GreifBar plus am 28.02.2010
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Hoffnung
- 1 Da wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesus Christus; 2 durch ihn haben wir auch den Zugang im Glauben zu dieser Gnade, in der wir stehen, und rühmen uns der Hoffnung der zukünftigen Herrlichkeit, die Gott geben wird. 3 Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch der Bedrängnisse, weil wir wissen, dass Bedrängnis Geduld bringt, 4 Geduld aber Bewährung, Bewährung aber Hoffnung, 5 Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsre Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist. 6 Denn Christus ist schon zu der Zeit, als wir noch schwach waren, für uns Gottlose gestorben. 7 Nun stirbt kaum jemand um eines Gerechten willen; um des Guten willen wagt er vielleicht sein Leben. 8 Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren. 9 Um wie viel mehr werden wir nun durch ihn bewahrt werden vor dem Zorn, nachdem wir jetzt durch sein Blut gerecht geworden sind! 10 Denn wenn wir mit Gott versöhnt worden sind durch den Tod seines Sohnes, als wir noch Feinde waren, um wie viel mehr werden wir selig werden durch sein Leben, nachdem wir nun versöhnt sind. 11 Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch Gottes durch unsern Herrn Jesus Christus, durch den wir jetzt die Versöhnung empfangen haben. (Röm 5,1-11)
Holtas in den kargen Bergen Albaniens, ein Dorf, nunja, ein paar Häuser am Abhang. Ich bin mit Studienkollegen dorthin gefahren vor ein paar Jahren und dorthin gewandert. Es gibt nämlich keine Straße nach Holtas. Wir werden mit Kindern singen, Geschichten von Jesus erzählen. Wir werden Frauen zum Kaffee einladen, gut albanisch mit vier Löffel Zucker auf einen Löffel Kaffee aufgekocht. Und einiges mehr. Ein paar christliche albanische Teenager übersetzen für uns. Fast jeder Hof an diesem Abhang ist im Winter verwaist, ganze Familien überwintern in Tirana. Wer kein Zimmer in Tirana hat, hat nach dem Winter Erfrierungen, ist unterernährt, flickt die Schäden am Haus mit dem, was er findet. Nichts mit Aufbruch, Abbruch, nichts mit Aufbau, Abbau. Die öffentliche Schule dient als Baumaterial. Ich erzähle einem Bekannten beim Bier von meiner Reise dorthin. Was für ein Aufwand, mit dem Bus voll Verpflegung, Material, Hilfsgütern, über Nacht nach Albanien! Was können wir schon bringen, in den zwei Wochen, die wir effektiv in dem Dorf sind. Ja, was können wir bringen, wir Theologiestudierenden. „Jesus Christus?“, fragt spöttisch mein Bekannter. Und mich zerreißt es zwischen den Welten. Vor mir sitzt einer, aus unserer Welt, er kennt Kirche, er kennt Christen und hat eine Ahnung von unserem Glauben. Ihm gibt das nichts oder nicht so viel. Was davon sollte nach Albanien importiert werden? Und ich habe meine Erinnerung an diese Zeit in den Bergen und weiß, natürlich, was denn sonst, Jesus Christus bringen wir ihnen. Wenn ich irgendwo erlebt habe, dass Menschen aufbrechen, aufbauen, neu anfangen, den Schwung des Neuanfangs ausstrahlen und mich damit mitreißen, dann in Holtas, im Abbruchdorf, dann bei Jesus Christus.
Der Theologe Paulus schreibt an die Christen in Rom: „Nachdem wir nun aufgrund des Glaubens für gerecht erklärt worden sind, haben wir Frieden mit Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn.“
Wir sind gerecht erklärt. Haben Sie sich schonmal selbst gefragt, ob Sie selbst gerecht sind? Wir urteilen fast immer, was gerecht ist und was nicht. Hartz IV ist ungerecht, teilen halbe – halbe ist gerecht. Mit 1,5 Promille am Steuer sitzen ist Unrecht, dafür bestraft zu werden ist gerecht. Ich bin jetzt bei Frau Käßmann. Ihr Amt aufzugeben, findet Frau Käßmann gradlinig, das heißt nichts anderes als gerecht. Gerecht ist ein mittelalterliches Wort. Es heißt gerade, richtig, passend. Ja, es ist sogar eine Verstärkung davon. Es meint nicht nur richtig, sondern sehr richtig! Nicht nur passend, sondern exakt passend! Aber Gerechtigkeit ist subjektiv. Bei Käßmanns Amtsaufgabe z.Bsp. sind sich die Kommentatoren nicht mehr einig: Musste das wirklich sein? Ist das „sehr richtig“? Was immer wir tun, man kann fragen, ob es gerecht oderungerecht war. Aber kann man gerecht sein? Eine Richterin kann gerecht urteilen, ein Vater kann gerecht mit seinen Kindern umgehen. Aber ist deswegen die Richterin gerecht? Oder ist deswegen der Vater gerecht?
Laut Paulus ist es Gott, der urteilt. Und er erklärt uns für gerecht. […] Mir wird ein bisschen schummrig, wenn ich mir vorstelle, dass jemand so absolut gut über mein Leben spricht. Ich suche und sehne Gerechtigkeit, ja, aber sicher bin ich nicht immer gerecht. Und mir wird noch schummriger, wenn ich mir vorstelle, wie mein Leben für Gott eigentlich aussieht. Nehmen wir an, es ist ein Gott. Das kann sich ja vielleicht auch noch nicht jeder hier vorstellen. Aber nehmen wir an, es gibt einen Gott. Was würde er über uns Menschen sagen? Ein Versuch: „Du werter Mensch, mein Geschöpf, liebes Kind, ganz ehrlich, was machst Du da eigentlich? Du fragst leidlich nach mir, praktisch nie. Du gibst Dich gern mit Vorurteilen über mich zufrieden, belächelst mich gar. Du wurschtelst so dahin, ohne groß Notiz von mir zu nehmen. Das macht mich wütend, das verdient meinen Zorn.“ So Leute, das wäre gerecht, jetzt mal aus Gottes Sicht betrachtet. Und dann entscheidet er sich anders. Er erklärt uns für gerecht. Paulus jubelt.
Paulus schreibt: „Durch ihn haben wir freien Zugang zu der Gnade bekommen, die jetzt die Grundlage unseres Lebens ist, und im Glauben nehmen wir das auch in Anspruch.“
Wie geradezu abstrus gnädig ist dieser Gott! Völlig freie Gnade, verfügbar für jeden, der ahnt, wie es um sein Leben steht, verfügbar für jeden, der Gottes Zorn recht geben kann und verfügbar für jeden, der seine Ungerechtigkeit schmerzlich spürt. Gnade! Paulus jubelt.
Was anderes könnte sie durchbrechen, die Gesetze unserer nachtragenden Welt! Gnade! Was anderes könnte zum Aufbruch bewegen, in der Welt der Abbrüche. Gnade, die mich nichts kostet! Wo sonst sollte Wärme herkommen in unseren zugigen Beziehungen. Aus geschenkter Gnade! Wo sollte Atem herkommen, in einer Welt der Atemlosigkeit. Im begnadeten Aufatmen! Was sonst könnte mich zutiefst aufrütteln, nicht nur einmal, sondern immer und immer wieder von mir weg zu sehen zu dir. Die Gnade Gottes eröffnet eine völlig neue Lebensqualität. Und Paulus jubelt.
Holtas war der Ort, wo ich diese neue Lebensqualität zum ersten Mal in einem Gesicht gesehen habe. Ich kam zurück zur Schule, wo die Männer sich getroffen hatten. Da saßen zwei Albaner auf weißen Steinen in der untergehenden Sonne vor der Tür. Ich mochte sie nicht, weil sie mich immer so verächtlich ansahen, weil sie mich spüren ließen, was eine Frau für sie zählt und wofür sie da ist. Ich mied gewöhnlich die Blicke dieser Männer. Das war diesmal nicht möglich. Sie saßen anders als sonst, wirkten anders. Einer blickt auf. Im bemühten Vorbeisehen bleibt mein Blick an seinem hängen. Die Missachtung ist gewichen, sein Blick geöffnet. Er lächelt nicht und schaut doch freundlich. Ich nicke ihm unsicher zu. Unsere Männer erzählen mir später, er hätte kurz zuvor zum ersten Mal gebetet. Er sei Christ geworden. Was ich gesehen hatte, war eine Ahnung von Gnade, eine Ahnung von Aufbruch, eine Ahnung von Neuanfang, eine Ahnung von Neubewertung, die neue Lebensqualität. Diesmal jubele ich.
Liebe Begnadete, das ist unsere Hoffnung für diese Welt!
Paulus schreibt weiter:„Darüber hinaus haben wir eine Hoffnung, die uns mit Freude und Stolz erfüllt: Wir werden einmal an Gottes Herrlichkeit teilhaben.“
Ich stelle mir vor, wie Paulus diesen Brief schreibt. Gerade bricht es nur so euphorisch aus ihm heraus: Gerechtigkeit! Gnade! Hoffnung! Frieden! Er jubelt und tanzt einmal um sein Schreibpult herum. Plötzlich stehen ihm die Christen in Rom wieder vor Augen. Er war zwar noch nie da, aber hat viel gehört. Freunde von ihm waren aus Rom verwiesen worden. Er weiß, die Christen in Rom haben es nicht leicht. Sie sind mehr geduldet als akzeptiert. Paulus setzt sich wieder an sein Pult, trommelt mit den Fingern auf das Holz. Wars das für die Freude? Hoffnung, ja, aber erst für die nächste Welt? Das Leben nach dem Tod? Und hier ernten Christen Spott und Verfolgung? Paulus schüttelt den Kopf. Nein, das war es nicht für die Freude! Er muss schmunzeln bei der Erinnerung. Er hat erlebt, gerade wenns richtig eng wurde für ihn als Christ, hat er sich am sichersten gefühlt. Nie war ihm Jesus näher, als im größten Zweifel: Da will er in den nächsten Ort und es ist zum Verzweifeln: keine Begleiter da, die Schuhe gehen kaputt, das Geld ist alle. Es geht nicht weiter, er zweifelt an sich selbst. Hallo Jesus? Ich dachte Du wolltest, dass ich da hingehe! Und jetzt? Die Leute machen sich schon über mich lustig! Er schläft unruhig. Mitten in der Nacht steht er vor ihm, nein, nicht Jesus, ein Mann von der anderen Seite des Meeres. „Komm, Paulus, komm rüber zu uns.“ Paulus wird gerufen, die Route wird neu berechnet und siehe da, es geht weiter. Oder diese andere Geschichte, damals, als plötzlich einer die ganze Stadt gegen ihn aufgewiegelt hatte. Den Prätoren, den Ordnungshütern, blieb nichts übrig, als ihn zu schlagen und ins Gefängnis zu stecken, um die Menge zu beruhigen. Paulus lacht über sich selbst. Ihm war nur zum Singen zumute. Er hat es auch getan. Fast ein bisschen verrückt, so mit den frischen Wunden von den Schlägen. Aber es ging nicht anders, es drängte einfach aus ihm heraus. Seine Hoffnung war seine Freude, vor allem in solchen Augenblicken. So kann er das den Römern schlecht schreiben, vielleicht erleben sie das ja ganz anders, vielleicht sind sie wirklich verzweifelt und haben nie den Drang verspürt, unter Spott auch noch zu singen. Er formuliert allgemeiner: „Wir freuen uns auch der Nöte, die wir jetzt durchmachen. Denn wir wissen, dass Not uns lehrt durchzuhalten. Wer gelernt hat, durchzuhalten, ist bewährt, und bewährt zu sein, festigt die Hoffnung. Und in unserer Hoffnung werden wir nicht enttäuscht.“
Das letzte Jahr begann mit hope and change, mit neuen Tönen aus dem Mund des neuen amerikanischen Präsidenten und es endete Hopenhagen, die Weltklimakonferenz in Kopenhagen weckte Hoffnungen. Beide Hoffnungsfenster sind mittlerweile in der Depression gelandet. Hoffnung mit großen Segeln ist vorläufig in den Sand gesetzt, auf Grund gelaufen. Enttäuschte Hoffnung? Nein, diese Hoffnungsfenster kurbeln immer noch meinen Herzschlag an. Hoffnung! Neuanfang, Aufbruch, Veränderung, geöffnete Fäuste, offene Gespräche, ehrliche Eingeständnisse. Würde das alles in Jesus Christus sein Vorbild haben! Würde das alles getragen sein von Gottes Gerechtigkeit! Würde sich diese Hoffnung nicht auf menschliches Gutdünken, sondern auf Gottes Recht sprechen bauen! Wo sind die Jesushoffenden in den Hoffnungen der Welt!
Wo sie sind, sind sie bedrängt. Wir sind oft verspottet für unsere Hoffnung, in manchen Ländern verfolgt für unseren Glauben. Wir sind nicht ernstgenommen mit der Absolutheit, mit der Gerechtigkeit, von der wir reden. Als wäre es unerträglich, von Gott gerecht gesprochen zu sein, als wäre es unerträglich, von Gott geliebt zu sein, als wäre es unmöglich, die eigene Ungerechtigkeit zuzugeben. Als könne Neuanfang und Neuaufbruch und Begegnung zwischen Menschen irgendwo anders anfangen.
Aber was ich manchmal noch viel schlimmer finde, vielleicht, weil ich davon eher betroffen bin, das sind sie Streitereien unter uns Christen selbst. Die Bedrängnisse kommen ja nicht nur von außen. Wir bedrängen uns gegenseitig, engen uns ein. Wir haben die Wahrheit mit Löffeln gefressen und können nicht aushalten, dass ein anderer das für sich auch in Anspruch nimmt. Wir vergessen die eigene Ungerechtigkeit und zeigen mit dem Finger auf andere. Wir wollen gern festschreiben, wie Christsein richtig geht und sprechen anderen ihr Recht ab. Wir können so gottvergessen gegeneinander sein.
Aber wer will noch anklagen? Wer will noch verurteilen? Wir setzen doch auf Christus! Mich nervt das Kleinklein der Möchtegerngerechten. Mich nerven am allermeisten die Steine, die wir Christen uns gegenseitig in den Weg legen. Die Stolperer in Aufbrüchen. Ich will feiern mit den Hoffenden, will mich anstecken lassen von Hoffnungsblicken! Und heute lass ich mir von Paulus sagen, dass meine Hoffnung an dem Gezänk nur wachsen kann. Dass meine Hoffnung in der Bedrängnis neue Weite erfährt. Unsere Hoffnung kann in dem Gezänk nur wachsen. Unsere Hoffnung hat den festen Grund, wo das Kleinklein nicht ranreicht.
Den Grund der Hoffnung nennt Paulus in Röm 5,6-11
Ich nehme mal nur einen Vers aus diesem Textteil heraus: „Gott hingegen erweist seine Liebe dadurch, dass Christus für uns starb, als wir noch Sünder waren.“ Christus starb für uns. Das ist starker Tobak. Das ist etwas, was ich selbst für mich immer wieder buchstabiere. Warum muss jemand für mich sterben? Noch einmal Gottes Perspektive: „Du werter Mensch, mein Geschöpf, liebes Kind, Du fragst leidlich nach mir, gibst Dich gern mit Vorurteilen über mich zufrieden, wurschtelst so dahin. In Deinem Leben, in Deinen Beziehungen sehnst Du Dich nach Liebe, nach einem Zuhause und Geborgenheit. Du suchst im Spiegel, in Freunden, in Deiner Familie, in Orten und Zimmern. Überall findest Du ein Stück und findest es auch wieder nicht. Du kannst lieben und ahnst doch auch mehr Liebe. Du kannst ankommen und Dich zuhause fühlen und ahnst doch mehr Zuhause. Du kannst Nähe empfinden, nur manchmal macht Dir diese Nähe nur deutlicher, wie groß der Riss zwischen Dir und anderen ist. Das liegt an dem Riss, das liegt an dem Riss zwischen Dir und mir. Du hast Deinen Ursprung verloren, was Du vermisst, bin ich. Dein Zuhause ist bei mir. Ohne meine Ewigkeit gibt es kein ewiges Leben. Ohne mich musst Du sterben. Ich möchte gern, dass Du wieder nach Hause kommst. Ich möchte gern, dass Du lieben kannst, ich möchte gern, dass Du Dich geliebt weißt. Darum bin ich Mensch geworden. Ich wollte allen Menschen so nahe kommen wie nur möglich. Zu Euerm Leben ohne mich gehört der Tod. Also bin ich auch gestorben. Ich habe Euer ganzes Leben, von den Windeln bis zum Leichentuch einmal mitgemacht. Es gibt jetzt nichts mehr am Leben in dieser Welt, das mir fremd wäre, nichts, das gottlos sein könnte. Auch der Tod führt nur noch in meine Ewigkeit. Weißt Du was? Das habe ich auch für Dich getan.“ Ich lese das einfach nochmal.
Holtas hat mir noch eine Hoffnungsgeschichte geschenkt – die hat auch mit Greifswald zu tun - und ein Lied und die möchte ich Euch gern weitergeben. Wieder einer dieser Sonnenuntergänge in Holtas. Ich sitze mit Lina vor der Schule, auf den weißen Steinen. Lina ist eine wunderschöne, kleine albanische Frau. Dunkle Haare, stilvolle Kleidung, sehr wache Augen. Die ersten Sterne funkeln am nachtklaren Himmel. Lina klimpert auf ihrer Gitarre. Du kommst aus Greifswald, fragt sie mich fassungslos. Ich war mal in Greifswald! Jetzt bin ich fassungslos. Wie das?
Als sie geboren wurde, war ihr Leben eigentlich schon vorbei. Ihre Hüfte nahm Schaden bei der Geburt. Jetzt war sie nicht nur eine wertlose Frau, jetzt war sie auch noch ein Krüppel. In der Wertigkeit der Dorfbewohner stand sie unter den Straßenkötern. Von Gott konnte sie nichts wissen und als sie durch Missionare an eine Bibel gekommen war, wollte sie von Gott nichts mehr wissen. Sie hatte im Alten Testament gelesen, dass sie mit ihrer Behinderung unrein sei, nichts in der Nähe Gottes zu suchen hätte. Es ist zufällig, dass sie eines Tages in der Feuerstelle des Hauses die Reste einer Kinderbibel findet. Die Albaner neigen zu sehr pragmatischen Verwendungen des Missionsmaterials. Sie liest, wie Jesus Frauen begegnet, sie liest, wie er eine kranke Frau heilt. Jesus berühren, das würde sie nun auch so gern. Sie trifft Christen, wird Christin, geht nach Kroatien, um dort von Jesus zu erzählen. Das ist übrigens wiederum sehr typisch für albanische Christen, sie gehen erstmal missionieren. Dort trifft sie junge Leute aus Deutschland. „Mit deiner Hüfte, da kann man doch was machen. Das kann man doch operieren.“, sagen sie. Sie nehmen sie kurzentschlossen mit auf eine Deutschlandtournee, sammeln Geld in den unterschiedlichsten Gemeinden, bis die Operation und die Reha finanziert werden können. Lina wird in Greifswald operiert. Sie hält sich hier zur Elimgemeinde. Sie fragt mich nach Leuten und manche kenne ich sogar, die grüße ich später von ihr. Zurück in Albanien, will sie nach Hause, in ihr Dorf. Auch dorthin gibt es keine Straße. Ihr Vater holt sie ab. Er hat den Maulesel dabei. Was seine Tochter erlebt hat, macht ihn so stolz, dass er mit allen Konventionen bricht. Er bietet ihr den Maulesel an, das macht sonst kein Mann, sie soll reiten, schließlich soll sie die Hüfte noch schonen. Sie schüttelt den Kopf und sagt, Vater, wenn ich diesen Weg nicht selbst gehen kann, hätte ich mich gar nicht operieren lassen müssen. Und seitdem läuft sie, von Bishnica nach Jolla, 1 ½ Stunden über den Berg, wann immer es nötig ist. Jesus hat mich geheilt, sagt sie. Aber ihr geht es gar nicht so sehr um die Hüfte. Ihr geht es um ihr Herz. Was hat sie aushalten müssen an Spott, an Verschmähung, an Ungerechtigkeit, getreten, verstoßen, missachtet. Ihr Herz war verhärtet unter dieser Härte, sie hatte ihr Gefühl für sich und für jeden anderen Menschen verloren. Sie war nicht nur für tot geachtet. Sie fühlte sich selbst so. Jesus hat mich geheilt, sagt sie. Und sie singt mir ihr Lieblingslied, von ihr habe ich es gelernt „Jesus hope of the nations – Jesus, Hoffnung der Nationen, Jesus, Trost für die Trauernden – du bist der Grund ewiger Hoffnung für diese Welt.“
Jesus ist der Grund unserer Hoffnung und Hoffnung lässt nicht zuschanden werden.
Und die Jesushoffenden stimmen ein und sagen Amen.
