Greifbar
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GreifBarplus 80

am 24. Juni 2007

über 2 Kön 6,24f + 7,1-20

Taufe Susanna Breitsprecher

 

 

Liebe Gemeinde!

Für die langen Läufe braucht man Kraft. Ausdauer will trainiert sein. Es ist leicht loszulaufen und die ersten Meter fallen niemandem schwer. Aber dann, wenn sich Kilometer an Kilometer reiht, dann wird es hart. Dann muss man auch unterwegs für Nachschub sorgen, essen und trinken, um die leeren Spei-cher aufzufüllen. 

Niemand weiß das besser als der Ultramarathon-Mann Dean Karnazas. Bei einem 200 Meilen-Lauf durch Californien hat er sage und schreibe 27.934 Kalo-rien zu sich genommen. Ich denke, damit kriegten wir heute Abend fast die ganze Gemeinde satt. Er war 2 Tage und 2 Nächte unterwegs. Man muss sich das Bild vorstellen, ein einsamer Läufer auf einem nächtlichen Highway. Mit seinem Handy bestellt er sich bei einem Fast-Food-Restaurant etwas zu essen. Wenn die dann fragen, wohin sie denn liefern können, sagt er, oh, ich treffe Sie ungefähr bei Kilometer 38 auf dem Highway 116 bei Petaluma. Und dann muss man sich weiter vorstellen: Er läuft durch die Nacht, mit der linken Hand balan-ciert er eine Pizza Hawai, large size, d.h. eigentlich für 5 Personen, mit Extra-Käse, Extra Oliven und Extra Ananas, und obendrauf als Nachtisch ein komplet-ter Kirsch-Käse-Kuchen, und mit der rechten Hand rollt er Pizzastücke zusam-men und stopft sie sich in den Mund. Auf dem Highway 116, nachts um 1, bei einem Tempo von 8, 9 Kilometern in der Stunde.

Das müssen wir nicht nachmachen. Aber es ist ein nettes Bild für den Lauf, auf dem wir als Gemeinde sind. Ein langer Lauf. Ein manchmal auch mühsamer Lauf. Ein Lauf durch Tage und Nächte. Wir sind berufen, Menschen zu gewin-nen. Für Jesus. Für ein neues Leben. Für die Gemeinde. Für Gottes Mission in der Welt. Und wir brauchen immer wieder Energie. Wir können nur durchhal-ten, wenn wir uns stärken lassen durch die Zusagen Gottes. Sein Wort ist die Speise, die uns fit macht weiterzulaufen, durch die Tage und Nächte, bis zum Ziel.

Ich möchte uns heute daran erinnern, wozu es GreifBar gibt. Ich möchte uns stärken für die nächsten Etappen unseres Laufes. Von Zeit zu Zeit brauchen wir das und ein Taufgottesdienst ist eine wunderbare Gelegenheit, uns wieder dar-an zu erinnern, weshalb wir hier sind, und warum es uns geben darf.

Ich tue das mit einer Geschichte aus dem Alten Testament. Auch für eifrige Bibelleser dürfte es sich um eine relativ unbekannte Geschichte handeln. Also, gäbe es die Top Ten der unbekannten Bibelgeschichten, unsere hätte eine echte Chance. Sie steht in einem alten Geschichtsbuch, dem Zweiten Buch der Könige, Kapitel 6 und 7, und ich werde sie Euch zunächst einfach erzählen und dann fünf Parallelen zwischen dieser Geschichte und GreifBar zeigen.

Also, wir müssen uns zurückbeamen in die Zeit um das Jahr 800 vor Christus. In der nordisrasraelischen Stadt Samaria sieht es zu dieser Zeit düster aus. Samaria ist der Sitz des Königs von Israel, Joas. Und Samaria wird belagert. Es ist wie heute eine unruhige Gegend. Ein syrisches Heer hat die Stadt umzingelt. Aus Samaria gibt es kein Entrinnen, und umgekehrt kommt niemand in die Stadt hinein. Was ist die Folge? Hunger. Hunger ist die Folge. Die Preise schießen in die Höhe. Es gibt aber fast nichts zu kaufen. Die letzten Delikatessen, um die man sich reißt, sind Eselsköpfe und Taubenmist. Die Verzweiflung ist unermesslich. Die letzten Grenzen des Menschlichen werden überschritten: Fälle von Kannibalismus ereignen sich. Der König verliert über allem den Glauben. Laut ruft er von der Mauer: Was sollen wir von Gott noch erwarten?

Nur ein Mann sieht die Dinge anders:  Elisa heißt er, einer der in Gottes Namen redete. Und Elisa sagt: Morgen schon wird sich das Blatt wenden. Mor-gen schon wird die Belagerung ein Ende haben. Morgen schon werdet ihr zu essen im Überfluss haben. Das sagt er. Nur glaubt es ihm keiner. Die Leute ha-ben kein Zutrauen mehr zu Gott. Ein Berater des Königs spottet nur und sagt: Da müsste Gott schon Fenster am Himmel öffnen – und das wird gewiss nicht geschehen. Elisa aber sagt: Du wirst sehen, dass es geschieht, aber weil du nicht glaubst, wirst du nichts davon abbekommen. Das ist der Beginn dieser Geschichte.

 

 

 

Dann aber geht der Blick nach draußen,  vor die Tore der belagerten Stadt. Raus vor Tor und Mauer, in das Niemandsland zwischen Belagerern und Belagerten. Dort sind vier Männer ganz unten angekommen. Vier Aussätzige. Ausgestoßene. Krank, hungrig. Sie gehören nirgends dazu. Vier, die man ge-trost vergessen kann, und sicher auch vergessen hat.

Diese vier rechnen durch, was ihnen bleibt: Möglichkeit A – in die Stadt. Selbst wenn man sie reinlässt, ist das der sichere Hungertod. Möglichkeit B – Bleiben wo sie sind. Auch das – der sichere Tod. Möglichkeit C – wir gucken mal bei den Syrern nach. Vielleicht töten sie uns, vielleicht aber auch nicht.

So marschieren sie los.  Wandern durch das Niemandsland, bis sie ins Feldlager des syrischen Heeres kommen. Und siehe: Da ist keine Menschensee-le. Niemand. Alle weg! Ohne Ausnahme. Wie kommt’s? Nun, sagt der Autor, Gott hatte die Syrer ein bisschen hallunzinieren lassen. Sie hatten einen Tumult gehört, Waffengeklirr und Pferdegetrampel. Laut, wie von einem großen Heer. Und da haben sie sich gedacht:  Die Großmächte kommen und wollen Sama-ria befreien. Dem sind wir nicht gewachsen. Und so sind sie Hals über Kopf auf-gehauen. Gott hat seine Wort wahr gemacht: Binnen 24 Stunden war die Stadt frei. Kein Schwert war gezückt, kein Blut vergossen worden. Und nur vier aus-sätzige Männer wussten es. Die anderen hatten keine Ahnung und immer noch Hunger.

Nun, was machen unsere vier? Sie gucken sich um. Gucken mal in diesem Zelt, mal in jenem. Essen, trinken. Essen weiter, trinken noch ein Fläschchen. Probieren mal syrische Mode aus. Ziehen sich einen warmen Mantel an. Legen sich auf’s Sofa des Kommandanten. Lassen es sich richtig gut gehen. Finden Geld und Schmuck, Gold und Silber, schaffen es beiseite, vergraben und verste-cken es. Essen und trinken noch ein bisschen. Vier aussätzige Männer in einem verlassenen Heerlager. Bizarr: Oben in der Stadt wird gezittert und gezetert, fürchtet man sich und hungert. Unten sitzen vier Loser und lassen es sich gut gehen.

Aber dann kommt ihnen ein Gedanke, und den lese ich Euch nun wörtlich aus der Bibel vor: „Aber einer sprach zum anderen: Lasst uns so nicht tun; die-ser Tag ist ein Tag guter Botschaft. Wenn wir das verschweigen und warten, bis es lichter Morgen wird, so wird uns Schuld treffen. So lasst uns nun hingehen und es dem Hause des Königs ansagen.“

Und so machen sie es.  Sie laufen zurück zum Tor, hämmern gegen das Tor. Und natürlich glaubt man ihnen nicht.  Der König hält es für einen neuen Trick, der sie nur aus den sicheren Mauern locken soll.  Nur ein Offizier meint, es sei ja einen Versuch wert, man habe eh nichts mehr zu verlieren und könne ja mal einen Spähtrupp losschicken. Das geschieht. Der Trupp zieht los, sieht nach, kommt wieder:  Ja, es stimmt, sie sind weg, weit weg. Da begrei-fen sie es. Die Menge ist enthemmt. Der Berater des Königs, der am Anfang nur Spott übrig hatte, als Elisa die Befreiung ankündigte,  der wird dabei zer-trampelt. Das einzige Todesopfer in dieser Nacht. Er hatte es nicht glauben wol-len, jetzt hat er es gesehen, aber er hat nichts mehr davon. Er kann den Sieg nicht mehr feiern.

Das ist die Geschichte. Was hat sie mit uns zu tun? Und warum kann uns diese Geschichte stärken und nähren für unseren Lauf als Gemeinde? Ich wan-dere noch einmal mit Euch durch diese seltsame Erzählung und zeige Euch fünf Parallelen:

Erstens: Die Aussätzigen vor den Toren der Stadt. Das ist im Grunde etwas Schockierendes. Drinnen in der Stadt der Frommen hungern die Menschen. Und in der Not verhungert ihr Glaube. Von Gott ist in der Stadt keine Rede. Was soll uns Gott jetzt noch Gutes tun, fragt der König. Und was tut Gott? Gott fängt draußen an. Gott wirkt, wo er nicht erwartet wurde. Er wirkt im Heerlager der Syrer. Er schlägt die dunklen Mächte in die Flucht. Er fängt neu an mit vier Männern, die keiner mehr auf der Rechnung hatte. Er lässt sie sehen und schmecken, wie großzügig und voller Mitgefühl er ist. Die drinnen kriegen es nicht mit. Und dann sind es die unwahrscheinlichsten Leute, die aus der Tiefe kommen, und die keiner auf der Rechnung hatte, die Gottes tapfere Zeugen werden, und deren Zeugnis alles, alles ändert.

Manchmal macht Gott das so. Er ist längst zugange. Draußen. Draußen zu-gange. Nicht drinnen. Draußen – wo ihn keiner erwartet. Wo es heiß her geht. Wo die Not am größten ist.

Ich glaube, dass wir gute Augen brauchen. Wo ist Gott in Greifswald zugan-ge? Wo hat er längst angefangen? Wo ist er dabei, Menschen zu berühren, zu heilen, zu rufen, zu gewinnen? Wo will er uns dabei haben? Ist es in der Univer-sität, jetzt weiter nach den Hochschultagen der SMD? Ist es draußen in Schön-walde, sollen wir anfangen nachzudenken, ob nicht 20, 30 von uns dort neu anfangen, einen Gemeindeableger gründen im Plattenbau und Menschen sammeln, die Gott ruft? Oder drinnen in der Stadt, in einem christlichen Café, mit Leseecke und Beratungsangebot, Konzert und Lesung, Seelsorge und An-dacht? Oder sollen wir Holywood starten und die Kinofans ansprechen, Filme zeigen und die Sehnsucht nach Gott in den Filmen der Gegenwart aufsuchen? Wo ist Gott zugange? Wo will er uns dabei haben? Draußen. In der Stadt. An ihren Rändern. Wo Greifswald die Nase oben trägt oder wo Greifswald ganz unten ist? Wo sollen wir mittun und das große Volk sammeln, das Jesus hier haben will?

Zweitens: Die Aussätzigen rechnen ihre Chancen durch. Sie können gut rechnen: Option A – 100% Todeswahrscheinlichkeit, Option B –ebenfalls 100% Todeswahrscheinlichkeit. Option C – 50/50, dass wir am Leben bleiben. Und dann sind sie clever genug, die Chance beim Schopf zu packen.

Die Aussätzigen rechnen also ihre Chancen durch. Und sie wählen die 50/50-Chance, die sich ihnen bietet. Im besten Fall bleiben sie am Leben. Im schlimmsten Fall passiert, was sonst auch passieren wird. Sie werden umgehen. Aber es gibt eine Chance.

Ich will diese clevere Rechnung einmal umdrehen: Ich frage, wie wir ent-scheiden. Wie wägen wir unsere Chancen und Risiken ab, wenn es darum geht, einen anderen Menschen anzusprechen, ihn z.B. zu fragen, ob er mitkommt zum nächsten GreifBar-Gottesdienst, oder mit ihm darüber zu sprechen, was Gott in unserem oder seinem Leben bedeutet. Was müssten wir abwägen?

Im besten Fall würde folgendes passieren: Der Mensch, den wir ansprechen, zeigt Interesse. Er ist vielleicht schon von Gott, der ja draußen längst zugange ist, vorbereitet. Er sagt: Ich möchte mehr von Gott erfahren. Unsere Beziehung zu ihm vertieft sich und wird freundschaftlich. Wir reden über die Welt und Gott. Auch über Gott. Und was könnte weiter passieren? Unser Freund könnte eines Tages die göttliche Wette eingehen und sich Jesus anvertrauen. Und er würde hier stehen und wir an seiner Seite, wenn er getauft wird. Und es wür-den Tränen der Freude fließen, weil ein ewiges Schicksal sich gewendet hat. Ein Mensch ist aus der Verlorenheit ohne Gott gerettet worden. Und wir waren dabei. Ein ewiges Schicksal hat sich gewendet, und wir durften mit unserem Leben eine Rolle dabei spielen. Im besten Fall würde das passieren.

Im schlimmsten Fall würde der andere sagen: Nein, danke, kein Interesse. Vielleicht käme ein bisschen Spott dazu. O.k., nicht angenehm. Aber mehr wür-de nicht passieren. Wir kämen nicht ins Gefängnis. Wir würden nicht um unser Leben fürchten müssen. Das schlimmste Ergebnis wäre nur ein „Nein“.

Wenn wir nun so klug wie die Aussätzigen unsere Chancen abwägen, wäre es dann nicht den Einsatz wert, einfach wach zu sein, wach und bereit, einen anderen Menschen anzusprechen und einzuladen. Was hält uns davon ab. Ich glaube: Furcht hält uns davon ab. Furcht. Ist diese Furcht berechtigt? Wenn Furcht uns abhält, Menschen anzusprechen, werden wir diese Erfahrung nicht machen, Einfluss zu nehmen auf das ewige Schicksal eines anderen Menschen. GreifBar ist dazu da, Menschen anzusprechen und einladen zu können. Wie wäre es, wenn wir unsere Chancen neu abwägen würden?

Drittens: Die Aussätzigen genießen ihren Fund! Was für ein Bild. Sie stopfen das gute Essen in sich hinein. Sie genießen den Wein, Jahrgang 89 Montepul-chiano. Sie bestaunen Gold und Silber. Sie streichen immer wieder über den Ärmel des neuen warmen Mantels. Sie können es kaum fassen. Sie sitzen plötzlich auf einem unermesslichen Vermögen. Sie sind völlig unverdienterma-ßen an großen Reichtum gekommen.

Vielleicht ist das eine etwas ungewöhnliche dritte Perspektive auf unsere Mission als GreifBar-Gemeinde. Wir sind zu großem Reichtum gekommen. Ich will mich einmal in einen Menschen hineinversetzen, der gerade getauft wurde. Was ist das denn? Was hat er da bekommen? Großen Reichtum!

Unsere getaufte Schwester kann nun folgendes von sich sagen (was übri-gens nicht dasselbe ist, wie etwas immer gleichermaßen zu fühlen): Ich bin reich beschenkt. Gott liebt mich. Ich könnte nichts tun, was Gottes Liebe zu mir noch steigerte. Jesus ist für mich am Kreuz gestorben. Mir ist vergeben. Ich werde nicht unterliegen, meiner Schuld nicht, meiner Gebrochenheit und Krankheit nicht. Ich darf jeden Morgen neu anfangen. Ich bin in eine Familie hineingetauft und habe plötzlich neue Schwestern und Brüder. Ich darf wach-sen. Ich kann lernen. Ich habe Gaben. Der Geist Gottes wird mich führen und leiten. Er wird mir die Wahrheit erschließen und mich trösten, wenn ich es brauche. Ich bin jetzt selbst Teil des gewaltigen Unternehmens, das Gott zur Rettung von Menschen begründet hat. Ich kann mich freuen an den Bäumen und Blumen, an Strand und Meer, an Erdbeerkuchen und Sahne. Irgedwann werde ich sterben, aber mein Sterben wird ein Heimgehen. Und da wartet auf mich die Steigerung jeder Freude, das Ende jedes Leides, die Vervollkommnung alles Guten, da spielt der Himmel noch einmal ganz anders auf. Und dann wer-de ich den mit eigenen Augen sehen, dem ich alles, alles verdanke, und ich werde in seiner Nähe sitzen beim großen Fest, und ich werde mit ihm feiern und reden. Mein Ende wird ein Anfang. Wo andere sagen werden „Exitus“, da sagt Gott „Introitus“! Reich beschenkt.

Versteht Ihr: Wir haben Anschluss an großen Reichtum. Und die 4 Jungs da im verlassenen Zelt der syrischen Armee, schmatzend, schlürfend, staunend, erleichtert, in vollen Zügen genießend – da ist ein geistliches Bild vom Chris-tenmenschen. Es ist unsere Pflicht, unserem Leben eine Form zu geben, unser Leben zu gestalten, so dass unsere Seele unter Gottes Führung zum Frieden findet, also zufrieden wird. Es ist unsere Pflicht, unser Leben, unsere Seele so unter Gottes Führung formen zu lassen, dass es zur Zufriedenheit findet. Dallas Willard hat das so gesagt! Seltsamer Gedanke? Nein, und ich habe zwei Grün-de, das so zu sagen. Erster Grund: Wenn wir so leben, dass wir lernen, Gottes Reichtum zu genießen, dann wird die Sünde erst recht dumm aussehen, richtig schlecht wird sie aussehen und unattraktiv. Zweiter Grund: Und dann werden die Menschen, die wir draußen angesprochen haben, auch etwas von dem se-hen, wozu sie eingeladen werden. Wenn dein Leben nur Quälerei ist, warum um Himmels willen solltest du das auch noch anderen zumuten? Wenn dein Leben nichts von der Schönheit Gottes widerspiegelt, warum sollte irgendein Mensch auf die Idee kommen so zu werden wie Du?

An den vier Kumpels im Lager der Syrer wird etwas deutlich von der Freiheit, mit der Gottes Gaben genießen dürfen. Seine Liebe wirklich fröhlich mit unserer Musik feiern. Seine Gaben empfangen und dafür fröhlich danken. Seiner Schöpfung uns freuen. Wenn es unsere Pflicht ist, unser Leben unter Gottes Führung so formen zu lassen, dass unsere Seele zufrieden wird, dann tu etwas. Was immer deine Seele nährt, solange es ohne Sünde geht, tue es. Freu dich an der Musik. Freu dich im Gebet daran, dass Jesus neben dir sitzt und ganz Ohr ist. Freu dich an der Sonne. Am Meer. An der Bewegung. Am Malen. Am Singen. Am guten Gespräch. Am spannenden Film. Alles, was geht ohne Sünde. Geh Segeln, obwohl ich nicht weiß, ob man das ohne Sünde tun kann. Das, was ich uns sagen möchte, zur Stärkung unseres missionarischen Auftrags in Greifswald, ist schlicht: Welches Bild von Christsein geben wir ab? Freude an Gottes Reichtum? Oder nur verkniffene - enge - freudlose - miesepetrige - kau-zige Spaßverderber?

Viertens: Die Aussätzigen denken an etwas jenseits ihrer selbst. Das ist die-ses große Wort im Herzen der Geschichte:  „Aber einer sprach zum anderen: Lasst uns so nicht tun; dieser Tag ist ein Tag guter Botschaft. Wenn wir das ver-schweigen und warten, bis es lichter Morgen wird, so wird uns Schuld treffen. So lasst uns nun hingehen und es dem Hause des Königs ansagen.“

Ich würde Euch jetzt nicht ernst nehmen, wenn ich daran lange herumüber-setzen würde. Das übersetzt sich von selbst. Eben noch waren wir Bettler, vom Tode bedroht, und jetzt sind wir reich beschenkt. Es wäre nicht in Ordnung, es wäre alles andere als o.k., das für uns zu behalten. Wir können es nicht ver-schweigen. Warum? Weil es unsere Pflicht ist? Nein. Warum, weil wir große Zahlen lieben? Nein. Warum, weil es uns von der Kirche befohlen wird? Nein. Warum, weil Menschen aus unserer Sicht Missionsobjekte sind? Nein. Warum denn? Weil wir nicht genießen können, aber andere verhungern. Selbst in das Hirn der Aussätzigen geht es hinein: Das ist nicht o.k.

Abseits von Jesus, liebe Gemeinde, abseits von Jesus ist jedes Menschenle-ben verloren, sündenkrank und stracks auf dem Weg in die Hölle. Unsere Mis-sion in dieser Stadt ist dringend. Und wir sollen sie dringend sein lassen. Wenn die Jünger des Jesus von Nazareth das nicht mehr ernst nehmen, wenn die Kir-che es nicht mehr ernst nimmt, wenn GreifBar es nicht mehr ernst nimmt, dann ist etwas gründlich schief gegangen. Ich rede mal nicht zum Fenster raus. Wenn wir uns zufrieden geben mit unserer schönen Gemeinschaft, hier und da, dann und wann wieder eine Taufe, dann fallen wir zurück hinter das, was wir sein sollen. Was sollen wir sein? Jesus ist draußen zugange. Wir sollen helfen, sein Volk zu sammeln. Nicht 100 bis 150 hier, nicht 300 bis 400, sondern so viele es geht von den 53000.

Wie reden wir sie an? Ulrich Parzany erzählte vor einer Woche in Berlin von Erfahrungen, die Christen mit der ProChrist-Nadel machen. Das ist ein Pin mit einem Wackelbild. „Zweifeln“ oder „Staunen“ sagt es, je nachdem wie man steht. Er erzählte, wie viele Christen, die gar nicht so offensiv sind, andere an-zusprechen, einen solchen Pin tragen und daraufhin in Gespräche verwickelt wurden, von Menschen, die wissen wollten, was es denn damit auf sich habe, und ob man denn nun zweifele oder staune, und worüber man staune, wenn man doch auch zweifele?

Fünftens: Die Aussätzigen kontrollieren nicht das Ergebnis. Die Reaktionen der Menschen haben wir nicht in der Hand. Ja, unsere Viererbande muss erle-ben, wie die Menschen das unglaubliche Glück ihres Lebens nicht fassen wollen. Der König verweigert sich, der königliche Berater verweigert sich. Sie wollen es nicht glauben.

So geht es uns zuweilen auch. Nicht immer scheinen die Menschen geradezu auf uns gewartet zu haben. Jesus fand ein Bild dafür: Da geht ein Bauer aus und sät. Auf den Weg. Nichts, keine Frucht. Auf steinigen Boden. Nichts, keine Frucht. Unter die Dornen. Nichts, keine Frucht. Und doch sät er weiter. Und dann, plötzlich, guter Boden und reiche Frucht. So ist es, sagt Jesus, so ist es. So wird es Euch ergehen, und dann lasst Euch nicht entmutigen.

Es geht um ein Abenteuer in dieser Gemeinde. Gott ist draußen am Werk. Und wir können in aller Freiheit Menschen ansprechen. Vielleicht haben wir ein bisschen Anteil daran, dass das ewige Schicksal eines Menschen sich wendet. Und sie sollen sehen, welcher Reichtum uns von Gott zufällt. Und wir werden um sie ringen, weil es so dringend ist. Das Resultat haben wir nicht in Händen. Aber wenn dann ein Mensch, um den wir so gerungen haben, da ist, dann wer-den wir anders hier sitzen, schon gar im GreifBar-Gottesdienst. Wir werden in-nerlich beten, was das Zeug hält. Und wir werden uns ermuntern, das Beste zu geben als Musiker, Prediger, Schauspieler, Techniker, Gastfreundschaftsteam, Begrüßer, Moderator. Lasst uns die gute Nachricht von Gottes Liebe hinaustra-gen in eine Stadt, die Gott braucht wie nichts sonst. Lasst uns diesen Lauf mit Ausdauer weiterlaufen, bis wir eines Tages am Ziel ankommen. Amen.