzlich Bohrgeräusche im Alten Mann

Rettungskapsel (Dahlbuschbombe) wird heruntergelassen, ein anderer Bergmann riskiert sein Leben, um dort den völlig entkräfteten Kameraden in die Rettungskapsel zu helfen.

 

Gemeinschaft

Große Gemeinschaft der Bergleute in dieser Situation

Lebenslange Gemeinschaft der Geretteten

Film

 

Die drei großen Fragen

Warum musste Jesus als Mensch geboren werden?

Ich stehe nicht im Verdacht, etwas gegen Manager zu haben.

aber hier nützt ein Grubenmanager im schönen Anzug mit Krawatte wenig.

wir brauchen jemanden, der bereit ist,

sich die Hände schmutzig zu machen

sein Leben zu riskieren

in den Schacht zu steigen

die völlig entkräfteten Kumpels nach oben zu bringen

Wenn man diese Männer retten wollte, musste man sich in den Dreck der Todeshöhle aufmachen

So ist es auch mit unserer gefallenen Welt.

Ein Gott, der in der Höhe sitzt und kluge Ratschläge gibt, nützt den in der Todeshöhle der gefallenen Welt sitzenden gar nichts!

Wir brauchen einen Gott, der zu uns herunterkommt

Leid und Sterben, Schlamm und Dreck dieser Welt auf sich nimmt,

und uns aus dieser Todesnot befreit.

Für die geistige Welt sind wir natürlichen Menschen genauso entkräftet wie die Bergleute im Alten Mann für das Tageslicht.

Jesus musste auf diese Welt kommen, er musste ganz Mensch werden, weil es keinen anderen Weg gibt, uns ans Licht der Liebe Gottes zu bekommen.

Deshalb – so verkündigt Johannes – ist es falsch, wenn die Gnostiker behaupten, Jesus sei nicht ganz Mensch gewesen. Es ist falsch, weil nur in der Menschwerdung Gottes unsere Rettung beginnen konnte.

Und deshalb ist es auch falsch, wenn andere Religionen meinen, ohne Jesus, das Kind in der Krippe, sei ein Weg herauf ins Licht und zum Herzen Gottes möglich.

Warum verkündigt Johannes diese Botschaft?

Gerettete Bergleute setzen sich dafür ein, dass die Suche nicht aufgegeben wurde.

wer selbst gerettet wurde, kann nicht mit ansehen, dass seine Kumpels aufgegeben werden.

wer selbst das Leid und den Tod erfahren hat, aber daraus befreit wurde, gibt alles dafür, dass andere auch eine Rettungskapsel bekommen.

Gerettete Christen können nicht mit ansehen, wie die Suche nach im Schlamm der Welt verstrickten aufgegeben wird.

wer Jesus kennengelernt hat und von ihm gerettet wurde, kann nicht anders, als dieses Botschaft weiterzutragen.

wer selbst das Leid und Tod dieser Welt erfahren hat, aber von Jesus gerettet wurde, muss alles dafür tun, dass andere in den Schutzraum kommen, den Jesus uns mit seinem Leiden und Sterben ermöglicht hat.

Deshalb kann Johannes gar nicht anders, als immer wieder davon zu sprechen, was er erfahren hat:

was er gehört, gesehen, gefühlt hat.

von Jesu Geburt, seinen Predigten, seinem Leben, seinem Sterben und Auferstehen.

und deshalb können wir als Greifbar – Gemeinde nicht anders, als Gottes Wort in dieser Stadt verkündigen. Auch und gerade das Wort, dass Gott nicht irgendwo oben im Himmel schwebt wie der Bergwerksdirektor auf der sicheren Oberfläche, sondern dass an Weihnachten Gott in die Abgründe der menschlichen Existenz herabgestiegen ist, um uns aus Todesnot und Sündenschlamm zu befreien.

Warum stiftet die gemeinsame Erlösung Gemeinschaft?

Was in diesem Filmbeitrag fehlte, war die unglaubliche Gemeinschaft, die zwischen den Geretteten entstanden war.

Wer 14 Tage in Todesnot verbracht hat, und dann gerettet wurde, wird für immer eine besondere Beziehung zueinander haben. Nicht der Tod schweißt zusammen, sondern das gemeinsame gerettet werden.

deshalb ist es ganz normal und selbstverständlich, dass Christen als die geretteten eine ganz besondere Gemeinschaft verbindet.

Deshalb kann es Johannes auch als wichtige Konsequenz der Botschaft von Weihnachten aufzeigen, dass wir Gemeinschaft haben.

Mit Gott, dem großen Retter

untereinander als Volk der Geretteten.

Deshalb war die Lehre der Gnostiker, dass wir uns allein um unsere Seele kümmern müssen und die Liebesgemeinschaft mit der Gemeinde vernachlässigen können, unnatürlich und falsch.

Und deshalb gehören wir als Gemeinde der Geretteten zusammen. Wir müssen einander nicht unbedingt in allen Aspekten sympathisch finden, aber wir gehören zusammen, weil uns das unglaublichste Erlebnis verbindet:

Gemeinsam gerettet zu sein!

Daraus erwächst Freude!

Unsere Aufgabe

Was haben wir davon, dass Jesus geboren wurde? Dass Gott Mensch wurde und uns gerettet hat?

Die Frage klingt erstaunlich, denn den geretteten Bergleuten musste man ja auch nicht sagen, was sie von ihrer Rettung hatten. Sie waren überglücklich – zunächst.

Dann ging das Leben weiter. Sie mussten wieder arbeiten, und viele sind auch wieder eingefahren.

Und irgendwann war ihre Rettung nur noch Erinnerung!

Dann war es besonders wichtig, dass sie sich trafen und miteinander erzählten, wie das damals war, wie sie gerettet wurden.

Für Christen besteht die Gefahr, dass die eigene Rettung, die Bekehrung, ein tolles Ereignis aus der fernen Vergangenheit ist, an das man sich zwar gerne erinnert, das aber immer mehr verblasst.

Deshalb Johannes:

erzählt in seinem Evangelium, was er mit Jesus erlebt hat.

erzählt in seinen Briefen, was er von Jesus mitbekommen hat.

Aber vor allem: die gemeinsame Rettung schweißt zusammen zur Gemeinde,

und die Gemeinde ist der Ort, wo wir uns unserer Rettung neu bewusst werden können.

In der Gemeinschaft der Gläubigen erkennen wir erst richtig die Bedeutung der Geburt Jesu,

und die Gemeinde ist der Ort, wo daraus große Freude wächst.

Das Bild versagt: in der Gemeinde ist auch der Ort, wo Rettung aus Todesnot und Sündenschlamm immer wieder geschehen, nicht nur einmalig wie in Lengede.

Deshalb: Was bleibt von Weihnachten? Was bringt es uns?

Weihnachten ist der Beginn des Faktums unserer Rettung.

Weihnachten ist der Grund unserer Gemeinschaft, aus der Freude wächst.

Weihnachten „breitet sich aus“, wenn wir die Weihnachtsbotschaft weitersagen.

Weihnachten ist letztlich der Grund dafür, dass es Greifbar gibt!

Und deshalb möchte ich Euch zum Abschluss nicht nur „Fröhliche Weihnachten“ zurufen, sondern auch appellieren: „Lasst uns eine Weihnachtliche Gemeinde bleiben – auch wenn die Weihnachtszeit zu Ende geht!“

Amen.