GreifBarplus 74
am Ostersonntag (8. April 2007)
über Joh 20,11-18
11 Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. Als sie nun weinte, schaute sie in das Grab 12 und sieht zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, einen zu Häupten und den andern zu den Füßen, wo sie den Leichnam Jesu hingelegt hatten. 13 Und die sprachen zu ihr: Frau, was weinst du? Sie spricht zu ihnen: Sie haben meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben. 14 Und als sie das sagte, wandte sie sich um und sieht Jesus stehen und weiß nicht, dass es Jesus ist. 15 Spricht Jesus zu ihr: Frau, was weinst du? Wen suchst du? Sie meint, es sei der Gärtner, und spricht zu ihm: Herr, hast du ihn weggetragen, so sage mir, wo du ihn hingelegt hast; dann will ich ihn holen. 16 Spricht Jesus zu ihr: Maria! Da wandte sie sich um und spricht zu ihm auf Hebräisch: Rabbuni!, das heißt: Meister! 17 Spricht Jesus zu ihr: Rühre mich nicht an! Denn ich bin noch nicht aufgefahren zum Vater. Geh aber hin zu meinen Brüdern und sage ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott. 18 Maria von Magdala geht und verkündigt den Jüngern: Ich habe den Herrn gesehen, und das hat er zu mir gesagt.
Einleitung
Liebe Gemeinde,
meine Frau liebt Strizz. Kennt Ihr Strizz? Strizz muss mit den Schwierigkeiten des Lebens kämpfen, und das an jedem neuen Tag in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Zu Ostern muss er nun seinem Sohn Raphael helfen, einen Osterhasen aus Zeitungspapier und Kleister zu basteln.
Er denkt: So schwer kann das nicht sein. Nach kurzem kann er das Ergebnis vorführen: Der Osterhase, der Held des Osterfestes, ist fertig.
Nun aber fragt Raphael: Moment mal, ist nicht Jesus der Held des Osterfestes. Nun ja, meint Strizz, der hat so viel Wert nicht darauf gelegt, ein Held zu sein. Er will das Thema auch nicht länger bearbeiten.
Und so rettet er sich mit den Hinweis, Jesus habe ja auch eine gewisse Vorliebe für das gezeigt, was ein bisschen schief und daneben ist.
Aber Raphael muss einen halbwegs anständigen Religionsunterricht gehabt haben, denn er setzt noch eins drauf: Wenn sich jemand für die ganze Menschheit opfert und dann auch noch den Tod besiegt, dann ist er doch der Oberheld, oder nicht. Nicht nur Held, nein: Oberheld! Strizz ist das Thema sichtlich unangenehm, und so schließt er:
Tja, wenn man die Story glaubt! Und das ist schwierig. An dieser Stelle verlassen wir Strizz, denn er muss jetzt entdecken, dass Raphael für den Osterhasen tatsächlich den Sportteil der Zeitung verwurstet hat. Das ist wahrlich ein Sakrileg und wir ersparen uns den Familienkrach, den Raphael damit auslöst.
Ist nun Jesus der Oberheld, oder ist es einfach schwierig, diese Story zu glauben, so dass wir Ostern doch lieber mit dem Osterhasen und dem Sportteil der Zeitung verbringen?
Ich möchte heute gerne beiden Fragen nachgehen: Ist es schwierig, der Story zu glauben? Und: Was heißt es denn, wenn Jesus mein Oberheld ist?
Ist es schwierig, der Story zu glauben?
1. Gute Indizien
Maria jedenfalls fand es schwierig. Sie steht damit an unserer Seite, wenn es uns schwer fällt, uns vorzustellen, dass ein Toter ins Leben zurückkehrt. Jeder Gang auf den Friedhof zeigt uns, dass das eigentlich unmöglich ist. Maria, jene Frau aus Magdala, die zum engsten Kreis der Begleiter und Freunde des Jesus zählte, hatte es doch ansehen müssen. Auf dem Isenheimer Altar hat Grünewald sie sogar direkt unter das Kreuz gerückt. Sie hatte seinen Leichnam gesehen. Das Blut, den letzten Schrei, den Lanzenstich. Und manchmal denke ich, wir sind ein bisschen hochnäsig, wenn wir meinen, wir seien die ersten Menschen, die wissen, dass Tote in der Regel tot bleiben. Auch Maria von Magdala wusste, dass Tote eine gewisse Neigung haben, tot zu bleiben. Darum läuft sie zum Grab, und weder das leere Grab noch die beiden Engel schaffen es, sie vom Gegenteil zu überzeugen: Jesus ist tot. Und tot ist tot und bleibt tot. Und wir dachten doch, er mache alles gut und neu. Er sei der lang erwartete Messias. Aber ein toter Messias ist kein Messias. Aus und vorbei. Da bleiben nur bittere Tränen.
An und mit Maria aus Magdala können wir einiges lernen, sogar einige Indizien für die Osterbotschaft ablesen:
Erstes Indiz: Manche meinen, die Frauen, Maria allen voran, sei schlicht zum falschen Grab gelaufen. Nun, das halte ich für völlig abwegig! Denn: Welches ist das Geschlecht, das nicht nach dem richtigen Weg fragt, das stolz und stur weiterrumgurkt, auch wenn es sich völlig verfahren hat? Frauen fragen! Männer nicht. Abgesehen davon war der Friedhof übersichtlich und es war allen bekannt, dass Jesus im Grab eines vornehmen Bürgers beigesetzt worden war.
Zweites Indiz: Manche meinen, die ersten Christen hätten sich die ganze Sache einfach ausgedacht. Nun, wir sehen, dass es gerade die Wegbegleiter des Gekreuzigten sind, die die Flinte ins Korn werfen. Petrus und Johannes – so kann man es in der Geschichte vor unserer lesen – rasen zwar wie CSI Jerusalem über den Friedhof, haben aber auch keinen blassen Schimmer, was da passiert ist. Für die Freunde des Mannes aus Nazareth war klar: Mit den gruseligen Ereignissen des letzten Freitags war es aus und vorbei. Jesus war tot und ein toter Messias ist kein Messias. Es wäre auch völlig sinnlos gewesen, den Leichnam zu stehlen. Wozu? Und Maria trauert, weint und klagt, aber sie ist nicht jemand, der sich jetzt ein Ostermärchen ausdenkt.
Drittes Indiz: Jesus soll, so meinen manche, eben nur scheintot gewesen sein, schwer verwundet. Nun, er müsste dann drei Tage, in feste Leinentücher gewickelt, schwer gezeichnet, ohne Wasser, im Felsengrab gelegen haben. Und dann hätte er den schweren Stein, den man vor das Grab gerollt hatte, eigenhändig weggeschoben. Schwer vorstellbar. Zudem achteten römische Soldaten darauf, dass wirklich tot war, wer vom Kreuz heruntergeholt wurde. Sie hatten wenig Lust auf Stress mit ihren Vorgesetzten. Und sie verstanden viel von ihrem blutigen Geschäft.
Viertes Indiz: Wenn nun Ostern doch trotz allem eine Erfindung der Freunde des Gekreuzigten wäre, dann stehen wir vor dem nächsten Problem. Die dämlichste Idee, auf die man damals hätte kommen können, wäre es gewesen, eine Frau zur Hauptzeugin dieses unglaublichen Geschehens zu machen. Die Story an sich ist schon schwer zu verdauen, aber mit einer Frau als Zeugin war sie im 1. Jahrhundert völlig im Eimer. Ein Mann konnte damals jemanden umbringen, und wenn 100 Frauen zugeschaut hätten, aber kein Mann, dann wäre er frei nach Hause gegangen. Frauen waren nicht zugelassen als Zeugen. So war das. Die ersten Zeugen des Auferstandenen waren aber – Frauen. [Übrigens, nur so nebenbei: Welche Rolle sollen Frauen eigentlich in der Gemeinde, also bei GreifBar spielen? Manche christlichen Kreise tun sich da ja schwer. Aber, wenn Jesus der Meinung war, Frauen könnten zu seinem engsten Zirkel gehören (was er war!), wenn Jesus der Meinung war, er sollte auch Frauen lehren (was er tat!), wenn er sogar der Meinung war, die umstürzende Nachricht der Auferstehung könnte zuerst Frauen anvertraut sein (was er offenkundig tat!) – dann wäre es vielleicht an der Zeit, dieses Thema zu beenden und klar zu sagen: Bei uns können Frauen und Männer in jeder Hinsicht in der Gemeinde dasselbe tun, leiten und dienen, abspülen und predigen, lehren und öffentlich reden. Ende der Zwischenbemerkung. Zurück zu Maria am Grab.
Denn: Wenn ich Maria sehe, wie sie vor dem leeren Grab hockt, hineinschaut, mit Tränen in den Augen, das Herz schwer, lauter dunkle Gedanken im Sinn – dann lerne ich: Nein, Ostern ist keine Erfindung der Weggenossen des Jesus. Und ja, ja, es ist schwer an Ostern zu glauben. Die Story hat es in sich.
Und doch muss etwas passiert sein. Auch wenn es uns schwer fällt, an die Auferstehung Jesu zu glauben, müssen wir doch einräumen, dass die ersten Christen daran glaubten. Am Ende der Geschichte läuft Maria los, rennt zu den anderen und erzählt ihnen: „Ich habe den Herrn gesehen!“ Und dann sind es immer mehr Menschen in diesen ersten Ostertagen: „Ich habe den Herrn gesehen!“ Oder: „Da wurden die Jünger froh, als sie den Herrn sahen.“ Und wer den Herrn gesehen hatte, der geriet in Bewegung, musste es weitersagen: Jesus war tot, jetzt wissen wir es: Für uns gestorben! Aber nun lebt er! Er ist der Herr! Wisst Ihr, das ist für mich das größte Indiz: diese Verwandlung und diese Dynamik. Aus trauernden, verzweifelten und resignierten Frauen und Männern wurden Menschen mit leuchtenden Augen, einem Brennen im Herzen, einer Freude im Sinn, eilenden Fußes unterwegs durch die ganze Welt, bestimmt von einer Botschaft, für die sie lebten und auch starben: Jesus ist auferstanden, er ist der Herr. Wisst Ihr, man stirbt nicht für ein selbst erfundenes Märchen!
Aber diese kleine Schar von einfachen Menschen stellte binnen weniger Jahre die gesamte bekannte Welt auf den Kopf. Wäre damals ein Marsmensch gekommen und hätte sich die Welt angesehen, wem hätte er wohl größere Chancen eingeräumt: dem römischen Weltreich oder einer kleinen Gruppe jüdischer Frauen und Männer, die von einem leeren Grab aufbrechen und aller Welt erzählen, ihr toter Rabbi sei der Messias, der, der alles neu und gut macht? Aber genau so kam es, das Weltreich ging unter, und über die ganze Erde verbreitete sich der Osterruf: Der Herr ist auferstanden – Er ist wahrhaftig auferstanden. Und darum ist es doch bis heute so, dass wir unsere Kinder Peter, Paul und Maria nennen, aber unsere Hunde Nero und Caesar.
Es ist nicht also leicht, dieser Story zu glauben, aber es ist auch nicht unvernünftig. Nur, schauen wir auf Maria, dann sehen wir, dass es nicht das leere Grab war, auch nicht die Anwesenheit der Engel, die sie überzeugte. Es musste etwas anderes passieren:
2. Beim Namen gerufen
Denn jetzt tritt Jesus selbst auf. Maria dreht sich um und blickt ihn an, mit tränenverschleierten Augen und verblendetem Sinn. Sie denkt, es sei der Friedhofsgärtner. Rembrandt unterstützt unsere gute Maria, indem er dem Auferstandenen einen herrlichen Strohhut aufsetzt und einen Spaten in die Hand drückt. Und Maria wiederholt ihre Leier: Wo habt Ihr denn bloß meinen Jesus hingelegt, die Leich, gebt mir meinen Leichnam zurück, damit ich trauern kann! Alles hat nichts genützt bei Maria aus Magdala. Und jetzt kommt es. Was führt uns zum österlichen Glauben? Was brauchen wir? Ein Wort! Jesus spricht sie an, nennt sie beim Namen, ruft die ganze gemeinsame Geschichte wieder auf: Maria! Mehr braucht es nicht: Maria! Und sie antwortet: Jesus, mein Meister, mein Lehrer, mein Herr. Das ist Ostern, er ruft und wir antworten. Er lebt und wir loben. Er kommt und wir stehen wieder auf. Er spricht uns an und Zweifel und Trauer schmilzen dahin.
Darauf kommt es an: dass wir von Jesus beim Namen gerufen werden und dann auch antworten. Geschieht das? Ja! Wie geschieht das? Nun, in unserer Taufe hat er uns angesprochen: Martin! Ich habe dich bei deinem Namen gerufen. Angela. Du bist mein. Bianca. Ich kenne dich. Fürchte dich nicht, Astrid. Ich habe dich erlöst, Ulf. Und wie bei Maria steckt in unserer Taufe die Ordination, die Sendung, der Auftrag zum Weitersagen mit drin: Nun geh und sage es den anderen! Ja, ich habe den Herrn gesehen!
Und wenn wir weiter auf ihn hören, in Predigten und beim Bibellesen, dann ist es, als flüsterte er uns zu: Das was hier steht, gilt dir. Wir müssen es etwas üben, auf seine Stimme zu horchen: Du kannst meine Stimme hören, Tobi! Du bist mein, Eva. Und niemand kann dich aus meiner Hand reißen, Uwe.
Und noch ein Ort, wo es geschieht: gleich beim Abendmahl wieder: Er spricht dich an – du, ich lebe, bin hier, komme jetzt zu dir, Steffen. Mein Leib – für dich, Raik. Mein Blut, für dich vergossen, Heike. Ich für dich, lebendig, stark, dein, Elisabeth. Und dann wir: Du bist auferstanden! Du lebst! Du, unser Herr!
So wird es Ostern. Wisst Ihr, darauf kommt es an: gute Indizien können es uns leichter machen, aber Ostern wird es, wenn uns der Herr anspricht. Und das ist kein Zufall, es geschieht, wo wir uns seinem Wort aussetzen, wo wir zusammenkommen und hören, schmecken, fühlen, uns segnen lassen, und dann bekennen, loben und singen, und dann wieder hinausgehen und es weitersagen: Ich habe den Herrn gesehen!
II. Was aber heißt es, dass Jesus unser Oberheld ist?
Der Auferstandene trägt die Male des Gekreuzigten an sich. Er ist gestorben, und wir ehren und lieben ihn, weil er diesen Weg gegangen ist. Er ist dem Leiden nicht aus dem Weg gegangen. Er hat den rauen Wind dieser Welt ins Gesicht bekommen. Sie wollten ihn einfach nicht, ertrugen seine ganze Art nicht, seinen Widerspruch, sein unerschütterliches Erbarmen, seinen Willen zu heilen und zu vergeben. Und so ließ er sich auf seine Liebe festnageln. Er hat es für uns getan. Und er ist dem Leiden nicht aus dem Weg gegangen. Wäre er immer erfolgreich gewesen, immer stark, immer siegreich, dann wäre er mir fremd und ich wäre ihm fremd. So ist er mir nah, gerade dann, wenn alles wackelt und mir der Wind ins Gesicht bläst.
Aber es blieb eben nicht beim dunklen Freitag und beim stillen Samstag. Es kam der Tag, an dem Gott wieder einmal sagte: Er werde – und es ward. Es werde Licht und es ward Licht. Jesus soll leben – und Jesus stand auf von den Toten, unseren Blicken entzogen, aber dann doch da, wach, stark, lebendig. „Er hat es nicht überlebt, aber er wurde überliebt“ (Christina Brudereck). Und jetzt lebt er, und jetzt spricht er: Maria. Und der Glaube antwortet: Mein Meister, mein Lehrer, mein Herr! Und jetzt sagt er: Ich liebe dich, und das heißt: für immer. Ich bin da, das heißt: Ich weiche nicht von deiner Seite. Ich lebe, das heißt: Du lebst auch, und ich rette Dich am Ende hinüber in die Arme Gottes. Ich schaffe etwas Neues und jetzt fängt es an.
Versteht Ihr: Wenn es Ostern wird, dann hören wir auf, an die Auferstehung Jesu wie an einen Satz zu glauben, der schwer zu fassen ist. Weil es Ostern ist, ist Jesus hier, bei uns, unter uns, neben dir, um uns herum, draußen, in Greifswald und in Kapstadt, in Lima und in Kabul, bei den Armen, bei Frauen und Männern, Klugen und Schlichten, Weißen und Schwarzen, im Leben fühlt er sich wohl. Wir gedenken nicht eines toten Jesus. Wir haben nicht nur eine Oster-Dogmatik. Er ist jetzt hier. Er spricht, hat uns nur gebeten: Redet Ihr mal da vorne, aber bitte so, dass alle merken, ICH bin hier. Wir können zu ihm sprechen, und wenn wir das Gefühl haben, unser Beten reicht nur bis zur Decke, dann ist das o.k., weil er ja auch unter der Decke ist. Und er verändert Leben. Das ist nicht nur die schöne Erfahrung von Maria, von Johannes und von Petrus. Er ist hoch interessiert daran, Leben zu verändern. Worum geht es in der Ostergeschichte? Es geht darum, dass Jesus quicklebendig ist und hier und jetzt anfängt, unser Leben und die Verhältnisse zu verändern. Sein Reich ist nahe. Versteht Ihr, beim Osterglauben geht es nicht um Unsterblichkeit, es geht nicht nur um ein Jenseits und Danach, ein irgendwann Später. Es geht um einen Aufstand des Lebendigen gegen das Tote jetzt und hier.
Studenten in den USA haben einmal eine Aktion von Haustür zu Haustür gemacht, um Menschen auf den Glauben aufmerksam zu machen. Zwei klingelten an einer Tür. Die Tür ging auf: Drinnen stand eine junge Mutter, ein schreiendes Kind auf dem Arm. Drinnen krähte ein Neugeborenes. Auf dem Herd stand etwas, das gleich überkochen würde. Das Telefon klingelte und der Fernseher lief. Ein drittes Kind lief seelenruhig mit einem Filzstift an der Tapete entlang. Unsere Studenten fragten: Wäre Sie am ewigen Leben interessiert? Sie antwortete: Ich glaube nicht, dass ich es ertragen könnte.
Versteht Ihr, Jesus lebt, das bedeutet nicht, dass uns eine ewige Fortsetzung dessen erwartet, was ist. Vielmehr ist er unterwegs wie damals in Israel und verändert Herzen und Häuser, Verhältnisse und Unverhältnismäßiges. Menschen bezeugen es, in allen Jahrhunderten, auf allen Kontinenten, in allen Kulturen: Ich war einsam – jetzt habe ich Gemeinschaft gefunden. Ich habe furchtbar versagt – mir wurde vergeben. Ich habe mich immer so geschämt – jetzt schaue ich wieder auf. Ich war stur – Jesus hat mich flexibel gemacht. Ich war antriebsarm – jetzt weiß ich, was Leidenschaft ist. Ich war geldgierig – heute teile ich gerne. Mir war alles zerbrochen – Jesus setzt mein Leben Stück für Stück wieder zusammen. Jesus verändert – das ist Ostern. Lässt Du Jesus mehr sein als den Osterhasen? Darf er Dein Oberheld sein?
Bischof Desmond Tutu in Kapstadt war einer der mutigen Christen, die laut und deutlich sagten, dass Apartheit Sünde ist. Er tat das zu einer Zeit, als das noch teuer und gefährlich war. Oftmals war er gefangen genommen worden. Eines Sonntags predigte er in der vollen St. George’s Cathedral. Plötzlich stürmten bewaffnete Soldaten die Kirche und bildeten einen Kreis um die Gemeinde. Geheimdienstoffiziere mit Diktiergeräten und Notizblöcken standen dabei, bereit, jeden Satz des Bischofs zu notieren. Auch vor der Kirche: schwerbewaffnete Soldaten. Die Stimmung war gespannt, die Gemeinde wie gelähmt. Tutu schaute den Soldaten in die Augen und sagte: „Ihr seid mächtig, sehr mächtig!“ Und dann fuhr er fort: „Aber ich diene einem Gott, der nicht mit sich spotten lässt. Den könnt Ihr nicht besiegen.“ Immer noch schaute er sie an. Sein Blick war fest und entschlossen, zugleich aber auch warm und einladend: „Und weil ihr sowieso schon verloren habt, lade ich Euch heute ein, auf die Seite des Siegers zu treten, auf die Seite Jesu zu treten.“ Als er das sagte, sprangen die Menschen in den Bänken auf, fingen an zu singen und zu tanzen, ja, sie tanzten aus den Reiher heraus und bis auf den Platz vor der Kirche. Damit konnten die Soldaten nicht umgehen, denn alles Mögliche hatten sie erwartet, aber das nicht. Jesus ist der Sieger – ich lade Euch ein, tretet auf die Seite des Siegers.
Vielleicht ist heute ein Tag, an dem Du den nächsten Schritt tust. Ich möchte zum Schluss der Predigt Euch ins Gebet leiten, und vielleicht merkst Du an einer Stelle, dass es um Dich geht. Lasst uns einfach einen Moment still werden.
Vielleicht ist mancher unter uns, der merkt, dass er bisher nur den Lehrsatz von Ostern mit sich trug, aber jetzt öffnet sich die Tür zu Größerem, zu einem Abenteuer, mit dem lebendigen Jesus das Leben zu wagen. Vielleicht spürt der eine oder die andere, dass es jetzt dran ist, Jesus einzuladen: Werde du mein Herr, mein Befreier, mein Lehrer, mein Erlöser. Ich will mit Dir leben. Was für ein Ostern wäre das, wenn heute der Glaube im Leben eines Menschen das Licht der Welt erblickt. Wie Desmond Tutu möchte ich es sagen: Tritt an die Seite des Siegers. Vielleicht geht es aber auch um konkrete Dinge, die anders werden sollen, die der lebendige Herr ändern kann. Vielleicht sagst Du: Jetzt bin ich bereit, das anzupacken, mit Jesus und seiner Osterkraft. Diesen Felsen in meinem Leben soll er wegrollen. Wir bleiben einfach einen Moment in der Stille und im Gebet, jeder da, wo es für ihn dran ist.
Herr, du österlicher Sieger, du Held, dem Tod und Verderben, Sünde und Bosheit nicht gewachsen sind, wir beten dich an in unserer Mitte. Höre unser Gebet und lass uns erfahren, dass Du lebst und bei uns bist. Amen.
