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11.11.2007 1.Tim 2,1-7 Michael Herbst

 

Predigt über 1 Tim 2,1-7

GreifBarplus 91 (11.11.2007)

So ermahne ich nun, dass man vor allen Dingen tue Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung für alle Menschen, für die Könige und für alle Obrigkeit, damit wir ein ruhiges und stilles Leben führen können in aller Frömmigkeit und Ehrbarkeit. Dies ist gut und wohlgefällig vor Gott, unserm Heiland, welcher will, dass allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenn-tnis der Wahrheit kommen. Denn es ist EIN Gott und EIN Mittler zwischen Gott und den Menschen, nämlich der Mensch Christus Jesus, der sich selbst gegeben hat für alle zur Erlö-sung, dass dies zu seiner Zeit gepredigt werde. Dazu bin ich eingesetzt als Prediger und Apostel - ich sage die Wahrheit und lüge nicht -, als Lehrer der Heiden im Glauben und in der Wahrheit.

Liebe Gemeinde, angesichts der vielen Sprachen, die außer Deutsch in dieser Gemeinde gesprochen werden wie Sächsisch, Linksrheinisch und Schwäbisch, beginne ich mit einer Quizfrage: Wie nennt man auf Schwäbisch ein kleines Schwein, das in eine schwierige Lage geraten ist und nun verzweifelt um Hilfe ruft? Antwort: Notrufsäu-le.

O.k., der war von „Badesalz“. Unser Thema hat mich zu diesem Einstieg ver-führt: Es geht an diesem Sonntag um das Gebet, und zwar in einem ganz be-stimmten Sinne: Freilich möchte Gott mehr sein als unsere Notrufsäule, nun im nicht-schwäbischen Sinn. Es geht darum, dass wir uns in jeder Lebenslage an ihn wenden. Darum geht es heute. Konkret geht es erstens um ein Stückchen Bibelkunde, zweitens um Wachsen im Gebet und drittens um den Zusammen-hang zwischen unserem Gebet und unserem Auftrag als Gemeinde in Greifs-wald. Wenn es Euch beim Hören hilft: der erste und dritte Teil sind ganz kurz, der mittlere nicht.

Erstens: Ein Stückchen Bibelkunde

Ich dachte, ich mute Euch das mal zu: einen kleinen Einblick in die Architektur des Ersten Briefes an Timotheus. Nur einen kleinen Einblick, nämlich in die Ka-pitel 2 und 3. Worum geht es da? [Frei erklären, dann:]

 

Darum also geht es: wie man sich verhalten soll im Hause Gottes – das ist die Gemeinde. Wie soll es zugehen in der Gemeinde? Was soll unser Leben als Ein-zelne und miteinander bestimmen? Antwort: Wir sollen in dieser Hinsicht wachsen, wenn nötig uns verändern. Anders gesagt: Wenn wir solche Worte hören, geht es um unsere Formung und Bildung im Glauben und in der Ge-meinde, es geht darum, dass wir mehr und mehr dem entsprechen, was Gott möchte.  Wachsen sollen wir in der persönlichen Nachfolge des Jesus Chris-tus, aber auch im Gemeindeleben. Übrigens geht es dabei eigentlich immer um etwas sehr Einfaches: Es geht darum, dass wir wachsen in unserer Liebe zu Gott und zum Nächsten. Vor zwei Wochen habe ich etwas darüber gesagt, was das für uns untereinander bedeutet, heute geht es um einen etwas weiteren Hori-zont. Aber es geht auch in dieser kleinen Gemeindeordnung im 1 Timotheusb-rief letztlich wieder um diese Frage: Wie können unser persönliches Leben und unser Gemeindeleben so geformt und gestaltet werden, dass wir Gott herzli-cher lieben und unseren Nächsten auch? Wachstum geschieht nur im Doppel-schritt: hier, wenn wir als Gemeinde zusammen kommen, in der Vollversamm-lung, und zu Hause, wenn wir mit uns allein sind und unser Leben führen. Eben: führen - also: wohin soll es gehen? Wie wollen wir uns führen? An beiden Stel-len aber geht es nur darum: Gott und den Nächsten inniger lieben! Die aposto-lische Ermahnung ist also kein Dressurverfahren und am Ende steht nicht, dass wir uns etwas besser benehmen und brav alle Regeln befolgen, sondern dass wir Gott und den Nächsten lieben, und das intensiver, inniger, fröhlicher, prak-tischer, geduldiger, hoffnungsvoller, kräftiger, nachhaltiger, einfach: mehr an Liebe leben. Das war schon das erste! [BILD WEG] Und nun das zweite:

Zweitens: Wachsen im Gebet

Da gibt es nun mehrere Schritte, und ich gehe sie mal mit Euch durch, und Ihr könnt dabei innerlich mitgehen und Euer Kreuzchen an der Stelle machen, wo Ihr gerade selbst steht:

Erster Schritt: Das Gebet an der Notrufsäule. Das muss ich kaum erläutern: Herr, wo sind meine Autoschlüssel? Gott, bloß jetzt nicht der Typ! Herr, wenn Du mir jetzt hilfst, werde ich Mönch oder tue noch etwas Schlimmeres und werde Mitarbeiter oder gebe etwas vom Bafög für die Armen. Gebet an der Notrufsäule. Worum geht es? Du darfst Gott in jeder Lage anrufen. Er ist sich nicht zu schade als Notrufsäule. Kommt da Dein Kreuzchen hin? O.k., dann ge-hat Gott jetzt ein bisschen mit Dir weiter. Denn Gott wünscht sich mehr Kontakt mit Dir, darum:

Zweiter Schritt: So ermahne ich nun, dass man vor allen Dingen tue Bitte, Ge-bet, Fürbitte und Danksagung. Der Apostel ermahnt, da steht wörtlich: Er er-muntert, ja er bittet fast, er ringt um unser Einverständnis und Vertrauen. Du, geh einen Schritt weiter und setz doch mal das Gebet an die erste Stelle. Mal eine Woche lang, von morgen bis zum nächsten GreifBar plus. Nur mal so zur Probe! Vor allem heißt: zeitlich, am Tag, so dass wir den Tag nicht mit Sorgen und Plänen, sondern im Zwiegespräch mit Vater im Himmel beginnen. Und sachlich: Übe dich, in allem vor allem Gottes Nähe zu suchen, in deinen Ent-scheidungen, vor Gesprächen, bei der Arbeit, stets im Wortwechsel mit dem Himmel. Und wir bekommen auch einen Vorschlag, wie wir mit Vater reden können: Unsere Bitten möchte er hören. Und er freut sich, wenn wir ihm sagen, wie großartig, liebevoll, stark und voller Mitgefühl er ist, er freut sich über un-ser Lob. Und er freut sich, wenn wir ihm sagen, was andere in unserem Leben bewegt. Und dann tut es uns gut, ihm zu danken, weil wir im Danken noch einmal empfangen und doppelt froh werden. Bitte, Lob, Fürbitte und Dank –und das an erster Stelle. Im persönlichen Leben und wenn wir hier zusammen-kommen.

Ich weiß: Wer es versucht, geht durch Dürrezeiten und erleidet Niederlagen. Das macht nichts. Wir können ja jeden Tag neu anfangen: Bitte und Lob, Fürbit-te und Dank.

Ich versuche mir klar zu machen, was uns da erlaubt wird. Unsere Bilder sind ja immer höchst unzureichend, aber sie weisen uns die Richtung: Wir könnten es doch nicht wagen, einfach so mal bei Angela in Berlin ins Kanzleramt zu stiefeln. Undenkbar. Vater aber sagt: Kommt, vor allem will ich, dass Ihr mit mir redet. Das ist mir das Wichtigste. Welche Einladung! Im himmlischen Outlook steht oben: Zeit für meine Kinder, die mit mir reden möchten. Gerade ist der neue Robert-Redford-Film ins Kino gekommen: Von Löwen und Lämmern. Eine Journalistin besucht einen mächtigen Senator. Und er sagt großzügig: Wir ha-ben eine Stunde. Und die Journalistin weiß: Wow, eine Stunde! Vater im Him-mel sagt: Jederzeit, vor allen Dingen. Denn die Ermahnung macht ja nur Sinn, wenn auf der anderen Seite gilt: Für Euch bin ich immer zu sprechen. Und auf unserer Seite bedeutet es, Gott mehr zu lieben, ihm bereitwilliger das Ohr zu öffnen und von ihm mehr zu erwarten. Gott lieben bedeutet, vor allem zu bit-ten, zu loben, für andere einzutreten und zu danken. 

Dietrich Bonhoeffer hat das für seine Vikare auf Zingst einmal so aufgeschrie-ben. Sie sollten immer einen Abschnitt aus der Bibel morgens lesen und sich aneignen. Und dann sollten sie ausgehend von diesem Bibelwort ihre Gebete formulieren. Er schreibt: „Auf dem Grund des Schriftwortes beten wir um Klar-heit für den Tag, um Bewahrung vor Sünde, um Wachsen in der Heiligung, um Treue und Kraft für unsere Arbeit und wir dürfen der Erhörung unseres Gebetes gewiss sein, weil es aus Gottes Wort und Verheißung kommt.“

Für unsere Gemeinde: Wo stehen wir gerade? Wieviel erwarten und fordern wir von uns selbst? Wie sehr setzen wir auf unsere Arbeit? Und wieviel glauben wir von Gott erwarten zu dürfen? Führt Gott uns an unsere Grenzen, damit wir wieder vor allem bitten, loben und danken? Wenn ich einen Wunsch frei hätte, wünschte ich mir regelmäßige Gebetstreffen für unsere Gemeinde und für das Wahrwerden unserer Vision in Greifswald. Vielleicht legt sich das ja heute eini-gen aufs Herz und Ihr macht Euer Kreuzchen hier!

Für uns persönlich: Stehst Du an dieser Stelle und übst Dich gerade darin? Ist hier dein Kreuzchen? Prima, dann geht es jetzt noch ein Stückchen weiter.

Dritter Schritt: So ermahne ich nun, dass man vor allen Dingen tue Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung für alle Menschen. Hier verknüpft sich die Liebe zu Gott mit der Liebe zum Nächsten. Unser Gebet weitet sich. Wir bekommen mehr als uns selbst in den Blick: für alle Menschen! Ich gehe auch diesen Schritt in die Weite gleich mit, bleibe aber zuerst bei einem kleineren Ausschnitt, einer Teilmenge der Gesamtmenge „aller Menschen“. Ich bleibe erst einmal bei uns hier. Gott lieben und unseren Nächsten wie mich selbst hat etwas zu tun, dass wir einüben, füreinander zu beten. Nicht erst, wenn wir von den kleinen und großen Katastrophen hören. Wir werden merken, wie sich unser Umgang mi-teinander erfreulich entwickelt, wenn wir füreinander beten, vielleicht gerade für den, dessen Nase uns zurzeit nicht so gefällt. Ich kann so schwer für einen anderen bitten und ihm gleichzeitig die Pest an den Hals wünschen. Ich kann so schlecht für jemanden beten und ihn ansonsten links liegen lassen. Wie sollte ich auch beten, ohne etwas von ihm zu wissen. Und dann ist er ja jemand, der um nichts weniger als ich selbst dem Vater am Herzen liegt. Und schon küm-mert er mich!

Ist hier dein Kreuzchen? Oder ist es das, was Du üben möchtest?

Ein letzter Schritt: So ermahne ich nun, dass man vor allen Dingen tue Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung für alle Menschen, für die Könige und für alle Obrigkeit. O.k., wir haben keine Könige und mögen das Wort Obrigkeit nicht hören. Worum geht es dann?

Es geht jetzt um die Frage, wie politisch wir als Gemeinde sind, und wie politisch wir als einzelne Christen sind. Offenbar, so lese ich die Worte aus dem ersten Brief an Timotheus, haben wir eine Berufung: Gott möchte, dass wir für die Mächtigen eintreten, für die Entscheider und Verantwortungsträger, für die Performer und die an den Schaltstellen der Macht. Euer Gebet, das vor allem anderen Euch wichtig sein soll, schließe auch die Mächtigen ein, das ist die Bot-schaft heute für uns hier am 11. November.

Wie politisch sind wir? Sagen wir leise oder laut, dass uns das nicht interessiert, zu schmutzig ist, dass uns die Zusammenhänge zu kompliziert sind, die Nach-richten zu langweilig? Oder sagen wir, dass wir schon genug zu tun haben, für uns selbst und unsere Lieben zu beten, aber jetzt auch noch für Beck und Mer-kel, für Mehdorn und den Uni-Rektor, für den schon gar?

Es tut nichts zur Sache: Wir haben ein Mandat zur politischen Fürbitte. Und wir werden vom Himmel aus staunen, was unser Gebet bewegt hat. Ich freue mich schon auf die Entschlüsselung des Geheimnisses, wie viele Diktaturen stürzten, weil die Armen die Hände falteten. Menschen mussten für den 9. November 89 auf die Straße gehen, natürlich! Aber sie gingen montags auch in die Kirchen und riefen Gott an, und Gott hat ihr Rufen erhört.

Warum ist uns das so fremd? Da ist eine ganze Spur in der Bibel: Josef über-nimmt politische Verantwortung im Reich Pharaos. Abraham ringt mit Gott um das Überleben von Sodom und Gomorrah. Jeremia ermahnt die jüdische Ge-meinde an den Wassern von Babylon, sie sollen der heidnischen Stadt Bestes suchen. Propheten mühten sich um Ohr und Herz der Mächtigen. Und hier: Be-tet für die Mächtigen, die Performer und Entscheider!

Betet -und zwar das ganze Programm: Dank für alles, was gut ist, für Mächtige, die Recht und Gerechtigkeit wahren und den Frieden fördern, für Verwaltun-gen, die dienen und ihren Sinn nicht darin sehen, Antragsteller zu piesacken, Wirtschaftsführer, die mehr im Sinn haben als Profit, Wissenschaftler, die et-was erfinden, was Menschen das Leben erleichtert, Diktatoren, die stürzen und Terroristen, die vor ihrer Tat auffliegen. Und für all das auch Bitte, manchmal auch Klage für die, die unter dem Unrecht altersstarrer Diktatoren bitterarm werden und täglich leiden, gegen die, die Kinder in den Krieg schicken. Aber auch darum, dass die Mächtigen das Leben finden. Wie heißt es im Brief an Ti-motheus: dass auch ihnen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen, also zum Glauben an Jesus! Wer betet schon sonst für das ewige Heil der Sarcozys und Kaczynskys? Wir sollen aber für alle beten, weil Christus für alle starb und Gott will, dass allen geholfen wird!

Zu unserer Mission gehört also das Gebet für die Mächtigen. Ich habe den Ein-druck, dass wir hier unser Kreuz machen sollten. Mir rutscht es immer wieder weg, auch die Hände zu falten für die, die jetzt entscheiden werden, ob ein Steinkohlekraftwerk nach Lubmin kommt, für die, die den Knoten im Streit der Bahn mit den Lokführern durchschlagen müssen, um nur zwei Beispiele zu nennen.

Ich kann es auch noch etwas näher rücken lassen: Ich bekam Besuch von einer Studentin, die mich fragte, wofür eine kleine Gruppe von Studierenden im Blick auf unsere Fakultät beten könnte. Da wurde es konkret. Sie erzählte mir auch, wie viel oder wenig Resonanz sie mit dieser Frage an mancher Stelle bekam – aber das gehört nicht in eine Predigt. Aber es zeigt, wie fremd uns das ist.

Wie könnte es denn gehen? Ich habe drei Vorschläge:

Erster Vorschlag: Zeitung lesen und beten, oder betend Zeitung lesen. Ob Jesus wohl Zeitung liest? Ich glaube schon, vor allem den Sportteil, denn er ist ja ein Mann. Sicher nicht die Seiten über Kosmetik und Mode, aber bestimmt den Sportteil. Warum nicht mit Jesus Zeitung lesen? Ich hoffe ja, Ihr lest Zeitung. Ich hoffe es wirklich, so politisch solltet Ihr schon sein. Wenn nicht, werbe ich Euch gerne! Es ist auch nicht so tragisch, wir haben viel Platz im Haus für diverse Prämien für angeworbene Zeitungsleser. Aber wirklich: Wie wäre es, wenn wir uns beim Zeitunglesen angewöhnten zu lesen und dann innezuhalten und zu beten z.B. für die, die jetzt entscheiden werden, ob ein Steinkohlekraftwerk nach Lubmin kommt, für die, die den Knoten im Streit der Bahn mit den Lok-führern durchschlagen müssen, für die, die die Verantwortung in Afghanistan tragen usw.

Zweiter Vorschlag: Wenn wir die Losungen lesen, diese täglichen Worte aus der Bibel, dann gibt es in diesem Heft eine ganz unscheinbare Seite, immer ganz vorne, die heißt: Themen für das tägliche Gebet. Und da werden wir an jedem Tag an Themen erinnert, die wir im Gebet vor den Vater bringen können. Don-nerstags zum Beispiel: Frieden zwischen Völkern und Volksgruppen, Gerechtig-keit und Aufrichtigkeit im Zusammenleben, Männer und Frauen in leitender Stellung in Gesellschaft, Staat, Wirtschaft und Kirche, Überwindung des Völker-und Rassenhasses, Ausländer, Menschen auf der Flucht, usw. Diese kleine Seite im Losungsheft kann uns helfen zu wachsen in der Liebe zu Gott und unserem Nächsten.

Dritter Vorschlag: Es gibt einen echten Märtyrer unter den Elementen im Got-tesdienst. Ich meine die Fürbitten. Irgendwie sind wir erschöpft von Predigt und Singen und sehnen uns nach dem Büffet und dann kommen auch noch die Fürbitten. Meistens haben die Verantwortlichen ein Einsehen: Die Fürbitten sind kurz, ziemlich allgemein, wiederholen in der Regel immer dieselben Anlie-gen, und es ist gut, wenn wir sie hinter uns haben. So habe ich es auch immer wieder gemacht! Wie können wir wachsen in unserem Gebet? Wie können wir Gott und den Nächsten so lieben, dass wir die Fürbitten im Gottesdienst als Audienz in der Regierungszentrale der Schöpfung begreifen und schon ganz begierig sind, dort die Nöte dieser Erde zu Gehör zu bringen?

Zum Schluss drittens: Der Zusammenhang zwischen unserem Gebet und unserem Auftrag als Gemeinde in Greifswald

Man hat immer gesagt, dass das ein bisschen nach Gartenzwerg-Idylle klingt: ein ruhiges, stilles Leben in Frömmigkeit und Ehrbarkeit. Kleinbürgers Traum? Nun, das kommt auf den Blickwinkel an: Wer in Umständen lebt, wo es sein kann, dass man nachts überfallen wird, die Kinder geraubt, die Frauen ge-schändet und die Männer getötet werden, der mag es wohl äußerst attraktiv finden, ein ruhiges und stilles Leben zu führen. Aber es geht hier noch um et-was anderes: Der Apostel verknüpft nämlich unser Gebet mit unserem Auftrag, und das gleich mehrfach:

Zum einen so, dass eine gute Regierung den Freiraum schafft, den unsere Mis-sion braucht. Anders gesagt: Wir können unbesorgt Gemeinde aufbauen und Menschen auf Jesus ansprechen. Das Schlimmste, was uns passieren kann, ist es, verlacht und abgewiesen zu werden. Mehr nicht! Unser Gebet für die Mäch-tigen fällt so wieder als Segen auf uns zurück! Und das Leben in Frömmigkeit und Ehrbarkeit meint gerade nicht Kleinbürgers Idylle, sondern unser Lebens-zeugnis: Wir dürfen als Christen leben, wir dürfen unserer Liebe zu Gott und unserer Liebe zu unserem Nächsten Ausdruck verleihen. Das kann konkret werden – ohne Angst! Das ist Frömmigkeit und Ehrbarkeit, wenn unsere Liebe zum sichtbaren Alltag wird, auf den andere aufmerksam werden.

Zum anderen verknüpft uns unser Gebet mit dem, was um uns herum ge-schieht. Wer betet, muss informiert sein. Wer betet, tritt aus der Gleichgültig-keit: Plötzlich rückt ich mir die Not eines Lokalpolitikers zu Leibe, für den ich bete, weil er jetzt mit DONG Ind. über das Steinkohlekraftwerk verhandelt. Wenn ich jetzt nicht aufpasse, stehe ich nächstens demonstrierend auf der Straße! Oder ich empfinde nach, wie es dem Leiter eines Sozialamtes gehen mag, der nicht mehr schlafen kann, weil er zu gut weiß, was gerade in den Wohnungen derer am Rande des Reichtums abgeht. Wenn ich jetzt nicht auf-passe, merke ich, dass wir als Gemeinde hier reagieren müssen. Gebet für die Mächtigen wird plötzlich Mission bei den Armen. Wer betet, weiß. Wer betend weiß, bekommt ein Herz für Menschen. Wer ein Herz für Menschen bekommt, ist schon wieder ein bisschen gewachsen in der Liebe zu Gott und dem Näch-sten. Der Glaube wächst ins Ganze und die Liebe ins Weite und die Gemeinde wird gesund. Und dann entdecken wir noch genauer, wozu wir als Gemeinde gesandt sind. So gefährlich ist das! Aber auch so spannend. Und wenn Gottes Volk zustimmt, ruft es: AMEN.