GreifBar plus am 31.12.2009
| GreifBar_plus_Roem_8_31b-39.mp3 |
| GreifBar_plus_Roem_8_31b-39.pdf |
Ist Gott für uns, wer kann gegen uns sein?
- Ist Gott für uns, wer kann wider uns sein?32 Der auch seinen eigenen Sohn nicht verschont hat, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben - wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken? 33 Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hier, der gerecht macht. 34 Wer will verdammen? Christus Jesus ist hier, der gestorben ist, ja vielmehr, der auch auferweckt ist, der zur Rechten Gottes ist und uns vertritt. 35 Wer will uns scheiden von der Liebe Christi? Trübsal oder Angst oder Verfolgung oder Hunger oder Blöße oder Gefahr oder Schwert? 36 Wie geschrieben steht (Psalm 44,23): »Um deinetwillen werden wir getötet den ganzen Tag; wir sind geachtet wie Schlachtschafe.« 37 Aber in dem allen überwinden wir weit durch den, der uns geliebt hat. 38 Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, 39 weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn. (Röm 8,31b-39)
Liebe Gemeinde, noch knapp 5 ½ Stunden, und es ist vorbei mit dem Jahr 2009! Haben Sie es schon verabschiedet? Sind Sie eigentlich Jahresrückblick-Gucker? Finden Sie auch alles spannend, was so tagaus, tagein durch die Nachrichten geistert? Politik und Zeitgeschichte und Sport und Kultur und das so genannte „Vermischte"? Also, ich schon. Gerade zum Ende eines Jahres wird alles noch mal hervorgekramt und auf den Prüfstand gestellt. „Superwahljahr"! Wie oft haben wir in den Hochrechnungen die bunten Tortenstückchen zerschnitten und nach dem Politbaukastensystem wieder zu-sammengesetzt? Zuerst Frank-Angela Steinmerkel, nun die schwarz-gelbe Tigerenten-koalition. Und der Bundespräsident! Und die Jubiläen zur deutschen Geschichte! Also wirklich, politisch hat das alte Jahr alle Register gezogen. Und neue Wörter haben wir gelernt! „Abwrack-beschleunigungs-klima-terror-grippe-paket" – oder wie war das? Da sollte mal einer ein Memoryspiel draus machen!
Worum geht es hier?
angelastet; er ist dafür in den Tod gegangen, an unserer Stelle. Es war unsere Schuld, aber er hat sie uns aus der Hand genommen, aus der Seele entfernt – und mit seinem Leben ausgelöscht. Deshalb wurde er „dahingegeben": in die tiefsten menschlichen Abgründe hinein – für dich. „Christi Leib für dich gegeben. Christi Blut für dich vergossen." alles, was er zu geben hatte. Er hat es gegeben. Das zeigt uns, wie groß seine Liebe ist. Und er hat Jesus aus dem Tod wieder lebendig gemacht. Darin zeigt sich, welche Kraft diese Liebe hat.
Konsequenzen I
Darum noch einmal: „Gott
ist für uns! Wer könnte gegen uns sein?" – Ja, genau! Was ist denn das für eine Frage? Wie schon gesagt: Es ist ja gar keine Frage. Gott ist doch für uns! Wer sollte denn dann gegen uns sein? Da kann es niemanden geben! Die Frage ist nur theoretisch. Man kann theoretisch so fragen, aber es bringt überhaupt nichts. Was soll denn die Antwort sein? Genauso gut könnte man fragen: „Wie gelb ist ein Quadrat?" Oder: „Wenn du in Berlin geboren bist – wann bist du dann in Hamburg ge-boren?" Versteht ihr? Es ist keine Frage. Du bist in Berlin geboren? Ok, dann ist das klar. Dann bist du also nicht in Hamburg geboren. Oder eben: Gott ist für uns? Ok, das wissen wir, er hat ja seinen Sohn gegeben. Und seine Liebe ist die größte Kraft, die es gibt? Sie ist so raumfüllend, dass nichts anderes daneben Platz hat? Ok, dann hat sich die andere Frage erledigt. „Gott ist für uns! Wer könnte noch gegen uns sein?"
Konsequenzen II
Liebe Gemeinde, ganz recht, wenn Sie jetzt die Luft anhalten. Das ist ja tatsächlich eine kühne Behauptung! Gar nichts kann uns von dieser Liebe trennen. Gott hat uns mit Jesus
[Folie: „Was will uns trennen von der Liebe Christi?"]
Zögern Sie? Nur zu! Wir leben ja nicht im Paradies; wir machen so unsere Erfahrungen im Leben, da werden Zweifel laut, ob Gott nun wirklich auf unserer Seite steht:
Da ist diese Frau, deren Familie zerbrochen ist. Was früher Halt und Heimat war, besteht nicht mehr, und nichts ist an seine Stelle getreten. Gemeinsame geteilte Jahre – einfach aufgelöst? Natürlich, das Leben geht weiter. Muss ja. Aber es ist scheint irgendwie hohl. Die Pflichten im Beruf und im Haushalt halten sie nur auf den Beinen; aber echtes Leben – das war einmal. Kann Gottes Liebe da hindurch tragen?
Da ist eine andere Frau, die von Einsamkeit belastet ist. Ein erfülltes Berufsleben, auch Erfolge, immer Menschen um sie herum. Aber es bleibt etwas in ihr leer. Echte, tra-gende Beziehungen kennt sie kaum. Könnte das überhaupt gut gehen? Würde es überhaupt Menschen geben, die ehrlich an ihr interessiert wären? Und will sie das denn? So allein zu sein, ist auch ein Schutz, wie ein sicherer Panzer. Kann Gottes Liebe dort hindurchbrechen?
Da ist ein Mann, mitten im Leben. Er wird wieder und wieder enttäuscht, erfährt Ablehnung und Missachtung, auch bei seinen Liebsten. Kein Wort der Anerkennung und Würde, dafür zahllose unausgesprochene Vorwürfe. Er läuft gegen unsichtbare Mau-ern an. Ihn beschleicht das Gefühl, dass er überhaupt nicht existieren sollte. Das brennt sich ein. Kann Gottes Liebe da Halt, ein Zuhause geben?
Da ist ein älterer Herr. Lebensfroh, sportlich, im sogenannten „aktiven Ruhestand", macht Reisen, pflegt Hobbys und Kontakte, die Kinder leben im Umfeld. Nachbarn, frühere Kollegen – man kennt sich gut und bleibt in Verbindung. Und doch wirkt er manchmal plötzlich verbittert, reagiert überheftig. Was ist da los? Kann Gottes Liebe auch die dunklen Winkel seines Herzens ausleuchten?
Und, liebe Gemeinde? Kann Gottes Liebe das? Ist diese Kraft auch im Gegenwind stark? Strahlt sie auch in finsteren Tälern hell? Steht sie fest, wenn alle Gewissheiten wanken?
Ja, sie kann! Manchmal, vielleicht oft sieht es anders aus. Aber das zeigt nur, dass wir noch auf der Erde leben, dieses Leben ist vorläufig. [vgl. Rö 8,18-30] Wir sind für eine andere Wirklichkeit geschaffen, und diese Zukunft ist noch nicht vollendet. Aber sie kommt! Und bis dahin wird sich Gottes Liebeskraft weiter ausbreiten und in alle Win-kel durchsetzen. An manchen Stellen sieht man sie noch nicht. Man verkennt sie auch leicht; denn kommt ja nicht mit Hau-Ruck und großem Tamtam. Sie kommt eher leise und sanftmütig und unscheinbar, so wie Jesus. Sie durchdringt diese Wirklichkeit lang-sam, dann aber um so kräftiger. Sie nimmt sich Raum, und wo sie einmal Land gewonnen hat, weicht sie nicht mehr zurück. Vergesst nicht, Ihr Lieben: Gott hat ja den Sohn dahingegeben! Von dort aus breitet sich seine Liebe aus, unaufhaltsam und ganz ge-wiss.
alles gegeben. Nichts wird er uns nun vorenthalten, nichts wird uns von ihm und seiner Liebe trennen. Alles hat er uns geschenkt, nichts kann uns aus seiner Liebe reißen!
Konsequenzen III
Ihr Lieben, es mag so kommen, dass wir wanken und uns die Gewissheit verloren geht. Wenn es gut geht, bekommen wir sie neu geschenkt, so oft wir sie brauchen. Gott gibt sie, und wir können vertrauen: Dann reicht sie. Und für das Leben „inzwischen" haben wir Hilfe zum Durchhalten.
Wir haben zum Beispiel die Wegzehrung im Abendmahl. „Für dich gegeben, für dich vergossen". Für dich – das können wir uns nicht oft genug sagen lassen.
Wir haben auch einander und wir brauchen einander, um miteinander nach Gottes Liebe Ausschau zu halten. Lasst uns einander erinnern: Er hat ja den Sohn gegeben und deshalb kann kein Zweifel an seiner Liebe sein. Und lasst uns miteinander teilen, wo wir Gottes Liebe erfahren haben, wo sie uns deutlich geworden ist – gerade im Zö-gern und Zweifeln, gegen den Augenschein.
Am Ende erzähle ich eine Erfahrung, in der in diesem Jahr für mich anschaulich geworden ist, wie sehr Gott liebt und wie viel Kraft seine Liebe hat: Ich lernte eine junge Frau kennenlernte, in einer anderen Stadt übrigens. Sie entstammt schwierigen, kranken Familienstrukturen. In ihrer Familie und in ihrer Gemeinde wurde ein Großteil der Er-ziehung mit religiösem Druck erledigt: Du hast etwas falsch gemacht? Das gibt Ärger;
du kennst doch Gottes Gebote! So wurde ihr Gott als jemand vermittelt, das keines-wegs liebevoll ist, sondern fordernd und strafend. Dann noch etwas: Sie ist chronisch krank und kann keinen Tag ohne Schmerzen leben. Und in ihrer Gemeinde hieß es des-halb, dass Gott es also ja offensichtlich nicht gut mit ihr meinen kann. Ich halte es für ein Wunder, dass sie unter diesen Umständen nicht zerbrochen ist. Ein Wunder auch, dass sie Gott nie von sich aus den Rücken gekehrt und sich von ihm abgewendet hat. Nein, sie hat ihn als Erwachsene dann auch von einer anderen Seite entdeckt, hat neu mit ihm angefangen, hat in einer anderen Gemeinde Fuß gefasst. Sie hat angefangen, auf seine Zusagen zu hören und nicht auf das Gift, was sie von zu Hause kannte. Sie be-tet mit herzlichen Worten und großer Dankbarkeit. Sie hat eine ermutigende, fröhliche Ausstrahlung. Und dann kam sie erneut in schwere Zeiten. Wie gesagt, sie hat ständige körperliche Schmerzen, nun kamen Seelenschmerzen hinzu. Sie erlebte eine geistliche Dürrezeit, hatte das Gefühl, dass sie nicht zu Gott durchdringen kann, dass er so weit weg ist. Und auch das Gefühl, dass Gott nicht zu ihr durchdringt, nicht zu ihr spricht. So ging das über Monate. Eine Enttäuschung nach der nächsten, am meisten von Gott. Wo ist er? Steht nicht ihr Leben, wie sie es erlebte, klar gegen ihn? Gottes Liebe – das klang bitter und blechern in ihren Ohren. So hat sie einen Entschluss gefasst. Hat festgestellt: Wenn sowieso schon so lange Funkstille zwischen Gott und mir ist und er sich entzieht, dann fehlt ihm ja anscheinend nichts. Und mir fehlt auch nichts, es ist ja schon nichts mehr da. Sie wollte mit ihm brechen. Und dann konnte sie es doch nicht. Mit einem Mal war da wieder etwas. Sie hat gefühlt, wie Gott ihr Herz wieder erwärmt, wie er an ihrer Seite sitzt und um sie weint. Sie hat gefühlt, wie Jesus sie liebevoll ansieht. Daran hat sie sich fest gemacht, mit ihrer kleinen Kraft. Sie konnte wieder zaghaft anfangen zu beten. Viele Fragen blieben dabei ungelöst, ihr Leben ist, wie es nun einmal ist: Keine Enttäuschung war ungeschehen, die Schmerzen waren immer noch da, sie musste zurück in ihre Familie, Zukunftsängste blieben. Aber doch ist etwas anders geworden: Gottes Liebe hat sich ein Stück Raum erobert, den wird sie nicht mehr hergeben.
Gott hat seinen Sohn Jesus dahingegeben und wieder aus dem Tod gerissen. Mit der-selben Kraft wirkt er auch an uns. Kann uns etwas von seiner Liebe trennen? Krankheit? Schmerzen? Einsamkeit? Angst? Unsere Geschichte? Unsere Fehler? Falsche Entscheidungen? Richtige Entscheidungen? –Nein.
Alles hat er für uns hingegeben, nichts kann uns nun aus seiner Liebe reißen. „Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn. Ganz gewiss! Oder: Amen.
