Hilfe! Wer hilft mir?
Haben Sie auch hingeguckt und ein paar Tränen verdrückt letzte Woche? Dieses Kleid! Lagerfeld persönlich hat es gemacht. Rosafarbene Kutsche, vier Schimmel davor. Und dann der bolivianische Hochzeitschor. Und das alles in Wien. Also, die Älteren von uns musste das alles an Sissy erinnern. Die Hochzeitsnacht fand dann auch in der Sissy-Suite statt – 4.300 € pro Nacht! Um wen es geht: Natürlich um Verona, früher Feldbusch, kurz auch mal Bohlen, jetzt Pooth. Endlich hat sie ihrem Franjo auch in der Kirche „ja“ gesagt, „si“ natürlich, denn die Trauung fand auf Spanisch und Deutsch statt. Das cleverste aller Dummerchen hat alles perfekt inszeniert: Hier werde ich geholfen.
Mit diesem Schlag ins Gesicht aller Freunde des Dudens wurde sie ja endgültig berühmt: „Hier werden Sie geholfen!“ Damit sind wir beim Thema des Abends: „Help, I need somebody.“ Und: „Hier werden Sie geholfen!“
Um Hilfe und Hilflosigkeit geht es. Bevor ich Ihnen heute Abend eine ganz besondere Geschichte von Hilflosigkeit und Hilfe erzähle, möchte ich drei kurze Hinweise geben:
1. Ich weiß nicht, wo Sie gerade stehen. Mancher ist vielleicht zum ersten Mal in der Kirche, wagt es mal wieder oder überhaupt zum ersten Mal. Ich weiß nicht, wo Sie dieses Thema anspricht. Wo Sie auf Hilfe warten und es in Ihnen ruft: „Help, I need somebody.“ Sie sind die Experten für Ihr eigenes Leben, das kann ich nicht sein. Sie denken vielleicht schon lange über die Not nach, die Sie nach Hilfe rufen lässt. Diese Predigt kann nur dann etwas werden, wenn Sie in den nächsten Minuten ein bisschen mitarbeiten und das, was ich Ihnen erzählen möchte, auf Ihr eigenes Leben beziehen.
2. Ich möchte Ihnen eine Erfahrung weitergeben, die ich als Seelsorger gemacht habe: Oftmals war der entscheidende Schritt eines Menschen schlicht der: Ich gebe zu, dass ich es nicht allein schaffe. Ich bin dem, was mich so quält, allein nicht gewachsen. Ich brauche Hilfe! Hilfe – wer hilft mir! Ich bin dem Alkohol nicht allein gewachsen; alle guten Vorsätze nützen nichts. Ich bin meiner Einsamkeit nicht mehr gewachsen: diesem „zu-wenig-Ehemann“! Ich bin meiner Ehe nicht allein gewachsen: diesem „zuviel Ehemann!“ Prinz geküsst – Frosch geheiratet! Ich bin meiner Krankheit nicht allein gewachsen! Der Angst, dem Schmerz, den einsamen Nächten voller Grübeleien! Manchmal sehen Menschen dann nur noch den Ausweg, den wir im Theaterstück gesehen haben: Sie schaffen das Problem aus der Welt, indem sie sich aus der Welt schaffen. Wie verzweifelt muss ein Mensch sein, wenn er sagt: Besser gar nicht weiter als so weiter! Aber es gibt auch den anderen Weg: Ich schaffe es nicht! Ich brauche Hilfe! Wenn es gut geht, dann tun Sie heute abend vielleicht diesen Schritt.
3. Ich möchte Ihnen schließlich etwas zusagen: Wir werden Ihnen hier dann nicht das Blaue vom Himmel herab versprechen. Ein Gottesdienst, in dem es persönlich werden könnte, ist ja ein Risiko: Was werden sie mit mir machen? Was darf ich erwarten? Und wie seriös ist das Ganze? Und: Ich will nicht noch mehr verletzt werden! Als zwei der ersten Christen auf ihrem Weg zur Kirche einem verkrüppelten Bettler begegnen, sagen sie ihm zuerst: Geld und Gold haben wir nicht. Geld und Gold haben wir nicht! [Herr Eichel, so bleiben Sie doch!] Ich sehe schon, die Reihen lichten sich, die ersten wenden sich enttäuscht ab! Wir haben nicht für jedes Problem die rasche und sichere Lösung, aber wir glauben, dass wir eine Quelle echter und tiefer Hilfe kennen, die uns selbst auf einen guten Weg gebracht hat, und von der wir hoffen, dass es Ihnen auch guttut. [Bild weg!]
Damit bin ich bei einer der verrücktesten Geschichten, die in der Bibel erzählt werden: Help me get my feet back on the ground, sangen die Beatles: Bitte hilf mir, dass ich meine Füße wieder auf den Boden kriege. Das hätte auch die Bitte eines Mannes sein können, von dem uns der Evangelist Markus erzählt.
Jesus, so erzählt er, war wieder einmal zu Hause, es gab ein Haus in der kleinen Stadt Kapernaum, in dem er gelegentlich unterkam. Es war wahrscheinlich ein kleines Haus, Flachdach aus Lehm, ummauerter Hof, nichts Besonderes. Als es herumsprach: Jesus ist in der Stadt!, war es mit der Ruhe vorbei. Bald ist das kleine Haus gepackt voll mit Menschen, sie drängeln sich an der Tür, um wenigstens einen Blick auf Jesus werfen zu können, sie drängeln sich auf dem Hof, um vielleicht ein paar Worte aufschnappen zu können. Sie stehen enttäuscht draußen an der Mauer; vielleicht gibt es ja noch eine zweite Vorstellung. Die drinnen sind, kleben an seinen Lippen. Und er tut nichts als sprechen. Er macht keine Comedy und führt keine Zaubertricks vor: Er redet. Und doch wird allen das Herz warm: Du bist Gottes größter Reichtum. Du bist Gottes Herzenssache. Du bist Gott so wichtig, dass er sich nichts Schöneres vorstellen kann als dir zu helfen!
Szenenwechsel: Mitten in dieser bewegenden Rede gibt es plötzlich Unruhe. Es ist ein Geschiebe und Gewimmel zu hören. Protestrufe werden laut. Platz da, wir müssen hier durch! Lasst uns durch, rufen vier Männer, wir müssen zu Jesus! Gemeinsam schleppen sie auf einer Trage ihren Freund, und dieser Freund ist gelähmt. Er weiß, was es heißt, allein nicht mehr klar zu kommen. Er kennt dieses Gefühl, abhängig zu sein. Er kennt die Sehnsucht, nur einmal wieder auf eigenen Beinen stehen zu können. Manchmal träumt er, er könne laufen, ja sogar fliegen, wieder einmal das Meer sehen, aber dann wacht er auf, und die Lähmung nagelt ihn auf seine Matte. Er kennt auch die Wut, so furchtbar hilflos zu sein. Wer sagt ihm: „Hier werden Sie geholfen!“?
Ich möchte Ihnen von der dreifachen Hilfe erzählen, die dieser gelähmte Mann erfuhr.
Dieser Mann hatte Freunde. Er hatte diese kleine Gruppe von Menschen, die für ihn da war. Er war nicht allein. Und seine Freunde waren Menschen, die ihm nicht das Gefühl gaben, ein hoffnungsloser Krüppel zu sein. Sie wussten ja, wie verletzlich ein Mensch ist, der auf Hilfe angewiesen ist.
Er auf seiner Matte. Die Matte kann isolieren, trennen, einsam machen. Oft ist das so: So eine Matte ist wie ein kleines Schild: Ich bin anders! Ich bin seltsam! Ich bin nicht in Ordnung! Und dann isoliert sie den, der auf der Matte liegt. Wer auf der Matte liegt, schämt sich auch noch: Wer wollte schon etwas mit mir zu tun haben! Aber hier in dieser Geschichte gibt es eine Art „Ironie der Matte“: Es ist gerade die Matte, die diese Menschen verbindet, den Gelähmten und seine Freunde. Gerade wegen der Matte haben sie eine tiefe Beziehung.
Sie bilden eine ganz besondere Gemeinschaft. Es gab eine witzige Szene im Wahlkampf, als Angela Merkel von Maybrit Illner gefragt wurde, wie sie sich wecken ließe, vom Wecker oder vom Handy? Angie antwortete schlagfertig: Von beiden, mein Wecker und mein Handy bilden seit neuestem eine Gerätegemeinschaft. In unserer Geschichte gibt es keine Gerätegemeinschaft, aber eine Mattengemeinschaft. Die Gemeinschaft der Matte ist die Erste Hilfe, die der Gelähmte erfährt.
Diese Geschichte ist ein Loblied auf die Freundschaft. FH-Graduierung HST: Schauen Sie, dass Sie Freunde haben, bevor Sie sie brauchen!] Und Markus sagt: Das sind Freunde, die sich nicht abwenden, wenn einer auf der Matte liegt. Als ich im Kinderkrankenhaus Seelsorger war, sagten mir die Eltern schwerkranker Kinder oft: Die größte Not neben dem Leid unseres Kindes ist es, dass sich alle von uns abwenden, alle, de wir für Freunde hielten, nicht mehr nachfragen, nicht mehr anrufen, sich nicht mehr zu uns trauen. Das tut weh!
Die Mattengemeinschaft aber trägt, wenn es darauf ankommt. Und hier ist die Wahrheit über uns, über Sie und mich: Jeder hat eine Matte. Die Matte ist ein Bild für menschliche Zerbrochenheit und Not. Vielleicht ist es Ihr Temperament, das Sie nicht zügeln können, so dass Sie aus der Haut fahren, und dann schauen Ihre Kinder Sie so furchtsam an. Sie hassen das, aber Sie werden damit nicht fertig. Ihre Matte. Vielleicht ist es Ihre Furcht. Sie wären so gerne mutig, aber wenn es gilt, dem Chef zu widersprechen oder mit der eigenen Mutter Klartext zu reden, dann schmilzt der Mut wie Schnee in der Sonne. Vielleicht ist es Ihre Sturheit oder der Zwang, alles selbst kontrollieren zu müssen. Vielleicht ist es die Erziehung Ihrer Kinder, mit der Sie einfach nicht zurecht kommen! Jeder hat eine Matte.
Nun können Sie Matten-Management betreiben und alles daran setzen, dass niemand Ihre Matte sieht. Bloß nicht! In meiner Familie gab es ein ehernes Gesetz: Niemand durfte erfahren, wie krank mein Vater war. Bloß nicht, was würden nur die Kunden sagen! Matten-Management. Hilfe beginnt damit, dass ich anderen Menschen erlaube, meine Matte zu sehen, und dass andere anfangen, meine Matte zu tragen. Oft sind es andere Menschen, die uns so verletzt haben. Aber es sind auch andere Menschen, durch die Gott uns hilft.
Darf ich Sie das mal fragen: Wem zeigen Sie Ihre Schwächen und Probleme? Wem sagen Sie, dass Sie Hilfe brauchen? Wer trägt von Zeit zu Zeit Ihre Matte?
Nun, diese Mattengemeinschaft hatte eine tolle Idee. Sie hatten auch davon gehört, dass Jesus in der Stadt sei. Und da dachten sie sich: Vielleicht ist das eine Chance für unseren Freund. Wir müssen ihn in Kontakt mit Jesus bringen. Also karrten sie ihn zu jenem kleinen Haus, in dem Jesus lebte.
Nur – das wissen wir ja schon – das lief nicht! Wegen Überfüllung geschlossen, stand draußen an der Hoftür. Und einige kamen ihnen ja schon enttäuscht entgegen. Sie hatten es versäumt, Plätze zu reservieren, also das Spiel, das wir alle kennen: Jacken und Decken über die Stühle legen, mit der Botschaft: Reserviert! Jeder, der sich auf diesen Platz setzt, soll in die äußerste Finsternis hinausgestoßen werden. Das hatten viele versäumt, die jetzt draußen standen – und hatten aufgegeben. War eben nichts heute.
Nicht so unsere Freunde. Die Mattengemeinschaft begeht nun Hausfriedensbruch in Tateinheit mit schwerer Sachbeschädigung. Sie kämpfen sich durch die Menge. Außen am Haus gab es eine Treppe zum Flachdach hinauf. Die vier tragen ihren Freund auf das Dach. Dann graben Sie das Lehmdach auf, bis sie die Balken sichtbar werden. Und dann lassen sie ihn an Seilen hinunter direkt vor die Füße von Jesus. Die Mattengemeinschaft wird zur Gemeinschaft der Dachzerstörer. Das sind Freunde! Die lassen sich nicht entmutigen. Die lassen sich auch nicht aufhalten.
Ich stelle mir das so vor: Sie schauen hinunter und sehen ihren Freund bei Jesus. Sie sehen auch, wie der Hausbesitzer mit seiner Versicherung telefoniert. Und nun anders herum: Jesus sieht nach oben. Er wischt sich Lehm und Stroh aus dem Gesicht und sieht vier verschwitzte Gesichter, voller Erwartung, auch voller Sorge, was wohl passiert.
Markus formuliert das so: Jesus sah ihren Glauben. Geredet wurde da nicht, keiner spricht. Aber Jesus sieht ihren Glauben, ihre Erwartung und ihr Zutrauen. Wenn irgendwo Hilfe ist, dann bei dir – das sagen diese Gesichter.
Und jetzt kommt die Geschichte zu ihrem Höhepunkt: Jesus sieht nun auch den Gelähmten an. Und plötzlich ist es so, als wäre niemand anders da, als würde dieser ganze Gottesdienst nur um eines Menschen willen gefeiert. Nur dieser eine ist jetzt wichtig. So ist das, wenn ein Mensch in Kontakt mit Jesus kommt: Nur du bist jetzt wichtig. Nur du zählst jetzt.
Jesus sieht ihn also an und spricht ihn an: Mein Sohn, sagt er. Aber was sagt er ihm? „Deine Sünden sind dir vergeben.“ Nun müssen wir echt aufpassen.
Zum einen: Bevor wir protestieren und sagen: Klasse! Was nützt ihm das! Laufen kann er jetzt immer noch nicht. Stattdessen wird ihm auch noch Schuld eingeredet! Was soll der denn angestellt haben?? Vorsicht: Der Gelähmte selbst protestiert nicht. Er fühlt sich nicht missverstanden. Er sagt nicht: Du kommst mir vor wie ein Zahnarzt, der mir unaufgefordert die Haare schneidet, anstatt mir den Weisheitszahn zu ziehen! Offenbar tut es ihm gut, was Jesus da sagt.
Zum anderen: Hier sagt niemand: Du liegst da auf deiner Matte, weil du etwas angestellt hast. Du bist am Ende selber Schuld. Wir erfahren nichts von irgendwelchen Leichen, die der Gelähmte im Keller hätte. Nichts!
Warum aber spricht Jesus so? Warum ist das offenbar das Erste und Wichtigste? „Dir sind deine Sünden vergeben!“ Gehen wir vorsichtig heran!
Vielleicht hat diese Mattengemeinschaft schon so viel versucht. Ärzte und Scharlatane, neueste Medikamente und uralter Aberglaube, Gymnastik und Psychotherapie – und nichts, nichts hatte geholfen. Und jetzt? Jetzt bringt Jesus eine ganz neue, eine ganz andere Perspektive ins Spiel: Er sagt: Weißt du, das ganze Elend hat damit zu tun, dass Ihr Menschen den Kontakt zu Gott verloren habt. Gott kommt bei Euch nicht vor. Ihr denkt nicht an Gott, Ihr erwartet nichts von Gott, Ihr lasst Euch nichts sagen von Gott! Ihr seid ohne Gott in der Welt – und so gottlos sieht Eure Welt auch aus! Eine Welt voller Matten! Wisst Ihr, die neue Perspektive ist ganz einfach die: Ihr braucht wieder den Anschluss an den, der alles geschaffen hat. Ihr braucht Gott! Ihr braucht Gott, weil er, der alles schuf, auch alles gut macht.
Von ihm getrennt zu sein, heißt in der Sprache der Alten: Sünde! Wieder mit Gott im Reinen zu sein, heißt: Vergebung. Jesus sagt dem Mann auf der Matte: Deine Sünden sind dir vergeben! Gott hat sich so nach dir gesehnt! Und jetzt: Du bist nun sein Kind! Du hast jetzt nicht nur eine Mattengemeinschaft auf Erden, Du hast jetzt auch einen Vater im Himmel.
Und das tut ihm gut. Die Freunde oben strahlen. Der Mann auf der Matte strahlt! Aber nicht alle strahlen, einige im Haus werden ziemlich unruhig, aber das ist eine andere Geschichte. Für den Mann auf der Matte halten wir fest: Ein gutes Wort zu hören, das ist das Zweite.
Ich frage Sie wieder: Könnte es sein, dass das eine ganz neue, andere, unverbrauchte Perspektive wäre: Ohne Gott zu sein, ist das eigentliche Problem, abgeschnitten zu sein von dem, der alles schuf, der auch mich schuf, abgeschnitten zu sein von der Quelle der Hilfe schlechthin? Könnte es sein, dass ich vor allem anderen diese Hilfe bräuchte: Vergebung, Versöhnung mit Gott, das Wissen, dass auch ich einen habe, zu dem ich sagen kann: Vater, und der mir dann sagt: Mein lieber Sohn, meine liebe Tochter!
Die Quintessenz dieses Streits, der sich nun entspinnt, ist die Frage: Darf der das? Kann der das? Offenbar sind auch die Leute im Haus nicht der Meinung, Jesus habe zu wenig getan, als er dem Gelähmten vergab. Sie meinen durchaus, er habe zu viel getan! Vergebung! Die Aufregung ist verständlich, der Streit völlig berechtigt: Wer ist das eigentlich! Wer kann denn einfach so die Verbindung zu Gott wieder herstellen? Kann er das? Darf er das?
So kommt es nach der ersten Hilfe und der zweiten Hilfe zur dritten Hilfe. Jesus sagt: Ihr sollt sehen, dass ich das kann, dass ich das darf – und dass ich das will. Und noch einmal schaut er den Mann auf der Matte an, freundlich und ganz konzentriert: Ich sage es dir, ich, im Auftrag Gottes und mit der Macht Gottes: Steh auf, nimm deine Matte und geh heim – auf deinen eigenen Beinen.
Und dann erzählt es Markus ganz lakonisch: Er steht auf, er nimmt seine Matte und er geht heim.
Ich sehe schon, wie sich einige fragen: Wie redet er sich da denn wieder raus? Wie kriegt er jetzt die Kurve, denn er kann doch nicht ernsthaft meinen, dass Jesus gelähmte Menschen wieder auf die Beine stellt, zerstörte Nervenenden zusammenfügt und Muskeln stärkt, alles wieder koordiniert, bis ein Mensch wieder steht und geht undläuft? Das kann er doch nicht etwa ... Oder doch?? Wie, ernsthaft?
Doch, ich bin davon überzeugt, dass Jesus das kann, und es passiert auch hier und da, wo Menschen ihre Not Jesus anvertrauen. Blinde sehen, Lahme gehen, Taube hören, Arme werden froh, so hat Jesus selbst einmal beschrieben, was er tut. Oft aber ändern sich die äußeren Umstände nicht, in denen wir leben müssen, aber wir ändern uns in der Nähe Jesu. Wir kommen wieder auf die Beine. Wenn wir es mit Jesus zu tun bekommen, mit der Mattengemeinschaft der Freunde und mit dem Vater im Himmel, dann werden wir nicht unselbstständig. Im Gegenteil. Markus erzählt uns diese Geschichte, und es wird eines deutlich: In Kontakt mit Jesus kommen wir auf die Beine, werden auf unsere eigenen Füße gestellt und kommen wieder klar mit unserem Leben. Wir sind nicht mehr hilflos, sondern wissen: Es gibt eine starke Hilfe! Wir sind nicht mehr allein mit unserer Krankheit, sei es, dass sie uns genommen wird, sei es, dass wir stark genug werden, mit ihr zu leben und zu sterben. Wir sind nicht allein mit unserer Einsamkeit, dem „zu wenig Ehemann“ und nicht allein mit unserer Beziehungsnot, dem „zuviel Ehemann“. Wir sind nicht allein mit unserem schwierigen Wesen, dem Temperament und der Sturheit, unserer Not in der Erziehung und unserer Furcht. Und weil es starke Hilfe gibt, wird es besser mit uns. Steh auf, nimm deine Matte und geh nach Hause.
Von der dreifachen Hilfe war die Rede: nicht mehr allein zu sein, sondern in der Gemeinschaft der Matte, ein gutes, wenn auch überraschendes Wort zu hören, wieder auf die Beine zu kommen, trotz aller Not. Ich habe am Anfang gesagt: Sie sind die Experten für Ihr Leben; Sie müssen klären, wo das alles Ihr Leben berührt. Wir versprechen Ihnen nicht das Blaue vom Himmel: Gold und Silber haben wir nicht, aber was wir haben, das sagen wir Ihnen: Wir wissen von einem, der hilft. Und alles beginnt damit, dass ich meine Matte nicht mehr verberge, sondern zugebe: Ich brauche Hilfe!
Ich habe heute abend nicht über die Wahlen geredet. Natürlich hätte ich es tun können: Christen erwarten von der Regierung, die sich jetzt bilden wird, dass die Menschen auf den Matten nicht vergessen werden, sondern eine Chance bekommen, wieder auf die Beine zu kommen. Die Starken sollen die Schwachen nicht vergessen, sondern lieber Mattengemeinschaften mit ihnen bilden. Auch das lernen wir von der Geschichte, die Markus hier erzählt.
Vielleicht hat Sie heute abend etwas berührt, vielleicht ist etwas in Ihnen zum Schwingen gekommen, eine Sehnsucht nach einer Mattengemeinschaft, danach, die eigene Matte nicht länger verbergen zu müssen. Dann rate ich Ihnen: Suchen Sie nachher das Gespräch mit uns. Wir sprechen gerne mit Ihnen, und wenn Sie es wollen, beten wir für Sie, suchen mit Ihnen Jesus auf.
Vielleicht sind Sie heute abend neugierig geworden, wie das ist mit der neuen Perspektive. Vielleicht fragen Sie sich, ob da etwas dran sein könnte, nicht nur so allgemein, sondern für Sie selbst. Vielleicht beginnt heute für Sie so etwas wie eine Reise, eine Reise in das Land des Glaubens. Wir werden Sie am Ende dieses Gottesdienstes einladen, weiter darüber nachzudenken, auch mit uns, einige wenige Abende zu vertiefen, worum es heute ging. Vielleicht ist das heute der Schritt des Vertrauens, den Sie tun können: Ich leiste mir das und frage mit anderen, was denn dran ist an der Behauptung, Gott sei mein Vater im Himmel und Jesus der Helfer auch für mich.
Ich möchte Ihnen das am Ende sagen, denen, in denen etwas angerührt wurde, denen die neugierig wurden: Ich glaube es erst einmal für Sie mit, dass hier die Hilfe ist, nach der Sie sich schon lange sehnen. Vielleicht sagen Sie dann eines Tages auch: Hier wurden Sie geholfen!
Michael Herbst
Bibeltext:
Und nach einigen Tagen ging er wieder nach Kapernaum; und es wurde bekannt, daß er im Hause war. Und es versammelten sich viele, so dass sie nicht Raum hatten, auch nicht draußen vor der Tür; und er sagte ihnen das Wort. Und es kamen einige zu ihm, die brachten einen Gelähmten, von vieren getragen. Und da sie ihn nicht zu ihm bringen konnten wegen der Menge, deckten sie das Dach auf, wo er war, machten ein Loch und ließen das Bett herunter, auf dem der Gelähmte lag. Als nun Jesus ihren Glauben sah, sprach er zu dem Gelähmten: Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben. Es saßen da aber einige Schriftgelehrte und dachten in ihren Herzen: Wie redet der so? Er lästert Gott! Wer kann Sünden vergeben als Gott allein? Und Jesus erkannte sogleich in seinem Geist, dass sie so bei sich selbst dachten, und sprach zu ihnen: Was denkt ihr solches in euren Herzen? Was ist leichter, zu dem Gelähmten zu sagen: Dir sind deine Sünden vergeben, oder zu sagen: Steh auf, nimm dein Bett und geh umher? Damit ihr aber wißt, dass der Menschensohn Vollmacht hat, Sünden zu vergeben auf Erden - sprach er zu dem Gelähmten: Ich sage dir, steh auf, nimm dein Bett und geh heim! Und er stand auf, nahm sein Bett und ging alsbald hinaus vor aller Augen, so dass sie sich alle entsetzten und Gott priesen und sprachen: Wir haben so etwas noch nie gesehen. Markus 2,1-12
