GreifBar plus am 04.04.2010
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Jesus ist auferstanden
- 1 Nach dem Sabbat, in der Morgendämmerung des ersten Tages der neuen Woche, kamen Maria aus Magdala und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen. 2 Plötzlich fing die Erde an, heftig zu beben. Ein Engel des Herrn war vom Himmel herabgekommen und zum Grab getreten. Er wälzte den Stein weg und setzte sich darauf. 3 Seine Gestalt leuchtete wie ein Blitz, und sein Gewand war weiß wie Schnee. 4 Als die Wächter ihn sahen, zitterten sie vor Angst und fielen wie tot zu Boden. 5 Der Engel sagte zu den Frauen: »Ihr braucht euch nicht zu fürchten. Ich weiß, ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten. 6 Er ist nicht hier; er ist auferstanden, wie er es vorausgesagt hat. Kommt her und seht euch die Stelle an, wo er gelegen hat. 7 Und dann geht schnell zu seinen Jüngern und sagt ihnen, dass er von den Toten auferstanden ist. Er geht euch nach Galiläa voraus; dort werdet ihr ihn sehen. Ihr könnt euch auf meine Worte verlassen.« 8 Die Frauen waren erschrocken, aber doch voller Freude. So schnell sie konnten, verließen sie das Grab und eilten zu den Jüngern, um ihnen alles zu berichten. 9 Plötzlich trat ihnen Jesus entgegen. »Seid gegrüßt!«, sagte er. Da liefen sie zu ihm hin, warfen sich vor ihm nieder und umfassten seine Füße. 10 »Ihr braucht euch nicht zu fürchten!«, sagte Jesus zu ihnen. »Geht und sagt meinen Brüdern, sie sollen nach Galiläa gehen. Dort werden sie mich sehen.« (Mt 28,1-10)
Liebe Gemeinde,
wenn es um den Tod geht, verstehen Verwaltungen keinen Spaß. In den Unterrichtsblättern für die Bundeswehrverwaltung findet sich der Satz: „Der Tod stellt aus versorgungsrechtlicher Sicht die stärkste Form der Dienstunfähigkeit dar.“ Noch besser ist das Bundessteuerblatt mit der Feststellung: „Es ist nicht möglich, den Tod eines Steuerpflichtigen als dauernde Berufsunfähigkeit im Sinne von § 16 Abs. 1 Satz 3 EstG zu werten und demgemäß den erhöhten Freibetrag abzuziehen.“ Den Vogel aber schießt ein Kommentar zum Bundesreisekostengesetz ab: „Stirbt ein Bediensteter während einer Dienstreise, so ist damit die Dienstreise beendet.“
Wir sind in dieser Nacht versammelt, um ein Geheimnis zu feiern: Das Grab, in das sie Jesus legten, stellte in jeder Hinsicht die stärkste Form der Dienst- und Berufsunfähigkeit für Jesus dar. Und seine Dienstreise war nun wirklich an ihr Ende gekommen, als er nach nur drei Jahren öffentlichen Wirkens wie ein Verbrecher hingerichtet wurde. Wir sind in dieser Nacht versammelt, um ein Geheimnis zu feiern. Es heißt nämlich, dass Jesus von den Toten auferstand und lebt. Es heißt, dass er den Tod besiegte und dem ewigen Gesetz des Werdens und Vergehens entkam. Es heißt, dass er das alles nicht nur für sich erlebte, sondern damit den Anfang machte, den Anfang, dem als Ende der Sieg über den Tod für jeden steht, der sich Jesus anschließt, getauft wird und ihm vertraut. Wir sind in dieser Nacht versammelt, um dieses größte Geheimnis zu bestaunen und zu feiern.
Wir haben die Geschichte eben gehört, wenigstens einen Ausschnitt aus dieser Geschichte: von den Frauen, die sich im Morgengrauen auf den Weg machen, um am Grab zu trauern. Von den seltsamen Zeichen, einem Erdbeben, von den Wachen, die aus den Puschen haut, von dem Boten Gottes, von dem Stein, der nicht mehr vor dem Grab liegt, von dem einen entscheidenden Satz: Ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten, aber der ist nicht hier, er ist auferstanden, wie er es sagte. Von dem Auftrag: geht und sagt es weiter, zuerst seinen Jüngern. Und von der Begegnung, als sich ihnen der Auferstandene selbst zeigt, zwei Frauen zuerst, später erst den Jüngern, Paulus weiß von etwa 500 Menschen, die Jesus nach Ostern gesehen haben und zu seiner Zeit immer noch befragt werden können. Wir haben die Geschichte gehört.
Aber können wir fassen, was wir hörten? Die Hoffnung auf Ostern hat es doch schwer unter uns. Es mag wohl die kleinen Auferstehungen geben: nach dieser Nacht erleben wir, wie es wieder hell wird und vielleicht sogar wieder warm, aus dem Schlaf und seiner Erstarrung erwachen wir, wenn auch manche heute nur mit Mühe und in der Erwartung österlicher Koffeininfusionen, und draußen brechen bald nach einem ach so langen Winter die todesstarren, kahlen Zweige wieder auf und frisches, lebendiges Grün sagt ein neues Frühjahr an. Das gibt es alles, und es tut uns so gut!
Aber am Ende müssen wir sterben und dann ist Schluss! Nach dieser Nacht kommt kein Morgen, aus diesem Schlaf gibt es kein Erwachen, und nach diesem Winter folgt kein Frühjahr. Nach einer Umfrage der Apotheken Umschau (2010) glauben zwei Drittel der Deutschen, dass mit dem Tod definitiv Schluss ist. Ebenso viele glauben, dass sie allenfalls in ihren Nachkommen noch weiterleben. Ein Drittel der Deutschen glaubt an eine Auferstehung und das ewige Leben. Wir sind also mehrheitlich in unserem Land Osterskeptiker! Wir glauben, dass unsere Dienstzeit mit Beendigung der Dienstreise durch Tod endgültig vorüber ist.
Das war auch die Überzeugung der Frauen auf dem Weg zum Grab des Mannes, den sie verehrt hatten, dem sie vertraut hatten und dessen Worten sie gefolgt waren. Ein Grab wollen sie sehen, einen Toten wollen sie ehren, Tränen vergießen, ein bisschen für ihn, der so viel leiden musste, ein bisschen für sich selbst, weil mit ihm so viel in ihrem Leben starb. Wie viele andere gehen sie zum Grab, gebeugt, erstarrt, ohne Zuversicht. Gräber sind nicht Orte der Hoffnung, sie sind machtvolle Demonstrationen des Endes, das keinen Anfang mehr kennt. Diese Frauen haben sich nichts eingebildet, dazu waren sie viel zu nüchtern. Sie kamen nicht mit der Idee im Kopf, er könne von den Toten zurückkehren. Auch sie hätten es unterschrieben, das Glaubensbekenntnis der Zweifler: Es ist noch keiner zurückgekommen.
Darum reagieren sie auf das, was sie da erleben, mit großer Furcht. Geradezu Panisch! Am Grab ist nicht die erwartete Stille im Morgengrauen, es ist Aufruhr und gleißendes Licht, das Grab geöffnet, ein Wesen aus einer fremden Welt, schaurig-schön, kaum auszuhaltender Anblick. Jesus sucht ihr, den Mann am Kreuz, hier ist er nicht, sucht ihn nicht bei den Toten, denn der Tod war nicht stark genug, ihn festzuhalten, der Tod war ihm nicht gewachsen, konnte ihn nicht am Boden halten, er ist auferstanden.
So erzählt es der überirdische Bote. Wie es geschah, bleibt das Geheimnis dieser Nacht. Niemand hat zugeschaut. Die Welt schlief, als Jesus mit dem Tod abrechnete. Keiner hat’s gesehen. Hätte man es filmen können, wurde einmal ein Theologe gefragt? Hätte es das ZDF in den Frühnachrichten zeigen können? Nein, so die Antwort, der Film wäre wohl völlig überbelichtet gewesen.
Keiner hat es gesehen, dass Jesus auferstand. Darum ist es auch völlig unsinnig, nach Beweisen zu fragen. Dieses Geschehen sprengt alles da gewesene. Es ist wie ein gewaltiger Meteorit, der auf die Erde schlägt. Allenfalls am Rande des Kraters lässt sich dieses oder jenes beobachten. Da lässt sich beobachten, wie hektisch die Behörden reagieren, die eiligst eine Pressekonferenz abhalten und vom Leichenraub erzählen. Da kann man sehen, dass die Anhänger von Jesus mit größtem Zweifel reagieren; sie haben sich das gewiss nicht ausgedacht! Da lässt sich beobachten, wie verwandelt die Frauen sind und später sogar die Männer, alle die, denen der auferstandene Jesus begegnete. Da lässt sich beobachten, wie aus der resignierten Anhängerschaft des Jesus von Nazareth plötzlich eine Bewegung wird, die in wenigen Jahren die gesamte Welt mit ihrer Botschaft durchdringt: Hier ist einer, der stärker ist als der Tod. Jesus muss der Herr aller Herren sein, wenn ihm selbst der Tod nicht Herr wird. Darum vertraut euch ihm an und werdet Menschen, die ihm folgen.
Können wir das genauer sagen? Und – angesichts der Uhrzeit – auch kurz sagen? Ich will es versuchen, mit zwei kurzen Hinweisen:
Der erste: Weil Jesus auferstand, ist wahr, wofür er lebte.
Als sie Jesus ans Kreuz schlugen, da töteten sie nicht nur seinen Leib und brachen seinen Geist, da wollten sie zerstören, wofür er lebte. Jeder Hammerschlag, der die Nägel in sein Leib trieb, war ein Nein: Nein, deine Botschaft von einem Gott, der uns so leidenschaftlich liebt, ist Lüge. Nein, es gibt keine Hoffnung, dass Schuldige neu anfangen dürfen! Nein, wer unten ist, bleibt unten, und wer draußen ist, bleibt draußen. Nein, der Tod hat das letzte Wort. Nein, alles wofür du gelebt und gewirkt hast, Gekreuzigter, alles, vom Anfang bis zum Ende, durchkreuzt, durchbohrt, vernichtet, verflucht, aus und vorbei. Ein toter Jesus steht für erstorbene Hoffnungen, ein toter Jesus ist das Ende all dessen, was er in diese Welt trug: Vergebung, Heilung, Neuanfang, Würde für die Kleinsten und Schwächsten, Leben, auch über den Tod hinaus.
Ostern aber bedeutet dann: Es ist das Leben Jesu ins Recht gesetzt. Ostern heißt: Ja sagen! Es ist doch wahr und bleibt wahr: Du bist ein von Gott geliebter Mensch. Jesus schenkt dir Schuldigem Vergebung, Jesus stellt dich nicht draußen vor die Tür, bei Jesus hast du Würde, egal was bisher war, bei Jesus hast du Zukunft, aus deinem Leben kann etwas Gutes werden, bei Jesus hast du Hoffnung, dass der Tod nicht das letzte Wort hat. Seit Ostern ist alles, wofür Jesus lebte, bestätigt, besiegelt, bekräftigt, mit dem Stempel letzter Gültigkeit versehen.
Ostern bedeutet darum auch: Deine Zukunft ist außer Gefahr. Gibt es eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass du eines Tages stirbst? Ja, die gibt es, sie liegt bei 100%. Macht das Jesus nervös? Nein, ihn macht es nicht nervös. Warum nicht? Weil er schon gestorben war, nun aber ist er auferstanden – wahrhaftig auferstanden.
Ostern bedeutet: Deine Vergangenheit ist nicht dein Schicksal. Nichts ist unverzeihlich. Du hast vielleicht eine Ehe in den Sand gesetzt. Du hast deine Kinder nicht gut erzogen. Du hast deine Werte verraten. Du bist in Abhängigkeit geraten. Du hast dich verführen lassen. Du bist schuldig geworden. Du musst moralisch Insolvenz anmelden. Was kannst du tun? Du kannst Jesus anrufen. Er hat sich das alles auf die Schulter legen lassen und ist darunter am Kreuz zerbrochen. Aber er ist auferweckt und damit gilt: Es ist alles verziehen, was wir ihm unter das Kreuz legen.
Und Ostern bedeutet, dass das Beste noch kommt. Egal wie alt du bist, du hast das Beste nicht schon hinter dir, du hast es noch nicht erlebt. Auch von dir wird es heißen: ihr sucht Peter, Maik, Steffen, Susanne, Christine, Anke – sie sind nicht hier, sie sind auferweckt zu einem neuen ewigen Leben. Seit Ostern ist das alles wahr, alles bestätigt, weil der eine, der für das alles ein Leben lang einstand, nicht tot ist, sondern lebt.
Das zweite: Zweifel lohnen sich...
Nun könnte mancher denken: Selig, wer’s glaubt. Ich kann es nicht glauben. Mir sind noch keine Engel erschienen, auf meinen Friedhöfen stieg keiner lebendig aus den Gräbern. Nun ist es auch eher die Ausnahme, dass diese Gestalten aus einer anderen Welt ihr Incognito aufheben. Auch mir ist bis auf meine Frau noch kein Engel begegnet, und sie ist ein Engel von anderer Art.
Aber in unserer Ostergeschichte steckt ein Versprechen: Ihr sucht Jesus, sagt der Engel. Sucht ihn nicht bei den Toten. Da ist er nicht. Sucht ihn bei da, wo er sein Kommen angesagt hat. Sucht ihn, wo seine Geschichte erzählt und gefeiert wird. Sucht ihn, wo Menschen sind, die sich ändern, seit sie an Jesus glauben. Sucht ihn, wo in seinem Namen den Armen gedient wird. Dort sucht ihn.
Ich möchte es heute einmal anders sagen: Zweifel könnten sich lohnen. Nun fällt vielen das Zweifeln nicht schwer. An Ostern zweifeln? Das ist genau das, was ja zwei Drittel der Deutschen tun. Zweifeln scheint also nicht schwer! Ich meine es nur ein bisschen anders!! Was nämlich, wenn wir einmal die Richtung umdrehen und an unseren Zweifeln zweifeln. Wie wäre es, einmal mit der Möglichkeit zu rechnen, dass der Unglaube sich irrt, und dass nicht der Glaube das Risiko ist, sondern der Nicht-Glaube? An den Zweifeln zweifeln, das könnte heißen: Wie wäre es denn, wenn der Tod nicht das letzte Wort hat? Wie wäre es denn, wer nicht alles so bleiben muss, wie es ist? Ostern reißt ein Loch in alte Gewissheiten: Es gibt solche alten Gewissheiten. Gewiss ist uns, dass wir nichts mehr wert sind, wenn wir nicht mitkommen und nicht mehr leisten, was andere erwarten. Gewiss ist uns, dass zerbrochene Beziehungen nicht mehr geheilt werden können. Gewiss ist uns, dass es mit dem Alter mit uns nur noch bergab gehen kann: ab 55+ ist der Lack ab. Gewiss ist uns, dass wir gefangen sind in unseren Charakterzügen und Wesensunarten. Gewiss ist uns, dass Schuld höchstens entschuldigt wird, aber Versöhnung und Neuanfang nur in Märchen wirklich möglich sind. Gewiss ist uns, dass uns eines Tages Krankheit und Alter beugen, wir in Schmerz oder dumpfem Vergessen versinken und dann alles, alles aus und vorbei ist. Das sind die Glaubensgewissheiten, die zu bezweifeln sich lohnt. Ostern sagt: der Zweifel kann Berge versetzen. Was, wenn Jesus doch stärker ist? Was, wenn das nicht nur ein Märchen ist? Was, wenn ich es heute erleben könnte? Was, wenn ich das Beste verpasse, nur weil ich falsch geglaubt und zu wenig am Zweifel gezweifelt habe? Ostern lädt uns ein, am Zweifel zu zweifeln und neu zu hören: Jesus ist nicht im Grab zu finden, er ist auferstanden. Und wie er für dich gestorben ist, so ist er für dich auferstanden. Gegen deine Hoffnungslosigkeit, Trauer, Schuld, Feindschaft und auch gegen deinen Tod, auch gegen den! Zweifel lohnen sich!
Ich wünsche uns Osterspaziergänge, die uns zu unseren Gräbern führen, an denen wir hören: Jesus ist auferstanden. Für dich. Kein Tod hat mehr das letzte Wort. Und wer Jesus vertraut, hört: Der Herr ist auferstanden, und ruft: Er ist wahrhaftig auferstanden!
