GreifBarplus 70
am 18.2.2007
über Lk 18,31-43 (Estomihi V)
Amazing grace! - how sweet the sound -
That saved a wretch like me!
I once was lost, but now am found,
Was blind, but now I see.
'Twas grace that taught my heart to fear,
And grace my fears relieved;
How precious did that grace appear,
The hour I first believed!
John Newton 1779
Jesus nahm aber zu sich die Zwölf und sprach zu ihnen: Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von dem Menschensohn.
Denn er wird überantwortet werden den Heiden, und er wird verspottet und misshandelt und angespieen werden, und sie werden ihn geißeln und töten; und am dritten Tage wird er auferstehen.
Sie aber begriffen nichts davon, und der Sinn der Rede war ihnen ver-borgen, und sie verstanden nicht, was damit gesagt war.
Es begab sich aber, als er in die Nähe von Jericho kam, dass ein Blinder am Wege saß und bettelte. Als er aber die Menge hörte, die vorbeiging, forschte er, was das wäre. Da berichteten sie ihm, Jesus von Nazareth gehe vorbei. Und er rief: Jesus, du Sohn Davids, erbarme dich meiner! Die aber vornan gingen, fuhren ihn an, er solle schweigen. Er aber schrie noch viel mehr: Du Sohn Davids, erbarme dich meiner!
Jesus aber blieb stehen und ließ ihn zu sich führen. Als er aber näher kam, fragte er ihn: Was willst du, dass ich für dich tun soll? Er sprach: Herr, dass ich sehen kann. Und Jesus sprach zu ihm: Sei sehend! Dein Glaube hat dir geholfen. Und sogleich wurde er sehend und folgte ihm nach und pries Gott. Und alles Volk, das es sah, lobte Gott.
Liebe GreifBar-Gemeinde,
(1) kennt Ihr das: Ihr kommt abends in ein fremdes Haus, habt geklin-gelt und macht Euch auf den Weg durch das Treppenhaus. In den 5. Stock soll es gehen, aber plötzlich geht die 3-Minuten-Beleuchtung aus und es ist stockfinster. Ein Lichtschalter ist nicht in Reichweite und Ihr tastet Euch durchs Finstere. Zuerst stolpert Ihr über einen gelben Sack, dann tastet Ihr Euch voran, aber da war noch eine Stufe mehr als erwartet – schönen Gruß von der Bandscheibe. Dazu kommt ein gruseliges Gefühl, im fremden Raum, nachtschwarze Dunkelheit. Was lauert da? Statt sicherem Schritt – mühsames Tasten. Statt munterer Vorfreude – banges Herz. Statt sportlichem Durchatmen – Kloß im Hals. Dann, das Licht geht wieder an, der Kloß löst sich auf. Der Schritt wird wieder fest. Das Herz wird wieder leicht. Oben angekommen, haben wir das kleine Erlebnis schon fast vergessen.
Für den Blinden geht das Licht nie an. Für den Blinden bleibt es immer nachtschwarze Dunkelheit oder milchiger Nebel, je nachdem. Für den Blinden hört das nie auf: Nie kann er sich sicher sein, dass da nicht ein unerwartetes Hindernis liegt, jemand im Weg steht, vielleicht sogar lauert. Es bleibt, für immer, 7x24 Stunden. Sie sehen nie den Sonnen-aufgang, den Schnee im Wald, die Schlüsselblumen im Frühjahr, den Sternenhimmel in der Nacht, nie das Lächeln der Tochter, nie die Freu-de auf dem Gesicht der Geliebten. 7x24 Stunden milchiger Nebel oder nachtschwarze Finsternis.
Das ist das Schicksal von 37 Millionen Menschen auf der ganzen Welt. 90% der Blinden leben in der dritten Welt. Den meisten könnte man helfen, aber die hygienischen Verhältnisse und die schlechte Versor-gung verhindern es. Etwa 165.000 Blinde gibt es in Deutschland. Umgerechnet bedeutet das für Greifswald: etwa 100 Menschen leben in unserer Mitte ohne Augenlicht. Im Stadtbild bleiben sie meistens verborgen, unsere Bürgersteige zu begehen, ist für sie ein Dschungelabenteuer. So bleiben sie anonym, verborgen, nicht so prominent wie die berühmten Blinden: wie Ray Charles, dessen Leben als blinder Soulsänger verfilmt wurde, wie Stevie Wonder, Andrea Bocelli, Helen Keller, Aldous Huxley oder Homer, also der antike Grieche, nicht Homer Simpson, bevor jemand fragt.
(2) Lukas, der Arzt, erzählt in seinem Evangelium von einem Blinden. Der Mann lebte in Jericho, war blind, und weil er blind war, war er dumm geblieben, und weil er dumm geblieben war, wurde er arm, und weil er ein dummer, armer Blinder war, blieb ihm nur das Betteln. Man kannte ihn, jeder kannte ihn, wie er da saß, tagaus, tagein und sich irgendwie durchbrachte. Die Tage sehen alle gleich aus: stumpf, lang-weilig, milchig. Schweres Los, hartes Schicksal, aber was soll man denn machen?
Eines Tages kommt Jesus durch Jericho, auf seinem Weg nach Jerusa-lem ist es nur eine Zwischenstation. Und in dem Moment, als er mit seinem Tross an Begleitern durch die Stadt kommt, nimmt die Ge-schichte Fahrt auf. Der Blinde wird unruhig. Fragt. Hört, es sei Jesus. Oh ja, von Jesus hat er gehört. Sie haben es ihm erzählt. Alle redeten von Jesus. Der Blinde wird aufgeregt. Ruft, ehe er weiß warum. Jesus, komm zu mir. Hab Mitleid! Hilf mir! Jesus! Die Leute wollen ihn beruhigen. Die Begleiter Jesu gucken kritisch. Was will der. Sie wollen Jesus schützen vor dieser lästigen Begegnung. Aber dieser blinde Mann weiß: Das passiert so schnell nicht wieder. Jetzt oder nie! Chance meines Lebens. Vielleicht. Oder nicht! Doch. Jetzt. Jesus, Erbarmen! Hilf mir! Ein wildes Wünschen. Ein lautes Rufen! Ein unbändiges Hoffen! Jesus! Wenn Jesus schon an der Straße meines Lebens vorbeikommt, dann muss ich zupacken, jetzt ist die Stunde, in der sich die Dinge wenden können.
Und nun schaut auf Jesus! Er hört erst nur ein Schreien, sieht noch nicht, was los ist. Aber er bleibt stehen. Der Himmel bleibt stehen, wenn ein Armer nach Jesus ruft. Und er lässt ihn kommen. Privatau-dienz für einen Übersehenen. Jericho schrumpft zusammen auf Jesus und diesen Einen. Der Blinde rief nach Erbarmen. Und die ganze Szene atmet Erbarmen: Der eine, der ruft, schreit, fleht und bittet, der rührt Jesus an. Der trifft Jesus ins Herz. Der bringt den Himmel zum Stehen. Der weckt alle Liebe und Macht des Herrn. Und dann der unglaubliche Satz: Was willst du? Was soll ich für dich tun? Wenn ein Mensch so vor Jesus steht, bekommt er einen Willen. Das hatte diesen Mann doch noch nie einer gefragt. Was willst du wirklich? Der Blinde wird nicht einfach rasch behandelt. Nein, Jesus zieht ihn in ein Gespräch. Er wird zum Ich und findet ein Du. Er darf etwas wollen. Er soll etwas wollen.
Was antworte ich, wenn Jesus mich so fragt? [Auf Zuhörer zugehen…] Was will ich? Was soll er für mich tun, wenn er mich einlädt, ihn zu bit-ten? Was brauche ich, ich Armer an Leib, Seele, Geist, Beziehung? Wenn ich bei Gott einen Wunsch frei hätte, was würde ich sagen? So wird es ernst: denn Jesus kommt ja nicht jeden Tag vorbei. Aber jetzt kommt er vorbei, in diesen Tagen und Wochen meines Lebens. Und ich kann am Rande sitzen bleiben und mir das anhören, Woche um Woche. Oder ich kann es wagen, aufstehen, rufen, bitten, persönlich werden. Jesus, kommst du auch zu mir?
Der eine freie Wunsch des Blinden: Dass ich sehen kann. Sehen, Herr: die Blumen und den Sternenhimmel, den Sonnenaufgang und das Lä-cheln der Nachbarstochter. Sehen möchte ich, Herr. Und Jesus tut es. Er gebietet wie es nur der Schöpfer kann: Sei sehend. Und er nennt es Glauben: dieses wilde Wünschen, dieses laute Rufen, dieses Sich-daneben-Benehmen des Bettlers, der nicht still am Rande sitzen blieb. Jesus, hab Mitleid, komm zu mir, hilf mir. Das reicht, das ist Glauben. Mehr ist nicht nötig, hört ihr, mehr ist nicht nötig! In schöne Worte ge-setzt: „Wer den Namen des Herrn anruft, der wird gerettet werden.“
Was hören wir? Wenn Jesus vorbeikommt, dann ergreife die Chance, ruf und lass Dich nicht zum Schweigen bringen. Ruf und bitte, sag, was Du brauchst: Licht und Erbarmen und Nähe und Hilfe und ein neues Leben! Er kann und er will helfen. Er wird Dir die Augen öffnen für eine ganz neue Welt. Du wirst sehen: Jesus, Gottes große Liebeserklärung an Dich.
(3) Jericho – das war nur eine Zwischenstation. Jerusalem hieß das Ziel. Nur eine Zwischenstation. Jesus hatte ernst mit seinen Begleitern geredet. Wir gehen jetzt hinauf nach Jerusalem, aber für mich geht es hinunter in die Hölle. Auf mich warten Folter und Spott, Erniedrigung und Verurteilung, ja Qual und Tod. Aber dann, hört ihr, dann werde ich mich aufs Neue erheben und leben. So muss es sein. So steht es in der Schrift. Es soll alles erfüllt werden. Alles.
Zwischenbemerkung: Die Ausleger schwanken hier. Die einen sagen: Das kann Jesus gar nicht gesagt haben. Das hat die Gemeinde, als alles vorüber war, hier eingefügt. Solch prophetisches Reden gibt’s ja gar nicht. Und die anderen, die postmodernen sagen: O doch, es gibt so ein Ahnen bei Tier und Mensch, der Soldat kennt es, der Schwerkranke kennt es: Mit mir geht es zu Ende. So ein Ahnen hatte auch Jesus. Nun, ich kann dem beiden nicht folgen. Jesus liest die Bibel, und er weiß, wer es ist, und das was er hier sagt, ist Auslegung der Bibel: Das ist der von Gott vorgezeichnete Weg des Menschensohnes: Folter und Spott, Erniedrigung und Verurteilung, Qual und Tod, aber dann Auf-er-stehung! So redet Jesus prophetisch! Es ist der Trailer zur Passionsgeschichte, die jetzt folgt, und der wir folgen in diesen Wochen zwischen Aschermittwoch und der Osternacht.
Freilich, so erzählt es uns Lukas: Sie verstanden nichts! Dreimal hat Jesus so zu seinen Jüngern geredet: Dreimal. Und dreimal sagt es Lukas allein hier: Nichts verstanden haben sie. Verborgen blieb der Sinn! Nicht greifbar.
(4) Ja, ja, werdet Ihr jetzt sagen, wir Jünger, tumbe Toren, dumm und begriffsstutzig. Ha, ha, ha: So dumm kann man doch gar nicht sein, diese glasklaren Worte des Jesus nicht zu verstehen. Was seid Ihr nur für Trottel! Aber Ihr habt es leicht! Ihr wisst, wie es weiterging. Ihr hört die Geschichte von ihrem Ende her. Wir konnten uns das nicht vor-stellen. Wir hatten nicht Grünewalds Isenheimer Altar und Bachs Mat-thäuspassion. Wir haben einfach diesen Jesus geliebt, ihm vertraut. Wir haben alles für ihn sausen lassen. Wir haben gesehen, mit eigenen Augen gesehen, wie durch das Land zog und die Menschen berührte. Wir haben gehört, wie er Worte voller Kraft sagte. Wir haben einen Blick in den Himmel getan, als er mit uns unterwegs war. Wie sollte das plötzlich enden? Die Erde müsste doch still stehen, wenn es einer wagte, diesen Jesus, Messias und Menschensohn, Sohn Davids, Gottessohn, auch nur anzutasten! Siegen sollte er. Siegen. Wir hatten keine Theologie des Kreuzes, aber wir sahen den Himmel auf Erden! Kreuz? Tod? Spott? Sollte die Hölle siegen, ausgerechnet in Jerusalem? Niemals! Das durfte doch nicht sein. Wir waren nicht dumm! Wir haben Jesus ernst genommen! Wir haben das alles bitter ernst genommen. Als Jesus vom Leiden sprach, war es, als ob das Licht ausging. Nachtschwarze Dunkelheit, milchiger Nebel. Wir haben es nicht begriffen. Unser Herz wurde schwer, unser Schritt unsicher. Wir waren wie blind! Viel später erst ist uns deutlich geworden, worum es ging. Viel später!
(5) Nun ist ein Lukas ein guter Schriftsteller, spielt in der Thomas-Mann-Liga, sozusagen. Er verknüpft nun die eine Geschichte mit der anderen. Jesus redet also von seinem Leiden. Vom Weg in die Tiefe, der sein muss. Weil Gott sich festnageln lässt auf seine Liebe. Weil er alles Böse auf sich zieht, um es zu besiegen und wegzutragen. Und sie verstehen nichts. Und dann kommt der Blinde von Jericho ins Spiel. So erzählt das Lukas: Jünger können blind sein für das, was Gott gerade vorhat. Blind für den Weg, den Gott gehen muss. So blind, dass sie Heilung brauchen. So blind, dass ihnen erst die Augen geöffnet werden müssen. Blind und verständnislos. Nicht weil sie dumm sind, sind sie blind. Zu unfassbar ist der Weg Gottes, zu unbegreiflich die Tiefe, in die er um unsretwillen steigt. Dafür sind wir blind, auch wenn wir den Sinn der Vokabeln erfassen. Es rührt nicht mehr an, es geht nicht mehr tief, es bringt uns nicht mehr zum Staunen. Es führt uns nicht mehr in die Anbetung. Jünger, nicht die anderen, die Jesus gar nicht kennen. Jünger, die mit ihm unterwegs sind. Nach Ostern, als ihre Augen immer noch nicht sahen (Lk 24,16), da öffnet ihnen der Auferstandene die Augen und den Sinn der Schrift (Lk 24,31+45).
Menschen, die Jesus folgen, sind zuweilen wie Blinde auf unsicherem Weg. Wir, die wir Jesus folgen, begreifen und verstehen ihn zuweilen nicht. Überhaupt nicht. Die großen Linien nicht und die kleinen Führun-gen nicht. Wir sind dann mit Blindheit geschlagen und müssen warten, bis er vorbeikommt und uns die Augen wieder öffnet. So ist das, auch mit uns.
(6) Ein kleines Detail der Geschichte noch: eines noch, das genau hier-hin gehört, die Blindheit der Jünger. Da ruft also dieser blinde Bettler. Er bettelt um Erbarmen. Und es heißt in der Geschichte: Sie fuhren ihn, er solle schweigen. Sie? Die vorne gingen im Tross des Herrn. Wer wird da wohl an der Spitze gegangen sein. Ich denke, es waren die engsten Vertrauten, die stolz vor dem Tross des Davidssohnes gingen, dem König voran, hinauf nach Jerusalem. Der Meister hat jetzt keine Zeit für blinde Bettler, Kinder, sündige Frauen und anderes Gesocks. Sie wollen Jesus schützen und abschotten, und sie wollen den fernhalten, der ihn aufhalten könnte.
So sehen sie nicht, was Jesus gerade hier vorhat. So sind sie blind für seine Herzensanliegen und Planungen. Weil sie ihren Plan haben. Blinde Jünger, blinde Menschen, ganz in der Nähe des Herrn. Was ist diese Blindheit. Es ist Blindheit für die Wege Gottes in Jericho, Neu-Ulm, Greifswald, Kapstadt oder Lima. Und die blinden Jünger werden zum Hindernis für Jesus. Sie werden zum Hindernis für Menschen, die Hilfe brauchen und Erbarmen suchen und Jesus nicht finden, weil die Kirche zum Hindernis wird, zu Jesus zu finden.
Konkreter? O.k., erster Anlauf: Blindheit für die Armen ist Blindheit für Gottes Wege. In Neu-Ulm gibt es ein Obdachlosenheim für etwa 80 obdachlose Frauen, Männer und, ja, auch Kinder. Es war eine armselige Baracke mit kaltem Wasser und rostigen Öfen. Die Leute sollten es nicht zu gemütlich haben, fanden die christlich-sozialen Stadtoberen. Nun war der Neubau aber fällig und die Stadt baute auch, aber wieder nur mit kaltem Wasser. Obdachlosigkeit ist eben nichts für Warmduscher. Es ging hin und her, es gab Proteste, aber es tat sich nichts. Eine Stadt – blind für ihre Ärmsten. Bis ein Bürger, Unternehmer, sich fragte, ob die nicht mehr alle Tassen im Schrank hätten. Er rief den Architekten an und bestellte einen 500-Liter-Boiler – auf seine Kosten. Nachtrag: Die Stadt dankte es, indem sie fragte, wer denn nun den erhöhten Stromverbrauch bezahle. Walter Feucht, so heißt der Mann, bezahlt auch das. Blindheit für die Armen.
Zweiter Anlauf: Wenn Jesus durch Greifswald kommt, was will er dann tun? What is God up to in Mission, so fragen es amerikanische Christen. Was hat er gerade vor? Sehen wir es? Und folgen wir ihm? Was hat er vor? Welchen Menschen will er gerade das Licht aufgehen lassen für seine Liebe? Wem will er die Augen öffnen? Wessen Herzenswunsch soll erfüllt werden? Das sind die Fragen, die zählen. Wenn Jüngern die Au-gen aufgehen, was der Herr gerade vorhat, dann wird auch die Kirche sehend. Wenn die Kirche, wenn GreifBar sich nicht um sich dreht, son-dern hinter Jesus her zu denen geht, die es brauchen, dann geht auch ihr, dann geht uns ein Licht auf und Gemeinde wird gesund.
Sie hat nur eine Alternative: blind zu bleiben und zum realen Hindernis für Menschen zu werden, die Jesus brauchen, die ihn suchen, vielleicht ohne es zu wissen, die aber nicht zu ihm durchkommen, weil sie, die Kirche, im Wege steht. Kirche als Hindernis oder Kirche in göttlicher Mission, dazwischen ist nicht viel.
Und das ist nicht aus dem Fenster heraus geredet: Wohin gehen wir mit GreifBar? Wenn Jesus durch Greifswald kommt, wen hört er rufen? An wen will er sich wenden? 100 Blinde gibt es in Greifswald. Sind sie es? Aber es gibt noch eine andere Rechnung: 53.000 Menschen wohnen in Greifswald. Knapp 10.000 gehören zu unserer Kirche. Etwa 400 gehen sonntags zum Gottesdienst – in ganz Greifswald. Wer sieht all die anderen, die noch blind sind für Gott, all die, die ihn noch nicht kennen und durch ihr Leben tappen wie in einem dunklen Treppenhaus?
Und wo werden wir zum Hindernis? Weil wir blind sind. Weil wir gerne unter uns bleiben. Weil wir anfangen, es uns miteinander gemütlich zu machen. Weil uns lästige Menschen nicht stören sollen. Weil uns unser Stil wichtiger wird als der leidenschaftliche Versuch, alles, aber auch wirklich alles zu lassen, was Menschen hindert, Jesus zu finden, und alles, aber auch wirklich alles zu tun, damit Menschen Jesus finden. Wir brauchen es, Ihr Lieben, dass uns Jesus dafür die Augen öffnet.
(7) Worum geht es? [leises Piano: Amazing Grace] In einem alten Lied kommt zum Ausdruck, was der blinde Bettler von Jericho an jenem Tag wohl fühlte, was in ihm vorging, als er zum ersten Mal den Himmel sah, Blumen, die Häuser, Kinder auf der Straße und das Gesicht seines Arztes, Jesus. Es ist das, was Menschen bis heute spüren, wenn sie vor Jesus stehen und sagen dürfen, was er für sie tun kann. Es ist das, was Jesus tut: die Augen öffnen für den Himmel, für Gottes unendliche Lie-be und Kraft.
Staunenswerte Gnade (welch süßer Klang), die ein Wrack wie mich er-rettete! Einst war ich verloren, aber nun bin ich gefunden, War blind, aber nun sehe ich.
Gnade war es, die mein Herz Furcht lehrte, und Gnade erlöste mich von meinen Ängsten; wie kostbar erschien mir diese Gnade zu der Stunde, da ich zu glauben begann!
John Newton 1779
AMEN.
