Greifbar
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Offb 3,7-13 (2. Advent, Reihe 6)

GreifBarplus am 9.12.2007

Und dem Engel der Gemeinde in Philadelphia schreibe: Das sagt der Heilige, der Wahrhaftige, der da hat den Schlüssel Davids, der auftut, und niemand schließt zu, der zuschließt, und niemand tut auf: Ich kenne deine Werke. Siehe, ich habe vor dir eine Tür aufgetan, und niemand kann sie zuschließen; denn du hast eine kleine Kraft und hast mein Wort bewahrt und hast meinen Namen nicht verleug-net. Siehe, ich werde schicken einige aus der Synagoge des Satans, die sagen, sie seien Juden, und sind's nicht, sondern lügen; siehe, ich will sie dazu bringen, dass sie kommen sollen und zu deinen Füßen niederfallen und erkennen, dass ich dich geliebt habe. Weil du mein Wort von der Geduld bewahrt hast, will auch ich dich bewahren vor der Stunde der Versuchung, die kommen wird über den ganzen Weltkreis, zu versuchen, die auf Erden wohnen. Siehe, ich komme bald; halte, was du hast, dass niemand deine Krone nehme! Wer überwindet, den will ich machen zum Pfeiler in dem Tempel meines Gottes, und er soll nicht mehr hinausgehen, und ich will auf ihn schreiben den Namen meines Gottes und den Namen des neuen Jerusalem, der Stadt meines Gottes, die vom Himmel her-niederkommt von meinem Gott, und meinen Namen, den neuen. Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt!

Liebe Gemeinde,

ich weiß ja nicht, woran Ihr denkt, wenn Ihr hört, es gehe heute um Philadel-phia.  Manchen soll ja nur das Wasser im Mund zusammen laufen, und die denken dann nur schon voller Sehnsucht an das Abendessen. Anderen fällt immerhin die  große Stadt an der Ostküste der USA ein, jene Stadt in Penn-sylvania, in der die Unabhängigkeitserklärung verkündet wurde, deren Spitz-name Philly ist oder auch „City of brotherly love“. Das liefert uns schon mal die Übersetzung: Philadelphia bedeutet nämlich zu Deutsch „brüderliche Liebe“.

Aber heute Abend geht es weder um Frischkäse noch um die Vereinigten Staa-ten,  es geht um ein sehr kleines Philadelphia, ein antikes Städtchen in Klei-nasien. Philadelphia gehört zu den sieben Gemeinden, die in der Offenbarung des Johannes, dem letzten Buch der Bibel, erwähnt werden. Dazu gehören auch Sardes, Pergamon, Smyrna, Laodicea. Sardes könnt Ihr Euch gleich merken, denn um Sardes geht es nächste Woche. Philadelphia ist weit weg, genau 3039 km von Greifswald.  Seit 600 Jahren heißt die Stadt Alaşehir, die Stadt Allahs. Sie liegt wie alle kleinasiatischen Städte heute im 10/40-Gürtel, der Weltregion zwischen dem 10. und dem 40. Breitengrad mit der kleinsten Zahl von Christen auf der Welt. So kann es gehen. Aber sehr lange war Philadelphia eine lebendi-ge Gemeinde.

Sie bekam nun Post. Die sieben Gemeinden bekommen Briefe. Himmlische Briefe, e-mails vom Chef selbst. Diese Briefe heißen in der Bibel natürlich nicht e-mails vom Chef, sondern Sendschreiben, aber unter dem Strich sind es e-mails vom Chef.  Diese e-mails vom Chef haben ein bestimmtes Format, so-zusagen ein himmlisches WORD 1.0.

Sie folgen immer dem gleichen Aufbau: Angeredet wird immer der „Engel der Gemeinde“, und die Ausleger liegen sich seither in den Haaren, was damit ge-meint ist, ob es wirklich für jede Gemeinde einen Engel gibt, oder ob hier der Gemeindeleiter gemeint ist. Das wäre natürlich ein netter Titel: Und dem Engel der GreifBar-Gemeinde schreibe… Klingt gut. Es gibt noch mehr Deutungen, aber das tut hier nichts zur Sache! In jedem Fall gilt der Brief der ganzen Ge-meinde, und er zeigt auf, was für diese Gemeinde typisch ist. Nach dieser An-rede kommt der Absender: Jesus stellt sich noch einmal vor, denn er ist der Au-tor dieser Briefe. Danach wird aus der Sicht des Chefs das Gute in der Gemein-de gelobt und das Schlechte kritisiert, was fast logisch in einige göttliche Ver-besserungsvorschläge mündet. Denen, die trotz aller Schwierigkeiten durchhal-ten, die überwinden, siegen, wird gegen Ende Gutes versprochen. Und statt eines Grußes heißt es am Ende: „Wer Ohren hat zu hören, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt.“

Fasse ich das zusammen, dann geht es um eine Art Evaluation. Evaluation ist kritische Bewertung. Evaluiert werden hier Gemeinden: Wie gut läuft es in der Gemeinde?, das ist die Frage. Das machen wir bis heute. Aber wir fragen gerne: Wie sehen wir die Gemeinde? Gefällt uns das gerade oder haben wir Grund zum Meckern? Oder wir fragen: Wie sehen andere die Gemeinde? Sind die Leu-te mit uns zufrieden? Sind die Leute in der Kirche mit uns zufrieden? Und was sagen denn die Menschen in der Stadt über uns, wie ist unser Ruf? Das kann man alles machen, aber das ist nicht das, was hier passiert. Hier gibt es ja eine e-mail vom Chef, und darum geht es nur um eine Frage: Was hält Jesus von dieser Gemeinde? Offenbar zählt allein das am Ende: Ist er glücklich darüber, wie es gerade läuft, oder hat er Grund zu ernsten Anfragen? Das allein zählt hier: nicht was wir sagen, nicht ob uns die anderen mögen, sondern nur, aus-schließlich, exklusiv dies eine: Wie sieht uns Jesus, wie evaluiert uns der Herr?

Einer dieser Briefe ging also nach Philadelphia, und das Besondere  dieses Briefes ist es, dass die Gemeinde von Philadelphia nur gelobt, aber nicht geta-delt wird. So gut kommt nur noch eine Gemeinde weg, nämlich Smyrna – alle anderen kriegen ganz schön was auf die Ohren. Und das hat mich neugierig gemacht: Was ist das Geheimnis dieser Gemeinde? Warum wird sie so sehr gelobt und herausgehoben? Was hat sie, was andere nicht haben? Was ist dar-um auch ihr Erbe, das, was sie uns raten kann?

Was also ist das Geheimnis dieser Gemeinde? Dazu müssen wir uns den Brief genauer ansehen.

Wird diese Gemeinde gelobt, weil sie so strahlend und groß und reich war? Gewiss nicht! „Ich kenne deine Werke“, sagt Jesus, „du hast eine kleine Kraft“. Philadelphia war kein Wirtschaftszentrum, und auch die Gemeinde wird eher zahlenmäßig klein und arm gewesen sein. Immer wieder suchten Erdbeben den Ort heim – da gab es nicht viel Glanz. So sind die Freunde des Gekreuzigten – keine Kraftmeier! Du hast eine kleine Kraft, und wir ergänzen: nur, nur eine kleine Kraft. Wegen ihrer Kraft oder ihres Reichtums wird die Gemeinde nicht gelobt.

Wird diese Gemeinde gelobt, weil sie so beliebt und allgemein anerkannt war? Nein, auch das gewiss nicht. Viel Widerstand, bösartige Angriffe. Offenbar war sie „schweren Pressionen durch die starke jüdische Bevölkerungsgruppe ausgesetzt.“ Sie war unter großem Druck. Trotzdem hören wir mit unserer Ge-schichte die Formulierung „Synagoge des Satans“ nur mit Schmerz. Gleichwohl war es wohl so: Die Gemeinde stand in schweren Auseinandersetzungen. Die offizielle Religion kritisierte sie; mit ihrer Fixierung auf Jesus und seine Mission scherte sie zu sehr aus dem kirchlichen Konsens aus. Und die Konfessionslosen fanden sie manchmal nur seltsam. Bei den Einladungsaktionen wurden Men-schen aggressiv, wenn sie hörten, dass es um Jesus gehe. Beliebtheit und Aner-kennung waren nicht ihr Geheimnis.

Wird diese Gemeinde gelobt, weil in einer Zeit großer Offenheit für den Glau-ben lebte? Auch das gewiss nicht. Da ist von einer globalen geistlichen Krise die Rede, der großen „Versuchung“, und Philadelphia war davon nicht verschont, auch wenn sich die Christen offenbar gut gehalten haben.

Also, das Geheimnis dieser Gemeinde war nicht: ihr Reichtum, ihre Größe, ihre Kraft, ihre Beliebtheit, die Anerkennung, die man ihr zollte, die günstige Stimmung für den Glauben. Aber was dann?

Was ist es, das diese Gemeinde auszeichnet?

Die Frage ist doch wichtig für uns hier: Wir leben doch in spannenden Zeiten. Viele wollen uns sagen, worauf es ankommt. Aber worauf kommt es denn wirk-lich an für GreifBar? Wohin führt uns Jesus? Was findet sein Lob? Wir haben so viele Fragen, so viele Baustellen und heiße Eisen. Welches Gebäude brau-chen wir auf Dauer? Wie werden wir uns finanzieren? Wie erreichen wir wieder mehr Leute, die Jesus noch nicht kennen? Wie sieht unser Verhältnis zu ande-ren Gemeinden und zur Kirche insgesamt aus? Da wäre es doch spannend, von unseren Vorgängern in Philadelphia zu lernen. Worum werden sie so gelobt – was ist ihr Geheimnis?

Es ist eines: Es ist ihr intimes und intensives Liebesverhältnis zu Jesus. Es ist dies eine: Es ist die Sprache der Liebe, die da zwischen den Zeilen zu lesen ist. Jesus kennt die Gemeinde, und „kennen“ meint in der Bibel immer eine tiefe Vertrautheit. Jesus hat der Gemeinde eine Türe geöffnet, die niemand schlie-ßen kann. Das Bild stammt aus dem Alten Testament : Der Haushofmeister des Königs hat die Schlüssel zum königlichen Hof. Er lässt Menschen hinein und schließt andere aus. Wem er öffnet, der hat Zugang zum König. Wen er aus-sperrt, der ist draußen und bleibt draußen. Jesus hat der Gemeinde die Tür ge-öffnet zum Herzen Gottes, zum König selbst. Und selbst die Menschen drau-ßen, die Kritiker und Widersacher, sollen anerkennen: Jesus liebt diese Ge-meinde. Und die Gemeinde liebt ihn. Und das ist ihr Geheimnis:

Sie schätzen sich glücklich, Jesus zu kennen. Sie wissen um das Vorrecht, den Herrn der Herren zu kennen. Ihr Gemeindeleben ist auf ihn ausgerichtet. Ihn feiern sie, wenn sie zusammenkommen. Er ist ihre Freude, ihre Hoffnung und ihre Stärke. Von ihm sind sie fasziniert. Ihn möchten sie immer besser kennen lernen und ihm wollen sie näher kommen. Das Geheimnis einer gesunden Ge-meinde ist diese Liebe zu Jesus: Wenn er ruft, kommen sie. Wenn er sie sendet, dann gehen sie. Wenn er ihnen Menschen zeigt, die ihn brauchen, kümmern sie sich. Wenn er sie herausfordert, dann wagen sie Dinge, die sie sonst nie in Betracht zögen. Wenn sie Mangel spüren, liegen sie ihm in den Ohren. Wenn er ihnen etwas zusagt, nehmen sie es für bare Münze. Wenn er sie bremst, dann gehen sie keinen Zentimeter weiter. Ihre Leiter fragen zuerst, was er will, aber die ganze Gemeinde sucht zuerst seinen Willen. Ihn loben sie, feiern sie, be-trachten sie, erwarten sie. Sie feiern stets in adventlicher Stimmung: „Komm zu uns, Herr, das ist es, was wir uns wünschen, mehr als alles andere.“ Sie halten sein Wort im Verstand und im Herzen. Und sie ertragen es nicht, wenn sein teurer Name in den Dreck gezogen wird. Es tut ihnen physisch weh, wenn der Name Jesus verspottet wird. Diesen Namen zu tragen, ist ihre größte Ehre – und das zeigen sie nach außen. Sie sind die Jesus-Leute, das weiß man in der Stadt, und dessen schämen sie sich nicht.

Das ist es, was Jesus hier so lobt: Sie haben das Wort bewahrt und den Namen nicht verleugnet, sie lieben ihren Herrn.

Versteht Ihr, darum geht es, wenn wir eine gesunde Gemeinde sein wollen: Jesus am Anfang, Jesus in der Mitte und Jesus am Ende, wenn der zweite Ad-vent kommt, wenn der Herr wieder vor der Tür steht und die Herren dieser Welt endlich ihren Hut nehmen müssen. Alles andere ergibt sich daraus, dass wir die richtigen Schwerpunkte setzen und tapfere Entscheidungen treffen. Auch dass wir die Ärmel aufkrempeln und hart arbeiten. Auch dass wir uns gut organisieren, alles klären, was Räume und Geld angeht. Auch dass wir neue I-deen entwickeln, wie wir Menschen in dieser Stadt erreichen und gewinnen. Auch dass wir uns um die kümmern, denen es nicht gut geht, die in inneren und äußeren Nöten untergehen. Aber das Zentrum ist dieses eine: Jesus mehr und mehr zu lieben.

Seit fünf, sechs Jahren sind wir nun unterwegs. Manche erinnern sich noch an die Anfänge. Ich bin mit meiner Frau … äh … Christiane seit Anfang dabei. Und ich bin es so gerne. Eine Gemeinde, in der Frauen und Männer miteinander nach dem Herzschlag Gottes leben wollen. Eine Gemeinde, die kompromisslos nach Jesus fragt. Eine Gemeinde, die mit ihrer kleinen Kraft die offenen Türen durchschreitet. Eine Gemeinde, wo aus der Liebe zu Gott Liebe zu Menschen wird. Eine Gemeinde, die alles zur Disposition stellt, was es anderen schwer machen könnte, Jesus kennen lernen zu können. Eine Gemeinde, wo die er-staunlichsten Gaben zusammenkommen, um so einen Gottesdienst zu feiern, wie letzten Sonntag. Eine Gemeinde, in der viel gelacht und viel geweint wird. Eine Gemeinde, in der Kinder so wichtig sind wie Erwachsene. Das ist unsere Berufung: Und Jesus ruft auch durch uns sein großes Volk in Greifswald zu-sammen. Ich habe schon viel Gutes in meiner Kirche erlebt, aber ich war noch nie in meinem Leben so elektrisiert wie in dieser kleinen GreifBar-Gemeinde.

Das was aber so schnell passiert, ist, dass wir Jesus aus den Augen verlieren, und dann wird der Platz, der ihm gebührt, ganz schnell mit anderem belegt: dann ist es unser Ehrgeiz oder unser Wunsch, möglichst anerkannt zu sein, möglichst groß und stark, möglichst kirchlich eingebunden oder unkirchlich frei zu sein. Dann werden plötzlich Programme und Techniken um ihrer selbst wil-len wichtig, dann zählen nur noch Ziele und Zahlen. Dann geht es nur noch um Strategien und Strukturen. Und wisst Ihr, was dann geschieht? Dann ist Druck, Druck, Druck, Druck. Und davon immer mehr, mehr, mehr. Man kann es spü-ren. Da war einmal Freude, Liebe, Heiterkeit und viel Mut, etwas zu riskieren, geradezu Spaß am Dienen, eine ansteckende Begeisterung - aber ohne Jesus bleiben nur Stress, Streit, Reibereien, Müdigkeit, Erschöpfung und der tiefe Wunsch, sich zurückzuziehen und möglichst nicht in den Sog dieser Gemeinde zu geraten. So ist das ohne Jesus. So ist das in der globalen geistlichen Krise, die Jesus hier die große Versuchung nennt. Darum lobt er die Gemeinde, die ihn so sehr liebt, und zugleich mahnt er sie: Haltet das fest, haltet es fest. Lasst Euch das nicht nehmen, von niemandem. Zuerst Jesus, dann Begeisterung, Mut und Einsatz für das Volk, das er in Greifswald sammelt. Schaut ihm entgegen, seid adventliche Menschen, darauf kommt es an.

Ich spitze es zum Schluss noch einmal zu mit den drei konkreten Richtungen:

1. Nach innen: Werden wir den Mut und die Entschiedenheit haben, ihn zuerst zu lieben und zu loben, uns von seinem Wort regieren zu lassen und nicht sein Wort zu korrigieren, zum Schweigen zu bringen, zu biegen und zu beugen? Er hat uns eine Tür aufgeschlossen, dass wir sein Wort hören und verstehen können. Jetzt sollen wir es auch hören, jeder von uns und immer wenn wir zusammen kommen, und uns von diesem Wort leiten zu lassen. Jesus sagt uns: Das haltet fest, auch wenn es angefoch-ten wird und Euch an-greifbar macht, das lasst Euch nicht rauben!

2. Nach außen: Werden wir den Mut und die Entschiedenheit haben, durch die Türen zu gehen, die er öffnet? Werden wir das Feuer behalten, die Kondition auf der langen Strecke? Die Ausleger rätseln, ob mit der Tür, die Jesus geöffnet hat, und die niemand schließen kann, auch die missio-narischen Chancen der Gemeinde gemeint sind. Nun, zuerst ist es sicher der Zugang zum König, zu Gott selbst, aber wer Zugang zum Herzen Got-tes bekommt, der bekommt Zugang zu seinem tiefsten Wollen und Seh-nen. Was ist dann die Gemeinde? Der Ort der offenen Tür zu Gott für Menschen, die so sehr warten, dass etwas Neues und Gutes in ihrem Leben passiert. Wo Jesus ist, da ist ein Ort, wo Verlorene gerettet wer-den. Bei Jesus lernen Menschen, dass sie etwas wert sind und etwas können. Da wenden sich Menschen zum ersten Mal ernsthaft betend an den Vater. Da werden Abhängige frei und Kranke heil. Die durch Schei-dungsdramen gingen, werden aufgerichtet. Die psychisch am Boden la-gen, finden ein gesundes Umfeld. Die ohne Arbeit können ihre Gaben einbringen. Zerstrittene finden Versöhnung. Menschen, die sich aufge-geben haben, fangen noch einmal an. Wer eine harte Ehe durchlebt, lernt, wie es dennoch zusammen weiter geht. Jesus ist da – und das macht die Gemeinde zu einem Ort ansteckender Gesundheit. Offene Tü-ren für Menschen mit kleiner Kraft. Welcher Mensch könnte eine solche Berührung durch Gott nicht brauchen? Am letzten Sonntag war ich so dankbar, weil Menschen, die zum ersten Mal bei GreifBar waren, sagten: „Ihr wirkt hier alle so entspannt!“ Ich meine, an einem GreifBar-Sonntag mit all der Arbeit, dem Stress, den Problemen: Ihr wirkt hier alle so ent-spannt. Das ist die ansteckende Gesundheit. Das sind die Türen zu Men-schen, die Jesus uns öffnet, und die niemand verschließen kann. Ein Mensch nach dem anderen, Schritt für Schritt. Kleine Kraft – aber vor of-fenen Türen! Nicht mit großer Wucht vor verschlossene Türen rennen! Aber mit der kleinen Kraft durch die offenen Türen! Aber werden wir den Mut behalten, die Leidenschaft, die Liebe und die Phantasie, nicht für uns selbst und nicht für fremde Interessen da zu sein, sondern ganz und gar für andere Menschen, die Jesus noch nicht kennen.

[Manche haben sich auch geärgert, dass wir sehr klar sagen, dass man sich entscheiden soll, zu welcher Gemeinde man gehören möchte. Ich sage es darum noch einmal: Es geht hier nicht um ein gegenseitiges Be-suchen und Zusammenarbeiten, etwa mit der Johannesgemeinde. Es geht auch nicht um die Studierenden, die ihren Platz in der SMD gefun-den haben und zu uns in den Gottesdienst kommen. Aber wie sollen wir den Menschen in dieser Stadt dienen, wenn wir nicht verbindlich wer-den, mal hier sind und mal da, überall mitnehmen, was wir genießen, aber uns nirgends festmachen und miteinander den Willen dessen tun, dessen Namen wir tragen? Wie soll das funktionieren?]

3. Und nach oben: Wir warten auf Ihn. Das ist der Sinn des zweiten Advent: Wir warten auf Ihn. Er wird kommen, und er wird alles neu machen. Den Christen in Philadelphia gibt Jesus zwei Versprechen: Das erste: Sie wer-den zu Säulen werden im Gotteshaus in der neuen Gottesstadt, dem himmlischen Jerusalem. Ich fand es erst nicht so attraktiv, als Versteine-rung irgendwo eingemauert zu werden. Aber es ist ja ein Bild dafür, dass diese Gemeinde eine tragende Rolle in der neuen Welt spielen soll. Das zweite: Sie werden die neuen Namen erfahren und tragen. Auch einen Namen für Jesus, den wir jetzt noch nicht kennen. Das heißt: Wir kennen Jesus immer noch vollständig, wir erkennen ihn nur bruchstückhaft, aber wenn er kommt, am zweiten, dem letzten Advent, dann werden wir ihn in seinem ganzen Glanz sehen und alles wird uns klar werden. Wir wer-den verstehen und unsere Fragen werden mit einem Schlag beantwortet sein.

Darum geht es: Das ist der Sinn dieser e-Mail vom Chef. Das ist es, was zählt. Nicht Größe, nicht Macht oder Reichtum, nicht Anerkennung und Be-liebtheit. Aber Treue zu Jesus. Und wenn er uns eine offene Tür zeigt, dann ruft er: Geh durch. Komm, geh durch. Du mit der kleinen Kraft – durch mei-ne offenen Türen. Werden wir gehen? Wir werden Fehler machen, wir werden schuldig werden, wir werden hier und da scheitern, wir sind eben die mit der kleinen Kraft. Aber wir werden auch durch die offenen Türen ge-hen und Siege feiern, wenn selbst Widersacher sich zu Jesus bekehren. Und am Ende werden wir zurückschauen und sagen: Das waren unsere besten Jahre! Werden wir aufbrechen und mutig durch Türen gehen? Dann soll Gottes Volk antworten und rufen: AMEN.