GreifBarplus 69
am 4.2.2007 über Röm 8,31f
Was wollen wir nun hierzu sagen? Ist Gott für uns, wer kann wider uns sein? Der auch seinen eigenen Sohn nicht verschont hat, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben - wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?
Liebe GreifBar-Gemeinde,
wie kann Gott das zulassen? So fragen wir nicht, wenn wir gerade den Jackpot geknackt haben. Dann rufen wir nicht verwundert: Warum ich? So fragen wir auch nicht, wenn die deutschen Handballer Weltmeister werden. So fragen wir nicht, wenn wir frisch verliebt sind, gerade El-tern wurden, eine neue Wohnung beziehen oder vom Chef über den grünen Klee gelobt werden.
Wie kann Gott das zulassen? Das ist unsere Frage, wenn die Dinge schief laufen und uns keine Erklärung mehr einfällt. So fragen wir, wenn wir im Fernsehen von vernachlässigten Kindern hören, die mitten in unserer Wohlstandswelt verhungern. So fragen wir, wenn wir von Naturkatastrophen hören, die wie der Tsunami 2005 Zehntausende in den Tod reißen. So fragen wir, wenn ein Mensch mitten aus dem Leben gerissen wird. So fragen wir, wenn wir noch so viele Pläne hatten und dann vom Arzt hören, die Labortests seien „positiv“ und das heißt ja wohl eben gerade nicht positiv ausgefallen. So fragen wir, wenn wir einfach nicht wieder auf die Beine kommen, obwohl wir uns so gemüht haben.
Die Frage nach der Gerechtigkeit eines Gottes, der allem Anschein nach Menschen leiden lässt, bewegt, beschäftigt und quält uns Menschen seit Jahrtausenden. Diese Frage haben wir uns heute vorgenommen. Keine leichte Sache. Und ich werde ein bisschen mehr lehren als predigen, das lässt sich leider nicht ganz vermeiden.
Wie kann Gott das zulassen? Das wurde auch Mutter Theresa von Kal-kutta gefragt, angesichts der unvorstellbaren Armut in ihrer Stadt. Oh, sagte sie, da wird Gott mir noch einige Fragen zu beantworten haben, wenn ich vor ihm stehe, lautete ihre Antwort. Es heißt, danach hätten die Engel im Himmel Gott immer wieder einmal erinnert, es sei Zeit, dass Mutter Theresa sterbe. Aber Gott wollte nicht. Gottes Antwort war stets: Für dieses Gespräch bin ich noch nicht bereit.
Wie kann Gott das zulassen? Ich möchte versuchen, mit Euch in den nächsten Minuten 5 Anläufe zu machen, wie wir uns dieser Frage nä-hern können.
Der erste Anlauf: Die Frage der Klugen und Weisen.
Ich bitte im Voraus um Entschuldigung: Drei Minuten Philosophie kann ich Euch jetzt nicht ersparen. Gott sitzt also auf der Anklagebank. Er soll sich rechtfertigen vor unserer Vernunft, die es nicht erträgt, dass ein guter und allmächtiger Gott sein soll, der doch das Leid verhindern könnte und es eigentlich auch verhindern wollen müsste – und es nicht tut, offenkundig einfach nicht tut.
Ein erster Zeuge dafür war der griechische Philosoph Epikur. Epikur bringt das Problem auf den Begriff. Es geht nämlich darum, dass das Leiden in der Welt entweder Gottes Macht oder Gottes Güte in Frage stellt: „Entweder will Gott die Übel beseitigen und kann es nicht: dann ist Gott schwach, was auf ihn nicht zutrifft, oder er kann es und will es nicht: dann ist Gott missgünstig, was ihm fremd ist, oder er will es nicht und kann es nicht: dann ist er schwach und missgünstig zugleich, also nicht Gott, oder er will es und kann es, was allein für Gott ziemt: Woher kommen dann die Übel und warum nimmt er sie nicht hinweg?“
Entweder ist er also ein liebender Gott, der all das Böse hasst, dann ist er als Gott disqualifiziert, weil er ohnmächtig ist. Oder er ist der allmächtige Gott, der alles wenden kann und tut es nicht, weil er nicht will, dann ist er als Gott disqualifiziert, weil seine Liebe nicht hält, was sie verspricht.
Die Philosophen hat sich seither sehr verschieden entschieden. Das kann ich jetzt nicht entfalten, weil es in die Vorlesung gehörte. Manche haben wie etwa Hans Jonas gelehrt, Gott habe eben die Welt in Gang gebracht und dann sich selbst überlassen. Er hat also das Risiko schlimmer Pannen in Kauf genommen. Andere bestreiten Gottes Güte. Und manche wie etwa Odo Marquardt sagen: Er ist unschuldig. Wir müssen ihn entlasten, denn es gibt ihn gar nicht. Das sind die Lösungen, die sich unser Verstand sucht. Aber was ist, wenn es unser Herz trifft?
Der zweite Anlauf: Wenn es Ernst wird…
Es gibt zwei Zugangsweisen zu diesem Thema: dies war nun die eine, mit kaltem Herzen und scharfem Verstand! Dann nähern wir uns der Frage als intellektuellem Rätsel. Oder aber: mit verwundetem Herzen und verwirrtem Kopf. Und das ist dann der Fall, wenn wir durch eigenes Erleben an Gott irre zu werden drohen. Wenn Gott uns fremd wird und wir ihn nicht wieder erkennen, wenn all unser Erleben den frommen Versprechungen widerspricht. Wo ist sie denn, die Liebe Gottes? Wo ist er denn, der angeblich immer für mich da ist? Wo er ist der „der dich erhält, wie es dir selber gefällt“?
In der Bibel ist es Hiob, der zum Symbol für unerträgliches Leiden wurde. Eine Hiobsbotschaft nach der anderen erreicht ihn. Er verliert in kürzester Zeit alles, was sein Leben lebenswert und schön machte: Er verliert seine Kinder, auf die er stolz war. Er verliert seinen Besitz, für den er sich abgeplagt hatte. Er verliert seine Gesundheit und wird mit Krankheit geschlagen. Wo ist der liebende Gott? Da ist das Antlitz des liebenden Vaters verstellt. Gott wird unheimlich. Und Hiobs Frau sagt: „Sage doch Gott ab und stirb!“ Es lohnt nicht, diesem Gott die Treue zu halten. Mehr als einen schnellen Tod darfst du nicht mehr vom Leben erwarten. Hiob aber tut gerade das nicht. Er sagt Gott nicht ab. Zwar wird er in einen furchtbaren Kampf mit Gott eintreten, er wird klagen und schimpfen, er wird Gott zur Rede stellen und angreifen, er wird den Tag seiner Geburt verfluchen und die Ver-tröstungen seiner Freunde ausschlagen – aber von Gott lassen wird er nicht. Und da packen wir ein erstes Zipfelchen einer möglichen Lösung: Noch im Protest, in der Klage und in der tiefen Verzweiflung bleibt Hiob Gott zugewandt. Wer klagt und weint und protestiert und schimpft, der hat immerhin Gott nicht gekündigt. Wer klagt, lässt Gott nicht los. Und Gott – so lernen wir bei Hiob – hält das aus. Er hält es wirklich aus. Weiter kommen wir hier noch nicht.
Aber es ist wichtig, sich klar zu machen, wie anders die Frage nach dem Leiden und der Gerechtigkeit aussieht, wenn sie nicht im Hörsaal oder in der Schulklasse erörtert wird, sondern am Sterbebett, in der Arztpraxis, vor dem Scheidungsrichter oder beim Gerichtsvollzieher.
Und ich will nur ein Beispiel erzählen, aus meiner Zeit als Klinikseelsor-ger. Ich habe eine Familie begleitet, deren kleiner Sohn nach der Ge-burt äußerst auffällig war. Es stellte sich heraus, dass er an einer sehr seltenen Fehlbildung des Kleinhirns litt. Er wurde lange beatmet. Die Eltern taten sich furchtbar schwer, diese Situation anzunehmen. Nein: dieses Kind anzunehmen. So hatten sie sich das nicht vorgestellt. Erst bei der Taufe, einige Wochen später, in der Klinik, nahm der Vater sei-nen kleinen Peer zum ersten Mal auf den Arm. Und dann trafen die Eltern eine tapfere Entscheidung: Sie nahmen Peer mit nach Hause, umhegten ihn, pflegten ihn und schenkten ihm ihre ganze Liebe. Nach einem Vierteljahr starb Peer. An einem 21. Januar habe ich beerdigt. Ich traf die Eltern noch einmal und verlor sie dann aus den Augen. Nach gut einem Jahr wurde die Mutter wieder schwanger. Die vorgeburtliche Untersuchung bei Spezialisten war unauffällig. „Machen Sie sich keine Sorge“, sagten die Ärzte der Mutter. Ein zweiter Sohn wurde geboren, Niklas. Der Kinderarzt, der bei der Geburt dabei war, sagte später, er und die Mutter hätten sich nur angesehen und beide sofort gewusst: Es ist wieder genau dasselbe seltene Syndrom. Ich habe Niklas auf den Tag genau 2 Jahre nach Peer neben seinem Bruder beerdigt. Wisst Ihr, was da noch gesagt werden kann? Von der Güte Gottes? Von seinem Erbarmen?
Und dann kommen wie bei Hiob die falschen Tröster. Und sie haben ihre Lösungen. Jetzt kommen nicht die philosophischen Oberstaatsanwälte, die Gott angreifen, jetzt kommen die christlichen Starverteidiger, die Gottes Ehre retten wollen. Sie argumentieren juristisch: Naja, wer weiß, was du angestellt hast, dass es Dich so schwer trifft. Sie wollen verrechnen: unser Wandel und unser Versagen gegen unser Ergehen, Leid oder Glück. Aber es haut einfach nicht hin: Gerechte leiden und schlimme Gauner leben in Saus und Braus. Es haut einfach nicht hin.
Andere argumentieren pädagogisch: Naja, dann schau eben nicht zu-rück, hör auf, Ursachen zu suchen. Frage, wozu es gut ist. Wozu nützt Dir Dein Leiden? Ja, sagt z.B. eine querschnittsgelähmte Frau: Ohne meinen Rollstuhl wäre ich Gott über die Hecken und Zäune davon ge-sprungen. Ja, das gibt es, dass schweres Leid im Rückblick der Anfang von etwas Tiefem, Großen und Guten wurde. Es kann so sein, aber es muss nicht so sein. Und wer wollte das ernsthaft den Eltern von Peer und Niklas anbieten?
Schließlich argumentieren dritte theologisch: Es muss mit dem Teufel zugehen, wenn es Menschen so dreckig geht. Das ist praktisch: für Sonnenschein und Liebesglück ist dann der liebe Gott zuständig, für Zahnschmerzen, Liebeskummer und Hagelwetter der Teufel. Ja, auch das ist nicht völlig falsch. Der Feind ist ein Mörder und Lügner, der uns nichts Gutes gönnt. Aber das entlastet uns nicht, denn auch das lernen wir bei Hiob: Der Böse kann nichts tun, was ihm Gott nicht erlaubt. Er ist abgrundtief böse, aber er hat nicht die Kontrolle. Der Stachel bleibt: Warum lässt Gott es zu?
Nein, wenn es ernst wird und unser Herz trifft, dann gibt es keine Lö-sung. Es gibt keine wirkliche Antwort auf das Warum. Und was uns an-geboten wird, funktioniert vielleicht im Hörsaal, aber tröstet kein wundes Herz.
Paulus fragt: „Wenn Gott für uns ist, wer kann wider uns sein?“ An dieser Stelle der Predigt müssten wir sagen: Wir wissen es nicht! Denn: Ist Gott, und wenn er ist, ist er für uns? An unserem Leben können wir es eben nicht immer ablesen. Wenn es uns gut geht, scheint es einfach. Aber was ist, wenn Leid uns trifft?
Und wer oder was kann wider uns sein? Oh, Paulus, da fiele uns doch so manches ein: Der Tod kann wider uns sein, das bittere Sterben und seine Vorboten, der Schmerz, und seine Begleiter, Angst und Einsamkeit, dann die großen Monster, das Wetter, dessen wir nicht mehr Herr werden, der Terror in Bagdad, ein Autofahrer auf Rügen mit 2 Promille, durchgeknallte Jugendliche mit Messern, die eine unschuldige Familie abschlachten. Und die kleinen Gespenster, die dunklen Gefühle, die bösen Strebungen, das, was uns tief herunterzieht, die Erinnerung an Gewalt. Unser Leben ist so riskant, so prekär – da kann, lieber Paulus, vieles wider uns sein. Ist Gott für mich, auch dann? Wirklich?
Der dritte Anlauf: Stop!
Mein dritter Anlauf ist ganz kurz: Er setzt nur ein Stoppschild. Ich glau-be, dass die Frage nach der Gerechtigkeit Gottes auch durch unser bestes Bemühen nicht beantwortet werden kann. Wir werden das Geheimnis nicht lüften. Wir werden es nicht lüften. Ich will dazu nur zwei Hinweise geben:
Zum einen die Hiobsgeschichte: Sie spielt auf zwei Bühnen. Die eine Bühne ist Hiobs Leben. Wie es ihm sehr gut geht und wie dann sein Le-ben mehr und mehr zerfällt. Wie er es erlebt und wie er damit umgeht. Wie seine Mitmenschen damit umgehen und was sie ihm raten. Das ist die Bühne, die Hiob sehen kann. Das ist, was er verstehen kann. Aber es gibt eine andere Bühne, die kann er nicht sehen. In der unsichtbaren Welt wird entschieden, was passiert, da fällt Gott Entscheidungen. Da will der Teufel sich von Gott die Lizenz zum Quälen erstreiten. Da wird um Hiob gerungen und dem Bösen eine Grenze gesetzt. All das weiß Hiob nicht. Es bleibt im Dunklen. Wir sind nicht die Geheimräte der Weltgeschäfte. Wir durchschauen das meiste nicht.
Zum anderen: Die Anmaßung, Gott müsse sich vor dem hohen Gerichts-hof unserer Vernunft verteidigen, ist an sich schon töricht genug. Gott soll sich rechtfertigen? Gott wollen wir attackieren wie die Philosophen oder verteidigen wie die frommen Gottesgelehrten? Das ist doch wohl eine verkehrte Welt! Dieses ganze Unternehmen ist zutiefst gottlos. Gott muss sich nicht vor dem Richterstuhl unserer Moral oder unserer Vernunft rechtfertigen. Wir sind die von Gott Befragten, die auf 1000 nicht eins zu antworten wüssten. Ebenso gottlos ist es zu meinen, wir sollten oder könnten auch nur Gott verteidigen – als ob er es nötig hät-te. Was aber dann?
Der vierte Anlauf: Gottes Handeln in der Welt bleibt uns zumeist verborgen!
Das ist ein harter Knochen: Gottes Handeln in der Welt bleibt uns zumeist verborgen. Gott wirkt. Ja, es gäbe keine Maus, die über den Dachboden laufen kann, ohne dass Gott es wirkt. In allem ist er der, der die Dinge in Gang bringt und in Gang hält. Entzöge er uns einen Moment die Hand, so zerfiele alles zu Staub . Geburt und Sterben, Glück und Unglück, Leichtes und Schweres, Gelingen und Scheitern, alles kommt aus seiner Hand. Wenn Mann und Frau sich vereinen, wenn der Bäcker Brot bäckt, wenn der Bauer pflügt, selbst wenn der IT-Techniker Programme schreibt, wenn der Arzt operiert – Er schafft es. Und das Leiden?
Ja, auch das Leiden kommt dann zuletzt von ihm. Amos fragt einmal: „Ist etwa ein Unglück in der Stadt, das der Herr nicht tut?“ Alles kommt aus seiner Hand. Das ist fast nicht zu ertragen, oder? Auch mein schwerer Weg – aus seiner Hand? Ja! Auch das bittere Leiden, das unermessliche Grauen – aus seiner Hand? Ja! Das ist kaum zu ertragen. Aber schauen wir genauer hin: Wäre es anders, dann müssten wir den-ken: Jetzt hat Gott die Kontrolle verloren. Jetzt sind wir nicht mehr in Gottes Hand. Jetzt hat ein anderer die Regie übernommen. Der Theologe Karl Heim hat es so ausgedrückt: „Es gehört zum Wesen Got-tes, dass Gott alles in allem wirkt. Nur wenn das der Fall ist, ist Gott unser letzter Halt, die Macht, aus deren Hand wir alles nehmen dürfen. Wenn es irgendetwas gibt, in dem Gott nicht der Wirkende ist, etwas, was außerhalb seines Machtbereichs steht, ist damit die Gottheit Gottes aufgehoben.“ Soweit Karl Heim.
Aber es bleibt schwer. Und wir müssen es jetzt ganz klar und deutlich sagen: Am Welthandeln Gottes können wir nicht klar erkennen, wie es Gott mit uns meint. Da zeigt er uns nicht sein Herz. Wenn es uns gut geht, müssten wir sonst meinen: Er hat uns lieb. Aber wenn es uns schlecht geht und wir leiden müssen, dann müssten wir denken: Er hat uns seine Liebe entzogen. Die Tagesschau und unser Photoalbum, unser Tagebuch und die Geschichtsbücher – sie zeigen uns nur einen verborgenen Gott. Da sehen wir nur auf ein schwer zu verstehendes, dunkles, zwiespältiges Bild.
Bisher keine sehr ermutigende Predigt, aber wir müssen es einfach einmal durchdenken! Darum jetzt der letzte Anlauf:
Der fünfte Anlauf: Nur an einer Stelle kommt unser Herz zur Ruhe! Gottes Handeln in Jesus zeigt uns, wie er es mit uns meint!
Wir sind hier bei der Grundübung unseres Glaubens: Unser Blick muss auf Jesus ruhen. Nur an einer einzigen Stelle kommt unser Herz zur Ruhe, nur an einer einzigen Stelle hört alles Zweideutige auf. Nur an einer einzigen Stelle wird Gott ein-deutig: im Leben und Leiden, im Sterben und Auferstehen, im Re-gieren und Herrschen, im Wiederkommen und Wiederneumachen, in Jesus, dem Christus, dem guten Hirten, dem leidenden Menschensohn, dem Bruder und Herrn. Da zeigt uns Gott sein Herz.
Wenn wir fragen, ob denn Gott wirklich für und nicht wider uns ist, dann packt Paulus aus und gibt uns den einen Grund, den unser Verstand bedenken und mit dem unser Herz sich trösten lassen soll: Guck doch mal, was er gemacht hat! Jesus!
„Was wollen wir nun hierzu sagen? Ist Gott für uns, wer kann wider uns sein? Der auch seinen eigenen Sohn nicht verschont hat, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben - wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?“
Wenn uns das Herz schwer wird: Schau, was Gott getan hat, als er uns Jesus gab. Da ist sein Herz, nirgends sonst. Wir kennen Gott nicht anders, als dass wir Jesus kennen. Dass Gott reine, herzliche, treue, ausdauernde, heilende, vergebende, rettende, tröstende und vollendende Liebe ist und kein Dämon, das sehen wir nur an Jesus. Was aber sehen wir da?
Erstens sehen wir: Gott hat seinen Sohn nicht verschont. Die Summe seines Lebens lautet im Glaubensbekenntnis: Er hat gelitten unter Pontius Pilatus. Gott hat sich sein Kind vom Herzen gerissen und wurde selbst ein verwaister Vater. Wie könnte er es böse meinen? Er ist hi-nein- und hinabgestiegen in unser irdisches Getümmel. Er hat es sich unter die Haut gehen lassen. Er hat sein Herz anrühren lassen von Krankheit und Leid. Er hat Kranke geheilt und Leidende getröstet. Er ist selbst in das tiefste Todesleiden hineingestiegen. Er hat sich dem Schmerz und der Verachtung unterworfen. Was Leiden ist, hat er bis zuletzt ausgekostet: in der Folter der römischen Knechte, im Spott seines eigenen Volkes, als seine Freunde ihn im Stich lassen, im Schmerz der Nägel, im Durst, in der Todesangst, in der Kälte des Grabes. Wenn wir von unserem Leiden sprechen, dann sagt uns das Bild des Gekreuzigten: Ich weiß, du armes Menschenkind. Ich war auch schon da. Ich kenne es. Und es rührt mich in der tiefsten Tiefe an. Und sei gewiss: Ich bin dann bei dir. Ich stehe nicht kühl darüber. Ich schaue nicht grinsend zu. Ich lasse nicht einfach kalt geschehen. Ich bin da, halte dich, trage dich, weine und leide mit dir. Das ist Jesus, das Herz Gottes.
Zweitens sehen wir: Gott hat seinen Sohn für uns alle dahingegeben. Für uns alle. Keiner muss sich hier ausgeschlossen fühlen. Egal wie gut oder schlecht das eigene Leben war. Du bist es Gott wert, dass er für dich Jesus preisgab. Das ist der Wert deines Lebens, nicht dein Doktorgrad, nicht dein Auto, nicht dein Haus, nicht die Anerkennung der Menschen. Das ist der Wert deines Lebens, auch wenn Krankheit dich beugt, Sorge an dir nagt und dir alles zu schwer zu werden droht. Du bist Gott einen Christus wert. Es mag sein, dass dein Leben gut verläuft, dann freu dich und danke Gott. Freu dich am Schönen! Ein Bild von van Gogh, ein gutes Fußballspiel, ein schönes Essen, ein Sonnenuntergang mit der Liebsten, ein Kreis treuer Freunde, Lebenskraft, ein gutes Buch, Musik von Paul Simon oder Katie Melua - Christen können genießen.
Es mag aber auch sein, dass dein Leben schwer verläuft, dann klage und liege Gott in den Ohren. Wahrscheinlich wird es von beidem etwas geben. Dann schau auf Jesus. Das ist der Anker, der dich hält. Und wenn Du nicht mehr verstehst, was dir geschieht, dann mach dir eines klar: Wie könnte er es böse meinen! Er kann es doch gar nicht böse meinen. Er ist doch nun wirklich für uns, er hat es bewiesen. Auch wenn ich es auf dieser unteren Bühne des Lebens nicht verstehe – Er kann es gar nicht böse meinen. Ich kann also das Leben und diese ganze Welt jetzt nur noch aus der „Jesus-Perspektive“ anschauen. Sie ist der archimedische Punkt, von dem aus sich die Dinge klären. Gab er seinen Sohn für mich, dann kann auch alles andere, so dunkel es mir scheint, nicht bösartig und feindselig sein, sondern nur Ausdruck seiner tiefen Zuneigung zu mir und meiner Welt. Wir wissen es dann immer noch nicht zu erklären, und das Warum nagt an uns. Aber wir sagen: Dennoch! Böse kann er es einfach nicht meinen. Der Krebs und die Einsamkeit, das verwehrte Glück und das Scheitern, das Grubenunglück und der Tornado – wir verstehen es nicht. Die leidigen Vertröster jagen wir in die Wüste! Aber wir fliehen flugs zu Jesus und klammern uns an ihm fest: Ist er für uns, wer wollte wirklich dauerhaft und mit Erfolg wider uns sein?
Und drittens sehen wir: Wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken? Es kann gar nicht so bleiben. Es muss am Ende alles gut werden. Weil Jesus kam, ist der Durchbruch geschafft und das, was Gottes Herzen entspricht, muss sich am Ende durchsetzen. Das Böse, der Tod, der Teufel mitsamt seinen Kumpanen, sie können gar nicht mehr siegen. Es siegt Jesus, und darum muss es am Ende gut mit uns werden. Ein bis-schen gut in diesem Leben und richtig gut, wenn er kommt und allem bösen Spuk ein Ende macht. Und Ende ist ein gutes Stichwort. Am Ende frage ich Euch: Was wollen wir nun hierzu sagen? Sprecht es mit: Ist Gott für uns, wer kann wider uns sein? Der auch seinen eigenen Sohn nicht verschont hat, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben – wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken? AMEN!
