Greifbar
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Ist Gott ein Huhn?

GreifBar am 2.7.2006

Torsten Kiefer 1/5

GreifBar 23

Ist Gott ein Huhn?

2. Juli 2006

Hallo, ich bin Torsten Kiefer.

Haben Sie das Viertelfinale Deutschland gegen Schweden gesehen? Ich war auf dem

Markt. Berauschend! Superstimmung. Und schon in der Pause haben alle gesungen:

„O, wie ist das schön…“ Klasse!

Auf der Leinwand lief das ZDF-Programm weiter. Nur der Ton war durch dieses Lied

ersetzt: „O, wie ist das schön…“

Dann kamen auf der Leinwand die heute-Nachrichten. Und der ganze Markt sang

weiter. „O, wie ist das schön…“

Es war absurd. Ich konnte nicht mehr nach vorne sehen. Über die Leinwand

flimmerten Bilder aus Beirut und Irak von Terroranschlägen und blutüberströmten

Kindern. Und der ganze Markt sang: „O, wie ist das schön…“

Wissen Sie, das sind Momente, die mich aus dem Gleichgewicht bringen können.

Wie kann das sein? Warum ist unsere Welt so kaputt?

Ich kenne jemanden, der keine Nachrichten mehr sehen will, weil er das massive

Leid in diesen 15 Minuten nicht ertragen kann. Normalerweise bin ich da von Natur

aus abgebrühter. Aber manchmal durchschlagen diese Bilder auch meine

Festungsanlagen. Und dann frage ich mich. Gibt es wirklich einen Gott? Warum gibt

es dann so etwas?

Was erzähle ich da meinen Kindern? Ich sage ihnen, dass Gott immer für uns da ist.

Und dann das. Manchmal überfällt mich der Zweifel. Stimmt das wirklich, was ich

ihnen da erzähle?

Meine Mutter war Anfang des Jahres schwer krank. Ich habe mit meinem 3-jährigen

Sohn gesessen und für sie gebetet: „Jesus mach Großmutter gesund!“ Da sagt mir

mein 3-jähriger: „Aber Großmutter ist immer noch krank!“

Vielleicht gibt es gar keinen Gott. Vielleicht ist das alles nur eingeredet. Sie haben

ein Recht dazu, so zu denken. Auch in der Kirche. Ich kenne diese Fragen. Und ich

musste mir das schon manchmal um die Ohren hauen lassen: „Gott? Das ist doch

alles nur gequirlte Kacke!“

 

Das hat mir jemand gesagt. Und meinte damit: „Das Thema Gott ist sinnlos. Das

einzig sinnvolle ist, es wegzuschütten.“ Die Frage, ob es einen Gott gibt ist im

Höchstfall etwas für Philosophen.

Und selbst die sind geteilter Meinung über die Sinnhaftigkeit, über Gott zu reden.

Russell, britischer Mathematiker und Philosoph, sagte 1952:

„Wenn ich behaupten würde, dass es zwischen Erde und Mars eine chinesische

Teekanne gäbe, welche auf einer elliptischen Bahn um die Sonne kreise, so könnte

niemand meine Behauptung widerlegen, vorausgesetzt, ich würde vorsichtshalber

hinzufügen, dass diese Kanne zu klein sei, um selbst von unseren

leistungsfähigsten Teleskopen entdeckt werden zu können. Aber wenn ich nun

daherginge und sagte, da meine Behauptung nicht zu widerlegen sei, sei es eine

unerträgliche Anmaßung menschlicher Vernunft, dies zu bezweifeln, dann könnte

man zu Recht denken, ich würde Unsinn erzählen. Wenn jedoch in antiken Büchern

die Existenz einer solchen Teekanne bekräftigt würde, dies jeden Sonntag als

heilige Wahrheit gelehrt und in die Köpfe der Kinder in der Schule eingeimpft

würde, dann würde das Anzweifeln ihrer Existenz zu einem Zeichen von

Exzentrizität werden. Es würde dem Zweifler, in einem aufgeklärten Zeitalter, die

Aufmerksamkeit eines Psychiaters oder, in einem früheren Zeitalter, die

Aufmerksamkeit eines Inquisitors einbringen.“

Im Klartext: Die Frage nach Gott ist im Grunde belanglos. Nur weil die Kirche über

Jahrhunderte davon spricht, ist sie noch nicht in Vergessenheit geraten.

Ist Gott ein Huhn? Oder eine Teekanne. Das ist nach Russell unwichtig.

Vielleicht haben Sie ja heute Abend auch gar nicht erst Freunde eingeladen. Warum

sollten sie kommen? Gott ist doch gar kein Thema.

Wissen Sie, ich kann das verstehen. Ich möchte mich jetzt auch lieber vor mir

hinsetzen und zuhören, was uns der Kiefer über Götter und Hühner zu sagen hat.

Ich will Ihnen keine Gottesbeweise weitergeben. Ich will Ihnen ein Gespräch

weitergeben, das Jesus mit seinen Freunden geführt hat.

Das bietet sich an. Zum einen, weil Jesus einfach davon ausging, dass es Gott gibt.

Fast provozierend selbstverständlich hat Jesus von Gott geredet. Nicht wie von

einer fremden Macht. Nein. Jesus nannte Gott seinen Vater. Papa. Jesus scheint

mehr von Gott gewusst zu haben als alle anderen. Darum will ich Ihnen dieses

Gespräch mit Jesus nahebringen.

Bill Gates bereitet seit einigen Monaten seinen Abschied von der aktiven

Microsoftbühne vor. Das hat er angekündigt. Jetzt regelt er seine Geschäfte. Ich

nehme an, er bespricht mit seinen Nachfolgern, wie es weitergehen soll. Klärt

Leitlinien und Ziele.

Im Johannesevangelium wird erzählt, dass auch Jesus seinen Abschied vorbereitete.

Auch er hat seine Freunde darauf vorbereitet und die Grundlinien noch einmal

bekräftigt.

Johannes erzählt, dass Jesus mit seinen Freunden zusammen ist und im Blick auf

seinen Abschied das Versprechen bekräftigt: Not und Tod dieser Zeit werden

überwunden. Ich gehe jetzt weg und bereite alles für dieses Ziel vor. „Erschreckt

nicht, habt keine Angst! Vertraut auf Gott, und vertraut auch auf mich!“ Johannes 14,1

Da ist es wieder. Jesus sagt: „Glaubt an Gott!“

 

Und gleichzeitig ist das ein zweiter Grund, warum ich von Jesus erzähle.

Jesus ermutigt seine Freunde, gegen allen Augenschein, am guten Ende

festzuhalten. Jesus sagt: Ich gehe und bereite das Heil vor. Das Heil! Eine heile

Welt. Die ist für Jesus möglich. Dein Leben wird heil.

Sind das nicht nur die Fangesänge: „O, wie ist das schön…“ vor der bitteren

Wahrheit auf der Leinwand? Nein! Ich gehe und mache es wirklich heil, verspricht

Jesus.

Ich habe neulich einen jungen Mann getroffen. Anfang zwanzig vielleicht. Hat vor

ein paar Jahren Abitur gemacht. Dann ist er abgestürzt. War im Knast. Ist jetzt

Obdachlos. Hat Depressionen.

„Ich gehe und bereite alles vor, dass Leben wirklich heil wird“, verspricht Jesus.

Wirklich? Dann müsste es ja einen Gott geben. Jesus sagt: „Ja! Glaubt an Gott und

glaubt an mich.“

Ich möchte, dass Sie das wissen. Jesus bittet uns, gegen allen Augenschein am

großen Versprechen festzuhalten.

Dritter Grund, warum ich von Jesus erzähle:

Jesus provoziert in dem Gespräch Johannes 14 etwas indem er zu seinen Freunden

sagt: „Den Weg kennt ihr ja, denn ihr wisst ja, wohin ich gehe.“

Thomas, einer von den Zwölfen, reagiert zuerst. „Äh… Wir haben keine Ahnung

wohin du gehst. Wir wissen nicht wohin du willst, um die Welt heil zu machen.

Woher sollten wir dann den Weg kennen?“

Jesus antwort: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt

zum Vater, denn durch mich.“

Ich bin der Weg. Der Weg ist nicht ausgeschildert. Jesus ist der Weg. Hier kann es

nur heißen: Nichts wie hinterher.

Ich bin unterwegs mit Jugendlichen. Kirchentag. Tausende Menschen. Gedränge.

„Äh, Torsten, weißt Du eigentlich, wo wir hinmüssen?“ „Nein.“ „Nein?“ „Nein,

Martin weiß es.“ „Wo ist der?“ „Da vorn. Nichts wie hinterher.“

Nichts, wie hinterher. Jesus ist der Weg. Kommt, lebt ihm hinterher.

Ich bin die Wahrheit. Die Wahrheit ist nicht abstrakt. Man muss den Satz des

Pythagoras nicht verstehen, um die Wahrheit zu verstehen. Jesus ist die Wahrheit.

Jeder Hebräer hört darin das Wort Treue. Jesus ist der, der nicht wegbricht. Das

oder der, der bestehen bleibt. Auf den Verlass ist. Jesus ist die Wahrheit.

Ich bin das Leben.

Wir brauchen alle etwas, woran wir uns orientieren. Manche Fußballer scheinen

sich an ihrem Marktwert zu orientieren. Manche von uns orientieren sich am

eigenen Kontostand. Oder am Ansehen bei andere. Manche orientieren sich am

Spaß. Aber das ist alles sehr kurzlebig. Das bricht sehr schnell weg.

Jesus hinterher leben klingt für manche nach kargem Leben, aber es entpuppt sich

als das pralle Leben. Jesus sagt: Ich bin das Leben.

Ich möchte, dass Sie das wissen. Ob Sie das glauben können, ist Ihre Entscheidung.

Jesus sagt: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.

Ein vierter Grund, warum ich von Jesus erzähle:

 

Jesus sagt: Niemand kommt zum Vater, denn durch mich.

Diesmal reagiert Philippus als erster: „Jesus, pass auf, sag uns einfach, wer der

Vater ist. Mehr brauchen wir nicht.“

Philippus bringt auf den Punkt, was halb Greifswald denkt: „Jesus, du bist einer

von uns. Das bringt uns jetzt nicht weiter. Zeig uns den Weg zu einer besseren

Welt. Zeig uns den, den Du Vater nennst. Gib uns ein Zielfoto von Gottes

Verheißung in die Hand. Dann wissen wir alles. Den Rest schaffen wir selbst.“

Und Jesus sagt: „Philippus. Guck mich an. Ich und der Vater sind eins. Wer mich

sieht, der sieht den Vater. Du kriegst Gott nicht ohne mich!“

Jesus nennt Gott Vater. Und er sagt: Guck mich an und du guckst Gott an.

Ich weiß, das ist vermessen. Mir hat mal einer gesagt: Ich bin der Messias. Wir

haben in Jerusalem in der Jugendherberge gesessen und er hat mir gesagt: Ich bin

der Messias. Der war durchgeknallt.

Jesus sagt: Guck mich an und du siehst Gott an.

Ich möchte, dass Sie das wissen.

Jesus sagt indirekt: „Gott ist kein Huhn. Gott ist keine chinesische Teekanne. Alles

Quatsch. Diesen Gott, über den Ihr da redet, den gibt es nicht. Und wenn es ihn

gäbe, dann wäre er vollkommen belanglos. Diese Welt rettet kein Huhn.“

Jesus sagt: Gott ist Vater. Guck Jesus an und du weißt, wer Gott ist. Guck Jesus an

und du weißt, wer geht, um diese Welt heil zu machen.

Ich hoffe, ich konnte Sie ein wenig provozieren. Vielleicht sitzen Sie jetzt hier und

sagen: „Er kann doch nicht so über Jesus reden.“ Vielleicht sitzen Sie aber auch

hier und denken zufrieden: „Na dann mal los! Jesus ist losgegangen. Wo ist das

Heil?“

Die Freunde von Jesus hatten sich das auch anders vorgestellt. Erfolgreicher. Jesus

ist gegangen. Aber nicht wirklich freiwillig. Sie haben ihn geholt. Gefesselt.

Ausgelacht. Angespuckt. Geschlagen. Ins Gesicht. Mit dem Fuß. Dann mit der

Peitsche. So lange bis der Rücken aufplatzte. Dann haben sie aus Dornen eine

Krone geflochten. Die haben sie ihm auf den Kopf gedrückt. Mit schwerem Holz

beladen haben sie ihn aus der Stadt gejagt. Er ist zusammengebrochen. Sie haben

ihn auf das Holz genagelt und in der prallen Sonne ersticken lassen. Er hat

geschrien. Und vergeben. Und geschrien: „Es ist vollbracht.“ Dann war er tot. Sie

haben ihm eine Lanze in die Seite gerammt und dann den Leichnam freigegeben. Es

gab nicht mehr als eine Notbeerdigung in einer halbfertigen Gruft.

„Ich gehe, damit die Welt heil wird.“ so hatte er uns zu verstehen gegeben. Bis

heute höre ich das Kopfschütteln: Das hatten wir uns erfolgreicher vorgestellt.

Wenn ich Gott sehe, wenn ich Jesus sehe, dann ist Gott ein Hohn. Wenn das alles

ist, was Gott zu bieten hat, dann lasst uns die Frage nach Gott beiseite legen. Ob

Huhn oder Teekanne ist dann unwichtig.

Was ich jetzt erzähle, ist mehr als eine Teekanne, die die Erde umrundet.

Dieser Jesus, der gegangen ist, um zu sterben, ist nicht tot geblieben. Die

Evangelien berichten, dass das Grab am dritten Tag leer war. Frauen und Männer

haben ihn lebendig gesehen.

 

So habe ich es gehört und gelesen. Und ich bin zum Glauben gekommen. Ich will

Jesus hinterherleben.

Wer Jesus hinterherlebt, der wird nicht nur Leiden entdecken und durchleben. Er

wird auch Jesu Auferstehung erleben. Mitten in dieser unseren Welt bricht sich

Gottes Heil seine Bahn.

Ich stehe hier, weil ich das erlebt habe. In Ansätzen. Ich möchte viel mehr davon

sehen. Dass die ganze Welt heil wird. Aber ich habe Gottes Auferstehungskraft

erlebt. In seiner Gemeinde.

Lasst die Hühnergötter Hühnergötter sein. Leb Jesus hinterher. Er hat alles getan,

damit wir heil werden können.

Amen.